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Demografischer Wandel anhand der Stadt Gelsenkirchen

Hausarbeit 2019 19 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Grundlagen des demografischen Wandels

2 Demografischer Wandel auf kommunaler Ebene

3 Die Veranschaulichung des Demografie Typ 7 anhand der Stadt Gelsenkirchen

4 Das Projekt QuartiersNETZ in Gelsenkirchen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Einleitung

Laut Niephaus (2016: 714) gilt der demografische Wandel „als eine der gesellschaftspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“. Deshalb steht Deutschland eine unabdingbare Auseinandersetzung mit dem demografischen Wandel und seinen Folgen bevor, da er maßgeblich die Entwicklung von Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Daseinsvorsorge beeinflusst (Albrech, Fink und Tiemann 2016: 4).

Im Deutschen wird der Begriff „demografischer Wandel“ synonym mit Bevölkerungsalterung und Bevölkerungsrückgang verwendet (Brunsbach 2018: 28). Dies ist jedoch sprachlich ungenau, da der demografische Wandel nicht nur die Veränderung der Bevölkerungsstruktur hinsichtlich des Alters und der Größe umfasst, sondern „die Pluralisierung von Lebensformen und ethnischen Zugehörigkeiten [so]wie auch die Schrumpfung von Städten und das Ausdünnen von ländlichen Räumen berücksichtigt“ (Niephaus 2016: 715).

Ferner stellt der demografische Wandel die Wirtschafts-, Sozial- und Familienpolitik vor Herausforderungen. Dazu zählen unter anderem die Anpassung der Einwanderungspolitik, des Sozialversicherungssystems und der öffentlichen Infrastruktur an die demografischen Auswirkungen (Niephaus 2016: 725 ff.; Brunsbach 2018: 33 ff.). Dementsprechend arbeitet die Bundesregierung seit 2012 an einer Demografiestrategie für Deutschland, welche das Ziel verfolgt, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Wohlstand und die Lebensqualität für alle Generationen erhöhen (vgl. Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat 2012). Zu diesem Zweck beauftragte das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat im Jahr 2015 zehn Arbeitsgruppen damit, notwendige demografiebedingte Schwerpunktmaßnahmen zu identifizieren und entsprechende Lösungsansätze zusammenzutragen (vgl. Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat 2017).

Diese Arbeit befasst sich daher zunächst mit den Grundlagen des demografischen Wandels und geht dann auf die regionalen Auswirkungen ein. Danach wird anhand der Stadt Gelsenkirchen der Demografie Typ 7 vorgestellt und am Beispiel des Projekts QuatiersNETZ ein „zukunftsweisendes Konzept für die Gestaltung des demografischen Wandels im Ruhrgebiet“ präsentiert (vgl. QuartiersNETZ 2018a).

1 Grundlagen des demografischen Wandels

Grundsätzlich beschreibt der demografische Wandel die Entwicklung der Bevölkerung hinsichtlich ihrer Zusammensetzung (Fendrich und Pothmann 2015: 58). Dabei gilt es, die Bevölkerungsstruktur von dem Bevölkerungsprozess zu unterscheiden. Die Bevölkerungsstruktur wird genutzt, um die Einwohner eines Landes nach demografischen Indikatoren zu gliedern (Huinink und Schröder 2014: 47 f.). Unter demografische Indikatoren fallen unter anderem das Geschlecht, das Alter, der Wohnort, die Staatsangehörigkeit sowie die Religionszugehörigkeit. Vom Bevölkerungsprozess hingegen spricht man, wenn man demografische Ereignisse innerhalb eines Zeitraumes beobachtet. Dabei spielen drei Faktoren eine zentrale Rolle für den demografischen Wandel namentlich: Geburtenrate, Lebenserwartung und Wanderungssaldo (Brunsbach 2018: 27 f.).

Diese Arbeit nimmt auf die Daten der Variante 2-A, welche auf dem Bevölkerungsbestand zum 31. Dezember 2015 basiert und an die Variante 2 der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung angelehnt ist, Bezug. Demnach wird laut Statistischem Bundesamt (2019b) von einer Geburtenrate von 1,5 Kindern pro Frau und einer kontinuierlichen Entwicklung der Lebenserwartung (bei Geburt im Jahr 2060 für Jungen 84,7 Jahre, für Mädchen 88,6 Jahre) sowie von einer stärkeren Zuwanderung (langfristiger Wanderungssaldo von 200.000) ausgegangen.

Im Folgenden wird näher auf die Auswirkungen und die damit einhergehenden sozialstrukturellen Herausforderungen des demografischen Wandels eingegangen, die der deutschen Bevölkerungen bevorstehen1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Deutschlands Alterspyramide für die Jahre 1950, 2017, 2060 (vgl. Demografie Portal des Bundes und der Länder 2018c)2.

