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Interkulturelles Lernen durch erfolgreichen Zweitspracherwerb

Facharbeit (Schule) 2018 8 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Interkulturelle Erziehung nach Nieke

3 Der Zweitspracherwerb als erster Schritt gelungener Integration
3.1 Die Bedeutung der Erstsprache für die Zweitsprache
3.2 Der Erwerb der Zweitsprache

4 Fazit, Methodenreflexion und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Heutzutage ist Integration und interkulturelles Zusammenleben ein wichtiges Thema in unserer Gesellschaft. Die Gesellschaft wird immer multikultureller. Immer mehr Menschen verlassen ihr Heimatland und flüchten in ein sichereres und Zukunft versprechendes Land, doch dadurch kann es schnell zu Missverständnissen und Verunsicherungen zwischen verschiedenen Kulturen mit unterschiedlichen Sprachen kommen. Ein wichtiger Faktor, um genau diesem Problem entgegenzuwirken, ist das Erlernen der Sprache des jeweiligen Landes, in dem man sich aufhält und welches die neue Heimat werden soll. Durch das Beherrschen dieser Sprache und die Aufklärung über die verschiedenen Kulturen ist sowohl die Verständigung zwischen den unterschiedlichen Bürgern unkomplizierter als auch das Verstehen der Gesetze und Regeln der anderen Kultur überhaupt erst möglich. Vor allem für Kinder ist das Erlernen der Sprache des neuen Heimatlandes von großer Bedeutung, da das gemeinsame Lernen mit Kindern aus verschiedenen Ländern vor allem in der Schule sonst nicht machbar wäre.

In dieser Hausarbeit geht es zunächst darum, was interkulturelle Erziehung laut Wolfgang Nieke ist, danach wird die Bedeutung der Erstsprache erläutert, welche die Grundlage für den Zweitspracherwerb darstellt. Anschließend wird dann auf die Bedeutung und den Erwerb der Zweitsprache noch genauer eingegangen. Am Ende werden die analysierten Ergebnisse zusammengefasst, die Methode zur Vorgehensweise reflektiert und es wird ein Ausblick gegeben, was man weiterführend zu diesem Thema noch untersuchen könnte und auf welche weiteren Themen man noch eingehen könnte.

Diese Hausarbeit bezieht sich speziell auf den Zweitspracherwerb von Kindern mit Migrationshintergrund, weniger auf das Erlernen einer neuen Sprache von erwachsenen Personen.

2 Interkulturelle Erziehung nach Nieke

Der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Nieke beschreibt interkulturelle Erziehung wie folgt: „Interkulturelle Erziehung wird verstanden als die notwendige Antwort auf die entstandene und dauerhaft bestehenbleibende Gesellschaft mit Zuwanderern aus anderen Kulturen sowie mit daraus entstehenden oder schon vorher existierenden ethnischen Minoritäten, d. h. als Antwort auf eine als dauerhaft zu akzeptierende multi-ethnische oder multikulturelle Gesellschaft“1. Eine Aufgabe der kulturellen Erziehung und damit auch der Schule ist es also die Schüler über die verschiedenen Kulturen aufzuklären, um gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz auch gegenüber fremden Kulturen zu erlangen. Das Ziel dieser Erziehung ist ein funktionierendes, gemeinschaftliches Miteinander und dem Rassismus, den Vorurteilen und den Ängsten gegenüber Menschen mit einer anderen Kultur entgegenzuwirken. Die Schule soll die Schüler „auf ein vernünftiges Zusammenleben“2 vorbereiten. Sowohl die Kultur als auch die Sprache darf den Kindern bei ihrer Bildung nicht im Weg stehen, daher ist es nötig zugewanderte Kinder auf denselben Bildungsstand zu bringen, auf dem die gleichaltrigen einheimischen Kinder sind. Damit die Kinder dem Unterricht überhaupt folgen können, ist es zunächst wichtig, dass die Kinder die Sprache des Landes erlernen, damit Verständigungsschwierigkeiten so weit wie möglich vermindert werden können. In Schulen gibt es dafür besondere Lerngruppen oder Vorbereitungsklassen, in denen die Kinder intensiv Deutsch lernen können. In den Vorbereitungsklassen wird außerdem das Wichtigste des vorgeschriebenen Unterrichtsstoffes gelehrt, damit die zugewanderten Kinder nicht den Anschluss verlieren. Wenn die Deutschkenntnisse auf einem ausreichenden Niveau sind, können die Kinder den Regelunterricht besuchen. Eine neue Sprache zu erlernen ist am Anfang zwar meist schwierig, jedoch hat die erweiterte Sprachkompetenz positive Auswirkungen auf die eigene Persönlichkeitsentwicklung3.

