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Der Italienzug Kaiser Karls IV.

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 23 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die diplomatischen Vorbereitungen für den Italienzug
1.1 Die Schwierigkeit von Italienzügen im 14. Jahrhundert
1.2 Vorbereitende Sondierungen bei italienischen Fürsten
1.3 Die Schaukelpolitik der Kurie
1.4 Die Romzugsverhandlungen mit Florenz

2. Ohne Schwertstreich durch Italien: Der Weg nach Rom
2.1 Karls Bündnis mit der Liga gegen die Visconti
2.2 Die Einigung mit den Visconti
2.3 Karls erster Aufenthalt in Pisa
2.4 Der Handel mit Florenz: Rechte gegen Geld
2.5 Karls IV. Politik gegenüber der Papstkirche

3. Karls IV. Versuch, Stützpunkte in Italien aufzubauen
3.1 Karl versucht seinen Bruder Nikolaus als Signore in Siena zu installieren
3.2 Der Aufstand gegen Karl IV. in Pisa
3.3 Bischof Markward von Randeck als Reichsvikar von Pisa
3.4 Karl IV. verläßt Italien

4. Nachwort: Die veränderte Substanz des Kaisertums
4.1 Die landläufige Ansicht über Karls Italienzug
4.2 Der materielle Gewinn aus den Reichsrechten
4.3 Der „übereilte“ Abzug
4.4 Die besondere Leistung Karls IV

5. Literatur

Einleitung

Mit relativ geringem Einsatz erreichte Karl IV. in Italien nach den Maßstäben des 14. Jahrhunderts maximale Anerkennung als Herrscher, und das sogar von Mailand und Florenz, die sonst so oft dem deutschen Reichsoberhaupt widerstanden hatten.

Doch warum konnte Karl IV. den Italienzug trotz gewaltiger Hindernisse im großen und ganzen erfolgreich durchführen? Und warum zahlten die Italiener während des Italienzuges soviel Geld an den König bzw. Kaiser, obwohl er doch, weit von seiner Basis in Böhmen entfernt, eigentlich gar nicht die Möglichkeit, sie dazu zu zwingen?

Um diese Fragen angemessen zu beantworten, ist es notwendig, besonders auf die politischen Verhältnisse und Machtkonstellationen in Italien einzugehen, ausgehend von der Überlegung, dass der römische König sich bei einem Italienzug im 14. Jahrhundert weit mehr nach den kulturellen, sozialen und politischen Zuständen in Italien richten mußte, als dass er in der Lage gewesen wäre, diese zu formen.

Aber offenbar vermochte sich der schlaue König recht gut an die dortigen Verhältnisse anzupassen und sein Chancen auszuloten. Auch Karl IV. besaß freilich nicht von vorneherein einen fertigen Plan für seine Italienpolitik. Er hatte jedoch eine Methode, die militärische Auseinandersetzungen vermied und die auf Diplomatie, Bündnissen und Verträgen beruhte. Dabei kam ihm der Umstand zur Hilfe, dass auch im Italien des 14. Jahrhunderts gewisse Vorstellungen über die Rechtsgewalt des Kaisertums nach wie vor wirkungsmächtig waren.

Im ersten Teil soll es um die umfangreichen diplomatischen Vorbereitungen des Italienzuges gehen, die Karl ergreifen mußte. Italienpolitik - das war zunächst Papstpolitik. Daher werden Karls Bemühungen, sich mit der Kurie gütlich über den Italienzug zu einigen, behandelt. Doch auf die Papstkirche allein kam es im Italien des 14. Jahrhunderts nicht mehr an, sie war, wie ihr kaiserlicher Widerpart, in ihren politischen Entscheidungen vielfältigen Zwängen ausgesetzt. So werden Karls Verhandlungen über den Romzug mit maßgeblichen italienischen Mächten wie Florenz und Venedig, einen breiten Raum einnehmen. Dabei soll es vor allem darum gehen, in welchem Ausmaß es ihm gelang, ihnen gegenüber Reichsrechte wahrzunehmen. Von „heroischen“ Taten im Stile eines Friederich I Barbarossa wird demgegenüber weniger die Rede sein – doch zwei häufig gegen Karl IV. erhobene Vorwürfe sind zu relativieren. Weder war er so willfährig gegenüber dem Papst, wie häufig angenommen, noch floh er, nach Erlangung der Kaiserkrone, in übertriebener Eile aus Italien. Tatsächlich blieb Karl IV. nach der Kaiserkrönung am 5. April 1355 noch zwei Monate in Italien. Er verfolgte nämlich durchaus eigene politische Konzeptionen für den italienischen Reichsteil, die über bloße fiskalische Ausnutzung von Reichsrechten hinausgingen. Vielmehr versuchte er, sich auch dauerhafte Stützpunkte für seine Herrschaftsausübung zu schaffen.

