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Währungskrise in der Türkei. Ursachen, Auswirkungen und Stabilisierungsmaßnahmen

Bachelorarbeit 2019 85 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ursachen der Krise
2.1 expansive Geld- und Kreditpolitik
2.2 expansive Fiskalpolitik
2.3 Zahlungsbilanz
2.3.1 Leistungsbilanz
2.3.2 Kapitalbilanz
2.3.3 Auslandsposition Kapitalbilanz und Leistungsbilanz

3 Auswirkungen der Krise
3.1 Devisenreserven
3.2 Auslandsverschuldung
3.3 Volkswirtschaftliche Sektoren Japan, Griechenland und Türkei
3.4 Banken
3.5 Unternehmen und Markt
3.6 türkische Bevölkerung

4 Stabilisierungsmaßnahmen der Krise
4.1 Unabhängigkeit der Zentralbank
4.2 Wirtschaftsprogramm zur makroökonomischen Stabilität
4.3 Internationale Bereitschaft

5 Fazit und kritische Würdigung

Quellenverzeichnis

Vorwort

Die Währungskrise in der Türkei. Davon ist die türkische Bevölkerung zweifellos betroffen gewesen, als ich im August 2018 in die Türkei verreist bin. Aufgrund meiner dort gemachten Erfahrungen entschied ich mich dazu, die aktuelle Wirtschaftslage in der Türkei näher zu analysieren und dies wissenschaftlich in meiner Bachelorarbeit zu belegen.

Die Bachelorarbeit ist an Studenten, Professoren, Wissenschaftliche Mitarbeiter, aber auch an diejenigen Menschen gerichtet, die sich für volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Themen interessieren.

Zur Vermittlung eines besseren Verständnisses der Thematik wurden, soweit es möglich ist, aktuelle Zahlen und Daten in den Abbildungen sowie in den Tabellen komprimiert. Ein Teil der theoretischen Grundlagen aus den Lehrbüchern der Volkswirtschaft waren zur Hilfe da, um einen praktischen Bezug zur Währungskrise zu schaffen.

Einen großen Dank richte ich an dieser Stelle an Prof. Dr. Marquardt und Prof. Dr. Bergmans sowie an alle Beteiligten der Hochschule, die mir während meiner Bachelorarbeit und während meines Studiums tatkräftig zur Seite standen.

Zuletzt richte ich meinen herzlichsten Dank an meine Eltern und an meinen großen Bruder, welche mich zu jeder Zeit in allen Belangen unterstützten.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Wechselkursentwicklung der Währungen TRY/ Euro und US-Dollar

Abb. 2: Geldmengenentwicklung der Türkei

Abb. 3: Leitzinsentwicklung der Türkei

Abb. 4: Inflationsziel, Inflationserwartung und Inflationsrate der Türkei

Abb. 5: Schattenwirtschaft von ausgewählten Ländern im Jahre 2017- Makro und angepasste MIMIC- Schätzungen

Abb. 6: Leistungsbilanz, Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz der Türkei

Abb. 7: Kapitalverkehr der Türkei

Abb. 8: Entwicklung der Devisenreserven der türkischen Zentralbank

Abb. 9: Auslandsverschuldung der Türkei

Abb. 10: Gesamtschuldenlast, Leistungsbilanz, Außenhandelsbilanz von Japan, Griechenland und der Türkei

Abb. 11: Renditen türkischer Staatsanleihen 2018

Abb. 12: Produzentenpreisindex und Konsumentenpreisindex 2018

Abb. 13: Konsumentenvertrauensindex

Abb. 14: Arbeitslosenquote und Jugendarbeitslosenquote der Türkei

Abb. 15: Arbeitsproduktivität und Arbeitsstunden

Abb. 16: Maßnahmen zur Lira und Inflation

Abb. 17: Wirtschaftsprogramm der Türkei

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Türkei: Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP)

Tab. 2: Wirtschafts- und Finanzdaten der Türkei

Tab. 3: Kreditvergabe europäischer Banken an die Türkei

Tab. 4: Konzern Ülker laufende Kredite

Tab. 5: Unternehmensinsolvenzen der Türkei

Tab. 6: Inländischer Produktionspreisindex und Änderungsrate, Dezember 2018

Tab. 7: Einkommen und Ausgaben

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Um die 46 % hat die Lira gegenüber dem Euro und sogar um die 53 % gegenüber dem US-Dollar im Laufe des letzten Jahres an Wert verloren. Dies gibt den Anlass, die Währungskrise und somit die wirtschaftliche Situation der Türkei näher zu betrachten.

Die Fragestellung der Währungskrise lässt sich demnach in drei Kapitel aufteilen.

Zu Beginn stellt sich in Kapitel 1 die Frage nach den Ursachen, welche die Währungskrise mit sich bringt.

In diesem Kontext wird auf die expansive Geld- und Fiskalpolitik sowie auf die hervorkommenden strukturellen Fehlentwicklungen seitens der Zentralbank und seitens des Staates in den letzten Jahren eingegangen. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei die Problematik, die Leistungsbilanz und die Kapitalbilanz ein. Dabei stellt sich die Frage, ob die Kapitalbilanz oder die Leistungsbilanz, die explizite Kernursache für die Entstehung der Auslandsverschuldung ist.

Des Weiteren haben die festgestellten Ursachen in Kapitel 1 wiederum in Kapitel 2 Auswirkungen auf die Volkswirtschaft in der Türkei.