3 Der Zweitspracherwerb als erster Schritt gelungener Integration

3.1 Die Bedeutung der Erstsprache für die Zweitsprache

Die Erstsprache eines Menschen ist die sogenannte Muttersprache. Diese Sprache bekommt das Kind im Elternhaus zu hören und es ist die Sprache, die das Kind als erstes versucht zu sprechen. Das Kind lernt diese Sprache also von Geburt an unbewusst. Die Erstsprache ist auch für die Identitätsentwicklung der Kinder sehr entscheidend, denn mit dieser Sprache entwickelt das Kind seine eigene Persönlichkeit: „In der Erstsprache hat das Kind gelernt ‚Ich‘ zu sagen. Es hat gelernt, Bedürfnisse zu artikulieren und einzufordern und sich damit als eigenständige Person von den Eltern abgegrenzt“4. Außerdem ist sie der Grundstein für den Erwerb einer weiteren Sprache. Die sogenannte Zweitsprache ist die Sprache, welche ein Mensch braucht um sein direktes Umfeld zu verstehen. Das direkte Umfeld kann zum Beispiel ein anders sprachiges Elternteil oder die Bewohner des Landes sein, in dem das Kind lebt, wenn diese Sprache nicht die Muttersprache des Kindes ist. Da die Erstsprache wie ein Fundament der Zweitsprache ist, kann die weitere Sprache auch umso besser erlernt werden, je besser das Kind die Erstsprache beherrscht. Die Zweitsprache wird in der Regel nach der Erstsprache gelernt, es gibt aber auch den Fall, dass ein Kind von Geburt an zweisprachig aufwächst und beide Sprachen gleichermaßen erlernt. Das Kind erwirbt also parallel zwei Erstsprachen. Nun gilt nicht mehr die Regel, dass das Kind erst eine Sprache besonders gut können muss, damit eine zweite Sprache ausgeprägt werden kann, denn: „Neuere Forschungsergebnisse zeigen allerdings, dass sich auch beim doppelten, d.h. parallelen, Erstspracherwerb beide Sprachen altersgemäß entwickeln“5.

3.2 Der Erwerb der Zweitsprache

Es wird viel über die Förderung des Zweitspracherwerbs nachgedacht. Dabei ist es jedoch falsch zu glauben, Kinder mit Migrationshintergrund könnten die Zweitsprache besser, wenn die Eltern Zuhause ebenfalls mit ihren Kindern in der Zweitsprache statt in der Muttersprache sprechen würden. Diese Annahme ist falsch, da die Eltern die Zweitsprache meist auch nur sehr brüchig beherrschen und sich so die Fehler der Eltern auf die Kinder übertragen. Die Eltern sollten lediglich als Vorbild dienen, in dem sie selber die Fremdsprache lernen und dem Kind zeigen, wie wichtig diese Sprache ist, und dass sie sich auch bemühen die Sprache zu lernen. Solange die Eltern also die Zweitsprache nicht perfekt beherrschen und dadurch, dass die Muttersprache als Fundament für den Zweitspracherwerb dient, ist es wichtig, dass die Eltern Zuhause weiterhin die Muttersprache der Kinder benutzen, um den Kindern so Mehrsprachigkeit zu ermöglichen6.

Jeder, der erst in späteren Jahren eine Fremdsprache erlernt, beschäftigt sich mit dieser Sprache bewusst. Als Fremdsprache werden die Sprachen bezeichnet, die weder die Muttersprache noch die Zweitsprache sind. Man setzt sich bewusst mit dieser Sprache auseinander, lernt bewusst Vokabeln und die Regeln dieser Sprache. Dieser Prozess des Lernens läuft beim Erwerben der Muttersprache und auch beim Erlernen einer Zweitsprache in frühen Jahren, etwa mit sechs Jahren oder jünger, anders ab. Als Kleinkind lernt man die Sprache noch unbewusst, man fängt nach und nach an, sie automatisch zu sprechen, indem das Kind seinen Bezugspersonen und Vorbildern zuhört und ihnen nachspricht. So erweitert sich unterbewusst der Wortschatz und die grammatikalischen Regeln der jeweiligen Sprache werden im Laufe der Zeit eigenständig erschlossen, immer weiter angewendet und dadurch der Sprachgebrauch verbessert. Auch die Sätze werden immer länger und die Inhalte komplexer. Die Muster, welche das Kind bereits von seiner Erstsprache kennt, müssen beim Erlernen einer Zweitsprache dem entsprechend angepasst werden. „Die Aussprache neuer Laute muss erst geübt und automatisiert werden, bis sie ganz selbstverständlich in Worte und Sätze einfließen kann. […] Zudem kann die Zweitsprache andere Satzbauprinzipien und andere Sprechmelodien oder Betonungen enthalten. Auch diese muss das Kind erst erfassen und neu dazulernen“7. Kinder haben ihre eigenen Sprachstrategien beim Aneignen einer zweiten Sprache. Wenn sie eine Sprache noch nicht so gut beherrschen, reduzieren sie zunächst die Vielfalt an Wörtern und Wortarten und lassen Artikel zum Beispiel komplett weg oder benutzen in ihrer Sprache nur einen der drei Artikel aus dem Deutschen. Oft werden am Anfang auch Funktionswörter, wie Präpositionen, Konjunktionen oder Hilfsverben, weggelassen. Die Kinder umschreiben viele Dinge, benutzen ähnliche Ausdrücke, die im Deutschen so eigentlich nicht gesagt werden, aber eine ähnliche Bedeutung haben, und viele Kinder wechseln auch gerne mal zwischen zwei Sprachen, wenn ihnen ein Wort gerade nicht einfällt, was auch oft bei Gesprächen zwischen den Kindern und ihren Eltern zu beobachten ist8.

