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Lenz Anmerkungen übers Theater

Seminararbeit 2004 12 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sturm und Drang

2. Biographie von Jacob Michael Reinhold Lenz

3. Sprachanalyse von den „Anmerkungen übers Theater“
3.1 Zu Sprache und Stil
3.2 Zum Inhalt
3.3 Sprachliche Analyse

4. Literaturverzeichnis

1. Sturm und Drang

Der Sturm und Drang, benannt nach dem gleichnamigen Drama von Friedrich Maximilian Klinger aus dem Jahr 1776, ist eine zeitlich kurze literarische Bewegung. Sie beginnt 1770 und endet 1780[1]. Die mehr introvertierte Empfindsamkeit wandelte sich zu extrovertierter Leidenschaft, das Streben nach selbstgenügsamer Entfaltung des inneren Reichtums zum Streben nach kritischer Veränderung der äußeren Verhältnisse. Die „Genieperiode“, wie die Sturm und Drang- Zeit auch genannt wird, wehrte sich gegen eine nur von Zweckmäßigkeit und Vernunftgründen geleitete Lebensführung, die zum Stillstand alles Gefühlsmäßigen führen musste, und stellte einem nur vernünftigen Zweckideal das Recht des Gefühls gegenüber. Anders als die Aufklärung, die dem Menschen die geistigen, seelischen und körperlichen Eigenschaften als gattungshaft zugehörig zusprach, empfand der Sturm und Drang diese als unmittelbaren Ausdruck der Eigentümlichkeit der Person. Das Individuum stand im Vordergrund[2]. Der schöpferische Mensch war das Originalgenie und Kraftgenie, in dem sich die ursprüngliche Wahrheit des Lebens offenbarte. Die Wortfügung „Originalgenie“ verwies auf die Ursprünglichkeit und Unverwechselbarkeit des Genies, die andere, „Kraftgenie“, auf seine schöpferischen Fähigkeiten, die aus seiner Einbindung in die kosmischen Zusammenhänge hervorgehen. Dies ist ein Gedanke, der auf einen zweiten Leitbegriff dieser Zeit führt, die Natur[3].

Aus ihr gehen unbegrenzte Schaffensakte hervor, sie ist selbst von Kräften durchwaltet, die Teil des allseits wirkenden Lebens sind. Im Gegensatz zur naturwissenschaftlichen Vorstellung der Aufklärung, die alles als Mechanik auffasste, orientierte sich der Sturm und Drang an der Idee organischer Kräfte. Das Zentrum des Genies war sein Herz. In ihm wurde sowohl die organische Grundlage aller Kraftentfaltung, als auch der Ort der Gefühle und wichtigen Charaktereigenschaften wie Tugend, Freiheitsliebe und sinnlich- ästhetische Fähigkeiten gesehen.

Fühlen und Handeln wurden höher geschätzt als Denken und Räsonnieren. Gefühle wurden möglichst in Handlungsimpulse übergeleitet.

Das Verständnisvolle, Mitleidige des empfindsamen Gestus wurde abgelehnt, sogar verächtlich abgegrenzt als „Empfindelei“. Herz und Gefühl standen für diese Zeit in Verbindung mit einer starken, tätigen Natur. Trotz dieser anti- rationalen Selbstbestimmung der Stürmer und Dränger entstand keineswegs ein unüberwindlicher und durchgängiger Gegensatz von Rationalität und Irrationalität[4].

2. Biographie von Jacob Michael Reinhold Lenz

Am 23. Januar 1751 wurde Jacob Michael Reinhold Lenz im livländischen Seßwegen als Sohn des streng pietistischen Pastors Christian David und der Pastorentochter Dorothea Lenz geboren. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie Lenz nach Dorpat, einer größeren Stadt, in der Jacob Lenz dann auch die Schule und später die Universität besuchte. Die Familie Lenz verkehrte mit Theologen, Lehrern und anderen Honoratioren[5]. Auch die Pastoren der Landgemeinden und die Adligen der Umgebung gehörten dazu. In einigen seiner Dramen, wie auch dem „Hofmeister“, treten sie auf.

