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Die Gesundheitskompetenz von Angehörigen der Gesundheitsberufe im Kontext zu ihren verhaltensbezogenen Gesundheitsrisiken

Bachelorarbeit 2017 69 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract Deutsch

Abstract English

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Forschungsfragen

2 Forschungsmethode
2.1 Begriffsdefinitionen
2.1.1 Gesundheitskompetenz / Health Literacy
2.1.2 Angehörige der Gesundheitsberufe
2.1.3 Verhaltensbezogene Gesundheitsrisiken
2.2 Studiengruppe
2.3 Forschungsdesign
2.4 Fragebogen
2.4.1 Definition der Fragen
2.4.2 Auswertungskonzept

3 Studienergebnisse
3.1 Ausprägung der Gesundheitskompetenz der Studiengruppe
3.1.1 Gesundheitskompetenz – Gesamt und nach Subdomänen
3.1.2 Gesundheitskompetenz – Informationsverarbeitungsprozess
3.1.3 Gesundheitskompetenz – Personenbezogene Merkmale
3.2 Ausprägung der Gesundheitskompetenz im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung
3.3 Ausprägung verhaltensbezogener Gesundheitsrisiken der Studiengruppe
3.3.1 Bewegungsmangel
3.3.2 Alkoholkonsum
3.3.3 Tabakkonsum
3.3.4 Übergewicht
3.4 Gesundheitskompetenz in Relation zu verhaltensbezogenen Gesundheitsrisiken

4 Conclusio
4.1 Kritische Reflexion
4.2 Zusammenfassung
4.3 Zukünftige Herausforderungen

Literaturverzeichnis

Abstract Deutsch

Diese Arbeit behandelt die Themenbereiche Gesundheitskompetenz und verhal- tensbezogene Gesundheitsrisiken bei Angehörigen der Gesundheitsberufe. Auf- bauend auf das Konzept der European Health Literacy Survey (HLS-EU) wurde eine empirische Erhebung bei Studierenden der IMC Fachhochschule Krems (Depart- ment Gesundheitswissenschaften) durchgeführt. Die Studiengruppe weist, trotz Ab- solvierung einer Ausbildung zu einem Gesundheitsberuf, einen höheren Anteil an Personen mit limitierter Gesundheitskompetenz (71,5 Prozent) als die österreichi- sche Allgemeinbevölkerung (51,6 Prozent) auf. Im Gegenzug sind die verhaltens- bezogenen Gesundheitsrisiken Bewegungsmangel, Alkohol- und Tabakkonsum so- wie Übergewicht weniger stark ausgeprägt. Ein Zusammenhang zwischen Gesund- heitskompetenz und verhaltensbezogenen Gesundheitsrisiken konnte lediglich in geringem Ausmaß festgestellt werden. Allgemein zeigt sich, dass noch weiterge- hende Forschung zur Entwicklung von Maßnahmen zur Reduzierung von berufli- chen Risiken bei Angehörigen der Gesundheitsberufe indiziert ist. Insbesondere gilt es, die Entstehungspunkte dieser Risiken zu determinieren, um mit entsprechenden Konzepten (beispielsweise Gesundheitskompetenz) gegenwirken zu können.

Keywords: Gesundheitskompetenz, Angehörige der Gesundheitsberufe, European Health Literacy Survey, verhaltensbezogene Gesundheitsrisiken, berufliche Belas- tungen, IMC Fachhochschule Krems.

Abstract English

This paper discusses health literacy and behavioural health risks among health pro- fessionals. Regarding to the concept of the European Health Literacy Survey (HLS- EU) an empirical investigation among students of the IMC University of Applied Sci- ences Krems (department health science) was applied. Despite of qualifications as health professionals, the study group displays a higher rate of persons with limited health literacy (71,5 percent) than the Austrian population (51,6 percent). On the contrary, physical inactivity, alcohol consumption, tobacco consumption and over- weight are less prevalent. A correlation between these behavioural health risks and health literacy could be estimated only in a low level. In a general view, additional research about activities to decrease professional loads among health professionals is indicated. Especially, the basic reasons for these loads should be determined to are able to counteract with appropriate concepts (e.g. health literacy).

Keywords: health literacy, health professionals, European Health Literacy Survey, behavioural health risks, professional loads, IMC Krems.

Abbildungsverzeichnis und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Verhaltensbezogene Gesundheitsrisiken - Variablen für Interpretation

Abbildung 2: Gesundheitskompetenz (Gesamt und nach drei Subdomänen)

Abbildung 3: Gesundheitskompetenz nach Informationsverarbeitungsprozess

Abbildung 4: Gesundheitskompetenz nach Studiengang

Abbildung 5: Gesundheitskompetenz nach Studienfortschritt

Abbildung 6: Gesundheitskompetenz - Vergleich Studiengruppe mit Allgemeinbevölkerung

Abbildung 7: Bewegungshäufigkeit

Abbildung 8: Alkoholkonsum

Abbildung 9: Rauchverhalten

Abbildung 10: Übergewicht anhand der Body-Mass-Index Kategorien der WHO

Abbildung 11: Gesundheitskompetenz in Relation zu Bewegungsmangel

Abbildung 12: Gesundheitskompetenz in Relation zu Alkoholkonsum

Abbildung 13: Gesundheitskompetenz in Relation zu Tabakkonsum

Abbildung 14: Gesundheitskompetenz in Relation zu Übergewicht

Tabelle 1: Gesundheitskompetenz Kategorien

Tabelle 2: Kategorisierung des Alkoholkonsums

Tabelle 3: Statistik - Gesundheitskompetenz der Studiengruppe

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Bürgerinnen und Bürger treffen täglich Entscheidungen, die Einfluss auf den Erhalt ihrer Gesundheit sowie den Umgang mit Krankheiten aufweisen. Diese bewussten sowie unbewussten Entscheidungen beruhen auf vielfältigen kognitiven und sozia- len Fähigkeiten, welche im deutschsprachigen Raum unter dem Terminus Gesund- heitskompetenz aggregiert werden (Jordan & Hoebel, 2015, S. 942). Durch gezielte Förderung von Gesundheitskompetenz wird es Personen ermöglicht, gesündere Entscheidungen zu fällen und somit ihre individuelle Patientensouveränität zu erhö- hen. Daraus resultierend hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die Stärkung der Gesundheitskompetenz als Ansatzpunkt für Interventionen zur positi- ven Beeinflussung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung in den Rahmen- Gesundheitszielen verankert (BMG, 2012, S. 19).

