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Die Vereinigte Ostindische Kompanie (VOC) der Niederlande vom 16. bis 18. Jahrhundert

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 25 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1.) Die Grundlagen für den Seehandel mit Asien
1.1) Geschichte der Handelsnationen
1.2) Die Waren aus dem Osten
1.3) Der Handel in Europa

2.) Die Vorläufer der VOC
2.1) Niederländische Asien-Expeditionen vor 1602
2.2) Wichtige Personen und Expeditionen
2.3) Probleme der niederländischen Handelskompanien

3.) Die VOC
3.1) Die Gründung im Jahre 1602
3.2) Die Struktur der VOC
3.3.) Die ersten Dekaden des Handels
3.4) Das Prinzip des Handels
3.5) Der innerasiatische Handel
3.6) Der Handel mit Japan
3.7) Der Niedergang der VOC

4.) Schlussbetrachtung und Fazit

5.) Literaturverzeichnis und Bildernachweis
5.1) Literaturverzeichnis
5.2) Abbildungsnachweis

Einleitung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte der Vereinigten Ostindischen Kompanie der Niederlande (nachfolgend VOC). Zunächst wird ein Überblick gegeben, welche Rahmenvoraussetzungen im untersuchten Zeitraum in den großen Seefahrernationen Europas vorherrschten, welche Waren es überhaupt wert waren, sie aus Asien über den gefahrvollen Seeweg zu verschiffen und wie der Absatz der Waren in Europa betrieben wurde.

Im zweiten Abschnitt bildet die Geschichte des niederländischen Handels vor Gründung der VOC den Schwerpunkt. Anhand beispielhafter Expeditionen und ausgewählter Personen, sowie exemplarischer Betrachtung einer Kompanie-Struktur soll das Ausmaß dargestellt und die Beweggründe der Holländer in den internationalen Seehandel mit Ostasien einzusteigen ergründet werden. Nicht berücksichtigt wurden jedoch die weiteren Handelskompanien in dieser Zeit, welche vor allem im Handel mit England und dem baltischen Raum ihre Schwerpunkte setzten.

Die Untersuchungen über die VOC selber sind in mehrere Teile gegliedert. Zunächst müssen Gründung und Struktur der neuen Gesellschaft erörtert werden. Im Anschluss daran gilt es einen Einblick in den Handel und die dazugehörige Planung der Gesellschaft zu erlangen. Hierzu wird auf die Betrachtung von drei Handelswegen gesetzt. Zum einen der Handel mit den Niederlanden, weiterhin der innerasiatische Handel und dort als besonders herausgehoben nochmals der Handel mit Japan. Auch die historischen Fakten über das Ende der Kompanie sind in diesem Abschnitt zu finden.

Den Abschluss bildet ein Fazit, welches aufzeigen soll, woran die VOC wirklich gescheitert ist und die Gründe mit einem fiktiven Beispiel aus der heutigen Zeit in Relation stellen.

1. Grundlagen für den Seehandel mit Asien

Um zu verstehen, warum für die europäischen Mächte überhaupt ein Handel auf dem Seeweg in Betracht kam, muss man sich zunächst einmal das politische Gesamtbild jener Zeit ansehen. Ebenso ist es wichtig zu wissen, wie die Waren aus Asien kamen und welche Wege sie in Europa nahmen. Die sichere Passage nach Asien selbst war seit dem Jahr 1498 möglich, als Vasco da Gama von Lissabon ausgehend, über das Kap der Guten Hoffnung, erfolgreich nach Indien vorstieß.

1.1) Geschichte der Handelsnationen

Nachfolgend werden die für diese Arbeit wichtigen Nationen (Niederlande, Spanien/Portugal, Frankreich sowie England) kurz dargestellt. Schwerpunkte hierbei liegen auf der jeweiligen Herrschaft, sowie den daraus resultierenden Relationen zu den anderen genannten Nationen:

Niederlande:

Die 7 nördlichen Provinzen der Niederlande, bis dato Teil von Spanien, erklärten 1579 ihre Unabhängigkeit, was zu einem 80-jährigen Krieg mit Spanien eskalierte. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 wurden diese Provinzen offiziell unabhängig von der Krone und dem deutschen Reich. Es folgte die Republik der Niederlande, welche erst 1796 durch die mit französischer Hilfe gegründete Batavische Republik 1 (bis 1806) abgelöst wurde. Mit England wurden darüber hinaus in der Zeit von 1652 bis 1784 vier Kriege mit wechselndem Ausgang geführt, jedoch meist zum Nachteil der Niederländer. Spanien/Portugal:

Spanien in dieser Epoche stand nach erfolgreichem Ausgang der Reconquista unter der Herrschaft der Habsburger. Diese taten sich vor allem durch ihre kriegerische Seite hervor. So wurden neben dem o.g. niederländischen Unabhängigkeitskrieg auch der 30-jährige Krieg und Schlachten gegen die Türken, welche die österreichischen Besitztümer des Hauses Habsburg nicht erst seit der Belagerung Wiens 1529 bedrohten, geführt. Seit 1580 wurde auch Portugal nach dem Aussterben der dortigen Herrscherlinie unter der Habsburger Krone in Personalunion geführt. Ebenfalls erwähnenswert sind die Versuche, England wieder dem katholischen Glauben zu unterwerfen, welche 1588 endgültig mit dem Untergang der Armada scheitern. Auch mit Frankreich gab es zu jener Zeit immer wieder Kriege in denen u.a. 1659 Teile der südlichen Niederlande (heute Belgien) an Frankreich fallen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erlischt die Linie der Habsburger und die Bourbonen übernehmen nach Ende des spanischen Erbfolgekriegs (1701-1714) die Herrschaft in Spanien.

Portugal wurde bis 1580 vom Geschlecht der Avis regiert, welches es vollbrachte, das Land zur bis dato größten Handelsmacht Europas zu bringen. Die größten Entdeckungen und Landnahmen jener Zeit wurden durch portugiesische Entdecker vollzogen. Die Machtübernahme durch Philipp I. (von Portugal = Philipp II. von Spanien) verwickelte auch Portugal in die Gegenreformation, die sich vor allem gegen England richtete. Nach dem Ende der Doppelherrschaft 1640 übernahm das Haus Braganza die Krone, konnte jedoch wirtschaftlich gesehen nie mehr an die Erfolge aus der Zeit vor der spanischen Herrschaft anschließen. Erwähnenswert war hierbei noch der erste Englisch-Niederländische Krieg, in dem Portugal als Verbündeter der englischen Krone beistand und sich somit die alleinige Vormachtstellung in Brasilien sicherte (1652, vgl. hierzu Geschichte der Niederländischen Westindienkompanie)

England:

1533 brach Henry VIII. von England mit der katholischen Kirche. Wie bereits erwähnt, führte dieses Ereignis in den folgenden Jahrhunderten zu diversen kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen europäischen Nationen. Einer der größten Erfolge gelang Sir Frances Drake 1588, als er die Spanische Armada besiegen konnte.

Insgesamt war das England des 16. Jahrhunderts von religiösen Querelen geprägt. So war durch Mary von Schottland, welche 1553 den Thron bestieg, katholisch und mit Philipp II. von Spanien verheiratet. ihre Nachfolgerin Elizabeth I. gehörte offiziell dem Protestantismus an, den sie, nachdem er durch Mary verboten worden war, 1559 wieder einführte.

1649 ergab sich erneut ein Regierungswechsel, als Oliver Cromwell zum Lord Protector of the Commonwealth aufstieg und die königliche Herrschaft bis 1659 beendete. Erst Karl II. stellte die Verhältnisse von 1642 wieder her.

1689 war die katholische Herrschaft über England jedoch erneut beendet, als der protestantische Wilhelm von Oranien nach der Unterzeichnung der Bill of Rights zum englischen König gewählt wurde. 1707 entstand das Königreich Großbritannien unter Königin Anne, welches prompt in den spanischen Erbfolgekrieg involviert wurde. Nach 1714 geriet die britische Krone trotz Protesten der Jakobiter unter die Herrschaft der Welfenkönige Georg I, II, III. Letzterem ist der Verlust der Kolonien in Amerika im Zuge des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges zuzuschreiben. Georg IV. schlussendlich regierte bis in die napoleonische Zeit.2

