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Die Sanierungsprüfung - Sanierungsbedürftigkeit, Sanierungsfähigkeit, Sanierungswürdigkeit

Seminararbeit 2005 26 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff und Arten der Sanierung
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Begriffsabgrenzung: Turnaround und Sanierung
2.3 Arten der Sanierung
2.3.1 Finanzwirtschaftliche Sanierung
2.3.2 Leistungswirtschaftliche Sanierung

3. Die Sanierungsprüfung
3.1 Anlässe der Sanierungsprüfung
3.2 Aufgaben und Ziele der Sanierungsprüfung
3.3 Die drei Phasen der Sanierungsprüfung
3.3.1 Die Unternehmenskrise als Auslöser der Sanierungsbedürftigkeit
3.3.1.1 Krisensymptome
3.3.1.2 Exogene und Endogene Krisenursachen
3.3.2 Sanierungsfähigkeit
3.3.3 Sanierungswürdigkeit
3.4 Ablaufschema der Sanierungsprüfung nach Brandstätter

4. Fazit

Anhangi

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Exogene und endogene Krisenfaktoren

Abbildung 2: Ablaufschema der Sanierungsprüfung nach Brandstäter

Abbildung 3: Insolvenzen in den einzelnen Ländern

Abbildung 4: Unternehmensinsolvenzeni

Abbildung 5: Prozessinhalte der Sanierungsprüfung im Kontext der gesamten Unternehmenssanierung

Abbildung 6: Der Triadenablauf der Sanierungsprüfung

Abbildung 7: Zahlungsverhalten in Europa im Jahr 2004

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Alle 46 Sekunden verschwindet in Deutschland ein Unternehmen vom Markt.“[1] Im ersten Halbjahr 2005 beliefen sich die Unternehmensinsolvenzen auf 18.700 Firmen; dies bedeutet einen Rückgang von 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.[2][3][4]

Fraglich bleibt jedoch, ob sich der positive Trend weiterhin fortsetzt oder wie Ende der neunziger Jahre nur eine Momentaufnahme darstellt. 1999 war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ebenfalls rückläufig, stieg in den Folgejahren jedoch wieder stetig an. Angesichts der aktuellen angespannten Wirtschaftslage droht die Gefahr, dass die Anzahl der insolventen Unternehmen erneut zunehmen könnte. Trotz dreier Großinsolvenzen, wie Walter Bau, Agfa-Photo und der Drogeriekette „Ihr Platz“, ist das Insolvenzgeschehen im ersten Halbjahr 2005 überdies von einer Vielzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen geprägt.[5]

Durch ein intaktes Krisenmanagement und Krisenfrüherkennungssysteme können existenzbedrohende Krisen im besten Falle vermieden werden oder rechtzeitig durch einen Turnaround aufgehalten und abgewendet werden. Ist ein Unternehmen nun bereits durch Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit in die Schieflage und somit in eine existenzbedrohende Situation geraten, ist eine Sanierung die einzige Rettungsmöglichkeit.[6]

Bevor nun jedoch eine Entscheidung über die Zukunft eines insolventen Unternehmens getroffen wird, müssen zunächst im Rahmen einer betriebswirtschaftlichen Sanierungsprüfung die Sanierungsbedürftigkeit, die Sanierungsfähigkeit und die Sanierungswürdigkeit zuverlässig geklärt werden. Ausgangspunkt jeder Sanierungsprüfung ist ein Sanierungskonzept. Die Anforderungen an ein Sanierungskonzept werden im Rahmen der Stellungnahme FAR 1/1991 des IDW behandelt.[7]

Ziel dieser Arbeit ist es den Zweck, die Notwendigkeit und die Aufgaben der Sanierungsprüfung zu nennen und zu erläutern. Zudem soll gezeigt werden, dass einem existenzgefährdeten Unternehmen nicht zwangsweise die Liquidation droht und, dass die Sanierungsprüfung für die Entscheidung zugunsten der Unternehmensfortführung oder der Unternehmenszerschlagung ein hilfreiches, praxisnahes und unerlässliches Instrument ist.

2. Begriff und Arten der Sanierung

Zunächst werden die wesentlichen Merkmale und Kennzeichen des Sanierungsbegriffs hergeleitet und dargestellt, bevor aufbauend auf diesen Kenntnissen eine ausführliche Darstellung der Sanierungsprüfung erfolgt.

