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Konzept des Panoptikums im digitalen Zeitalter

Hausarbeit 2015 21 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Foucaults Machttheorie
2.1 Machtbegriff
2.2 Disziplinargesellschaft
2.3 Panoptismus

3 Überwachung im digitalen Zeitalter
3.1 Konzept sozialer Kontrolle der Gegenwart
3.2 Arten der staatlichen Überwachung im 21. Jahrhundert
3.2.1 Physische Überwachungspraktiken
3.2.2 Digitale Überwachungsmethoden

4 Analyse
4.1 Anwendbarkeit des panoptischen Prinzips auf moderne Gesellschaft
4.2 Asymmetrie durch Maschinerie des Panoptikums
4.3 Sichtbarkeit des Überwachten
4.4 Uneinsehbarkeit der Überwachung
4.5 Kontinuität der Überwachungswirkung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In unserer modernen Welt gehören technische Überwachungs- und Kontrollsysteme zum alltäglichen Leben. Niemand wundert sich über Videokameras an öffentlichen Plätzen, Passkontrollen in Flughäfen mit Ganzkörperscannern und biometrischen Prüfungen. Dabei bleibt es nicht bei solchen Arten der Überwachung – sondern daneben ist noch die digitale Überwachung hinzu gekommen. So hinterlassen wir unsere Fußabdrücke in Form persönlicher Daten bei der Nutzung von Suchmaschinen, in sozialen Netzwerken oder beim Onlineeinkauf. Digitale Daten werden v. a. von privaten Unternehmen gespeichert, die in Deutschland gesetzlich definierte sog. Vorratsdatenspeicherung wird sowohl zu kommerziellen Zwecken genutzt wie auch von staatlichen Geheimdiensten. Dabei ist die Überwachung – ebenso wie klassische Formen der Spionage – kein modernes Phänomen. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass die Überwachung der Bürger durch den Staat schon immer ihren Platz im politischen Geschehen hatte. Durch digitale Technologien allerdings erhält die Thematik eine neue Qualität. Im Medium Internet geht es insofern auch um Macht: potentielle, regulierende, überwachende und vielleicht gar sanktionierende. Wer hat Macht im Internet, wer lenkt, kontrolliert, wer beeinflusst die dortigen Datenströme?

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die technische Überwachung und Kontrolle im digitalen Zeitalter zu erfassen. Dabei soll analysiert werden, inwieweit bereits panoptische Strukturen durch die globale Datenüberwachung von staatlichen Geheimdiensten existieren. Dafür wird die Machttheorie Foucaults als theoretische Basis für die weitere Analyse genutzt. Explizit wird im theoretischen Teil auf Foucaults Machtbegriff und demnach gestaltete Disziplinargesellschaft eingegangen. Den theoretischen Kernpunkt bildet das panoptische Prinzip.

Im zweiten Teil wird das Konzept der sozialen Kontrolle der Gegenwart und Überwachungspraktiken im digitalen Zeitalter dargestellt. Dafür werden physische Überwachungsmethoden wie Abhörsysteme, Videoüberwachung und Biometrie beleuchtet. Danach wird auf digitale Überwachungspraktiken wie Ortungstechniken und Überwachung der Telekommunikation eingegangen. Im praktischen Teil der Arbeit wird die Anwendung des panoptischen Prinzips auf die moderne Gesellschaft analysiert. Im abschließenden Teil sollen die zentralen Punkte zusammengefasst werden und die Forschungsfrage nach Anwendbarkeit der panoptischen Strukturen im digitalen Zeitalter beantwortet werden.

2 Foucaults Machttheorie

Die Machttheorie Foucaults bildet die theoretische Basis dieser Arbeit. Michael Foucault arbeitete Zeit seines akademischen Lebens an einer Theorie der Macht – dabei sah er sich als Experimentator, der seine Gedanken kontinuierlich weiterentwickelt und verändert. Der Autor liefert dabei nicht eine Theorie im systemischen oder ideologischen Sinne, sondern bietet eine Werkzeugkiste (Rouff 2013: 217f.).

