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Der "Gewinn je Aktie" nach US-GAAP - Darstellung und kritische Würdigung

Hausarbeit 2001 36 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bilanzierung nach HGB, IAS und US-GAAP im Vergleich
2.1. Grundlagen der Rechnungslegung nach HGB
2.2. Grundlagen der Rechnungslegung nach IAS
2.3. Grundlagen der Rechnungslegung nach US-GAAP

3. Gewinn je Aktie Allgemein
3.1. Der unverwässerte Gewinn je Aktie
3.2. Der verwässerte Gewinn je Aktie
3.3. Gewinn je Aktie nach HGB
3.4. Gewinn je Aktie nach IAS
3.5. Gewinn je Aktie nach US-GAAP

4. Änderung der Bilanzierungsvorschriften bezüglich des Goodwill nach US-GAAP
4.1. Die größten Profiteure der Umstellung am DAX
4.2. Nemax vor Neubewertung
4.3. Auswertung der Bilanzierungsart im Nemax

5. Kritische Beurteilung der neuen amerikanischen Abschreibungsregeln nach US-GAAP und die Auswirkung auf den Gewinn je Aktie

6. Experteninterview

7. Ausblick und Schlussbetrachtung

Literatur

Anhang

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll dem Leser einen Einblick in die Bewertung der Kennzahl „Gewinn je Aktie“ nach den Rechnungslegungsnormen des US-amerikanischen Generally Accepted Accounting Principles (GAAP) geben. In Kapitel 2 werden die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Rechnungslegungssysteme: Handelsgesetzbuch (HGB), International Accounting Standards (IAS) und US-GAAP im Rahmen der Aufgabenstellung herausgearbeitet. Der weltgrößte Kapitalmarkt und die weltgrößte Börse befinden sich in den USA. Es liegt daher auf der Hand, dass vor allem der US-amerikanische Kapitalmarkt und dessen Rechnungslegung für deutsche Unternehmen interessant sind.

Der markante ausgewiesene Ergebnisunterschied zwischen den beiden Rechnungslegungssystemen HGB und US-GAAP war Auslöser für eine verstärkte Auseinandersetzung mit den US-amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften und den bis vor wenigen Jahren noch wenig beachteten IAS.

In den nachfolgenden Kapiteln 3 und 4 widme ich meine Aufmerksamkeit, einerseits der detaillierten Darstellung des Gewinns je Aktie und andererseits der Änderung der US-Bilanzierungsregeln in Bezug auf die Behandlung des Goodwill.

In Kapital 5 gehen ich der Frage nach, ob die neuen Abschreibungsregeln nach US-GAAP Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit, der nach Handelsgesetzbuch bilanzierenden bzw. nach internationalen Vorschriften (US-GAAP und IAS) bilanzierenden Unternehmen haben. Ebenfalls wird die Auswirkung auf den „Gewinn je Aktie“ untersucht.

Im letzten Teil dieser Arbeit führte ich ein Interview mit zwei Praxisorientierten Aktienanalysten. Die Beiden kompetenten Fachleute sollen durch ihre kritische Meinung dem Leser das Verstehen der nicht einfachen und sehr umfangreichen Materie erleichtern.

2. Bilanzierung nach HGB, IAS und US-GAAP im Vergleich

Die Bilanzregeln müssen international harmonisiert werden, so lautet die einhellige Forderung aller Experten. Das Erfordernis der internationalen Harmonisierung der Rechnungslegung und damit zwangsläufig der Auseinandersetzung mit internatonalen Rechnungslegungsvorschriften bzw. Rechnungslegungsgepflogenheiten ergibt sich primär aus den Anforderungen des internationalen Kapitalmarktes hinsichtlich der multinationalen Listung und Wertpapiermission global operierender Unternehmen. Diese "Global Player" sind mehr denn je gezwungen, auf die internationalen Kapitalmärkte zur Finanzierung ihrer Investitionen zurückzugreifen, die ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sichert und ausbaut. Die nach nationalen Standards erstellten Jahresabschlüsse werden teilweise von den jeweiligen ausländischen Börsenzulassungsbehörden, in erster Linie jedoch von der US-Securities and Exchange Commission (SEC), nur in Verbindung mit mehr oder weniger intensiven Überleitungsrechnungen und Zusatzangaben als gleichwertig anerkannt.[1]

