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YouTube. Von lustigen Clips zur Zukunft des Fernsehens

Hausarbeit 2018 25 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehung und Entwicklung der Plattform

3 Verbreitung und Nutzung

4 Rechtliche Aspekte und Kritik

5 Fazit und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„The most public place in the world, from the privacy from our own homes: YouTube has been used for many things: a political soapbox, a comedian's stage, a religious pulpit, a teacher's podium, or just a way to reach out to the next door neighbor or across the world. To people we love, to people we want to love, or people we don't even know.“ (1. Wesch, Michael 2008)

Die 2005 gegründete Online-Video-Plattform YouTube hat sich von einer Seite mit lustigen Amateur-Clips und verwackelten Privataufnahmen zum zentralen und dominanten Ort des Video- Konsums entwickelt, und bietet mittlerweile ein maximal breites Spektrum an Inhalten jeglicher Themen. Die 1,3 Milliarden Nutzer der Plattform schauen täglich insgesamt eine Milliarde Stunden Videoinhalte und laden täglich rund 600.000 Stunden Videomaterial auf die Seite hoch. (2. Oreskovic, Alexei 2012, 3. Hamedy, Saba 2017) Darunter eine unüberschaubare Menge professionell produzierter Inhalte, wie sie die durchschnittliche Qualität der Fernsehinhalte übertreffen, aber auch gänzlich neue Formen von Genres, Journalismus und Unterhaltung. Für immer mehr, vor allem junge Menschen hat YouTube damit das Fernsehen für den Konsum von Videoinhalten ersetzt. Durch eine Vielzahl an Funktionen und Innovationen ist YouTube als digitale, offene Internet-Plattform wahrscheinlich jedem anderen Medium für Videoinhalte überlegen. YouTube ist nicht nur ein nicht mehr wegzudenkender Teil im Leben vieler Menschen geworden, die die Kultur der Plattform und ihre Stars feiern und lieben, sondern viele YouTuber und auch Kanäle mit professionellen Produktions-Teams finanzieren sich auch über die Plattform ihren Lebensunterhalt.

Mit dieser Arbeit soll untersucht werden wie es dazu kam. Was waren die Meilensteine in der Entwicklung von YouTube? In wie fern versuchte YouTube aktiv das Fernsehen zu verdrängen und zu ersetzen? In dem Abschnitt „Entstehung und Entwicklung der Plattform“ werden zunächst grundlegende Begriffe und Entwicklungen erklärt, sowie die Geschichte von YouTube als Unternehmen und Plattform betrachtet. Im Abschnitt „Verbreitung und Nutzung“ wird dann untersucht, wie Menschen YouTube verwenden und welche neuen Nutzungsbereiche über die Zeit entstanden sind. Im Abschnitt „Rechtliche Aspekte und Kritik“ werden einige Kontroversen rund um YouTube sowie kritische Aspekte beleuchtet. Und im Abschnitt „Fazit und Ausblick“ wird schließlich gezeigt, in wiefern YouTube zukünftig das Fernsehen vollständig ersetzen könnte.

2 Entstehung und Entwicklung der Plattform

Eine technische Grundlage von YouTube ist das Streamen von Videos. Das Streaming von Medieninhalten bezeichnet im engeren Sinne die gleichzeitige Übertragung und Wiedergabe von Video- und/oder Audiodaten über ein Netzwerk von einem Anbieter zum Endnutzer. Gestreamte Inhalte werden als Livestream oder kurz Stream bezeichnet. Sie können vom Endnutzer wiedergegeben werden noch bevor die Dateien vollständig übertragen wurden. Der Vorteil des Streamings gegenüber dem Download liegt somit darin, dass die Mediendateien früher wiedergegeben werden können und nicht dauerhaft gespeichert werden.

