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Auswirkungen des Selbstkonzepts auf die Berufswahl

Seminararbeit 2004 18 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung (Theorieteil)
1.1 Darstellung Selbstkonzept
1.2 Die Berufswahltheorie von Holland
1.3 Verknüpfung des Selbstkonzepts mit der Berufswahltheorie und daraus abgeleitete Hypothesen
1.3.1 Vorüberlegungen
1.3.2 Hypothese 1: Wenn eine Person independent ist, dann wählt sie einen realistischen, forschenden oder künstlerischen Beruf
1.3.3 Hypothese 2: Wenn eine Person interdependent ist, dann wählt sie einen sozialen, unternehmerischen oder konventionellen Beruf

2 Studie: „Auswirkungen des Selbstkonzepts auf die Berufswahl“
2.1 Vorüberlegung und Konzeption
2.2 Datenerhebung
2.3 Datenauswertung
2.4 Ergebnisse und Interpretation

3 Zusammenfassung und Kritik

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung (Theorieteil)

Ziel dieser Projektarbeit ist es, die Auswirkungen des Selbstkonzepts auf die Berufswahl zu untersuchen. Im Rahmen der Arbeit werden zunächst das Selbstkonzept und die Berufswahltheorie von Holland näher erläutert und daraus die für die Untersuchung notwendigen Hypothesen abgeleitet. Anschließend soll auf den Ablauf der selbst durchgeführten Studie eingegangen werden. Hierbei stehen in erster Linie Vorüberlegungen und Konzeption, die Datenerhebung und die Ergebnisse und deren Interpretation im Vordergrund. Schlussendlich folgt eine Zusammenfassung mit einigen Kritikpunkten und Verbesserungsvorschlägen zur dargestellten Vorgehensweise.

1.1 Darstellung Selbstkonzept

Wie bereits erwähnt soll zunächst die Theorie des Selbstkonzepts aufgezeigt werden. Markus und Kitayama (1991) versuchten in ihrer Studie zu beweisen, dass fundamentalen Unterschiede zwischen dem independenten und interdependenten Selbstkonzept bestehen. Sie differenzieren diese beiden grundsätzlichen Formen des Selbstkonzeptes wie folgt: Independente Personen definieren ihr Selbst unabhängig vom sozialen Kontext, während interdependente Menschen sich selbst als mit dem sozialen Kontext verbunden betrachten. Vereinfacht gesagt sieht sich das independente Individuum als nahezu autonom und unabhängig, während die interdependenten Personen sich mit dem sozialen Umfeld verbunden fühlen. Wir wachsen also in einem bestimmten sozialen und kulturellen Umfeld auf und dieses Umfeld formt und prägt uns dahingehend, wie wir uns selbst und unsere Umgebung verstehen. Markus und Kitayama (1991, zitiert nach Singelis 1994) vermuteten, dass Menschen in westlichen Kulturen tendenziell eher independent bzw. individualistisch eingestellt sind, während viele nicht westliche Kulturen als eher interdependent bzw. kollektivistisch betrachtet werden können. So befinden sich nach Singelis (1994) in Regionen wie Europa, Nord-Amerika oder Australien vorwiegend Menschen, die das Ziel bzw. die Einstellung haben, unabhängig von anderen zu sein und deren Verhalten durch eigene Gedanken und Gefühle organisiert und dominiert wird. Hingegen leben in Regionen wie Asien, Süd-Amerika oder Afrika solche Individuen, die versuchen, den Erwartungen andere gerecht zu werden, ihre eigenen Fähigkeiten und Meinungen als sekundär betrachten und sich selbst als ein kleiner Teil ihres sozialen Umfelds sehen. Was sich hier relativ einfach und logisch anhört, stellt sich in der Realität als weitaus komplexer heraus. Es ist wohl schon größtenteils davon auszugehen, dass Regionen in Europa oder Nord-Amerika eher als individualistisch und Gegenden wie Afrika bzw. Asien eher als kollektivistisch bezeichnet werden können. Aber gibt es den nur interdependenten bzw. independenten Menschen wirklich? Nach Singelis (1994) treten sehr häufig Mischformen auf, d.h. Menschen haben sowohl independente als auch interdependente Seiten. Man kann also zumeist nicht sagen, dass eine Person ausschließlich independent ist, sondern höchstens von einer Tendenz sprechen. Des Weiteren gibt es natürlich auch in westlichen Regionen Individuen, deren interdependentes Selbstkonzept stärker ausgeprägt ist als ihr independentes Selbstkonzept. Das häufige Auftreten eben beschriebener Mischformen stellt in der von uns durchgeführten Studie ein nicht zu vernachlässigendes Problem bei der Auswertung bzw. Interpretation der Ergebnisse dar.

