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Körperliche Inszenierung von Emotionen in der Vormodernen Literatur

Seminararbeit 2017 23 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Emotionen

3 Performativität, Codierung und Darstellung von Emotionen

4. Wie werden Emotionen aufgenommen?

5. Der Einfluss des Körpers

6. Trauer in literarischer Dichtung

7. Inszenierung der Trauer König Etzels

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit soll sich mit den Körperlichen Inszenierungen von Emotionen in der vormodernen Literatur beschäftigen. Es werden anhand Textnahen Analysen diverse Beispiele von den Romanen „Iwein“ und der „Nibelungenklage“ skizziert und in Bezug auf die literarische Emotionsforschung kommentiert. Die Darstellung verschiedener emotionalen Definitionen wie Freude, Angst, Mut, Wut, Eifersucht, Neid usw. werden in dieser Seminararbeit anhand den Vorgegebenen Texten in soziologischer, psychologischer und literarischer Hinsicht ausgearbeitet.

Ferner werden folgende Punkte in der Seminararbeit bearbeitet: Für den Anfang sollen alle notwendigen Erklärungen gegeben werden, die zum besseren Verständnis dieser Arbeit dienen sollen. Um die Emotionen der mittelalterlichen Dichtung besser verstehen zu können werden verschiedene Definitionen aufgezählt und detailliert erläutert. Definiert werden hier die Performativität und Codierungen von Emotionen, Emotion und Rezeption, Darstellung von Emotionen, die Macht des Körpers durch Emotionen usw.

Abschließend wird sich die Seminararbeit mit der Trauer Laudine´s im Iwein um ihren ersten Mann, Kriemhilds Klage um den Toten Siegfried im „Nibelungenlied“ und um die Darstellung der Trauer König Etzels in der Nibelungenklage befassen. Die Fragestellung fokussiert sich einerseits darauf, ob die Klage und der Jammer Genderspezifische Unterscheidungen aufweisen und wie das Volk diese Klage aufnimmt, andererseits kümmert sich die Fragestellung darum, ob es sich bei den Emotionen speziell um die Trauer des Todes der Figuren handelt, oder, ob es dabei um die eigene Existenz der Figuren handelt, die um den Tod Trauern.

2.Emotionen

Emotionen sind komplexe Verhaltensmuster die den Menschen genetisch angeboren sind. Diese Emotionen haben sich dem Menschen im Laufe der Evolution herausgearbeitet um die zwischenmenschliche Kommunikation zu erleichtern. Emotionen werden durch Mechanismen hervorgerufen, die sowohl beim Menschen als auch beim Tier im Wesentlichen gleichgeblieben sind. An dem hervorrufen und dem Ablauf der emotionalen Reize sind sowohl kognitive als auch motivationsbedingte Mechanismen beteiligt, wobei die kognitiven kompetente als Auslöser der Emotionen und die motivationalen Kompetente eher als Reiz der Erregung betrachtet werden. Die Entwicklung der Evolution liegt eng mit der Entwicklung der Emotionen nahe, die Evolution führt die Menschen durch die Emotionen dazu sich der Umwelt Anzupassen. Wenn es diese innere Motivation des Menschen nicht geben würde, würde keine Liebe, Kein Sex, kein Konflikt zwischen den menschlichen Wesen entstehen, das ist wiederum ein sehr kompliziertes, wissenschaftliches Thema das eventuell mit dem folgenden Zitat besser zu erklären ist.

Nach der Ansicht von Experten gibt es im Gehirn ein Sexemotionssystem, das innerhalb der Wirbeltiere bzw. der Säugetiere weitgehend identisch ist. Trotz der hohen evolutionären Determiniertheit werden Emotionen bzw. deren Interpretation durch Lernvorgänge mit entwickelt, denn wie Menschen etwas fühlen hängt auch von der Umwelt ab, in der sie Leben bzw. aufgewachsen sind. So hängt das Ausmaß an Empathie oder sozialer Kompetenz weitgehend von jenen Menschen ab, die als Erstbetreuer (primary caregiver) dem Kleinkind bzw. Kind zur Verfügung stehen. (http://arbeitsblaetter.stangl- taller.at/EMOTION/ kein Datum)1