2.1 Begriffsdefinition

Der Begriff „Sanierung“ hat seine etymologischen Wurzeln im lateinischen sanare und bedeutet Heilung.[8] „Gegenstand von Sanierungen ist das Unternehmen in der Krise; somit stellt die Unternehmenskrise den Auslöser jeder Sanierung dar.“[9]

„Sanierung ist der Sammelbegriff für alle Maßnahmen unternehmenspolitischer, führungstechnischer, organisatorischer, finanz- und leistungswirtschaftlicher Art, die der Wiederherstellung existenzerhaltender und späteren Gewinn versprechender Grundlagen des Unternehmens dienen.“[10] Der Sanierungsbegriff vereint somit alle betriebswirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Handlungsweisen zur Bewältigung der Probleme eines Unternehmens in der Krise.[11] Als Unternehmenskrise bezeichnet man allgemein einen Zustand, in dem wesentliche Ziele und Werte des Unternehmens unmittelbar bedroht sind, und damit der Fortbestand substantiell gefährdet oder sogar unmöglich erscheint.[12]

Die Frage nach der Überlebensfähigkeit eines in eine Krisensituation geratenen Unternehmens wird im Rahmen der Sanierungsprüfung beantwortet.[13]

2.2 Begriffsabgrenzung: Turnaround und Sanierung

Sanierungsfälle sind Erstarrungsfälle. Durch Erfolge in der Vergangenheit und durch künftiges Fortschreiben dieser Leistungen, ohne dass dafür noch die Basis vorhanden wäre, besteht die Gefahr, dass Selbstzufriedenheit und Sorglosigkeit Einzug in das Unternehmen erhalten. Die eintretende Selbstgefälligkeit schürt den Erstarrungsprozess und das Risiko einer auftretenden Unternehmenskrise. Entstarren – Erneuerungen und Fortschritt – verlangen jedoch aktives und bewusstes Handeln und überdies einen hohen Grad an Managementzuwendung.[14] Es ist nun allerdings durch das Naturell des Menschen bedingt, dass ihm Erstarren leichter fällt als Entstarren, da der Mensch an sich eher träge und passiv ist; ihm fallen permanente Weiterentwicklungen sehr schwer. Um nun Krisensituationen zu vermeiden, ist es von großer Bedeutung den Mitarbeitern zu verdeutlichen, welch katastrophale Folgen passives Handeln und unterlassene Innovationen haben können. Ein Unternehmen muss nach stetiger Optimierung streben und es muss sich im Klaren darüber sein, dass Stillstand einem Rückschritt gleicht. Durch Erstarren entstehen Altlasten, welche die Unternehmenszukunft zunächst nur latent, anschließend jedoch akut gefährden können. Durch konsequentes und zielgerichtetes Handeln ist es möglich den Stein der Altlasten wegzurollen und sich so dem Damoklesschwert der existenzbedrohenden Krise zu entziehen.

Um nun situationsgerecht handeln zu können, ist es sinnvoll zwischen der Sanierung und Turnaround zu unterscheiden.[15]

Turnaround ist ein amerikanischer Wirtschaftsbegriff, der im deutschen Sprachgebrauch im Sinne von das Steuer herumreißen, Richtungsänderungen bzw. radikale Wende benutzt wird.“[16] Das Management zielt darauf ab, drastische Kurskorrekturen auf allen oder bestimmten Bereichen innerhalb und außerhalb des Unternehmens konsequent durchzuführen, um eine sich immer deutlicher abzeichnende existenzielle Krise zu beseitigen.[17]

Befindet sich das Unternehmen in einer latenten Krise, bedarf es eines Turnarounds bevor die Krise akut wird. Voraussetzung für einen Turnaround ist es, dass noch genügend personelle und finanzielle Ressourcen vorhanden sind, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Für einen Turnaround gilt es, die kritische Lage schonungslos aufzudecken. Durch die Offenlegung werden Verantwortlichkeiten nachvollziehbar und einforderbar. Wichtig ist es zudem die Mitarbeiter zu mobilisieren und zu motivieren, eine intensive Kommunikation und Betreuung zu betreiben und ihnen einen Genesungsweg aufzuzeigen.[18] Die Motivation der Mitarbeiter bildet nicht nur im Rahmen der kurzfristigen Krisenbewältigung, sondern zugleich auch im Rahmen der langfristigen Absicherung des Unternehmenserfolges einen entscheidenden Schlüsselfaktor.[19]