Die vorliegende Analyse der Überwachungsmethoden im digitalen Zeitalter bezieht sich vor allem auf die in „Überwachen und Strafen“ (1997) entwickelten Machtbegrifflichkeiten. Das Buch thematisiert die Überwachungsmaßnahmen und ist damit von besonderer Relevanz für die Analyse der Überwachungspraktiken in der modernen Gesellschaft. Die Hauptkonzepte hierfür sind die Disziplinarmacht und der Panoptismus. Diese werden im Folgenden vorgestellt.

2.1 Machtbegriff

Der Begriff der Macht von Michael Foucault setzt die Prozesshaftigkeit von Machtausübungen und -wirkungen voraus (Seier 2001: 91). Entsprechend definiert Foucault (1997: 38) den Machtbegriff wie folgt: „Diese Macht ist nicht so sehr etwas, was jemand besitzt, sondern vielmehr etwas, was sich entfaltet; nicht so sehr das erworbene oder bewahrte ‚Privileg‘ der herrschenden Klasse, sondern vielmehr die Gesamtwirkung ihrer strategischen Positionen – eine Wirkung, welche durch die Position der Beherrschten offenbart und gelegentlich erneuert wird. Andererseits richtet sich diese Macht nicht einfach als Verpflichtung oder Verbot an diejenigen, welche ‚sie nicht haben‘; sie sind ja von der Macht eingesetzt, die Macht verläuft über sie und durch sie hindurch“.

Macht wird durch die perfekte Hierarchie des Panoptikums gewährleistet, so Foucault (1997: 254). Somit liegt das Prinzip der Macht weniger in einer Person als vielmehr in einer konzentrierten Anordnung von Körpern, Oberflächen, Lichtern und Blicken; in einer Apparatur, deren innere Mechanismen ein Verhältnis herstellen, in welchem die Individuen gefangen sind. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Maschinerie des Panoptikums (Foucault 1997: 259f.).

Laut Benthams Prinzip eines idealen Gefängnisses soll diese Macht sichtbar, aber uneinsehbar sein. Sichtbar meint, dass der Häftling ständig die hohe Silhouette des Turms vor Augen hat, vor dem aus er bespäht wird. Der Überwachte stellt sich also sichtbar dem Überwachenden dar. Die Uneinsehbarkeit der Macht liegt laut Foucault darin, dass der Häftling bzw. das überwachte Objekt niemals wissen darf, ob er grade überwacht wird, aber er muss sicher sein, dass er jederzeit überwacht werden kann. Da der Überwachende austauschbar ist, sieht Foucaults Macht als tendenziell unkörperlich an (Foucault 1997: 258ff.).

2.2 Disziplinargesellschaft

Im Verlaufe des 17. und 18. Jahrhunderts verortet Foucault den historischen Prozess der Formierung und Entstehung einer Disziplinargesellschaft. Dafür stellt er als Ausgangspunkt die Situation einer Stadt dar, welche von der Pest heimgesucht wird. Die Stadt mit dem gehörigen Territorium wird geschlossen. Das Verlassen wird mit der Todesstrafe geahndet, der gesamte Wohnraum wird parzelliert und jede Parzelle überwacht. Von dieser illustrierten Basis aus lässt sich unmittelbar der Kerngedanke des Konzepts der Disziplinargesellschaft ableiten. Es geht um ein System der ständigen Überwachung, um ein System von Regeln, Geboten und Verboten. Die Überwachung soll offensichtlich die Freiheit des Individuums einschränken und ihn den von der zentralen Autorität definierten Normen unterwerfen (Schwendinger 2012: 2).

Dementsprechend benennt Seier (2001: 98) zwei zentrale Techniken einer Disziplinargesellschaft, nämlich die hierarchische Überwachung und die normierende Sanktion. Eine Kombination beider spiegelt sich in der Prüfung wider. So entsteht ein Mikroskop des Verhaltens, welches das Individuum an den Beobachtungs-, Dressur- und Registrierapparat bindet. Am Ende folgt eine Selbstüberwachung. Foucault (1997: 260) behauptet, dass ab diesem Zeitpunkt das Machtverhältnis internalisiert und der Überwachte zum Prinzip seiner eigenen Unterwerfung wird.