1 Die diplomatischen Vorbereitungen für den Italienzug

1.1 Die Schwierigkeit von Italienzügen im 14. Jahrhundert

Ein Italienzug stellte wohl für jeden römischen König an sich schon einen gewaltigen Kraftakt dar. Die geographische Barriere der Alpen war zu überwinden, der Tagesbedarf der Ritter, Knechte und Pferde an Nahrung und Wasser mußte -bei erhöhter körperlicher Anstrengung- gedeckt werden. Hierbei war das Heer des Königs auf die Unterstützung lokaler Lehnsträger und italienischer Städte angewiesen. Im Prinzip waren sie zur Abgabe des fodrums, der außerordentlichen Steuer bei Feldzügen des Königs, verpflichtet. Aber eigentlich mußten sie dazu gewonnen werden. Hinzu kamen finanzielle Belastungen, Söldnerkontingente mußten bezahlt werden, den Teilnehmern des Lehnsaufgebotes mußte der König ihren Aufwand ersetzen. Zur Befriedigung dieser Ansprüche verpfändete der König, da das deutsche Königtum unter chronischer Geldknappheit litt, Reichsgut[1]. Diese schmale materielle Basis wurde seit dem Ende der Staufer durch die ständigen Dynastiewechsel, Thronstreitigkeiten, und die Wahl „armer“[2] Könige aus Grafenhäusern weiter gemindert. Die Substanz des Reichsgutes aber verschleuderte erst Karl IV. in den Jahren bis 1376, indem er es fast vollständig zur Finanzierung der Wahl seines Sohnes Wenzel verpfändete[3]. Während aber seit dem Ende der Staufer die Zentralgewalt Machteinbußen erlitt, erstarkten demgegenüber die Reichsfürsten. Es war also aufgrund der mangelhaften materiellen Basis im Spätmittelalter im Vergleich zu den Zeiten der Staufer schwerer geworden, einen Romzug überhaupt nur anzutreten, zumal in Italien seit dem Tod Friedrichs II. 1250 der Einfluß des Reiches de facto auf ein Minimum geschrumpft war[4].

Übrigens auch rechtlich hatte sich die Position des Reichsoberhauptes verschlechtert. Approbations- und Krönungstheorie boten den Gliedern des Reiches theoretische Ansätze, um sich ihren Pflichten gegenüber dem selbigen zu entziehen[5].

Die Zustimmung zum Italienzug vom Papst, der den Kaiser krönte und daraus eine Obergewalt über das Reich ableitete, zu erlangen, war schwierig. Denn über papale Superioritätstheorien hinaus hatte der Papst als Herrscher des Kirchenstaates und damit als italienischer Fürst seine eigenen weltlichen Interessen in Italien.

Dennoch hielten die römisch deutschen Könige an der Idee des Kaisertums fest, „die persönliche Ausübung der Reichsgewalt in Italien“ wurde „nicht nur als Recht, sondern auch als Pflicht empfunden[6].“ Zudem winkten reiche Einnahmen aus der fiskalischen Nutzung der Reichsrechte[7]. Und ein Rest an Reichsrechten blieb erhalten, wie z.B. die Institution des Reichsvikariats. Der Reichsvikar hatte vor Ort die Rechte des Königs wahrzunehmen[8].

Allerdings veränderte sich im 14. Jahrhundert die politische Situation in Italien grundlegend. Anstatt mit den häufig von Parteizwisten heimgesuchten lombardischen Stadtkommunen des Hochmittelalters hatte es der römische König nun zunehmend mit politisch stabileren Signorien zu tun, wie die der Carrara von Padua, der Gonzaga von Mantua, der Scalinger in Verona und die der Visconti von Mailand[9]. Wie sich noch bei Heinrich VII. gezeigt hatte, ermöglichte gerade die Uneinigkeit und Instabilität in den italienischen Städten dem Königtum Eingriffe. Je mehr die größeren Städte mit ihrem Territorium zu Staaten wurden, desto mehr wurde die tatsächliche Machtausübung des Königs verhindert, war er im Interesse des Italienzuges zur Zusammenarbeit mit den italienischen Mächten gezwungen.

