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Wasserversorgung und Entsorgung im Kontext der Hygiene

Hausarbeit 2001 15 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Einführung

1. Wasserversorgung und Ableitung bis ins 18. Jahrhundert

2. Industrialisierung und gestiegener Wasserverbrauch

3.1. Versuch einer Beseitigung des Wassermangels und weitere Qualitätsprobleme
3.2. Entsorgung der neuen Wassermassen
3.3. Pettenkofers ´Bodentheorie´ gegen Kochs ´Trinkwassertheorie´
3.4. Die notwendige Reinigung des Abwassers und Filterung des Trinkwassers

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einführung

Hygiene ist ein Thema, das so alt ist, wie die Menscheit selbst. Ohne Trinkwasser wäre kein menschliches Leben möglich. So begleitet dieser Bereich schon immer das menschliche Leben. Wasserversorgung und Entsorgung gilt für uns heute als normal - ja allzu selbstverständlich. Den Wasserhahn aufzudrehen und frisches Wasser zu haben, das gleich wieder durch den Abfluss auf unsichtbarem Weg verschwindet - niemand macht sich noch Gedanken darüber.

Gesamtgültige Arbeiten gibt es zu diesem Thema nicht, aber es existieren Einzelstudien. Die nachfolgende Arbeit stützt sich im allgemeinen auf Bücher, die das Problem am Beispiel von Städten wie Berlin, Hamburg usw. behandelt. Aber gerade dadurch ergibt sich im allgemeinen wieder ein breiterer Ausschnitt der Thematik.

Die miserablen hygienischen Zustände des 18. Jahrhunderts machten Entwicklungen im Bereich der Hygiene unbedingt erforderlich. Die großen Seuchen Cholera und Typhus, sowie die schnell anwachsende Bevölkerung in der Zeit der Industrialisierung waren die Gründe für die immensen Umwälzungen. Ohne diese Entwicklungen wiederum wären die weitere Industrialisierung und das weitere Anwachsen der Bevölkerung nicht möglich gewesen. Der gute Gesundheitszustand unserer Bevölkerung wäre undenkbar und wahrscheinlich würden wir heute noch von Seuchen geplagt, was sich in verschieden Ländern der 3. Welt zeigt.

Doch welche Probleme verursachten die Neuerungen und gab es verschiedene Ansätze und Lösungsversuche? Für welche entschied man sich und aus welchen Gründen? In Folgenden möchte ich versuchen, die Entwicklung der zentralen Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung zu beschreiben. Auch soll die Klärung der Abwässer und Aufbereitung des Trinkwassers als eng damit verbundenen Themen behandelt werden.

1. Wasserversorgung und Ableitung bis ins 18. Jahrhundert

Bis ins 18. Jahrhundert hinein war die Wasserversorgung Deutschlands durch verschiedenste Systeme geprägt. So könnte man den Schöpf- oder Ziehbrunnen als Archetypus der städtischen Grundwasserversorgung bezeichnen. Diese Brunnen waren meist in Privatbesitz und ihre Benutzung wurde oft durch Brunnenordnungen geregelt.[1] Als eine der ersten Städte stellte Frankfurt Ende des 17. Jahrhunderts seine Ziehbrunnen auf Pumpbrunnen um, die vielseitige Vorteile hatten. Ärmere Städte und ländliche Gebiete führten Pumpbrunnen erst viel später ein.[2] Beide Brunnentypen dienten der Brauchwasserentnahme sowie der Gewinnung von Trinkwasser. Ein anderer Brunnentyp, der Röhren- und Laufbrunnen, wurde schon im Mittelalter eingesetzt, wenn die Grundwasserbrunnen nicht ausreichten. Hier wurde Quellwasser teilweise in Teichen gesammelt und in Röhren aus Ton oder Fichtenholz, die durch Metall und später mit Blei verbunden wurden, in die Ansiedlungen geleitet.[3]

Andere Wasserversorgungsanlagen waren seit dem 16. Jahrhundert Gravitationsleitungen, die das natürliche Gefälle ausnutzten und die „Wasserkünste“. „Wasserkünste“ hoben das Wasser künstlich an und transportierten es auf zwei Arten. Entweder wurde das Wasser durch Wasserräder direkt aus dem Fluss geschöpft oder man förderte mit Wassertriebwerken (später mit Hilfe von maschinengetriebenen Pumpwerken)[4] Grundwasser aus Brunnenschächten an die Oberfläche. Diese Anlagen dienten jedoch nicht vorrangig der Trinkwasserversorgung, sondern sollten das Straßenbild schmücken in Gestalt von Lauf- oder Springbrunnen. Manchmal wurde es auch als Nutzwasser für zahlungsfähige Bürgerhäuser genutzt oder fand Verwendung in zahlreichen Gewerbebetrieben wie Gerbereien, Färbereien etc..[5]

In der Hamburger Altstadt entnahmen die meisten Leute ihr Trinkwasser der Elbe, der Alster oder schöpften es aus den Fleeten. Leute mit mehr Geld ließen ihre Brunnen bzw. Zisternen über Röhren mit Quellwasser der Umgebung oder mit ungefiltertem Wasser der drei „Alsterwasserkünste“ füllen. In der Neustadt wurden die Leute über Wasserwagen oder Wasserträger versorgt.[6]

