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Die kognitive Entwicklungstheorie von Jean Piaget

Seminararbeit 2017 13 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Einleitung und inhaltlicher Aufbau
1.2 Zum Leben von Jean Piaget

2. Begriffserklärung
2.1 Assimilation
2.2 Akkommodation

3. Die kognitive Entwicklungstheorie
3.1 Die Sensomotorische Intelligenz (ca. 0-2 Jahre)
3.2 Die Periode des voroperationalen Denkens (ca. 2-7 Jahre)
3.3 Die Periode der konkreten Operationen (ca. 7-11 Jahre)
3.4 Die Periode der formalen- Operationen (ca. ab 11 Jahren)

4. Kritik an Piaget

5. Fazit

6. Printquellen

7. Internetquellen

1. Einführung

1.1 Einleitung und inhaltlicher Aufbau

Kein Kind gleicht dem anderen Kind, weder mit den äußeren Merkmalen noch mit den inneren. Jedes Kind entwickelt sich individuell mit einem eigenen Rhythmus. Kinder eignen sich bestimmte Fähigkeiten zu unterschiedlichem Alter und setzten sich mit der Außenwelt und mit seinen Mitmenschen auf verschiedene Art und Weise auseinander. In jenem Lebensabschnitt entfalten und beherrschen Kinder vielfältige Fertigkeiten, Handlungen, Talente und Gewohnheiten. Vor diesem Hintergrund wird in der vorliegenden Hausarbeit die geistliche und kognitive Entwicklung des Kindes anhand der von Jean Piaget aufgestellten Entwicklungstheorie beschrieben. Hierfür wird zunächst zur Einleitung das Leben von Jean Piaget beschrieben und dabei einige erkenntnisleitende Hintergründe dargestellt, welche die ersten Grundgedanken seiner Theorie bilden. Darauf aufbauend, wird im Hauptteil wird die Entwicklungstheorie anhand von Beispielen ausführlich dargelegt und anschließend aus pädagogischer Perspektive kritisch betrachtet. Durch ein Fazit wird die Hausarbeit letzten Endes abgeschlossen.

1.2 Zum Leben von Jean Piaget

Jean Piaget wurde am 09. August 1896 in Neuchâtel, Schweiz geboren. Bereits im sehr frühen Kindesalter interessierte er sich für Naturwissenschaften insbesondere für Biologie. Im Alter von nur 11 Jahren schrieb er seine Beobachtung eines Albino-Sperlings in einem Bericht nieder. Folglich studierte er in seiner Heimatstadt Neuchâtel Zoologie und schloss sein Studium 1918 mit einer Promotion ab. Sein Interesse an Philosophie und Soziologie führte dazu, dass er anschließend ein weiteres Studium im Bereich der Psychologie begann (Munzinger: Jean Piaget o.J.). In seinem Zweitstudium wurden die Grundlagen zur Erkenntnistheorie somit erworben worden. Hier bildete sich erstmals der Schnittpunkt zwischen Biologie und Erkenntnistheorie (vgl. Buggle 1997, S. 13).

Ab 1940 lehrte er an der Universität Genf als Professor für Psychologie und gründete dort das Institut „Centre International d`Epistémologie génétique“ um seine Forschung im Bereich der genetischen Epistemologie gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern fortzusetzten. Das Hauptforschungsthema war es das menschliche Erkenntnisvermögen durch die Analyse seiner Genese zu beschreiben. Von Geburt an beobachtete er an seinen eigenen drei Kindern die Entwicklung des kindlichen Denkens Schritt für Schritt. Schließlich begründete er sein Stufenmodell zur kognitiven Erkenntnistheorie auf Basis seiner empirischen Forschung (vgl. Buggle 1997, S. 22). Wichtig ist hier auch zu erwähnen, dass seine Theorie lediglich die geistliche Entwicklung des Kindes beschreibt und keinesfalls erklärt. Seine grundlegenden theoretischen Ansätze basieren insbesondere auf Grundvorstellung der Erkenntnistheorie von Immanuel Kant (vgl. Buggle 1997, S. 14). Durch die Veröffentlichung von mehr als 50 Studien und Artikel sowie über 50 Bücher gewann Piaget weltweite Anerkennung (Munzinger: Jean Piaget o.J.)und bereichert mit seiner Theorie noch bis heute Entwicklungspsychologie.

2. Begriffserklärung

Um den Einstieg in das Thema zu erleichtern werden in diesem Kapitel zunächst einige grundlegende Kernbegriffe der Theorie erläutert.

