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Die außenpolitischen Faktoren im Vorfeld der Islamischen Revolution im Iran

Hausarbeit 2017 20 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Islamwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung
1.1. 1953 - Operation Ajax
1.2. 1963 - Ayatollah Chomeini: Die Jahre vor dem Exil

2. Die iranische Außenpolitik 1963 -1979
2.1. UdSSR
2.2. USA
2.3. Arabische Nachbarstaaten
2.3.1. Irak
2.3.2. Ägypten
2.4. Israel

3. Der Einfluss der Exilopposition
3.1. Die säkularen Kräfte
3.2. Die religiöse Opposition
3.3. Ayatollah Rohollah Khomeini

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Weblinks

1. Einführung

Die Islamische Revolution vom Januar und Februar 1979 bezeichnet nicht nur das Ende der Regierung der Pahlevi-Dynastie, welche von 1921 bis 1979 im Iran herrschte. Sie stellte ebenfalls das Ende einer politischen Entwicklung dar, welche ihre Ursprünge bereits viele Jahre zuvor hatte. Sicherlich gibt es viele Aspekte, die zum Ende der Herrschaft des letzten iranischen Shahs, Mohammed Reza Pahlevi, beigetragen haben. Da die Ereignisse der Jahre 1953 und 1963 als wesentliche Wendepunkte der iranischen Geschichte in Hinsicht auf das Ende der Pahlevi-Regierung betrachtet werden, werden diese vorbereitend kurz angesprochen.1 Die Autorin wird in dieser Arbeit primär die außenpolitischen Faktoren beleuchten, welche im Zeitraum zwischen 1960 und 1979 die weitere Entwicklung beeinflusst haben. Dabei werden insbesondere zwei Aspekte analysiert: der Einfluss außenpolitischer Faktoren zwischen dem Iran und einzelnen Staaten einerseits, und auf der anderen Seite die Rolle der oftmals aus dem Ausland agierenden politischen und religiösen Opposition selbst. Im Abschluss wird analysiert, welche Faktoren bei der Umsetzung der Revolution die stärkste Rolle gespielt haben.

1.1. 1953 - Operation Ajax

Am 29.04.1951 wurde Mohammad Mossadeq zum iranischen Premierminister berufen. Nur einen Tag nach seiner Ernennung verabschiedete das iranische Parlament ein Gesetz, durch welches die iranische Ölindustrie – bis zu diesem Zeitpunkt fest in britischer Hand – verstaatlicht wurde. Die ursprüngliche positive Stimmung innerhalb der USA gegenüber Mossadeq änderte sich jedoch kurz nachdem der amerikanische demokratische Präsident Harry S. Truman von seinem republikanischen Nachfolger Dwight D. Eisenhower abgelöst wurde. Eisenhower – in Kooperation mit Großbritannien, welche die größten Einbußen durch die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie zu verzeichnen hatten – nahm in der amerikanischen Außenpolitik einen harten antikommunistischen Kurs ein.2 Da dem amerikanischen Geheimdienst erfolgreich das Bild vermittelt worden war, der Iran sei kurz vor einer kommunistischen Machtübernahme, entschieden sich die USA zur Durchführung einer verdeckten CIA-Operation namens TPAJAX, welche zum Ziel hatte, die Mossadeq-Regierung zu stürzen und die Verstaatlichung der Ölindustrie rückgängig zu machen.3 Im Zuge der Operation, welche am 19.08.1953 ihren Höhepunkt fand, wurde Mossadeq zum Rücktritt gezwungen. Drei Tage später kehrte der Shah, welcher sich für einige Tage nach Bagdad zurückgezogen hatte und dessen Einfluss Mossadeq stetig zu beschränken versucht hatte, in den Iran zurück und übernahm erneut die Regierung. Eines der Resultate des Putsches war u.a. ein Konsortialvertrag zwischen dem Iran, den USA und Großbritannien, welcher 50% der Einnahmen durch die iranische Ölförderung an 17 ausländische Firmen abtrat, in der Mehrheit amerikanische und europäische Firmen.4 Ebenfalls wurde in den kommenden Monaten eine große Anzahl an Diplomaten in den iranischen Botschaftern weltweit ausgetauscht; so spricht Ahmad Mahrad von einer regelrechten „Säuberungswelle“.5 Ab diesem Zeitpunkt und bis zur Islamischen Revolution sollte sich in der Bevölkerung der Eindruck erhärten, dass die Politik des Irans durch das westliche Ausland bestimmt wurde – nicht durch die eigene Regierung.6

