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Erläuterung der Ansätze zur Lösung des Demarkationsproblems

Projektarbeit 2019 13 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen

Leseprobe

Inhalt

1 EINLEITUNG

2 KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN
2.1 DEFINITION WISSENSCHAFTSTHEORIE
2.2 DEFINITION DEMARKATIONSPROBLEM

3 LÖSUNGSANSÄTZE
3.1 POPPER UND DIE FALSIFIZIERBARKEIT
3.2 KUHN UND DIE PARADIGMEN
3.3 LAKATOS, THAGARD UND DER WISSENSCHAFTLICHE FORTSCHRITT
3.4 SCHURZ UND DIE 5 ERKENNTNISTHEORETISCHEN ANNAHMEN
3.5 HANSSON UND DER MULTIKRITERIELLE ANSATZ

4 DIE BWL VOR DEM HINTERGRUND DES DEMARKATIONSPROBLEM
4.1 EINORDNUNG DER BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE IN DIE WISSENSCHAFT
4.2 EINFLUSS DES DEMARKATIONSPROBLEMS AUF DIE BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE

5 SCHLUSSBETRACHTUNG

6 LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Ein zentrales Problem der Wissenschaftsforschung ist die Abgrenzung zwischen Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft. Bereits Platon beschäftigte sich damit, wie man die Wissenschaft von den sogenannten Pseudowissenschaften (Nicht-Wissenschaften) abgrenzen könne.1 Um eine einheitliche Definition von Kriterien zur Lösung des Demarkationsproblems zu erzeugen, versuchten sich viele Philosophen und Wissenschaftler – wobei das eine das andere nicht ausschließt – daran, allgemeingültige Methoden und Abgrenzungsmerkmale einzuführen. Stellt sich der einzelne vielleicht die Frage, inwiefern dieses Problem für das alltägliche Leben relevant ist, lässt sich diese Relevanz an einem Beispiel festhalten. Exemplarisch bietet sich der Blick auf die Pharma-Industrie an, wo die Wirksamkeit der Medikamente versucht wird auf mehr oder weniger wissenschaftliche Weise zu attestieren.2 Es ist davon auszugehen, dass die Menschen darauf bestehen, dass bei der Entwicklung und Einführung von Medikamenten nur wissenschaftliche Methoden verwendet werden. Neben der Politik und Wirtschaft, wo Entscheidungen aus vermeintlich wissenschaftlichen Theorien und Methoden resultieren3, sind Bereiche wie die Homöopathie und Esoterik weitere Anschauungsbeispiele für das Vorhandensein des Demarkationsproblems4. Doch was unterscheidet Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft?

Ziel dieser Arbeit ist es, verschiedene, in der Fachliteratur diskutierte, Lösungsansätze für das Demarkationsproblem vorzustellen und so Einblicke in die unterschiedlichen Herangehensweisen an das Problem zu verdeutlichen. Des Weiteren werden die Auswirkungen des Abgrenzungsproblems auf die Betriebswirtschaftslehre untersucht.

Zu Beginn der vorliegenden Arbeit werden die Begriffe Wissenschaftstheorie und Demarkationsproblem definiert, um eine semantisch einheitliche Grundlage der Arbeit zu schaffen. Im dritten Kapitel folgt die Ausführung verschiedener Lösungsansätze und die Zuordnung deren Vertreter. In Kapitel Vier wird das Abgrenzungsproblem hinsichtlich der Auswirkung auf die Betriebswirtschaftslehre untersucht. Abschließend folgt ein Fazit, dass die prägnanten Punkte der Arbeit aufgreift und kritisch in Frage stellt.

2 Konzeptionelle Grundlagen

Im vorliegenden Kapitel werden die Begriffe Wissenschaftstheorie und Demarkationsproblem erklärt, um so eine semantische Integrität zu gewährleisten. Des Weiteren baut das Demarkationsproblem auf der Wissenschaftstheorie auf und verlangt demnach ein Grundverständnis ihrer.