Es gibt sehr viele alltagsgewöhnliche Begriffe für die Verwendung von Emotionen und Gefühle die als Klassiker dienen, wie z.B. Wut, Rache, Leid, Freude, Angst, Liebe, Eifersucht, Neid. Anders als die aufgezählten Begriffe gibt es Wendungen wie Betroffenheit, Frust, angetörnt oder mies drauf, die von den Menschen erfunden worden sind, um die inneren Emotionen für die Menschen besser zugänglich zu machen. Durch einsetzen verschiedener Emotionen, ob bewusst oder unbewusst, kann der Mensch zu mächtigen Handeln angeregt werden die dazu führt die Kontrolle über den Menschen zu übernehmen, die sowohl positiv aber auch negativ enden könnte. In dieser Hinsicht bin ich fest davon Überzeugt, dass die mittelalterlichen Emotionen bei der Inszenierung für den Betrachter wesentlich schwerer wahrzunehmen waren als es in der Gegenwart ist.

was sind aber nun Gefühle oder Emotionen? Sowie zu vielen anderen Phänomenen gibt es auch für die Emotionen bislang keine Umfangreiche, generell zur Kenntnis genommene Theorie. Es sind Vielmehr aneinanderreihende Theorien, von denen immer nur Teilaspekte von Emotionen, die auch wirklich kommentiert werden können. Die Voraussetzung für eine Definition liegt darin, dass sehr viel über das recherchierte herausgearbeitet werden muss, das heißt es muss viel Wissen zugrunde liegen. Je mehr wir über das Phänomen wissen, desto Konsensfähiger und Begründeter wird die Definition, was bislang für die Definition von Emotionen nicht die Rede sein kann.2 (Franken 2004)

3.Performativität, Codierung und Darstellung von Emotionen

Die Kategorie des Performativen ist durch ein komplexes Set an Theoriebildungen geprägt, die vor allem aus der Sprachphilosophie und der Theaterwissenschaft stammen, die jedoch auch für andere, etwa literatur-, medien-, sozial-, und kommunikationstheoretische Forschungsansätze durchlässig sind. Durch diese Vielfalt der Ansätze mit ihren unterschiedlichen diskursiven Voraussetzungen und Bezugsebenen ist es unvermeidlich, dass Unschärfen entstehen, doch gerade die Unbestimmtheitszonen haben sich als besonders produktiv erwiesen.3 (Kasten 2010) Diese Produktivität ist deshalb von großer Bedeutung, weil sie nicht nur Differenzen zwischen den jeweiligen, teilnehmenden Disziplinen kennzeichnet, sondern auch weil sie zu methodischen Überlegungen der Disziplinen für den theoretischen Ansatz darstellt und dabei helfen soll den theoretischen Ansatz für den jeweiligen Gegenstand operationalisierbar gemacht werden kann.

Hierbei stellen wir fest, dass das Projekt an die Sprechakttheorie von John L. Austin ähnelt. Er Hatte entdeckt, dass die sogenannten sprachlichen Aussagen im Wesentlichen nicht nur Verhaltensmuster beschreiben und Hypothesen aufstellen, sondern vielmehr die Handlungen in die Tat umsetzen und Wirklichkeit hervorbringen. Aus diesem Grunde hatte er eine Differenzierung zwischen konstativen und performativen Sprechakten vorgenommen, also die Sprechakte mit denen etwas behauptet oder beschrieben wird, und die Sprechakte, in denen sprachliche Äußerungen und Handlungsvollzug zusammenfallen. 4 (Kasten 2010)

Die von Austin als performativ genannten Sprechakten sind im Gegensatz zu den konstativen Sprechakten nicht wirklich offen, ob sie wahr oder falsch sind, hierbei kommt es in erster Linie darauf an, ob die Sprechakten gelingen oder misslingen werden, wobei erwähnt werden muss, dass beim gelingen mehrere Faktoren die Entscheidung beeinflussen könnten. Dieser Sprechakt ist für das Projekt daher von großer, zentraler Bedeutung, weil es ermöglicht, sprachliche Äußerungen als Handlungen zu verstehen, die die Wirklichkeit darstellen und Änderungen mit sich bringen. Dieser genannte Punkt ist für die literarischen Texte und deren Analyse sehr produktiv, da es erlaubt, die Handlungen und deren damit gebundenen Wirkungen in der Emotionsdarstellung einen besseren Überblick zu geben. Durch diese Analyse wird auch die Frage gestellt, anhand welcher Strategien der Emotionsgestaltung die Interaktion Beispielsweise der Figuren in narrativen Zusammenhänge dynamisiert und verändert wird. Entsprechend liegt der Fokus der Forschungsarbeit weniger auf Konstruktionen von „Innenräumen“ literarischer Figuren-wie und warum solche Räume in welchen Texten entworfen werden, wäre ein eigener reizvoller Forschungsgegenstand-, als vielmehr darauf, welche Rolle Emotionen in der sozialen Interaktion und Kommunikation in den erzählten Welten spielen.5 (Kasten 2010)