Die Gründe für die Auslandsverschuldung der Türkei wird anhand der Ursachen intensiver beschrieben. Demzufolge tragen die vier Sektoren einer Volkswirtschaft eine entscheidende Rolle. Besonderes Augenmerk kommt hierbei dem privaten Sektor zu, also besonders die Risiken, die sich in Banken und Unternehmen ergeben. Diese Gefahren werden schließlich auf die türkische Bevölkerung transferiert. Welche gesellschaftlichen Konsequenzen daraus resultieren, wird vor allem eine der zu beantwortenden Fragen sein. Von Bedeutung dabei sind die Reaktionen der Konsumenten und die darin enthaltenen Auswirkungen.

All diese Fragen werden beantwortet, um anschließend auf der Gegenseite in Kapitel 3 folgende Stabilisierungsmaßnahmen zu erläutern und zu hinterfragen:

Wird die Unabhängigkeit der Zentralbank das neue Wirtschaftsprogramm des Finanzministers und die Internationale Bereitschaft dazu beitragen, mikro- und makroökonomisch die Wirtschaft zu stabilisieren?

Das Ziel hierbei liegt darin, einen zusammenhängenden Bezug zwischen Ursachen, Auswirkungen und Stabilisierungsmaßnahmen herzustellen, um dann final die Währungskrise in der Türkei kritisch zu würdigen.

2 Ursachen der Krise

In den letzten drei Jahren und vor allem seit dem Jahr 2018 unterliegt die Türkei Wechselkursschwankungen. Seit Anfang Januar 2018 stellt sich ein andauernder Wertverlust der Lira dar. Dieser Wertverlust intensivierte sich zudem im Zeitraum zwischen Juli und August.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*berechnet mit monatlichen Durchschnittswerten.

Quelle: eigener Entwurf nach onvista (2018).

Abb. 1: Wechselkursentwicklung der Währungen TRY/ Euro und US-Dollar

Obwohl in der Abbildung ab August ein Aufwärtstrend zu verzeichnen ist, kam es dennoch im Verlauf des Jahres dazu, dass die türkische Lira zwischen Januar und August 2018 gegenüber dem Euro 46 % und gegenüber dem US-Dollar 53 % an Wert verloren hat (vgl. Abb. 1).1

Auslöser für den Verfall der Lira ist ein Handelsstreit zwischen der USA und der Türkei gewesen. Der Handelsstreit zwischen der USA und der Türkei sorgte dafür, dass Präsident Trump am 15. August 2018 die Zölle auf Stahl um 50 % und auf Aluminium um 20 % aus der Türkei erhöhte. Grund für die angespannte Stimmung war vor allem der eingefangene US-Pastor Andrew Brunson durch türkische Behörden.2 Jedoch ist der Anstieg der Zölle durch den US-Präsidenten Trump nur der Auslöser und nicht die Ursache für den Verfall der Lira.3 Es stellt sich also die Frage: „Wo liegen die Ursachen für den Kursverfall[...]?“. 4 Die Ursachen des Verfalls der Lira sind auf die unsicher geführte Wirtschaftspolitik der Regierung der letzten Jahre zurückzuführen. Einerseits wurde mit der expansiven Wirtschaftspolitik ein dauerhafter Wirtschaftseinbruch nach dem Putschversuch im Juli 2016 verhindert. Anderseits hat aber die türkische Regierung die Konjunktur zu lange sowie zu stark auf Kosten der Zukunft angekurbelt. Besonders vor den Präsidentschaftswahlen im Juni 2018 wurden Wahlgeschenke in großen Mengen vergeben. Dies führte zur Instabilität der Wirtschaft mit zunehmender Inflation, größeren Leistungsbilanzdefiziten und wachsenden Kapitalzuflüssen aus dem Ausland.5

2.1 expansive Geld- und Kreditpolitik

Die Ursachen, die mit einer expansiven Geldpolitik, also einer hohen Geldmengenausweitung und ohne Anstieg der Leitzinsen der türkischen Zentralbank zu einer steigenden Inflation geführt haben, sind in den nachfolgenden Abbildungen und Tabellen erkennbar.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

M1 und M37 wird als saisonbereinigter Index basierend auf 2015 = 100 gemessen.

Quelle: eigener Entwurf nach OECD (2018b).

Abb. 2: Geldmengenentwicklung der Türkei

Das Wirtschaftswachstum ist einerseits zwischen 2011 und 2018 in der Türkei jedes Jahr im Vergleich zum Vorjahr gewachsen, jedoch ist das Geldmengenwachstum besonders zwischen 2015 und 2017 stärker ausgeprägt als das Wirtschaftswachstum der Türkei:realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) zum Vorjahr, *2017 und 2018 mit geschätzten werden8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigener Entwurf nach statista (2018a).

Tab. 1: Türkei: Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP)

- Geldmengenwachstum M1 zwischen 2015 und 2017: jährlich 20,50 %;
- Geldmengenwachstum M3 zwischen 2015 und 2017: jährlich 15,54 %;
- reales BIP zwischen 2015 und 2017: jährlich 5,43 % (vgl. Abb. 2 und Tab. 1).

Des Weiteren wurden durch die Erhöhung der Geldmengen M1 und M39 die Leitzinsen nicht angehoben, weil Präsident Erdogan im Mai 2018 ankündigte, dass er gegen eine Erhöhung der Leitzinsen sei.10

In der unteren Abbildung ist die Leitzinsentwicklung von 2012 bis 2018 visualisiert.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigener Entwurf nach statista (2018b).

