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Die Migrationskrise und die Suche nach einem neuen Zukunftsoptimismus. Der visionäre Blick und die Chance auf eine bessere Welt

Können wir Zuversicht neu erlernen?

Facharbeit (Schule) 2017 18 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: „Wir schaffen das.“ – Unsere höchste und härteste Decke aus Glas

1. Warum die Menschen zweifeln
1.1 Die Furcht vor dem Fremden
1.2 Stillstand statt Fortschritt

2. Zuversicht im Angesicht der Herausforderung
2.1 In stoischer Haltung die Krise als Chance nutzen
2.2 „Love Trumps Hate!“

3. Die Jugend hat das Wort
3.1 Die Aufklärer von heute, der Motor von morgen
3.2 Eine zu tragende Verantwortung

Schlussteil und Plädoyer: Unsere Zeit, unsere Chance

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Einleitung:„Wir schaffen das.“ – Unsere höchste und härteste Decke aus Glas

„Although we weren’t able to shatter that highest, hardest glass ceiling this time, thanks to you, it’s got about 18 million more cracks in it, and the light is shining through like never before, filling us all with the hope and the sure knowledge that the path will be a little easier next time.” (Clinton, Hillary R. 2008)

Diesen Satz sprach Hillary Rodham Clinton, ehemalige First Lady, Senatorin, Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten, am 7. Juni 2008 in Washington D.C. im Rahmen ihrer Rede zur Beendigung ihrer Vorwahlkampagne sowie anlässlich ihrer offiziellen Unterstützungsbekundung gegenüber dem damals überlegenen innerparteilichen Rivalen, Barack H. Obama. Jene härteste und höchste gläserne Decke gilt in den Wirtschaftswissenschaften allgemein als die unsichtbare Barriere, welche Individuen daran hindert, oftmals auf der Basis sexueller Diskriminierung oder auch politischer Vorbehalte, eine nächste Stufe des Fortschritts zu erreichen. Eine Vision, die Möglichkeit einer besseren Zukunft, mag durch jene Decke aus Glas zwar klar zu erkennen sein, jedoch scheint es oftmals so, als sei das Ziel unerreichbar. Es sei denn, man vollbringt in einer gemeinsamen Kraftanstrengung das anscheinend Unmögliche und zerschmettert jene „gläserne“ Barriere.

Auch wir deutsche Bürger machten im Spätsommer 2015, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, ungefähr 60 Jahre nach dem Wirtschaftswunder und 25 Jahre nach der Wiedervereinigung, einmal mehr eine für manche großartige, für andere desaströse Erfahrung mit unserer ganz eigenen gläsernen De>Außerdem wurde das Dubliner Übereinkommen, welches die Registrierung und Verteilung von Asylsuchenden regelt, mehrfach außer Kraft gesetzt, wobei es nicht gelang, eine modernere und vor allem gerechtere Quotenregelung zu finden. Als es schließlich auch noch zur teilweisen Aussetzung des Schengener Abkommens kam und zahlreiche europäische Staaten vorübergehend wieder Grenzkontrollen einführten, sahen manche bereits das Ende der Europäischen Idee gekommen.

Des Weiteren erfuhren die Bürger Europas den Schrecken des islamistischen Terrors im selben Zeitraum auf heimischem Boden, als am 13. November 2015 eine Terrorattacke Paris traf und 130 Menschen das Leben kostete. Auch deutsche Rechtspopulisten sahen sich, gestützt auf ihren Kampagnen der Furcht und ihrer Rhetorik der Spaltung, im Aufwind und konnten zudem politisches Kapital aus all der Empörung schlagen, welche aus den sexuellen Übergriffen von Migranten auf Passanten in der Kölner Silvesternacht 2015/2016 resultierte. Die AFD konnte schließlich große und gleichzeitig einschneidende Triumphe bei drei Landtagswahlen zelebrieren, während in der Republik, hauptsächlich jedoch im deutschen Osten, Flüchtlingsunterkünfte brannten und eine „Neue Rechte“ aufmarschierte. Nichtdestotrotz sollte all dies längst nicht alles sein. Die Terrorattacken auf Brüssel, Nizza und Berlin bildeten den traurigen Höhepunkt einer Passage der sinnlosen Gewalt. Hinzu kamen die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen und abschließend Donald Trumps überraschender Sieg im Rennen um das Weiße Haus. Zuversicht und Hoffnung schienen rar wie schon lange nicht mehr. Und das in einer Zeit, die trotz allem uns die Chance bietet, Schweres zu tun, um Großes zu bewegen; doch nicht ohne die Hoffnung auf und den Glauben an ein besseres Morgen.