Schon Radio und Fernsehen können als Streaming angesehen werden, denn die Sendungen und Programme werden in Echtzeit der Ausstrahlung vom Empfangsgerät wiedergegeben. Heute bezieht sich Streaming in engeren Sinne jedoch auf eine Übertragung von digitalen Video- oder Audioinhalten über das Internet. Diese Übertragung zeichnet sich durch eine Punkt-zu-Punkt- Verbindung zwischen dem Medienserver des Senders und dem Rechner des Benutzers aus, entspricht also nicht dem Prinzip des Rundfunks. Das Streaming von Videoinhalten über ein IP- Netzwerk wurde seit Anfang der 1990er Jahre auch als Video-On-Demand bezeichnet. Beim Video-On-Demand kann der Nutzer im Gegensatz zum Fernsehen und Radio selbst den Start der Übertragung und Wiedergabe eines Medieninhaltes bestimmen. Abgesehen von Live- Übertragungen ist dies heute bei Internet-Streaming-Anbietern immer der Fall. Populäre Streaming-Anbieter sind heute YouTube, Twitch, Vimeo und Mixer im Bereich der Videoplattformen, Netflix und Amazon Prime Instant Video im Bereich des Streamings von Filmen und Fernsehsendungen, und Spotify und Apple Music im Bereich Musik-Streaming.

Bevor sich diese Anbieter entwickeln konnten mussten jedoch erst die technischen Grundlagen entstehen. So wurden erst in den späten 1980ern und durch die 1990er Jahre die PCs für den privaten Gebrauch leistungsfähig genug um diverse Medieninhalte darzustellen. Die größten technischen Hürden waren die Datenübertragungsraten der Internetverbindung und die Prozessor-Leistung zur Unterstützung der erforderlichen Datenraten sowie zur Vermeidung des sogenannten Buffer-Underrun, damit die gestreamten Inhalte ohne Unterbrechung wieder- gegeben werden konnten. So wurden aufgrund der technischen Begrenzungen Mitte der 1990er die meisten Audio- und Videoinhalte nicht per Streaming übertragen. Für die unterbrechungsfreie Wiedergabe ohne langes Vorladen eines Videos in SD-Qualität (480p) wird beispielsweise eine Übertragungsgeschwindigkeit von 2 Mbit/s empfohlen, für HD-Video 5 Mbit/s. Um die Jahrtausendwende nahm die Zahl der Internetnutzer deutlich zu, und immer mehr Nutzer hatten auch Zugang zu solchen, höheren Übertragungsgeschwindigkeiten. Mit der Durchsetzung des Word Wide Web und der standardisierten Protokolle zur Übertragung und Bereitstellung von Daten und Inhalten, wie TCP/IP, HTTP und HTML, wurde das Internet letztendlich auch immer mehr kommerzialisiert. Etablierte Unternehmen entdeckten das Web mit seinen zahlreichen Möglichkeiten der Unternehmenspräsentation und Start-ups begannen, gestützt durch massive Investitionen an Risikokapital, mit der Entwicklung neuer Nutzungskonzepte.

Das erste kommerzielle Streaming-Produkt erschien bereits 1992 unter dem Namen StarWorks. (4. ResearchGate 1993) StarWorks ermöglichte On-Demand-Streaming von Videos im Format MPEG-1 über Ethernet-Netzwerke von Unternehmen. Microsoft entwickelte 1995 den Media-Player ActiveMovie, der Streaming über ein eigenes Format ermöglichte. 1999 stelle Apple ein Streaming-Format für seine Anwendung QuickTime vor. Dieses gewann später zusammen mit RealPlayer und Windows Media Streaming-Formaten weite Verbreitung. Die verschiedenen im Wettbewerb stehenden Formate auf Webseiten machten es für die Nutzer erforderlich, mehrere Anwendungen zu installieren, damit eine allgemeine Kompatibilität zu allen Inhalten in Web erreicht wurde. Um das Jahr 2002 hatte Adobe Flash, eine Multimedia-Software-Plattform, weite Verbreitung gefunden. Da es einen großen Bedarf nach einem einheitlichem Video-Streaming- Format gab, wurde Flash um solch eine Möglichkeit erweitert. Flash Video wurde später zum de facto Standart für Web-basiertes Video-Streaming. Damit war die Grundlage für YouTube geschaffen.

