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Global Governance - Ein Konzept zur Überwindung internationaler Konflikte?

Hausarbeit 2003 20 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Global
2.2 Governance
2.3 Global Governance

3. Global Governance und interdependenztheoretische Ansätze

4. Der Diskurs über Global Governance
4.1 Historische Vorläufer
4.2 Warum ist Global Governance notwendig?
4.2.1 Weltwirtschaft
4.2.2 Weltgesellschaft
4.2.3 Weltressourcen
4.2.4 Weltfrieden
4.3 Verschiedene Konzeptionen von Global Governance
4.3.1 Das Konzept des Club of Rome
4.3.2 Der Bericht der Commission on Global Governance
4.3.3 Die Ideen des Instituts für Entwicklung und Frieden
4.3.4 Zusammenfassung und Gegenüberstellung der Konzepte

5. Grundvoraussetzungen für Global Governance

6. Kernkritikpunkte an der Global Governance Idee

7. Global Governance – ein Konzept zur Überwindung globaler Konflikte?

Bibliographie

1. Einleitung

Global Governance ist ein Begriff der internationalen Politik, der in den vergangenen zehn Jahren vermehrt Einzug in die entsprechende Fachliteratur der Politikwissenschaft gehalten hat. Die dahinter stehenden Konzepte und Visionen erwecken den Eindruck, eine Antwort auf die rasanten Veränderungen in der Weltpolitik zu haben, letztendlich vertreten sie den Anspruch die Globalisierung politisch zu gestalten. Global Governance als Steuerungsmodell der internationalen Politik beruht im Kern auf der Annahme, dass es in einem Zeitalter immer engerer Netzwerke zwischen lokalen, nationalen und globalen Akteuren auf dieser Erde einen Mangel an der Zusammenarbeit zwischen den Agierenden gibt. Die Vertreter der Global Governance-Konzepte sind sich einig, dass diese Beziehungen neu geordnet werden müssen, um in Zukunft präventiv auf globale Krisen reagieren zu können.

Die Forschungsfrage, der ich in dieser Hausarbeit nachgehen möchte heißt deshalb: „Global Governance – ein Konzept zur Überwindung internationaler Konflikte?“

Zur Beantwortung dieser Überlegung befasse ich mich in einem ersten Abschnitt mit grundlegenden Definitionen der zentralen Begriffe in der aktuellen Diskussion, um sie zu präzisieren und gegenüber anderen Formulierungen abzugrenzen. Darüber hinaus zeige ich im zweiten Kapitel auf, inwieweit Global Governance mit Interdependenztheorien in Verbindung steht, um in einem darauf aufbauenden Schritt im dritten Kapitel in einem ausführlichen Diskurs drei Global Governance – Konzepte zu beschreiben. Zudem beschäftige ich mich mit den grundsätzlichen Voraussetzungen zur Umsetzung von Global Governance. Schlußendlich kommen auch die Kritiker zu Wort. Auf Grundlage dieser gesamten Überlegungen komme ich letztendlich auf meine Ausgangsfrage zurück und versuche, in Anbetracht der gesammelten Informationen, eine Antwort auf die Forschungsfrage meiner Hausarbeit zu finden.

Bei meiner Auseinandersetzung mit dem Thema Global Governance hat mich von Anfang an ein Sprichwort des US-amerikanischen Zukunftsforschers John Naisbitt begleitet. „Der zuverlässigste Weg in die Zukunft zu sehen, ist das Verstehen der Gegenwart.“ Dieser Gedanke gilt wohl für viele Bereiche des alltäglichen Lebens. In Bezug zur Global Governance Debatte ist er aber deshalb von zentraler Bedeutung, weil es in der Auseinandersetzung mit diesem Thema um elementare Fragen der Zukunft geht, nämlich wie gestalten wir in Zukunft Politik auf unserem Planeten.

2. Definitionen

Den Begriff Global Governance zu definieren stellte Wissenschaftler in den vergangenen Jahren vor große Herausforderungen. Dies resultierte vor allem daraus, dass der Terminus Global Governance eine neue Wortschöpfung war, die aus der Kombination zweier wesentlicher Begriffe der Politikwissenschaft, nämlich der Wörter „Global“ und „Governance“, entstanden ist. Dies hat zur Folge, dass einer Definition von Global Governance die Begriffsbestimmung von Global und Governance voranzustellen ist.

2.1 Global

Das Wort Global stammt aus dem Lateinischen und heißt ins Deutsche übersetzt nichts anderes als weltweit und weltumfassend. In der Politikwissenschaft wurde dieses Wort in den vergangenen hundert Jahren aber nicht nur alleinig verwandt, sondern immer weitreichender mit anderen Begriffen kombiniert, um auf die weltumfassende Dimension von Prozessen und Ereignissen aufmerksam zu machen.[1] Wortschöpfungen wie „Global Player“, „Global Networks“ oder „Global Banking“ sind heute selbstverständliche Begriffe unseres Wortschatzes.

