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Traumdeutung und die Dynamik der Symbole - Sigmund Freud und Carl Gustav Jung im Vergleich

Seminararbeit 2005 17 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Vorgehensweise

2. Zugang zum Unbewussten über die Träume
2.1 Die Traumdeutung nach Sigmund Freud
2.2 Gustav Jungs Theorie zur Traumdeutung

3. Der Archetyp in der Traumsymbolik
3.1 Vier Hauptkategorien von archetypischen Symbolen
3.2 Die Bedeutung der Symbole

4. Das Selbst
4.1 Das Verhältnis zum Selbst
4.2 Vergleich der Freudschen und der Jungschen Theorie anhand eines Märchens
4.2.1 Interpretation nach C.G. Jung
4.2.2 Interpretation nach Sigmund Freud

5. Fazit

6. Bibliographie

1. Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema

Der Mensch verbringt im Durchschnitt einen Drittel seines gesamten Lebens im schlafenden Zustand. Trotz dieser Tatsache wissen die meisten sehr wenig über den Schlaf und dem eng damit verbundenen Phänomen des Träumens. Sowohl der Schlaf als auch das in ihm vonstatten gehende Träumen bestimmen die menschliche Existenz enorm. Zum einen erholt sich der Körper im Schlaf und holt sich seine Kraft zurück und zum anderen werden beim Träumen, Dinge (das können Erinnerungen, Wünsche oder auch Ängste sein) aus dem Unbewussten aktiviert und können verarbeitet werden. Da ich mich persönlich sehr für dieses Thema interessiere, habe ich mich im Rahmen des Studium Fundamentale Seminars Medien und Psychoanalyse (Literatur – Theater – Film) dafür entschieden, eine Arbeit über Traumdeutung und Traumsymbolik zu verfassen. Dabei beziehe mich auf die Theorien von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung.

1.2 Vorgehensweise

In der vorliegenden Seminararbeit beschäftige ich mich mit der Traumdeutung und Symbolik, die in Träumen vorkommen kann. Dabei werde ich die Auffassung von dem Psychologen Sigmund Freud und die des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung vorstellen. Im ersten Schwerpunkt untersuche ich den Zugang zum Unbewussten über die Träume und werde in zwei darauf folgenden Unterpunkten Freuds und Jungs Hypothesen darlegen, da diese Auffassungen beider als Grundlage für die Traumsymbolik dienen soll. Im zweiten Schwerpunkt werde ich im Hinblick auf Jungs Archetypentheorie, die Wichtigkeit der Archetypen in der Traumsymbolik aufzeigen, die ich mit zwei weiteren Unterpunkten erweitere, um zum einen die vier Hauptkategorien von archetypischen Symbolen zu erläutern und zum anderen die Bedeutung der Symbole darzulegen. Zum Abschluss hin werde ich mich mit der geheimnisvollen Instanz, nämlich unserem Selbst auseinandersetzen und in einem Gliederungspunkt, das Verhältnis zum Selbst analysieren. Ein weiterer Unterpunkt soll offen legen, wie unterschiedlich die Theorien beider sind, was anhand eines Märchens gezeigt werden soll. Die Auslegungen beider Forscher werden wiederum in zwei Unterpunkten vorgestellt. Dabei werde ich mit C. G. Jungs Termini des Selbst und des Animus bzw. der Anima operieren und hinsichtlich S. Freuds Auffassung, die Phänomene des Kastrationskomplexes bei Knaben und den Penisneid bei Mädchen auf das Märchen anwenden.

