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Was ist Sufismus? Ein kurzer Überblick

Referat (Ausarbeitung) 2004 14 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Woher kommt der Sufismus
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Islamische Wurzeln
2.3 Außerislamische Kontakte
2.4 Wichtige Vertreter

3. Einige Merkmale des Sufismus
3.1 Ausdrucksformen
3.2 Kritik am Meistertum
3.3 Praktiken

4. Antwort auf die Eingangsfrage und Darstellung der heutigen Verbreitung

1. Einleitung

Zu Weihnachten las ich ein Buch mit dem Titel: „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ von Eric-Emmanuel Schmitt. Darin bezeichnet sich der Kleinladenbesitzer Ibrahim als Sufi.

Was einen Jungen aus der gleichen Straße, der sein Freund wird, beun­ruhigt, weil dieser es für eine Krankheit hält. Als er aber zu Hause im Lexi­kon nachsieht, kann er zu seiner Freude feststellen, dass es sich tatsäch­lich um eine „Mystische Richtung des Islam, entstanden im 8.Jahrhundert.“

(Schmitt 2003, S. 42) handelt.

Im weiteren Verlauf der Geschichte wird dem Leser noch mehr von der Lebenseinstellung der Sufis - im Allgemeinen - und deren Leben in der heutigen Türkei - im Speziellen - näher gebracht.

Und dadurch war auch bei mir ein altes Interesse an Mystik - im Allgemei­nen – und an den Geschichten über Derwische – im Speziellen – wieder erwacht.

In diesem Semester hatte ich nun in der Übung Islam und Christentum durch ein Referat die Möglichkeit, der Frage „Was ist Sufismus“ ein bis­schen genauer nachzugehen.

Ich behielt trotz des bescheidenen Umfangs, den ein Referat mit IIIIIIIIIII Seiten haben soll, bei der sehr allgemeinen Fragestellung, wenngleich ich nur einen kleinen Einblick geben kann und nicht vorhabe eine all sichtige Beantwortung der Frage zu erarbeiten.

Ich möchte im ersten Abschnitt des Hauptteils der Herkunft des Sufismus nachspüren. um im zweiten dann einige Merkmale aufzuzeichnen und so versuchen mir selbst und dem Leser ein umfassenderes und genaueres Bild dieser Ausprägung des Islams vermittelt zu haben.

2. Woher kommt der Sufismus

2.1 Begriffsdefinition

Das Wort Sufismus selbst, da sind sich alle von mir gelesenen Autoren einig, ist über das arabische Wort für Wolle „suf“ entstanden. Damit be­zeichnete man die, die Wolle tragen, was bei den Asketen, die eine Grup­pe des Sufismus darstellen, üblich war. (vgl. Schimmel 2003, S. 17)

„Die Mystiker trugen ein Kleid aus Wolle (suf) und erhielten die Bezeich­nung Sufi, „Wollbekleidete“. (Khoury 2003, S. 113)

2.2 Islamische Wurzeln

Zunächst ist der Widerstand aus dem eigenen Lager, also dem Islam gegenüber dem Sufismus unverständlich, weil „für den Sufi ist, wie für jeden Muslim, das im Koran offenbarte Gotteswort Zentrum und Grund­lage seines Lebens.“ (Schimmel 2003, S. 11)

In der Tat werden die Gegensätze und die Feindschaft meist überbetont, weil einige der bekanntesten Vertreter in der Geschichte des Sufismus hingerichtet wurden. Tatsächlich aber stammt der echte Sufismus aus dem Islam und benutzt dieselben Quellen. (Schimmel 2003, S. 7)

In ihrem Weg unterscheiden sich die Richtungen aber und da kam es in der Geschichte immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Literalisten und Ritualisten des offiziellen Schari´a-gebundenen Islam und Vertretern aus den Sufibewegungen.

Das besondere in meinen Augen an der islamischen Mystik ist, dass sie durch die ohnehin im Islam vorhandene Grundannahme, das es keines Mittlers, Geistlichen bedarf, um mit Gott in Verbindung zu treten, dieses „Hindernis“ wie es z. B. in der Katholischen Kirche besteht und für dortige Mystiker wie Meister Eckehart zum Problem wurde, nicht beseitigen musste.

Bei einigen Vertretern allerdings wuchsen sich wie oben erwähnt die Meinungsverschiedenheiten zu echten Konflikten aus. Was der Kern der Spannung zwischen den orthodoxen Theologen und den Sufisten war, ist die Frage, wie weit geht diese Verbindung mit Gott. Für die Orthodoxen bestand da ganz klar die Grenze zur Inkarnationsbehauptung, dass kein Mensch sich Gott nennen darf und die Transzendenz und allumfassende Größe Gottes einzigartig ist. Vergleiche hierzu wie im Seminar kennen gelernt die Kritik am Christentum und der Rolle Jesu. Auch die Selbst­definition des letzten Propheten Muhammad spricht hier eine eindeutige Sprache.

Den Mystikern war das zu kurz gedacht und gelebt. Sie strebten ja einen totale Entwerdung, ein Nicht sein ihres Ichs an und dadurch eine Art Einswerdung mit Gott. Durch jahrelange Übungen und ihre mystischen, für sie sicherlich realen Erfahrungen, sahen sie sich zu Aussprüchen motiviert wie: ana´l-haqq = Ich bin die absolute Wahrheit, Gott!

