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Die Königserhebung des Friedrich Barbarossa in den Gesta Friderici

Hausarbeit 2017 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Königswahl in der Gesta Friderici
2.1. Die Übergabe der Reichsinsignien
2.2. Das Privileg der freien Königswahl
2.3. Der staufisch-welfische Konflikt

3. Eine andere Perspektive

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„[...] von allen gefordert und durch die Gunst aller zum König gewählt“,1 schreibt Otto von Freising im ersten Absatz der Gesta Friderici über die Königswahl des Herzogs Friedrich von Schwaben.

Otto von Freising erklärt in diesen, dass die Wahl von Friedrich von Schwaben im Sinne seines Vorgängers Konrad III. erfolgt. Dieser erkennt, dass die Nachfolge seines unmündigen Sohnes aussichtslos ist und übergibt daher seinem Neffen Friedrich die Reichsinsignien, womit er ihn als Nachfolger empfiehlt.2 Außerdem werde das Königtum ohnehin nicht durch Blutsverwandtschaft, sondern durch die Wahl der Fürsten bestimmt.3 Die einmütige Zustimmung aller Fürsten zu Barbarossa begründet von Freising schließlich mit dessen Zugehörigkeit zu den beiden großen, in Konflikt stehenden Fürtenfamilien Welfen und Staufern, durch deren Rivalität schon oftmals Unruhe in das Reich gebracht wurde. Barbarossa, als Halb-Staufer und Halb-Welfe, könne nun die Konflikte beider Familien lösen und die Ruhe im Reich wiederherstellen.4

Es stellt sich nun die Frage, inwieweit die in der Gesta Friderici vorgegebene Sicht eines unstrittigen und reibungslosen Königwechsels von Konrad III. zu Friedrich I. der historischen Gegebenheit entspricht oder ob möglicherweise gezielt gewisse Unregelmäßigkeiten durch die ungewöhnlich knappe Darstellung der Ereignisse verschwiegen werden.5 Spätere Quellen, in denen mehr oder weniger der Vorwurf erhoben wird, Friedrich habe seinen Vetter um die Königswürde betrogen,6 unterstützen die Vermutung, dass Otto von Freising in seiner Erzählung einige Aspekte der Wahl verschweigt.

Im ersten Schritt dieser Arbeit soll nun die Darstellung der Königserhebung Friedrich Barbarossas in den Gesta Friderici kritisch betrachtet werden. Im Folgenden wird der Ablauf der Wahl, bewertet in anderen Quellen, auf den historischen Wahrheitsgehalt hin untersucht.

2. Die Königswahl in der Gesta Friderici

2.1. Die Übergabe der Reichsinsignien

Otto von Freising berichtet im ersten Buch der Gesta Friderici über den Tod Konrad III. und der Übergabe der Reichsinsignien an Barbarossa kurz vor seinem Sterben. Ebenso vertraute Konrad III. Barbarossa seinen noch minderjährigen Sohn Friedrich an.7 Durch die enorme symbolische Kraft dieser Geste wird die Insignienübergabe beinahe uneingeschränkt als Designation angesehen.8 Die Kölner Königschronik spricht ebenfalls von der Übergabe der Insignien an Friedrich und Friedrich selber sagt, 1153 in einem Brief an den byzantinischen Kaiser Manuel, dass Konrad III. ihn vor seinem Tod zu seinem Nachfolger erklärt habe.9 Die Tatsache, dass hier mehrere Quellen vorliegen, die von der Übergabe der Reichsinsignien berichten, bestärkt dessen Theorie, als Beweis reichen sie jedoch nicht, da die Quellen durchweg parteiisch sind und für Friedrich eintreten.10 Des Weiteren ist der Vorgang nirgendwo bezeugt, was für eine derart wichtige Handlung im Mittelalter, wo Zeugen für die Gültigkeit der Rechtsakte anwesend waren, sehr merkwürdig ist.