1.2. 1963 - Ayatollah Chomeini: Die Jahre vor dem Exil

Die Verhaftung Rohollah Khomeinis am 05.06.1963 stellt einen weiteren kritischen Wendepunkt der politischen Lage im Iran dar. Nur wenige Jahre zuvor war Khomeini eine noch völlig unbekannte Person gewesen. Während der 1950er Jahre pflegte er aufgrund eines Lehrverbotes und seiner vorübergehenden politischen Isolation nur wenige dokumentierte Beziehungen. Erst zu Beginn der 1960er Jahre trat er wieder aktiv auf, nachdem sich die Beziehung zwischen dem Shah und den Mullahs durch die säkular ausgerichteten Reformbestrebungen beginnend 1960 merklich verschlechtert hatte.7 Er besaß zu dieser Zeit Verbindungen zu einflussreichen Personen, zu denen u.a. Mortaza Mottahari, Hosein Ali Montazari, Mohammed Dschawad Bahonar, Sheihk Ali Teherani, Sheikh Sadegh Khalkhali und Mohammad Beheshti zählten.8 Ebenfalls nutzte er sein Vermögen in der Zeit bis 1963, um ca. 1.500 Schüler auszubilden.9 Seine Gefolgschaft bildete in den kommenden Jahren das Netzwerk, durch welches er die Bestrebungen zu einer islamisch geprägten Revolution vorantrieb.

Als die 1960 eingeleitete Landreform den Besitz und den Einfluss der Geistlichkeit beschnitten, die in der Mehrheit ebenfalls Grundbesitzer waren, verschärfte sich der Konflikt. Bereits zu diesem Zeitpunkt organisierten die Anhänger Khomeinis politische Diskussionsreihen zu einer möglichen Machtübernahme durch die Geistlichkeit.10 In den zwei folgenden Jahren wuchs Khomeinis Einfluss und Anerkennung innerhalb seiner Gefolgschaft. Nach der „Weißen Revolution“ begann er, sich öffentlich gegen den Shah zu positionieren, und dessen Politik in Reden und Flugblättern scharf als unislamisch zu kritisieren.11 Ab 1963 rief er offen zum Widerstand gegen den Shah auf. In den Folgemonaten kam es immer wieder zu Unruhen, welche ihren Beginn am 22. März nahmen und ihren Höhepunkt in der Verhaftung Khomeinis am 05.06.1963 während des Ashura-Festes fanden, nachdem Massendemonstrationen gegen die Regierung in gewalttätige Unruhen eskaliert waren und mit Gewalt durch die Polizei und das Militär niedergeschlagen wurden.12 Durch diese Ereignisse stieg die Bewunderung und Unterstützung für Khomeini sprunghaft an, da die brutale Niederschlagung der Proteste und die Verhaftung mehrerer hoher Geistlicher als Bestätigung von Khomeinis Kritik aufgefasst wurde.13

2. Die iranische Außenpolitik 1963 - 1979

Auch wenn die TPAJAX die bedeutendste ausländische Einmischung in die iranische Innenpolitik zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Iranischen Revolution bleiben sollte, so übten auch andere internationale Ereignisse einen Einfluss auf die letzten Jahre vor der Revolution aus. Im Folgenden beleuchtet die Autorin einige der wichtigsten Verbindungen zwischen dem Iran und anderen Nationen zwischen 1963 und 1979 und deren Einfluss auf die kommenden Ereignisse. In einigen Bereichen werden jedoch zur besseren Darstellung der historischen Entwicklung auch weiter zurückliegende Ereignisse thematisiert.

2.1. UdSSR

Entgegen der amerikanischen Befürchtungen, der Iran sei kurz vor einer kommunistischen Machtübernahme, bleib der Einfluss der Sowjetunion in der Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Islamischen Revolution beschränkt. Die kommunistische Tudeh-Partei war zwar 1941 durch russische Finanzierung und politische Unterstützung aus der Jahrzehnte zuvor verbotenen Kommunistischen Partei des Irans hervorgegangen14, ging aber nach ihrem Verbot 1949 zu bedeutenden Teilen in der Nationalen Front und kleineren radikaleren Gruppierungen auf und operierte teils aus dem Untergrund. Auf sie wird im Abschnitt „Die säkularen Kräfte“ genauer eingegangen.