Kognitive Fähigkeiten wie zum Beispiel Wahrnehmung, geistliche Vorstellung, logisches Denken, Handeln, Problemlösen sowie Lernen werden nach Piaget in dem Begriff Schema zusammengebracht. Ein Schema ist sozusagen eine Art Schablone des Wissens und Verhaltens des Menschen in dem die erlernten Fähigkeiten integriert und für Handlungen eingesetzt werden. Beispielsweise muss ein Kind, welches sich eine neue Fähigkeit erlernt hat, bei einer neuen Handlung es nicht erneut aneignen. Es ruft aus dem eigenen Antrieb die in der Schablone bzw. Schema vorhandenen Fähigkeiten ab. Neue Schemata entstehen mit zunehmender Intelligenz und der vermehrten Interaktion zwischen Kind und Umwelt.

Die zwei Arten von Schemata, wie etwa die Verhaltens Schemata und kognitive Schemata sind ständig veränderbar, so dass sie an die neue Umwelt angepasst werden können. Diese Anpassung nennt Piaget Adaption und wird in zwei Grundaspekte geteilt, die in der Realität je nach Adaptionsvorgängen in unterschiedlich starker Ausprägung vorkommen. Hier spricht Piaget von Assimilation und Akkommodation.

2.1 Assimilation

Das Wort Assimilation leitet sich aus der lateinischen Sprache ab und bedeutet „angleichen“ (vgl. Buggle 1997, S. 25). Damit ist die Umdeutung und Eingliederung der wahrgenommenen Außenwelt in die eigenen Schemata gemeint. Ein Kind hat beispielsweise bereits gelernt ein Gegenstand zu greifen und in den Mund zu führen. Diese erlernte Fähigkeit wendet es bei ähnlichen Gegenständen genauso an. In diesem Fall assimiliert das Kind, d.h es stellt sich das Objekt einigermaßen gleich vor und passt es an seine eigenen Fähigkeiten an.

Die Assimilation wird von Piaget in vier wesentlich in ihrer Ausprägung voneinander differenzierten Gesichtspunkten charakterisiert.

1. Reproduktive Assimilation

Im ersten Stadium der Assimilation hat das Kind weder ein Vorstellungsvermögen noch eine anstrebende Intention seiner Handlungen.

„Jedem Schema wohnt wesentlich die Tendenz zu immer wiederholter Aktivierung, zur reproduktiven oder funktionalen Assimilation inne“ (Buggle 1997, S.32). Das aufgeführte Zitat weist darauf hin, dass in dieser Ausprägung des Assimilationsprozesses die Schemata hauptsächlich nur aus dem eigenen Antrieb aktiviert werden. Ein Kind, welches zum Beispiel das Greifen neu gelernt hat beginnt Objekte in seiner Umwelt zu greifen ohne dafür jegliche Aufforderung oder Belohnung erhalten zu haben.

2. Generalisierende Assimilation

„Jedem erworbenen Schema wohnt ein weiterer die Tendenz inne, den jeweiligen Anwendungsbereich fortlaufend auszuweiten, die Tendenz zur generalisierenden Assimilation “ (Buggle 1997, S.33). Aus dem angeführten Zitat wird entnommen, dass die durch die Funktionslust erfolgten Handlungen sich tendenziell permanent wiederholen. Diese führen wiederum zur Möglichkeit die kognitiven Fähigkeiten auszuweiten und weiterzuentwickeln.

3. Differenzierend- rekognitorische Assimilation

In diesem Stadium der Assimilation erscheint erstmals die Erkenntnis der Differenzierung von Objekt, welche verschiedene Assimilationsmöglichkeiten anbieten. Das Kind bemerkt durch wiederholte Aktionsvorgängen, dass sich Objekte voneinander unterscheiden. Franz Buggle veranschaulicht dies mit folgendem Beispiel des Greif- und Schöpfschema. Das Kind hat bereits gelernt greifbare Objekte in die Hand zu nehmen. Durch Wiederholung der Handlung versucht es nun gleichermaßen mit einer Flüssigkeit im Glas. Es bemerkt, dass es das Wasser nicht greifen kann. So lernt das Kind das Wasser aus dem Glas zu schöpfen (vgl. Buggle 1997, S, 33). Durch die generalisierende Assimilation entwickelt sich das Kind sozusagen eigenständig ein weiteres Schema.