Der Berliner Emotionsforscher Rüdiger Schnell geht davon aus, dass es bei dem Begriff Codierung nicht zwischen „Zeichen“ und „Ausdruck“ unterschieden werde, sondern vielmehr zwischen „Repräsentation“ und „Expression“. Und ist für eine unerlässliche Trennung zwischen den beiden Ebenen.

„Der Terminus „Codierung“ bezieht sich zunächst explizit auf das Faktum, dass die Untersuchungsgegenstände der historischen Emotionalitätsforschung grundsätzlich medial vermittelt sind und Zeichencharakter haben. Bei der Analyse einzelner Zeugnisse erlangt der Terminus eine spezifische Bedeutung, indem er in verschiedenen in ihnen aktualisierte Zeichensysteme (z.B. Kleidung, Gestik, Mimik, Körperinszenierungen ) bezogen wird.6 (Schnell kein Datum)

Die Codierung von Emotionen in der mittelalterlichen Dichtung sind historisch bedingt und kulturell variabel, wichtig ist hierbei, dass bei der Forschung dieses Phänomens, wo und wie die Grenzen zwischen den Verschiedenheiten und Universalien zu ziehen sind. Gut zu erkennen ist, dass in dieser Hinsicht innerhalb der Kultur,-sowie der Naturwissenschaften keinerlei Übereinstimmung herrscht. Unter Codierung von Emotionen verstehen die mediävistischen Arbeiten eine verbale und oder nonverbale Darstellungsform eines psychischen Vorkommens. Das Bedeutet so viel wie, dass die Emotionen sich erkennbar machen durch z.B. Gebärden, Körperhaltungen, Gesten oder auch Worten. Durch diese sogenannten „Codes“ können die Emotionen deschiffriert werden.

„Nicht nur die alltagsweltlichen nonverbalen (gestisch-visuellen) Ausdrucksformen von Emotionen (erste Codierung) erfahren eine Veränderung dadurch, dass sie in Texten bzw. Bildern Sprachlich bzw. ikonographisch vermittelt werden (zweite Codierung), sondern auch die konventionellen verbalen Ausdrucksformen von Emotionen (erste Codierung) werden aufgrund der rhetorisch-literarischen Stilisierung (zweite Codierung) transformiert.“ 7 (Schnell kein Datum, 5)

Durch diese komplexe Darstellung von Emotionen im Alltag und in der Literatur ist es nicht immer gleich klar welche Codierung gemeint ist. Bei der Übergabe der Emotionen an den Leser kommt es des Öfteren zu Meinungsverschiedenheiten, weil nicht immer schnell herausgefunden werden kann, was wirklich gemeint ist.

Über den Begriff der „Codierung“ teilen sich die Forscher der Emotionen die Meinung, dass die Emotionen im Allgemeinen kulturell vermittelt sind. So ist anzunehmen, dass folgende Medien wie; Sprache, Körper, Schrift, Bilder und Objekte eine fundamentale Rolle spielen. Daher werden in der Literatur sogar Codes in der Hinsicht der alltäglichen Verhaltensmuster und Bedeutungszuschreibungen thematisch.

„Die Literatur verfügt nicht nur über die Möglichkeit, ein diesen Codes implizites Wissen über die Regeln von Emotionsäußerungen in bestimmten sozialen Konfigurationen und kulturellen Kontexten zu vermitteln, also ein Wissen darüber, wie diese Codes funktionieren, sondern auch über die Möglichkeit, die Codes und ihre Funktionalisierung kritisch zu reflektieren“.8 (Kasten 2010, 8)

Bei der Aussage von Ingrid Kasten ist festzustellen, dass es sich bei der Forschung von Emotionen im Allgemeinen nicht darum handelt was codiert wird, sondern wie konventionalisierte Verhalten und Bedeutungszuschreibungen in der literarischen Dichtung dargestellt werden und wie sie selbst zum Teil der Verhandlung werden.