Am 15. Februar 2005 wurde YouTube in Kalifornien von Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim gegründet, welche zuvor alle beim Online-Bezahldienst PayPal gearbeitet hatten. Finanziert wurde YouTube durch Risikokapital, hauptsächlich aus einer 11,5 Millionen Dollar Investition von Sequoia Capital. (5. Helft, Miguel; Richtel, Matt 2006) Die Idee war ein Videoportal bzw. eine Videoplattform zu schaffen auf der jeder Benutzer kostenlos Videoclips ansehen, bewerten, kommentieren und selbst hochladen kann. Für die Webseite wurde als Webserver Apache verwendet, ein quelloffenes und freies HTTP-Server-Produkt. Zur Speicherung der Videos kam ursprünglich Flash bzw. das Flash-Container-Format zum Einsatz, da es weit verbreitet war und aufgrund der effizienten Komprimierung mit dem H.263-Codec und später dem H.264- Codec eine schnelle Übertragung der Videos ermöglicht. Die von YouTube genutzte Form des Streamings fällt unter das On-Demand-Streaming. Dieses nutzt sogenanntes progressives Streaming or progressives Downloaden. Dabei werden Teile bzw. Pakete des Medieninhaltes auf dem Festspeicher des Wiedergabegerätes zwischengespeichert, bevor sie wiedergegeben werden. Damit ist Vor- und Zurückspulen sowie Pausieren möglich. Beim „echten Streaming“ würde hingegen nichts zwischengespeichert werden, so wie es beim nicht-digitalen Radio und Fernsehen der Fall ist. Um unterschiedliche Ladezeiten der Datenpakete auszugleichen und damit verbundene Unterbrechungen zu verhindern, wird ein Puffer verwendet, die Wiedergabe erfolgt also leicht verzögert, nach dem Download der ersten Pakete. Reicht der Puffer nicht aus, wird er dynamisch vergrößert. YouTube erkennt also die Geschwindigkeit der Internetverbindung eines Nutzers, und passt dementsprechend auch die Qualität des Videos an. Dazu wird jedes hochgeladene Video in alle jeweils niedrigeren Auflösungen (240p, 360p, 480p, 640p, 720p 1080p, 1440p, 4K) umgewandelt und gespeichert, damit auch während des Streamings des Videos auf eine bessere Auflösung gewechselt werden kann, wenn die Internetverbindung es zulässt. Durch diese flexiblen Datenraten beginnt die Wiedergabe der Videos auf YouTube früher, auch wenn die Verbindung (temporär) langsam ist.

Bereits ein Jahr nach der Gründung, wurde YouTube am 9. Oktober 2006 von Google für 1,65 Milliarden Dollar (in Aktien) aufgekauft. Die damaligen 67 Mitarbeiter, darunter auch die Gründer Chad Hurley und Steve Chen, führten die Geschäfte vorerst unabhängig weiter. (6. Google 2006)

Als Apple 2007 das erste iPhone vorstellte, und damit eine neue Ära des mobile computing einleutete, verzichteten sie bewusst auf die Unterstützung von Flash-Inhalten, da Flash zu leistungshungrig für das kleine Gerät war, und zu viel Akku verbrauchte. (7. Valentino-DeVries, Jennifer 2010; 8. Arthur, Charles 2010) Da es noch keinen App Store gab um Dritt-Anbieter Anwendung auf dem Smartphone zu installieren, entstand 2007 aus einer Kooperation zwischen Apple und Google eine YouTube App für das iPhone, welche als erste mobile Anwendung die Videos von YouTube im damals neuen H.264 Codec anzeigte. (9. Rothman, Wilson 2007) YouTube hatte zuvor begonnen, alle Videos ebenfalls im neuen MPEG-4-Container-Format mit dem H.264 Codec zu speichern, welches keine Flash-Unterstützung mehr erfordert. So wurde Flash, welches ein Plugin bei der Software des Wiedergabegeräts erfordert, immer mehr zu Gunsten von HTML5 zurückgedrängt, welches Video-Streaming bereits integriert hat. Seit 2010 sind ein Großteil, und seit 2015 alle YouTube-Videos im HTML5-Format verfügbar, können also mit Browser-Bordmitteln ohne ein Plugin angesehen werden. Der Flash-Player wird von Adobe hingegen 2020 eingestellt. (10. Adobe Corporate Communications 2017)

YouTube führte 2007 einen jährlichen Wettbewerb zur Förderung der Talente und Kreativen auf der Plattform ein, die mittlerweile zum kulturellen Phänomen geworden war. Die besten der für den „Secret Talents Award“ eingesendeten Videos wurden von einer prominenten Juri nominiert, und dann von der YouTube-Community bewertet. Den Gewinnern wurden Förderungs- budgets und professionelle Unterstützung für ihren YouTube-Kanal als Preise geboten. Der letzte dieser Wettbewerbe fand 2011 statt.