Befindet sich das Unternehmen bereits in einer akuten Krise, besteht rascher Handlungsbedarf in Form einer Kurzdiagnose und einzuleitenden Sofortmaßnahmen, um die Liquiditätskrise beherrschbar zu halten. Im Falle der Sanierung ist sowohl die personelle als auch die finanzielle Substanz des Unternehmens schon weitestgehend verbraucht. Daher sind neue Kapital-und Personalressourcen dringend erforderlich. Das Einsetzen eines Sanierungsmanagers erhöht zudem die Genesungschancen des angeschlagenen Unternehmens, da die alte Führung sowohl das Vertrauen des Personals als auch das der Stakeholder verloren hat. Es gilt, mithilfe einer positiven Fortführungsprognose, die primär auf das Vorhandene aufbaut, einen möglichen Weg in die Zukunft aufzuzeigen und Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Hauptgläubiger des Unternehmens ihre Risikolage beurteilen können.[20]

Die Unternehmenskrise stellt weniger einen Sonderfall als vielmehr den Normalfall dar und ist überdies kein neuartiges Phänomen, da bereits vor mehr als hundert Jahren krisenspezifische Ansätze und Arbeiten behandelt wurden.[21] Laut einer empirischen Erhebung befinden sich 40 Prozent der großen Unternehmen in problematischen Situationen. Deshalb ist es unerlässlich kontinuierliche Erneuerungsprozesse durchzuführen und sich der Wichtigkeit eines intakten Turnaround - und Sanierungsmanagements bewusst zu sein.[22]

2.3 Arten der Sanierung

Grundsätzlich ist zwischen der Sanierung im engeren und der Sanierung im weiteren Sinne zu unterscheiden.

Die Sanierung im engeren Sinne, auch operative Sanierung genannt, umfasst lediglich finanzwirtschaftliche Maßnahmen.[23] „Der weit gefasste Sanierungsbegriff der strategischen Sanierung schließt dagegen alle Maßnahmen unternehmenspolitischer, führungstechnischer, organisatorischer, finanz- und leistungswirtschaftlicher Art ein, die der Überwindung der Krise und der Wiedererlangung der wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit des Unternehmens dienen.“[24]

Mit einer Sanierung kann ein existenzgefährdetes Unternehmen gerettet werden. Deutet sich eine Krise in einem Unternehmen an, stellt sich häufig die Frage, wie gravierend sie ist und ob es sich lohnt das Unternehmen zu sanieren. Die gewählten Sanierungsmaßnahmen sollen eine nachhaltige Verbesserung der Unternehmenssituation bringen und nicht nur die oberflächlichen Symptome unterdrücken.[25] Da nur in den seltensten Fällen rein finanzwirtschaftliche Maßnahmen zur Sicherung der Lebensfähigkeit eines Unternehmens ausreichen, wird in dieser Arbeit der strategische Sanierungsbegriff zugrunde gelegt.

2.3.1 Finanzwirtschaftliche Sanierung

Die finanzwirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen konzentrieren sich auf eine Steigerung der Zahlungs- und Ertragsfähigkeit. Zu diesen gehören im Bereich des Eigenkapitals beispielsweise die Auflösung stiller Reserven, die Kapitalerhöhung, die Gründung einer Auffanggesellschaft sowie die Aufnahme neuer Gesellschafter. Im Bereich des Fremdkapitals zählen hierzu die Stundung oder der Abbau von Verbindlichkeiten – eventuell durch einen Verzicht der Gläubiger – die Aufnahme neuer Kredite oder die Umwandlung von Forderungen in Beteiligungen.[26]

Bei einer einseitigen Konzentration auf die Bekämpfung finanzwirtschaftlicher Probleme werden die eigentlichen Ursachen der Krisenentstehung jedoch vernachlässigt. Ohne eine Neuausrichtung im Rahmen der leistungswirtschaftlichen Sanierung bleibt ein in die Krise geratenes Unternehmen deshalb weiter gefährdet.[27]