Foucault (1997: 253) beschreibt die Disziplinierungsgesellschaft so: „Dieser geschlossene, parzellierte lückenlos überwachte Raum, innerhalb dessen die Individuen in feste Plätze eingespannt sind, die geringsten Bewegungen kontrolliert und sämtliche Ereignisse registrieret werden, eine ununterbrochenen Schreibarbeit das Zentrum mit Peripherie verbindet, die Gewalt ohne Teilung in einer bruchlosen Hierarchie ausgeübt wird, jedes Individuum ständig erfasst und geprüft… wird – dies ist das kompakte Modell einer Disziplinierungsanlage“.

Disziplin und Ordnung sollen demnach als Antwort auf die Verwirrungen und Pest dienen. Unter Disziplin versteht Foucault (1997: 282) „komplexe Methoden der Zeiteinteilung, der kollektiven Dressuren, der Übungen, globalen und detaillierten Überwachung“. Dabei stellt sich Disziplinargesellschaft als hierarchische Struktur einer lückenlosen Überwachung, Registrierung, Beurteilung und Klassifizierung dar (Foucault 1997: 283). Disziplinaranalgen können breit angewendet werden z. B. im Rahmen psychiatrischen Asyls, in einer Strafanstalt, in einem Besserungshaus oder Erziehungsheim, in Spitälern usw. All diese Instanzen, die der Kontrolle des Individuums dienen, funktionieren gleichermaßen als Zweiteilung und Stigmatisierung: wahnsinnig/nicht wahnsinnig, gefährlich/harmlos, normal/anormal. Die Disziplinargesellschaft zeichnet sich durch dualistische Ausschließungsmechanismen und hartnäckige Grenzziehung zwischen dem Normalen und dem Anomalen aus (Foucault 1997: 256). Auf solche Weise erfolgt die Disziplindurchsetzung unaufhaltsam. Deshalb geht Foucault (1997: 277) davon aus, dass sich die Disziplingesellschaft in der Bewegung formiert, die von den geschlossenen Disziplinen, einer Art gesellschaftlicher „Quarantäne“, zum endlos verallgemeinerungsfähigen Mechanismus des „Panoptismus“ führt.

2.3 Panoptismus

Die Perfektion eines solchen Überwachungs-Regimes findet Foucault in dem von Bentham (1785) ausgeklügelten architektonischen Konzept eines perfekten Gefängnisses, dem Panoptikum (Schwendinger 2012: 2). Der Begriff „Panoptismus“ geht dabei auf das griechische „panoptes“ zurück, das so viel bedeutet wie „das alles Sehende“ (Ohliger 2015: 9). Panoptikum stellt ein rundes Gebäude mit aneinander gereihten Gefängnisparzellen und einem Turm in der Mitte dar. Die Zellen haben jeweils zwei Fenster, wovon das Eine nach innen zum Turm gerichtet ist und das Andere nach außen, sodass die Zelle von beiden Seiten von Licht durchdrungen wird. So erfolgt eine lückenlose Überwachung vom Aussichtsturm aus (ebd.).

Die panoptische Anlage funktioniert nach dem Prinzip der Sichtbarkeit aller Überwachten. Demnach handelt es sich vom Standpunkt des Aufsehers aus um eine abzählbare und kontrollierbare Vielfalt, vom Standpunkt der Gefangenen aus dagegen um eine erzwungene und beobachtete Einsamkeit (Foucault 1997: 257f.). Das Panoptikum ist wie ein multifunktionales Gebäude, welches die ständige Überwachung seiner Insassen durch eine minimale Anzahl von Aufsehern gewährleistet (Sack 2011: 6).

Aus dem architektonischen Aufbau des Panoptikums ergibt sich seine Hauptwirkung, nämlich die Schaffung eines bewussten und permanenten Sichtbarkeitszustandes beim Gefangenen, der das automatische Funktionieren der Macht sicherstellt. Das Panoptikum ist laut Foucault eine Maschine, die ein Machtverhältnis schaffen und aufrechterhalten kann. Macht wird geschaffen, indem sich der Gefangenen permanent überwacht fühlt, unabhängig davon, ob er gerade überwacht wird oder nicht (Foucault 1997: 258). Die Architektur schafft also das Bewusstsein der möglichen Beobachtung, wobei der Sitz der Macht, der zentrale Beobachtungsturm, sogar leer sein könnte (Ruoff 2013: 160ff.). „Die Wirkung der Überwachung […] ist permanent, auch wenn ihre Durchführung sporadisch ist“, so Foucault (1997: 258). Der Insasse geht also von einer stetigen Überwachung aus, obgleich diese völlig überflüssig sein kann. Die Macht muss dabei sichtbar, aber uneinsehbar sein, d. h. nach Foucault (1997: 258f.): „der Häftling [darf] niemals wissen […], ob er grade überwacht wird, aber er muss [sich] sicher sein, dass er jederzeit überwacht werden kann“.