Das ein mittelalterlicher König seinen gewünschten Nachfolger durch die Übergabe der Reichsinsignien bezeichnet ist nichts Ungewöhnliches. Erstaunlich ist es jedoch, dass er dabei seinen eigenen Sohn nicht berücksichtigt. Verschiedene Begründungselemente führt Otto von Freising in den Gesta Friderici an.11 Durch die Unmündigkeit seines Sohnes Friedrich machte sich Konrad III. keine Hoffnung auf dessen Nachfolge, zudem wäre es für seine privaten Interessen, sowie die Belange des Reiches besser, wenn sein Neffe ihm nachfolge. Friedrichs hervorragende Eigenschaften würden ihn gleichsam für das Herrscheramt prädestinieren.12

Diese angeführten Gründe für die Designation Barbarossas und die Übergeung des Königssohnes wirken insgesamt wenig überzeugend und als Motive Konrads schlichtweg abwegig. Durch die Schwierigkeit, eine adäquate und nachvollziehbare Erklärung für die Handlungen Konrads III. zu finden, drängt sich die Frage auf, ob die Übergabe der Insignien im Sinne einer Designation überhaupt stattgefunden hat.13

2.2. Das Privileg der freien Königswahl

Welche Rechtsvorstellungen den Königserhebungen des fränkisch-deutschen Reiches zugrunde lagen, ist mangels kodifizierter verfassungsrechtlicher Grundsätze schwer zu ermitteln. In der älteren Forschung geht man von einem erblichen Prinzip aus, jedoch setzt sich seit den 1940er Jahren die Vorstellung des Wahlmoments durch.14 Die Königserhebungen von 1125 und 1138 gelten in den neuen Forschungen als Durchbruch der freien Wahl.15 So ist es auf den ersten Blick nicht verwunderlich, dass Otto von Freising zu Beginn des zweiten Buches der Gesta Friderici von einer Wahl der Fürsten berichtet.16 Jedoch sind die Königserhebungen von 1125 und 1138 gesondert zu betrachten. Ihnen ging wirklich eine Wahl der Fürsten voraus, doch war in beiden Fällen kein Sohn vorhanden, der die Nachfolge hätte antreten können. Heinrich V. und Lothar III. waren ohne legitime männliche Nachkommen verstorben. In einer solchen Situation war es, wie auch schon 1002 und 1024, eine Sache der Großen, einen von Ihnen zum König zu wählen. Die Königserhebungen 1125 und 1138 vollzogen sich also durchaus in einem traditionellen rechtlichen Rahmen und können daher nicht als Indiz für die Durchsetzung des Wahlprinzips angesehen werden. Die Mitkönigserhebung von 1147, wo Konrad III. seinen etwa zehnjährigen ältesten Sohn Heinrich hatte wählen und krönen lassen, scheint ohne Schwierigkeiten stattgefunden zu haben. Ganz selbstverständlich war man hier zum bewährten Modell der Vater-Sohn-Folge zurückgekehrt.17

Erst die Königserhebung Friedrich I. stellt einen echten Einschnitt dar. Ohne Grund hatte man sich hier über den Königssohn hinweggesetzt und einen anderen gewählt. Hier zeigt sich, dass die Wahl allein auf der Entscheidung der Fürsten beruht. Die Wahl von 1152 blieb deshalb eine Ausnahme, da man sich schon unter Barbarossa wieder dem alten Prinzip der Sohnesfolge zuwandte. Die Äußerung Ottos von Freising ist zwar nicht falsch, erweckt jedoch im Gesamtkontext den Anschein von Normalität, die der Königswahl in den Augen der Zeitgenossen jedoch nicht zugekommen sein kann. Es ist auszuschließen, dass sich innerhalb der Jahre von 1147 bis 1152 der Ausschluss des Königssohnes von der Thronfolge als Selbstverständlich etabliert hat. Das Otto von Freising weitere Gründe anführt um die Ereignisse zu rechtfertigen spricht weiterhin dafür, dass Otto selbst sich nicht auf die Kraft des Wahlmoments verlassen wollte. Besonders auffällig ist hier das widersprüchliche Nebeneinander von vermeintlicher Designation durch die Übergabe der Insignien und der freien Fürstenwahl.

2.3. Der staufisch-welfische Konflikt

Barbarossas Ausgleichsfunktion im staufisch-welfischen Konflikt ist der dritte und wichtigste Punkt, den Otto von Freising zur Begründung der Wahl vorbringt.