Für die Stärkung der Gesundheitskompetenz kann zwischen zwei Zugängen unter- schieden werden: Ob die Gesundheitskompetenz einer Person ausreicht, um ge- sunde Entscheidungen zu treffen, hängt einerseits von den individuellen Fähigkei- ten, andererseits von den Anforderungen und der Komplexität des Systems ab. Es liegt daher in der Verantwortung der Organisationen des Gesundheitssystems, da- für Sorge zu tragen, dass die von ihnen geforderten Voraussetzungen nicht die Kompetenzen der einzelnen Individuen übersteigen (Parker, 2009, S. 91-94). Einen wesentlichen Stellenwert Gesundheitskompetenz-orientierter Organisationen neh- men Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowohl Angehörige der Gesundheitsberufe als auch Verwaltungspersonal, ein. Diese unterstützen Patientinnen und Patienten mittels verständlicher und zielgerichteter Kommunikation dabei, eine aktivere Rolle im Bereich ihrer eigenen Gesundheit einzunehmen (Brach et al., 2012, S. 3; 8-9;11- 12). Die Angehörigen der Gesundheitsberufe stellen aber, insbesondere aufgrund der enormen beruflichen Belastungen, auch selbst eine signifikante Zielgruppe im Zusammenhang mit der Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz dar (Pelikan & Dietscher, 2015, S. 992).

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Gesundheitskompetenz von Angehörigen der Gesundheitsberufe. Ein besonderer Fokus wird dabei auf verhaltensbezogene Gesundheitsrisiken, welche in weiterer Folge noch ausreichend definiert werden, und deren Zusammenhang mit der Gesundheitskompetenz der Betroffenen gerich- tet. Zu Beginn werden die der Arbeit zugrunde liegende Problemstellung sowie die daraus abgeleiteten Forschungsfragen vorgestellt. Anschließend wird die ange- wandte Forschungsmethode erläutert. Die Präsentation der Forschungsergebnisse stellt in weiterer Folge das Hauptstück der Arbeit dar. Abschließend werden die Er- gebnisse kritisch reflektiert und zusammengefasst sowie offene Herausforderungen angeführt. Als formale Grundlagen der Arbeit dienen die Ausführungen der Publika- tionen „Leitfaden für Bachelorarbeiten und Bachelorprüfungen“ (IMC Fachhochschule Krems [IMC], 2015a), „Wissenschaftliches Arbeiten in den Wirt- schafts- und Sozialwissenschaften“ (Berger-Grabner, 2013) sowie „Leitfaden für die formale Gestaltung schriftlicher / wissenschaftlicher Arbeiten“ (IMC, 2015b). Inhalt- lich wurde diese Arbeit in Folge der Bachelorarbeit I, welche einen umfangreichen Literaturereview zur Thematik wiedergibt, erstellt.

1.1 Problemstellung

Im Zeitraum Juli und August 2011 wurde im Rahmen der European Health Literacy Survey (HLS-EU) die Ausprägung der Gesundheitskompetenz in der europäischen Bevölkerung erhoben. Mit den gewonnenen Daten ist unter anderem erstmals ein zwischenstaatlicher Vergleich der teilnehmenden Länder (Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Irland, Niederlande, Österreich, Polen und Spanien) möglich. Öster- reich erzielte bei der HLS-EU unterdurchschnittliche Ergebnisse. So weisen 18,2 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine inadäquate Gesundheitskompe- tenz auf. Dies ist der zweithöchste Wert und liegt über dem europäischen Durch- schnitt (12,4 Prozent). Werden die Kategorien inadäquate und problematische Ge- sundheitskompetenz zusammengefasst (limitierte Gesundheitskompetenz), so ga- ben 56,4 Prozent der befragten Personen Verständnisprobleme an. Bei der limitier- ten Gesundheitskompetenz erzielten lediglich Bulgarien und Spanien schlechtere Werte als Österreich. Der Anteil an Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit exzellen- ter Gesundheitskompetenz ist in Österreich mit 9,9 Prozent geringer als im Durch- schnitt (16,5 Prozent) (Sørensen et al., 2015, S. 1-3). Obwohl davon ausgegangen wird, dass schlechte Gesundheitskompetenz sowohl bei den Patientinnen und Pa- tienten, als auch unter den Angehörigen der Gesundheitsberufe verbreitet ist (Berger et al., 2013, S. 45), liegen bisher kaum Arbeiten vor, die das Gesundheits- kompetenz-Verständnis der Angehörigen der Gesundheitsberufe untersuchten (Lambert et al., 2014, S. 2). Eine in den wissenschaftlichen Datenbanken Science- Direct, Springer Link sowie Sage durchgeführte Literaturrecherche bestärkt diese Aussage. Dabei wurden lediglich zwei relevante und aktuelle, jedoch regional be- grenzte, Studien aus China (Zhang et al., 2016) und Jordanien (Tubaishat & Habiballah, 2016) ausfindig gemacht. Für Österreich liegen Daten zur Gesundheits- kompetenz in Bezug auf das Ausbildungslevel vor, allerdings nicht hinsichtlich der beruflichen Tätigkeit (Pelikan, Röthlin, & Ganahl, 2013, S. 16). Unzureichende Ge- sundheitskompetenz kann unter anderem zu schlechteren Gesundheitsentschei- dungen, erhöhten verhaltensbezogenen Gesundheitsrisiken und schlechterer kör- perlicher und psychischer Gesundheit führen (World Health Communication Associates Ltd., 2009, S. 15). Diesbezüglich wurden auch im Zuge der HLS-EU signifikante Zusammenhänge zwischen niedriger Gesundheitskompetenz und un- befriedigendem Gesundheitsstatus festgestellt (HLS-EU Consortium, 2012a, S. 17;71-75).