Heinrich VII. und Ludwig IV. hatten mit ihren Italienzügen noch stark an die staufische Tradition[10] anknüpfen wollen, was groß gesprochen den Versuch bedeutete, in Italien direkte Herrschaft auszuüben und die Ansprüche des Papstes auf Oberherrschaft über das Kaisertum zurückzuweisen. Letztlich aber scheiterten beide.

Bei Karl IV. trat an die Stelle militärischer Machtentfaltung in Italien verstärkt die

Diplomatie[11]. Und auf dem dem Gebiet der Diplomatie, nicht auf dem Schlachtfeld, offenbarte sich Karls IV. eigentliche Meisterschaft.

1.2 Vorbereitende Sondierungen bei italienischen Fürsten

Denn Karl IV. hatte schon in seiner Jugend als Statthalter seines Vater, des Königs

Johann von Böhmen, während der Jahre 1331-33 in Italien Erfahrungen gesammelt. Er pflegte daher Kontakte zu italienischen Adelsfamilien und wußte über die politischen Entwicklungen auf der Apenninhalbinsel Bescheid[12]. So plante er schon seit dem Antritt seines Königtums 1346 den Italienzug und bereitete ihn vor. Dabei schöpfte er die rechtlichen Befugnisse des römischen Königs aus, indem er dem Haus Luxemburg nahestehende italienische Adelige, zum Beispiel die Rossi in der Umgebung von Parma oder den Markgrafen von Soragna, mit reisetechnisch und strategisch wichtigen Orten belehnte, um sie für sich einzunehmen[13]. Zwar überlagerte die Macht der Signorengeschlechter die reichsrechtlichen Ansprüche, aber das Bewußtsein, dass der König oberster Lehnsherr und Quelle des Rechts sei, war im Italien des 14. Jahrhunderts durchaus noch vorhanden. Außerdem gab Karl der Erfolg Recht. Sein Durchzug durch die von seinen Rechtsakten betroffenen Gebiete verlief 1354/55 einigermaßen sicher[14].

Darüber hinaus schuf Karl sich Zonen direkten Einflusses. Nachdem 1350 der Patriarch von Aquileja einer Revolte seiner Lehnsleute zum Opfer gefallen war, gelang es der Diplomatie des Luxemburgers, beim Papst durchzusetzen, dass er seinen Halbbruder Nikolaus zum Patriarchen von Aquileja ernannte[15]. Auch in dem westlich von Aquileja liegenden Doppelbistum Feltre und Belluno erreichte Karl zweimal, 1349 und 1354, die Einsetzung eines deutschen, dem Hause Luxemburg nahestehenden Bischofs.

1.3 Die Schauckelpolitik der Kurie

Aber anders als dieses Entgegenkommen des Papstes bei der Besetzung von Bischofsstühlen vermuten läßt, war Karls Verhältnis zur Kurie keineswegs immer so ungetrübt. Denn Papst Clemens VI. mißtraute Karl, obwohl er ihn ursprünglich als Gegenkönig Kaiser Ludwigs IV. unterstützt hatte. Denn Karl arbeitete daran, sich mit Wittelsbach, dem Haus Kaiser Ludwigs IV., auszusöhnen, um seinen Herrschaftsanspruch im Reich nördlich der Alpen durchzusetzen. Er heiratete 1349 Anna von Wittelsbach, die Tochter des exkommunizierten Pfalzgrafen Rudolf II. bei Rhein. Auch belehnte Karl gleichfalls exkommunizierten Söhne Ludwigs des Bayern, Ludwig den Brandenburger und seine Brüder mit all ihren Gütern und Rechten. Damit mißachtete er die päpstlichen Bannflüche[16]. Papst Clemens VI. war über die Einigung Karls mit „jenem schlangenhaften Abkömmling Ludwigs des Bayern unseligen Angedenkens“ erbost und verbot am 1. Mai 1350 seinem Legaten Guido von Boulogne auf der Provinzialsynode von Padua die Werbung für den von Karl angekündigten Romzug. Clemens tadelte in diesem Schreiben auch, dass Karl Untertanen der Kirche in der Romagna „ seine und des römischen Reiches Getreue“ genannt habe[17].