2.3.2 Leistungswirtschaftliche Sanierung

Die leistungswirtschaftlichen Maßnahmen greifen eher in die Struktur des Unternehmens ein und haben somit eine langfristige Wirkung. Sie sind vielfältig und setzen in den Bereichen an, in denen die Krisensymptome festgestellt werden. Sie reichen von der Kostensenkung über die Überarbeitung der Preisgestaltung, Reduzierung von Lagerbeständen bis hin zu einer allgemeinen Organisationsverbesserung und der Integration von Controlling-Instrumenten.[28]

3. Die Sanierungsprüfung

„Die Sanierungsprüfung [29] ist die Ableitung eines Urteils über die Sanierungsfähigkeit eines in die Krise geratenen Unternehmens.“[30] Durch die Sanierungsprüfung soll eine Bewertung der zukünftigen Leistungsfähigkeit des Unternehmens erfolgen. Dies schließt auch die Einschätzung der geplanten Sanierungsmaßnahmen und des Sanierungskonzepts ein. Die Sanierungsprüfung ist somit ein der eigentlichen Sanierung vorgeschalteter Urteilsgewinnungsprozess, der die Beurteilung der Sanierungsbedürftigkeit, der Sanierungsfähigkeit und der Sanierungswürdigkeit zum Ziel hat.[31] Nicht jedes Unternehmen, das sich in der Krise befindet, ist es auch wert, saniert zu werden. Die Sanierungsprüfung zeigt daher ob es erfolgversprechend ist ein sanierungsbedürftiges Unternehmen fortzuführen oder ob es günstiger ist ein solches Unternehmen zu liquidieren.

[...]


[1] Roselieb, Frank (5/2003), S. 130.

[2] Vgl. Creditreform: Unternehmensinsolvenzen.

[3] Siehe Abbildung 3 (Anhang): Insolvenzen in den einzelnen Ländern.

[4] Siehe Abbildung 4 (Anhang): Unternehmensinsolvenzen.

[5] Vgl. Creditreform: Beschäftigtenzahlen insolventer Unternehmen.

[6] Vgl. Feldbauer-Durstmüller, Birgit (3/2003), S. 128.

[7] Vgl. Böbel, Gerlinde (5/2003), S. 129.

[8] Vgl. Feldbauer-Durstmüller, Birgit (3/2003), S. 128.

[9] Brandstätter, Jörn (1993), S. 5.

[10] Fechner, Dietrich/Kober, Bernd (2004), S. 7.

[11] Vgl. Wikipedia : Sanierung.

[12] Vgl. Gless, Sven-Erik (1996), S. 11-12.

[13] Vgl. Häger, Michael (2004), S. 47.

[14] Vgl. Risak, Johann (3/2003), S. 133.

[15] Vgl. Risak, Johann (3/2003), S. 133-134.

[16] Sonntag, Werner (1998), S. 40.

[17] Vgl. Sonntag, Werner (1998), S. 40.

[18] Vgl. Risak, Johann (3/2003), S. 133-135.

[19] Vgl. Feldbauer-Durstmüller, Birgit (3/2003), S. 129.

[20] Vgl. Risak, Johann (3/2003), S. 135-137.

[21] Vgl. Meyer, Alain (2003), S. 3.

[22] Vgl. Risak, Johann (3/2003), S. 135-137.

[23] Vgl. Häger, Michael (2004), S. 47.

[24] Fischer, Marion (2004), S. 10-11.

[25] Vgl. Ritter, Wolfgang (2000), S. 239.

[26] Vgl. Sonntag, Werner (1998), S. 208.

[27] Vgl. Feldbauer-Durstmüller, Birgit (3/2003), S. 129.

[28] Vgl. Sonntag, Werner (1998), S. 209.

[29] Siehe Abbildung 5 (Anhang): Prozessinhalte der Sanierungsprüfung im Kontext der gesamten Unter-

nehmenssanierung

[30] Friedrich, Mark/Flintrop, Bernhard (5/2003), S. 224.

[31] Vgl. Fischer, Marion (2004), S. 11.

Details

Seiten
26
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638441223
Dateigröße
859 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47095
Institution / Hochschule
Fachhochschule Trier - Hochschule für Wirtschaft, Technik und Gestaltung
Note
1,3
Schlagworte
Sanierungsprüfung Sanierungsbedürftigkeit Sanierungsfähigkeit Sanierungswürdigkeit

Autor

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