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankenhäusern leiden häufiger unter berufli- chen Belastungen, als dies vergleichsweise bei anderen Berufsgruppen der Fall ist (Dietscher & Pelikan, 2016, S. 54). Ebenso sind bei Ärztinnen und Ärzten gehäufte Burnout-Symptome und Depressionen, eine erhöhte Suizidgefahr und ein stärker ausgeprägter Substanzmittelmissbrauch als Folge psychischer Belastungen festzu- stellen (Limbrecht-Ecklundt, Flaig, Gündel, Traue, & Jerg-Bretzke, 2015, S. 11). Trotz der vorliegenden Literatur, die eine erhöhte Gefährdung von Angehörigen der Gesundheitsberufe hinsichtlich verhaltensbezogener Gesundheitsrisiken aufzeigt, sind Daten über die Ausprägung dazu in Österreich rar. Eine in Oberösterreich bei Schülerinnen und Schülern der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen durchge- führte Studie hat ergeben, dass die Auszubildenden in den Domänen aktueller Ge- sundheitsstatus, psychische und physische Beschwerden sowie Gesundheitsver- halten unbefriedigendere Werte als entsprechende Vergleichsgruppen aufweisen (Freudenthaler, 2012, S. 7). Der Fehlzeitenreport 2016 des Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Leoni & Uhl, 2016) zeigt einen durchschnittlich längeren Krankenstand bei Bediensteten des Gesundheits- und Sozialwesens. Aus diesem ist jedoch kein direkter Zusammenhang zu verhaltensbezogenen Gesundheitsrisi- ken abzuleiten. Der Bericht der Hauptergebnisse der Österreichischen Gesund- heitsbefragung 2014 (Statistik Austria, 2015) gibt ebenso keine berufsspezifischen Aussagen zu Lebens- und Verhaltensweisen wieder. Aus den bisherigen Anführun- gen ist zusammenfassend festzuhalten, dass bei Angehörigen der Gesundheitsbe- rufe sowohl hinsichtlich Ausprägung der Gesundheitskompetenz als auch bezüglich verhaltensbezogener Gesundheitsrisiken eine beträchtliche Forschungslücke be- steht.

1.2 Forschungsfragen

Mit dieser Arbeit soll die Problemstellung respektive Forschungslücke (Ausprägung von Gesundheitskompetenz und verhaltensbezogenen Gesundheitsrisiken sowie deren Zusammenspiel) für einen eingegrenzten Teil der (künftigen) Angehörigen der Gesundheitsberufe – Studierende der IMC Fachhochschule Krems, Departe- ment Gesundheitswissenschaften – reduziert werden. Dafür wurden die folgend an- geführten Forschungsfragen definiert:

1. Wie ausgeprägt ist die Gesundheitskompetenz von Studierenden der Bachelor- studiengänge Ergotherapie, Gesundheits- und Krankenpflege, Hebammen, Musik- therapie und Physiotherapie an der IMC Fachhochschule Krems?
2. Wie ausgeprägt ist die Verbreitung verhaltensbezogener Gesundheitsrisiken bei Studierenden der Bachelorstudiengänge Ergotherapie, Gesundheits- und Kranken- pflege, Hebammen, Musiktherapie und Physiotherapie an der IMC Fachhochschule Krems?
3. Welchen Einfluss hat die Gesundheitskompetenz von Studierenden der Ba- chelorstudiengänge Ergotherapie, Gesundheits- und Krankenpflege, Hebammen, Musiktherapie und Physiotherapie an der IMC Fachhochschule Krems im Kontext zu ihren verhaltensbezogenen Gesundheitsrisiken?

2 Forschungsmethode

Dieses Kapitel beschreibt die methodische Vorgehensweise zur Beantwortung der Forschungsfragen dieser Arbeit. Um Missverständnisse in der Auffassung einzelner Begriffe zu vermeiden, werden unter 2.1 die für diese Arbeit wesentlichsten Begriffe definiert. Im darauffolgenden Kapitel (2.2) wird die Studiengruppe – Studierende der IMC – vorgestellt. Unter Punkt 2.3 sind die grundlegenden Festlegungen betreffend Forschungsdesign angeführt. Die detaillierte Erarbeitung der Forschungsmethode, konkret des benötigten Fragebogens, erfolgt anschließend im Kapitel 2.4. Dieses Kapitel untergliedert sich einerseits in die Definition der Fragen und andererseits in das in Folge erforderliche Auswertungskonzept.

2.1 Begriffsdefinitionen

2.1.1 Gesundheitskompetenz / Health Literacy

Der Begriff Health Literacy hat seinen Ursprung in den 1970er Jahren (Sørensen et al., 2012, S. 1). Im deutschsprachigen Raum hat sich Health Literacy unter dem Terminus Gesundheitskompetenz etabliert (Vogt, Messer, Quenzel, & Schaeffer, 2015, S. 4), obwohl diese Übersetzung auch durchaus kritisch betrachtet wird (Jordan & Hoebel, 2015, S. 942). Mittlerweile haben sich eine Vielzahl an Definitio- nen für Gesundheitskompetenz entwickelt (Abel & Sommerhalder, 2015, S. 923). Für diese Arbeit wird die folgend angeführte, vom HLS-EU Konsortium ausgearbei- tete, Definition herangezogen (HLS-EU Consortium, 2012a, S. 7):

“Health literacy is linked to literacy and entails people’s knowledge, motivation and competences to access, understand, appraise, and ap- ply health information in order to make judgments and take decisions in everyday life concerning healthcare, disease prevention and health promotion to maintain or improve quality of life during the life course” (Sørensen et al., 2012, S. 3).