2.1 Definition Wissenschaftstheorie

Um den Begriff der Wissenschaftstheorie vollumfänglich beschreiben zu können, ist es wichtig, sich der Begrifflichkeit des Wissens bewusst zu werden. An dieser Stelle sei gesagt, dass es viele verschiedene Formulierungen für den Begriff des Wissens gibt, welche eine eigene wissenschaftliche Arbeit füllen würden – so beschreibt Platon das Wissen beispielsweise als wahre, mit Begründung versehene Meinung.5 In der vorliegenden Arbeit wird sich folgender Definition bedient: Wissen ist eine Ableitung der Wirklichkeit, die in ungegenständlicher Form vorliegt.6 Die Wissenschaftstheorie wiederum ist eine wissenschaftliche Disziplin, die Funktionsweisen wissenschaftlicher Erkenntnis, ihre Zielsetzungen, Methoden und Grenzen untersucht.7 Auch wenn der Begriff der Wissenschaftstheorie erst im 20. Jahrhundert eingeführt wurde, so entstand die selbstreflektierte Disziplin der Wissenschaft schon in der Antike und wurde von Philosophen wie Aristoteles und Platon thematisiert8. Erst das kritische und analysierende Auseinandersetzen mit der Wissenschaft selbst ermöglicht es, Probleme und Fragestellungen wie das in der Arbeit zu betrachtende Abgrenzungsproblem, zu ergründen. Die Wissenschaftstheorie unterteilt sich dabei in zwei wesentliche Bereiche. Zum einen in die spezielle Wissenschaftstheorie, welche sich mit den einzelnen Disziplingattungen beschäftigt, wie z.B. der Physik, Psychologie oder Sozialwissenschaften.9 Zum anderen in die allgemeine Wissenschaftstheorie, die nach Erkenntnisbestandteilen fragt, die allen Wissenschaftsdisziplinen mehr oder weniger gemein sind10. Die Wissenschaftstheorie ist neben der Wissenschaftsgeschichte und -soziologie einer der drei Bereiche der Wissenschaftsforschung11 und wird auch als Meta- Wissenschaft bezeichnet.12

2.2 Definition Demarkationsproblem

Das Demarkationsproblem - auch bekannt unter den Namen Abgrenzungsproblem und Kantsches Problem13 – beschreibt die Aufgabe, ein Kriterium zu finden, durch das die empirische Wissenschaft gegenüber der Mathematik und Logik, aber auch gegenüber pseudo-, nicht- wissenschaftlichen oder metaphysischen Systemen abgrenzen lässt.14 Das Demarkationsproblem stellt laut Popper eines der Grundprobleme der Erkenntnislogik dar, auf das eine Großzahl an Problemen der Erkenntnistheorie zurückzuführen sind.15 Zusammenfassend geht es beim Demarkationsproblem darum, eine generelle Gesetzmäßigkeit aufzustellen, nach der Wissenschaft von Nicht-Wissenschaften eindeutig zu trennen ist und insbesondere darum echte Wissenschaft von Theorien und Aktivitäten zu trennen, die den Anspruch erheben, wissenschaftlich zu sein, es aber nicht sind.16

3 Lösungsansätze

In der Wissenschaftstheorie wurden verschiedenste Ansätze entwickelt, um zwischen Wissenschaften und Pseudowissenschaften zu unterscheiden.17 Im folgenden Kapitel werden die einzelnen Lösungsansätze beschrieben und ihren Vertretern zugeordnet. Die Anordnung der Lösungsansätze orientiert sich an der zeitlichen Reihenfolge der Veröffentlichungen.

3.1 Popper und die Falsifizierbarkeit

Karl Raimund Popper ein Vertreter des kritischen Rationalismus18 lieferte den wohl bekanntesten und meist diskutiertesten Ansatz zur Lösung des Abgrenzungsproblems. Das Kriterium, nach dem sich Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft unterscheiden ließe, ist ihm nach die Falsifizierbarkeit.19 Popper sieht demnach die Lösung des Demarkationsproblems darin, dass die Prüfbarkeit (Falsifizierbarkeit20 ) als Abgrenzungskriterium eingeführt wird.21

Popper führte hierzu aus:

„Ein empirisch-wissenschaftliches System muss an der Erfahrung scheitern können.“ 22

Ein Beispiel für die Methodik Poppers bietet das Beispiel der Schwäne – im Zuge dessen wird der allgemeine empirische Satz „Alle Schwäne sind weiß“ analysiert. Der Satz ist nicht verifizierbar, da nicht alle Schwäne überall beobachtet werden können. Die Aussage lässt sich allerdings falsifizieren, da prinzipiell irgendwo ein Schwan entdeckt werden könnte, der nicht weiß ist.23 Für Popper stellt die Falsifizierbarkeit, die beispielsweise durch Beobachtungen und Experimente durchgeführt werden kann, ein notwendiges, als auch ein ausreichendes Kriterium für die Wissenschaftlichkeit einer Theorie dar.24

3.2 Kuhn und die Paradigmen

Thomas Samuel Kuhn ist einer von vielen Philosophen, für die Poppers Ansichten bezüglich des Abgrenzungsproblems ein Ausgangspunkt für die Entwicklung eigener Ideen war. 25 Kuhn zufolge gestaltet sich die Wissenschaftsentwicklung auf der Grundlage von Paradigmen.26

Dementsprechend stark kritisiert er Popper dafür, dass dieser Wissenschaftlichkeit davon abhängig macht, ob eine allgemeine Theorie falsifizierbar ist oder nicht. Kuhn ist der Meinung, dass Popper die seltenen revolutionären Fälle der Wissenschaft auf die Gesamtheit der Wissenschaft beziehe.27

