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Planung eines Präventionskurses zu Cybermobbing an Schulen

Definition von "Cybermobbing", Medienutzung von Jugendlichen, Zielgruppendefinition, Kurskonzept und Evaluation

Ausarbeitung 2018 14 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Cybermobbing und ähnliche Phänomene
1.1 Definition des Cybermobbings und artverwandter Phänomene
1.2 Beschreibung des Cybermobbings
1.3 Motive der Mobbing-Täter/innen
1.4 Folgen des Cybermobbing bei den Opfern

2 Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen

3 Zielgruppendefinition und Positionierung

4 Kurskonzept
4.1 Name und Slogan
4.2 Grobziel und feinere Lernziele
4.3 Lerninhalte

5 Evaluation
5.1 Formative Evaluation
5.2 Summative Evaluation

1 Cybermobbing und ähnliche Phänomene

1.1 Definition des Cybermobbings und artverwandter Phänomene

Die lateinische Bezeichnung „mobile vulgus“ bezeichnete „die aufgebrachte, auf- gewiegelte Volksmenge“ (Alsleben, 2007, S. 534). Im Englischen wurde diese Be- zeichnung zu mob für Pöbel verkürzt (vgl. Alsleben, 2007, S. 534). Zur gleichen Wort- familie wie mob gehört das Verb to mob, was so viel wie belästigen oder anpöbeln be- deutet (vgl. Alsleben, 2007, S. 534). Das Wort mobben wurde in die deutsche Sprache übernommen; der Verhaltensforscher Konrad Lorenz schrieb z. B. in seinem Werk „Das sogenannte Böse“, dass Wildgänse die feindlichen Füchse gemeinschaftlich „mobben“, da sie für die Wildgänse eine existentielle Bedrohung darstellen (vgl. Lo- renz, 1985, S. 33).

Folgt man dem Herkunftswörterbuch der Duden-Redaktion, wurde bereits in der englischen Sprache von dem Verb to mob das Substantiv mobbing abgeleitet, das die Schikane am Arbeitsplatz benennt (vgl. Alsleben, 2007, S. 534). Dieses Wort wurde mit gleicher Bedeutung ins Deutsche entlehnt (vgl. Alsleben, 2007, S. 534).

Geprägt wurde der Begriff Mobbing maßgeblich durch die Arbeiten des deutsch- schwedischen Psychologen Heinz Leymann, der in zahlreichen Studien Mobbing am Arbeitsplatz untersuchte, aber auch Ratgeber wie „Mobbing: Psychoterror am Arbeits- platz und wie man sich dagegen wehren kann“ (Leymann, 1993) verfasste, um die in seinen zahlreichen wissenschaftlichen Studien gewonnenen Erkenntnisse auch dem nicht-wissenschaftlichen Publikum nahezubringen.

Die Merkmale des herkömmlichen Mobbings wurden zur Beschreibung des Cy- bermobbings herangezogen (vgl. Marx, 2017, S. 24); demnach sind Cybermobbing- Handlungen „absichtliche, wiederholte, aggressive Handlungen unter Zuhilfenahme von neuen Technologien“ (Marx, 2017, S. 24). Paraphrasen für Cybermobbing sind „online harassment (…) internet harassment (…) aggression (…) bullying (…) Mob- bing“ (Marx, 2017. S. 26 f.). Allerdings wird in der Fachliteratur diskutiert, wie ähnlich oder verschieden Mobbing und Cybermobbing sind (vgl. Marx, 2017, 27 ff.).

Das Cybermobbing hat sehr viele Erscheinungsformen, wie z. B. „Cyberstalking (…) Cyberthreats (…) Happy Slapping“ (Retzlaff, 2017, S. 14). Cyberstalking heißt, „wiederholt jemanden (sexuell) [zu] belästigen und [zu] bedrohen“ (Retzlaff, 2017. S. 14). Als „Cyberthreats“ wird „die direkte oder indirekte Ankündigung, dass jemand ver- letzt oder gar getötet werden soll“ (Retzlaff, 2017, S. 14) bezeichnet. „Happy Slapping“ nennt man das „Filmen von erniedrigenden Übergriffen und bloßstellenden Handlun- gen per Handy und deren Verbreitung im Internet“ (Retzlaff, 2017, S. 14). Cyberstalk- ing, Cyberthreats und Happy Slapping sind also Unterformen des Cybermobbings.

1.2 Beschreibung des Cybermobbings

Cybermobbing unterscheidet sich, wie oben schon angedeutet, in einigen Punkten vom herkömmlichen Mobbing. So sind die Cybermobbing-Attacken an keine Zeit ge- bunden, können also auch nachmittags oder nachts stattfinden, während das her- kömmliche Mobbing eher während der Schul- oder Arbeitszeit vorkommt (vgl. Retzlaff, 2017, S. 15).