Ein Blick in das Italien des Jahres 1350 aber zeigt, dass weder die versöhnliche Politik Karls gegenüber Wittelsbach noch seine rechtlich ungenaue Wortwahl der Hauptgrund für das Verbot des Papstes war.

In Reichsitalien expandierte damals Mailand unter dem mächtigen Erzbischof und Signore (Stadtherr) Giovanni Visconti. Die anderen Signori, Dynasten und die Kommunen der Toskana wehrten sich gegen ihn, um ihre territoriale Integrität zu wahren. Im Kirchenstaat war die Herrschaft des Papstes, der ja in Avignon residierte, in weiten Teilen nur noch nominell. Lokale Machthaber strebten danach, in seinen Grenzen eigene Signorien zu errichten. So hatte die Brüder Manfredi der römischen Kirche Faenza entrissen. Die Truppen des Erzbischofs unterstützten die des Papstes dabei, Faenza zurückzuerobern. Und der Visconti drohte dem Papst damit, wenn er den für die mailändische Herrschaft gefährlichen Italienzug erlauben sollte, seine Truppen von Faenza wieder abzuziehen, d.h. die Rekuperationspolitik des Papstes nicht mehr zu unterstützen[18]. Deswegen konnte der Papst zu diesem Zeitpunkt nicht anders, als Karls Romzug abzulehnen. Doch als der Erzbischof begann, mit den vom Papst abgefallenen Vikaren von Bologna, den Pepoli, zu konspirieren, drohte der Papst den Mailändern und auch den Florentinern, Senesen und Pisanern damit, König Karl zur Hilfe zu holen, sollten sie ihn bei seiner Rückeroberung des Kirchenstaates nicht unterstützen. Er versuchte also, den Romzug Karls als Druckmittel in der italienischen Politik einzusetzen[19]. Doch die Städte halfen dem Papst nicht, und Giovanni Visconti kaufte, von päpstlichen Drohungen unbeeindruckt, am 16. Oktober den Pepoli Bologna ab. Der Papst kam daher König Karl wieder entgegen und ernannte, wie oben erwähnt, seinen Halbbruder Nikolaus zum Patriarchen von Aquileja[20]. Und er forderte Karl auf, die Rebellen wider die Kirche in Italien zu unterdrücken, tat den Visconti in den Kirchenbann und lud ihn vor sein Gericht.

Dessen ungeachtet ließ dieser Imola, die letzte der Kirche verbliebene Stadt in der Romagna belagern.

Diese fortgesetzten Feindseligkeiten des Erzbischofes bewogen den Papst, der Bitte Karls um die Erlaubnis zum Italienzug zu entsprechen. Er forderte die Kommunen Florenz, Siena und Perugia auf, Gesandte zu Karl IV. zu schicken, damit sie sich mit ihm über die Modalitäten des Romzuges einigten[21].

Als Giovanni Visconti von dieser für ihn bedrohlichen Annäherung zwischen Clemens VI. und Karl IV. hörte, näherte er sich im Sommer 1351 der Kurie wieder an. Er ließ seine diplomatischen Kontakte spielen und kargte nicht mit Bestechungsgeldern. 200.000 fl. sollen an namhafte Persönlichkeiten am Papsthof gegangen sein. Die Chance zu einer friedlichen Einigung mit den Visconti ließ das Interesse des Papstes an einem Romzug Karls IV. erneut schwinden[22].

Am 27. April 1352 schließlich fanden sich die Beauftragten Giovanni Viscontis, seine Neffen Matteo, Bernabò und Galeazzo beim Papst in Avignon ein und baten für ihre Rebellion gegen die Kirche um Verzeihung. Sie versprachen, das Belagerungsheer von Imola abzuziehen. Da löste Clemens VI. sie vom Bann und ernannte Giovanni Visconti und seine Neffen zu päpstlichen Vikaren in der Stadt und im Distrikt von Bologna[23]. Durch diesen Friedensschluß hatten die Visconti einen Romzug Karls IV. mit päpstlicher Unterstützung vereitelt. Denn in den Augen des Papstes war es sinnlos, König Karl zum Kampf gegen seinen eigenen Vikar herbeizurufen. Doch Karl hatte noch eine weitere Option, in Italien Bündnispartner zu finden, nämlich ausgerechnet die toskanischen Guelfen.

