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Heldenreise durch den Kosmos. Analyse und Interpretation der Modenschau "Christian Dior Haute Couture - Herbst/Winter 2006/2007"

Hausarbeit 2018 48 Seiten

Design (Industrie, Grafik, Mode)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Modenschau oder Marketing?

1 Beschreibung
1.1 Präsentationsraum/Location
1.2 Set/Ausstattung
1.3 Choreografie/Posing/Musik
1.4 Kollektionsgestaltung
1.5 Styling

2. Analyse/Deutung
2.1 Ein Tympanon in Florenz - Set/Ausstattung
2.2 Sternenregen, Meeresleben - Abschnitt
2.3 Punk und Sünde - Abschnitt
2.4 Hummer-Harnisch im Barock - Abschnitt
2.5 Mi-parti, Maiengrün und Meerjungfrauen - Abschnitt
2.6 Wir sind dem Himmel nicht nah - Abschnitt
2.7 La Primavera im Panzer - Abschnitt
2.8 Where Civil Blood Makes Civil Hands Unclean - Abschnitt
2.9 Der Zeitreisende - Abschnitt

3. Vergänglichkeit vs. Unendlichkeit - Thema der Kollektion/Inszenierung
3.1 Der Zirkus Galliano - Interpretation/Ausblick
3.2 Literatur-Verzeichnis – Quellen
3.3 Abbildungs-Verzeichnis – Quellen.

Modenschau oder Marketing? - Einleitung

Für große Labels und ihre Designer sind die saisonal stattfindenden Modenschauen sowohl Krönung ihrer harten Arbeit als auch einfaches Marketing-Instrument. Hier wird die Mode, an der zuvor bis zu einem halben Jahr lang gearbeitet wird, vor Publikum zur Show getragen. Das Styling der Models, das ausgewählte Set, die Choreografie, Requisiten, Accessoires und Musik sollen das Gesamtbild der Kollektion abrunden und einen geeigneten Rahmen zur Vorführung schaffen. In vielen Fällen ist nur die „High Society“ zugelassen und es ist Aufgabe der Journalisten und Fotografen, die Entwürfe anschließend in die ganze Welt auszusenden und durch moderne Medien der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Ziel dieser Events ist der Verkauf der gezeigten Outfits, sowie die Steigerung der Popularität des Labels. Vor allem die Haute Couture Schauen stellen immer häufiger ein äußerst aufwendiges und kostspieliges Spektakel dar, so dass längst Stimmen laut werden, die behaupten, Modenschauen existierten nur noch aus reinem Selbstzweck und nicht mehr, um die häufig untragbare Mode zu vermarkten. Viele sehen die Shows als ein Theater, das sogar eher von der Kleidung ablenke, als sie zu präsentieren. Alicia Kühl, Professorin der Kunstwissenschaft, geht noch weiter und stellt die Frage, ob die Mode womöglich nichts Neues mehr zu bieten habe, sodass sie als „neu“ inszeniert werden müsse.1 Anhand der Christian Dior Haute Couture Show Herbst/Winter 2006/2007 mit John Galliano (*1960) als Designer (https://www.youtube.com/watch?v=dra5uh8JME0) möchte ich dieser Frage auf den Grund gehen. Außerdem soll im Folgenden herausgestellt werden, wie Modenschau und Kollektion hier in Beziehung zueinander stehen und was Gallianos Inspirationen und Wirkungsabsichten waren. Ich werde dazu zunächst eine Beschreibung der Modenschau vornehmen, die sich in die Bereiche 1.1 Präsentationsraum/Location, 1.2 Set/Ausstattung, 1.3 Choreorgrafie/Posing/Musik, 1.4 Kollektionsgestaltung und 1.5 Styling aufgliedern wird. Bei einigen dieser Punkte werde ich eine weitere Aufgliederung in die einzelnen, klar voneinander abgegrenzten sieben Abschnitte der Modenschau vornehmen. Dies wird auch bei der Analyse/Deutung im Hauptteil von Nöten sein, in der ich auf Elemente aus der Beschreibung eingehen möchte und historische Zusammenhänge aufzeige (2.1-2.9). Im Ergebnis der Analyse (3.0) möchte ich die Kollektion in einen größeren Gesamtzusammenhang stellen, der sich aus der Analyse der einzelnen Abschnitte der Show ergeben hat. Dabei werde ich mich u.a. mit Gallianos Inspiration durch das späte Mittelalter und die Renaissance, die Astrologie und Johanna von Orléans befassen und die Gesamtaussage des Designers und das Thema der Kollektion herausarbeiten. In der abschließenden Interpretation (3.1) möchte ich auf Gallianos allgemeine Arbeitsweise und John Galliano als Designer eingehen. Außerdem werde ich die Zielgruppe seiner Kollektionen bzw. Modenschauen bestimmen, um mich letztendlich der Beantwortung der Frage Alicia Kühls anzunähern, ob Haute Couture Modenschauen heutzutage wirklich noch der Vermarktung von Mode dienen oder ob das Spektakel der Modenschau die eigentliche „Mode“ geworden ist.