Ein weiteres Kennzeichen des Cybermobbings ist, dass die Täter im Schutz der Anonymität keine Angst vor Sanktionen haben. Da aber auch der Angegriffene nicht körperlich anwesend ist, wird der Mobbende „nicht mit der Wirkung seiner Äußerungen konfrontiert“ (Marx, 2017, S. 30). So können auch Personen, die offline nicht in Mob- bing-Handlungen involviert sind, im Netz zu Mobbern werden (vgl. Marx, 2017. S. 30).

An die Anonymität gekoppelt ist das Auseinanderfallen zwischen der Cyberidenti- tät und der wirklichen Identität des Täters (vgl. Retzlaff, 2017, S. 16). Das zeigt sich an dem Nutzernamen, der selten mit dem Klarnamen übereinstimmt oder am Avatar, der sehr wahrscheinlich ganz anders als der Täter aussieht.

Ebenfalls eine Nebenwirkung der Anonymität des Netzes ist es, dass es den „Cy- bermobbern häufig nicht bewusst“ ist, „was sie anderen durch das eigene Handeln im virtuellen Raum antun“ (Katzer, 2014, S. 83). Es kann also auch zu unbeabsichtigten Fällen von Cybermobbing kommen, also zu Fällen, bei denen der Täter gar nicht ahnt, was er dem Opfer antut, in dem er etwas über sie behauptet oder ein peinliches Foto von ihm hoch lädt.

Retzlaff nennt als eine weitere Besonderheit des Cybermobbings, dass es „in kür- zester Zeit ein großes Publikum“ (Retzlaff, 2017, S. 16) erreiche. Auch Katzer scheint diese Ansicht zu vertreten: „Dazu kommt eine extreme Öffentlichkeit und Reichweite der Viktimisierung, denn Hunderttausende, ja Millionen User auf Facebook können nachverfolgen, was mit dem Opfer passiert ist, auch Lehrer, Freunde, Eltern oder der Bäcker um die Ecke.“ (Katzer, 2014, S. 16)

1.3 Motive der Mobbing-Täter/innen

Katzer schreibt, dass die Motivation für Cybermobbing unterschiedlich sei (vgl. Katzer, 2014, S. 83). Motive seien „Langeweile, Spaß, die bloße Lust, einmal etwas `Böses´ auszuprobieren, Trophäenjagd und der Wettbewerb mit anderen oder auch die Suche nach Anerkennung“ (Katzer, 2014, S. 83). Weitere Motive für Cybermobbing sind Rache und der Wunsch, selbst erlebten Mobbinghandlungen etwas entgegenzu- setzen (vgl. Katzer, 2014, S. 83).

Das Erlebnis, jemand zu mobben, würde dem/der Mobber/in einen emotionalen Kick geben; das Verbotene zu tun sei mit Stress für den/die Täter/in verbunden, der zu einem Ausstoß von Adrenalin führe; dies könne süchtig machen (vgl. Katzer, 2014, S. 84).

Cybermobbing auszuüben, so glaubt der Cyberbully, sei der Ausdruck von Macht; verstärkt wird dies durch die Anerkennung durch das Publikum (vgl. Katzer, 2014, S. 85). Die Anerkennung zeigt sich, in dem die Zeug/inn(en) den Beitrag „liken“ bzw. den Daumen nach oben drehen (vgl. Katzer, S. 2014, S. 85).

Auch sei das Cyberbullying ein Austesten von sich selbst; die Mobber wollen se- hen, wie böse sie sein können und wie weit sie gehen können (vgl. Katzer, 2014, S. 84). Dies erinnere an die Mutproben, die Kinder und Jugendliche in früheren Zeiten zu bestehen hatten (vgl. Katzer, 2014, S. 85).

1.4 Folgen des Cybermobbing bei den Opfern

Cybermobbing hat für die Opfer psychische, gesundheitliche und soziale Folgen: Psychische Folgen: Zunächst reagieren die Opfer mit Wut, Frustration, Schock und Unglaube (vgl. Katzer, 2014, S. 101). Dem ersten Schock folgt eine dauerhafte Belastung, vor allem durch Schamgefühle (vgl. Katzer, 2014, S. 101). Zu der Scham gesellt sich die Angst vor den Tätern; Folge davon ist, dass Opfer sich nicht trauen, mit ihren Freunden über das von ihnen ertragene Cybermobbing zu sprechen (vgl. Katzer, 2014. S. 102). Die Opfer fühlen sich „stark verletzt und gedemütigt“ (Katzer, 2014, S. 102). Katzer erwähnt einige Studien, denen zu Folge das Cybermobbing von den Op- fern schlimmer als das Schul-Mobbing empfunden wird (vgl. Katzer, 2014, S. 102). Weitere Empfindungen sind „Unglücklichsein, Traurigkeit, Alleinsein, Machtlosigkeit“ (Katzer, 2014, S. 103) sowie der „Wunsch nach aggressiver Entladung“ (Katzer, 2014, S. 103).

Gesundheitliche Folgen: Die psychischen Belastungen führen auch zu „psycho- somatischen Beschwerden“ (Katzer, 2014, S. 103) wie „Magenschmerzen, Schwindel- gefühlen, Schlafschwierigkeiten oder Kopfschmerzen“ (Katzer, 2014, S. 103).