Abb. 3: Leitzinsentwicklung der Türkei

Die türkische Zentralbank setzte zwar vor dem sogenannten Taper-Wutanfall im Jahr 2013 ein deutliches Zeichen,12 indem die Leitzinsen auf 10 % angehoben wurden13 und auf die Abweichung der Inflationserwartungen vom Inflationsziel reagiert wurde, jedoch tat die türkische Zentralbank dies nicht langfristig,14 da die Leitzinsen am 21.01.2015 nur noch bei 8 % lagen. Die türkische Zentralbank lehnte bis zum 01.06.2018 eine Leitzinserhöhung ab, obwohl die Inflation seit 2016 zunahm.15 Die Ablehnung der Leitzinserhöhung führte zu einem spürbaren Anstieg der Preise bei den wohnhaften Menschen in der Türkei. Daher wurde die Inflationserwartung der lebenden Menschen in der Türkei höher wahrgenommen, als es die Inflationserwartung der türkischen Zentralbank tat. Dies hatte zur Folge, dass das Vertrauen in die Institutionen Stück für Stück verschwand.16

Das Glaubwürdigkeitsproblem, welches Präsident Erdogan an die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank hat und die Befugnis zu entscheiden, wer zukünftig der Präsident der türkischen Zentralbank wird, führt dazu, dass die Unabhängigkeit17 der Zentralbank beeinträchtigt wird,18 obwohl sie dafür zuständig ist, über geldpolitische Angelegenheiten zu bestimmen. Um die Inflationsziele zu erreichen, verwaltet die türkische Zentralbank die zusammenführenden Nachfrage- und Inflationserwartungen mithilfe von Leitzinsen und anderen geldpolitischen Instrumenten. Die Inflationsprognosen der türkischen Zentralbank sind ein weiterer wichtiger Faktor zur Steuerung der Inflationserwartungen im Inflationszielsystem.19 Dieses Glaubwürdigkeitsproblem an die Unabhängigkeit der Zentralbank wirkte sich dementsprechend auf eine stärkere Abweichung der Inflationserwartungen vom Inflationsziel hin aus (vgl. Abb. 4).20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigener Entwurf nach TCMB (o. D. c); Trading Economics (2018); OECD (2018c).

Abb. 4: Inflationsziel, Inflationserwartung und Inflationsrate der Türkei

Seit dem Jahr 2012 setzt die türkische Zentralbank zwar auf ein Inflationsziel von 5%, allerdings sind insbesondere im Oktober 2018 mit rund 20 % die Inflation und die Inflationserwartung mit ungefähr 12 % vom Inflationsziel deutlich abgewichen. Die Inflation nahm seit 2016 durchschnittlich um 15,95 % und die Inflationserwartung um 12,68 % pro Jahr zu.21

Hintergrund für die zunehmende Inflation ist vor allem, dass die Geldmenge schneller gewachsen ist als das reale BIP und die Leitzinsen hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben sind (vgl. Abb. 2 mit Tab. 1 und Abb. 3).22

Auch eine expansiv geführte Kreditpolitik sorgte dafür, dass nach dem Putschversuch 2016 die Leitzinsen gestoppt worden sind (vgl. Abb. 3). Dazu zählen zahlreiche Kreditgarantien, ebenso wie zunehmende Kredite von Staatsbanken an die Wirtschaft und die Deregulierung für Banken und Kreditvergabe. Beispielsweise mussten Banken eine geringere Risikoversorge für Kredite zahlen und es wurden die Rückzahlungsfristen von Verbraucherkrediten und Kreditkartendarlehen hinausgeschoben sowie die Eigenkapitalanforderungen bei der Immobilienfinanzierung von 25 % auf 20 % des Kreditbetrags verringert. Die Deregulierung der staatlichen Kreditvergabe führte letztendlich zu einem Überschuss von Krediten in einem Ausmaß von 10 % bis 20 % des BIP.23

2.2 expansive Fiskalpolitik

Nach dem Putschversuch im Juli 2016 stieg das Wirtschaftswachstum nur noch auf 3,18 % gegenüber dem Vorjahr an (vgl. Tab. 1). Die türkische Regierung reagierte auf den Putschversuch, indem sie ab der zweiten Jahreshälfte eine expansive Fiskalpolitik durchführte. Zudem war es das Ziel der türkischen Regierung, ein Zeichen auf die künftigen Präsidentschaftswahlen des Verfassungsreferendum Mitte April 2017 zu setzen.

Vor den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen am 24. Juni 2018 entschied die Regierung zusätzliche Maßnahmen zur Belebung von privatem Konsum und Investitionen durchzusetzen. Der Grund dafür lag darin, dass man eine deutliche Wachstumsverlangsamung wie im Jahre 2016 verhindern wollte.24 Nach den Daten der OECD zählen darin folgende Zuschüsse, die zumindest stückweise auch als Wahlgeschenke gezählt werden können25:

- die Umstellung von 750.000 Leiharbeitnehmern im öffentlichen Dienst in feste Beschäftigungsverhältnisse
- ein zweimaliger Rentenbonus von je 1.000 türkischen Lira, was 0,7 % des BIP ist
- Zinssenkungen bei Immobilienkrediten von Staatsbanken und eine weitere Bestandsaufnahme von staatlichen Kreditgarantien
- eine Einschränkung der Energiepreise auf dem Level von Mitte Mai 2018
- neue zusätzliche Zuschüsse für die Beschäftigung und Investitionen, darunter eine Steigerung der Mindestlohnbeiträge, die üblicherweise 2017 enden sollte26

