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Der Atlantik als Interaktionsraum

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 20 Seiten

BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen und Begriffe

3. Bestimmungsfaktoren des Interaktionsraumes Atlantik
3.1 Die Eroberung Amerikas
3.2 Dreieckshandel zwischen Amerika, Europa und Afrika
3.2.1 Gründe für den Import afrikanischer Sklaven
3.2.2 Grundzüge des transatlantischen Dreieckshandels
3.3 Die Auswanderung nach Amerika
3.3.1 Gründe und Wege der Auswanderung
3.3.2 Emigration und Bildung des Interaktionsraumes Atlantik

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aus heutiger Perspektive scheint der atlantische Interaktionsraum für die weltwirtschaftliche Bedeutung von großem Ausmaß zu sein. Nach dem Fall der Sowjetunion Ende der 1980er Jahre bleiben die Vereinigten Staaten von Amerika als letzte Supermacht übrig. Weder China noch der Staatenbund von Europa vermag es, hier gleichzuziehen. Blickt man in der Geschichte zurück und versucht zu verstehen, wie es dazu gekommen ist, so erscheint selbiges vordergründig nicht gleich offensichtlich. Ein Land, das sein ganzes Potenzial kurz nach der Zeit der Entdeckung und Eroberung anfangs überwiegend von den Einwanderern abschöpfte, entwickelte sich bis in die heutigen Tage zu einer äußerst wichtigen politischen Instanz, eine Rolle, die von den Vereinigten Staaten vor allem seit dem Ersten Weltkrieg ausgeübt wird.

Im Rahmen des Seminars wurde versucht, einen Blick auf die Entwicklung und Entstehung der Weltwirtschaft zu werfen. Ziel dieser Seminararbeit soll nun sein zu beschreiben, welche Faktoren dafür verantwortlich waren, dass es in der heutigen Zeit einen solch intensiven atlantischen Interaktionsraum gibt. Beispiele für Interaktionen sind nicht nur die unzähligen Güter, die durch Importe und Exporte ausgetauscht werden, sondern auch Schlagwörter oder Begriffe, die selbiges verdeutlichen wie z.B. „Amerikanisierung der Gesellschaft“. Auf der Suche nach Faktoren beschränkt sich diese Arbeit auf politisch-historische Elemente und klammert den technikgeschichtlichen Aspekt aus, der auf die modernen Kommunikationsmedien wie das Internet als Unterstützung für diese Entwicklung abzielt. Entscheidend ist der Zeitraum ab der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Denn gerade die anfängliche Geschichte Amerikas ist eng verknüpft mit der Entstehung des transatlantischen Interaktionsraumes.

Aufgebaut ist diese Arbeit folgendermaßen. Das zweite Kapitel erläutert wichtige Begriffe und liefert Definitionen, auf deren Grundlage im Folgenden gearbeitet wird. Nach dem definitorischen Teil erfolgt die Erläuterung der entscheidenden Faktoren, die daraufhin beschrieben werden und deren Einordnung in die Entstehungsphase des atlantischen Interaktionsraumes. Der erste Faktor, der in Kapitel drei näher betrachtet wird, ist die Eroberung Amerikas. Denn auch die ersten „zivilisierten“ Menschen, die den amerikanischen Kontinent betraten, trugen etwas zur Entstehung des atlantischen Interaktionsraumes bei und prägten diesen mit. Der zweite Faktor, der das Entstehen selbigens begünstigte, war der so bezeichnete Dreieckshandel, der im 17. und 18. Jahrhundert seinen Höhepunkt hatte. Eine für diese Zeit sehr hohe Anzahl von Menschen wurde als Sklaven für die Arbeit in den Plantagen über den Ozean transportiert, ebenso wie auch Gütermengen. Der dritte wesentliche Faktor beschäftigt sich ebenfalls mit dem Transport von Menschen, allerdings läuft dieser zumindest in der Hauptsache aus ganz anderen Motiven ab, als der Dreieckshandel. Es handelt sich um die europäische Auswanderung in die Vereinigten Staaten. Diese Motive bedürfen ebenso der Diskussion, um zu erkennen, welche Bevölkerungsteile hauptsächlich auswanderten. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einem Fazit.