2. Zugang zum Unbewussten über die Träume

Im kommenden Schwerpunkt beschäftige ich mich mit dem Zugang zum Unbewussten über die Träume und lege in zwei folgenden Unterpunkten Freuds und Jungs Hypothesen dar. Die Traumdeutung ist die Interpretation, der im Traum erlebten Inhalte anhand von Symbolik. Die meisten Dinge, die wir am Tage wahrnehmen, gehen über unsere kognitiven Fähigkeiten zur Welterfassung und unsere Filter der Erinnerungen ins Unbewusste. Da das Unbewusste jedoch keine eigenen Mittel zur Verfügung hat, uns ins Bewusstsein zu kommen, wählt es Formen der Mitteilung über die Stufe des Vorbewussten, welches potentiell bewusst werden kann. Die Dinge, die durch das Vorbewusstsein kommen, gelangen schließlich in unser Bewusstsein, in unsere Modalitäten, wodurch wir fähig sind, bewusst zu entscheiden. Dabei gehen in der Nacht die Arbeit der Apperzeption und auch die psychische Verarbeitung der Tageserlebnisse weiter. Diese Vorgänge erfolgen allerdings mit Ausschluss der Modalität, d.h. ohne das Tagesbewusstsein, das soziale Gewissen und seine Kontrolle. Durch die gesellschaftliche Zensur werden die Triebe so unterdrückt, dass sie erst nachts in „verfremdeter Form“1 im Traum zum Ausdruck kommen. Ein kurzer Abriss beider Auffassungen zur Traumanalyse soll als Überleitung zum besseren Verständnis dienen. Freud vertrat die Theorie, dass in den Träumen ein Hinweis auf verborgene Wünsche des Schlafenden zu sehen sei, die dieser im Wachzustand aufgrund sozialer Konventionen unterdrücken würde und erst im Traum durch ein gemindertes soziales Gewissen Befriedigung finden würde.2 Sigmund Freud machte den Traum zu einem wichtigen Bestandteil seiner psychoanalytischen Theorie neurotischer Erkrankungen; er hielt die Interpretation des Traumes für die „via regia zur Kenntnis des Unbewussten im Seelenleben“3. Im Gegensatz zu Freud, der das Unbewusste als einen Behälter hauptsächlich verdrängter Inhalte sieht, unterscheidet Jung zwei verschiedene Arten des Unbewussten. Er differenziert zwischen dem persönlichen, welches sich weitgehend mit dem Begriff des Unbewussten Freuds deckt, und dem kollektiven Unbewussten. Im letzteren sieht Jung psychisches Material innewohnend, das von der Person weder verdrängt noch vergessen worden ist, d.h. von der Person in gewissem Masse unabhängig vorhanden ist.

2.1 Die Traumdeutung nach Sigmund Freud

In diesem Gliederungspunkt stelle ich die Traumdeutung des Psychologen Sigmund Freud vor. Die klassische psychoanalytische Theorie vertritt die Ansicht, dass Träume verdeckte Wunscherfüllungen seien. Zudem postulierte Freud auch die Existenz eines Traumarbeitsmechanismus oder Zensors, um sehr starke, sozial nicht akzeptierte Wünsche in nicht unmittelbar verständliche, symbolische Bilder umzuwandeln. Demnach stellt der Traum laut Freud eine Art Bilderrätsel dar, und die Kunst der Traumdeutung besteht darin, dieses Bilderrätsel wieder aufzulösen und auf die eigentlichen latenten also versteckten Traumgedanken und Triebwünsche zu kommen, die in diesen Bildern verborgen liegen. Freuds revolutionärer Beitrag zur Traumforschung war seine Abkehr von der ausschließlichen Beschäftigung mit dem manifesten Traumtext und die Zuwendung zur Erfassung der regelmäßig hinter ihm anzutreffenden dynamischen latenten Traumgedanken.4 Der Patient schildert seine Gedanken, wobei sich eine Assoziationskette einstellt, die letztlich zum ursprünglichen Kern der Probleme zurückführt. Dabei entwickelte Freud das Verfahren des freien Assoziierens, wobei eine Zensur der Gedanken durch den Patienten5 das Verfahren der Traumanalyse umgangen wurde.

Nach Freud gehen zwar auch äußere Sinnesreize, Reize aus dem Körperinnern und Erlebnisse des Vortags in den Traum ein, vorwiegend ist er aber ein, von äußeren Reizen relativ unabhängiges seelisches Produkt, das Trieb- und Affektzustände, Wünsche und Ängste der träumenden Person sowie deren lebensgeschichtlich bedingte Situation darstellt.

Hinsichtlich dieser Traumarbeit identifizierte Freud fünf bestimmte Mechanismen; den der Symbolisierung, Dramatisierung, Verschiebung, Verdichtung und der sekundären Bearbeitung.6 Auf den letzt genannten Mechanismus werde ich gezielt unter Punkt 3.2 eingehen.

Dem Verständnis Freuds von der menschlichen Psyche liegt die Annahme zugrunde, dass jede Handlung eines Individuums darauf ausgerichtet ist, Lust zu gewinnen und Unlust zu verringern. Dabei ist der Begriff der Lust gleichbedeutend mit der Befriedigung von Bedürfnissen oder mit sinnlichen Erfahrungen.