4 Fazit, Methodenreflexion und Ausblick

Zusammenfassend kann man sagen, dass interkulturelle Erziehung laut dem Erziehungswissenschaftler Wolfgang Nieke sehr wichtig ist, da die Kinder lernen müssen mit anderen Kulturen umzugehen und sich tolerant diesen Menschen gegenüber zu verhalten. Für ein gemeinsames interkulturelles Lernen ist zunächst erst einmal notwendig, dass die Kinder, welche die Sprache des Unterrichts nicht als Muttersprache können, die neue Sprache möglichst schnell und richtig erwerben. Zudem lässt sich schlussfolgern, dass Kinder, die von Geburt an zwei Sprachen beigebracht bekommen, beide Sprachen sicher sprechen können. Der Zweitspracherwerb ist vor allem in jungen Jahren für die Kinder am einfachsten. Wird eine Zweitsprache erst später erlernt, gelingt dies umso besser, desto besser das Kind die Erstsprache beherrscht.

Nachdem ein Überblick über das Thema „Interkulturelles Lernen durch erfolgreichen Zweitspracherwerb“ und über geeignete Quellen verschafft wurde, erschien es sinnvoll zunächst allgemein auf interkulturelle Erziehung einzugehen. Mit der Theorie von Wolfgang Nieke konnte die interkulturelle Erziehung und interkulturelles Lernen gut erklärt werden und anschließend auf das Problem des Spracherwerbs hingewiesen werden. Dies war eine gute Überleitung, um danach dann auf die Bedeutung der Erstsprache einzugehen. Das war sinnvoll um im Zusammenhang der interkulturellen Erziehung und des interkulturellen Zusammenlebens anschließend den Zweitspracherwerb beschreiben zu können. Dieses methodische Vorgehen ist sinnvoll, da jedes Kapitel aufeinander aufbaut und immer weiter ins Detail geht. Es wäre alternativ auch möglich gewesen, zuerst auf den Spracherwerb einzugehen und anschließend auf das gemeinsame interkulturelle Lernen. Dabei hätte man dann erläutern können, wie in der Erziehung der Spracherwerb unterstützt werden kann und warum der Zweitspracherwerb wichtig für ein funktionierendes interkulturelles Zusammenlernen und -leben ist.

Weiterführend zu diesem Thema könnte man noch untersuchen, wie man die kognitive Entwicklung der Kinder beim Zweitspracherwerb nach Jean Piaget begründen kann. Es wäre auch möglich, Spracherwerb behavioristisch nach Burrhus F. Skinner zu analysieren. Im Zusammenhang mit interkultureller Erziehung könnte man außerdem auf die Maßnahmen eingehen, die vorgenommen werden, um diese Erziehung durchführen zu können. Erweiternd könnte ebenfalls thematisiert werden, was es für Folgen hat, wenn immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund in ein Land, wie zum Beispiel Deutschland, kommen. Des Weiteren könnte man überlegen, wie man speziell die Sprachförderung von Kindern noch mehr verbessern kann, um den Spracherwerb möglichst erfolgreich zu gestalten.

[...]


1 Nieke, Wolfgang: Interkulturelle Erziehung und Bildung. Wertorientierungen im Alltag, 2000, S. 35

2 Nieke S. 19

3 Vgl. Nieke S. 14 ff.

4 Röhring, Werner: Unterlagen für Elternseminare: Wesentliche Faktoren beim Spracherwerb. Online unter http://www.schulforum-limburg-weilburg.de/PDFs/sprachfoerderung/131601elternseminar.pdf [Letzter Zugriff: 13.10.2018, 16:15 Uhr]

5 Heide, Judith: Mehrsprachigkeit in der frühen Kindheit: Bedingungen, Risiken und Chancen. Online unter https://publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/frontdoor/deliver/index/docId/3088/file/spath02_SP01.pdf [Letzter Zugriff: 10.11.2018, 14:00 Uhr]

6 Vgl. Heide

7 Röhring

8 Vgl. Röhring

Details

Seiten
8
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668950924
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v469990
Note
1,0
Schlagworte
interkulturelles lernen zweitspracherwerb interkulturell Integration

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Titel: Interkulturelles Lernen durch erfolgreichen Zweitspracherwerb