Diese Definition wurde für die HLS-EU angewandt. Ebenso beziehen sich die Ös- terreichische Plattform für Gesundheitskompetenz (ÖPGK) auf ihrer Website (ÖPGK, 2016) sowie die Autorinnen und Autoren der Publikation „Gesundheitskom- petenz: Die Fakten“ (Kickbusch, Pelikan, Haslbeck, Apfel, & Tsouros, 2016, S. 7), welche unter anderem vom Hauptverband der österreichischen Sozialversiche- rungsträger gefördert wurde, auf diese Definition. Die Unterstützung von Personen in ihren selbstverantwortlichen Entscheidungsprozessen hinsichtlich Förderung ih- rer Gesundheit ist somit als Kernbotschaft des Konzeptes Gesundheitskompetenz zu verstehen (BMG, 2012, S. 19).

Zum ergänzenden Verständnis des Begriffes Gesundheitskompetenz ist auch das Stufenmodell von Nutbeam (2000) zu erwähnen. Dieses oft zitierte Modell (Soellner, Huber, Lenartz, & Rudinger, 2009, S. 107) gliedert Gesundheitskompetenz auf drei Ebenen. Als Basis ist die so genannte funktionale Gesundheitskompetenz zu sehen. Diese bezieht sich auf individuelle Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben als unab- dingbare Voraussetzung zum grundsätzlichen Verstehen gesundheitsrelevanter In- formationen. Darauf aufbauend stellt die kommunikative beziehungsweise interak- tive Gesundheitskompetenz die zweite Stufe dar. Stärker ausgeprägte soziale und kognitive Fähigkeiten ermöglichen hierbei eine aktivere Teilnahme im Gesundheits- system. Die Spitze des Modells wird als kritische Gesundheitskompetenz determi- niert. Auf diesem Level können Individuen Sachverhalte kritisch bewerten, um in Folge bestmögliche Entscheidungen in Bezug auf ihre Gesundheit treffen.

2.1.2 Angehörige der Gesundheitsberufe

Unter dem Terminus Angehörige der Gesundheitsberufe sind Personen zu verste- hen, deren Berufsbild die Versorgung von Menschen im Hinblick auf Förderung, Erhaltung, Wiederherstellung oder Verbesserung ihrer Gesundheit umfasst. Ange- hörige der Gesundheitsberufe sind sowohl intramural als auch extramural aktiv. Das Tätigkeitsfeld reicht von präventiven, über diagnostische und therapeutische, bis hin zu rehabilitativen Aufgaben. Ausbildungs- beziehungsweise Fortbildungsvorausset- zungen, Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche, Berufsbilder sowie Berufspflichten der Gesundheitsberufe werden mehrheitlich in sogenannten Berufsgesetzen geregelt. Darüber hinaus existieren allerdings auch Gesundheitsberufe für die kein eigenes Berufsgesetz besteht, sondern deren gesetzlichen Grundlagen in anderen Rechts- vorschriften determiniert sind. Personen, die in einem gesundheitsbezogenen Ge- werbe, beispielsweise Orthopädietechnik oder Hörgeräteakustik, beschäftigt sind, gehören hingegen nicht der Gruppe der Angehörigen der Gesundheitsberufe an (BMG, 2017, S. 1).

Laut Statistik Austria übten in Österreich im Jahr 2015 insgesamt 44.002 Ärztinnen und Ärzte ihren Beruf aus (exklusive Zahnärztinnen und Zahnärzte). Dies entspricht einer Quote von 505,7 Ärztinnen / Ärzte auf 100.000 Einwohner (Statistik Austria, 2016a). Davon waren im selben Zeitraum 23.996 Ärztinnen und Ärzte in den öster- reichischen Krankenanstalten angestellt (Statistik Austria, 2016b). Zusätzlich zum ärztlichen Personal waren im Jahr 2015 insgesamt 90.907 Angehörige der nicht- ärztlichen Gesundheitsberufe in den österreichischen Krankenanstalten tätig. Die größte Untergruppe stellten dabei Personen des gehobenen Dienstes für Gesund- heits- und Krankenpflege (58.732) dar. Die weiteren Fachrichtungen der nicht-ärzt- lichen Gesundheitsberufe in Krankenanstalten sind in die Gruppen gehobene me- dizinisch-technische Dienste inklusive Masseurinnen und Masseure (15.282), Sani- tätshilfsdienst- und Pflegehilfe (15.454) sowie Hebammen (1.439) eingeteilt (Statistik Austria, 2016c). Daten über die Anzahl an Angehörigen von nicht-ärztli- chen Gesundheitsberufen im extramuralen Sektor sind in Österreich nicht vollstän- dig vorhanden, weshalb diese bisher auch nicht für internationale Vergleiche zur Verfügung gestellt werden (Hofmarcher, 2013, S. 163). Allerdings werden mit dem schrittweisen Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Registrierung von Gesund- heitsberufen (Gesundheitsberuferegister-Gesetz – GBRG) ab 01.01.2017 künftig Angehörige der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe sowie Angehörige der ge- hobenen medizinisch-technischen Dienste in einem eigenen Gesundheitsberufere- gister erfasst (§1 GBRG).