Dieses Machtverhältnis automatisiert und entindividualisiert Macht. So kann nahezu jede Person die Aufgabe des Aufsehers wahrnehmen; dieser ist austauschbar. Demnach wird in dieser Konstruktion kein Souverän mehr benötigt, da die Maschinerie aufgrund der Machtasymmetrie funktioniert. Es entsteht eine fiktive Beziehung, die die Unterwerfung möglich macht (Tremmel 2011: 11). Auf solche Weise können verschiedene Personen durch „die Maschinerie einer sich verheimlichenden Macht“ (Foucault 1997: 261) zu unterschiedlichen Dingen gezwungen werden.

Das Panoptikum funktioniert als eine Art Laboratorium der Macht. Dank seiner Beobachtungsmechanismen gewinnt es an Wirksamkeit und dringt immer tiefer in das Verhalten und Handeln der Menschen ein. Auf jedem Machtvorsprung sammelt sich Wissen an und deckt an allen Oberflächen, an denen sich Macht entfaltet, neue Erkenntnisgegenstände auf (Foucault 1997: 263). Sack (2011: 11) ist der Meinung, dass der Panoptismus für Foucault die soziale Realisierung der im Entwurf Benthams angelegten Kontroll- und Machtversprechen ist. Er prägt eine Gesellschaft der Überwachung, deren Individuen gezwungen sind, durch die beständige Gefahr der Beobachtung durch den Machthaber ihr Streben nach konformem Verhalten zu internalisieren, um eventuelle Sanktionen zu vermeiden. So prägt die sporadische, aber immer potentielle Kontrolle von außen die Selbstkontrolle der Individuen (ebd.). Bentham schuf damals also mit seinem Panoptikum nicht einfach nur eine architektonische Figur, sondern fand eine Machttechnologie, die dazu geeignet ist, die Überwachungsprobleme zu lösen, und die seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bestehen und von Foucault weiterentwickelt wurden (Ohliger 2015: 12).

Das panoptische Prinzip bleibt auch in der modernen Gesellschaft aktuell. Das Panoptikum stellt das Diagramm eines auf seine ideale Form reduzierten Machtmechanismus’ dar. Sein Funktionieren kann zwar als ein rein architektonisches und optisches System vorgestellt werden, tatsächlich ist es aber eine Gestalt politischer Technologie, die von seiner spezifischen Verwendung ablösen werden kann und muss. Es könne Anwendung finden, wann immer man mit einer Vielzahl von Individuen zu tun hat, denen ein Verhalten oder eine Aufgabe aufgezwungen werden soll (Foucault 1997: 263f.). Zum Beispiel wird heutzutage dieses Prinzip in der Wissenschaft auf Überwachungskomplexe wie etwa CCTV (Videoüberwachung) angewendet (Tremmel 2011: 11).

Verwendet man Foucaults Panoptikum als Analyseinstrument, stellt sich die Frage nach modernen Techniken, durch die eine ständige Überwachung im digitalen Zeitalter gemäß dem panoptischen Prinzip umgesetzt wird. Diese neuartigen Dispositive sollen insbesondere im Kontext gegenwärtiger technologischer Kommunikationsvoraussetzungen und -bedingungen betrachtet werden (Ohliger 2015: 14).

3 Überwachung im digitalen Zeitalter

Foucaults Disziplinargesellschaft erfährt ihren Wandel und wird zu einer Kontrollgesellschaft (vgl. Singelnsteil & Stolle 2012; Schwendinger 2012) im digitalen Zeitalter. Die Mittel sozialer Überwachung und Kontrolle erstrecken sich von physischen auf digitale Überwachungspraktiken. Im diesem Kapitel wird auf das Konzept sozialer Kontrolle der Gegenwart und auf damit verbundene Überwachungsmethoden näher eingegangen.