Jedoch wirken sich die oben genannten Konsumausgaben oder Wahlgeschenke27 nicht so intensiv auf den Staatsausgabenmultiplikator aus, als wenn man diese in Infrastruktur oder in Produktionskapazität angelegt hätte.28 Laut der OECD steckt die Türkei in Infrastrukturprojekte weniger rein, als dies erwartet wurde. Das führt wiederum dazu, dass weniger Einnahmen mit Infrastrukturprojekten erzielt werden.29

Die Verhinderung der konjunkturellen Schwankungen in den Schwellenländern wie der Türkei30 werden durch den schwach ausgeprägten Staatsausgabenmultiplikator gestört und demnach ist der Staatsausausgabenmultiplikator auch geringer als in Industrieländern. Zum einen können unwirksame Staatsausgaben und lückenhafte Staatseinnahmen der Grund sein. Zum anderen sind Schwellenländer im Durchschnitt aufgeschlossener gegenüber dem Handel. Das führt dazu, dass der Staat mehr in den Import ausländischer Güter setzt, als er es in die heimischen Güter macht.31

Die Einnahmen und Ausgaben des Staates sowie die Konsumausgaben, Bruttowertschöpfung und Bruttoanlageinvestition werden in der nächsten Tabelle veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigener Entwurf nach WKÖ (2018a).

Tab. 2: Wirtschafts- und Finanzdaten der Türkei

Die Konsumausgaben sind im Jahr 2017 um das 2,52-Fache größer als die Bruttowertschöpfung im Produktionsbereich und um das 2,47-Fache größer als die Bruttoanlageinvestition gewesen. Das zeigt, dass die Türkei mit expansiven Konsumausgaben kurzfristige fiskalische Impulse vor den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen 2017 gesetzt hat.32

Zeitweise hat die Türkei dabei Erfolg gehabt. Das reale BIP stieg auf 7,05 % zum Vorjahr 2016 an. Jedoch wurde im Jahre 2018 nur noch ein Wachstum von 4,41 % zum Vorjahr 2017 erzielt (vgl. Tab. 1).

Die Problematik expansiver Fiskalpolitik besteht darin, dass sie nur kurzfristig die Konjunktur beleben kann. Das Wirtschaftswachstum schwächt in kurzer Zeit ab, wenn die Regierung nicht weitere fiskalische Impulse setzt. Später nehmen die fiskalischen Risiken zu und übersteigen damit die fiskalischen Impulse. Besonders wenn eine Stabilisierung sinnvoll wäre, wirkt der Einsatz von fiskalischen Impulsen rückwirkend auf das Wirtschaftswachstum der Türkei.33

Bei einer expansiven Fiskalpolitik entsteht zudem ein negativer Haushaltssaldo, wenn die Staatsausgaben höher als die Einnahmen eines Staates sind (vgl. Tab.2).34 Das Haushaltsdefizit wird demnach im Jahr 2018 bei ungefähr 3 % des BIP und die Staatsverschuldung bei circa 28,5 % des BIP liegen. Allerdings befindet sich die Großzahl der Staatsverschuldung und damit der fiskalischen Risiken in Schattenhaushalten.

Der Schattenhaushalt ist ein primärer Faktor,35 weil er nicht in das BIP einbezogen wird und alle wirtschaftlichen Aktivitäten beinhaltet, die dem Staat nicht bekannt sind.36 Der Einsatz illegaler Arbeitskräfte in der Türkei wächst ständig. Frauen arbeiten besonders illegal im Betätigungsbereich Hausarbeit und anderen Sektoren. Illegal beschäftigte Männer hingegen sind oftmals in der Baubranche und in der Landwirtschaft stark ausgeprägt. Nach Berechnungen gibt es in der Türkei ungefähr 20.000 bis 40.000 illegal beschäftigte ausländische Arbeitskräfte.37

Der Anteil der Schattenwirtschaft in der Türkei wird im Jahr 2017 auf 27,20 % geschätzt.38

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

MIMIC: Schätzverfahren, das öfters für Makroschätzungen verwendet wird. Wie hier in dem Beispiel für die Schattenwirtschaft der Länder. Dabei werden nur relative Schätzkoeffizienten einer Schattenwirtschaft ermittelt. Ein weiteres Schätzverfahren wäre von Vorteil, um die relativen Schätzkoeffizienten in absolute Werte umzurechnen.39

Quelle: eigener Entwurf nach Medina / Schneider (2018) S. 18.