2.1.3 Verhaltensbezogene Gesundheitsrisiken

Verhaltensbezogene Faktoren wie Rauchen, Ernährung und Bewegung haben ei- nen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit. Dies konnte mittlerweile umfangreich wissenschaftlich nachgewiesen werden (Khaw et al., 2008, S. 39-40). Der aktuellste Europäische Gesundheitsbericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2015 deklariert Alkohol, Rauchen und Übergewicht als die drei wesentlichsten Risikofaktoren für einen frühzeitigen Tod (WHO, 2015, S. 1-2). Während Umwelt- einflüsse in Österreich kaum zu einer Reduktion der gesunden Lebensjahre führen, stellt der individuelle Lebensstil einen großen Einflussfaktor dar. Dabei zeigen sich suboptimale Ernährung sowie Bewegungsmangel, neben Alkohol- und Tabakkon- sum, als bedeutendste Determinanten. Gesundheit fördern, Lebenserwartung ver- längern und sich negativ auswirkenden Einflüssen abwenden, sind drei Verhaltens- weisen, die mit dem Begriff Gesundheitsverhalten zusammengefasst werden kön- nen. Ein angemessener Alkohol- und Tabakkonsum sowie ausreichende Bewegung und gesunde Ernährung sind somit wesentliche Bestandteile eines sich positiv aus- wirkenden Gesundheitsverhaltens (BMG, 2015a, S. 33). Aus den Anführungen die- ses Inhaltspunktes werden somit Alkohol- und Tabakkonsum, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und Übergewicht zusammenfassend als verhaltensbezo- gene Gesundheitsrisiken definiert.

2.2 Studiengruppe

Als Forschungszielgruppe wurden Studentinnen und Studenten der IMC, die aktuell ein Bachelorstudium zur Ausbildung in einem gesetzlichen Gesundheitsberuf ge- mäß Publikation des BMG (2017) absolvieren, festgelegt. Diese erfüllen, nach po- sitivem Abschluss der Ausbildung und Aufnahme einer diesbezüglichen Berufstä- tigkeit, die Definition der Angehörigen der Gesundheitsberufe. Die beschriebene Zielgruppe trifft konkret auf die Studiengänge Ergotherapie, Gesundheits- und Kran- kenpflege, Hebammen, Musiktherapie (Bachelor) und Physiotherapie zu (IMC, 2017). Vor Forschungsstart wurde die Freigabe zur Durchführung der Studie, einer- seits von der Geschäftsführung der IMC und andererseits auch von den einzelnen Studiengangsleitungen, eingeholt. Insgesamt inkludiert die Zielgruppe 483 Studen- tinnen und Studenten. Der an der Personenanzahl stärkste Studiengang ist Ge- sundheits- und Krankenpflege (166 Studierende), gefolgt von Physiotherapie (128), Ergotherapie (101), Hebammen (65) und Musiktherapie (23). Gegliedert nach dem Studienfortschritt sind 163 Studierende dem 1./2. Semester, 171 Studierende dem 3./4. Semester und 149 Studierende dem 5./6. Semester zuzuordnen.

2.3 Forschungsdesign

Die Festlegung des Forschungsdesigns nimmt Bezug auf die unter Kapitel 1.2 an- geführten Forschungsfragen. Die Forschungsfragen verlangen Ergebnisse zur Aus- prägung von Gesundheitskompetenz und verhaltensbezogenen Gesundheitsrisiken von Studierenden ausgewählter Studiengänge an der IMC. Des Weiteren ist es nö- tig, die beiden angeführten Ausprägungen einander gegenüberzustellen, um den Einfluss der Gesundheitskompetenz auf verhaltensbezogene Gesundheitsrisiken beschreiben zu können. Um die Aussagekraft der Ergebnisse der Studiengruppe zu erhöhen, sollen diese in Folge adäquaten Vergleichswerten gegenübergestellt wer- den.

Aus der Definition der Problemstellung (Kapitel 1.1) kann abgeleitet werden, dass hinsichtlich Gesundheitskompetenz und verhaltensbezogener Gesundheitsrisiken bei Angehörigen der Gesundheitsberufe beziehungsweise Studierenden der IMC keine Daten zur Verfügung stehen. Daten für die Allgemeinbevölkerung sind als Er- gebnis der HLS-EU jedoch vorhanden. Folglich kann daraus festgestellt werden, dass das Forschungsziel nicht mit einer reinen Literaturarbeit zu erreichen ist. Es besteht daher die Notwendigkeit, auf Methoden der angewandten empirischen So- zialforschung zurückzugreifen. Die Vorteile der repräsentativen Ergebnisse (bei ent- sprechender Stichprobengestaltung), der Objektivität und Vergleichbarkeit, der Möglichkeit der Ermittlung statistischer Zusammenhänge sowie des in der Regel geringeren Zeitaufwandes haben den Ausschlag dafür gegeben, der quantitativen Forschungsmethode gegenüber der qualitativen Methode den Vorrang einzuräu- men. Die Datenerhebung erfolgt in Form einer Online-Befragung und einer einmali- gen Querschnitterhebung (Berger-Grabner, 2013, S. 107-117).

2.4 Fragebogen

Die Qualität einer Studie kann in der quantitativen Sozialforschung mit den Gütekri- terien Objektivität, Reliabilität und Validität beurteilt werden. Darunter ist zu verste- hen, dass verschiedene Personen mit einem Messinstrument zu selben Ergebnis- sen kommen, sich bei wiederholter Anwendung unter gleichen Voraussetzungen das Resultat nicht ändert und die Erhebung dazu geeignet ist, die gewünschten Parameter zu messen (Berger-Grabner, 2013, S. 157). Der Fragebogen für diese Arbeit muss folglich dazu geeignet sein, erstens die für die Beantwortung der For- schungsfragen benötigten Parameter zu erfüllen, zweitens einen Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung zu ermöglichen sowie drittens den Anforderungen der Güte- kriterien gerecht werden. Aufgrund der überschaubaren Grundgesamtheit (Studien- gruppe) wird der Fragebogen an alle Studierenden der betroffenen Studiengänge ausgesandt. Somit kann von einer Voll- beziehungsweise Totalerhebung gespro- chen werden. Durch diese Wahl können Fehler bei der Stichprobenauswahl vermie- den werden, womit die Repräsentativität nicht eingeschränkt wird (Berger-Grabner, 2013, S. 196-200).