Mit Hilfe eines direkten Vergleichs der abgebildeten Alterspyramiden (siehe Abbildung 1) wird die Entwicklung von pyramiden- hin zu pilzförmig deutlich. Daran lassen sich zwei wesentliche Phänomene des demografischen Wandels ablesen. Zum einen scheint die deutsche Bevölkerung zu schrumpfen und zum anderen scheint sie stark zu altern. Der Grund für die Alterung der deutschen Bevölkerung ist laut Niephaus (2016: 715) die fehlende Fertilität bei gleichzeitig stetig steigender Lebenserwartung. Ein weiteres Indiz für die Alterung der deutschen Bevölkerung ist der tatsächliche und prognostizierte Anstieg des Medianalters und des Altenquotienten (siehe Tabelle 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Zusammenfassung der wichtigsten soziodemografischen Daten für die Jahre 2015 und 2030 (vgl. Statistisches Bundesamt 2019a; Bertelsmann Stiftung 2019).

Die Tabelle 1 zeigt, dass selbst bei kontinuierlich stärkerer Zuwanderung Bevölkerungsverluste für Deutschland, sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene, vorausgesagt werden, sodass eine Schrumpfung der Bevölkerung nicht mehr zu verhindern scheint. Gleichzeitig steigt auch das Medianalter aller dem Arbeitsmarkt theoretisch zur Verfügung stehenden Personen (das sogenannte Erwerbspersonenpotenzial), sodass es langfristig immer ältere und wenigere Arbeitskräfte werden. (Helmrich, Zika, Kallnowski und Wolter 2012: 3). Dadurch werden sich bereits bestehende Schwierigkeiten, wie der Fachkräftemangel (Helmrich et al. 2012: 6 f., 11) oder sinkende Einnahmen der Sozialversicherungen, noch verstärken (Niephaus 2016: 725 ff.).

Des Weiteren gehören die Pluralisierung von Lebensformen und ethnischer Zugehörigkeit zum demografischen Wandel (Niephaus 2016: 717 f.; Statistisches Bundesamt 2017: 56 ff.). Die demografische Alterung z.B. bringt die sogenannte Bohnenstangenfamilie, d.h. eine Familie bestehend aus mehreren Generationen, wobei die jeweilige Generation aus weniger Personen besteht, hervor (Niephaus 2016: 732). Aufgrund dieser und anderer Entwicklungen kann der Begriff Familie nicht mehr auf dem Modell der bürgerlichen Kleinfamilie basieren, sondern muss sich der gesellschaftlichen Realität anpassen.

Im Jahr 2017 machten Menschen mit Migrationshintergrund 24% der Bevölkerung aus (vgl. Demografie Portal des Bundes und der Länder 2018a). Da das Durchschnittsalter von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland unter dem Durchschnittsalter von Menschen ohne Migrationshintergrund liegt (vgl. Demografie Portal des Bundes und der Länder 2018a), könnte eine aktive Förderung von Zuwanderung den Prozess der Bevölkerungsalterung verlangsamen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die deutsche Bevölkerung aufgrund des demografischen Wandels langfristig gesehen älter, weniger und heterogener wird.

2 Demografischer Wandel auf kommunaler Ebene

Obwohl die Bevölkerungsvorausberechnung für die Mehrheit der deutschen Kommunen eine stagnierende oder schrumpfende Einwohnerzahl voraussagt, verzeichnen einige Kommunen dennoch ein Bevölkerungswachstum (Albrech et al. 2016: 42; Bogumil, Gerber und Schickentanz 2013: 260 f.). Das Bevölkerungswachstum basiert dabei vor allem auf Wanderungsgewinnen (Bogumil et al. 2013: 260). Da laut Bogumil et al. (2013: 260) die Binnenwanderungsgewinne jedoch abnehmen werden, muss sich die Mehrheit der Kommunen letzten Endes doch mit der Schrumpfungsproblematik und deren Folgen auseinandersetzen.

[...]


1 Das Medianalter teilt die Bevölkerung in zwei zahlenmäßig gleich starke Altersgruppen, so dass 50% der Bevölkerung jünger und 50% älter als das Medianalter sind (Niephaus 2016: 715; Hofmann 2016: 23).

2 Der Altenquotient bildet das Verhältnis der Personen im Rentenalter (z. B. 65 Jahre und älter) zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter (z. B. von 20 bis unter 65 Jahren) ab (vgl. Statistisches Bundesamt 2019c).

Details

Seiten
19
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668949768
ISBN (Buch)
9783346007155
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v468641
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,3
Schlagworte
demografischer wandel stadt gelsenkirchen

Autor

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