Abb. 5: Schattenwirtschaft von ausgewählten Ländern im Jahre 2017- Makro und angepasste MIMIC- Schätzungen

Die Türkei hat mit 27,20 %, die zweitgrößte Schattenwirtschaft hinter Bulgarien mit 29,60 %. Selbst die Schattenwirtschaft der PIGS-Länder beträgt nicht mehr als 21,50 %. Im Gegensatz dazu haben die Industrieländer Deutschland, Frankreich und Großbritannien eine Schattenwirtschaft zwischen 9 % und 13 % (vgl. Abb. 5).40

Die Schattenhaushalte liegen außerhalb des gewöhnlichen fiskalischen Genehmigungs- und Überwachungssystems. Diese beinhalten Kreditrisiken von Staatsbanken, neue Vermögensreserven des Staates, zunehmende Kreditgarantien und einen expansiven Einsatz von öffentlich-privaten Partnerschaften.41 42 Die Stabilität der öffentlich- privaten Partnerschaften, die in verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel bei Infrastrukturprojekten eingesetzt werden, ist sehr niedrig. Laut OECD werden die staatlichen Verbindlichkeiten einschließlich der Übernahme der Schulden aus Projekten mit öffentlich-privaten Partnerschaften auf 45,5 Mrd. US-Dollar geschätzt. Die IMF hingegen rechnet mit Gesamtverbindlichkeiten von über 61 Mrd. US-Dollar, das jedenfalls 7 % des BIP ausmacht. Das Gesamtvolumen der Projekte mit öffentlich-privaten Partnerschaften ist auf das sechsfache gewachsen, wenn man das Gesamtvolumen von vor zehn Jahren als Referenz betrachtet.

Wichtige nicht vorhersehbare fiskalische Risiken aus Projekten mit öffentlich-privaten Partnerschaften sind nach Daten von IMF und OECD an unterschiedlichen Stellen zu beobachten. Zum einen lässt es sich in staatlichen Kreditgarantien und Vertragsbeendigungsklauseln für private Unternehmen beobachten sowie zum anderen in staatlichen Einnahmegarantien für private Partner, die der Staat ein Stück in ausländischer Währung vorgibt.43 Diese Einnahmen werden nach Vollendung des Projekts von privaten Unternehmen so lange eingenommen, bis ihre Investition plus einer bestimmte Gewinnspanne gleich null sind. Die staatliche Rückzahlung der finanziellen Vorschüsse an private Unternehmen44 würde zudem in der türkischen Lira umso höher ausfallen, je mehr die türkische Lira an Wert verliert.45

2.3 Zahlungsbilanz

Ein wichtiger Bestandteil der Mechanismen einer Geld- und Fiskalpolitik ist die Zahlungsbilanz. Die Mechanismen einer Geld- und Fiskalpolitik haben beispielsweise durch Veränderungen der Zinssätze einen Einfluss auf die Zahlungsbilanz.46 In der Zahlungsbilanz werden alle wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Inland und dem Ausland in einem bestimmten Zeitraum erfasst. Als Inländer werden alle Personen unabhängig ihrer Staatsangehörigkeit bezeichnet, die ununterbrochen im Inland wohnen.47

Die Gliederung der Zahlungsbilanz der Türkei basiert auf den internationalen Standards des vom Internationalen Währungsfonds (IWF) erstellten Handbuchs. Dieses Handbuch wird den Mitgliedstaaten als Orientierung empfohlen, da sie die Vergleichbarkeit der Zahlungsbilanzstatistik zwischen den Ländern garantieren. Die türkische Zahlungsbilanzstatistik wird auf Grundlage des Handbuchs des (IWF) monatlich veröffentlicht48 und beinhaltet:

1. Leistungsbilanz:
a) Handelsbilanz (Warenverkehr)
b) Dienstleistungsbilanz (Dienstverkehr)
c) Übertragungsbilanz (Übertragungsverkehr)

2. Kapitalbilanz:
a) Kapitalverkehrsbilanz
b) Devisenbilanz49

Auch schon im Jahr 2015 veröffentlichte die Zentralbank innerhalb ihrer Zahlungsbilanz Rekordsummen in der Rubrik Restposten. Diese umfassten Meldefehler und –lücken, also verstecktes Geld ohne bekannte Quelle. Die Gesamtsumme wurde demnach in den ersten vier Monaten des Jahres 2015 auf circa sieben Milliarden Dollar geschätzt. Zudem wurde in der Zahlungsbilanz das Leistungsbilanzdefizit durch die türkische Zentralbank nahezu immer in den darauffolgenden Monaten nach oben korrigiert.50

Das wichtigste Wirtschaftsgeschehen des Jahres 2018 in der Türkei ist die Zahlungsbilanzkrise gewesen,51 welche mit der Leistungsbilanz und Kapitalbilanz deutlicher erläutert wird.52

2.3.1 Leistungsbilanz

Mit dem Exportanstieg und dem schnellen Verfall der Lira im Jahre 2017 hätte es einen Rückgang des Leistungsbilanzdefizits annehmbar gemacht. Jedoch übertreffen die Importe, die vor allem durch die starke Binnennachfrage gekennzeichnet werden, den Exportanstieg. Ein Rückgang des Leistungsbilanzdefizits wird somit verhindert.53 Von einem Leistungsbilanzdefizit reden Ökonomen, wenn die Importwerte stärker steigen als die Exportwerte. Das heißt im engeren Sinn, dass ein Staat wertmäßig mehr Waren und Dienstleistungen importiert als er exportiert.