2008 erhielt YouTube den Medienpreis Peabody Award, da es eine „Speakers' Corner“ sei, die Demokratie verkörpert und fördert. (11. Holston, Noel W. 2008)

Im März 2010 begann YouTube Sportereignisse kostenlos auf der Plattform zu streamen. Darunter beispielsweise 60 Cricket Spiele der indischen Premier League. (12. Sweney, Mark 2010) Dies war laut YouTube die erste weltweite, kostenlose Online-Übertragung eines großen Sportereignisses.

Nachdem die maximale Auflösung für unterstütze Videos 2008 erst auf 720p und ein Jahr später auf 1080p angehoben wurde, werden seit 2010 nun auch Videos in 4K Auflösung unterstützt, was 2160p oder 3840p entspricht. Damit unterstütze YouTube 4K Auflösungen lange bevor 4K-Aufnahme- und 4K-Abspielgeräte auch nur geringe Verbreitung im privaten Bereich fanden. Gleiches gilt heute für Videos mit 8K Auflösung, denn seit 2015 wird ebenfalls eine 8K Auflösung, also maximal 7680 × 4320 Pixel, unterstützt. Seit März 2015 unterstützt YouTube auch 360° Videos, sowie VR-Brillen bzw. VR-Headsets.

Bis 2010 konnte man als Nutzer von YouTube Videos mit einem bis fünf Sterne bewerten. Am 3. April bekam die Plattform ein neues, einfacheres Design, bei welchem unter anderem die Bewertungsmöglichkeit auf „Gefällt mir“- und „Gefällt mir nicht“-Buttons reduziert wurde. Begründung für diese Entscheidung war, dass Nutzer zuvor größtenteils nur Bewertungen von einem oder fünf Sterne abgegeben haben. Die Diskussionen um eine solche Bewertungs- möglichkeit ist erst jüngst erneut aufgekommen, als Netflix, ein Video-Streaming-Anbieter von Filmen und Serien, 2017 seine Bewertungsfunktion ebenfalls von einem 5-Stern-System auf „Daumen hoch“ und „Daumen runter“ umstellte. (13. Goode, Lauren 2017) Netflixs Vizepräsident Todd Yellin sagte bei einem Pressetreffen, dass sich die Anzahl der abgegebenen Bewertungen mit der neuen Bewertungsfunktion verdreifacht hat. Dies erscheint plausibel, da viele Nutzer bei einem 5-Sterne-System lieber keine Bewertung abgeben, als sich darüber Gedanken zu machen, welche Anzahl der Sterne ihrem persönlichem Empfinden entspricht. So gibt es natürlich Nutzer, welche ihre Stern-Bewertung sorgfältig abwägen, und die es wertschätzten ihr Gefallen an einem Film oder Video feingradiger abzubilden, jedoch war die häufigste abgegebene Bewertung bei YouTube fünf Sterne, die zweit-häufigste ein Stern. Zwei-, drei- und vier-Stern-Bewertungen wurden nur sehr selten abgegeben. Für eine persönlich gepflegte Sammlung kann ein 5-Stern- System sinnvoll sein. Für eine Plattform, die aus den Bewertungen aller Nutzer einen Durchschnittswert berechnet, hingegen weniger. So ist hat beispielsweise eine drei-Sterne Bewertung für viele Nutzer unterschiedliche Bedeutungen. YouTube entschied sich also nicht für die Funktionalität die dem entsprach, wie sich die Nutzer verhalten sollten, sondern wie sich sich tatsächlich verhalten haben.

Im April 2011 fand ein Softwareentwickler von YouTube heraus, dass damals 30% der Videos auf der Plattform für 99% der Videoaufrufe verantwortlich waren. (14. Whitelaw, Ben 2011) Das bedeutet, dass 70% der Videos die zu YouTube hochgeladen werden zwar mit Kosten von mehreren Millionen Dollar aufwendig umgewandelt und gespeichert werden, aber für YouTube praktisch keine Einnahmen generieren. Denn Einahmen generiert YouTube hauptsächlich durch Werbung, welche in Form von Werbespots vor oder in einem Video zwischengeschaltet werden.