1 Beschreibung

1.1 Präsentationsraum/Location

Die Christian Dior Haute Couture Kollektion Herbst/Winter 2006/2007 wurde im Juli 2006 in Paris vorgeführt. Es ist anzunehmen, dass sich die Show trotz natürlicher „Requisiten“ wie Bäumen und Hecken nicht wirklich im Freien abspielt. Die Gartenkulisse wurde vermutlich in einer Halle nachgebaut, denn das Licht wird mithilfe einiger Scheinwerfer reguliert und im Hintergrund befindet sich eine extrem große Leinwand. Dies wäre in einer natürlichen Landschaft extrem aufwändig gewesen. Ein weiteres Indiz dafür, dass wir uns in einem geschlossenen Raum befinden, ist, dass keine Regung der Bäume oder Kleider durch Wind wahrzunehmen ist. Auch die Akustik der Musik wäre im Freien sicherlich gestört. Da es sich bei einer Dior Haute Couture Show um ein exklusives Event handelt, musste zudem sichergestellt werden, dass keine Fotos durch unbefugte Personen gemacht werden konnten oder sich unbefugte Personen Zutritt verschaffen konnten. Dies zu verhindern wäre im Freien sicher um einiges schwieriger gewesen, während in einer Halle lediglich die Ausgänge bewacht werden müssen, um die prominenten Gäste zu schützen, unter denen bei dieser Show laut Vogue-Journalistin Camilla Morton u.a. die Schauspielerinnen Mischa Barton und Drew Barrymore, die Sängerin Cher und Filmmogul Harvey Weinstein waren.2

1.2 Set/Ausstattung

Bei Gallianos Laufsteg handelt es sich um einen rustikalen, gepflasterten Gartenweg aus hellem Stein in dessen Fugen Gras sprießt. Dieser wird die meiste Zeit von Scheinwerfern an der Decke ausgeleuchtet, während das Publikum, rechts und links des Laufstegs, die ganze Zeit komplett im Dunkeln sitzt. Vom erhöhten Laufsteg trennt die Zuschauer nur eine niedrige, in Form geschnittene Hecke. Es könnte sich dabei sowohl um eine echte Hecke als auch um ein künstliches Requisit handeln. Gleiches gilt für die sechs hohen, eckig und spitz zulaufend geschnittenen Heckensäulen am Anfang des Laufstegs, die den Beginn des geraden Catwalks symmetrisch säumen, der sich zu Anfang mit einem niedrigeren Heckengang kreuzt, durch den die Models von links ein und rechts auslaufen. Vor den besagten Heckengängen befindet sich ebenfalls achsensymmetrisch angeordnet zu beiden Seiten des Catwalks jeweils ein niedriges Heckenquadrat mit einem Heckenkreis darin, in dem aus kleinen Hecken geformt die Buchstaben C und D stehen, die für den Namen des Labels Christian Dior stehen. Auf einer schrägen, dem Publikum zugeneigten Fläche aus silbernen, glitzernden Steinen angebracht, bilden sie ein gut sichtbares Emblem und lassen den „Garten“ noch plastischer wirken. Die hohen Bäume rechts und links daneben, die bereits halb im Dunkeln liegen, verstärken die Illusion. Hinter dieser ganzen Kulisse ist eine große Leinwand angebracht, auf die ein wechselndes Hintergrundbild projiziert wird.

1) Zu Beginn der Show ist dort eine toskanisch anmutende Landschaft abgebildet: Wiesen mit vereinzelten Zypressen und dichter stehenden Laubbäumen im Hintergrund. Darüber zeichnet sich zunächst ein hellblauer, wolkenloser Himmel ab. Im Laufe des ersten Abschnitts der Show verändert sich dieser jedoch über Lila zu Rot, bis man schließlich in Gelb und Orange-Rot einen Sonnenuntergang erlebt. Das letzte Model nimmt das Licht vom Catwalk mit sich, dann wird es dunkel.
2) Zum zweiten Abschnitt erscheint der Himmel erneut und bleibt konstant mittelblau verfärbt. Nachdem das letzte Model hinter den Hecken verschwunden ist, wird der Himmel schwarz und von rot verfärbten Wolken durchzogen, die die ganze „Landschaft“ in rotes Licht tauchen.
3) Mit dem dritten Abschnitt scheint die Sonne aufzugehen, denn am linken Bildrand erscheint ein gelbliches Licht, das die Dunkelheit mit bunten Farben vertreibt. Anschließend stagniert der Himmel bei einer dunkel- bis mittelblauen Farbe, die gegen Ende heller wird, bevor Wolken den Himmel und die gesamte Location wieder verdunkeln.
4) Der vierte Abschnitt beginnt dann erneut mit einem Sonnenaufgang, der die Wolken in buntes Grün-Gelb und Orange-Rot taucht, um anschließend wieder blauen Tagtönen zu weichen.
5) Nachdem das letzte Model wieder das Licht „mitgenommen“ hat, erscheinen zum fünften Abschnitt strahlende Sterne am dunklen Himmel. Mit der Ankunft des ersten Models auf dem Catwalk wird der Sternenhimmel zur Hintergrundkulisse für ein sich langsam im Uhrzeigersinn drehendes, astrologisch oder astronomisch anmutendes Rad, das zur Hälfte aus dem Boden ragt. Darauf sind zu jeder Zeit ca. sechs verschiedene Tierkreiszeichen mit weiteren Daten zu sehen. Anfangs ist das Zeichen Schütze auf der obersten Position, am Ende Löwe, dazwischen Skorpion, Waage und Jungfrau. Am Ende des Abschnitts macht das Rad wieder dem Sternenhimmel Platz und das Licht im Raum wird gedimmt.
6) Im nächsten Abschnitt taucht es wieder auf und dreht sich weiter, leuchtet diesmal aber ein wenig heller. Es ist deutlich zu erkennen, dass das Sternzeichen Krebs beim Eintreten des ersten Models an oberster Position steht. Als das letzte Model verschwindet, hat sich das Rad über Zwillinge, Stier, Widder und Fische bis zum Tierkreiszeichen Wassermann weitergedreht.
7) Erneut erscheinen die Sterne, dann dreht sich das Rad ab dem Zeichen Wassermann weiter zu Steinbock, Schütze, Skorpion, Waage, Jungfrau und Löwe und schließlich bis zu Krebs/Zwillinge. Währenddessen leuchtet es heller und heller, bevor der Sternenhimmel es für kurze Zeit wieder ersetzt.
8) Beim Durchlauf aller Models erscheint es wieder und dreht sich diesmal in rasender Geschwindigkeit. Noch immer leuchtet es grell, am Horizont ziehen Sterne, rote Nebel und Planeten, praktisch die ganze Galaxie vorbei. Die Kulisse ist nun heller ausgeleuchtet. Kurz vor Erscheinen des Designers wird die Leinwand kurz nochmal schwarz, bevor sich das Rad im selben Tempo weiterdreht. Am Ende verschwindet der innere Kreis desselben und gibt einen weiten Blick auf die vorbei rasenden Galaxien im Weltall frei.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1) Die Kulisse der Show 2) Die Kulisse im 5.Abschnitt