2.1. Grundlagen der Rechnungslegung nach HGB

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das HGB , welche beide am 01. Januar 1900 in Kraft traten, stellen die grundsätzliche Kodifikationen der deutschen Privatrechtsordnung dar. Das Bilanzierungsrichtliniengesetz als drittes Buch des HGB bildet die gesetzliche Grundlage für den Jahresabschluss. Danach hat dieser für Kaufleute allgemein aus:

- Bilanz (§ 266 ff.) und
- Gewinn- und Verlustrechnung, GuV (§ 275 ff.) zu bestehen; Kapitalgesellschaften haben zusätzlich noch aufzustellen:
- Anhang (§ 284 ff.)
- Lagebericht (§ 289)[2]

Die enge Verflechtung der deutschen Steuergesetzgebung mit dem Handelsrecht drückt sich im sogenannten Maßgeblichkeitsprinzip bzw. der umgekehrten Maßgeblichkeit aus, wobei hier nicht weiter drauf eingegangen werden soll. Die GoB, Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, bildet ein Regelwerk, welches die gesamte Rechnungslegung umfasst. Die GoB bestehen aus den:

- GoB i. e. S., den
- GoI (Grundsätze ordnungsgemäßer Inventur), den
- GoS (Grundsätze ordnungsmäßiger Speicherbuchführung) und den
- GoBil (Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung)

Die GoBil beruhen auf dem Identitätsprinzip, dem Grundsatz der Unternehmensfortführung, dem Einzelbewertungsprinzip, dem Vorsichtsprinzip, dem Abgrenzungsprinzip und dem Grundsatz der Bewertungsstetigkeit. Die allgemeinen Bewertungsvorschriften werden in den §§ 252 - 256 des HGB behandelt, die Spezialvorschriften für Kapitalgesellschaften in den §§ 279 - 283 des HGB.[3]

2.2. Grundlagen der Rechnungslegung nach IAS

Die IAS gelten als ein wesentliches Instrument der weltweiten Harmonisierung der Rechnungslegung. Sie werden vom IASC (International Accounting Standards Committee) herausgegeben, einer internationalen Fachorganisation der mit Rechnungslegungsaufgaben befassten Berufsverbände. Das IASC wurde 1973 gegründet und hat die Zielsetzung, Rechnungslegungsstandards auszuarbeiten, die weltweit Geltung haben sollen. Wenngleich die IAS keine rechtliche Bindewirkung für einzelne Länder aufweisen, haben sich jedoch die nationalen Mitgliedsorganisationen des IASC verpflichtet, die Durchsetzung der IAS in ihren Heimatländern zu fördern.[4]

Als Rahmenkonzept für die Gestaltung der IAS gilt das 1989 verabschiedete Framework for the Preparation und Presentation of Financial Statements. In diesem werden die maßgeblichen Ziele, Grundsätze und Methoden der IAS-Rechnungslegung beschrieben.5 Die maßgebliche Zielsetzung des Jahresabschlusses gilt dem Informationszweck der Investoren. Zwar werden im Framework auch das Ziel der Kapitalerhaltung bzw. die Informationsbedürfnisse von Kreditgebern, Arbeitnehmern, Lieferanten, Kunden, Staat und Öffentlichkeit erwähnt, doch zielen die dem Framework zugrunde liegenden Prämissen und Grundsätze der Rechnungslegung vor allem auf die Interessen der Investoren auf Kapitalmärkten ab. Diesem Informationszweck kann jedoch nur entsprochen werden, wenn bestimmte Grundsätze eingehalten werden:

- Jahresabschlüsse sollen Dritten leicht verständlich sein.
- Jahresabschlüsse sollen entscheidungsrelevante Informationen für zukünftige Entscheidungen liefern.
- Jahresabschlüsse sollen vergleichbar sein und sachgerechte Vergleiche zwischen unterschiedlichen Unternehmen ermöglichen.
- Informationen sollten richtig, willkürfrei, vorsichtig und vollständig sein.[5]

2.3. Grundlagen der Rechnungslegung nach US-GAAP

In der angloamerikanischen Bilanzierungswelt spielen die US-GAAP die führende Rolle. Aufgrund des case law Prinzips, das heißt des Einzelfallrechts, welches in der angelsächsischen Rechtstradition fest verwurzelt ist, besteht auch im Handelsrecht lediglich ein Rahmen. Die wenigen Bilanzierungsvorschriften sind überhaupt gesetzlich kodifiziert; US-GAAP entstehen aus der Zusammenarbeit von Financial Accounting Standards Board (FASB), die eine private Fachorganisation ist, den wirtschaftprüfenden Berufsverbänden und SEC, der Börsenaufsicht. In den USA besteht keine gesetzliche Pflicht zur Offenlegung, jedoch verlangt die SEC die Prüfung und Publizität der Unternehmen, die Wertpapiere an der Börse emittieren. Dies bedeutet, dass die US-GAAP für Publikumsgesellschaften verbindlich sind. Das die amerikanischen Wirtschaftsprüfer ihrerseits verpflichtet sind, auch bei freiwilligen Prüfungen die Einhaltung der Accounting Principles zu prüfen, können die US-GAAP somit als die allgemeinverbindlichen Rechnungslegungsvorschriften der USA bezeichnet werden.[6]

Die Handel- und Steuerbilanz sind in den USA wesentlich weniger verbunden als in Deutschland. Der Grundsatz der Maßgeblichkeit und die umgekehrte Maßgeblichkeit sind so gut wie unbekannt. Durch den Umstand, dass in den USA die Finanzierung über den Kapitalmarkt eine große Bedeutung hat, ist die US-Rechnungslegung stärker auf den Investor und weniger auf den Gläubiger zugeschnitten. Der US-Abschluß hat in erster Linie die Aufgabe, aktuellen und potentiellen Investoren entscheidungsrelevante Informationen zur Verfügung zu stellen und diese so zu präsentieren, dass ein möglichst sicherer Einblick in die finanzwirtschaftliche Unternehmenslage möglich ist (decision usefullness).[7]

3. Gewinn je Aktie Allgemeines

Die Kennzahl Gewinn je Aktie oder Earnings per Share (EPS) zählt im Bereich der Aktienanalyse zu den wichtigsten Kennzahlen.

Es werden damit häufig auf Basis von Zeit- und Unternehmensvergleichen Kursveränderungen und Aktienempfehlungen begründet. Darüber hinaus wird vor allem in US-amerikanischen Unternehmen die Managementvergütung oft an die Entwicklung des Gewinns je Aktie geknüpft.[8]

Unter Gewinn je Aktie versteht man, das sich das Jahresergebnis einer Periode zu den ausstehenden Aktien in Beziehung stellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine weitere Kennzahl die in einem wichtigem Zusammenhang mit dem Gewinn je Aktie steht, ist das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV); auch Price-Earnings Ratio (PER) genannt.

Diese Kennzahl drückt aus, zum wie vielfachen des Gewinns des letzten Geschäftsjahres die Aktie an der Börse bewertet wird. Manchmal wird auch der geschätzte Gewinn des laufenden oder nächsten Geschäftsjahres dem Börsenkurs gegenübergestellt. Das KGV wird wie folgt ermittelt:[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1. Der unverwässerte Gewinn je Aktie

Der unverwässerter Gewinn je Aktie (basic Earnings per Share) ist der Jahresabschluss/Jahresfehlbetrag nach Steuern, der auf eine Aktie entfällt. Für Mutterunternehmen ist das im Konzernabschluss ausgewiesene Jahresergebnis heranzuziehen. Dem in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag werden alle Bestandteile abgezogen bzw. addiert, die nicht den im Nenner erfassten Aktien zustehen.[10]

