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Bildungsungleichheit bei Migranten. Institutionalisierte Diskriminierung von Ausländern?

Hausarbeit 2004 20 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff Chancengleichheit
2.1. Chancengleichheit oder soziale Ungleichheit

3. Bildungsungleichheit und die Merkmale für unterschiedliche Bildungschancen
3.1. Gleiche Bildungschancen für alle?
3.2. Sozioökonomische Lage des Elternhauses und kulturelles Kapital
3.3. Bildung und Berufstätigkeit (Humankapital) der Eltern
3.4. Familienstruktur und im Elternhaus gesprochene Sprache

4. Bildungsungleichheit bei Kindern mit Migrationshintergrund
4.1. Größere Bildungsbarrieren für Ausländerkinder
4.2. Gründe für die Differenzierung in den Bildungswegen von Migranten

5. Soziale Auslese durch das Schulsystem

6. Fazit und mögliche Bildungsreformziele

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Armut hat schwarze Haare". So wurde ein Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Drieschner, 2003, 3) betitelt. Da Armut sich auch über mangelnde Bildung bedingt[1], kann man die Überschrift umformen und erhält: „Bildungsarmut hat schwarze Haare.“ Diese Aussage deutet an, dass Ausländerkinder weniger Chancen auf einen hohen Bildungsabschluss haben als deutsche Kinder[2]. In der Bundesrepublik Deutschland besteht ein enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungsbenachteiligung; die soziale Herkunft hat in Deutschland massive Auswirkungen auf die Bildungskompetenz der Kinder. Ins Auge fallen vor allem gravierende Unterschiede der Bildungsbeteiligung und des Kompetenzerwerbs in Abhängigkeit von dem Migrationsstatus.

In der Bundesrepublik gilt jedoch die Forderung nach uneingeschränkter Chancengleichheit. Diese besagt im Bildungsbereich, dass alle entsprechend ihren Leistungen und Fähigkeiten gleiche Chancen zum Erwerb mittlerer oder höherer Bildungsabschlüsse haben sollen.

In der vorliegenden Seminararbeit soll untersucht werden, inwieweit diesen Maßstäben genüge getan werden kann, was unter Bildungsgleichheit bzw. -ungleichheit zu verstehen ist und ob ausländische Schüler bzw. Schüler, deren Muttersprache nicht die Unterrichtssprache ist, stärker benachteiligt werden als deutsche Kinder. Der Schwerpunkt wird hier auf die Benachteiligung durch das deutsche Bildungssystem gelegt.

Zunächst soll ein Überblick über Chancengleichheit und über Bildungsungleichheit im Allgemeinen geschaffen und ihre Entstehungsgründe beleuchtet werden. Anschließend werden die erschwerten Bildungsmöglichkeiten der ausländischen Kinder im Besonderen skizziert, sowie die Ursachen für diese Bildungsbarrieren veranschaulicht werden. Daran anknüpfend soll herausgearbeitet werden, ob diese Bildungsbarrieren durch das Schulsystem noch vergrößert werden.

Schließlich soll zusammenfassend die dringende Notwendigkeit einer Reform des Bildungssystems dargestellt und der Frage nachgegangen werden, wie diese Bildungsbarrieren bei Kindern mit Migrationshintergrund entstehen und wie sie möglicherweise behoben werden können.

2. Der Begriff Chancengleichheit

Chancengleichheit war seit Anfang der sechziger Jahre wohl eines der am häufigsten bearbeiteten Themen bildungsökonomischer und soziologischer Forschung in Deutschland und eine der wichtigsten Forderungen in der politischen Diskussion. Entscheidend sind dabei die Öffnung der Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie der Zugang zu gesellschaftlichen, insbesondere beruflichen Positionen für alle, insbesondere auch für Migranten. Das Anrecht auf Chancengleichheit impliziert die demokratisch-sozialstaatliche Forderung nach gleichen Startmöglichkeiten und Teilhabemöglichkeiten im politischen und gesellschaftlichen Prozess (Thomas, 1970, 47).

Allen Menschen sollen die gleichen Chancen für die Entfaltung der eigenen Fähigkeiten gewährt werden, ohne wegen bestimmter Merkmale zurückgesetzt zu werden. Die inhaltliche Determination des Begriffs der Chancengleichheit entspricht auch dem Wortlaut von Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes:

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen und politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden.“

Die bildungspolitische Forderung nach sozialer Chancengleichheit beim Zugang zu dem wichtigsten gesellschaftlichen Gut Bildung ist ein Grundsatz sozialer Gerechtigkeit. Zwar sind Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland de facto beim Zugang zu Bildung Deutschen gleichgestellt, in der Praxis jedoch vermisst man diese Chancengleichheit, sei es im Übergang vom Kindergarten zur Grundschule als auch bei höheren Bildungsgängen (Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen, 2002, 174).