1.3 Choreografie/Posing/Musik

Choreografisch führt die Models ihr Weg immer links hinter der niedrigen Hecke hindurch, von wo sie auf den Catwalk einbiegen. In Einzelfällen gibt es eine Zwischenpose in der Mitte des Laufstegs, so bei beinahe jedem zweiten Outfit des ersten und dritten Abschnitts. Ansonsten findet das Posing immer nur am Ende des Laufstegs statt. Dieses fällt immer sehr elegant und gediegen aus, eben typisch Haute Couture. Es handelt sich immer um eine seitliche Pose mit direktem, selbstbewussten Blick in die Kamera. Nur das Model, das die Show eröffnet, post etwas extravaganter mit einem arroganten Herüberwerfen des Kopfes, stolz gehobenem Kinn und provokantem Blick ins Publikum. Bei den meisten Posen werden ein oder zwei Arme in die Hüfte gestützt, was auch beim Laufen meistens beibehalten wird. Bei besonders umfangreichen, langen Kleidern wie im siebten Abschnitt, werden sie beim Laufen häufig mit einer oder zwei Händen hochgerafft. Die Models laufen in einer Reihe zum Ende des Catwalks und in einer zweiten Reihe rechts daneben wieder zurück, so dass sie den Catwalk rechts hinten an der Hecke vorbei verlassen können. Nur beim allerletzten Outfit wird der Laufsteg in seiner ganzen Breite gebraucht und das Model läuft ihn in der Mitte ab.

1) Abschnitt 1 wird von sehr langsamem, theatralischem Gesang begleitet, bei dem es sich laut Camilla Morton um Operngesang handele.3 Das Lied und die Show beginnen mit einem Paukenschlag, gefolgt von Tamburinklirren, das Assoziationen an einen Sternenregen hervorruft und etwas Märchenhaftes an sich hat. Dieses Klirren von Metall begleitet den gleichförmigen Gesang durchgehend, der wie aus einer alten Kultur stammend und vielleicht ein wenig wehklagend klingt. Die Models laufen dazu in einem sehr langsamen Takt.
2) Im zweiten Abschnitt schreiten die Models entgegen der aggressiven Proto-Punk-Musik der Band „The Stooges“ elegant und gelassen über den Catwalk. Der Song „I Wanna Be Your Dog“ aus dem Jahre 1969 mixt E-Gitarren-Soli, Gesang und Schlagzeug-Sound. Der Text des Songs ist ausschließlich anzüglich.
3) Im dritten Abschnitt werden die Models von einem schnellen und fröhlich klingenden, möglicherweise barocken, in jedem Falle aber klassischen Klavierstück begleitet. Sie legen dazu ein durchschnittliches Tempo an den Tag.
4) Während Abschnitt 4 hören wir die gefühlvolle Alternative-Nummer „Samson“ von Regina Spektor aus dem Jahre 2002 mit folgendem Text: You are my sweetest downfall / I loved you first, I loved you first / Beneath the sheets of paper lies my truth / I have to go, I have to go / Your hair was long when we first met / Samson went back to bed / Not much hair left on his head / He ate a slice of wonder bread, and went right back to bed / And history books forgot about us and the Bible didn't mention us / And the Bible didn't mention us, not even once / You are my sweetest downfall / I loved you first, I loved you first / Beneath the stars came fallin' on our heads / But they're just old light, they're just old light / Your hair was long when we first met / Samson came to my bed / Told me that my hair was red / Told me I was beautiful, and came into my bed / Oh, I cut his hair myself one night / A pair of dull scissors in the yellow light / And he told me that I'd done alright / And kissed me till the mornin' light, the mornin' light / And he kissed me till the mornin' light. Dazu passend bewegen sich die Models langsam und sinnend.
5) Im fünften Abschnitt bewegen sich die Models mit ernsten, strengen Blicken sehr schnell und beinahe aggressiv zu „Somebody told me“ von der Band The Killers aus dem Jahr 2004. Der Text lautet folgendermaßen: Breaking my back just to know your name / Seventeen tracks and I've had it with this game / I'm breaking my back just to know your name / But heaven ain't close in a place like this / Anything goes but don't blink you might miss / 'Cause heaven ain't close in a place like this / I said that heaven ain't close in a place like this / Bring it back down, bring it back down tonight / Never thought I'd let a rumour ruin my moonlight
6) In Abschnitt 6 laufen die Models in normalem Schritttempo und sehr elegant zu einer vermutlich toskanischen Arie in italienischer Sprache.
7) Im siebten Abschnitt ist der epische Track „Verona“ aus Baz Luhrmanns Romeo & Julia Soundtrack von 1996 zu hören. Die Models bewegen sich dazu mit heroischer und würdevoller Attitüde. Das passende Shakespeare-Zitat, das auch Camilla Morton aufführt, lautet: Two households, both alike in dignity / In fair Verona, where we lay our scene / From ancient grudge break to new mutiny / Where civil blood makes civil hands unclean.
8) Beim gemeinsamen Durchlauf bewegen sich die Models schnell und dicht an dicht hintereinander gedrängt, wozu erneut die klassische Klaviersonate aus Abschnitt 3 erschallt. Die ersten drei Models des ersten Abschnitts und das fünfte Model des siebten Abschnitts halten dabei als einzige nicht die chronologische Reihenfolge ein, sondern treten erst ganz am Ende wieder auf. Schließlich postieren sie sich in einer Viererkonstellation zwischen den hohen Hecken. Nach einer Weile erscheint Galliano in ihrer Mitte. Er watet in seinem Raumanzug regelrecht nach vorne, als mache ihm die Schwerelosigkeit tatsächlich Umstände und posiert dann im Halbprofil nach rechts gewandt vor seinen Models. Dann watet er weiter den Laufsteg entlang und wirft sich erneut in seine Pose. Er hebt stolz das Kinn und blickt in die Kamera, dann wandert sein Blick kurz ins Publikum, während er die Rückreise antritt. Zwischen seinen Models bleibt er noch einmal stehen, posiert im Halbprofil, diesmal nach links gewandt und geht ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1) Posing im finalen Outfit, Abschnitt 7 2)/3)/4) Gallianos Auftritt und Posing, Abschnitt 8