Durch die Grenzstreitigkeiten zwischen der Sowjetunion und dem Iran nach dem Zweiten Weltkrieg entspannte sich die Lage zwischen den beiden Staaten erst 1954 durch ein Abkommen, welches den Streit beilegte. Ab diesem Zeitpunkt nahmen die beiden Staaten wieder Handelsbeziehungen auf.15 Ein 1963 unterzeichnetes wirtschaftliches Abkommen zwischen der Sowjetunion und dem Iran führte in den Folgejahren zu mehreren Projekten, u.a. Kreditverträge, der Bau eines Wasserkraftwerks, der Bau von Industrieanlagen zur Stahlverarbeitung, Gaspipelines und ein gemeinsames Luftfahrtabkommen.16

Bis zur Islamischen Revolution gibt es jedoch keine Hinweise, dass die Sowjetunion im größeren Rahmen die iranische Innenpolitik beeinflusst hat.

2.2. USA

Mit einem erneuten Wechsel der amerikanischen Regierung änderte sich auch der Schwerpunkt der amerikanischen Außenpolitik der USA gegenüber dem Iran. Der Demokrat John F. Kennedy löste am 20.01.1961 seinen republikanischen Vorgänger Dwight D. Eisenhower ab. Kennedy reduzierte nicht nur die Anzahl verdeckter Operationen im Iran, sondern initiierte ebenfalls Förderprogramme für Kultur und Bildung.17 Aufgrund der zunehmenden nationalistischen Bewegungen in den arabischen Ländern befürchteten die USA, dass sich ebenfalls im Iran eine antimonarchistische Bewegung bilden könne. Um dieser vorzubeugen, ermutigten die USA Shah Pahlevi, Reformprogramme einzuleiten, welche die generelle Lage der Bevölkerung verbessern und die Position der Regierung stabilisieren solle. Somit beeinflussten die USA die kommenden Landreformen, die Gesetzesnovellen zum Frauenwahlrecht und zum Schutz der Familie und Agrarreformen. Das Reformpaket des Shahs, welches auch als „Weiße Revolution“ bekannt wurde, sollte, scheiterte jedoch in der Umsetzung, da die Landreformen von vielen Großgrundbesitzer, zu denen auch viele Mullahs gehörten, durch verschiedene Maßnahmen umgangen wurden.18 Ebenfalls verloren in den Folgejahren viele kleinere Agrarwirte, die von den Reformen ursprünglich profitiert hatten, ihre Lebensgrundlage im Zuge der massiven Lebensmittelimporte der Regierung aus den USA. Darüberhinaus erregte der starke westliche Tenor der Reformen und insbesondere das Frauenwahlrecht den Unmut der Geistlichkeit und insbesondere Ayatollah Rohollah Khomeinis, der beginnend 1963 begann, öffentlich den Shah zu kritisieren.19

Ein weiterer Bestandteil der amerikanischen Förderprojekte waren Bildungsprogramme, welche der wachsenden iranischen Mittelschicht zu einer verbesserten Bildung verhalfen und eine neue intellektuelle Elite förderte. Viele iranische Intellektuelle und Theologen erhielten ihre Ausbildung im westlichen Ausland. Dieses Projekt fungierte als Teil einer Strategie, welche den Zweck verfolgte, einen gemäßigten, liberal getönten schiitischen Islam als Bollwerk gegen den kommunistischen Einfluss aufzubauen, wie er teilweise immer noch durch den Revolutionsexport der Sowjetunion befürchtet wurde, aber auch in den nationalistischen Bewegungen der arabischen Nachbarstaaten bereits zu erkennen war.20

Im Zuge der 1970er Jahre erlangte der Iran beträchtliche finanzielle Mittel durch den Ölexport, vor allem seitens der Konsortialverträge mit den USA. Ab 1972 erwarb die iranische Regierung ebenfalls durch die USA zunehmend modernes militärisches Gerät. Darüber hinaus wurde in großer Zahl amerikanisches militärisches und ziviles Personal im Iran stationiert, welches offiziell als Berater stationiert war. Die angegebenen Zahlen schwanken; jedoch soll die Zahl von ca. 16.000 Personen im Jahr 1972 auf 24.000 im Jahr 1976 angestiegen sein.21 Im Zuge dieser Aufrüstung gestand der US-Senat dem Iran ebenfalls Interventionsrechte in den arabischen Nachbarstaaten aufgrund seiner neu erworbenen militärischen Stärke und angenommenen innenpolitischen Stabilität zu.22

Ab diesem Zeitpunkt setzte sich der Iran immer häufiger militärisch in den benachbarten Regionen ein; häufig nicht nur im eigenen, sondern auch im US-amerikanischen Interesse. Zu den militärischen Einsätzen gehörten u.a. Interventionen am Horn von Afrika und im Oman; ebenfalls wurden rebellierende irakische Kurden unterstützt.23 Logistische Unterstützungsleistungen an Israel werden in einem eigenen Kapitel angesprochen.