Grundsätzlich wirkt sich ein Leistungsbilanzdefizit nicht immer negativ aus. Ebenso sorgt ein Leistungsbilanzüberschuss nicht immer für einen positiven Verlauf der Gesamtwirtschaft. Jedoch ist das Leistungsbilanzdefizit für die Gesamtwirtschaft der Türkei in Verbindung mit den jetzigen Inflationsraten und Wechselkursverlusten riskant, da die Türkei in großen Maßen auf Rohstoffe, industriell unfertige Erzeugnisse, Öl und Gas aus dem Ausland gebunden ist. Genau wegen dieser Mechanismen wird ein Leistungsbilanzdefizit als volkswirtschaftliches Risiko für die Gesamtwirtschaft eingestuft.54

Das Leistungsbilanzsaldo resultiert aus den Salden der Importe von Waren, Dienstleistungen und geleistete Übertragungen an das Ausland auf der Soll-Seite sowie den Exporten von Waren, Dienstleistungen und empfangene Übertragungen vom Ausland auf der Haben-Seite.55

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: facftfish (2018a); statista (2019a); statista (2019b).

Abb. 6: Leistungsbilanz, Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz der Türkei

Der Überschuss mit 20,73 Milliarden US-Dollar in der Dienstleistungsbilanz56 ergibt sich insbesondere aus den Tourismusverkäufen ins Ausland.57 Trotz des Dienstleistungsbilanzüberschusses weist die Handelsbilanz ein Defizit von 76,78 Milliarden US-Dollar auf. Dies ist vor allem durch das höhere Gesamtvolumen in der Handelsbilanz erklärbar. Das Gesamtvolumen in der Handelsbilanz beträgt im Jahre 2017 um die 391 Milliarden US-Dollar. Hierbei resultieren 234 Milliarden US-Dollar aus Warenimporten. Im Gegensatz dazu liegt das Gesamtvolumen der Dienstleistungsbilanz bei 68 Milliarden US-Dollar. Dementsprechend übersteigen die Warenimporte die Warenexporte mit 77 Milliarden US-Dollar. Demzufolge führt es gleichzeitig dazu, dass die Türkei ein Handelsbilanzdefizit und somit auch ein Leistungsbilanzdefizit von -47,38 Milliarden US-Dollar im Jahre 2017 aufweist (vgl. Abb. 6).58

Das seit Jahren andauernde Leistungsbilanzdefizit ist nicht nur dem Überschuss an Warenimporten geschuldet, sondern auch durch die Politik und durch Marktverzerrungen gewachsen. Wegen der Politik und den Marktverzerrungen nahm das Leistungsbilanzdefizit im Jahr 2012 zwischen 1 % bis 3 % zu.59

Ein weiteres Problem des Leistungsbilanzdefizits ist es, dass die Türkei zunehmend Investitionen mit Krediten finanziert und damit die Ersparnis eindeutig überbiet. Vor allem investiert die Türkei mit ungefähr 17 % in den Wohnungsbau und das Bauwesen. Hierbei kommt ein Großteil davon der Beschäftigung und Produktion zugute. Im Vergleich dazu liegt der Investitionsrahmen der OECD-Länder im OECD-Durchschnitt bei 11 % des BIP, welcher damit geringer ist.60

Infolgedessen ist die Leistungsbilanz auch durch die zunehmende Investition und durch Kredite aus dem Ausland61 eng mit der Kapitalbilanz gekoppelt. Ein Leistungsbilanzdefizit weist deshalb zugleich ein Kapitalüberschuss in der Kapitalbilanz auf.62

2.3.2 Kapitalbilanz

In dieser Hinsicht ist das Jahr 1989 ein Wendepunkt in der ökonomischen Historie der Türkei. Im August 1989 wurden die Prüfungen von gesetzlichen Vorschriften der Kapitalbilanz aufgelockert, wie dies auch in zahlreichen anderen Entwicklungsländern der Fall war. Von diesem Zeitpunkt an wird das Wirtschaftswachstum der Türkei in großem Umfang durch Kapitalzuflüssen finanziert.63

Im Übrigen wird die Kapitalbilanz hauptsächlich aus drei Bilanzen zusammengesetzt64:

1. Devisenbilanz à Direktinvestitionen beinhalten Kapitalanlagen wie zum Beispiel mit der Absicht direkte Unternehmensbeteiligungen im Ausland durchzuführen, die durch den Kapitalexport auf der Soll-Seite erfasst wird und die Gegenbuchung erfolgt je nach Zahlungsart, also dem Kapitalimport auf der Haben-Seite. Die Devisenbilanz umfasst zudem Veränderung von Währungsreserven der Zentralbank zu Transaktionswerten in einem vorgesehenen Zeitraum.
2. Wertpapierbilanz à besteht aus Kapitalanlagen in Form von Finanzaktiva ohne Wirkung aus Beteiligungen an Unternehmen im Ausland. Vielmehr wirkt sich dies auf die Vermögensanlage aus, also auf Käufe oder Verkäufe von Aktien ohne Beteiligungsabsicht, Wertpapieren sowie Geldmarktpapieren. Diese werden auch Portfolioinvestitionen genannt.
3. Kreditbilanz à diese beinhalten alle Transaktionen im Kapitalverkehr, die weder als Direktinvestitionen noch als Wertpapieranlagen eingeteilt werden. In der Kreditbilanz sind kurzfristige Kredite, welche eine Laufzeit unter einem Jahr haben, und langfristige Kredite mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr Transaktionen, die sich zudem nach Kreditinstitut, Private und Staat differenzieren.65

Die Kapitalzuflüsse der Türkei werden durch Direktinvestitionen, Portfolioinvestitionen und sonstigem Kapitalverkehr, wie zum Beispiel Handelskredite, beeinflusst und lassen sich genauer mit den Nettozuflüssen von Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland (Kapitalimport) und Nettoabflüssen von dem Erwerb der Finanzanlagen im Ausland (Kapitalexport) im Kapitalverkehr erklären.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*2017 wurden vorläufige Werte berechnet; *sonstige Investitionen wie z. B. kurzfristige, langfristige Handelskredite und Einlagen.