Schon als Schüler schrieb Lenz seine ersten Gedichte und Dramen. 1766 erschien in den „Gelehrten Beyträgen zu den Rigischen Anzeigen“ eines seiner Gedichte, „der Versöhnungstod Jesu Christi“, zum ersten Mal in der Öffentlichkeit. Die gesamte Familie erfreute sich an Lenzens Entwicklung. Auch der Vater nahm großen Anteil daran. Dokumente aus dem Nachlass der Familie bezeugen, dass dem Vater sehr an der Erziehung und Bildung seiner Kinder, vor allem Jacobs, gelegen war[6]. Er fasste seine Vaterrolle mit religiösem Ernst auf. Aus diesem Grunde sah er für Jacob im Studium der Theologie die beste Möglichkeit, es im Leben weit zu bringen. Im Herbst des Jahres 1768 begann sein Theologiestudium an der Universität Königsberg. Lenz war jedoch unzufrieden. An dieser Universität gab es nur einen Lehrer von Rang, der Vorlesungen hielt in Moral, Metaphysik, Naturwissenschaft und Anthropologie. Sein Name war Immanuel Kant. Bald besuchte Lenz ausschließlich Kants Veranstaltungen. Dessen Vorlesungen wirkten stark auf die Ideen Lenzens. Der kantische Einfluss „führte ihn in den Ideenkreis Rousseaus ein, er trug wesentlich zur Entwicklung der realistischen Seite seines Talents bei, und weckte in ihm den Geist der Kritik und der Analyse“[7]. In Königsberg machte Lenz auch Bekanntschaft mit Johann Georg Hamann, mit dem er fortan einen regen Briefwechsel führte. Hamann nahm in diesen Briefen mitunter großen Einfluss auf Lenz, was dessen große Verehrung für Shakespeare betrifft. 1771 nutzte Lenz die Gelegenheit, mit den Brüdern Friedrich Georg und Ernst Nikolaus von Kleist als „Mentor“ nach Straßburg zu reisen. Sie wollten als Offiziere in französische Dienste treten. In Straßburg angekommen, machte Lenz erste Bekanntschaft mit Goethe und es entwickelte sich ein enger Kontakt zu Johann Daniel Salzmann und den Mitgliedern der „Société de philosophie et de belles lettres“. In dieser Tischrunde diskutierte man, trank Wein, rauchte und speiste[8]. Lenz wohnte nicht in Straßburg, sondern, da er in den Diensten der Kleist- Brüder stand, teilte er mit ihnen deren Garnisonen in Fort Louis, einem Dorf etwa dreißig Kilometer von Straßburg entfernt. Sobald er nach Straßburg kam, trug er seinen Freunden in der Tischgesellschaft seine Gedichte, Shakespeare- und Plautus- Übertragungen, Dramen und Erzählungen vor, die er während seiner tristen Dienstzeit in Fort Louis geschrieben hatte. Die Entstehung seiner Werke in dieser Zeit kann man den Protokollen dieser Abende entnehmen. In Goethes Briefen an Merck und Lavater kann man seine Freundschaft mit Lenz herauslesen. In der Zeit, die Lenz in Straßburg verbrachte, ließ er seiner literarischen Entfaltung freien Lauf. 1774 wurde eine Übersetzung und Umarbeitung einiger Plautus- Lustspiele veröffentlicht, sowie auch sein erstes Drama, „Der Hofmeister“. Gerade dieses Stück wurde hoch gelobt von den Stürmern und Drängern. Da es anonym erschien, wurde zunächst Goethe als der Verfasser vermutet. Nachdem Wieland dem Werk eine sehr positive Rezension gegeben hatte, gab sich Lenz dann doch als der Autor preis. Im selben Jahr wurden auch Lenzens „Anmerkungen übers Theater“ veröffentlicht, in denen er die zeitgenössischen Dramentheoretiker zu überzeugen versuchte, Shakespeare als Vorbild für die deutsche Schaubühne aufzunehmen. Die „Frankfurter gelehrten Anzeigen“ lobten es wie folgt: „Ein sehr vollwichtiger Beytrag zur Dramaturgie! Tiefdurchdachte Einsichten in die Kunst!“[9]. Auch Goethes Schwager, J.G. Schlosser hob Lenz durch positive Kritik hervor. Lenz fühlte sich in seinen Absichten verstanden und ging eine Freundschaft mit Schlosser ein. 1776 folgte Lenz seinem Freund Goethe nach Weimar. Dort machte er Bekanntschaft mit Herder, Klinger und Charlotte von Stein. Lenz wurde bald zum Hofpoeten von Weimar. Dabei überspannte er jedoch einmal den Bogen mit einem Spottgedicht auf die vertuschte Affäre zwischen Goethe und Frau von Stein. Er wurde aus der Stadt verwiesen und kam bei seinem Freund Schlosser in Emmendingen unter. Ab nun führte er ein unstetes Leben. Besuchte Lavater in Zürich, hielt sich am Bodensee und in Winterthur auf. Als er 1777 vom Tod von Goethes Schwester erfuhr, verfiel er in tiefe Depressionen. 1778 sollte er sich bei Pfarrer Oberlin erholen. Es traten häufig Anfälle von Raserei auf. Schlosser, Klinger und andere seiner Freunde nahmen sich seiner an. Aber Lenzens Zustand verschlechterte sich zunehmend. 1779 besuchte ihn sein Bruder Karl, der Lenz völlig verwahrlost vorfand. Karl brachte ihn zurück zu seiner Familie nach Livland. Sein Geisteszustand besserte sich zunächst und er versuchte beruflich Fuß zu fassen.

[...]


[1] vgl. Lepper, G., Braunschweig 1983, S. 219

[2] vgl. Freund, W., Köln 2000, S. 68

[3] vgl. Salzer, A., Köln, S. 320

[4] vgl. Kaiser, G., München 1966, S. 76

[5] vgl. Hohoff, Curt, Hamburg, 1977, S. 9

[6] vgl. ebd, S. 17

[7] Rosanow, M.N., Leipzig, 1909

[8] vgl. Hohoff, C., Hamburg 1977, S. 24

[9] vgl. Rosanow, 1909, S. 161

Details

Seiten
12
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638435567
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46351
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Deutsche Sprache und Literatur II
Note
gut
Schlagworte
Lenz Anmerkungen Theater Seminar

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