2.4.1 Definition der Fragen

Im Zuge der HLS-EU wurde die Ausprägung der Gesundheitskompetenz der Euro- päischen Bevölkerung, darunter auch Österreich, erhoben. Ebenso wurden Daten hinsichtlich der verhaltensbezogenen Gesundheitsrisiken Bewegungsmangel, Alko- hol- und Tabakkonsum sowie Übergewicht abgefragt. Das fünfte im Kapitel 2.1.3 definierte verhaltensbezogene Gesundheitsrisiko ungesunde Ernährung fand aller- dings keine Berücksichtigung (HLS-EU Consortium, 2012a). Für die HLS-EU wurde der European Health Literacy Survey Questionnaire (HLS-EU-Q) in einem acht Schritte umfassenden Prozess entwickelt (Sørensen et al., 2013). Das Gütekrite- rium der Objektivität wurde, aufgrund der hohen Standardisierung einer Befragung, bereits als ein Vorteil der quantitativen Sozialforschung genannt. Die beiden weite- ren Gütekriterien Reliabilität sowie Validität können durch die Anwendung des HLS- EU-Q ebenso auf hohem Niveau eingehalten werden (Sørensen et al., 2015, S. 5). Da der HLS-EU-Q die zuvor definierten Anforderungen (Kapitel 2.4) nahezu voll- ständig erfüllt, orientiert sich der Fragebogen dieser Arbeit stark an diesem. In den folgenden Kapiteln (2.4.1.1 bis 2.4.1.4) wird der für die Erhebung in Anwendung kommende Fragebogen entwickelt. Der vollständige, 65 Fragen umfassende Fra- gebogen ist im Anhang 1 ersichtlich. Die einzelnen Fragen wurden nummeriert. In den folgenden Anführungen wird sich primär auf diese Nummerierung gestützt, um nicht jeweils die vollständige Fragestellung im Textteil anführen zu müssen.

2.4.1.1 Gesundheitskompetenz

Im Zuge der HLS-EU wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern insgesamt 47 Fragen zur Messung ihrer Gesundheitskompetenz gestellt. Mit diesen werden die Domänen Krankheitsbewältigung, Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung abgefragt. Ebenso kann die Ausprägung der Gesundheitskompetenz hinsichtlich In- formationen finden, verstehen, bewerten und anwenden unterschieden werden (HLS-EU Consortium, 2012c, S. 3). Da mit diesem Fragenspektrum die für diese Arbeit verwendete Definition abgedeckt ist, sind im Fragenumfang keine Ergänzun- gen indiziert. Für die Übersetzung der Fragen wurde auf den deutschsprachigen Fragebogen, zur Verfügung gestellt auf der Website der Gesundheit Österreich GmbH (Gesundheit Österreich GmbH [GÖG], 2017, S. 2), zurückgegriffen. Wäh- rend die HLS-EU in Österreich mittels computerunterstützter persönlicher Befragun- gen durchgeführt wurde, wird dieser Fragebogen aus Zeit- und Ressourcengründen online bereitgestellt. Eine Antwortmöglichkeit „keine Angabe“ wurde im Zuge der HLS-EU vom Interviewer nicht aktiv angeboten (sondern nur vermerkt, wenn keine Antwort erfolgte), weshalb diese Möglichkeit auch nicht im Fragenbogen dieser Ar- beit angeführt ist (HLS-EU Consortium, 2012a, S. 8-9). Der zur Anwendung kom- mende Fragebogen ist als Anhang 1 beigelegt, wobei Q1.1 bis Q1.47 die Messung der Gesundheitskompetenz betrifft.

2.4.1.2 Verhaltensbezogene Gesundheitsrisiken

Im insgesamt 86 Fragen umfassenden HLS-EU-Q86 sind neben dem HLS-EU-Q47 (47 Fragen zur Messung der Gesundheitskompetenz) auch Fragen hinsichtlich Ge- sundheitsdeterminanten, Outcomes, verhaltensbezogenen Gesundheitsrisiken und sozioökonomischem Hintergrund inkludiert (HLS-EU Consortium, 2012c, S. 4). Im Zuge der HLS-EU wurde Bewegungsmangel anhand der Ergebnisse der Frage Q14 bemessen. Der Berechnung des Ausmaßes an Alkoholkonsum liegen die Fragen Q9 bis Q13 zu Grunde. Hier ist festzuhalten, dass nur eine bejahte Frage Q9 dazu führt, dass Q10 bis Q13 gestellt werden. Ebenso sind in Folge Q12 und Q13 davon abhängig, dass Q11 mit „Ja“ beantwortet wurde. Die Beurteilung des Tabakkon- sums erfolgt anhand der Fragen Q7 sowie Q8.1 und Q8.2. Voraussetzung für beide Letztere ist die positive Beantwortung von Q7 (GÖG, 2017). Das Vorliegen von Übergewicht wurde in der HLS-EU anhand des Body-Mass-Index (BMI) interpretiert. Zur Berechnung des BMI wurden die Fragen D3 und D4 herangezogen (HLS-EU Consortium, 2012a, S. 61). Da das verhaltensbezogene Gesundheitsrisiko unge- sunde Ernährung im HLS-EU-Q nicht abgedeckt wurde, wird es in dieser Arbeit nicht weiter berücksichtigt, um Reliabilität und Validität nicht negativ zu beeinflussen.