1.4 Die Romzugsverhandlungen mit Florenz

Denn auch sie griff Erzbischof Giovanni Visconti an. Im Juli 1351 fiel ein Söldnerheer der Visconti in die Toskana ein und drang bis Florenz vor. Die Städte Florenz, Siena und Perugia schlossen sich zu einer Liga gegen die Angreifer zusammen. Zwar konnte sich die Armee der Mailänder in in der Toskana nicht halten, aber die strategische Lage der Kommune Florenz blieb bedrohlich[24]. Normalerweise wandten sich die Florentiner als treue Söhne der Kirche in solcher Lage an den Papst. Der aber machte in der zweiten Hälfte der Jahres 1351 Anstalten, sich mit den Visconti zu einigen. Da baten Florenz und Siena ausgerechnet den römischen König Karl um Hilfe.

Diese diplomatische Initiative zeigt, wie sehr sich die politischen Konstellationen in Italien verändert hatten. Denn in den Kämpfen des 13. und 14. Jahrhunderts stellten die Guelfen die Kirchenpartei, im Gegensatz zu den Ghibellinen, die den Kaiser unterstützten[25]. Und die Guelfen der Toskana hatten Karls IV. unmittelbaren Vorgängern, seinem Großvater Heinrich VII. und Ludwig IV. Widerstand geleistet, wobei die neapolitanischen Anjou sie unterstützt hatten. Jetzt aber engagierten sich die Anjou nicht mehr in Oberitalien, und die französische Krone war durch den Krieg gegen England geschwächt. Der neue Hauptfeind der toskanischen, „freien“ Kommune aber war nun nicht mehr der römische König, sondern waren die „tyrannischen“ Visconti von Mailand, die ja durch ihre kompaktere und kontinuierlich ausgeübte Macht in der Tat gefährlicher waren als der römische König[26].

[...]


[1] s. Schubert, Ernst: König und Reich. Studien zur Spätmittelalterlichen Verfassungsgeschichte, Göttingen 1979, S. 217-218.

[2] So schrieb z.B. anläßlich der Wahl König Rudolfs von Habsburg am 1. Oktober 1273 Böhmenkönig Ottokar an Papst Gregor X.: „dieses Reich (sc. das römische) liegt jetzt in der Hand von Leuten, die die Finsternis ihres schlechten Rufes verbirgt, die von der Gewalt ihrer Kräfte im Stich gelassen und von der Last ihrer Armut elendig bedrückt werden,...“, aus: Weinrich , Lorenz (Hrsg.): Quellen zur Verfassungsgeschichte des römisch deutschen Reiches im Spätmittelalter (1250-1500), Darmstadt 1983, S. 91-93.

[3] s. Schneider, Reinhard: Karl IV. 1346-1378, in: Beumann, Helmut (Hrsg.): Kaisergestalten des Mittelalters, München 1984, S. 272: „Weil aber verpfändetes Reichseigentum wegen der chronischen Finanzschwäche des Reiches praktisch nie ausgelöst wurde, waren die Substanzverluste endgültig. Seinen eigenen Nachfolgern hinterließ Karl IV. an Reichsbesitz fast nichts,...“

[4] Stürner, Wolfgang: Friedrich II., Teil 2. Der Kaiser 1220-1250, Darmstadt 2000, S. 593; s.a. Pauler, Roland: Die deutschen Könige und Italien im 14 Jahrhundert. Von Heinrich VII. bis Karl IV, Darmstadt 1997, S. 11.

[5] Kern, Fritz: Die Reichsgewalt des deutschen Königs nach dem Interregnum. Zeitgenössische Theorien, Darmstadt, unveränderte Neuaufl. der Aufl. Von 1959 1966, (Zuerst erschienen in: Historische Zeitschrift 106, 1910, S. 9-95), s. S. 7: „Auch Theorien hatten sich erhoben, um einem Netz von Schlingpflanzen nicht unähnlich, die Reichsgewalt beim Eintritt in ihre verlassenen Gebiete zu hemmen.“

[6] s. Trautz, Fritz: Die Reichsgewalt in Italien im Spätmittelalter, in: Heidelberger Jahrbücher 7 (1963), S. 49; s.a. Schubert, König und Reich, S. 215.

[7] Schubert, König und Reich, S. 222.