Auf den folgenden Seiten sollen freilich nicht die einzelnen Stationen, Ursachen und Folgen der Migrationskrise behandelt werden. Vielmehr beabsichtige ich, den Verlust von Zuversicht im Angesicht der Herausforderung und dessen Vermeidbarkeit zu thematisieren. Warum fürchten und hassen wir, wenn wir unsere Kraft doch eigentlich auf eine Einheit in Vielfalt und die gemeinsame Arbeit für eine bessere Zukunft verwenden sollten und können? Was hält uns davon ab, Fortschritt zu leben? Und wie können wir Zuversicht neu erlernen sowie die Kunst meistern, das anscheinend Unmögliche möglich zu machen? Wobei sich die Bezeichnung des Unmöglichen hierbei auf eine große gesellschaftliche Herausforderung wie die Migrationskrise bezieht. Es ist mein Wunsch, dass sich die Leserin/der Leser am Ende der Lektüre meiner Facharbeit selbst hinterfragt, sich ermutigt fühlt und gleichzeitig entschlossen ist, die gemeinsame Arbeit aufzunehmen Auch wenn Sinn und Zweck dieser Facharbeit eigentlich das Üben des Verfassens wissenschaftlicher Texte sein soll, so kann ich meinen Willen, darüber hinaus zu gehen, nicht leugnen. Gerade da meine Wahl auf ein Thema von solch gesellschaftlicher Signifikanz gefallen ist, möchte ich ebenfalls den Versuch unternehmen, mit dem vorliegenden Text Inspiration zu streuen, wenn auch nur in einem sehr geringen Maße.

1.Warum die Menschen zweifeln

In ihrem Essay mit dem Titel „Unsere Chance – Mut, Handeln und Visionen in der Krise“ schreibt die Menschenrechtlerin und ehemalige Ausländerbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Beate Winkler, von der persönlichen Angst als „Frühwarnsystem“. Jene Warnsignale müsse man frühzeitig erkennen und in positive Kräfte umwandeln. Man erkenne auf diesem Wege, so die Autorin, „dass etwas nicht stimmt“ (Winkler, Beate 2015: 21). Diese Chance jedoch würde verloren gehen, fiele man der Furcht anheim. Ebenso antwortete der ehemalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt auf die Ängste des unter der sogenannten Großen Depression leidenden amerikanischen Volks: „[…]the only thing we have to fear is fear itself.“ (Roosevelt, Franklin D. 1933: 1). Dennoch basiert die menschliche Natur gleichzeitig auf jenem berühmten Fluchtinstinkt, der dem Homo Sapiens von seinen Vorfahren vererbt worden ist. Die Ahnung einer nahenden Gefahr mag bereits ausreichen, um Menschen dazu zu verleiten, jegliche rationalen Denkweisen abzulegen und die Flucht zurück - nicht nach vorn – anzutreten.

Ebenjenes reaktionäre Rückzugsverhalten haben manche Teile der Bundesbevölkerung im Verlauf der sogenannten Migrationskrise gezeigt, während rechte Gruppierungen und Parteien wussten, die Ängste jener Bürger zu instrumentalisieren. Indem sie bewusst versuchen, einfache Antworten auf komplexe Fragen zu geben, vollbringen es die Rechtspopulisten, Menschen aus allen Bevölkerungsschichten auf ihre Seite zu ziehen1. Größtenteils jedoch sind es vor allem Angehörige der ehemaligen Arbeiterschicht, die die besagte Strategie erfolgreich bindet. Sie fürchten die Zukunft, da ihnen bereits die Gegenwart wenig Gutes bringt. Ihnen fehlt dementsprechend die nötige Zuversicht, um sich an der Lösung großer Probleme beteiligen zu können. Vielmehr sehen sie es als nicht erforderlich an, die gemeinsame Arbeit aufzunehmen, da sie der Überzeugung sind, diese werde nicht zu ihrem Wohle verrichtet.

