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Thomas Bernhards "Holzfällen". Realhistorische Figuren im fiktionalen Raum

Seminararbeit 2018 29 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Zu Holzfällen
2.1 Der Voyeur im Ohrensessel – eine Inhaltsangabe
2.2 Die vermeintlichen Personen hinter den literarischen Figuren

3 Der Skandal

4 Beweggründe für das Kenntlichlassen der Personen
4.1 Vermarktungsgründe
4.2 Eine hassvolle Gesellschaftskritik?
4.3 Literarische Inspiration und Vergangenheitsbewältigung

5 Fazit

6 Literatur

1 Einführung

Was die Schriftsteller schreiben

ist ja nichts gegen die Wirklichkeit […]

die Wirklichkeit ist so schlimm

daß sie nicht beschrieben werden kann

noch kein Schriftsteller hat die Wirklichkeit so beschrieben wie sie wirklich ist.1

Dies wird in Thomas Bernhards letztem Theaterstück Heldenplatz von der Figur Professor Robert behauptet und es zeigt, wie Bernhard bis zuletzt mit den Nuan- cen zwischen Fiktionalität und Wirklichkeit spielte. Viele seiner Werke, die vor- geben autobiografisch zu sein, bewegen sich an der Grenze zur Fiktion.2 Anderer- seits haben viele seiner fiktionalen Schriften so viele reale Personen, Orte und Ereignisse zur Vorlage, dass sie von der Öffentlichkeit als Darstellungen der Wirklichkeit wahrgenommen wurden. Auch Holzfällen. Eine Erregung 3 wurde als Erzählung aufgefasst, die die wirklichen Ansichten und Erlebnisse des Autors wiedergibt. Bernhard arbeitete bei diesem Roman so sehr im Grenzbereich von Fiktion und Wirklichkeit, dass durch das Buch ein Skandal ausgelöst wurde. So- mit ergeben sich durch Holzfällen und seine besondere Struktur interessante For- schungsfragen. Ziel dieser Arbeit soll es sein zu beantworten, warum Thomas Bernhard sich in seinem fiktionalen Roman Holzfällen bewusst an realen Perso- nen orientiert hat und diese nicht vollkommen unkenntlich gemacht hat.

Um einen Überblick über die Entstehung, Rezeptionsgeschichte und zum Ausmaß des Skandals zu bekommen, war besonders der Kommentar der historisch kriti- schen Ausgabe von Holzfällen von Wendelin Schmidt-Dengler und Martin Huber zielführend.4 Besonders umfangreich ist die Forschungsliteratur zur Skandalge- schichte. So gibt es nicht nur unzählige Feuilletonartikel zum Thema, sondern auch massenhaft wissenschaftliche Aufsätze zur Rezeptionsgeschichte und zu den

Reaktionen, die der Text auslöste. Hervorzuheben ist die Monografie Dichtung als Skandal (2000) von Oliver Bentz 5 , in der er sämtliche Skandale, die Bernhard ausgelöst hat, offenlegt, Österreichs Blick auf Bernhard untersucht und was es bedeutet Texte zu verbieten. In diesem Zusammenhang beschäftigt sich auch Lutz Ellrich in seinem Aufsatz6 über die Freiheit der Kunst in Bezug zu Holzfällen und vertritt gleichzeitig die These, dass Bernhard absichtlich einen Skandal ausgelöst hätte, um die Marktmechanismen für sich auszunutzen. Dagegen gibt es nur sehr wenig Forschungsliteratur, die sich mit dem Text, losgelöst von realen Personen, die vielleicht als Literaturvorlage dienten, beschäftigt. Erst in der neueren For-schung wird Holzfällen allmählich auch als literarisches Werk gewürdigt und ge- deutet. Beispielsweise interpretieren Kata Gellen und Jakob Norberg in ihrem Aufsatz7 den Roman und erklären, warum der Text als Satire gelesen werden muss. Claudia Öhlschläger weist in ihrer Arbeit darauf hin, dass der Erzähler des Werks als Voyeur gelesen werden kann.8 Besonders wichtig für diese Seminarar- beit waren die Aufsätze von Ferdinand van Ingen, indem er Holzfällen als Roman der Invektive untersucht9 und Joseph Moser, der Bernhards Dialog mit der Öffent- lichkeit durch seine Literatur untersucht.10

