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Sind Medien ein Auslöser für Essstörungen wie Bulimie und Magersucht bei jungen Frauen?

Studienarbeit 2017 13 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Krankheitsbilder von Essstörungen wie Bulimie und Magersucht
2.1 Das Krankheitsbild der Magersucht
2.2 Das Krankheitsbild der Bulimie

3 Die Medien der heutigen Zeit
3.1 Die Internetnutzung Jugendlicher
3.1.1 Die Gewichtung der Internetnutzung Jugendlicher in der heutigen Zeit
3.1.2 Selbstdarstellung im Internet
3.2 Die Darstellung der Frau in den Medien

4 Therapieansätze bei Essstörungen

5 Diskussion

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Jugendliche verbringen bereits im sehr jungen Alter viel Zeit im Internet. Hier tauscht man sich aus und stellt sich im Netz dar.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Medien und dem darin verbreiteten schlanken Schönheitsideal der Frau und an Essstörungen wie Magersuch und Bulimie erkrankten jungen Frauen, die die größte Risikogruppe für Erkrankungen dieser Art darstellen. Zwar ist ein hoher Medienkonsum nicht zwangsläufig damit verbunden, an einer Essstörung zu erkranken, doch gibt es eine Risikogruppe, die durch den Medienkonsum gefährdet sind.

Diese wissenschaftliche Arbeit bezieht sich auf die Medien der Neuzeit und wie Kinder und Jugendliche diese Gewichten und mit ihnen umgehen. Gefahren des übermäßigen Medienkonsums und Gefahren des Internetkonsums junger Menschen, wie etwa das Preisgeben intimer Details oder Cybermobbing werden näher erläutert.

1 Einleitung

Über Jahrzehnte hat sich das vorherrschende Schönheitsideal des weiblichen Körpers nicht nur in der Gesellschaft stark verändert. Im Vergleich zu den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen noch kurvenreiche Frauen als attraktiv galten, hat sich dieses Bild seit 1965 kontinuierlich in Richtung eines mageren, fast schon androgynen Körpers verändert (Steins, 2007).

In den alltäglichen Medien ist dies deutlich erkennbar. Ob nun schlanke Frauen in Zeitschriften posieren, oder Fernsehsender in den Werbepausen einen Erfolg bei den neuesten Diätprodukten versprechen – In unseren Medien (und damit in unserem Alltag) werden die Figur und der Körperbau ständig thematisiert.

Viele Studien belegen, dass unterschiedliche Variablen die Wirkung der Medien auf unsere Körperwahrnehmung moderieren und beeinflussen.

Zunächst ist hierbei das Alter der Rezipienten zu nennen: Je jünger diese sind, desto empfänglicher sind sie gegenüber dem negativen Einfluss der Medien, den sie auf ihr Körperbild projizieren (Groesz, Levine & Murnen, 2002). Die Tatsache, dass junge Frauen die höchste Risikogruppe für essgestörte Verhaltensweisen darstellen, steht mit diesem Befund im Einklang und auch, dass die Medien die eigene Körperwahrnehmung negativ beeinflussen können.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Körperunzufriedenheit, der Häufigkeit des Medienkonsums, essgestörten Verhaltensweisen und Einstellungen sowie die Verinnerlichung des dünnen Schönheitsideals (Grabe, Ward und Hyde, 2008). Hier wird die Problematik, die die Medien mit sich bringen deutlich erkennbar.

Da die Medien einen immer größeren Stellenwert in der Gesellschaft haben und Jugendliche bereits immer früher mit diesen in Kontakt gelangen, wird ein Schwerpunkt der Arbeit die Abschätzung sein, inwiefern die Medien dazu anregen, dem schlanken Schönheitsideal nachzueifern und damit Essstörungen wie Magersucht und Bulimie beeinflussen beziehungsweise auslösen.

Ebenso soll besonders darauf eingegangen werden, wie der Medienkonsum kritisch zu betrachten ist und im Zusammenhang, weshalb der Prozentsatz an Jugendlichen mit einer diagnostizierten Essstörung stetig steigt (Biedert, 2008).

