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Liebeskonzepte in Rojas‘ "La Celestina"

Seminararbeit 2005 13 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Zusammenfassung des Werkes

3. Hauptcharaktere und ihre Haltung gegenüber der Liebe
3.1. Calisto
3.2. Melibea
3.3. Celestina

4. Erscheinungsformen der Liebe
4.1. Verblendende Liebe
4.2. Liebe als Krankheit
4.3. Liebe als Konsumgut
4.4. “Amor-pasión” als Parodie auf “Amor cortés”
4.5. Liebe und Blasphemie

5. Intention des Autors

6. Schlussfolgerung

7. Bibliographie

1. Einleitung

Fernando de Rojas La Celestina ist eines der wichtigsten spanischen Werke und gehört zur Weltliteratur. Da es auch heutzutage noch sehr einflussreich und erfolgreich ist, gebührt ihm etwas mehr Aufmerksamkeit. Vor allem eines seiner Hauptthemen, die Liebeskonzepte, sind von großer Bedeutung. Daher sollen im Folgenden diese Liebeskonzepte etwas näher betrachtet und analysiert werden. Nach einer kurzen inhaltlichen Einleitung werden zuerst die Hauptcharaktere hinsichtlich ihrer Haltung zur und ihres Verhaltens in der Liebe charakterisiert. Das Liebespaar Calisto und Melibea sowie die Kupplerin Celestina sollen dabei in der ganzen Ausführung im Mittelpunkt stehen, wobei natürlich auch Nebencharaktere wie die Diener Calistos oder die Prostituierten für einige Erscheinungsformen der Liebe angeführt werden. Nach diesem ersten Überblick der Problematik wird die Liebe nun in ihren unterschiedlichen Erscheinungen dargestellt, ihre verblendende Wirkung wird analysiert, die Liebe als Krankheit wird erklärt und auch auf die Liebe als Konsumgut wird eingegangen. Anschließend soll nun die anhand der Figur Calistos aufgeworfenen Konzepte der amor cortés und amor-pasión genauer in ihrer Darstellung in La Celestin a untersucht werden. Ein letztes Konzept wird in der Beziehung zwischen Liebe und Blasphmenie deutlich: Können die dargestellte Liebe und Gott gemeinsam existieren oder ändert sich das Verhalten Liebender gegenüber Gott? Nach all diesen Erscheinungsformen der Liebe, stellt sich nun die Frage nach dem Zweck des Ganzen, vor allem anhand der einleitenden moralischen Absicht des Autors. Wie ist seine Intention? Lässt sich diese historisch erklären? Nach der abschließenden Schlussfolgerung sollten hoffentlich die erläuterten Liebeskonzepte sowie die etwas ambige Intention des Autors klarer erscheinen.

2. Kurze Zusammenfassung des Werkes

Der Edelmann Calisto ist entbrannt in feuriger Liebe zu der ehrenhaften Jungfrau Melibea, die ihn energisch abweist. Mit Hilfe seiner habsüchtigen, Diener Sempronio und Parmeno sowie der heuchlerischen Kupplerin Celestina, die ihren Nutzen aus seinem Streben ziehen wollen und stattdessen den Tod finden, kann Calisto Melibea schließlich für sich gewinnen. Nach kurzem Liebesglück jedoch verunglückt Calisto tödlich und Melibea begeht Selbstmord.

3. Hauptcharaktere und ihre Haltung gegenüber der Liebe

Um einen Überblick über die Problematik der Liebe, die verschiedenen Charaktere und deren Ansichten zu bekommen, folgt eine Kurzcharakteristik der Hauptcharaktere Calisto, Melibea und Celestina bezüglich ihrer Haltung gegenüber der Liebe.

3.1. Calisto

Der Edelmann Calisto ist ein Träumer, der, nachdem seine Liebe zu Melibea entflammte, an nichts anderes mehr denken kann. Seine Gedanken kreisen nur noch um seine Angebetete und den Schmerz, der ihre Abweisung ihm zufuhr, und er lässt sich unbewusst von seinen Dienern und der Celestina finanziell ausnutzen. Dabei fällt auf, dass sich seine Gedanken an Melibea in erster Linie auf ihr Äußeres fixieren. Er begehrt ihren Körper und verehrt ihre Schönheit. Auch betont er immer wieder seine eigene Unwürdigkeit und Unterlegenheit, wie z.B. im Gespräch mit Sempronio: „[...] y en todo lo que me has gloriado, Sempronio, sin proporción ni comparación se aventaja Melibea.“[1] (La Celestina: 64)

