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Das Hörspiel im Deutschunterricht

Seminararbeit 2005 18 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte des Hörspiels

3. Merkmale des Hörspiels

4. Das Hörspiel im Unterricht
4.1 Didaktische Aspekte
4.1.1 Das Hören
4.1.2 Sprecherziehung
4.1.3 Aufforderung zum sprachlichen und technischen Gestalten
4.1.4 Einführung in die Dramatik und ‚zeitgenössische’ Literatur
4.1.5 Kritisches Hören
4.2 Methodische Ansätze
4.2.1 Auswahl
4.2.2 Einstieg
4.2.3 Abhören
4.2.4 Lesen
4.2.5 Interpretation
4.2.6 Spielversuch
4.2.7 Entwurf eines Hörspielmanuskripts

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Hörspiel ist eine literarische Kunstform, die in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten ist, doch gibt es nach wie vor gute Gründe, weshalb sie in den Deutschunterricht aufgenommen werden sollte. Diese didaktischen Faktoren sollen in dieser Hausarbeit erarbeitet werden. Im weiteren Verlauf sollen einige methodische Muster gegeben werden, wie der Lehrer den Unterricht mit dem traditionellen Hörspiel in der Sekundarstufe I aufbauen kann.

Bevor es zum didaktischen Teil dieser Arbeit kommt, soll ein kurzer Überblick über die Geschichte des Hörspiels und dessen Hauptmerkmale dargeboten werden. Dieser literaturhistorische bzw. literaturwissenschaftliche Hintergrund verdeutlicht die Bedeutung des Hörspiels für die deutsche Literatur und zeigt die Möglich-keiten, die der Einsatz des Hörspiels im Deutschunterricht auch in der heutigen Zeit bietet.

2. Geschichte des Hörspiels

Mit der Erfindung des Rundfunks in den zwanziger Jahren des letzten Jahr-hunderts entstanden die Reportage, das Feature und das Hörspiel. Im Gegensatz zu den ersten beiden Darbietungsformen entwickelte sich das Hörspiel zu einer eigenen Gattung. Das erste Hörspiel wurde am 15. Januar 1924 in London gesendet. Es handelte sich um „A Comedy of Danger“ von dem englischen Dramatiker und Bühnenautor Richard Hughes, der die Handlung in eine Kohlengrube verlegte. Es stellte sich heraus, dass auch später noch Hörspiel-autoren dunkle Räume und Höhlen als Handlungsraum wählten, um den Gehörsinn stärker zu aktivieren und die anderen Sinne auszuschalten. Schon Ende 1924 bzw. Anfang 1925 wurden die ersten deutschen Hörspiele ausgestrahlt („Zauberei auf dem Sender“ von Hans Flesch und „Spuk“ von Rolf Gunold). In den Jahren 1927-30 wurden junge Autoren wie Brecht und Döblin auf das Hörspiel aufmerksam. „Die expressionistische Sprachbehandlung, die abstrakten Stimmen, der innere Monolog sowie die Schnitt- und Montageverfahen in Döblins Roman (Berlin Alexanderplatz) kamen der Hörspieldramaturgie entgegen“[1] und er ver-öffentlichte eine Hörspielfassung, die die Entwicklung des Hörspiels beeinflusste und förderte. Das Dritte Reich unterbrach diese Entwicklung, indem es Rundfunk-anstalten verstaatlichte und den Rundfunk als Propagandamittel missbrauchte. Im Zweiten Weltkrieg wurden – genauso wie die anderen Literatursorten – auch Hörspiele, u.a. von Döblin, vernichtet. Der Höhepunkt des Hörspiels wurde 1947 von Wolfgang Borchert und seinem Werk „Draußen vor der Tür“ eingeleitet. Daraufhin veröffentlichte 1950 Günter Eich die „Träume“ und weitere Hörspiele, die als vorbildliche Nachkriegshörspiele empfunden wurden und viele, meist junge, Autoren versuchten sich an dieser jungen Literaturgattung. Zu nennen sind: Fred Hoerschelmann („Das Schiff Esperanza“ 1953), Max Frisch („Biedermann und die Brandstifter“ 1955), Ingeborg Bachmann („Der gute Gott von Manhattan“ 1958), Friedrich Dürrenmatt („Die Panne“ 1957).

In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre bildete sich das so genannte Neue Hörspiel. Autoren wie Franz Mon und Helmut Heißenbüttel versuchten die verfestigten Hörgewohnheiten der fünfziger Jahre aufzubrechen. Im experimen-tellen Hörspiel stand nicht mehr die dramatische Handlung im Vordergrund, sondern „verselbstständigte Geräusche“ und eine Sprache, die durch „Wortspiele eine Tendenz zum Schallspiel bekam“[2]. Ein bedeutendes Werk dieser Unter-gattung ist „Fünf Mann Menschen“ von Ernst Jandl und Friederike Mayröcker aus dem Jahre 1967, welches auch im Deutschunterricht besprochen wurde.