Zunächst wird diese wissenschaftliche Arbeit daher auf das Krankheitsbild der Essstörungen Magersucht und Bulimie eingehen und anschließend auf die Medien der heutigen Zeit. Dazu zählt die nähere Betrachtung der Internetnutzung Jugendlicher, die Selbstdarstellung im Internet und nicht zuletzt wie die Frau in den Medien dargestellt wird.

Ziel dieser Arbeit ist anhand der folgenden Fragestellung herauszufinden, wie die Medien auf junge Frauen wirken, welche Kriterien zu einer Essstörung beitragen, bzw. diese sogar auslösen:

Sind die Medien ein Auslöser für Essstörungen wie Bulimie und Magersucht bei jungen Frauen?

2 Krankheitsbilder von Essstörungen wie Bulimie und Magersucht

Es bestehen verschiedene Formen von Essstörungen. Die wohl Bekanntesten sind die Magersucht (Anorexia Nervosa) und die Bulimie (Bulimia Nervosa). Beide werden in dieser wissenschaftlichen Arbeit aufgeführt und thematisiert. Sie unterscheiden sich in ihren Erscheinungsbildern und deren Verlauf. Essstörungen sind dem Bereich der Psychopathologie zuzuordnen (Biedert, 2008).

2.1 Das Krankheitsbild der Magersucht

Die Magersucht ist auch bekannt als Anorexia Nervosa, deren Kernmerkmal ein selbstherbeigeführter Gewichtsverlust ist. Als magersüchtig gilt man, wenn „das Körpergewicht mindestens 15 Prozent unter dem zu erwartenden Gewicht“ liegt (Biedert, 2008, S.11), beziehungsweise wenn in der Vorpubertät eine dem Alter entsprechende Gewichtszunahme ausbleibt.

Diese Form der Essstörung ist gekennzeichnet von einer gestörten Eigenwahrnehmung (Heissmann, 2006), übermäßigen, zwanghaften Angst vor einer Gewichtszunahme, der Verweigerung regelmäßiger Mahlzeiten und einem dadurch resultierenden erheblichen Gewichtsverlust (Lässle, 1987).

Die Prävalenzrate junger Frauen im Alter zwischen vierzehn und zwanzig Jahren liegt zwischen 0 und 0,9 Prozent, im Durchschnitt 0,3 Prozent (Hoek, 2006) und 95 Prozent der Anorektiker insgesamt sind weiblich (Wiemann, 1988).

2.2 Das Krankheitsbild der Bulimie

Die Bulimie wird auch Bulimia Nervosa genannt. Regelmäßig haben die Betroffenen Essanfälle mit Kontrollverlust, bei denen sie eine sehr große Menge an Lebensmitteln zu sich nehmen. Eine große Rolle spielt dabei das Gefühl, nicht mehr mit dem Essen aufhören zu können (Biedert, 2008). Bulimiker wenden regelmäßig Gegenmaßnahmen zur Gewichtskontrolle durch unangemessene Praktiken an. Dazu zählen selbstherbeigeführtes Erbrechen oder der Missbrauch von Abführmitteln (auch Purging-Verhalten genannt), bzw. striktes Fasten, Diäthalten oder eine übermäßige sportliche Aktivität (auch Nicht-Purging-Verhalten genannt). Menschen, die an Bulimie leiden, sind meist normalgewichtig, nur ein kleiner Prozentsatz tendiert zu einem Übergewicht. Im Vergleich zu Anorektikern sind sie oft optisch nicht als essgestört auffällig (Biedert, 2008).

Auch Bulimiker leiden an einer gestörten Selbstwahrnehmung, weshalb sie sich als zu dick einschätzen und erst Gegenmaßnahmen zur Gewichtskontrolle anwenden (Biedert, 2008).

Zwei bis vier Prozent der 18 bis 35-jährigen Frauen leiden an Bulimie (Dobbelstein, 1997), 15 Prozent aller Bulimiker sind männlich (Biedert, 2008).