In der Forschung wird vor allem der Aspekt „Ende der Sklaverei“ sehr kontrovers diskutiert. Dabei wird von der einen Seite die Position vertreten, die Sklaverei habe ein Ende gefunden aufgrund des Gedankenguts der Aufklärung, wohingegen die andere Seite ökonomische Argumente aufführt, warum gerade England den ersten Schritt in diese Richtung gemacht hat. Dieser Punkt wird im Verlauf der Arbeit noch mal aufgegriffen. Die allgemeine Thematik zur Entstehung der Weltwirtschaft und Geschichte der Globalisierung findet sich in vielen Bereichen wieder und wird auch in moderneren Werken aufgegriffen, wie beispielsweise im Begleitbuch zum Seminar von Osterhammel/Petersson. Dieses und auch ältere Werke versuchen in jeweils unterschiedlicher Weise für das Phänomen Globalisierung eine Erklärung zu finden, was im nun folgenden Kapitel dieser Arbeit ansatzweise ebenso versucht wird.

2. Grundlagen und Begriffe

Zunächst einmal bedarf es der Klärung, was unter dem Begriff Interaktion zu verstehen ist. Das Wahrig Fremdwörterlexikon definiert Interaktion als „ 1. Wechselwirkung, wechselseitige Beeinflussung von Individuen od. Gruppen 2. wechselweises Vorgehen“.[1] Osterhammel/Peterson betten diesen Interaktionsbegriff in einen Kontext zum Begriff Globalisierung, der hiernach auch noch erläutert wird. „Im Zusammenhang mit der Globalisierung und den Prozessen selbiger sprechen wir von beobachtbaren Interaktionen zwischen Individuen und Gruppen und nennen diese Netzwerke […]“[2]. Nach Auffassung der beiden Autoren verteilen sich Interaktionen ungleichmäßig über die Erde. Eine Verdichtung von Interaktionen bildet Interaktionsräume, die zum Teil auch durch die natürliche Umwelt vorgegeben sind.

Der Begriff der Globalisierung ist im Rahmen der ersten Definition bereits gefallen. Er wird in der heutigen Zeit mit großer Vorliebe und für zahlreiche Sachverhalte verwendet, obwohl nicht in jedem Zusammenhang deutlich wird, was er bedeutet. Es bestätigt sich zunehmend der Eindruck, dass mit Globalisierung die Ursache einer Vielzahl der Probleme unserer gegenwärtigen Gesellschaft zusammenhängen.[3] Richard Tilly definiert Globalisierung als „zunehmende internationale Integration von Güter-, Kapital- und Arbeitsmärkten, die unmittelbar verursacht wird durch die wachsende internationale Mobilität von Produkten und Produktionsfaktoren und zumindest mittelbar von dem technologischen Wandel und von Veränderungen in der staatlichen Wirtschaftspolitik getragen wird.[4] Bei der großen Vielfalt der unterschiedlichen Interpretationen des Begriffs Globalisierung wird ganz allgemein von einer zentralen Bedeutung der Kommunikationsbeschleunigung ausgegangen.[5] Ebenso geht es um wachsende globale wirtschaftliche Verflechtung.[6] Diese Definition geht stärker in Richtung Internationalisierung, wobei in dieser Arbeit angenommen wird, dass die allgemeine Richtung von Globalisierung und Internationalisierung quasi die Gleiche ist.[7] Damit einher geht dann auch eine Zunahme nationenübergreifender, kultureller und sozialer Beziehungen. Dieser Prozess wird von den Menschen vorangetrieben, seit sich die Meinung, von internationalem Handel gingen wohltätige Wirkungen aus, in den vergangenen Jahrzehnten durchgesetzt hat. Beispielsweise basierte das System des General Agreement on Tariffs and Trade (GATT), das nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde, auf dem Leitbild des freien internationalen Handels.[8] Durch Standardisierung und Normierung werden auch und vor allem heutzutage immer mehr Sachverhalte vereinheitlicht, die weltweit existieren. Ein Beispiel hierfür ist, dass ein Hamburger bei Mc Donald’s auf der ganzen Welt gleich aussieht. Hieraus wird schon ersichtlich, welche Rolle der atlantische Interaktionsraum in seiner Blütezeit gespielt haben mag. Die Zunahme von wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Beziehungen weltweit stellen die oben erläuterten Netzwerke dar, die sich vor allem durch ein bestimmtes Maß an Dauerhaftigkeit und institutioneller Untermauerung auszeichnen. Dieses Begriffsverständnis von Globalisierung gilt es im weiteren Verlauf zu überprüfen, ob seine Anwendbarkeit bei den einzelnen Faktoren besteht und damit eine Antwort auf die Frage, warum heute solch ein intensiver atlantischer Raum existiert.