Friedrichs Vater, der Herzog Friedrich II. von Schwaben, entstammte aus dem Hause der Staufer. Seine Mutter Judith gehörte dem Geschlecht der Welfen an.18 Durch seine cognatische Abstammung als Welfe und agnatische Abstammung als Staufer bezeichnet Otto von Freising Barbarossa als Eckstein, der die Feindschaft beider Häuser überwinden und dem Reich jene Stabilität verleihen könnte, die es schon lange vermisst hatte.19

Durch sein enges Verhältnis zu der Verwandtschaft mütterlicherseits in Friedrichs jungen Jahren und der Unterstützung der Welfen bei kriegerischen Aktivitäten 1443 sah Konrad III. die Chance, mit Hilfe von Friedrich als Verbindungsglied zwischen Staufern und Welfen, die welfische Opposition unter Kontrolle zu halten.20

Diese Darstellung wirkt zunächst überzeugend, was auch in der Geschichtsforschung zum Ausdruck kommt. Die Konflikte, die, wie Werner Hechberger gezeigt hat, nicht als Zusammenstöße rivalisierender Dynastien anzusehen sind, sondern auf Differenzen zwischen Einzelpersonen zurückgehen, zeigen, dass Ottos Anschauung von einem staufisch-welfischen Konflikt als historisches Kontinuum nicht als Zeugnis einer zeitgenössischen Sicht begriffen werden kann.21 Durch die Darstellung Friedrichs I. als Überwinder alter Konflikte folgt Otto ganz der Intention der Gesta Friderici, als Wahlmotiv kommt die Beilegung des vermeintlichen Konfliktes zwischen Staufern und Welfen aber nicht in Frage.22

[...]


1 Von Freising, Otto: Die Taten Friedrichs oder richtiger Cronica, in: Franz-Josef Schmale, Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Band 17, Darmstadt 1965, S.285.

2 Waitz, Georg: Ottonios et Rahewini Gesta Friderici I. imperatoris, MGH Script. Rer. Germ., 46, 1912, S.98.

3 Ebd., S.103.

4 Ebd., S.103f.

5 Peters, Christoph: Die Wahl Kaiser Friedrichs I., in: Forschungen zur Deutschen Geschichte, Band 20, 1880, S.451-507, hier S.467.

6 Arndt, Wilhelm; Pertz, Georg Heinrich: Gisleberti Chronicon Hanoniense, Hannover 1869, S.88.

7 Schmale: Freising Taten Friedrichs, S.285.

8 Schreibmüller, Hermann: Herzog Friedrich IV. von Schwaben und Rothenburg (1145-1167), in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte vol. 18, 1955, S.213-242, hier S.217.

9 Görich, Knut: Friedrich Barbarossa: Eine Biografie, 2011.

10 Heinze, Otto: Designation als Form der Thronfolgeordnung in den germanischen Reichen bis zum Ausgang der Staufer, Huth 1913, S.43.

11 Peters: Wahl Friedrichs, S.202.

12 Schmale: Freising Taten Friedrichs, S.285.

13 Giese, Wolfgang: Zu den Designationen und Mitkönigserhebungen der deutschen Könige des Hochmittelalters (936-1237), in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte: Germanistische Abteilung vol. 92, 1975, S. 174-183, hier S.178f.

14 Mitteis, Heinrich: Die Krise des deutschen Königswahlrechts, München 1950, S.69ff.

15 Reuling, Ulrich: Die Kur in Deutschland und Frankreich. Untersuchungen zur Entwicklung des rechtsförmlichen Wahlaktes bei der Königserhebung im 11. Und 12. Jahrhundert, Göttingen 1979, S.143f.

16 Waitz: Gesta Friderici, S.103.

17 Faußner, Hans-Constantin: Die Thronerhebung des deutschen Königs im Hochmittelalter und die Entstehung des Kurfürstenkollegiums, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte: Germanistische Abteilung vol. 121, Wien (u.a.) 1991, S.1-60, hier S.27.

18 Böhmer, Johann-Friedrich; Opll, Ferdinand: Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Abt. Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190. 1. Lief. 1152 (1122) – 1158, Wien (u.a.) 1980.

19 Schmale: Freising Taten Friedrichs, S.287.

20 Opll, Ferdinand: Friedrich Barbarossa. Gestalten des Mittelalters und der Renaissance, Darmstadt 1990, S.30.

21 Hechberger, Werner: Staufer und Welfen: zwei rivalisierende Dynastien im Hochmittelalter, Regensburg 2009, S.348f.

22 Ebd., S.188 und S.349.

Details

Seiten
14
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668951723
ISBN (Buch)
9783668951730
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v469088
Note
Schlagworte
königserhebung friedrich barbarossa gesta friderici
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