1.4 Kollektionsgestaltung

1) In Abschnitt 1 finden sich fast ausschließlich Kleider im Meerjungfrauen-Schnitt. Die ersten drei Kleider erinnern stark an militärische Rüstungen, da sie alle jeweils einen Metallärmel aus schwarz-silbernem, goldenem oder kupfernem Metall besitzen, immer farblich passend zum übrigen Kleidungsstück.

Das erste Outfit ist komplett in Silber und Schwarz gehalten und besitzt regelrecht einen Fischschwanz. Das schulterfreie Oberteil läuft an den Hüften in eine Art Schößchen aus, das nur seitlich absteht, jedoch vorne und hinten flach in den Rock hineinläuft. Der Stoff hat einen sehr guten Stand und ist mit silbernen Blumenranken, Füllhörnern und Fischschuppen gemustert. Der Rock hingegen ist von schwarz-silbrigen Pailletten übersät und läuft in eine kleine Fischschwanz-Schleppe aus. Auf der Schulter endet der metallene Ärmel in einem mehrlagigen „Metallflügel“. Der Ärmel selbst endet unten trompetenförmig und hat einige Aussparungen. Neben dem „Flügel“ schließt sich an ihn auch der Teil eines metallenen Korsetts an. Auf dem Kopf trägt das Model eine scheinbar gläserne, silberne Krone, bestehend aus drei Seepferdchen-Figuren, an die sich Schnüre mit silbernen Glasperlen anschließen, die um das Gesicht des Models fallen.

Das zweite, goldene Outfit besitzt sogar einen halben Brustpanzer, der über das eigentliche Kleid geschnallt wurde. Dieses besteht aus einem fließenden, durchsichtigen Stoff, der glänzt wie Organza, an der Schulter gerafft ist, mit goldenen Blumenranken bestickt ist und schräg bis zum Boden fließt. Der Ärmel der „Rüstung“ hat die Besonderheit zweier trichterförmiger Formen im Ellbogenbereich und einer Häufung von Metallscheiben an der Schulter. Zum Outfit gehört außerdem ein goldener Kopfschmuck aus Glasperlen, die in Ketten um das Gesicht des Models fallen.

Das kupferfarbene Kleid ist über und über mit glänzenden Pailletten bestickt. Zu einem Großteil sind sie kupferfarben, ein kleiner Teil ist jedoch hellblau wie angelaufenes Metall. Auch der tatsächlich metallene Rüstungsärmel hat solche angelaufenen Stellen. Seine Form erinnert mit den vielen übereinander geschichteten Lagen an den Panzer eines Meerestieres. Unter dem Kleid trägt das Model eine glänzende Korsage, auf dem Kopf eine Krone mit Figuren, die anmuten wie gläserne Drachen mit Muscheln als Flügel. Herab hängen wieder Perlenketten.

Beim vierten Outfit handelt es sich um ein hellgrünes, schulterfreies Kleid aus durchsichtigem Stoff. Es ist mit überwiegend großen, quadratischen Pailletten in Gold und Grün bestickt, wodurch es an ein Schuppenkleid erinnert. Im Bereich der Scham ist es nur dürftig bestickt, sodass ein grüner Body und die nackten Beine des Models deutlich zum Vorschein kommen. Die Hüftpartie wird an den Seiten durch einen gerafften Stoffüberwurf betont. Auch dieses Model trägt einen Kopfschmuck aus Perlenschnüren, darin, im Bereich der Ohren, ist jeweils eine gläserne Muschelhälfte eingewoben. Insgesamt erinnert das Model in diesem Outfit stark an die Sagengestalt der Meerjungfrau.