Die Hygiene der deutschen, aber auch aller europäischen Städte unterschied sich bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts nicht von denen des Mittelalters. Die Einwohner der Städte gossen ihre Abwässer, Fäkalien und Küchenabfälle einfach in die Gossen. Der Unrat versickerte im Boden und verseuchte somit das Grundwasser. Bei Regen sammelte sich das Wasser in großen, stinkenden Morastpfützen.[7] Der Schlamm aus diesen Pfützen drang in die Keller ein, wodurch diese immer feucht waren. Fäkalien, die in oft undichten Senkgruben gelagert wurden, wurden, obwohl sie in der Nähe von Wohnhäusern und Brunnen lagen, oft monatelang nicht geleert. Dies, aber auch das ungeklärte Einbringen in die Flüsse, belastete das Wasser ebenso stark.[8] In Hamburg wurde das Niederschlagswasser, aber auch Abwässer der Grundstücke über offene Rinnsteine und bei fehlendem Gefälle in geschlossenen Abzugsgräben oder in sogenannten „Sielen“ (einfache Kanäle) in das nächste Gewässer geleitet. Die meisten Grundstücke wurden aber über offene Abzugsgräben entwässert, die in Siele mündeten. Hiervon ging eine starke Geruchsbelästigung aus, da diese infolge seltener Spülung und Reinigung dauerhaft verdreckt sowie in schlechten Zustand waren. Anwohner von Fleeten kippten einfach alles aus dem Fenster in die Fleete.[9] Grundstücke, die nicht an einem Siel oder Fleet lagen, entsorgten ihre Fäkalien aus den Senkgruben über „Kummerwagen“. Da diese aber meist undicht waren, verloren sie einiges auf den Straßen, wodurch diese ein sehr klägliches Bild abgaben. Außerdem ging eine sehr hohe Geruchsbelästigung von ihnen aus.[10]

In Berlin fehlte es an einer geregelten Abfuhr der Exkremente, so dass sie über Eimer in die Spree befördert wurden. 1842 wurde diese Art der Entsorgung wegen der damit verbundenen starken Geruchsbelästigung verboten und durch eine Abfuhr durch die „Latrinen-Reinigungs-Anstalt“ ersetzt. Die Straßen- und sonstigen Abwässer wurden bis in die 1870´er Jahre über die Rinnsteine entwässert. So dienten diese zur Entsorgung von Fäkalien, Abgängen von Schlachtereien und sonstige Abfallstoffe. Durch ein ungünstiges Gefälle, sowie ungeeignetes Baumaterial und ungünstigen Querschnitt trat Fäulnis ein, die einen extremen Geruch mit sich brachte.[11]

Frankfurter Bürger wiederum fingen ihren Kot nur selten in Eimern oder Kübeln auf, die später von den sogenannten Kübelweibern oder dem Scharfrichter in den Main entleert wurden. Die allseits in Deutschland bekannten gemauerten Senkgruben wurden in Frankfurt „Profeien“ genannt, wurden aber oft nur genutzt, wenn das Haus nicht an ein „Antauchen“ grenzte. Das „Antauchen“ war hier sehr populär. So wurde hier die Entsorgung der Fäkalien in die ehemaligen Stadtgräben- und Bäche, die teilweise überwölbt waren und in den Main mündeten, bewerkstelligt. Dieses Netz von „Kanälen“ wurde durch die Stadt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wegen mangelnder Spülung, fehlendem Gefälle und uneinheitlichen Kanalweiten, zu einem behelfsmäßigen Kanalisationsnetz erweitert.[12]

2. Industrialisierung und gestiegener Wasserverbrauch

Im 18. Jahrhundert brachte die immer weiter voranschreitende Industrialisierung einen erhöhten Wasserbedarf mit sich, der verschiedene Gründe hatte. Zum einen brauchte die immer schneller anwachsende Bevölkerung immer größere Mengen an Trinkwasser. Aber auch Brauchwasser für die Industrie und das Gewerbe wurde benötigt. Nicht zuletzt brauchte man auch große Löschwasserreservoirs.

Der immer weiter steigende Wasserbedarf erschöpfte schließlich die Quellen.[13] Teilweise versiegten die Quellen aus anderen Gründen aber auch. Dieses Problem trat vor allem in den Gebieten der Montanindustrie auf, da der Bergbau den Grundwasserspiegel absenkte.[14] Wassermangel entstand ebenso durch das Zuschütten der Festungsgräben und dem damit in Zusammenhang stehenden Tiefmachen der Brunnen. Dies hatte das Absinken des Grundwassers zur Folge und setzte dessen Qualität herab.[15] In gleicher Weise war Wasserknappheit ein Qualitätsproblem, das durch die obengenannte unsachgemäße Entsorgung des verbrauchten Wassers sowie der Fäkalien entstand.[16] Der erhöhte Wasserbedarf und die Verseuchung des Wassers machte Überlegungen einer zentralen Wasserversorgung unumgänglich.