Kuhn entwickelte ein historisch-soziologisches Wissenschaftsmodell, dessen Grundlage Paradigmen sind. Ein Kuhnsches Paradigma enthält drei Komponenten: Sehr allgemeine theoretische Prinzipien, Musterbeispiele erfolgreicher Anwendungen und methodologisch- normative Annahmen.28 Kuhns Ansichten zufolge teilt sich die Wissenschaftsentwicklung in zwei Phasen auf: die normalwissenschaftlichen und die revolutionären Phasen.29 Für Kuhn besteht die Tätigkeit eines Wissenschaftlers in der normalwissenschaftlichen Phase darin, Rätsel zu lösen und nicht in der Prüfung grundlegender Theorien.30 Weiterhin gilt für Kuhn, dass in Phasen der Normalwissenschaft keine Widerlegungen möglich sind und dass Theorien nicht durch bloße Erfahrung widerlegt werden können, sondern durch andere Hypothesen verdrängt werden müssen.31 Das Verdrängen eines Paradigmas findet in der revolutionären Phase statt, in der zwei Paradigmen um die Vorherrschaft kämpfen – setzt sich ein Paradigma durch, findet ein Paradigmenwechsel statt und es beginnt eine neue normalwissenschaftliche Phase.32 Für Kuhn lässt sich Wissenschaft von Nicht-Wissenschaften, durch die Möglichkeit normale Wissenschaft zu betreiben, abgrenzen.33

3.3 Lakatos, Thagard und der wissenschaftliche Fortschritt

Imre Lakatos kritisierte Poppers Kriterium der Falsifizierbarkeit dahingehend, dass Theorien auch dann wissenschaftlich sein können, wenn es keine Spur von Beweisen gibt – gleichzeitig kann eine Theorie auch pseudowissenschaftlich sein, wenn alle verfügbaren Beweise vorliegen.34

Lakatos modifizierte das Kriterium Poppers in Bezug auf den wissenschaftlichen Fortschritt. Demnach ist ein Forschungsprogramm pseudowissenschaftlich, wenn es keinen größeren empirischen Inhalt hat als sein Vorgänger.35 Imre Lakatos bezieht sein Kriterium hierbei nicht auf isolierte Hypothesen oder Theorien, sondern auf ganze Forschungsprogramme.36

[...]


1 Vgl. Schurz, G. (2014), S.12.

2 Vgl. Eisend/Kuß (2017), S.7.

3 Vgl. Eisend/Kuß (2017), S. 7.

4 Vgl. Christian, A. (2013), S. 11.

5 Vgl. Fülbier, R. U. (2004), S. 266.

6 Vgl. Hermenau, A. (o. J.), S. 5.

7 Vgl. Schurz, G. (2008), S. 11.

8 Vgl. Schurz, G. (2008), S. 12.

9 Vgl. Hermenau, A. (o. J.), S. 13.

10 Vgl. Schurz, G. (2008), S. 11.

11 Vgl. Hermenau, A. (o. J.), S. 23.

12 Vgl. Kornmeier, M. (2007), S. 6.

13 Immanuel Kant entdeckte das Problem, Vgl. Thaler, T. (2017), S. 14.

14 Vgl. Popper, K. (1935), S. 8.

15 Vgl. Popper, K. (1935), S. 7.

16 Vgl. Eisend/Kuß (2017), S. 7.

17 Vgl. Christian, A. (2013), S. 29.

18 Vgl. Christian, A. (2013), S. 32.

19 Vgl. Popper, K. (1935), S. 13.

20 Widerlegbarkeit

21 Vgl. Thaler, T. (2017), S. 12.

22 Popper, K. (1935), S. 13.

23 Vgl. Thaler, T. (2017), S. 13.

24 Vgl. Hansson, S. O. (2014).

25 Vgl. Hansson, S. O. (2014).

26 Vgl. Schurz, G. (2008), S. 16.

27 Vgl. Hansson, S. O. (2014)

28 Vgl. Schurz, G. (2008), S. 16.

29 Vgl. Schurz, G. (2008), S. 16.

30 Vgl. Hansson, S. O. (2014)

31 Vgl. Keuth, H. (2011), S. 45.

32 Vgl. Schurz, G. (2008), S. 17.

33 Vgl. Hansson, S. O. (2014).

34 Vgl. Hansson, S. O. (2014).

35 Vgl. Hansson, S. O. (2014).

36 Vgl. Hansson, S. O. (2014).

Details

Seiten
13
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668924666
ISBN (Buch)
9783668924673
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463103
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,7
Schlagworte
Demarkationsproblem Abgrenzungsproblem Wissenschaftstheorie Assignment

Autor

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