2.2 Governance

Für den aus dem Englischen übernommenen Begriff Governance gibt es keine entsprechende deutsche Übersetzung. Nach einer Definition des Duisburger Sozialwissenschaftlers Holger Mürle bezeichnet Governance „...die Handlung oder die Art und Weise des Regierens bzw. der Kontrolle oder Steuerung von Vorgängen.“[2] In Abgrenzung zum Regieren durch Regierungen benennt Governance das Vorhandensein von Regelungen, die sich aber nicht zwangsläufig auf einen alleinigen Handlungsträger beschränken lassen. Vielmehr sind Regulierungsmechanismen, gesellschaftliche Inter- und Transaktionen, sowie normative Vorstellungen einer Gesellschaft Teil des Begriffes Governacne.

Verdeutlichen läßt sich dies anhand einer Abgrenzung zum Begriff Government. Spricht Government vor allem die durch Verfassung, Recht, Gesetz und Institutionen definierte Dimension von Politik an, so umfaßt Governance wesentlich mehr Inhalt, indem auch die informellen Absprachen und nicht-institutionalisierte Abläufe des Regierens in die Prozesse eingebunden werden.[3]

Das deutsche Wort, mit dem sich Governance am ehesten übersetzen läßt, heißt Steuerung, dessen Anwendung im Rahmen der Politikwissenschaft in den 80er Jahren stark zunahm. Politische Steuerung meint hauptsächlich den „...säkularisierten, auf sachlich-technische Dimension reduzierten Prozeß politischer Herrschaftsausübung...“[4] Damit ist diese beschriebene Art der Steuerung in Konkurrenz zu dem normalerweise verwendeten Begriff des „Regierens“ zu sehen und unterstreicht die Eigendynamik des Wortes Governance.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Governance, im Unterschied zu einer staatszentrierten Sichtweise politischen Handelns, soziale Prozesse in einer Gesellschaft miteinbezieht und somit einem breiteren Spektrum politischen Handelns Rechnung trägt.

2.3 Global Governance

Durch die Veröffentlichung ihres Berichtes „Nachbarn in einer Welt“ etablierte die Commission on Global Governance[5] 1995 den Begriff in der internationalen Diskussion und machte damit auf die damals und auch heute nach wie vor aktuelle Frage „Ist die Welt noch regierbar?“ aufmerksam. In der deutschen Sprache existiert keine präzise Übersetzung, daher wird der Begriff meist unübersetzt verwandt. Zwar wurde Mitte der 90er Jahre versucht, Global Governance mit „Weltinnenpolitik“, „Weltordnungspolitik“ oder als „globale Ordnungs- und Strukturpolitik“ zu übersetzen, jedoch stießen diese Versuche immer wieder auf verschiedene Einwände, so daß man sich entschied, den englischen Orginalbegriff beizubehalten.

Trotz aller Streitigkeiten um die Begrifflichkeiten verfolgen Wissenschaftler, Politiker und Vertreter von gesellschaftspolitischen Interessensgruppen im Kern ein Ziel: Mittel und Wege zur politischen Gestaltung der Globalisierung zu finden.[6] Dabei sind unter Global Governance im Wesentlichen eine multilaterale Weltordnungspolitik beziehungsweise eine globale Strukturpolitik zu verstehen. Es sollen möglichst viele Akteure aus dem politischen Sektor, aber auch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) an einer gemeinsamen Strategie arbeiten, um Drohpotentiale und Probleme, wie Krieg und Terrorismus, Umweltzerstörung oder Menschenrechtsverletzungen zu erkennen und einen Weg hin zu gemeinsamen Lösungen zu entwickeln.[7]

Insbesondere ist Global Governance als supranationales Steuerungs- und Regulierungskonzept ein Versuch, Interventionsmöglichkeiten zu suchen, um dem rasantem Voranschreiten von weltumfassenden Problemen entgegenzuwirken.