3.1. Versuch einer Beseitigung des Wassermangels und weitere Qualitätsprobleme

Die Wasserversorgung wurde in dieser Zeit aus stadthygienischen und aus gewerblichen Gründen immer wichtiger. Anfangs griff man auf das reichlich vorhandene Oberflächenwasser zurück, das ungefiltert in die neuen Rohrsysteme eingeleitet wurde.[17] Im Jahr 1827 beauftragte die Stadt Frankfurt den Bauingenieur Hoffmann ein Gutachten für den Bau einer modernen Wasserleitung zu erstellen.[18] Hierin schlug Hoffmann eine neue Rohrleitung vor, die Quellwasser und Flusswasser der Umgebung auf dem kürzesten Wege in das Zentrum der Stadt bringen sollte und es von dort aus zu verteilen. Das Wasser sollte zu 2/3 den öffentlichen Brunnen zur Verfügung stehen und der Rest sollte gegen einen Zins Privathäusern zur Verfügung gestellt werden. Aber auch für die Brunnen musste nun ein Brunnengeld aufgebracht werden, da diese jetzt in die Verwaltung des städtischen Bauamtes übergingen.[19] Viele Städte mussten aus ihrem Wassermangel heraus ihr Wasser den Flüssen entnehmen.[20] Wie in vielen anderen Bereichen war auch hier England das Vorbild für eine zentrale Wasserversorgung. Hamburg führte 1848 eine zentrale Flußwasserversorgung mit dampfbetriebenen Pumpwerken nach englischem Vorbild ein. In Berlin, das dieses System 1856 erhielt, diente das Spreewasser vor allem zur Spülung der Rinnsteine.[21] Hier wird deutlich, dass bei den ersten zentralen Wasserleitungen in Deutschland eher sicherheitspolizeiliche Erfordernissen wie das Feuerlöschwesen und die Straßenreinigung die größte Rolle spielten.[22] Der Bau von Stauseen wurde ebenfalls der Trinkwassergewinnung wegen erwägt und ausgeführt. Um das Wasser rein zu halten wurde Tieren und Menschen der Zutritt zu den Seen verweigert.[23] Diese Talsperren dienten darüber hinaus aber auch dem Hochwasserschutz, der allgemeinen Bewässerung sowie der Energieerzeugung und –speicherung.

[...]


[1] Vgl. Kluge, Thomas/Schramm, Engelbert: Wassernöte, Zur Geschichte des Trinkwassers, Aachen 1988, S. 9

[2] Vgl. Ebd. S. 16 f

[3] Vgl. Ebd. S. 18

[4] Vgl. Münch, Peter: Stadthygiene im 19. und 20. Jahrhundert, Die Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallbeseitigung unter besonderer Berücksichtigung Münchens, Göttingen 1993, S. 40

[5] Vgl. Kluge/Schramm: Wassernöte, S. 21 f

[6] Vgl. von Simson, John: Technikgeschichte in Einzelvorstellungen, Kanalisation und Städtehygiene im 19. Jahrhundert, Düsseldorf 1983, S. 61

[7] Vgl. Krabbe, Wolfgang R.: Kommunalpolitik und Industrialisierung, Die Entfaltung der städtischen Leistungsverwaltung im 19. Und frühen 20. Jahrhundert, Fallstudien zu Dortmund und Münster, Stuttgart 1985, S. 31

[8] Vgl. Witzler, Beate: Großstadt und Hygiene, Kommunale Gesundheitspolitik in der Epoche der Urbanisierung, Stuttgart 1995, S. 67

[9] Vgl. von Simson: Kanalisation und Städtehygiene im 19. Jahrhundert, S. 61

[10] Vgl. Ebd. S. 63

[11] Vgl. Ebd. S. 91 f

[12] Vgl. Bauer, Thomas: Im Bauch der Stadt, Kanalisation und Hygiene in Frankfurt am Main 16.-19. Jahrhundert, Frankfurt am Main 1998, S. 9

[13] Vgl. Münch: Stadthygiene im 19. und 20. Jahrhundert, S. 88 f

[14] Vgl. Krabbe: Kommunalpolitik und Industrialisierung, S. 26 f

[15] Vgl. Kluge/Schramm: Wassernöte, S. 34

[16] Vgl. Münch: Stadthygiene im 19. und 20. Jahrhundert, S. 89

[17] Vgl. Krabbe: Kommunalpolitik und Industrialisierung, S. 25

[18] Vgl. Kluge/Schramm: Wassernöte, S. 34

[19] Vgl. Ebd. S. 35 f

[20] Vgl. Ebd. S. 63

[21] Vgl. Ebd. S. 39 f

[22] Vgl. Krabbe: Kommunalpolitik und Industrialisierung, S. 26

[23] Vgl. Kluge/Schramm: Wassernöte, S. 150

Details

Seiten
15
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638436762
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46488
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Historisches Institut
Note
2,1
Schlagworte
Wasserversorgung Entsorgung Kontext Hygiene

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