Durch welche Merkmale aber entsteht solch eine soziale Ungleichheit? Durch welche Faktoren ist diese bestimmt? Im folgenden Kapitel soll knapp auf diese Ursachen eingegangen werden.

2.1. Chancengleichheit oder soziale Ungleichheit

Die soziale Ungleichheit soll in groben Zügen anhand einiger ausgewählter Merkmale differenziert werden. Die soziale Schichtzugehörigkeit variiert je nach Ausmaß dieser Kriterien (Schäfers, 1998, 616).

- Einkommensverteilung

Die Lebenschancen hängen von der Einkommensverfügung ab und können proportional zur Höhe der Einkünfte gegeneinander abgegrenzt werden. Die Einkommensverteilung hat sich in den letzten vier Jahrzehnten kaum verändert, das reichste Fünftel hat etwas mehr als das Doppelte, das ärmste Fünftel weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Haushaltseinkommens zur Verfügung.

- Vermögensverteilung

Die Chancen, Ersparnisse zu bilden und Vermögen anzulegen, variieren. Wer kein großes Einkommen hat, kann auch nicht viel sparen. Die Vermögensunterschiede fallen ausgeprägter aus als die Unterschiede beim Einkommen. Das reichste Zehntel verfügte 1993 fast über die Hälfte des Gesamtvermögens der Bundesrepublik, die untere Hälfte nur über etwas ein Zehntel des Vermögens.

- Stellung im Beruf

Das Sozialprestige, das ein bestimmter Beruf impliziert, ist an die Möglichkeit gekoppelt, sich die geforderten beruflichen Qualifikationen aneignen zu können. Die Ungleichheit besteht u.a. in der Gliederung der Qualifikationsanforderungen. So haben zum Beispiel Ärzte ein hohes öffentliches Ansehen, da die Ausbildung sehr lange dauert.

- Bildungsungleichheit

In der Bundesrepublik ist eine vertikale Ordnung der Bildungsabschlüsse zu bemerken. Diese Unterscheidungen lassen sich unter anderem aus den verschiedenen Ausbildungszeiten herleiten. Die Startchancen der einzelnen sozialen Schichten sind ungleich, sie werden nicht nur durch die Bildungsvoraussetzung und -motivation der Eltern, sondern auch zum Beispiel durch das ökonomische Umfeld der Familien bestimmt.

Diese Kriterien sind die entscheidenden Variablen des Statuszuweisungsprozesses in der modernen Gesellschaft[3]. Die Merkmale sind ineinander verwoben, sie beeinflussen sich gegenseitig.

Es zeigt sich in zahlreichen Studien, dass Menschen in den unteren sozialen Schichten durch die sozioökonomischen Bedingungen oft nicht in der Lage sind, die Berufsqualifikationen zu erreichen, die für eine erwünschte Stellung im Beruf und das damit angestrebte Sozialprestige erforderlich sind und die ihren Leistungen entsprechen. Der zukünftige Sozialstatus wird erheblich durch die schichtspezifischen Unterschiede in den Bildungswegen beeinflusst, auf die später noch genauer eingegangen werden soll.

[...]


[1] Bildung und Qualifizierung haben drei Zieldimensionen, die immer zusammen zu sehen sind: Entwicklung der Persönlichkeit, Teilhabe an der Gesellschaft und Beschäftigungsfähigkeit. Wenn Kinder nicht entsprechend ausgebildet werden, haben sie keine Chance auf einen entsprechenden Beruf und sind dann oft auf Sozialhilfe angewiesen.

[2] Der überwiegende Teil der Migrantenfamilien ist den sozial schwächsten Schichten zuzurechnen.

[3] Als Statuszuweisungsprozess wird der Prozess bezeichnet, in dem Individuen im Laufe ihres Lebens in Positionen gelangen, die ihren sozialen Status determinieren.

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638444095
ISBN (Buch)
9783656497066
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47464
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Schlagworte
Bildungsungleichheit Migranten Institutionalisierte Diskriminierung Ausländern Interkulturelle Erziehung Bildung

Autor

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Titel: Bildungsungleichheit bei Migranten. Institutionalisierte Diskriminierung von Ausländern?