1.2) Die Waren aus dem Osten

Wie an späterer Stelle noch erläutert, waren Waren aus dem Orient und Asien in Europa seit jeher sehr begehrt. Die gefahrvollen, entbehrungsreichen Reisen, die europäische Händler auf sich nahmen, sei es auf dem See- oder Landweg, galten einer Vielzahl von Produkten. Seit den Entdeckungen der Portugiesen - welche zudem noch eine Unterbrechung der muslimischen Handelswege anstrebten - lag das Hauptaugenmerk der Händler auf den so genannten Gewürzinseln im heutigen Indonesien. Neben Pfeffer von den Molukken, waren Nelken, Muskatnüsse, Muskatblüten von dort hoch begehrt. In China lernte Europa die Vorzüge des Tees kennen, im Gebiet des heutigen Jemen und auf Java stieß man auf den Kaffee. Indische Baumwoll- und Seidentextilien waren sowohl in Europa, als auch in den amerikanischen Kolonien stark gefragt.3

Im Gegenzug mussten natürlich auch Waren zum Tausch in den Osten geliefert werden. Neben einer stetig steigenden Nachfrage nach Edelmetallen - hier vor allem Silber - lieferten europäische Händler besonders europäische Textilien, Wein und Bier für den Handel. Darüber hinaus waren die Schiffe mit allerlei Gebrauchswaren bestückt, auch wenn diese in der Regel der Eigennutzung in den entsprechenden Handelsstützpunkten dienten.4

1.3) Der Handel in Europa

Solange Portugal die beherrschende Macht im Handel mit Ostasien war, funktionierte das Verkaufssystem in Europa lediglich auf zwei Wegen.

Der eine, schon seit knapp 1000 Jahren bewährte, war der Weg über Land durch Eurasien. Diese Handelskarawanen verkehrten auch zur Zeit des blühenden Seehandels. Besonders hervorgetan haben sich in diesem Bereich die venezianischen Händler, welche als Zwischenhändler auftraten und für eine Distribution der Waren aus Nahost und China in Europa sorgten. Allerdings war das Warenangebot und -mengen begrenzter, da die Ladekapazität eingeschränkt war.5

Die Portugiesen mit ihren Schiffen wählten den Weg der Kontrakte. Die von Portugal entsandten Händler kauften in Indien und auf den Gewürzinseln ihre Waren ein und verkauften sie bei ihrer Rückkehr zu einem, vor Abfahrt ausgehandelten, fixen Preis an die Krone. Diese verkaufte an Großhändler, die Contradores, ebenfalls zu einem vertraglich fixierten Preis. Von diesen erwarben die Händler in Europa ihre Waren, jedoch ohne einen festen Preisrahmen.6 Seit 1591 lag der Großteil der von Portugal an die Großhändler veräußerten Waren in den Händen der Fugger und Welser, welche dies zur Vermehrung ihres eigenen Reichtums geschickt einsetzten und bevorzugt ihre eigenen Firmen belieferten.7

Ferner sahen die Portugiesen als einzige Nation Europas, die sich am Asienhandel beteiligte, keine Notwendigkeit einer Monopolgesellschaft. Warum diese von den anderen als Mittel der Wahl angesehen wurde, wird im folgenden Punkt noch näher ausgeführt.8

Global gesehen erwies sich das System als ineffizient, schloss es doch eine Reihe an Händlern vom Handel mit diesen Gütern aus und rief dadurch andere Nationen auf den Plan.

[...]


1 Hooker, M.; The Greenwood Histories of the Modern Nations - The History of Holland -, London 1999, S. 107

2 Alle Angaben zur Geschichte Europas entnommen aus: www.Wikipedia.org/de genau Auflistung siehe Literaturverzeichnis

3 Beelen, H.: Handel mit der Neuen Welt - Die VOC der Niederlande 1602 - 1798 - ,Oldenburg 2002, S.18

4 Vgl. ebd.

5 De Vries, J. / van der Woude, Ad.: The first modern economy - Success, failure and perseverence of the Dutch economy, 1500 - 1815 -, Cambridge 1997, S. 383

6 Encarta Enzyklopädie 2001."Microsoft ® Encarta ® Enzyklop ä die 2001. © 1993-2000

7 De Vries, J. / van der Woude, Ad.: The first modern economy, S. 383

8 Jaap, R. & Gaastra, F.: Ships, Sailors and Spices - East India Companies and their shippings in the 16th, 17th and 18th centuries -, Amsterdam 1993, S. 177

Details

Seiten
25
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638443647
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47408
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Historisches Seminar
Note
2
Schlagworte
Vereinigte Ostindische Kompanie Niederlande Jahrhundert Texte Frühneuzeitforschung

Autor

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