3. Merkmale des Hörspiels

Ein Hörspiel besteht aus drei Komponenten, die zusammenwirken müssen: „Das gesprochene Wort, die nachschaffende Phantasie des Hörers und die dienende Funktion der Technik mit Geräusch und sonstigen Mitteln.“[3]

Der Versuch der Einordnung der Hörspiels in eine der drei großen Gattungen Epik, Drama und Lyrik erweist sich als schwierig. Eine eindeutige Zuordnung ist nicht möglich, denn oft werden in Hörspielen die Grenzen der Gattungen über-schritten und Elemente der verschiedenen Gattungen miteinander kombiniert. Diese Verknüpfung der Stilmittel schafft neue Formen und macht aus dem Hörspiel eine eigene kleine Gattung. Epische Momente sind erkennbar, wenn ein Sprecher beispielsweise szenische Anmerkungen macht, als lyrischer Aspekt ist z.B. der (innere) Monolog zu bezeichnen und der Dialog ist eine Darbietungsform des Dramas. Man kann dennoch sagen, dass das Hörspiel dem Dramatischen am nächsten steht.

Wie oben erwähnt, ist die zum Klingen gebrachte Sprache ein Hauptmerkmal des Hörspiels. In unserer Gesellschaft wird die Sprache immer mehr ‚verschriftet’ und verliert ihren lebendigen Aspekt. Das Hörspiel lässt Sprache wieder klingen, denn es lebt nur von ihr und muss durch sie allein beim Hörer bildhafte Vorstellungen hervorrufen. Vordergründig ist der Dialog, der die Handlung vorantreiben muss. Dabei darf er nicht zu lang sein und die Zuhörer langweilen, aber er muss dennoch alles Wichtige beinhalten, um dem Hörer den Ort, die Zeit, die Atmo-sphäre und die Handlungszüge selbst zu vermitteln. Was im Theater durch die Wirkung des Bühnenbildes, der Kostüme, Beleuchtung, Gestik und Mimik erzielt wird, muss im Hörspiel durch die Sprache erreicht werden.

Das einzige Hilfsmittel sind die technischen Mittel, mit denen Geräusche erzeugt werden. Die Technik ist das zweite große Merkmal des Hörspiels, aber es hat nur eine dienende Funktion und steht – in Bezug auf seine Bedeutung für das Hör-spiel – hinter dem gesprochenen Wort. Geräusche, Musik, Mikrophon-einstellungen, Blenden und verschiedene Effekte helfen dem Hörer eine Vorstellung von Raum, Zeit, Nähe und Ferne und dem Wechsel dieser Eigen-schaften zu entwickeln. Im Neuen Hörspiel gewann die Technik an Bedeutung und es wurde immer mehr mit Geräuschen experimentiert, so dass die Handlung oft zweitrangig wurde.

Das dritte charakterisierende Merkmal des Hörspiels ist die nachschaffende Phantasie des Hörers. „Die Bühne, auf der das Hörspiel handelt, ist so weit wie die Phantasie des Hörers.“[4] Dieses Zitat zeigt, dass der Hörer eines Hörspiels sehr stark darin eingebunden ist. Er muss selber aktiv werden und das Gehörte in phantasievolle Bilder umwandeln. Somit schafft jeder Hörer seine eigene Bühne und das Hörspiel wird zu etwas Individuellem. Der Weg vom Gehörten zur Seele ist kürzer als der Weg von visuellen Reizen dorthin. Dadurch erreichen Hörspiele direkter den Menschen, vor allem, wenn er konzentriert zuhört. Die Kreativität des Hörers wird jederzeit aktiviert. Dies ist sehr wünschenswert in einer Gesellschaft, in der man beispielsweise beim Fernsehen meist nur unreflektiert Bilder aufnimmt.

Diese Wesensmerkmale des Hörspiels zeigen deutlich, dass Kunst und Technik sich gut ergänzen können. Mit dem Hörspiel ist eine Kunstform entstanden, die es den Menschen ermöglicht sich über auditive Kanäle mit Literatur zu beschäftigen. Es ist eine sehr lebendige und fesselnde Gattung und die Förderung des Zuhörens, der Konzentration und der Phantasie sind große Chancen, die auch für die Schule genutzt werden sollten.

[...]


[1] Rothmann, Kurt, Kleine Geschichte der deutschen Literatur, 1997, S.282

[2] Rothmann,

[3] Fuhrmann, Werner, Das Hörspiel im Unterricht der Sekundarstufe I, 1976,

[4] Wickert, Erwin, Die innere Bühne, 1970, S.152

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638438643
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46729
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
gut
Schlagworte
Hörspiel Deutschunterricht

Autor

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