4.Wie werden Emotionen aufgenommen?

Was führt die Emotionen zum Erscheinen und wie werden diese Emotionen dirigiert? Dies ist ein althergebrachtes Thema der Rhetorik, mit denen sich Heutzutage verschiedene Disziplinen wie die Kognitionswissenschaften oder die Evolutionspsychologie beschäftigen. Hierbei handelt es sich ganz speziell auf die Frage nach der Wirkung literarischer Texte gelegt, die sich damit beschäftigen wie die Emotionen in bestimmten Fällen aufgenommen und verarbeitet werden. Im folgenden Zitat von Ingrid Kasten ist besser zu verstehen was mit der Aussage gemeint ist:

„Hieraus ergeben sich unter anderem Fragen nach der Übertragung und Übertragbarkeit von Emotionen, nach Synchronisierungseffekten, nach Verfahren der Erzeugung von Empathie und Sympathie.“ 9 (Kasten 2010, 13)

Es ist aber leider bislang in der Emotionsforschung kein wirklich präziser Schritt in der Hinsicht der Rezeptionsästhetischen Fragen zu der Aufnahme von Emotionen gemacht worden. Nach Katja Mellmann gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten im Wechselspiel von Produktion und Rezeption, zu dem die Definition „Gefühlsübertragung“ im psychologischen Alltag einen Überblick geben kann und zwar ist es einerseits die simplifizierende Inneneinsetzung von Produktionsästhetischer (textinterner) Gefühlsdarstellung und andererseits die wirkungsästhetische (textexterne) Gefühlsproduktion die das Ganze vereinfachen. Deswegen auch die Entschlossenheit der Autorin sich gegen die Behauptung, dass sich ein Gefühl von einem Menschen auf einen anderen Übertragen ließe. 10 (Kasten 2010, 14) Mit der Feststellung von Katja Mellmann werden die in der Literatur dargestellten Emotionen und die mit denen der Rezipienten größtenteils überein sind, in Zweifel gezogen und eine konsequente Spaltung zwischen Figurenemotion und Rezipientenemotion gezogen. Die Autorin ist fest der Meinung, dass bei der Forschung von Emotionen in wirkungspotentieller Hinsicht eine emotionspsychologische Heuristik verwendet werden muss, wenn Tatsächlich herausgefunden werden soll, was mit dem emotionalen wirkungspotential eines Textes gemeint ist. Zu den oben genannten Meinungen von Katja Mellmann kommt noch ihre Anknüpfung an die Emotion „Mitleid“ mit hinzu, da ihre Gesinnung darin liegt, dass Mitleid in evolutionspsychologischer Hinsicht eine angeborene Emotion ist.

„Den Vorteil einer solchen Konzeptualisierung sieht Sie darin, dass sich Emotionen so im Blick auf die spezifische Auslöserqualitäten und Wirkungseffekte hin beschreiben ließen...Dabei differenziert Sie zwischen Mitleid und ,Empathie`…Der Wahrnehmung, dass ein anderer sich in Notsituation befindet, sei ein kognitives Moment eigen, das Empathie, aber noch kein Mitleid auslöse.“11 (Kasten 2010, 14)

Wenn jemand eine in der ästhetischen Rezeption eine schlechte Nachricht erhält und er durch diese Nachricht zum Weinen ist dieser Prozess nicht deshalb, weil er Mitleid hat, sondern es ist größtenteils deswegen, weil der Rezipient gegen die Macht der Kapitulationsrespons unterliegt, die mit den hervorgerufenen Emotionen korrelativ sind.

[...]


1 (http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/ kein Datum) 4

2 (Franken 2004)

3 (Kasten 2010)

4 (Kasten 2010)

5 (Kasten 2010)

6 (Schnell kein Datum)

7 (Schnell kein Datum)

8 (Kasten 2010)

9 (Kasten 2010)

10 (Kasten 2010)

11 (Kasten 2010)

Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668934405
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v464921
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
3,0
Schlagworte
körperliche inszenierung emotionen vormodernen literatur

Autor

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