So, nach einer Überlieferung, gesprochen an der Haustür seines Meisters von al-Halladschs als Antwort auf die Frage des Meisters „wer klopft an?“.

(Schimmel 2003, S. 32)

Andere Verse des in Bagdad lebenden Mystikers Abu Mansur al-Halladj (Selbe Person wie oben Halladsch nur andere Schreibweise, was ich häufig erlebte beim Quellenvergleich) führten schließlich zu seiner Hin­richtung.

Als Beispiel für Steine des Anstoßes zitiert ihn Khoury: „Ich bin der, den ich liebe, und der, den ich liebe, bin ich. Wir sind zwei Geister, wohnend in einem Leibe. Wenn du mich siehst, so siehst du ihn, und wenn du ihn siehst, so siehst du mich.“ (Khoury 2003, S. 110)

Wobei meiner Meinung nach im mittleren Teil mit der Aussage, Wir sind zwei Geister, noch genug Trennung und Bescheidenheit vorhanden ist.

Was den orthodoxen Muslimen auch nicht gefiel, war die Nivellierung der alltäglichen Pflichten eines Gläubigen. So betrachteten einige Sufis diese nicht als Wegweiser sondern als Krücken, die der Gottsuchende im Fortgeschrittenen Stadium getrost wegwerfen sollte. (Khoury 2003, S. 111) Solche Einstellungen gefährdeten denke ich auch das gesellschaftliche Gefüge. Viele Normalsterblichen sahen hier funktionierende Traditionen gefährdet. Wer weiß was die Garanten für das Aufstreben des islamischen Reiches waren?

Als dann noch der Glaube an sich als unnötiges Vehikel bezeichnet wurde: “Ich bin kein Jude, kein Christ, kein Zarathustrianer und auch kein Muslim.“ (ebd. S. 112) war dass Maß für die Gesetzeslehrer gegenüber solchen Mystikern voll.

Gefährlich finde ich die Einschätzung: „In der Einheit des göttlichen Wesens verschwindet der Unterschied zwischen den verschiedenen ethischen Kategorien; dort sei der Mensch erhaben über alles, was der normale Gläubige Gut und Böse nennt.“ (ebd. S.111/112) Gefährlich dann, wenn derjenige sich damit überschätzt und sich keine Rechenschaft mehr schuldig zu sein glaubt.

2.3 Außerislamische Wurzeln

In den Anfängen des Sufismus zeigte sich vor allem der asketische Weg. Hier können nach Khoury v. a. außerislamische Einflüsse vermutet werden. Insbesondere im christlichen Mönchtum sieht schon der Prophet Muhammad das Exempel des rechten und der rechten GottessucherInn statuiert. In Armut und Demut Gott zu dienen und nichts zu machen was Gott missfallen könnte, wäre der Wunsch des Propheten auch für alle Muslime, so Khoury. (Khoury 2003, S. 108)

Auch für Schimmel ist ein Kontakt dieser ersten Generation der Sufibewe­gung mit Christen die den Asketischen Weg gingen wahrscheinlich. Zitat: “…es gab einen gewissen Austausch zwischen den beiden Gruppen, die gleichermaßen von der Vergänglichkeit und Nutzlosigkeit aller irdischen Freuden wussten und nur Gott ersehnten.“ (Schimmel 2003, S. 16)

Aber Schimmel vermutet weiter: „Es waren sicher nicht nur Kontakte mit den christlichen Eremiten, die eine gewisse Wirkung auf die Ideale der asketischen Frommen hatten; man kann ein wenig später auch an einzelne buddhistische Einflüsse denken (z. B. Übertragung der Buddha-Legende auf Ibrahim ibn Adham). Hindu-Philosophie und Praxis kamen erst später dazu. Aber schließlich waren im gesamten Orient seit hellenistischer Zeit mystische, gnostische und hermetische Gedanken verbreitet, die sicher auch auf einige Sufis in der Frühzeit gewirkt haben. (ebd., S. 17)

In weitgehender Übereinstimmung dazu Khoury: „Neben dem Neuplatonis­mus ist bei islamischen Mystikern der Einfluß buddhistischer und hinduistischer Wandermönche, die die Auslöschung des Menschen ins transzendente Nirwana bzw. Göttliche lehrten, erkennbar.“ (Khoury 2003, S. 109)

Schließlich sieht auch Arkoun in der besonderen geistigen Atmosphäre der damaligen Zeit und der gegenseitigen Bereicherung unterschiedlichster Welt- und Glaubensansichten eine Geburtsstunde für den Sufismus. (Arkoun 1999, S. 159)

2.4 Wichtige Vertreter

Es folgt für den interessierten Leser eine (keineswegs auf Vollständigkeit pochende) Auflistung der in der von mir gelesenen Literatur am häufigsten genannten Vertreter des Sufismus:

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638437394
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46582
Institution / Hochschule
Evangelische Fachhochschule Freiburg
Note
2,3
Schlagworte
Sufismus Islam-Christentum Interdisziplinäres Seminar

Autor

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