Quelle: eigener Entwurf nach TCMB (2018a).

Abb. 7: Kapitalverkehr der Türkei

Die Nettozuflüsse von 2009 bis 2017 haben ein Gesamtvolumen von 434,86 Milliarden US-Dollar. Im Gegensatz dazu haben die Nettoabflüsse in dem gleichen Zeitraum nur ein Gesamtvolumen von 37,41 Milliarden US-Dollar. Durch den Saldo der Nettozuflüsse (Kapitalimport) und den Nettoabflüsse (Kapitalexport) kommt es überwiegend zu Kapitalzuflüssen in den letzten Jahren. Die Kapitalzuflüsse der Türkei haben sich vor allem nach der Finanzkrise 2009 stark von den Kapitalabflüssen abgesetzt. Zwar wurde im Jahre 2015 ein Abzug von Kapital erreicht, jedoch entwickelten sich danach wieder Kapitalzuflüsse.

Die Nettozuflüsse bestehen aus rund 27 % Direktinvestitionen, 33 % Portfolioinvestitionen und 40 % sonstige Investitionen im Kapitalverkehr. Damit ist erkennbar, dass ein Großteil der Kapitalzuflüsse aus sonstigen Investitionen entstehen (vgl. Abb. 7).66

2.3.3 Auslandsposition Kapitalbilanz und Leistungsbilanz

Die Direktinvestitionen sind langwierig und das Land ist dabei nicht von Zinszahlungs- und Tilgungsverpflichtungen abhängig. Das heißt, wenn einem Leistungsbilanzdefizit Nettozuflüsse aus Direktinvestitionen im Verhältnis stehen, so resultieren demnach keine Zins- und Tilgungsverpflichtungen für das Land. Folglich bleibt die Auslandsverschuldung eines Landes gleich. Im Gegensatz dazu werden Zins- und Tilgungsverpflichtungen bei Portfolioinvestitionen und anderen Investitionen (zum Beispiel kurzfristige Handelskredite) fällig. Insbesondere in verschuldeten Ländern zeigt sich meistens eine Kapitalflucht auf. Diese beziehen einen Kapitalexport und somit eine Umwandlung der Forderungen aus Portfolioinvestitionen und Krediten gegenüber dem Ausland. Die dementsprechend entstehenden Zinszahlungen und Tilgungen gehen aber überwiegend nicht in das betrachtete Land zurück, sodass diese für Zins- und Tilgungsverpflichtungen des Landes aus Portfolioinvestitionen und Kreditverbindlichkeiten nicht decken. Die Zinszahlungen verschlechtern daher die Verschuldung im Ausland weiter und wirken sich negativ auf die Leistungsbilanz aus.

Allerdings ist klarzustellen, dass die aus den Portfolioinvestitionen und Krediten entstehenden Zins- und Tilgungsverpflichtungen zwar dazu beitragen, einen Teil der Auslandsverschuldung zu beschleunigen, dass sie aber nicht die Kernursache für die Auslandsverschuldung sind. Die ursprüngliche Ursache ist trotz allem das Leistungsbilanzdefizit und wird demzufolge mit der zusammenhängenden Gleichungen aufgezeigt67:

Der Außenbeitrag bestimmt sich aus dem Unterschiedsbeitrag innerhalb des Bruttonationaleinkommens Y und dem inländischen Konsum C wie auch den inländischen Bruttoinvestitionen I:

1. AB = Y – C – I

Die Größen C und I beinhalten die Güternachfrage aller heimischer Wirtschaftssubjekte der privaten Haushalte, der Unternehmungen und der öffentlichen Haushalte. Kommen dem Bruttonationaleikommen die grenzüberschreitenden Nettoübertragungen, die im Saldo der Übertragungsbilanz aufgenommen sind, dazu, so resultiert sich aus dem inländisch bestehenden Einkommen nach Abzug des Konsums, die inländischen Ersparnisse:

2. Y + ÜB – C = S

Aus den beiden obigen Gleichungen entsteht:

3. AB + ÜB = S – I = LB

Der Saldo der Leistungsbilanz bestimmt sich aus dem Unterschiedsbeitrag aus den inländischen Ersparnissen und Bruttoinvestitionen. Dieser Unterschiedsbeitrag präsentiert zugleich den Finanzierungssaldo des Landes im Verhältnis zum Ausland:

4. FS = S – I = LB

Aus der 3. Gleichung ist erkennbar, dass der Leistungsbilanzsaldo einesteils unmittelbar aus dem Außenbeitrag und den Nettoauslandsübertragungen entsteht und andernteils mittelbar mit den Ersparnissen und Investitionen zusammengesetzt ist.

Ein Außenhandelsbilanzdefizit und demnach ein Leistungsbilanzdefizit kann aus folgenden Gründen entstehen:

- Importabhängigkeit und gleichzeitig Exportschwächen
- Inflation
- geringere Ersparnisse als Investitionen68

[...]