Das letzte Kleid des Abschnitts ist besonders reich quergefältelt. Es ist aus einem hautfarbenen, fließenden Stoff wie z.B. Seide gemacht und im unteren Bereich extrem durchsichtig, sodass sogar das Gesäß deutlich erkennbar wird. Außerdem ist es mit goldenen Blumenranken bestickt oder bedruckt. Über die rechte Körperhälfte wurde scheinbar eine Art Gussform aus rosa Plastik gezogen, die durch die silberfarbenen, quadratischen Pailletten wie eine Rüstung anmutet. Das Model trägt einen rosafarbenen Perlen-Kopfschmuck wie die vorherigen, jedoch findet sich bei diesem eine gläserne, aufgestellte Muschelhälfte mit einer echten Perle darauf.

2) Die fünf Outfits des zweiten Abschnitts haben mit denen des ersten augenscheinlich nichts gemein: Bis auf ein silber-schwarzes Outfit bestehen sie allesamt aus schwarzem und schreiend rotem Lack, Leder oder Latex. Es handelt sich um Kleider und jedes davon hat mehrere Gürtel und Schnallen, zum Teil in Kontrastfarbe, an sich. Die Kleider zeichnen sich vor allem durch zahlreiche Fältelungen und satanistisch anmutende Symbole aus.

Das erste Outfit sticht durch einen Rock mit extrem tiefen, offenen Falten hervor, auf dem mehrere schwarze Sonnen abgebildet sind und an dem Büschel von Haar bzw. Fell hängen. Besonders sind auch die Fledermausärmel und der große Kragen des glänzenden, roten Oberteils. Der Kopfschmuck sieht aus wie geknülltes, schwarzes Metall, in das die Haare des Models eingebunden worden sind und um das silber-schwarze Metallstreifen gebunden wurden, um es unter dem Kinn zu befestigen. In jedem Fall macht er einen militärischen Eindruck.

Outfit 2 fällt durch die großen Applikationen des gefalteten Rocks auf: Der schwarze Stoff wirkt zum Teil silbern marmoriert, wird aber durch zwei breite samtene Bänder durchbrochen, wovon eines schräg über die Front läuft, ein zweites den Saum einfasst. Auf diesen Streifen reihen sich runde Embleme, die von Haar gesäumt werden und jeweils eine silberne Hand aufgedruckt haben. Ein weiteres Symbol ist augenfällig: Ein großer roter Kreis mit einem Pentagramm oder einem ähnlichen Zeichen im Inneren. Auf das Oberteil des Kleides wurden große Eichenblätter appliziert und um die Arme und über den Rücken spannen sich die bereits erwähnten Gürtel, die so überkreuzend den optischen Beigeschmack von Fesseln oder Zaumzeug hervorrufen. Dazu trägt das Model nicht nur rote Lederschuhe, sondern auch die passenden Handschuhe. Auch der Kopfschmuck ist bemerkenswert: Es sieht aus, als habe man mit einem Metallstreifen einen doppelt genommenen Pferdeschwanz gebunden und durch die Schlaufe aus Haar ein gefaltetes, schwarzes Tuch aus stehendem Stoff gesteckt.

Das silber-schwarze Outfit sticht durch das Fehlen der Farbe Rot heraus, doch auch durch seine gigantischen, gefalteten Keulenärmel. Der Rock ähnelt den vorangegangenen, mit der Besonderheit eines sehr breiten, gemusterten Saumbandes, worauf sich Abbildungen von Monden und Sternen finden lassen. Die Formen auf Ausschnitt und Unterärmeln erinnern wiederum an Muscheln.

Das 4. Model ist durch die roten Gürtel ebenso, wenn nicht sogar noch mehr zusammengeschnürt wie das zweite. Es trägt sogar ein langes rotes Band um den Hals, das mit Sicherheit keine Kette darstellt. Jedoch ist das Oberteil von glänzenden Pailletten übersät und wird noch von feinsten Blumenranken-Stickereien im Schulterbereich veredelt. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch der schwarze, dicht gefältelte Tüllrock mit den dicht gesäten roten Wollstreifen und der asymmetrisch geformte, bestickte Kragen, welcher nämlich an der linken Seite länger ist und absteht.

Das letzte Outfit bietet nochmal einige Auffälligkeiten: Nur hier wurde das Material flächig mit einem Muster bedruckt. Dieses setzt sich zusammen aus verschiedenen Symbolen wie z.B. großen Sonnen und einem Mann in einem altmodischen Gewand, der darauf deutet, Pfeilen, wovon einer deutlich hervorsticht und nach unten weist, Greifen und anderen, eher satanisch anmutenden Symbolen. Der Rock ist vorne geschlitzt und lässt beim Gehen unifarbenen Stoff durchblitzen. Auffällig sind die Fellbesätze an Kragen- und Ärmelausschnitten.

3) Die sieben Outfits des dritten Abschnitts heben sich vor allem durch die wesentlich kürzeren Röcke und die absolut symmetrischen Schnitte und Applikationen von den vorangegangenen ab. Hier durchbrechen lediglich die Hüte die Symmetrie.