Im Dezember 2011 führte YouTube die erste große Umgestaltung des Design der Webseite durch. Die Kanäle, die jeweils alle Videos eines einzelnen Nutzers enthalten, wurden dabei deutlich in den Fokus gerückt. (15. BBC News 2012) Der Feed, also die chronologische Sammlung aller neuen Videos aus von einem Nutzer abonnierten Kanälen, wurde nun zentral auf der persönlichen Startseite von YouTube angezeigt. Auch die Kanalseiten, auf denen sich alle Videos eines Nutzer finden, wurden bis zum März 2012 auf ein neues, einheitliches Design umgestellt. 2011 wurde es auch zum ersten Mal möglich, einen Live-Stream auf YouTube zu veröffentlichen.

Im August 2012 startete YouTube Movies in Deutschland, nachdem es bereits zwei Jahre zuvor in den USA, Kanada und UK gestartet war. (16. Helft, Miguel 2010) Dieser separate Teil der Plattform ist ein Filmverleih, bei dem professionelle Kinofilme und Dokumentationen gegen Bezahlung gestreamt werden können. Viele ältere Kinofilme wurden bereits seit 2009 kostenlos angeboten. Zum Start des kostenpflichtigen Filmverleihs im Januar 2010 bot YouTube fünf Filme an, die ebenfalls zu dieser Zeit auf dem Sundance Film Festival vorgestellt wurden. Damit wollte YouTube beginnen eine enge Beziehung mit der unabhängigen Filmgemeinschaft aufzubauen. Die Plattform sollte dabei eine Schnittstelle sein, durch die Filmemacher mit ihrem Publikum in Verbindung treten können, sagte Sara Pollack, entertainment market manager bei YouTube. (16. Helft, Miguel 2010) Da nur ein kleiner Teil der auf dem Filmfestival gezeigten Filme kommerzielle Verbreitung findet, sollte YouTube für diese Filme eine neue Absatzmöglichkeit darstellen. Im Jahr 2011 handelte YouTube Deals mit den großen Filmstudios Sony Pictures, Universal und Warner Brothers aus, um auch deren Filme auf der eigenen Plattform zum Ausleihen verfügbar zu machen. (17. Tsotsis, Alexia 2011) Damit stieg die Zahl der bis dahin angebotenen Filme um weitere 3.000 auf insgesamt 6.000.

Im September veröffentlichte YouTube seine erste eigene mobile App für iOS im App Store, nachdem die veraltete YouTube-App von Apple zukünftig nicht mehr in neueren Versionen von iOS enthalten sein sollte. (18. Dredge, Stuart 2012) Eine Android App von YouTube erschien bereits zwei Jahre zuvor im damaligen Android Market.

Im Dezember 2012 wurde das Design der Webseite wieder komplett überarbeitet. (19. Lawler, Ryan 2012) Diesmal gab man der Plattform ein schlichtes Äußeres, welches den Inhalt in den Vordergrund stellte, und alle Menüs und Funktionen in minimalistischem Design darum herum anordnete. Nachdem schon 2011 Googles eigenes Soziales Netzwerk Google+ direkt in YouTube integriert wurde, implementierte Google im November 2013 ein neues Kommentar- system in YouTube, das sich an Google+ orientierte. Voraussetzung zur Nutzung der Kommentar- funktion war nun, dass der eigene Account ebenfalls ein Google+ Account war, was sich mit einem Klick automatisch einrichten ließ. Mit der neuen Kommentarfunktion war es nun Nutzern möglich den Kommentarbereich ihrer Videos besser zu moderieren und Kommentare zu blockieren. Die Kommentare auf YouTube hatten zuvor über die Jahre den Ruf erlangt, von besonders schlechter inhaltlicher Qualität und schlechtem Umgangston zu sein. (20. Matthew, Moore 2008; 21. Rundle, Michael 2012; 22. Dredge, Stuart 2013)