Um die Forschungsfrage dieser Arbeit zu beantworten, weshalb Bernhard sich in seinen Roman dermaßen stark an realen Personen und Orten orientiert hat und diese kenntlich gelassen hat, ist es wichtig, zuerst ein paar Fakten zum Roman, zu den realen Personen hinter den Figuren sowie zur Entstehungsgeschichte offen- zulegen. Daraufhin sollen auf die Medienreaktion und die Ereignisse des Skandals eingegangen werden. Letztendlich soll mit dem erarbeiteten Wissen im vierten Kapitel erforscht werden, was die Motivation Bernhards für die spezielle Gestaltung von Holzfällen war. Dazu werden in den Unterkapiteln drei mögliche Gründe mit Hilfe der Forschungsliteratur diskutiert. Am Ende werden die Ergebnisse zu- sammengefasst. Zunächst sollen ein paar Worte zum Roman folgen.

2 Zu Holzfällen

Thomas Bernhards 1984 geschriebener Roman Holzfällen. Eine Erregung be- schreibt ein künstlerisches Abendessen in Wien, an dem der autodiegetische Er- zähler teilnimmt und die anwesende Gesellschaft auf etwa 320 Seiten beobachtet, innerlich kommentiert und letztendlich kritisiert und verabscheut. Der Text ist stark autobiografisch geprägt, aber trotzdem ein eindeutig fiktionaler Roman.11 Jedoch haben die Tatsachen, dass der Ich-Erzähler deutliche Parallelen mit dem Autor Thomas Bernhard aufweist und dass sich reale Personen in den Figuren des Buchs wiedererkannt zu haben glaubten, zum Skandal geführt. Bernhard wurde wegen Ehrenbeleidigung angeklagt, das Buch beschlagnahmt und es kam zum Gerichtsprozess.

Um im nächsten Kapitel auf den Skandal eingehen zu können, muss im Folgenden der Inhalt des Buchs zusammengefasst und erläutert werden, welche Personen sich aus welchen Gründen wiedererkannt haben. Dabei soll außerdem das wich- tige Motiv der Beobachtung analysiert werden, weil dieses für das Romankonzept und seinen Bezug zur Wirklichkeit von Bedeutung ist.

2.1 Der Voyeur im Ohrensessel – eine Inhaltsangabe

Wie für Thomas Bernhard typisch, enthält das Buch viele graphische Hervorhe- bungen, Übertreibungen, Superlative, Modalwörter (tatsächlich, absolut, naturge- mäß), Variationen (niederträchtig, gemein, unbotmäßig, verlogen, infam) und Verfremdungen. Außerdem wirkt der Text gehetzt, hat keine Absätze und Pausen und besteht aus einen nicht endenden Redestrom mit konsequenten Wort- und Satzwiederholungen. Das Erzähltempo wird im Laufe des Romans immer schneller. Das erinnert an den, mehrmals im Text angesprochenen, Bolero, da ein Bolero ebenso einen immer gleichen, sich steigernden Rhythmus hat.12

Der namenlose Erzähler von Holzfällen nimmt also an einem künstlerischen Abendessen im Hause der Auersberger teil. Alle Gäste warten im ersten Teil des Buchs auf das Eintreffen eines Burgtheater-Schauspielers, der an dem Abend von einer Vorstellung von Henrik Ibsens Wildente kommen soll. Für den Großteil des Werks sitzt der Erzähler in einem Ohrensessel und beobachtet die Gäste, ohne selbst gesehen werden zu können. Dieser Ohrensessel fungiert im ersten Teil des Romans als das Zentrum seiner Beobachtertätigkeit und erinnert an einen Platz im Theater.13 Wie das Publikum ein Theaterstück kritisiert, so ist der Erzähler in Holzfällen ein Kritiker der Menschen. Der Ohrensessel, im Halbdunkel und abge- schirmt von drei Seiten, wird ein Werkzeug zum Voyeurismus. Hierbei kann die These aufgestellt werden, dass Bernhard mit der Fiktionalität spielt und absicht- lich über ihre Grenze tritt, indem er sich und die Erzählerfigur des Romans zu- mindest teilweise parallel setzt. Der Autor Thomas Bernhard würde sich also selbstironisch als Voyeur der Personen aus seinem vergangenen österreichischen Kulturleben darstellen, die verschlüsselt darin vorkommen. Dass diese satirische Verfahrensweise nicht zu leugnen ist, behauptet ein Großteil der Forschungslite- ratur. So ist beispielsweise Klaus Wagner der Meinung, dass Bernhard autobio- grafische Markierungen machte, als eine Art:

Rekapitulation zur Genesis, Geltung und Gegenwärtigkeit jenes künstlerischen Feldes in den fünfziger Jahren Österreichs, das Bernhard wie sein autodiegetischer Erzähler, der sich als Schriftsteller deklariert, damals mit großen Erwartungen betreten hat.14

Interessant sind in diesem Zusammenhang die Selbstbezichtigungen des Ich-Er- zählers aus Holzfällen:

Sie sahen: ich bin ihr Beobachter, der widerwärtige Mensch, der es sich im Ohrensessel bequem gemacht hat und im Schutze des Vorzimmers sein ekelhaftes Spiel treibt, die au- ersbergischen Gäste mehr oder weniger auseinanderzunehmen, wie gesagt wird. Das hat- ten sie mir immer verübelt, daß ich sie immer auseinander genommen habe bei jeder Ge- legenheit, tatsächlich skrupellos, aber ich hatte immer einen Milderungsgrund; ich nahm mich selber noch viel mehr auseinander, verschonte mich nie, zerlegte mich selbst bei je- der Gelegenheit in alle Bestandteile, wie sie sagen würden, sagte ich mir auf dem Ohrensessel, mit derselben Ungeniertheit, mit derselben Gemeinheit, mit derselben rücksichts- losen Vorgehensweise. Dann ist von mir selbst immer noch viel weniger übrig geblieben, als von ihnen, sagte ich mir. (HF, S. 83)

Dem Erzähler ist die Teilnahme am Abendessen peinlich, deshalb sucht er Recht- fertigungen für diese. Er mag die Menschen des Wiener Kulturbetriebs nicht, dennoch war er auf sie angewiesen. Deshalb kritisiert er sich genauso wie sie:„Indem ich die Anderen als widerwärtig empfunden habe, war ich selbstverständ- lich gezwungen, mich selbst als widerwärtig zu empfinden.“ (HF, S. 101). Als Höhepunkt einer Reihe von Selbstbezichtigungen setzt er sich mit den Gästen des Abendessens gleich:

Wir sind überhaupt um nichts besser, als diese Leute, die wir andauernd nur als unerträg- liche und widerliche Leute empfinden, als abstoßende Menschen, mit welchen wir mög- lichst wenig zu tun haben wollen, während wir doch, wenn wir ehrlich sind, andauernd mit ihnen zu tun haben und genau so sind wie sie. Wir werfen allen diesen Leuten alles Mögliche Unerträgliche und Widerwärtige vor und sind selbst um nichts weniger uner- träglich und widerwärtig und sind vielleicht noch viel unerträglicher und widerwärtiger als sie, denke ich. (HF, S. 316)