2.4.1.3 Personenbezogene Daten

Insgesamt sind sieben Fragen dem persönlichen und sozioökonomischen Hinter- grund der teilnehmenden Studentinnen und Studenten zuzuordnen. D1 und D2 be- treffen Geschlecht und Alter der Person. Dies wurde ebenso in der HLS-EU abge- fragt. Die weiteren fünf Fragen beschäftigen sich mit Spezifika im Zusammenhang mit dem Studium. Bei F1 ist der Studiengang der teilnehmenden Person anzugeben, bei F2 das aktuelle Semester. In beiden Fällen wurde die Möglichkeit für „keine Ant- wort“ eingeräumt. F3 ist in Form einer Ja/Nein-Frage gestaltet und zielt darauf ab, ob die / der Studierende bereits eine abgeschlossene Ausbildung in einem Gesund- heitsberuf vorweisen kann. Mit der Frage F4 wird erhoben, ob die Teilnehmenden bereits über Berufserfahrung verfügen. Die Antwortmöglichkeiten dafür entsprechen einer Einstufung des Autors. F5 – Praktikum im Rahmen der Ausbildung – ist wie- derum mittels „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten, wobei sich der Angabe auch enthal- ten werden kann.

2.4.1.4 Eingrenzung des HLS-EU-Q

Der HLS-EU-Q86 enthält noch weitere, bisher nicht beschriebene Fragen. So wer- den Daten zum Gesundheitszustand (Q2 bis Q4), zum Krankenversicherungsstatus (Q5), zur Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen (Q6 und Q15) sowie zur Teilnahme am Gemeindeleben (Q16) erhoben. Dem sozioökonomischen Um- feld der Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird ein breiteres Spektrum (zum Bei- spiel Familienstand und Wohnsituation) gewidmet (D5 bis D16) Ebenso ist der Ne- west Vital Sign (NVS) Test in den Fragebogen integriert (Q17-Q23) (HLS-EU Consortium, 2012c, S. 8-14). Der NVS Test, ein oft angewandtes Instrument zur Messung der funktionalen Gesundheitskompetenz, wurde zu Vergleichszwecken und zur Erhöhung der Validität in die HLS-EU eingliedert (HLS-EU Consortium, 2012a, S. 25). Da die in diesem Inhaltspunkt angeführten Fragen nicht zur Beant- wortung der Forschungsfragen dieser Arbeit benötigt werden, erfolgte – im Hinblick auf den Umfang – keine Aufnahme in den Fragebogen. Der HLS-EU-Q86 wurde des Weiteren auch dahingehend etwas eingegrenzt beziehungsweise abgeändert, dass die Abfolge der Fragen nicht vollständig eingehalten wurde, sondern die in Anlage 1 gewählte Reihenfolge angewandt wird.

2.4.2 Auswertungskonzept

In diesem Kapitel wird ausgeführt, wie die mit dem ausgearbeiteten Fragebogen erhobenen Daten ausgewertet und analysiert werden. Am Ende dieses Prozesses soll ein Konzept vorliegen, mit dem die gestellten Forschungsfragen aussagekräftig und nachvollziehbar beantwortet werden können. Um eine kompakte Ergebnisdar- stellung sicherzustellen, werden im Vorhinein Analyseziele definiert, auf die in den Auswertungen ein besonderer Fokus gelegt wird.

2.4.2.1 Ausprägung der Gesundheitskompetenz

Ausgehend von der Definition von Sørensen et al. (2012, S. 3) soll die Gesundheits- kompetenz der Studiengruppe in vier Dimensionen – in einer Allgemeinbewertung sowie in den drei Domänen Krankheitsbewältigung, Krankheitsprävention und Ge- sundheitsförderung – analysiert werden. Ebenso wird eine tiefer gehende Auswer- tung betreffend Informationen finden, verstehen, beurteilen und anwenden vorge- nommen. Die personenbezogenen Eigenschaften Geschlecht, Studiengang und Studienjahr werden in Folge mit der allgemeinen Gesundheitskompetenz verknüpft, um etwaige Auffälligkeiten festzustellen. Bei der Vergleichsanalyse der gesamten Studiengruppe mit den Werten der Allgemeinbevölkerung werden die vier genann- ten Dimensionen berücksichtigt. Als Vergleichsbasis werden die Ergebnisse der Studie „Die Gesundheitskompetenz der österreichischen Bevölkerung“ (Pelikan et al., 2013) herangezogen. Diese wurde im Anschluss an die HLS-EU ergänzend durchgeführt, um eine größere Stichprobe für Bundesländervergleiche zu erlangen. Die methodische Vorgehensweise entspricht jener der HLS-EU. Aufgrund der grö- ßeren Stichprobe (betreffend Österreich) sowie den zum Teil genauer dargestellten Ergebnissen (im HLS-EU Bericht sind die Werte nicht immer spezifisch für die ein- zelnen Länder verfügbar), wird in dieser Arbeit auf diese Vergleichsbasis zurückge- griffen. Dies gilt sowohl für die Ausprägung der Gesundheitskompetenz, als auch für später angeführte Vergleiche mit der österreichischen Allgemeinbevölkerung.

Für die Bewertung der Gesundheitskompetenz nach den beschriebenen Kategorien werden Indizes mit den jeweils in Tabelle 1 angeführten Fragen (ausformulierte Fra- gen siehe Anhang 1) gebildet:

Tabelle 1: Gesundheitskompetenz Kategorien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Anlehnung an HLS-EU Consortium (2012c, S. 3).