[8] Zum Reichsvikariat s. Pauler, die deutschen Könige, S. 23-24; zur einstigen Machtfülle der General-und Reichsvikare s. Stürner, Friedrich II. Teil 2, S. 488-493.

[9] Zur Entwicklung Verfassungen in den Städte Italiens s. Pauler, die deutschen Könige, S. 24-27.

[10] Bei Moraw, Peter: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Das Reich im späten Mittelalter, 1250-1490, Berlin 1985, S. 228 heißt es über die staufisch klingenden Manifeste Heinrichs VII. gegen Robert von Anjou: „Sie ließen in ihrem Anspruch Theorie und Wirklichkeit weit auseinandertreten.“

[11] So urteilt Schubert, König und Reich, S. 218-220.

[12] Hillenbrand, Eugen (Hrsg. u. Übersetzer): Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV., Stuttgart 1979, S. 95. Karl nennt hier die Namen vieler Adelsfamilien, die ihn in Italien unterstützten, darunter auch die Rossi aus Parma und die Manfredi von Reggio.

[13] s. Widder, Ellen: Itinerar und Politik. Studien zur Reiseherrschaft Karls IV. südlich der Alpen, Köln-Weimar-Wien 1993, S. 134-137. So bestätigte er der Familie Rossi den Besitz von Potremoli und Borgo San Donnino, die an der La Cisa Paß-Straße von der Lombardei in die Toskana lagen, und belehnte sie mit Brescello, das einen wichtigen Poübergang bewachte. Den Markgrafen von Soragna bestätigte er im September 1347 ihren Besitz, der in unmittelbarer Nähe zu dem schon 1346 von den Visconti erworbenen Parma lag. 1348 ernannte er Giacomo da Carrara zum Reichsvikar von Padua, März 1349 übertrug der König den Gonzaga das Reichsvikariat über Mantua und Reggio. Zum Margrafen von Soragna s.a. Winkelmann, Eduard: Acta Imperii Inedita Saeculi XIII et XIV. Urkunden und Briefe zur Geschichte des Kaisereiches und des Königreiches Sizilien, Bd.2, Innbruck 1885, 859-853, Nr. 1191. (Neudruck Aalen 1964)

[14] Widder, Itinerar, S.138.

[15] ebenda, S. 127 u. Seibt, Ferdinand, Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346-1378, München, Neuaufl.der Aufl. von 1979 2000, S. 227.

[16] Pauler, die deutschen Könige, S.180.

[17] ebenda, S. 181; Zitate nach Widder, Itinerar, S. 143.

[18] Nach Pauler, die deutschen Könige, S. 181.

[19] ebenda, S.182.

[20] Widder, Itinerar, S. 144-145.

[21] Pauler, die deutschen Könige, S.183; Werunsky, Emil: Geschichte Kaiser Karls IV. und seiner Zeit, Innsbruck 1880-1892, Nachdruck New York 1861, S. 498; Widder, Intinerar, S. 145-146.

[22] Zu den Einzelheiten der Einflußnahme der Visconti am Papsthof, s. Werunsky, Geschichte Kaiser Karls IV., S. 499-503.

[23] ebenda, S. 507 u. Pauler, die deutschen Könige, S.183.

[24] ebenda, S. 499.

[25] Zur Entstehung der Parteinamen Anfang des 13. Jahrhunderts s. Herde, Peter: Guelfen und Ghibellinen, in: Esch, Arnold u. Kamp, Norbert (Hrsg.): Friedrich II. Tagung des Deutschen Historischen Instituts in Rom im Gedenkjahr 1994, Tübingen 1996, S. 50-66. Herd urteilt über die Parteiungen, ein wirkliches Programm sei nie vorhanden gewesen: „Freilich ist diese Identifizierung mit den Universalmächten der Zeit, dem Papsttum und dem Kaisertum, seit Anbeginn nur eine Verbrämung von egoistischen Motiven, Haß, Rachegelüsten und zügellosem Machttrieb, dem jede höhere Motivation fehlte.“ (S. 51)

[26] Widder, Itinerar, S. 146-147, s.a. S. 175 u. Werunsky, Geschichte Kaiser Karls IV, S. 504.

Details

Seiten
23
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638440936
ISBN (Buch)
9783638677196
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47050
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Historisches Seminar
Note
1,4
Schlagworte
Italienzug Kaiser Karls Hauptseminar

Autor

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Titel: Der Italienzug Kaiser Karls IV.