Wird davon ausgegangen, dass Bernhard sich selbst, zumindest in Teilen, mit der Erzählerfigur identifiziert, kann an diesem und anderen Textbeispielen viel Selbstironie und eine Art Entschuldigung für den Voyeurismus, den Bernhard genauso wie der Ich-Erzähler verübt, erkannt werden. Durch Gedankenmonologe, wie den vorangegangenen Beispielen, erfährt der Leser von der Meinung des Er- zählers über die Gastgeber und Gäste und seine Vergangenheit mit ihnen. Auch wenn der Erzähler sich selbst in seiner Rolle tadelt, bleibt er trotzdem ein Kritiker und be- und verurteilt die Anwesenden. Sein ungebrochener Redefluss und das Monologisieren erwecken teilweise sogar den Anschein von leichtem Wahnsinn. Der Leser liest die Selbstgespräche mit und wartet, genau wie alle Anwesenden im Roman, auf das Ankommen des Burgschauspielers. Dieser erscheint nach zwei Dritteln des Buches, ohne großen Auftritt, da der Erzähler seine Ankunft verschla- fen hat. Im letzten Teil von Holzfällen beschreibt der Erzähler das Abendessen, weiterhin mit Gedankeneinschüben, die von der Vergangenheit der Anwesenden berichten. Auf den letzten Seiten schildert er die Abschiedszeremonien und flüchtet dann aus der Wohnung und aus der Innenstadt, rennt förmlich vor der Gesellschaft weg. Wenn er an seinem Schreibtisch zuhause ankommt, endet das Buch, zu dem Zeitpunkt, an dem der Erzähler gerade die Erlebnisse aufschreibt, die bis dahin in Holzfällen gelesen wurden.

2.2 Die vermeintlichen Personen hinter den literarischen Figuren

Für Personen aus Bernhards kulturellem Umfeld und aus dem Kulturleben Öster- reichs der 1950er Jahre sind die Figuren aus Holzfällen verschlüsselt, als fiktiona- lisierte Personen mit anderen Namen, erkennbar. Tatsächlich biografische Erleb- nisse des Autors bilden also die Basis für den Text. Der Roman hat vor allem starke Bezüge zu Bernhards Kulturerleben in Österreich in den 50er Jahren, über das er in den 80ern rückblickend schreibt.

Hintergrund ist Thomas Bernhards Zeit auf dem Tonhof in Maria Saal.15 Er lebte dort von 1957 bis 1960 beim Ehepaar Gerhard und Maja Lampersberg. Ab Mitte der 50er Jahre stellten Maja und Gerhard Lampersberg als Mäzenaten ihr Haus in Maria Saal vielen Autoren und Musikern der österreichischen Avantgarde zu Ver- fügung, um unter anderem für längere Zeit dort zu wohnen und zu arbeiten. Vor allem Künstler des Wiener Artclubs hielten sich längere Zeit im Tonhof auf, wie H.C. Artmann, Gerhard Rühm, Konrad Bayer, der Komponist Ernst Kölz, Gerhard Fritsch, Wolfgang Bauer und Christine Lavant.16 So wurde auch Thomas Bernhard gefördert und gewann einige wichtige Kontakte über die Aufenthalte im Tonhof. Vermutlich halfen die Lampersbergs ihm vor allem in seinen Anfängen als Schriftsteller. Das Verhältnis zu seinen Gastgebern wurde damals als eng be- schrieben. Bernhard widmete damals sogar seinen Gedichtband in hora mortis (1958) Gerhard Lampersberg und bezeichnete ihn dabei als alleinigen wirklichen Freund. Zu einem Bruch kam es vermutlich im Sommer 1960, während eines Mini-Festivals auf dem Hof, durch die Aufführung von Bernhards für den Tonhof geschriebene Einakter: Die Erfundene, Frühling und Rosa. Bernhard zeigte sich durch eine Rezension von Wolf in der Maur aus der Wochenpresse vom 6.August 1960 höchst irritiert und beantwortete diese sogar mit einem Leserbrief, der ent- hielt, dass Bernhard seine Stücke erst zur Premiere gesehen hatte und diese wohl sehr wenig mit seinem Text zu tun gehabt hätten. Außerdem soll die Stimmung zwischen Gerhard Lampersberg und Bernhard nie ganz konfliktfrei gewesen sein. Zwei Vorfälle waren nach Zeugenaussagen der Auslöser für das Zerwürfnis: Eine Auseinandersetzung um die Kostenübernahme eines teuren Hotelaufenthaltes Bernhards in Klagenfurt und dass Bernhard nachträglich kritisierte, dass sein Stück falsch aufgeführt wurde. Oliver Bentz kommt zu dem Schluss: Es ist daher davon auszugehen, dass er diese Gelegenheit benutzte, sich radikal von sei- nen einstigen Weggefährten zu trennen. Maja Lampersberg interpretiert Bernhards Han- deln als Folge seines Naturells, daß er alles kaputtschlagen mußte, damit er nicht mehr zurückgehen konnte.17

Vielleicht hat Bernhard tatsächlich nur auf einen Anlass gewartet, um mit den Lampersbergern zu brechen. Wichtig für diese Arbeit ist jedoch, dass Thomas Bernhard für sein Buch Holzfällen reale Personen seiner Vergangenheit literarisch zu Figuren verarbeitet hat. Die realen Personen und ihr literarisches Ego stehen wie folgt miteinander in Verbindung.

