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Entwicklung der amerikanischen Unterhaltungsmusikkultur und deren Einflüsse auf Deutschland

Hausarbeit 2002 17 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärung Unterhaltungsmusik

3 Die verschiedenen Musikstile in den Vereinigten Staaten und ihre Ursprünge
3.1 Die Wurzeln der amerikanischen Unterhaltungsmusik
3.2 Der Jazz
3.3 Der Swing
3.4 Der Rhythm´n´Blues
3.5 Der Rock´n´Roll
3.6 Die Popmusik

4 Einflüsse der Medien auf die Entwicklung einer Unterhaltungsmusikkultur in den Vereinigten Staaten
4.1 Die Schallplatte, das Radio und der Film – Reproduktionsmöglichkeiten von Musik im 20. Jahrhundert
4.2 Konzentrationsentwicklungen im Entertainment Business
4.3 Auswirkungen auf Künstler

5 Einflüsse der amerikanischen Unterhaltungsmusikkultur auf Deutschland
5.1 Wirtschaftliche Einflüsse der Unterhaltungsmusikkultur in Deutschland
5.2 Einflüsse auf das Verhalten des Menschen, aufgezeigt am Beispiel der Diskokultur der 80er Jahre

6 Zusammenfassung

Anhang

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Heutzutage existieren in der Unterhaltungsmusik Unmengen von verschiedenen Musikstilen, die auch besonders in den letzten Jahren in sehr starkem Maße diversifiziert wurden und so zu unterschiedlichsten Untermusikstilen geführt haben. Allerdings gibt es Musikströmungen, denen Diese entsprangen. Gründe für diese Entwicklungen sind vielfältiger Natur.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der amerikanischen Unterhaltungsmusikkultur und deren Einflüsse auf Deutschland. Hierbei wird vorab ein Überblick über die wesentlichen Musikstile des 20. Jahrhunderts und deren Ursprünge gegeben und aufgezeigt, inwieweit äußere[1] und innere[2] Faktoren die Musik beeinflussten und so zu Weiterentwicklungen führten. Des Weiteren wird der Einfluss der amerikanischen Medien auf die Unterhaltungsmusik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dargestellt. Darauf aufbauend wird der Einfluss der amerikanischen Unterhaltungsmusik auf den Wirtschaftsraum Deutschland und den Menschen an sich anhand des Beispieles Diskokultur der 80er Jahre näher betrachtet.

2 Begriffserklärung Unterhaltungsmusik

Unter dem Begriff Unterhaltungsmusik, dem deutschen Synonym der popular music, versteht man eine Musik, die geprägt ist durch eine Profitorientierung der Musikindustrie und bei der der Massenmarkt mit seiner breiten Käuferschicht angesprochen wird. Hierbei sind die Käuferschichten zumeist homogen in Alter, sozialer Klasse und Herkunft. Weiterhin ist für die Unterhaltungsmusik eine Rationalisierung des Produktionsverfahrens und eine technische Perfektion z.B. durch die Mehrspuraufnahme kennzeichnend. Des Weiteren zeichnet sich die Unterhaltungsmusik durch ihre Schnelllebigkeit und schnelle Entwicklung aus, wobei sie auch maßgeblich von Modererscheinungen abhängig ist. Dies unterscheidet sie von Musikrichtungen wie dem Folk oder der Fine Art, welche sich langsam durch ein Ausweiten der ästhetischen Möglichkeiten entwickeln. Das deutsche Penn Deng ist die sog. ernste Musik. Eine Abgrenzung in diesem Sinne entstand erst im 20. Jahrhundert.

3 Die verschiedenen Musikstile in den Vereinigten Staaten und ihre Ursprünge

3.1 Die Wurzeln der amerikanischen Unterhaltungsmusik

Es gab zum Anfang des 20. Jahrhunderts verschiedene Musikstile. Zwar war dies nicht in solchem Maße ausgeprägt, wie dies heute der Fall ist, jedoch existierten auch damals verschiedene Musikrichtungen, die sich sehr stark voneinander unterschieden. In meiner Betrachtung werde ich lediglich Musikrichtungen der Unterhaltungsmusik analysieren, nicht jedoch Musik aus dem Bereich der ernsten Musik.