3 Die Medien der heutigen Zeit

Das Wort „Medium“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Mitte“ (Hermann, 1996, S.639). Tatsächlich bilden die Medien die Mitte der Gesellschaft und des Geschehens. Sie sind ein fester Bestandteil in unserem Alltag und wirken täglich durch eine Vielfalt an Kommunikationskanälen auf die Rezipienten ein. Als klassische Massenmedien bezeichnet man die Presse, den Hörfunk und das TV, während das Handy und das Internet als Medien der Neuzeit gelten (Pepels, 2003).

3.1 Die Internetnutzung Jugendlicher

95 Prozent aller Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren nutzten bereits im Jahr 2008 regelmäßig das Internet. Der Vergleich zu den Vorjahren zeigt, dass sich die Dauer der Internetnutzung stetig verlängert und zudem auch, dass Jugendliche bereits jünger sind, wenn sie mit der Nutzung des Internets in Kontakt gelangen (Döring, 2008). Letzteres wird bewusst oder auch unbewusst von deren Eltern gesteuert.

Digitale Medien bieten einem Kind Unterhaltung, einen Ersatz für menschliche Zuwendung und fungieren mehr oder weniger als Babysitter. Doch auch viele Eltern sind in der Gegenwart ihrer Kinder am Handy. Die Kinder ahmen ihre Eltern also oftmals in diesem Verhalten einfach nach (Zimmermann, 2016), obwohl die alltägliche zunehmende Reizüberflutung sehr schädlich für Kinder und Jugendliche sind.

Zwar geben viele Kinder und Jugendliche an, sich nach dem Fernsehen, Chatten, etc. entspannter zu fühlen, doch die massive Reizüberflutung, die sich aus ständigem Fernsehen oder stundenlangem Computerspielen ergibt, überlastet das Arbeitsgedächtnis und verhindert, dass eben Gelerntes in das Langzeitgedächtnis geleiten kann. Ein reizüberflutetes Gehirn reagiert mit Stress, also dem genauen Gegenteil. Die unkontrollierte Beschäftigung der Jugendlichen mit dem Internet trägt schließlich zum Verlust von sozialer Intelligenz bei (Simchen, 2010). Als soziale Intelligenz bezeichnet man u. A. das Gefühl von Empathie und allgemein die Fähigkeit, in menschlichen Beziehungen klug zu handeln (Goleman, 1997).

Das Internet weist aber auch andere Gefahren auf. Hier ist jeder anonym und hier hat jeder uneingeschränkt Zugang zu gewalttätigen oder pornographischen Darstellungen. Mit einem Mausklick ist bestätigt, ob die Person, die vor dem PC oder Smartphone sitzt über 18 Jahre alt ist oder nicht (Zimmermann, 2016). Daher ist das Schaffen eines Internetzugangs für Kinder und Jugendliche gut zu Überdenken. Empfehlenswert ist es, frühzeitig über mögliche Gefahren im Internet aufzuklären, sich gemeinsam mit dem Kind oder dem Jugendlichen auf eine bestimmte Minutenanzahl am Tag zu einigen, in der das Internet genutzt werden darf und nicht jugendfreie Seiten zu sperren.

3.1.1 Die Gewichtung der Internetnutzung Jugendlicher in der heutigen Zeit

Kaum ein Jugendlicher der heutigen Zeit besitzt kein Smartphone, das über mobilen Internetzugang verfügt, mindestens jedoch eins, das mit einer WLAN-Verbindung Zugriff auf das World Wide Web ermöglicht. Auf wen das nicht zutrifft, vermag als Außenseiter zu gelten. Der Gedanke konstant erreichbar sein zu müssen spielt bei Kindern und Jugendliche eine große Rolle. Zum einen, um mit Freunden Neuigkeiten auch außerhalb der Schule auszutauschen, in den Pausen über den neuesten Klatsch und Tratsch der Promiwelt zu reden, oder um seine Freizeit zu dokumentieren (Zimmermann, 2016). Zum anderen aber, werden ein Internetzugang und ein geschulter Umgang mit dem Internet von Jugendlichen erwartet. Digitale Ungleichheiten können als Verstärker für soziale Benachteiligung fungieren, etwa bei der Organisation des nächsten Schultags in einem Online-Gruppenchat der Klasse oder für die Ausbildung auszufüllende Online-Bewerbung (Döring, 2008).