Die allgemeine Gesundheitskompetenz (GK-Ges) leitet sich aus allen 47 Fragen ab. Für die einzelnen Domänen werden die Fragen Q1.1 bis Q1.16 (Krankheitsbewälti- gung), Q1.17 bis Q1.31 (Krankheitsprävention) und Q1.32 bis Q1.47 (Gesundheits- förderung) herangezogen. Die Bewertung der einzelnen Prozessschritte der Infor- mationsverarbeitung wird mit 13 Fragen für das Attribut „finden“ (Q1. bis Q1.4, Q1.17 bis Q1.20 und Q1.32 bis Q1.36), 11 Fragen für das Attribut „verstehen“ (Q1.5 bis Q.18, Q1.21 bis Q1.23 und Q1.37 bis Q1.40), 12 Fragen für das Attribut „beur- teilen“ (Q1.9 bis Q1.12, Q1.24 bis Q1.28 und Q1.41 bis Q1.43) sowie 11 Fragen für das Attribut „anwenden“ (Q1.13 bis Q1.16, Q1.29 bis Q1.32 und Q1.44 bis Q1.47) vorgenommen. Somit ergeben sich in Summe acht unterschiedliche Indizes.

Die aus den verschiedenen Fragen bestehenden Indizes werden nach einer einheit-lichen Formel berechnet, um aussagekräftigere Ergebnisse zu erzielen und einen Vergleich untereinander zu ermöglichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für die Formel gilt: „Index“ ist der jeweilige Index, der berechnet werden soll. „Ant-wort“ ist der Mittelwert aus allen berücksichtigten Antworten einer teilnehmenden Person, wobei für die Antwortmöglichkeit „sehr einfach“ vier Punkte, für „ziemlich einfach“ drei Punkte, „ziemlich schwierig“ zwei Punkte und „sehr schwierig“ ein Punkt vergeben wird. „1“ ist der Mindestwert der Antworten, „3“ die Bandbreite zwi-schen den Antworten und „50“ das Maximum, den ein Index erreichen kann. Im Zuge der HLS-EU wurde ein Index nur dann berechnet, wenn mindestens 80 Pro-zent der betroffenen Fragen auch beantwortet wurden. Diese Eingrenzung wird in dieser Arbeit bei Bedarf ebenso berücksichtigt. (HLS-EU Consortium, 2012a, S. 20-22).

Zur kompakteren Darstellung sowie Bewertung können die ermittelten Werte der Indizes in vier Level von Gesundheitskompetenz eingeteilt werden. Die niedrigste Ausprägung wird als inadäquate Gesundheitskompetenz bezeichnet. Hierfür ist ein Index-Wert von 0 bis 25 Punkte notwendig. Ein Wert von größer 25 bis maximal 33 Punkte wird als problematisch eingestuft. Diese beiden Klassen werden gemeinsam auch als limitierte Gesundheitskompetenz tituliert. Bei einer Punkteanzahl von grö-ßer 33 bis maximal 42 spricht man von ausreichender, darüber von exzellenter Ge-sundheitskompetenz (Höchstwert 50 Punkte) (HLS-EU Consortium, 2012a, S. 28-30). Die Bewertung der Ausprägung der Gesundheitskompetenz mit Bildung von Indizes und Levels orientiert sich an der Vorgehensweise der HLS-EU. Somit sind Vergleiche der Studiengruppe mit der Allgemeinbevölkerung nachvollziehbar.

2.4.2.2 Ausprägung verhaltensbezogener Gesundheitsrisiken

Das verhaltensbezogene Gesundheitsrisiko Bewegungsmangel wird anhand der Antworten zu Frage Q14 interpretiert. Bei der Auswertung ist keine starre Grenze definiert, unter der von Bewegungsmangel gesprochen wird. Vielmehr wir die Häu-figkeit von Sport herangezogen, in dem diese in die Kategorien „Fast jeden Tag“, „Ein paar Mal pro Woche“, „Ein paar Mal im letzten Monat“ und „Kein Sport“ einge-teilt werden. Die zuletzt angeführte Kategorie umfasst die Antwortmöglichkeiten „Überhaupt nicht“ und „Ich konnte keinen Sport machen / weiß nicht / keine An-gabe“. Die Zusammenführung erfolgte analog der HLS-EU, sodass wiederum ein Vergleich mit der österreichischen Allgemeinbevölkerung möglich ist (HLS-EU Con-sortium, 2012a, S. 58).

Zur Beurteilung des Alkoholkonsums wurden den Teilnehmerinnen und Teilneh-mern insgesamt bis zu fünf Fragen gestellt (Q9 bis Q13). Die Ergebnisse werden zusammengefasst und in sehr exzessiven, exzessiven, moderaten, leichten sowie keinen Alkoholkonsum gegliedert (HLS-EU Consortium, 2012a, S. 59). Um zu die-sen Kategorien zu kommen, sind zunächst die Fragen Q9 (Alkoholkonsum in den letzten zwölf Monaten) und Q11 (Alkoholkonsum im letzten Monat) heranzuziehen. Wurde eine dieser beiden Fragen mit „nein“ beantwortet, so ist diese Person der Kategorie „kein Alkoholkonsum“ zuzuordnen. Bei „ja“ erfolgt anhand der Angaben der Fragen Q12 und Q13 eine Einteilung in eine der vier weiteren Kategorien nach in Tabelle 2 angeführtem Schema.

Tabelle 2: Kategorisierung des Alkoholkonsums

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Anlehnung an HLS-EU Consortium (2012b, S. 81).

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Details

Seiten
69
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668911154
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463485
Institution / Hochschule
FH Krems
Note
1,0
Schlagworte
Gesundheitskompetenz Gesundheitsberuf Gesundheitsrisiken

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Titel: Die Gesundheitskompetenz von Angehörigen der Gesundheitsberufe im Kontext zu ihren verhaltensbezogenen Gesundheitsrisiken