3. Bestimmungsfaktoren des Interaktionsraumes Atlantik

Dieser Abschnitt dient der ausführlichen Erläuterung der Faktoren, die die Entwicklung des Interaktionsraumes Atlantik soweit voranbrachten, wie sie heute bekannt ist. Darunter sind die Eroberung Amerikas, der Dreieckshandel und die Auswanderung nach Amerika zu zählen. An die einzelnen Faktoren schließt sich eine Begründung dafür an, welchen Einfluss selbige auf die heutige Globalisierung haben.

3.1 Die Eroberung Amerikas

Zunächst bedarf es der Feststellung, wie es zur Expansion nach Übersee kam. Dafür finden sich einige Gründe, die sich vor allem auf politische und ökonomische Faktoren zurückführen lassen. Zu den politischen Faktoren gehört sicherlich das Vorstoßen der Osmanen, das zeitlich gesehen mit dem Fall Konstantinopels am besten einzuordnen ist; seitdem waren auch die Meerengen besetzt.[9] Da die Osmanen von Osten her vordrangen, bot sich für Europa keine Möglichkeit, eine größere Expansion in diese Richtung durchzuführen. Zu den ökonomischen Faktoren zählten eine erhöhte Produktion und Wirtschaftstätigkeit der Staaten sowie höhere Staatsausgaben, die hauptsächlich auf die Kriege zurückzuführen waren. Diese drängten Europa dazu, einem ständig wachsenden Goldbedarf nachzugehen. Alle an der Expansion nach Westen beteiligten Länder und Staaten erhofften sich von der Neuen Welt großen Reichtum und Profit, mit welchem sie diese Staatsausgaben decken konnten.[10] Seit 1419 hatte der westafrikanische Goldhandel durch die Sahara Portugal eine Vorreiterrolle eingeräumt, obwohl es strukturell gesehen kein großes Land war - mit nur höchstens einer Million Einwohnern.

Christopher Columbus, der als Genueser von der portugiesischen unter die kastilische Flagge gewechselt war (1485), sollte die Westroute nach Indien erkunden, was jedoch erst Vasco da Gama 1498 gelingen sollte.[11] Ziel dieser Route war die Suche nach einem kurzen Handelsweg, der nach Indien führen sollte und die damals nicht weit verbreitete Ansicht, die Erde habe die Form einer Kugel.

Ein weiterer Grund nach Westen aufzubrechen war, dass es auf dieser Route kaum Bedrohung durch Feindkontakt gab. Der Atlantik war nicht so stark „befahren“ und dadurch auch nicht so gefährlich, wie z.B. die östlichen Meere, auf welchen Araber, Chinesen und andere Seefahrer und auch Piraten zu finden waren.[12]

[...]


[1] Siehe WAHRIG: Fremdwörterlexikon, 1999, S. 409.

[2] Siehe Osterhammel, J./ Petersson, N., 2004, S. 20.

[3] Vgl. Pierenkemper, T., 1999, S. 3.

[4] Vgl. Tilly, R., 1999, S. 9.

[5] Vgl. Wobring, M., 2005, S. 13.

[6] Vgl. von Weizsäcker, C.C., 1999, S. 47.

[7] Vgl. Germann, H./ Raab, S./ Setzer, M., 1999, S. 2.

[8] Vgl. von Weizsäcker, C.C., 1999, S. 48f.

[9] Am 29. Mai 1453 gelang es Mehmed dem Eroberer unter großen Verlusten die Stadt einzunehmen.

[10] Vgl. Coornaert, E.L.J., 1967, S. 225.

[11] Vgl. Geis, I., 2000, S. 248f.

[12] Vgl. Osterhammel, J./ Petersson, N., 2004, S. 39.

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638436755
ISBN (Buch)
9783638843522
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46487
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Seminar für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Note
2,7
Schlagworte
Atlantik Interaktionsraum Entwicklung Entstehung Weltwirtschaft Internationalisierung Globalisierung Neuzeit

Autor

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