Die Quellen der heutigen Musikkultur sind sehr vielfältiger Natur, jedoch sind sich Musikwissenschaftler heute darüber einig, dass sie wesentlich afrikanischer Abstammung ist. Einflüsse kommen aus dem Blues, der Kirchenmusik der Schwarzen des späten 19. Jahrhunderts (Gospels), den Work Songs der Eisenbahnarbeiter und Baumwollfeldarbeiter, der Musik der reisenden minstrel shows und der europäischen Übersetzung dieser neuen Einflüsse in Form des Ragtime. Doch am Anfang stand die Musik der Afrikaner, welche im Rahmen des Sklavenhandels nach Amerika und in andere Kontinente kamen und deren Kultur sich mit der einheimischen mischte, wozu auch deren Musik gehörte. Katholische Sklavenhändler ließen der Kultur der Afrikaner etwas mehr Freiraum, als der britische Protestantismus, der jegliche Form des Tanzes und Trommelns verbot. Die Sklaven kannten nicht den Begriff des „Kunstliedes“ wie er in Europa geformt wurde. Sie musizierten bei fast jeder Gelegenheit. Ihr Einfluss war bei einer Anzahl von 4 Mio. nach der Abschaffung der Sklaverei Mitte des 19. Jahrhunderts von großer Bedeutung. Im vorrevolutionären Cuba blieb die Musikkultur der Afrikaner in noch stärkerem Maße erhalten und kam zum Ausdruck durch die Entwicklung der Musikstile Rumba, Mambo und Cha-Cha. Elemente, die jedoch all diesen Musikrichtungen zu Grunde lagen, waren in der afrikanischen Wahrnehmung das Dominieren des Rhythmus über Melodie und Harmonik.[3]

3.2 Der Jazz

Einer der wichtigsten Einflussfaktoren zur Entwicklung einer Unterhaltungsmusik Amerikas und von vielen als die einzige von Amerikanern geschaffene Kunstrichtung angesehene Musik ist der Jazz.[4]

Im Schmelztiegel USA entstand in New Orleans eine neue Musikrichtung, die französischer und westafrikanischer Abstammung war, der frühe Jazz. Die Musikinstrumente dieser neuen Musikrichtung waren den Militärkappellen entnommen. Eine Band namens Original Jazz Band hatte den Jazz dort gehört und war begeistert davon, so dass sie ihn mit nach New York brachte, von wo aus der Jazz seinen Weg in die Welt antrat. Obwohl der Jazz der damaligen Zeit sehr gewöhnungsbedürftig war, da er Elemente enthielt, die dem normalen Zuhörer in erster Linie fremd erschienen, wie zum Beispiel Synkopen, Blue Notes oder Polyrhythmen, gewöhnten sich durch die ständige Konfrontation mit der Musik die Bürger Amerikas sehr schnell an die Eigenarten des Jazz. So wurden in den 20er Jahren fast ausschließlich sog. Race Records von den Schallplattenunternehmen veröffentlicht. Die Musiker auf diesen Platten waren farbig und es zählten zu ihnen zum Beispiel Louis Armstrong, Bessie Smith, Bix Beiderbecke und Duke Ellington. Für die Plattenindustrie war die Produktion sehr günstig. Ein Musiker erhielt für die Aufnahme einer Schallplatte 5 $ und es wurden durchschnittlich 1-10 Musiker für eine Schallplatte benötigt, das Songmaterial kam von den Musikern und falls es Probleme mit dem Vertrieb auf Nationenebene gab, konnte diese Musik sehr leicht in den Schwarzenvierteln der Großstädte abgesetzt werden. Dadurch, dass junge Musiker nun die Gelegenheit hatten Musik und hier hauptsächlich den Jazz, immer und überall zu hören und diese zu studieren, versuchten sie, die Musik zu reproduzieren und dadurch entwickelten sie diese Musik weiter, indem ein jeder seine Persönlichkeit und Fähigkeit in die Musik mit einbrache und eine neue Musik formte. Des Weiteren florierte der Jazz auch in den illegalen Kneipen, die aufgrund der Prohibition von 1920 entstanden.