Das Motiv einer Handlung ist der agierenden Person aber nicht zwingend bewusst. Ist das Motiv unbewusst, so resultiert aus ihm oft ein absonderliches Verhalten, für das der Handelnde selbst keine Erklärung finden kann. Ein bestimmtes Verhalten wird häufig durch mehrere Triebregungen ausgelöst und folgt daher mehreren Motiven. Diese Vielzahl von Motiven bezeichnet Freud als Überdetermination. Handlungen erfordern einen bestimmten Bedarf an Energie und jedes Individuum ist, laut Freud, mit einer Grundmenge an Energie ausgestattet, die sparsam und sorgsam eingesetzt wird. Sobald die Ökonomie des Energiehaushaltes gestört wird, führt dies zu einer Zuflucht der betroffenen Person ,,zu einer indirekten Art des Verhaltens"7, die als Abwehrmechanismus bezeichnet wird. Dabei handelt es sich zum einem um das ES, welches in dem Bereich des Unbewussten angesiedelt ist. In ihm wirken unterschiedliche animalische und biologische Triebe sowie Kräfte in ihrer primitiven und nicht- sozialisierten Form. Zweitens handelt es sich um das ÜBER-ICH, welches das Gewissen einer Person darstellt und moralische und ethische Wertvorstellungen vertritt. Es ist zum Teil im Unbewussten und zum Teil im Bewussten der Psyche angesiedelt. Schließlich gibt es noch das ICH, welches vollständig im Bewussten angesiedelt ist. Es trifft Entscheidungen und fällt Urteile, wobei es vor allem der Selbstkontrolle dient und eine Verbindung zur Realität herstellt. Außerdem ist das ICH bemüht, den Impulsen des ES ein realistisches Ventil zu verschaffen und vergleicht weiter die Anforderungen von ES und ÜBER-ICH mit der Realität. Zusätzlich existiert in der menschlichen Psyche noch das Vorbewusste, welches für neue Informationen aus dem Bewussten weichen musste, aber ständig verfügbar ist.8 Das ES folgt dem Lustprinzip und nimmt dabei keine Rücksicht, während das ICH dem Realitätsprinzip unterliegt und dadurch zur Selbstkontrolle befähigt ist. Diese Prinzipien haben während der Entwicklung einer Persönlichkeit unterschiedliche Stellenwerte. Als Säugling reagiert der Mensch automatisch und impulsiv auf Reize, er folgt also dem Lustprinzip. Dabei lockert das ICH im Schlaf seine Kontrolle, wodurch unbewusste Elemente einer Persönlichkeit leichter Ausdruck finden können. Diese unbewussten Elemente werden in Symbole umgewandelt, d.h. in eine für das ICH akzeptable Form gebracht. Freud bezeichnet dies als Traumarbeit, da indirekte Äußerungen von ES- Impulsen dem ICH nicht bedrohlich erscheinen.9 Wie bereits zuvor erwähnt, geht Freud davon aus, dass jedem Menschen eine Grundmenge an Energie zur Verfügung steht. Er bezeichnet diesen frei verfügbaren Energiebetrag als Libido. Freud unterscheidet dabei drei Arten von Motivationen bzw. Trieben: Sexual- oder Lebenstrieb, Todestrieb und die Patrialtriebe.10 Auf diese Triebe werde ich jedoch in dieser Seminararbeit nicht eingehen.

[...]


1 Berg, Henk de: Freuds Psychoanalyse in der Literatur- und Kulturwissenschaft. Eine Einführung. A. Francke Verlag: Tübingen und Basel, 2005, S. 23.

2 vgl.: ebda.

3 ebda., S. 28.

4 Vgl.: Berg, Henk de: Freuds Psychoanalyse in der Literatur- und Kulturwissenschaft. Eine Einführung. A. Francke Verlag: Tübingen und Basel, 2005, S. 22.

5 Jung, C.G.: Der Mensch und seine Symbole, Walter, Olten 1968, S. 25.

6 Vgl.: ebda.

7 Neel, Ann F.: Handbuch der psychologischen Theorien. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 1983 (1969), S. 239.

8 Vgl.: ebda.

9 Vgl.: ebda.

10 Vgl.: Neel, Ann F.: Handbuch der psychologischen Theorien. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 1983 (1969), S. 239.

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638435314
ISBN (Buch)
9783638763653
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46309
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Schlagworte
Traumdeutung Dynamik Symbole Vergleich Sigmund Freud Carl Gustav Jung Märchens Medien Theater Film) Psychoanalyse

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