Mit dem Erstarken der oppositionellen Kräfte ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre wechselten die USA ihren außenpolitischen Kurs. Wurde unter Präsident Jimmy Carter bei seinem Amtsantritt 1976 noch versucht, die Monarchie gegen die wachsenden Widerstände zu unterstützen, änderte sich die Linie während der nächsten Jahre. Die USA fuhren zunehmend einen zweigleisigen Kurs um sich abzusichern und unterstützten sowohl den Shah, indem sie ihn zu Reformen drängten, nahmen jedoch ebenfalls Kontakte zur Opposition auf, die sich unter Ayatollah Khomeini formiert hatte.24 Die Lager innerhalb der Regierung waren gespalten: während das Außenministerium Khomeini befürwortete, setzte das Weiße Haus noch immer auf Shah Pahlevi. Im Zuge der zunehmenden inneriranischen Spannungen entschieden sich die USA in der Hoffnung, Khomeini würde einen gemäßigtschiitischen aber liberalen Iran garantieren, zur Unterstützung des zukünftigen Revolutionsführers.

[...]


1 Mangol Bayat-Phillip, „Die Beziehungen zwischen den USA und Iran seit 1953“, Zugriffsdatum 22.09.2017, http://www.bpb.de/apuz/28502/die-beziehungen-zwischen-den-usa-und-iran-seit-1953?p=all.

2 Thomas Latschan, „1953: Irans gestohlene Demokratie“, Deutsche Welle, Zugriffsdatum 22.09.2017, http://www.dw.com/de/1953-irans-gestohlene-demokratie/a-17008768.

3 Florian Stark, „CIA bekennt sich zu Militärputsch 1953 im Iran“, Die Welt, Zugriffsdatum 22.09.2017, https://www.welt.de/geschichte/article119180782/CIA-bekennt-sich-zu-Militaerputsch-1953-im-Iran.html

4 Latschan, „Irans gestohlene Demokratie“

5 Ahmad Mahrad, Die iranische Außenpolitik von 1950 bis 1954 (Saarbrücken, Fort Lauderdale: Penguin Verlag breitenbach Publishers, 1986), 95-104.

6 Monika Gronke, „Irans Geschichte: 1941-1979 - Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Islamischen Revolution“, Zugriffsdatum 23.09.2017, http://www.bpb.de/internationales/asien/iran/40125/irans-geschichte-1941-bis-1979.

7 Gronke, „Irans Geschichte“.

8 Gabriele Thoß und Franz Helmut Richter, Ayatollah Khomeini: Zur Biographie und Hagiographie eines islamischen Re v o lutionsführers (Münster: WURF Verlag, 1991), 81-2.

9 Ebd., 82.

10 Ebd., 87.

11 Ebd., 91.

12 Cyrus Vakili-Zad. „Organization, Leadership and Revolution: Religiously-Oriented Opposition in the Iranian Revolution of 1978-1979.” Conflict Quarterly, Zugriffsdatum 24.09.2017, https://journals.lib.unb.ca/index.php/JCS/article/viewFile/14889/15958, 6.

13 Thoß, „Ayatollah Khomeini”, 96.

14 Cosroe Chaqueri, „Did the Soviets Play a Role in Founding the Tudeh Party in Iran?” Cahier du Monde Russe 40, no. 3 (1999): 523, http://www.persee.fr/doc/cmr_1252-6576_1999_num_40_3_1013.

15 N. M. Mamedova, „RUSSIA ii. IRANIAN-SOVIET RELATIONS (1917-1991)”, Encyclopædia Iranica, online edition, Zugriffsdatum 23.09.2017, http://www.iranicaonline.org/articles/russia-ii-iranian-soviet-relations-1917-1991.

16 Ebd.

17 Bayat-Phillip, „Beziehungen USA - Iran“.

18 Vakili-Zad: „Religiously-Oriented Opposition“.

19 Ebd.

20 Ebd.

21 Manoochehr Heshmati, Die “Weisse Revolution“ und deren Wirkung auf die sozio-ökonomische Entwicklung Persiens (Frankfurt: Haag + Herchen Verlag, 1982), 282.

22 Ebd., 284.

23 Bayat-Phillip, „Beziehungen USA - Iran“.

24 Ebd.

Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668911253
ISBN (Buch)
9783668911260
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v464276
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Orientalistik / Islamwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Islam Iran Pahlavi Pahlevi Außenpolitik Politik

Autor

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