Soziale Folgen: Cybermobbingopfer ziehen sich zurück; ihre Schulleistungen fallen ab; sie wechseln die Schule oder sogar den Wohnort (vgl. Katzer, 2014, S. 104). Cy- bermobbingopfer werden „beim Schließen neuer Freundschaften zögerlicher und vor- sichtiger“ (Katzer, 2014, S. 106). Das läge daran, dass die Opfer nicht immer wissen, wer hinter den Cybermobbingattacken stecke (vgl. Katzer, 2014, S. 106). Freunde und Bekannte zögen sich aber auch vom Cybermobbingopfer zurück, um nicht selbst Opfer einer Cybermobbingattacke zu werden (vgl. Katzer, 2014, S. 107).

2 Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen

Im Folgenden sollen die Ergebnisse zweier Studien zu Online- und Mediennutzung gerafft dargestellt werden; die Online-Studie 2017 von ARD und ZDF hatte das Inter- netnutzungsverhalten der Gesamtbevölkerung im Blick (Koch, Frees, 2017), während die JIM-Studie 2017 auf das gesamte Mediennutzungsverhalten der 12- 19-Jährigen fokussierte (Feierabend u. a., 2017). In der Fachliteratur wird auch öfters mal auf die BITKOM-Studie referiert, die aber zuletzt 2014 durchgeführt wurde (Holdampf-Wendel u. a., 2014) und also nicht mehr aktuell ist, gerade wenn man bedenkt, wie dynamisch sich das Mediennutzungsverhalten von jüngeren Menschen ändert.

Geräteausstattung: Inzwischen sind 97 % der Menschen zwischen 12 und 19 Jah- ren mit einem Smartphone ausgestattet; einen Computer oder Laptop besitzen 69 % in dieser Altersgruppe (vgl. Feierabend u. a., 2017, S. 61).

Internetnutzung allgemein: Jeder Mensch im Alter zwischen 14 bis 19 Jahren nutzt zumindest selten das Internet (vgl. Koch, Frees, 2017, S. 435). Täglich nutzen 97,5 % der zwischen 14- und 19-Jährigen das Internet (vgl. Koch, Frees, 2017, S. 435). Umso älter die Menschen sind, desto weniger nutzen sie das Web (vgl. Koch, Frees, 2017, S. 439). Die Altersgruppe zwischen 14 – 29 Jahren ist Spitzenreiter, was die Internetznut- zung unterwegs betrifft, denn 63 % der Angehörigen dieser Altersgruppe nutzt das In- ternet täglich unterwegs, während nur 30 % der Gesamtbevölkerung täglich on the road auf das Netz zugreift (vgl. Koch, Frees, 2017, S. 437). Die Altersgruppe der zwi- schen 14- 29-Jährigen nutzt an jedem Tag durchschnittlich 274 Minuten das Internet; das sind immerhin 4 Stunden und 34 Minuten (vgl. Koch, Frees, 2017, S. 438).

Konsum von Medien im Internet: Medien reichen von Filmen auf Youtube über Sendungen aus den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender bis hin zu Video- On-Demand-Angeboten von Netflix (vgl. Koch, Frees, 2017, S. 439). In der Gruppe der 14- 29-Jährigen werden 116 Minuten täglich auf den Konsum dieser Medien aufge- wendet; die Gruppe der 14- 19-Jährigen kommt sogar täglich auf 134 Minuten Medien- konsum (vgl. Koch, Frees, 2017, S. 439). Koch und Frees bilanzieren daher: „Junge Menschen sind ausgeprägte Nutzer von Medien über das Internet (…)“(Koch, Frees, 2017, S. 439) Gerade die bewegten Bilder bei Youtube haben bei den Jugendlichen eine treue Kundschaft, denn 88 % der Jugendlichen nutzen mehrfach wöchentlich die- ses Internet-Video-Portal (Feierabend u. a., 2017, S. 63). Doch die Bewegtbilder, die im Internet angesehen werden können, haben dem „linearen Fernsehen“ noch nicht das Wasser abgegraben, da die „14- bis 29-Jährigen (…) mehr Zeit mit dem linearen Fernsehen als mit bewegten Bildern (…) via Internet“ (Koch, Frees, 2017, S. 445) ver- bringen. Zusätzlich zur ausgiebigen Internetnutzung schauen die Jugendlichen täglich auch noch 115 Minuten TV (vg. Feierabend u. a., 2017, S. 62), wobei Pro7 „das liebste Fernsehprogramm der Jugendlichen bleibt“ (Feierabend u. a., 2017, S. 63). Die Jünge- ren interessieren sich für andere Inhalte als die älteren Mitbürger/innen: „So hören die 14 - bis 29-Jährigen täglich 52 Minuten Musik (…)“ (Koch, Frees, 2017, S. 440).

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Details

Seiten
14
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668906785
ISBN (Buch)
9783668906792
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v462705
Institution / Hochschule
APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen
Note
Schlagworte
Cybermobbing

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