3.1 Konzept sozialer Kontrolle der Gegenwart

Die Disziplinargesellschaften des 19. und 20. Jahrhunderts waren gekennzeichnet durch ein allgemein gültiges Normengefüge. Der Verstoß gegen diese Normen galt als „anomal“ und wurde sanktioniert. Durch die Sanktionierung abweichenden Verhaltens konstituierte die Disziplin eine feste Ordnung. Dabei führte nicht alleine die Festlegung von Verhaltensregeln durch den Staat zu einer Disziplinierung. Erst der Einsatz repressiver Disziplinarmaßnahmen in Verbindung mit der Vermittlung normativer Sittengesetze machte diese aus. Paradigmatisch für eine solche disziplinierende Überwachung steht eben das von Bentham entworfene Panoptikum (Singelnsteil & Stolle 2012: 62). Die Disziplinarordnung von Bentham hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Die Überwachung in der modernen Gesellschaft erfolgt nicht mehr nur physisch wie im Panoptikum, sondern vor allem anhand digitaler Daten. Demzufolge ist die gegenwärtige soziale Kontrolle durch technische Errungenschaften nicht mehr ortsgebunden (Ohliger 2015: 4).

Das Konzept sozialer Kontrolle der Gegenwart unterscheidet sich von der Disziplinierung vor allem dadurch, dass nicht mehr die Normierung im Sinne einer Ausrichtung an einer feststehenden, allgemeingültigen Norm angestrebt wird. Stattdessen gehen Techniken sozialer Kontrolle vom empirisch Gegebenen aus und versuchen, diese Normalität möglichst effektiv zu verwalten. Diesem Verständnis liegt ein veränderter Normbegriff zugrunde. Danach sind Normen keine binären Handlungsanweisungen, die ohne Handlungsalternativen mit Zwang durchgesetzt werden. Sie beinhalten kein Verhaltensideal mehr, an dem sich der Einzelne ausrichten soll, wie es in der Disziplinierungsgesellschaft der Fall gewesen war. Neuere Techniken sozialer Kontrolle arbeiten stattdessen mit einer vorgefundenen Realität und versuchen diese möglichst effektiv zu regulieren (Singelnstein & Stolle 2012: 63f.).

In der modernen Gesellschaft erscheinen Normen als flexible Richtschnur, die eine Vielzahl von Verhaltensoptionen offen lassen. Die moderne Entwicklung zeichnet sich durch Vorverlagerung staatlicher sozialer Kontrolle von der Gefahr zum Risiko (Singelnstein & Stolle 2012: 64ff.). Die staatlichen Überwachungsinstanzen haben Zugriff auf grundsätzlich geschützte Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, wie Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikationsverbindungsdaten, dem automatischen Kennzeichenabgleich im Straßenverkehr oder den heimlichen Zugriffen auf Bestandsdatenbanken der Telekommunikationsanbieter. Gleiches gilt auch für die Möglichkeit des Zugriffs auf Kontodaten. Demzufolge äußert sich das Konzept sozialer Kontrolle der Gegenwart durch einen Ausbau staatlicher Eingriffsbefugnisse und insbesondere durch die Möglichkeiten heimlicher Überwachung des Datenverkehrs (Singelnstein & Stolle 2012: 69).

3.2 Arten der staatlichen Überwachung im 21. Jahrhundert

Die Techniken sozialer Kontrolle erfahren einen starken Wandel im digitalen Zeitalter und hängen somit sehr stark mit dem technischen Fortschritt zusammen. So unterscheidet man verschiedene Arten der staatlichen Überwachung der Gegenwart, die allgemein in physische und digitale Überwachungspraktiken unterteilt werden. Im Weiteren werden jeweils zwei Kontrollmethoden je Überwachungspraktik näher beleuchtet.

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Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668932500
ISBN (Buch)
9783668932517
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v464261
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,7
Schlagworte
konzept panoptikums zeitalter

Autor

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Titel: Konzept des Panoptikums im digitalen Zeitalter