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Das Suffix -bar in der deutschen Sprache

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 15 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung Seite

2. Wortbildung Seite
2.1 Was ist Derivation? Seite
2.1.1 implizite Derivation Seite
2.1.2 explizite Derivation Seite

3. Die explizite Adjektivderivation Seite
3.1 adjektivische Präfigierung Seite
3.2 adjektivische Suffigierung Seite

4. Das Derivationssuffix -bar Seite
4.1 diachrone Betrachtung Seite
4.2 verbale Basis Seite
4.3 substantivische Basis Seite
4.4 adjektivische Basis Seite
4.5 Besonderheiten des Suffixes Seite

5. Schluss Seite

6. Quellenverzeichnis Seite
6.1 Literaturverzeichnis Seite
6.2 Internetquellen Seite

1. Einleitung

„Es ist nicht die Sprache, die sich verändert, sondern wir sind es, indem wir sie täglich gebrauchen“ (Nübling 2008: 1)

Es ist keine Seltenheit, dass man ständig mit neuen Wörtern in der deutschen Sprache konfrontiert wird. Die Sprache unterliegt einem ständigen Wandel und auch Wortneubildungen sind dabei kein unbekanntes Phänomen und begegnen uns immer wieder, oft auch unbewusst. Neben unzähligen Aneinanderreihungen bereits vorhandener Wörtern, in Fachsprache: „Komposita“ genannt, wie die Beispiele V e rkehrsinfrastrukturfinanzierungsgesellschaft oder auch Oberpostdirektionsbriefmarkenstempelautomatenmechaniker zeigen, sind Ableitungen bereits vorhandener Wörter meist mit Hilfe eines Affixes(= Derivation), wie beispielsweise die Bildung des Adjektivs trinkbar aus dem Verb trinken zeigt , Formen, die uns täglich in der Gegenwartssprache begegnen.

In der folgenden Hausarbeit soll das Suffix -bar, welches dauerhaft an Wortneubildungen beteiligt ist, genauer betrachtet und anhand vorhandener Literatur kritisch analysiert werden.

Diesbezüglich soll zuerst kurz allgemein erklärt werden, was Wortbildung generell überhaupt ist und im Anschluss speziell Bezug auf die Derivation genommen werden. Bei dieser wird die adjektivische Derivation, insbesondere die explizite Adjektivderivation besonders hervorgehoben, da diese für die folgende Hausarbeit eine wichtige Rolle spielt. Anschließend wird das Suffix -bar hinsichtlich der Funktion in der deutschen Sprache analysiert und in inhaltlichen Zusammenhängen begutachtet. Auch der Struktur- und Bedeutungswandel des Suffixes -bar soll dabei nicht außen vor gelassen werden.

Es gilt zu erwähnen, dass keines der zu erklärenden morphologischen Verfahren den Anspruch von Vollständigkeit aufweisen, sondern nur zu besseren Verständnis dienen.

2. Wortbildung

Die Wortbildung gehört zu Teilen der Morphologie und bezeichnet dabei einen Vorgang, welcher dazu verhilft, aus bereits bekannten Wörtern neue Wörter zu bilden. Dabei wird auch das Ergebnis neu zusammengefügter Wörter unter dem Begriff Wortbildung zusammengefasst. Allgemeiner lässt sich sagen, dass die Wortbildung die Bildung neuer komplexer Wörter auf der Basis vorhandener sprachlicher Mittel darstellt. Hierbei lassen sich vier verschiedene Arten unterscheiden, welche jedoch nicht ausführlich erklärt werden sollen, sondern lediglich einen kurzen Überblick über die verschiedenen Arten geben werden:

Zum einen die Komposition, welche die Zusammenfügung von Kernmorphemen darstellt und die Derivation, welche durch das Zusammenfügen eines Kernmorphems mit einem Affix gekennzeichnet ist. Auch die Kürzung eines Wortes und die Konversion , welche durch den Wechsel der Wortart ohne formale Änderung definiert ist, gehören dem Phänomen der Wortbildung an.

Im Folgenden soll speziell auf die Derivation eingegangen werden, da diese eine Grundlage für die weitere Arbeit darstellt.

2.1 Was ist Derivation?

Unter dem Begriff der Derivation (lat. derivare „leiten, ableiten, wegleiten“)versteht man eine Ableitung, mit Hilfe welcher aus vorhanden, bereits bestehenden Wörtern, neue Wörter abgeleitet werden, das heißt, dass neue Wörter entstehen. Dabei handelt es sich meistens um die Verbindung eines freien Morphems (was als Basis bezeichnet wird) und eines Affixes. Das „neue“ Wort hat dann dieselbe Basis, jedoch ist es entweder einer anderen Wortart angehörig, oder es besitzt eine neue Wortbedeutung, wobei beide der genannten Fälle auch nicht auszuschließen sind.

Betrachtet man beispielsweise den Verbalstamm -les als Basis des Wortes lesen und erweitert es mit dem Suffix -bar, erhalten wir das „neue Wort“lesbar. Somit hat sich das „alte Wort“ mit der verbalen Basis zu einem Adjektiv abgeleitet. Betrachtet man jedoch parallel zu diesem beispielsweise den Adjektivstamm klug und erweitert diesen durch den Präfix un-, erhalten wir das Adjektiv unklug. Die Wortart Adjektiv bleibt also bestehen, allerdings ändert sich die Bedeutung der Basis in das Gegenteilige.