4. Reziproke Assimilation

In dieser Ausprägung der Assimilation etabliert sich nun das Zusammenspiel verschiedener Schemata. Zum Beispiel entwickelt es die Koordination von Seh- und Greifschema. Es sieht ein hinderndes Gegenstand im Weg und beseitigt dies in dem es wegschiebt oder an sich heran zieht während es bisher verachtet hat. Die reziproke Assimilation beinhaltet sowohl die Wechselwirkung einfacher Schemata als auch komplexere Handlungsschemata.

2.2 Akkommodation

Das Gegenstück zur Assimilation ist die Akkommodation. Sie tritt immer dann in den Vordergrund, wenn Assimilation die Bewältigung jener Handlung nicht mehr ausreichend decken kann. In diesem Fall werden die eigenen Schemata so umgedeutet, dass sie an die neue Umwelt angepasst werden können. Dies führt dazu, dass die eigenen Schemata sich erweitern und ausdifferenzieren können. Daher ist die Erweiterung eigener Erkenntnisse und Fähigkeiten ohne Akkommodation nicht möglich (vgl. Buggle 1997, S.25). Ein anschauliches Beispiel bietet hier das bereits bei der differenzierend-rekognitorische Assimilation erwähnte Greif- und Schöpfschema. Wichtig ist auch zu erwähnen, dass zwischen Assimilation und Akkommodation keine konkret definierte Grenzlinie befindet. Sie können sowohl einzeln als auch gemeinsam auftreten. Der Mensch strebt vielmehr nach einem Gleichgewicht zwischen diesen beiden Adaptionsformen, welches Piaget als Äquilibration bezeichnet. Das Verlangen nach einem harmonisierten Zusammenleben des Menschen mit seiner Umwelt ergibt sich vor allem aus den Misserfolgen von Assimillationsversuche und die sich daraus resultierende Unannehmlichkeiten (vgl. stangle.eu).

3. Die kognitive Entwicklungstheorie

In diesem Teil der Ausarbeitung werden die vier Stufen von Jean Piaget aufgestellten Entwicklungstheorie aufgeführt. Hierbei handelt es sich um aufeinander bauende Abfolgen, welche Kinder im Rahmen ihrer kognitiven Entwicklung durchgehen. Piaget gliedert diesen Prozess in Altersgruppen, wobei diese nur als Anhaltspunkte dienen. Der genaue Zeitpunkt und Dauer der Perioden unterscheiden sich bei jedem Kind ganz individuell. Die erste Stufe wird in sechs weiteren Substadien gegliedert und einzeln ausführlich dargestellt.

3.1 Die Sensomotorische Intelligenz (ca. 0-2 Jahre)

1. Angeborene Reflexe und Instinktkoordination als Bausteine der nachfolgenden kognitiven Entwicklungen

Wie der Titel schon darauf hinweist, bildet dieses Vorstadium eine Grundlage für die nachkommende Ausformung der kognitiven Fähigkeiten. In den ersten Wochen nach der Geburt nutzt der Säugling motorische Fähigkeiten, sogenannte Reflexe wie zum Beispiel das Saugen und Schlucken um sich mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Die motorischen Fähigkeiten bleiben in der Anfangsphase zunächst unverändert. Die Anpassung des Verhaltens an seine Umwelt beobachtete Piaget nur in seltenen Fällen. Auf diese Reflex- und Instinktverhalten des Kindes bilden sich im weiteren Verlauf der Entwicklung die entsprechenden Schemata aus (vlg. Buggle 1997, S. 54).

2. Primärer Zirkulärreaktionen

Dieses Stadium beschreibt die Entwicklungsphase vom 1. bis zum 4. Lebensmonat. Hier bilden sich aus den primitiven Reflexen und Spontanbewegungen die ersten Gewohnheiten heraus. Diese neu erworbenen Verhaltensmuster ereignen sich jedoch noch nicht durch logisches Denken oder mit bewusster Absicht, sondern per Zufall. Das Lutschen am Daumen erweckt beim Kind eine angenehme Empfindung. Durch Wiederholungen und Assimilationen stabilisiert schließlich das Kind diese positiven Verhaltensergebnisse. Daher nennt Piaget dieses Stadium Zirkulärreaktion oder mit anderen Worten gefasst Kreisreaktion. In diesem Stadium entwickelt das Kind die erste Koordination einzelner sensomotorischen Schemata, wie etwa Seh- und Greifschema. Diese sind jedoch noch beschränkt und differenziert sich erst im nächsten Stadium (vlg. Buggle 1997, S. 54-55).

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Details

Seiten
13
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668911574
ISBN (Buch)
9783668911581
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v464234
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,7
Schlagworte
entwicklungstheorie jean piaget

Autor

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Titel: Die kognitive Entwicklungstheorie von Jean Piaget