Im Mai 2013 begann YouTube mit einem Pilotprojekt manchen Kanalbesitzern die Möglichkeit zu geben, ihre Inhalte bezahlungspflichtig zu machen. So könnten Nutzer ausgewählte Kanäle nach einer 14-tägigen Gratisphase für 0,99 bis 6,99 Dollar pro Monat abonnieren. YouTube gab bekannt, dass damit die Macher der Inhalte die Möglichkeit haben sollen mit ihrer Kreativität Geld zu verdienen. (23. BBC News 2013)

Im Februar 2015 veröffentlichte YouTube eine zweite mobile App, YouTube Kids, welche mit einer vereinfachten Benutzerführung und reduzierter Funktionalität für Kinder optimiert ist. Die App bietet außerdem speziell für Kinder zusammengestellte Kanal-Sammlungen und verschiedene Einstellungsmöglichkeiten für Eltern um die Nutzung zu beschränken.

2015 startete auch YouTube Gaming, ein neuer Teil der Plattform, spezialisiert auf Video- Spiele. Damit soll es unter anderem leichter sein, passende Kanäle und Videos für jedes Spiel zu finden. YouTube trat damit in Konkurrenz zu Twitch, einem ähnlichen Dienst der von Amazon im Jahr zuvor für eine Milliarde Dollar gekauft, nachdem YouTube vergeblich versuchte Twitch zu kaufen. Die zehn populärsten YouTube-Kanäle aus dem Bereich Gaming generierten 2015 über 2,2 Milliarden Videoaufrufe pro Monat. (24. Dredge, Stuart 2015) Mit YouTube Gaming war es nun auch möglich den Bildschirminhalt eines Spieler live über die Plattform zu streamen. Twitch hingegen hatte mit den Herstellern von Spielekonsolen zusammengearbeitet und bot Livestreaming direkt von diesen Konsolen aus an, wo hingegen YouTube Gaming nur das Gaming im PC-Bereich umfasste.

2015 startete ebenfalls vorerst nur in den USA YouTube Red, eine kostenpflichtig abonnierbare Premiumversion von YouTube, welche alle Werbung deaktiviert, neue Features bereitstellt und exklusive Inhalte bietet. (25. Reader, Ruth 2015) So kann man beispielsweise Videos offline auf seinem Gerät speichern, oder bei Android-Smartphones auch Videos im Hintergrund oder als Bild-in-Bild abspielen. Außerdem hat man mit YouTube Red Zugriff auf Googles Musik-Streaming-Dienst Play Music. Über die Hälfte der verlangten 9,99 Dollar pro Monat sollen dabei an die YouTuber und Produzenten der Premiuminhalte gehen. Später wurde auch das Angebot on YouTube Red durch professionell von YouTube produzierte Serien und Filmen erweitert, Red Originals genannt. Damit trat YouTube in direkte Konkurrenz zur populären Streaming-Plattform Netflix, welche ebenfalls selbst Serien und Filme produziert. Parallel zu YouTube Red wurde auch eine neue App und Plattform, YouTube Music, veröffentlicht, deren Werbe-freie Nutzung Teil eines YouTube Red Abos ist. YouTube Music bietet Zugriff auf verschiedene Musik-Kataloge von YouTube, Möglichkeiten neue Musik zu entdecken, persönliche „Radio-Stationen“ und Empfehlungen. Vom populären Musik-Streaming-Anbieter Spotify will sich YouTube Music durch Remixe und Videos von Live-Auftritten absetzen, sowie durch die Integration von Musikvideos in ihre Musik-Streaming-Plattform.

Im September 2016 wurde YouTube Go veröffentlicht. Diese besondere Version der mobilen App ist darauf ausgelegt den Datenverbrauch beim Nutzen des Mobilfunknetzes zu minimieren. Die App ist überwiegend in Schwellenländern bzw. Entwicklungsländern verfügbar und soll es ärmeren Menschen mit ausschließlich mobilen Internetzugang ermöglichen YouTube zu nutzen, ohne mehr Geld für mobile Daten ausgeben zu müssen.

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Details

Seiten
25
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668929890
ISBN (Buch)
9783668929906
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v464392
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,0
Schlagworte
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Titel: YouTube. Von lustigen Clips zur Zukunft des Fernsehens