Die Derivation lässt sich grundsätzlich in zwei Arten mit jeweiligen Unterarten unterteilen: Zum einen die explizite, als auch die implizite Derivation.

Im Folgenden sollen die verschiedenen Arten erklärt werden. Die besondere Aufmerksamkeit liegt jedoch auf der expliziten Derivation, da diese dem Suffix -bar zu Grunde liegt. Es gilt an dieser Stelle noch einmal zu erwähnen, dass für keine der genannten Arten der Anspruch auf Vollständigkeit erhoben wird.

2.1.1 implizite Derivation

Bei der impliziten Derivation kommen keine Affixe vor. Die Wortableitung erfolgt durch „die Modifikation des Vokals (Ablaut/ Umlaut) von bereits vorhandenen Wörtern“ (vgl. 2_Formen_der_Wortbildung.pdf, PG 6, Britta Weimann, WS 2017/18). Da sich bei der Neubildung die Wortart des Wortbildungsproduktes verändert, geht die implizite Derivation in einigen Lehrwerken eng mit der

Konversion einher, welche jedoch hier nicht aufgegriffen werden soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.2 explizite Derivation

Bei der expliziten Derivation wird aus einem bereits vorhandenen Wort mit Hilfe eines Derivationsaffixes ein neues Wort gebildet , welches man als Derivat bezeichnet. Dabei spielt die Position des Affixes eine große Rolle und zeigt, ob die Wortklasse des neu gebildeten Wortes sich verändert oder bestehen bleibt. Das neue Derivat besteht „aus einem Stamm in Form eines freien Morphems oder auch Derivationsbasis genannt und einem Derivationsaffix, das selbst keine Bedeutung hat, aber den Stamm modifiziert1 “. Man unterscheidet drei Unterarten der expliziten Derivation:

Präfigierung:

Bei dieser Art der Ableitung tritt ein Präfix vor die Basis und bildet somit ein neues Lexem. Präfixe sind in der Regel nicht kategorienverändernd.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zirkumfigierung (= kombinatorische Derivation):

Bei der Zirkumfigierung tritt ein Präfix, als auch ein Suffix um die Basis herum. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass dies parallel geschieht und nicht nacheinander eine Suffigierung und Präfigierung stattfindet. Jegliche Partizipbildung im Deutschen erfolgt mit Hilfe des Verfahrens der Zirkumfigierung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Suffigierung:

Diese Art der Ableitung erfolgt durch Anfügen eines Suffixes an das Ende der Basis. Meist verändert sich dabei die Wortart des neu gebildeten Lexems, somit lässt sich erschließen, dass Suffixe meist „kategorienverändernd oder kategoriebestimmend2 “ sind. Beispiel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Die explizite Adjektivderivation

Im Folgenden soll speziell die Ajektivderivation genauer betrachtet werden, da diese bei der Wortbildung mit Hilfe des Suffixes -bar eine wichtige Rolle spielt. Generell unterscheidet man bei der expliziten Adjektivderivation zwischen der adjektivischen Präfigierung, als auch der adjektivischen Suffigierung. Die Erste der beiden genannten soll jedoch nur der Vollständigkeit halber kurz anhand eines Beispiels erläutert werden, da diese in Verbindung mit dem Suffix -bar keinen großen Stellenwert einnimmt.

3.1 adjektivische Präfigierung

Die Präfixe treten immer vor die Basis und stehen somit an linker Stelle. Dies hat zur Folge, dass die Basis und nicht der Affix die Wortart des neuen Lexems bestimmt. Die meisten der Präfixe, welche dem Verfahren der adjektivischen Präfigierung zur Wortneubildung angehörig sind, werden als unproduktiv eingestuft. Die Ausnahme bildet der Präfix -un, welcher auch heutzutage noch hochproduktiv ist. Ein besonderes Merkmal der Präfixe liegt darin, dass einige Präfixe nicht nur speziell zur Bildung neuer Adjektive beitragen, sondern in einigen Fällen auch die Substantivbildung beeinflussen. Dies stellt jedoch nicht die Regel dar.

Beispiel der adjektivischen Präfigierung am Adjektiv sicher

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2. adjektivische Suffigierung

Die Suffixe treten immer rechts hinter die Basis. Dies bewirkt im Gegensatz zur adjektivischen Präfigierung, dass die Suffixe das neue Lexem in seiner grammatischen Kategorie bestimmen: Suffixe sind demzufolge wortartenspezifisch, das heißt, dass sie nicht zur Neubildung beliebiger Wortarten verwendet werden können. Jedoch ist auch zu erwähnen, dass die Wortart nicht immer verändert wird: Ein adjektivisches Suffix kann sich auch an ein Adjektiv anhängen ohne die Wortart zu verändern und die Semantik der Basis abschwächen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beispiel der adjektivischen Suffigieren am Verb flektieren

flektier (verbale Basis)+ bar (adjektivisches Suffix) flektierbar (Adjektiv)

[...]


1 http://fak1-alt.kgw.tu-berlin.de/call/linguistiktutorien/morphologie/morphologie%20k4.html

2 http://ling.uni-konstanz.de/pages/allgemein/study/introling/einf_09.PDF

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668911215
ISBN (Buch)
9783668911222
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463565
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Schlagworte
suffix sprache

Autor

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