Das erste Outfit besticht durch goldene Schuppen auf leuchtend grünem Grund. Der eher schlichte, knielange Bleistiftrock steht in Kontrast zu dem mit bunten Strass- oder Edelsteinen veredelten Oberteil, das in eine Art steifes, abstehendes und zweigeteiltes Schößchen ausläuft. Das passende, grün-goldene Hütchen sieht aus, als sei es aus einem Schuppenleder gefertigt. Wie man erst bei genauem Betrachten bemerkt, besteht es aus „zusammengebundenen“ bzw. zusammengenähten Fischen an denen offenbar noch das Preisschild hängt und die Strass- oder Edelsteine als Augen haben und mit Federn garniert wurden.

Der nächste Hut sieht aus, als sei er aus blauem Krokodilleder gemacht, ist geformt wie ein umgestülpter Eimer und verziert mit Schuppen aus Strass und blauen Federn. Die Schuhe bestehen aus dem selben Grundmaterial. Das dazugehörige Outfit ist von der selben Farbigkeit. Das Oberteil ist vor allem im Arm- und Schulterbereich aus vielen einzelnen Teilen zusammengesetzt, die allesamt mit goldenen Schuppen und Kringeln veredelt wurden. Besonders augenfällig ist der angesetzte panzerartige „Handschuh“. Über das glockenförmige Schößchen zieht sich der goldverzierte Besatz V-förmig, konkav nach unten. Aus der Spitze entspringt achsensymmetrisch ein wesentlich weicher fallender Stoff in einer auf dem Kopf stehenden, konvexen V-Form, sodass es aussieht als läge eine Fischflosse auf dem einfachen Bleistiftrock und das Model sei somit eine Meerjungfrau.

Outfit 3 ist von einem ebensolchen Lila wie das vorherige von einem Blau war, und besteht aus Jacke mit Puffärmeln und Bleistiftrock. Die Knöpfe der Trenchcoat-artigen Jacke sind mit tropfenförmigen Schmuck- oder Edelsteinen beklebt. Mit solchen Steinen sind auch die gelb-goldenen Borten besetzt, die sich auf dem Rock übereinander reihen. Schmuckvoll wurden außerdem große Seepferdchen, offenbar gemacht aus denselben Borten, symmetrisch auf die Jacke aufgebracht. Dazu passend ist der Kopfschmuck, der aussieht wie der Kopf eines Seepferdchens aus Metall und Strass, der dem Model in die Stirn hängt, gekrönt von einer großen, lilafarbenen Feder.

Das pinke Kleid ist körpernah geschnitten und bis auf die großen, muschelförmigen, silber-pinken Pailletten-Applikationen an Schultern, Brüsten, Schenkeln und Rücken, sowie die fontänenartig aufsteigenden Paillettenreihen an den Säumen sehr schlicht gehalten. Der Kopfschmuck besteht allerdings aus einer großen, lilafarbenen Plastikhand mit einer beinahe noch größeren, pinken Satinschleife um das Handgelenk. Die Hand greift nach einer goldfarbenen Muschel auf der Stirn des Models.

Das nächste Kleid ist von einem dunklen Pink mit goldfarbenen Ranken und Schuppen darauf. Auffällig sind die panzerartigen Stoff-Schachtelungen im Brustbereich und an der Außenseite der Oberschenkel. Letztere sind deutlich als Fischköpfe zu erkennen, deren geschuppte Körper nach oben in das Kleid hineinlaufen. Auch hier ist der Kopfschmuck extrem besonders, zeigt er doch bei genauerer Betrachtung einen pink-gefiederten Vogel, der ein gold-silbernes Tier im Schnabel hat, das offenbar halb Fisch halb Echse ist, und auf einem Netz sitzt, das dem Model über den gesamten Kopf gezogen wurde.

Das folgende Outfit ist von einem zarten Korallenrosa. Auf das eigentlich Oberteil wurden rosafarbene, orange und rote Perlen in Form von Korallen aufgenäht. Daran angesetzt wurden die vielfach geschachtelten Ärmel und das ebenfalls geschachtelte, flügelartig auseinander laufende Schößchen mit den goldfarbenen Perlen- und Pailletten-Applikationen als Ranken und Saumabschlüsse. Die High-Heels und der einfache Bleistiftrock aus vergleichsweise dünnem Stoff weisen dieselben korallenförmigen Perlenstickereien auf wie das Oberteil. Der Haarreif ist hier besonders augenfällig, denn auf ihm sitzen paillettenbesetzte Krebs- bzw. Krabbenzangen aus Stoff.

Beim letzten Kleid wurde die Farbigkeit des vorangehenden Outfits mit weißem Unterkleid und weißen Pelzbesätzen kombiniert. Das Schulterstück des ersten Outfits im ersten Abschnitt tritt hier erneut auf, jedoch in abgewandelter Form: Es wurde vergrößert und verdoppelt, und die beiden Teile symmetrisch zu einer Art Cape zusammengesetzt. Außerdem finden sich beidseitig die trichterförmigen Ellenbogen-Auswüchse von Outfit 2 aus Abschnitt 1 wieder. Der geteilte Rock ist vielfach geschachtelt, das gesamte Outfit mit weißen und goldenen Perlen garniert. Auf dem Kopf trägt das Model einen Haarreif in Form eines Hummer- oder Garnelenschwanzes.