1.1Die Furcht vor dem Fremden

Hinzu kommt des Weiteren die Furcht vor dem Verlust von Stärke, Privilegien und Dominanz. Jedoch nicht infolge wirtschaftlicher Schwächephasen, sondern vielmehr durch die anscheinend bestehende Übermacht gesellschaftlicher Minderheiten. Oftmals reicht bereits die mediale Omnipräsenz jene Minderheiten betreffender Themen aus, um Ängste vor Überfremdung zu säen. „Ich glaube, es herrscht eine Tendenz, Flüchtlinge nur als Gruppe oder gar Masse zu sehen und zu vergessen, dass jeder und jede ein Individuum ist, mit einer eigenen Geschichte.“ (Hoffmann, Monika 2015). Die Koordinatorin des Jugendprogramms der „Aid Organization for Refugees and Asylum Seekers in Israel“ spricht im besagten Interview ein Phänomen an, welches sich leicht auf die Situation in Europa übertragen lässt. Als im Sommer 2015 Asylsuchende zu Hundertausenden die verschiedenen Grenzen Europas auf ihrem Weg gen Norden überschritten, sahen viele Menschen nicht die Einzelne bzw. den Einzelnen im Strom der Flüchtenden, sondern registrierten eher die Bedrohlichkeit der Masse an sich. Was bedeutet also Masse? Das Wort „Masse“ ist ein Begriff, der eine schlechte Definierbarkeit suggeriert. Somit bedeutet Masse zwangsläufig Ungewissheit. Die These von der Angstgesellschaft beschreibt ebenjenes Phänomen als Kontingenzzuwachs, d.h. eine komplexe gesellschaftliche Entwicklung, wobei die zwangsläufige Entstehung neuer und großer Vielfalt oftmals in einer Furcht vor dieser gesellschaftlichen Unbestimmtheit resultiert. Jene scheinbare, schleichend stattfindende Machtübernahme durch Minderheiten, wie sie manche Menschen in solchen Situationen verspüren, führt allzu schnell und allzu leicht zur Expansion rechtsextremen Gedankengutes, wie sich am Beispiel des ersten farbigen US-Präsidenten erkennen lässt. In ihrer Abhandlung „ „I’m Still Standing for Hope and Glory!“ – Reflections on the Obama Phenomenon and the Politics of Resentment vs the Politics of Cosmopolitanism” schreibt Åsa Wettergren, außerordentliche Professorin an der Universität von Göteborg: „Resentment among white racist groups pertains to their continous loss of privileges and status over blacks (and other ‚strangers‘) during 20th (Ahmed 2004), crowned as it were by the election of a black president of the US.“ (Wettergren, Åsa 2009).

1.2Stillstand statt Fortschritt

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Ängste, welcher Natur sie auch sein mögen, uns mehr lähmen, als dass sie uns antreiben. Rechtspopulistische Parteien wie die AfD wissen ebenjene Lähmung in eine umgekehrte, ihren rückwärtsgewandten Denkweisen angepasste Dynamik umzuwandeln. In ihrem Grundsatzprogramm geht die „Alternative für Deutschland“ direkt auf den gefühlten Minderheitenstatus jener ein, die sich vor einer anscheinend zunehmenden „Überfremdung“ fürchten. Eine sogenannte „Ideologie des Multikulturalismus“ stelle „importierte kulturelle Strömungen auf geschichtsblinde Weise“ der deutschen Kultur gleich, „deren Werte damit zutiefst relativiert“ würden. Dies betrachte die AfD als „ernste Bedrohung für den sozialen Frieden und für den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit.“ (AfD 2016). Indem man eine große gesellschaftliche Gruppe somit als Minderheit darstellt, schafft man neben dem Opferbild gleichzeitig auch die scheinbare Notwendigkeit einer Art des Freiheitskampfes, ein Akt, der eine Gesellschaft im Endeffekt jedoch spaltet und einen gesamtgesellschaftlichen Fortschritt verhindert. Des Weiteren ist jedoch zu beobachten, dass selbst eine große Volkspartei wie die CDU/CSU versucht, sich fürchtende Wähler zu binden, indem nicht nur Rhetorik, sondern auch programmatische Inhalte rechtspopulistischer Parteien, in diesem Fall der AfD, teilweise übernommen werden. Dieses Phänomen lässt sich durchaus als fatal bezeichnen, da auf diese Weise rückwärtsgewandte Programmatik Einzug in Legislative und Exekutive der Republik hält.

[...]


1 Hierbei sollte jedoch angemerkt werden, dass eine Verurteilung dieser Vorgehensweise auf der Annahme beruht, dass sprachliche Einfachheit rechtmäßig ist, solange sie nicht in dem Wissen von ihrer Falschheit verwendet wird

Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668943773
ISBN (Buch)
9783668943780
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v465012
Note
1,0
Schlagworte
migrationskrise suche zukunftsoptimismus blick chance welt können zuversicht

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Titel: Die Migrationskrise und die Suche nach einem neuen Zukunftsoptimismus. Der visionäre Blick und die Chance auf eine bessere Welt