Dabei versteht sich Global Governance als ein auf Dynamik und Wandel angelegtes Konzept, dass eine politische Aufgabenverteilung im Mehrebenenysystem zwischen unterschiedlichen Akteuren vorsieht. Drei Eigenschaften sind für die Global Governance – Struktur dafür zwingend:

(1) Die Koordination verschiedener Aktivitäten.
(2) Die Kooperation staatlicher und nichtstaatlicher Akteure von der lokalen bis hin zur globalen Ebene.
(3) Das Nebeneinander von formellen und informellen Regelungen.[8]

Eine wichtige Differenzierung stellt hier auch die Tatsache dar, dass Global Governance nicht mit Global Government gleichgesetzt werden kann. Ein Weltstaat oder eine Weltregierung ist für die „Architekten“ einer Global Governance kein erstrebenswerter Zustand. Vielmehr steht eine Dezentralisierung im Mittelpunkt der Debatte. Des weiteren gehen die Visionen in Richtung der von Imanuel Kant entwickelten Idee einer Weltföderation von freien Republiken, welche nur ein notwendiges Minimum an Weltstaatlichkeit zulassen.[9]

3. Global Governance und interdependenztheoretische Ansätze

Das Konzept einer Global Governance ist eng verknüpft mit interdependenztheoretischen Ansätzen. Interdependenz beschreibt zunächst einmal die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Akteuren im internationalen Staatensystem. Nach 1945 dominierte das Konzept der sogenannten Realistischen Schule, welche ausschließlich die Nationalstaaten als zentrale Machtakteure in der internationalen Politik ansah. Diese Sichtweise wurde im Laufe der Jahre von Interdependenztheoretikern relativiert. Es wurde festgestellt, dass sich die Rolle der Staaten als Träger internationaler Politik zugunsten nichtstaatlicher Akteure gewandelt hatte.[10]

[...]


[1] Ohne Autor, Januar 2002, „Definition des Wortes Global“,

< http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUNAME=Suche&query=Global>, (18.6.2003)

[2] Mürle, Holger: „Global Governance. Literaturbericht und Forschungsfragen.“ In: Institut für Entwicklung und Frieden der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg (Hrsg.), INEF Report. Selbstverlag Duisburg. Heft 32/1998, S.1-55, S. 4 f.

[3] Schultze, Rainer-Olaf: „Governance“. In: Nohlen, Dieter; Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.), Lexikon der Politikwissenschaft Band 1. Theorien, Methoden, Begriffe. C.H. Beck Verlag München. 2002, S. 297 – 298, S. 297

[4] Mürle, Holger: „Global Governance. Literaturbericht und Forschungsfragen.“ In: Institut für Entwicklung und Frieden der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg (Hrsg.), INEF Report. Selbstverlag Duisburg. Heft 32/1998, S.1-55, S. 4 f.

[5] Die „Commission on Global Governance“ (CGG) wurde im September 1992 gegründet. Vordenker dieser Kommission war Altkanzler Willy Brandt. Der Kommission gehörten 28 Mitglieder aus allen Teilen der Welt an. Drei Jahre später wurde der wegweisende Bericht „Nachbarn in einer Welt“ veröffentlicht, der noch heute die Grundlage der Global-Governance-Diskussion darstellt. Daneben beschäftigen sich die Stiftung für Entwicklung und Frieden (SEF) in Bonn und das Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) in Duisburg mit dem Konzept der Global Governance. Auch auf diese beiden Forschungseinrichtungen ist die Begriffsbestimmung zurückzuführen.

[6] Nuscheler, Franz: „Global Governance.“ In: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (Hrsg.), Sicherheit und Frieden zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Leo-Druck und Verlagsgesellschaft Gundelfingen. 2002,

S. 75 – 90, S. 75 f.

[7] Enquete-Kommission (Abschlußbericht) „Globalisierung der Weltwirtschaft“ des Deutschen Bundestages in der 14. Wahlperiode: Global Governance. Drucksache 14/9200. Berlin: Deutscher Bundestag. 2002, S. 415 f.

[8] Mürle, Holger: „Global Governance. Literaturbericht und Forschungsfragen.“ In: Institut für Entwicklung und Frieden der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg (Hrsg.), INEF Report. Selbstverlag Duisburg. Heft 32/1998, S.1-55, S. 5 f.

[9] Nuscheler, Franz: „Global Governance.“ In: Nohlen, Dieter; Schultze Rainer-Olaf (Hrsg.), Lexikon der Politikwissenschaft Band 1, Theorien, Methoden, Begriffe. C.H. Beck Verlag Münschen. 2002, S. 291 – 292, S. 292

[10] Borchard, Ralf: „Interdependenztheoretische Ansätze.“ In: Nohlen, Dieter; Schultze Rainer-Olaf (Hrsg.), Lexikon der Politikwissenschaft Band 1, Theorien, Methoden, Begriffe. C.H. Beck Verlag Münschen. 2002,

S. 364 –366, S. 364

Details

Seiten
20
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638439961
ISBN (Buch)
9783640455010
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46917
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Global Governance Konzept Konflikte Einführung Internationale Politik

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Titel: Global Governance - Ein Konzept zur Überwindung internationaler Konflikte?