4) Die Kleider des vierten Abschnitts zeichnen sich alle vier durch zweifarbige, gestreifte oder karierte Satin-Oberteile und extrem voluminöse, abenteuerlich geformte, grüne Röcke aus, auf die Stoffstreifen in verschiedenen Wellen- oder Schuppenformen reihenweise übereinander gesetzt wurden. Das Besondere daran ist die Art, wie die Streifen aufgesetzt wurden, nämlich mit der hauchzarten Kante des Streifens, nicht mit der breiten Fläche. Auf diese Weise entstehen bauschige, unkonventionelle Röcke. Allen Outfits gemein ist auch die Art, das Haar mit Bändern auf Drahtgestellen zu schmücken und die spitz zulaufenden, langen, halbhohen Stoffschuhe mit Absätzen aus Spiegelglas.

Das erste Model in diesem Abschnitt trägt den gebauschten, bodenlangen Rock scheinbar vor sich her, in Wirklichkeit ist er jedoch so geformt und das Model muss die Arme daher seitlich ausgestreckt auf dem Rock ablegen. Es trägt ein rot-gelb-kariertes Oberteil, dessen karierte Streifen unter der Brust schräg zusammenlaufen und ineinander verschachtelt sind. Breite, rote und gelbe Tücher sind im Haar über hornförmige Drahtgestelle gespannt und hinten zu einer Schleife zusammengebunden. Das Model trägt einen roten und einen gelben Schuh.

Beim zweiten Outfit wird der glockenförmige Rockmit angesetzten hellblau- und gelbgestreiften Bauschärmeln zum Kleid. Darunter trägt das Model eine Strumpfhose, bei der das rechte Bein gelb ist, das linke hellblau. Passenderweise ist genau umgekehrt der linke Schuh gelb und der rechte hellblau. Dieses Model trägt außerdem zwei Trompeten im Haar, an denen jeweils ein Wimpel mit einem hellblau-gelb-karierten Wappen darauf und mit goldenen Fransen daran hängt. Eine Kordel verbindet die beiden Trompeten und hängt dem Model unter dem Kinn. Die Trompeten sind mit goldenen Drähten kunstvoll im üppig gebauschten Haar angebracht.

Der Rock des dritten Outfits ist unten meerjungfrau-mäßig gebauscht, hat eine lange Schleppe und außerdem noch einen kurzen Rock etwa auf Bauchhöhe. Dazu wurde ein quergestreiftes, rot-gelbes Oberteil kombiniert, dass die Oberarme durch die verschachtelten Streifen eingeschnürt werden und sich vermutlich nicht bewegen lassen. Über einem goldenen Drahtgestell in den Haaren und drei goldenen Stäben, die hinten in der Frisur stecken, und auch unter dem Kinn wurden rot-gelbe Tücher gebunden.

Das vierte Model zieht an ihrem Rock eine mindestens ein Meter lange und beinahe ebenso dicke, gebauschte Schleppe hinter sich her, die sich beim Laufen mitbewegt wie ein lebendiges Tier. Das gefaltete und geschachtelte Oberteil ähnelt dem des vorherigen Outfits, ist jedoch lila-gelb gestreift. Auffällig bei den Streifen ist, dass die Farben immer genau achsenunsymmetrisch gesetzt wurden. Die Tücher in den Haaren wurden auf goldenen Drahtgestellen in Form von stilisierten Hörnern und Trompeten befestigt.

5) Der fünfte Abschnitt wird von sehr vielen Models mit kurzen Pelzmänteln in dunklen Farben oder kurzen relativ einfarbigen Kleidern bevölkert. Alle tragen darunter eine schwarze, hautenge Leggins und fast alle schwarze, schimmernde Lederschuhe.

Das erste Model im fünften Abschnitt trägt einen sehr kurzen, vollkommen schwarzen Pelzmantel. Gekrönt wird dieser durch lange, schwarze Federn im oberen Bereich.

Beim zweiten Outfit handelt es sich um einen halblangen, schwarzen Fellmantel mit vertikalen, goldenen Flammen-, Strahlen- oder Wellen-Applikationen mit Pailletten darauf.

Das dritte Model trägt einen braun-schwarzen, scheinbar gestreiften Pelzmantel mit großem Fellkragen und eine braun-schwarze Kappe auf dem Hinterkopf.

Bei Outfit 4 handelt es sich um einen Mantel oder ein Cape mit langen Ärmeln aus einem lederartigen Stoff, der gold-braun schimmert. Highlight sind die langhaarigen beige-braun-schwarzen Fellbesätze an Kragen, Ärmel und Saum.

Das kurze, gelbe Kleid besteht aus einem seidigen Material und ist oben an der linken Seite stark gerafft. Ein anderer, golden glänzender Stoff bildet den Abschluss am Ausschnitt und den rechten Ärmel. An diesem sind die gleichen trompetenartigen, goldenen Blechtrichter angebracht, die schon an zwei anderen Ensembles so ähnlich zu finden waren. An der rechten Schulter befindet sich ein Busch goldener Federn und goldene Federn sind außerdem entlang der Raffung auf den gelben Stoff gesprenkelt.

Das sechste ist ein schulterfreies, sackartiges, schwarzes Mini-Kleid. Aus dem Band, das den Ausschnitt einfasst, entspringt rechts ein schwarzes Satin-Tuch, das schürzenartig vor dem Kleid hängt und links in einen Träger ausläuft. Der Träger ist mit bunt schillernden Perlen oder Pailletten bestickt. Diese Stickerei setzt sich in Form einer Pfauenfeder über die „Schürze“ und auch den Rücken fort.