1 Vgl. Onvista (2018), o. S.

2 Vgl. WirtschaftsWoche (2018a), o. S.

3 Vgl. Matthes (2018), S. 3.

4 Karatepe (2017), S. 13.

5 Vgl. Matthes (2018), S. 3.

6 Vgl. Ebd., S. 8; Levy (2018), S. 1; f. Abb. 2-4 und Tab. 1.

7 Vgl. Krumnow / Gramlich (2013), S. 573: Geldmenge M1: Summe aus Bargeld und Ersparnis mit sofortigem Zugriff im Zahlungsverkehr, Geldmenge M3: M2 (Ersparnisse und Geldeinlagen mit maximaler 2-jähriger Laufzeit und 3-monatiger Kündigungsfrist) + Summe verfügbares Geld inklusive Schulden und Wertpapiere.

8 Vgl. Statista (2018a), o. S.

9 Vgl. OECD (2018b), o. S.

10 Vgl. Smeets (2018), S. 42-47.

11 Vgl. Statista (2018b), o. S.

12 Vgl. OECD (2018a), S. 41-45.

13 Vgl. Statista (2018b), o. S.

14 Vgl. OECD (2018a), S. 41-45.

15 Vgl. Statista (2018b), o. S.

16 Vgl. Stocker (2018), o. S.

17 TCMB (o. D. a), o. S: „The Central Bank was granted the right to determine at its own discretion the monetary policy instruments it would us (instrument independence), […] As a consequence of the independence entrusted to it, the Central Bank also become accountable.“

18 Vgl. Smeets (2018), S. 42-47; Matthes (2018), S. 8.

19 Vgl. TCMB (o. D. b), o. S.

20 Vgl. OECD (2018a), S. 41-45, Box 6.

21 Vgl. TCMB (o. D. c); o. S.; Trading Economics (2018), o. S.; OECD (2018c), o. S.

22 Vgl. Konecny (2016), S. 248.

23 Vgl. Matthes (2018), S. 9.

24 Vgl. Ebd, S. 6-8.

25 Vgl. OECD (2018a), S. 34 f.

26 Vgl. Matthes (2018), S. 6-8; OECD (2018a), S. 34 f.

27 Vgl. Ebd.

28 Vgl. Wichert (2018), S. 4.

29 Vgl. Matthes (2018), S. 6-8; OECD (2018a), S. 34 f.

30 Vgl. Nölke / May / Claar (2013), S. 9.

31 Vgl. Wichert (2018), S. 4.

32 Vgl. WKÖ (2018a).

33 Vgl. Matthes (2018), S. 8.

34 Vgl. Olney (2015), S. 200.

35 Vgl. Matthes (2018), S. 6-8; IMF (2018), S. 11.

36 Vgl . Schäfer (2018), o. S.

37 Vgl. Nathanson (2018), S. 127.

38 Vgl. Medina / Schneider (2018), S. 18.

39 Vgl. Schneider (2015), S. 3 u. S. 20.

40 Vgl. Medina / Schneider (2018), S. 18.

41 Vgl. Loer (2007), S. 31: Öffentlich-privaten Partnerschaft wird als Sammelbegriff bezeichnet. Dabei erfolgt ein Zusammenspiel zwischen Privatwirtschaft und des Staates zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels.

42 Vgl. Matthes (2018), S. 6-8; IMF (2018), S. 22, Box 3.

43 Vgl. Matthes (2018), S. 6-8; OECD (2018a), S. 35; IMF (2018), S. 22, Box 3.

44 Vgl . Baumgarten (2018), o. S.

45 Vgl. Matthes (2018), S. 6-8.

46 Vgl. Dornbusch / Fischer / Startz (2003), S. 373.

47 Vgl. Bontrup (2014), S. 751.

48 Vgl. TCMB (o. D. d), o. S.

49 Vgl. Gschwendtner (1991), S. 3-7.

50 Vgl. Handelsblatt (2015), S. 2.

51 Vgl. Sak (2018), o. S.

52 Vgl. Gschwendtner (1991), S. 3-7.

53 Vgl. Matthes (2018), S. 6.

54 Vgl. Sommerfeld (2018a), o. S.

55 Vgl. Gschwendtner (1991), S. 3-5.

56 Vgl. Statista (2019b), o. S.

57 Vgl. IMF (2018), S. 2, Statement.

58 Vgl. Factfish (2018a), o. S.; statista (2019a), o. S.; statista (2019b), o. S.

59 Vgl. Nathanson (2018), S. 52.

60 Vgl. Matthes (2018), S. 6; OECD (2018a), S. 17, Figure 3.

61 Vgl. Matthes (2018), S. 3.

62 Vgl. Busch / Grömling / Matthes (2011), S. 31.

63 Vgl. Karatepe (2017), S. 13 f.

64 Vgl. Busch / Grömling / Matthes (2011), S. 9.

65 Vgl. Gschwendtner (1991), S. 5-7; Busch / Grömling / Matthes (2011), S. 9; Rübel (2005), S. 9 f.

66 Vgl. TCMB (2018a), Tabelle 4; Rehbock (2016), S. 4; Rübel (2005), S. 12 ff.

67 Vgl. Dieckheuer (2001), S. 375-384.

68 Vgl. Ebd.; Ursachen Kapitel 2.1-2.2, 2.3.1; Auswirkungen Kapitel 3.2-3.3.

Details

Seiten
85
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668951785
ISBN (Buch)
9783668951792
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v470949
Institution / Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen
Note
3,0
Schlagworte
währungskrise türkei ursachen auswirkungen stabilisierungsmaßnahmen

Autor

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Titel: Währungskrise in der Türkei. Ursachen, Auswirkungen und Stabilisierungsmaßnahmen