Die basic Earnings per Share ermitteln sich nach folgender Formel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Rahmen der US-GAAP wird streng zwischen Stammaktien und Vorzugsaktien unterschieden. Letztere werden Gläubigeransprüchen gleichgesetzt, weil sie anders als wie bei den Stammaktien grundsätzlich kein Stimmrecht gewähren, dafür aber mit einem festem Dividendenanspruch ausgestattet sind, der in der Regel auch rückwirkend Bestand hat, wenn er vorübergehend nicht erfüllt wurde. Da sie Gläubigeransprüche verkörpern, müssen die auf Vorzugsaktien zu zahlenden Dividenden für das laufende Jahr und gegebenenfalls auch rückwirkend für frühere Jahre, aus dem Unternehmenserfolg eliminiert werden, soweit der Gewinn der Periode diese Ansprüche abdeckt.[11]

3.2. Der verwässerte Gewinn je Aktie

Für die Ermittlung des verwässerten Gewinns je Aktie (diluted Earnings per Share) ist zunächst die im Nenner aufzunehmende Aktienzahl zu bestimmen. Alle „potentiellen Aktien“, die verwässert wirken (als Basis zur Bestimmung, ob eine potentielle Aktie verwässert wirkt, ist das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit heranzuziehen), sind zu berücksichtigen. Potentielle Aktien können z.B. sein:

- Bezugsrechte und Optionen, durch die Aktien erworben werden können.
- Aktienoptionen und ähnliche Finanzinstrumente, die es Unternehmensangestellten ermöglichen, Aktien als Entlohnungsanteil zu erwerben.
- Aktien, die aufgrund von vertraglichen Regelungen, z.B. im Rahmen von Unternehmensübernahmen, emittiert werden.[12]

[...]


[1] Vgl. Gerhart Förschle, US-GAAP, IAS und HGB: Ergebnisse einer Umfrage unter deutschen Rechnungslegungsexperten, in: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis, 47. Jahrgang 1995, Berlin, S. 395-400.

[2] Vgl. Klaus Manz, Kompaktstudium Wirtschaftswissenschaften, Band 8, Bilanzierung, München, 1995, S.1 - 12.

[3] Vgl. Nikolaus Rollwage, Bilanzen : mit Übungsaufgaben und Lösungen, 4. Auflage, Köln, 1999, S.11 - 14.

[4] Vgl. Kurt V. Auer, International harmonisierte Rechnungslegungsstandards aus Sicht der Aktionäre : Vergleich von EG-Richtlinien, US-GAAP und IAS, Wiesbaden, 1997, S. 100-101.

5 Vgl. KPMG, International Accounting Standards, 1996, S. 18

[6] Vgl. Kurt V. Auer, International harmonisierte Rechnungslegungsstandards aus Sicht der Aktionäre : Vergleich von EG-Richtlinien, US-GAAP und IAS, Wiesbaden, 1997, S. 107-110

[7] Vgl. Stefan Müller, Jahresabschlusspolitik nach HGB, IAS und US-GAAP, in: Betriebs-Berater, Jahrgang 56, Heft 43, S. 2206-2213.

[8] Vgl. Harald Glieder, Geldflussrechnung, Segmentberichterstattung und Gewinn pro Aktie: US-Gaap, IAS und HGB im Vergleich, 1999, S. 15

[9] Vgl. Karl Born, Bilanzanalyse international: deutsche und ausländische Jahresabschlüsse lesen und beurteilen; 2001, S.423-424

[10] Vgl. Prof. Dr. Bernhard Pellens, Internationale Rechnungslegung, 1997, S. 313

[11] Vgl. Thomas Schildbach, US-GAAP: Amerikanische Rechnungslegung und ihre Grundlagen, 2000, S.300

[12] Vgl. Prof. Dr. Bernhard Pellens, Internationale Rechnungslegung, 1997, S. 314

Details

Seiten
36
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638437110
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46540
Institution / Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik)
Note
1,25
Schlagworte
Gewinn Aktie US-GAAP Darstellung Würdigung

Autor

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