Seine übertriebene Unterwürfigkeit und die maßlos übertriebene Verehrung wirken teilweise schon fast lächerlich, ebenso wie sein Tod durch den Sturz von einer Leiter beim Verlassen des Gartens seiner Geliebten nicht gerade würdevoll erscheint. Auch fällt auf, dass Calisto nie auch nur den Gedanken an eine mögliche Hochzeit zwischen den beiden in Betracht zieht, seine Verehrung fußt lediglich auf seinem körperlichen Verlangen. Seine Art der Liebe ist ein Beispiel für die „loco amor“ oder „amor-pasión“, deren Ziel die körperliche Vereinigung ist. E. Michael Gerli stellt außerdem fest, dass Calisto voyeuristische Züge in sich birgt[2]. Immer wieder betrachtet er in seiner Phantasie Melibeas Bild, und vor allem, was er nicht gleich zu Gesicht bekommt, steigert seine Erregung: „Aquella proporción que ver yo no pude, no sin duda, por el bulto de fuerza, juzgo incomparablemente ser mejor que la de Paris juzgó entre las tres Deesas.“(La Celestina: 66) Als Calisto schließlich Melibeas Gürtel, der ihren Körper umgab, in die Hände bekommt, personifiziert er diesen und spricht in lächerlicher Verehrung flehend zu ihm. Doch Calisto schwelgt nicht nur in seinen imaginären Beobachtungen anderer, er verkörpert auch, was Gerli als „narcisismo egoísta“ bezeichnet. Als Melibea Lucrecia bei ihrem Liebesspiel bittet, sich zu entfernen, bemerkt Calisto: „Bien me huelgo que estén semejantes testigos de mi gloria.“(La Celestina: 243) Calisto findet exhibitionistischen Gefallen daran, nun selbst beobachtet und zum Lustobjekt zu werden, sein Narzissmus wird deutlich. Generell verhält sich Calisto auch des öfteren sehr egoistisch, z.B. als er vom Tod seiner Diener hört und jedoch nur an die negativen Auswirkungen auf seinen Ruf denkt. Anstelle deren Tod zu betrauern, lenkt er sich mit Melibea ab. Aber auch deren Weigerung, den sexuellen Akt zu vollziehen, missachtet er und bedrängt sie dennoch, um seine Leidenschaft ausleben zu dürfen, wobei von dem eigentlich doch so unwürdigen Verehrer kaum noch etwas übrig bleibt.

3.2. Melibea

Melibea ist eine junge, ehrenhafte und in der Liebe noch sehr unerfahrene Frau. Wohl behütet in ihrem Elternhaus ist sie noch keiner männlichen Leidenschaft ausgesetzt gewesen und antwortet Calistos Begehren mit einer schroffen Abweisung. Sie fürchtet um ihre Ehre, Jungfräulichkeit und Schamhaftigkeit, doch ein angeblicher Zauber Celestinas kann auch ihr Herz für Calisto öffnen. An diesem Punkt allerdings stellt sich dem Leser die Frage, ob wirklich Magie mit im Spiel ist, oder ob nicht Melibea Calisto bereits viel früher heimlich begehrte. Bei einem ansonsten so realistischen Werk wirkt der einmalige Ausflug ins Reich des Magischen fast schon unwahrscheinlich und bei genauer Betrachtung lassen sich auch Hinweise auf Melibeas natürliche Liebe finden. Bei einem Treffen der beiden Verliebten gesteht sie schließlich:

„Melibea: Señor Calisto, tu mucho merecer, tus extremadas gracias, tu alto nacimiento, han obrado que, después que de ti hobe entera noticia, ningún momento de mi corazón te partieses. Y aunque muchos días he pugnado por lo disimular, no he podido tanto que, en tornándome aquella mujer tu dulce nombre a la memoria; no descubriese mi deseo [...]“ (La Celestina: 221)

[...]


[1] Rojas, Fernando de, La Celestina, hg. v. Bruno Mario Damiani, Letras Hispánicas, Madrid : Cátedra 1986 : 64

2 Gerli, E. Michael, „El Placer de la Mirada: Voyeurismo, fetichismo y la movilización del deseo en Celestina, In: Arellano, Igancio / Usunáriz, Jesús M. (Hrsg.), El mundo social y cultural de La Celestina, Madrid / Frankfurt / M. 2003 (darin versch. Artikel)

Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638442244
ISBN (Buch)
9783640876518
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47229
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Romanistik
Note
1,3
Schlagworte
Liebeskonzepte Celestina Erotische Lektüre

Autor

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Titel: Liebeskonzepte in Rojas‘ "La Celestina"