Die Musik war auch sehr beliebt beim Publikum, da sie gesellschaftskritische, provokante oder sexistische Texte enthielt. So waren Themen einiger Lieder das viktorianische Mittelklassetum, Klassenunterschied, Rasseneinstellung und weibliche Liberalisierung.

Doch gab es auch zur damaligen Zeit Gegner der Jazzmusik, wie man sie zu der Zeit kannte. Die Traditionalisten, von der Musikindustrie bis in die späten 20er kaum beachtet, gewannen an Zustimmung in der Bevölkerung. So entschloss sich die Musikindustrie in den späten 20er Jahren dazu, aus ethischen und geschäftlichen Gründen, etwas gegen die Jazzmusik zu unternehmen. Grund für den Unmut waren die Textpassagen der Jazzlieder. Mills, Chairman der American Society of Composers, Authors and Publishers ASCAP, sagte: “Just keep the words clean and the music will take care of itself.” Er forderte den Kampf gegen Musik mit “lewd, lascivious, salacious or suggestive titles or lyrics”. Ergebnis der Diskussionen über dieses Thema war die Einführung einer Gesellschaft, die den amerikanischen Musikmarkt ab diesem Zeitpunkt kontrollierte.

Im Untergrund allerdings hielt sich der Jazz weiter und wurde stetig weiterentwickelt. Weiterhin wollten einige Unternehmen der Schallplattenindustrie auch Profite aus diesen Marktsegmenten schlagen und so produzierten sie auch weiterhin diese Musik weiter.

Die Filmindustrie zensierte ebenfalls sehr viele Titel. Will Hays, damaliger 1. Vorsitzender der Motion Picture Producers and Distributors Association of America verbannte den Jazz und erklärte, dass der Jazz im Film keine Chance mehr hätte.[5]

Da das Radio in viel Größerem Maße die Stimmen der Traditionalisten erhörte, weil es in sehr hohem Maße von den Zuhörerzahlen abhängig war, was Werbung betraf, wurde 1927 vom amerikanischen Kongress der Sog. Radio Act verabschiedet mit der Etablierung einer Untersuchungskommission, die ebenfalls das Textmaterial des gesendeten Songmaterials analysieren sollte. Dieses wurde auch im Communications Act von 1934 aufgenommen.

1942 wurde ein schwarze Liste der NBC mit bedenklichen Songs herausgegeben. Hierin waren 290 Songs enthalten, von denen 217 ohne deren Text gar nicht dargeboten werden konnten und der Rest nur in stark abgewandelter Form. Andere Sender verbannten den Jazz komplett, wieder andere sendeten nur an bestimmten Tagen oder Zeiten Jazz.

Auch war eine Entwicklung der Jazzmusiker erkennbar, die Musik auf einem technisch hohen Niveau spielen wollten. Das Publikum allerdings wollte lediglich zur Musik tanzen können und Unterhaltung in den Clubs haben. So baute sich langsam aber stetig ein Spannungsfeld zwischen den Musikern und dem Publikum auf, der einen extremen Höhepunkt im Bebop fand, einer up-time music, zu der das Tanzen nicht möglich war.

All diese Entwicklungen führten weiterhin zu einer Entwicklung, die dem symphonischen Jazz zu seiner Popularität verhalf. Hier zählten dann nicht mehr die Wörter an sich, sondern die Musik selbst. Und hierbei vor allen Dingen die rhythmischen Motive: der Swing wurde populär.

[...]


[1] Behandelt in Kapitel 4

[2] Behandelt in Kapitel 3

[3] Vgl. Nanry, Charles, American Music: From Storyville to Woodstock, S. 44ff.

[4] Ebd.. S. 147

[5] Vgl. Nanry, Charles, (FN1), S. 51f.

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638128971
ISBN (Buch)
9783656567653
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4740
Institution / Hochschule
Fachhochschule der Wirtschaft Paderborn – Musikwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Unterhaltungsmusik

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