1.2 Die Berufswahltheorie von Holland

Im Mittelpunkt der Persönlichkeitserforschung von Holland steht die Untersuchung von Typen. Er stellte die These auf, dass jeder Mensch tendenziell einem von sechs Grundtypen der Persönlichkeit entspricht. Holland (1966, zitiert nach Weinrach & Srebalus, 1994) nahm zunächst an, das jedes Individuum genau einem der sechs Persönlichkeitstypen zugeordnet werden kann. In weiteren Untersuchungen stellte sich dann heraus, dass zwar bei jedem Menschen einer dieser sechs Typen dominiert, aber durch Subtypen eine detailliertere Beschreibung der Persönlichkeit möglich ist. Holland unterscheidet zwischen dem realistischem, forschendem, künstlerischen, sozialen, unternehmerischen und dem konventionellen Typ. Die Subtypen können anhand eines sogenannten Drei-Buchstaben-Code charakterisiert werden. So beschreibt zum Beispiel der Subtyp ESA eine Person, die sowohl unternehmerische, soziale sowie künstlerische Merkmale in sich vereint. Dabei spielt die Reihenfolge des Codes eine wichtige Rolle. Diese Drei-Buchstaben-Codes wurden in unserer Studie dazu verwendet, den Probanden aufgrund der individuell ermittelten Codes ihre für sie passenden Berufe mitzuteilen. Für die eigentlich Auswertung der Fragebögen wurden die Regressionen des Selbstkonzepts aber immer nur bezüglich eines Persönlichkeitsmerkmales errechnet. Hierbei spielten die Subtypen also keine Rolle. Die sechs Persönlichkeitstypen von Holland können in Berufsklassen eingeteilt, die wie folgt beschrieben werden:

Der realistische Typ bevorzugt maschinelle Tätigkeiten und arbeitet gerne mit Werkzeugen. Realistische Personen weisen häufig geringe soziale Fähigkeiten auf. Ein Beispiel für einen Menschen dieses Typus wäre der Maschinist.

Der forschende Typ ist charakterisiert durch Neugierde und ist analytisch und methodisch sehr genau. Er weißt größtenteils wenig Führungsqualitäten auf ( z.B. Biologe).

Expressive und originelle Tätigkeiten bevorzugt der künstlerische Typ. Er hat zumeist wenig Organisationsgeschick und als Beispiel dieses Typus könnte man hier Dekorateure oder Musiker aufführen.

Der soziale Typ hilft gerne anderen Personen, vermeidet aber weitestgehend den Umgang mit Werkzeugen und Maschinen. Berater bzw. Krankenschwestern sind typische Vertreter dieses Typus.

Büroleiter oder Rechtsanwälte sind hingegen Beispiele für den unternehmerischen Typ. Personen dieser Gruppe versuchen häufig, andere zu beeinflussen, weißen hingegen aber häufig eine geringe wissenschaftliche Begabung auf.

Letztlich bevorzugt der konventionelle Typ Tätigkeiten, die sich mit Dingen wie zum Beispiel Organisation oder Verwaltung befassen. Buchhalter und Finanzexperten sind konventionelle Typen. Künstlerische Aktivitäten werden von dieser Gruppe größtenteils vermieden (Weinrach & Srebalus, 1994).