Das Ehepaar Lampersberg wird im Roman zu den Auersbergern fiktionalisiert und der Erzähler bezeichnet sie verächtlich als „Landmäzene“ (HF, S. 168) und beschreibt immer wieder, wie er sich ihnen früher verkaufen musste (z.B. HF, S.21). Außerdem beschreibt er, dass einige Schriftsteller vom Auersberger ausge- nutzt und missbraucht worden sind und endet mit der Pointe, dass dieser ein „geiler Schriftstellerverschlinger“ (HF, S. 269) sei. Besonders hebt Bernhard die künstlerische Stagnation des literarischen Auersberger hervor und damit insge- heim vielleicht auch die des Vorbilds. Er nennt ihn einen Komponisten in „We- bern-Nachfolge“, wobei Webern schon „kein Genie, nur ein plötzlicher, wenn auch genialer Schwächeanfall der Musikgeschichte gewesen ist“ (HF, S. 97). Weiterhin sind im ganzen Buch häufig Bemerkungen über den Auersberger zu finden, wie pervers, niederträchtig, unheilvoll er ist und immer wieder wird her- vorgehoben, dass er viel trinkt. Das sind Motive, die oft variiert werden:

Die Scheußlichkeit seiner Beine habe ich die ganze Zeit beobachtet, die in grobgestrick- ten grauen Trachtenstutzen steckten, seine von nichts als von Perversität rhythmisierten Gang, seinen haarlosen Hinterkopf. Er paßte sehr gut zu seiner total verkommenen Be- gleiterin. (HF, S. 25)

Der kleine dickbäuchige Auersberger war natürlich auch an diesem Tag betrunken […], er ist, seit ich ihn kenne, beinahe immer betrunken und es ist ein Wunder, daß der Mensch immer noch lebt […]. Er hatte das gleiche aufgedunsene Gesicht, wie zwanzig Jahre vor- her, kaum Falten, das typische Gelatinegraugesicht, blauglasig die Augen wie immer, dachte ich. (HF, S. 116f.)

Auersberger, daß es überhaupt ein Unglück sei, geboren zu sein, aber als ein solcher Mensch, wie der Herr Auersberger geboren worden zu sein, sei das größte. (HF, S. 302)

Die österreichischen Schriftstellerinnen Jeannie Ebner und Friederike Mayröcker werden im Buch zu Jeannie Billroth, der „Wiener Virginia Woolf“ (HF, S. 57)und zu Anna Schreker, die immer eine Gertrude Stein- oder Marianne Moore-Ko- pie bliebe (HF, S. 256) und mit ihrem Lebensgefährten „Staatsanbiederungskunst“ (HF, S. 256) gestalte. Außerdem lässt sich der Burgschauspieler eventuell auf den Schauspieler Walther Reyer beziehen.18 Die Figur Joanna ist auf die Tänzerin Elfriede Slukal (Künstlername Joana Thul) zu beziehen, die sich kurz vor der Ent- stehung von Holzfällen, genau wie ihr fiktionales Abbild im Buch, das Leben nahm.19

[...]


1 Thomas Bernhard: Heldenplatz. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1988, S. 115.

2 Vgl. Manfred Mittermayer: Thomas Bernhard. Eine Biografie Wien, Salzburg: Residenz Verlag 2015. Erforscht welche „Fakten“ in den autobiografischen Schriften Bernhards stimmen und welche verändert o. dazugedichtet wurden.