Der Medienpädagogische Forschungsbund Südwest veröffentlichte in der JIM-Studie von 2011, dass sowohl Mädchen, als auch Jungen folgende der Medien als besonders wichtig empfinden: Das Internet und das Handy und (zitiert nach Altenthan et al., 2014, S. 254). 69 Prozent der 12 bis 14-Jährigen gaben außerdem an, mehrmals pro Woche im Internet zu sein, um Textnachrichten zu senden und Onlinecommunities zu besuchen (Der Spiegel, 2010; zitiert nach Altenthan et al., 2014, S. 255).

3.1.2 Selbstdarstellung im Internet

Ein weiteres Phänomen der heutigen Zeit ist die Selbstdarstellung im Internet. Auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Snapchat, präsentieren weltweit mehrere Millionen Menschen ihr Leben. Ob das heutige Make Up, das Mittagessen oder ein Selfie gepostet wird – Jugendliche präsentieren sich mit ganz intimen Details über ihr Leben im Internet und brechen ihre Anonymität (Zimmermann, 2016).

Voigt (2016) weist darauf hin, dass besonders Mädchen im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren in sozialen Netzwerken besonders auffallen.

Die Posen auf ihren Bildern wirken für ihr Alter unangemessen, als wollen sie besonders süß und besonders sexy aussehen. Keine Seltenheit ist, dass auf einem solchen Bild eine große Anzahl an virtuellen Freundinnen und Freunden darauf markiert werden, die in den unzähligen Kommentaren schreiben, wie wunderschön und bombe das Foto ist, wie sehr sie ihre Freundin lieben und ein Gefällt mir hinterlassen (Voigt, 2016).

Auffällig ist auch, dass ein regelrechter Kult entsteht, und zwar um das eigene Aussehen, sowie um die beste Freundin. Die Mädchen stimmen ihre Onlinedarstellung auf die sozialen Gepflogenheiten, die in ihrer Altersgruppe herrschen ab. Es besteht ein ständiger Vergleich mit anderen gleichaltrigen Mädchencliquen in sozialen Netzwerken wie Facebook. Die beste Freundin wird daher zur sozialen Notwendigkeit (Voigt, 2016).

„Die Orientierung an Äußerlichkeiten dominiert“ (Simchen, 2010, S.2) und Jugendliche machen ihr Selbstwertgefühl davon abhängig, ob sie als schön gelten, oder nicht. Oft fehlen Jugendlichen Vorbilder, die innere Werte vermitteln, weshalb sie sich an Fotos ihrer Stars orientieren und diese nachahmen. Ein gutes Aussehen verspricht Beliebtheit, Anerkennung und Erfolg (Simchen, 2010).

Nicht zuletzt bietet die Selbstdarstellung Jugendlicher im Internet einen Raum für Cybermobbing. Es reicht schon eine Streitigkeit zwischen zwei Personen, die anschließend im Netz ausgetragen wird. Wie bereits aufgeführt besteht die soziale Anerkennung im Internet aus mehreren Freunden und Cliquen. Es reicht also oftmals nur ein unangebrachter Kommentar unter einem Bild, um eine Kettenreaktion auszulösen, die sich über Freunde und Cliquen erstreckt (Döring, 2008). In Sekunden, werden Neuigkeiten und Nachrichten verbreitet und genauso schnell kann aus Streitigkeiten Mobbing entstehen, das für die Betroffenen teils schwere psychische Schäden mit sich bringen kann (Döring, 2008).

Jugendliche unterschätzen gelegentlich, dass das Internet ein öffentlicher Raum und für jeden zugänglich ist. Selbst wenn Objekte von einer Internetseite gelöscht werden, existieren diese auch mehrere Jahre später noch im World Wide Web (Döring, 2008). Dies muss bewusst gemacht und die Privatsphäre aufrechterhalten werden, bevor man zu viele Details über sich und andere Preis gibt.

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