Outfit 6 ist weder Kleid noch Jacke; es hat lange Ärmel, die in bereits bekannten, goldenen Blechtrichter-Formen enden, runde, gepolsterte Schultern und einen zweigeteilten Rock, der kaum bis über das Gesäß reicht. Der Kragen ist mit langem, bräunlichem Pelz besetzt, das übrige Oberteil ist mit kleinen, bunten Federn in den Farben Dunkelgrün, Schwarz, Braun, Beige, Orange und Hellgrün mosaikartig beklebt, was erneut die Assoziation von Schuppen hervorruft. Das Model trägt - wie auch das nächste - eine braune Kappe auf dem Hinterkopf.

Dieses führt ein halb-langes, rot-glänzendes Kleid mit einer sanduhrförmigen Raffung vor. Der rechte Arm steckt in einem Rüstungsteil, das halb mit kleinen, lilafarbenen, grünen und braunen Federn übersät ist, halb aus einem braunen Metall-Unterarm-Schoner besteht, der sich zur Hand hin verschmälert.

6) Die 4 Kleider des sechsten Abschnitt besitzen allesamt einen bodenlangen, fließenden, körpernahen Rock aus einem seidigen, durchsichtigen Material. Eine weitere Gemeinsamkeit sind die zarten Pastellfarben der Kleider und die spitz zulaufenden Satin-Schuhe. Viele Kleider weisen außerdem Raffungen oder Fältelungen auf und erinnern an manche Outfits aus dem ersten Abschnitt.

Das erste Outfit des Abschnitts hat eine zart rosa-hautfarbene Farbgebung und eine taschenartige Schachtelung außen an den Hüften. Angesetzt ist rechts wieder ein „Krabbenpanzer“ als Ärmel, diesmal in Zartrosa mit silbernen Blumenranken und echten Perlen. Auf dem Kopf des Models sitzt ein Krebs aus silbernem Stoff sowie zwei große, weiße Federn.

Das zweite Model präsentiert ein weißes, gefälteltes und eingedrehtes Kleid und ein weißes Bolero mit oben geschlitzten Ärmeln, die bis zum Boden reichen und applizierten, goldenen Schuppen. Das Bolero macht den Eindruck einer Schlangenhaut. Eine Abendtasche mit den gleichen silbernen Schuppen, vermutlich auf weißem Leder, lugt aus einer der Taschen, die sich durch Fältelung und Eindrehen des Stoffes vorne im Kleid ergeben haben. Im Haar trägt das Model einen kleinen, silbernen Bogen mit einem weiß gefiederten Pfeil.

Das dritte Outfit ist von hellblauer Farbe und besitzt ein „Panzeroberteil“ mit silberner Rankenverzierung. Auf dem Kopf trägt das Model hellblaue Federn mit echten Perlen darin und eine Schmuckspange in Form eines Fisches aus goldenen und silbernen Steinen.

Das vierte Kleid ist von zarter rosa Farbe und strahlenförmig von einem Punkt der vorderen Mitte aus gerafft. Über die rechte Körperhälfte wurde ein Panzerstück mit Ärmel gezogen, auf dem silberne Rankenverzierungen zu finden sind. Die silbernen Figuren auf dem Haarreif mit der großen rosa Straußenfeder erinnern an ein Hufeisen und zwei Spinnentiere. Darauf finden sich auffälligerweise ein einzelner roter Edelstein und eine einzelne rote Perle, die dem Model in die Stirn fällt.

7) Vier der Fünf Outfits des siebten Abschnitts zeichnen sich durch voluminöse, komplizierte, bunte Rockdrapagen aus einem schweren, stark glänzenden Stoff aus. Allen gemein sind militärisch wirkende Blechhelme, entweder mit (Pferde-)Ohren oder in Form eines Echsenkopfes mit Augen, Schnauze und Schuppen, der nur in der seitlichen Ansicht offenbar wird. Alle Helme werden von mehr oder weniger großen Federbüschen geschmückt. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die erneute Ausstattung aller Outfits mit Panzer- bzw. Rüstungsteilen.

Das erste Kleid glänzt anthrazitfarben und ist im vorderen Bereich besonders stark gerafft. Am Saum befindet sich eine große, beige-silberne Applikation in Form desselben Vogels oder Drachens mit großen, spitzen Ohren, auf den auch die Helme verweisen. Am geraden Ausschnitt des Kleides findet man einen schmalen, braunen Gürtel. Das Kleid verfügt hinten über eine Schleppe und den anthrazitfarbenen, zum Teil blau „angelaufenen“ Arm einer Rüstung. Der Helm besteht aus dem selben Material, ist mit Ohren, einem T-förmigen Augen- bzw. Nasenschlitz und langen Fasanenfedern ausgestattet und wird als Hut getragen.

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1 Kühl, Alicia: Die Choreografie oder das Schreiben von Modenschauräumen, in: Die Medialität der Mode. Kleidung als kulturelle Praxis. Wenrich 2015.

2 Camilla Morton: Autumn/Winter 2006 Couture Christian Dior, in: vogue.co.uk, Paris 2006 http://www.vogue.co.uk/shows/autumn-winter-2006-couture/christian-dior (aufgerufen am 19.02.2018).

3 Morton 2006, wie Anm. 2, S.3.

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Titel: Heldenreise durch den Kosmos. Analyse und Interpretation der Modenschau "Christian Dior Haute Couture - Herbst/Winter 2006/2007"