Bei dieser Theorie geht man also davon aus, dass der künstlerische Typ andere Berufe wählt als der Soziale. Bei den eben beschriebenen Typen sieht man also deren Interessen und Vorlieben und Beispiele für in Frage kommende Berufe. Mit Hilfe des Selbstkonzepts und der Berufswahltheorie von Holland können nun Hypothesen abgeleitet werden, mit denen die Auswirkungen des Selbstkonzepts auf die Berufswahl untersucht werden kann.

1.3 Verknüpfung des Selbstkonzepts mit der Berufswahltheorie und daraus

abgeleitete Hypothesen

Aufgrund der oben dargestellten Theorien liegt der Gedanke nahe, dass das Selbstkonzept und Berufswahltheorie miteinander verknüpft werden können. Im Folgenden werden die dazu nötigen Vorüberlegungen kurz dargestellt und die daraus resultieren Hypothesen abgeleitet.

1.3.1 Vorüberlegungen

Aus der Berufswahltheorie von Holland geht eindeutig hervor, dass die individuelle Berufsentscheidung stark von den jeweiligen Persönlichkeitsmerkmalen der Personen abhängt. Wie bereits oben erwähnt, wählt ein tendenziell realistischer Typ vorwiegend Berufe, die seinem Typus entsprechen. Ebenso unterscheiden sich seine Vorlieben zum Beispiel verglichen mit dem sozialen Typ. Somit ist es nicht verwunderlich, dass auch die Berufsinteressen und somit seine Berufswahl gegenüber anderen Typen differiert. Die Persönlichkeit eines Individuum wird meiner Meinung nach stark durch das Selbstkonzept beeinflusst. Da also das Selbstkonzept eine nicht zu vernachlässigende Auswirkung auf die Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen hat und diese wiederum die Berufswahl eines Individuum beeinflussen, liegt die Vermutung sehr nahe, dass das Selbstkonzept Einfluss auf die beruflichen Interessen und somit auch auf die Berufswahl hat. Nachfolgend wird versucht, die sechs unterschiedlichen Typen einem Selbstkonzept zuzuordnen, was sich als nicht sehr einfach herausstellen wird.

1.3.2 Hypothese 1: Wenn eine Person independent ist, dann wählt sie einen realistischen, forschenden oder künstlerischen Beruf

Aufgrund der Berufe, die in der Berufswahltheorie beispielhaft den verschiedenen Typen zugeordnet werden, haben wir uns im Vorfeld der Untersuchung überlegt, welche Berufe oder Berufsklassen eher von independenten bzw. interdependenten Personen gewählt werden. Die Einteilung stellte sich als relativ schwierig heraus, da in einigen Berufen beide Ausprägungen des Selbstkonzepts durchaus denkbar sind. Aus unserer Sicht sind aber vor allem realistische, forschende und künstlerische Berufe solche, die tendenziell von independenten Personen gewählt werden. Ein Maschinist ist zum Beispiel eher ein Typus von Mensch, der gerne für sich alleine arbeitet und vorwiegend für seinen eigenen Bereich selbständig verantwortlich ist ohne in überdurchschnittlichem Maße mit anderen zusammenzuarbeiten. Auch der Biologe als Beispiel für die forschende Berufsgruppe ist in der Ausübung seiner Arbeit eher auf sich gestellt und führt Laborversuche ohne große Unterstützung weiterer Personen durch. Hierbei ist er alleine für seine Ergebnisse verantwortlich. Zuletzt sind für uns auch die meisten künstlerische Typen eher introvertiert und legen keinen gesteigerten Wert auf eine gemeinsame Arbeit. Sicherlich gibt es in allen drei Berufsklassen auch gegenteilige Argumente und es wählen somit auch interdependente Personen diese Berufe, dennoch mussten wir uns für eine Einteilung entscheiden. Deshalb lautete unsere für die Untersuchung relevante Hypothese 1: Wenn eine Person independent ist, dann wählt sie einen realistischen, forschenden oder künstlerischen Beruf.

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Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638439046
ISBN (Buch)
9783638764032
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46786
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Schlagworte
Auswirkungen Selbstkonzepts Berufswahl Seminar Selbstkonzept Selbstbeurteilung

Autor

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