3 Thomas Bernhard: Holzfällen. Eine Erregung. Frankfurt a.M.: 201616. Alle folgenden Textzitate beziehen sich auf diese Quelle und werden mit dem Kürzel „HF“ markiert.

4 Thomas Bernhard: Holzfällen. Eine Erregung. Hg. Von Martin Huber, Wendelin Schmidt-Dengler: Thomas Bernhard Werke, Band 7. Suhrkamp 2007.

5 Oliver Bentz: Thomas Bernhard – Dichtung als Skandal. Würzburg: Königshausen & Neumann 2000. (= Epistemata, Reihe Literaturwissenschaft, Band 337).

6 Lutz Ellrich: Die Tragikkomödie des Skandals. Thomas Bernhards Roman Holzfällen und der Ausbruch des Spiels in der Zeit. In: Franziska Schößler, Ingeborg Villinger (Hg.): Politik und Medien bei Thomas Bernhard. Würzburg: Königshausen & Neumann 2002, S. 148-190.

7 Kata Gellen, Jakob Norberg: The unconscionable critic: Thomas Bernhard’s Holzfällen. In: Modern Austrian Literature, Vol. 44, No. 1-2/2011, S. 57-75.

8 Claudia Öhlschläger: „In den Wald gehen, tief in den Wald hinein“: Autoerotische Phantasmen männlicher Autorschaft in Thomas Bernhards Holzfällen. Eine Erregung. In: Annette Keck, Dietmar Schmidt (Hg.): Auto(r)erotik. Gegenstandslose Liebe als literarisches Projekt. Berlin: Schmidt 1994, S. 119-131. (= Geschlechterdifferenz und Literatur, Band 2).

9 Ferdinand van Ingen: Thomas Bernhards Holzfällen oder die Kunst der Invektive. In: Erlrud Ibsch, Ferdinand van Ingen (Hg.): Literatur und politische Aktualität. Amsterdam, Atlanta: Rodopi 1993, S. 257-282. (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik, Band 36).

10 Joseph W. Moser: Literaturskandal als Dialog mit der Öffentlichkeit. Der Fall Thomas Bernhard. In: Stefan Neuhaus, Johann Holzner (Hg.): Literatur als Skandal. Fälle – Funtkionen – Folgen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2007, S. 503-512.

11 Darzulegen, warum es sich eindeutig um Fiktion handelt, würde den Umfang dieser Arbeit überschreiten, aber es sind alle Kriterien, die ein fiktionales Werk ausmachen erfüllt. Nachzulesen z.B. in Gottfried Gabriel: Fiktion und Wahrheit. Eine semantische Theorie der Literatur. Stuttgart: Friedrich Fromann Verlag 1975. (= Problemata, 51).

12 Vgl. Wolfgang Hackl: Unterhaltung und Provokation. Thomas Bernhard als Satiriker des österreichischen Kulturbetriebs: Holzfällen. Eine Erregung. In: Werner Biechele (Hg.): Germanistisches Jahrbuch DDR-Ungarn 9/1990, S. 138.

13 Vgl. für Rest des Abschnitts Öhlschläger: männliche Autorschaft, S. 121.

14 Karl Wagner: Holzfällen als Selbstdemontage. Eine Lektüre nach den Skandalen. In: Mireille Tabah, Manfred Mittermayer (Hg.): Thomas Bernhard. Persiflage und Subversion. Würzburg: Königshausen & Neumann 2013, S. 108.

15 Vgl. für ganzen Abschnitt Bentz: Dichtung als Skandal, S. 56f.

16 Vgl. Bernhard: Holzfällen. Hg. Huber 2007, S. 211f.

17 Bentz: Dichtung als Skandal, S. 58.

18 Vgl. Moser: Literaturskandal als Dialog, S. 506.

19 Vgl. Hackl: Unterhaltung, S. 135.

Details

Seiten
29
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668943599
ISBN (Buch)
9783668943605
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v468230
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für deutsche Literatur
Note
1,3
Schlagworte
Thomas Bernhard Holzfällen Fiktionalität Skandal Marketing

Autor

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Titel: Thomas Bernhards "Holzfällen". Realhistorische Figuren im fiktionalen Raum