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Welche Auswirkung hat einheitliche Schulkleidung auf Mobbing in der Schule?

von Stephanie Walter (Autor)

Hausarbeit 2018 15 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einheitliche Schulkleidung
2.1 Einheitliche Schulkleidung vs. Schuluniform vs. Dress-Code
2.2 Gesetzliche Bestimmungen

3 Mobbing in der Schule
3.1 Allgemeine Definitionen
3.2 Folgen von Mobbing

4 Einfluss von einheitlicher Schulkleidung auf Mobbing
4.1 Soziale Ungleichheit
4.2 Leistungsbereitschaft
4.3 Gemeinschaft
4.4 Persönlichkeitsentwicklung

5 Diskussion

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Oftmals entflammt in Deutschland die Diskussion, ob das Tragen einheitlicher Schulkleidung Vorteile mit sich bringt. Befürwortende Argumente, dass eine einheitliche Schulkleidung das soziale Miteinander fördert und das Lernen erleichtert, stehen ablehnenden Argumenten ge- genüber, dass mit dem Tragen einheitlicher Schulkleidung in die Privatsphäre von Schülerin- nen und Schülern eingegriffen wird und ihnen so ihr Selbstbestimmungsrecht genommen wird.

Obwohl in vielen Ländern der Welt, wie zum Beispiel in den USA, England, China oder Aus- tralien, einheitliche Schulkleidung oft zum Schulalltag gehört, führen die Diskussionen hierzu- lande bisher zu keiner Vorschrift des Bekleidungsstils.

Dabei wird regelmäßig durch die Medien und auch im direkten Umfeld einer jeden Person sichtbar, wie sehr Äußerlichkeiten dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler gemobbt werden und aufgrund ihrer Kleidung bzw. weil sie sich gewissen Mode- und Markentrends nicht unterwerfen, ausgegrenzt werden.

Machen Kleider wirklich Leute? Zählt der äußerliche Eindruck, noch bevor das erste Wort ge- sagt wurde? Kann einheitliche Schulkleidung dabei helfen, das soziale Miteinander zu fördern und Äußerlichkeiten so auszublenden, dass Mobbing in den Hintergrund rückt? Welche Auswirkung das Tragen einheitlicher Schulkleidung darauf hat, ob Schülerinnen oder Schüler weniger gemobbt werden oder weniger mobben, in welchen Bereichen einheitliche Schulkleidung diesbezüglich unterstützen kann und wo sie an ihre Grenzen stößt, soll im Rahmen dieser Hausarbeit untersucht werden.

Dafür werden im ersten Teil der Arbeit Begrifflichkeiten zu einheitlicher Schulkleidung und Mobbing geklärt. Zudem wird erläutert, wie sich einheitliche Kleidung von Schuluniformen und Dress-Codes unterscheidet. In diesem Zusammenhang wird auch auf die gesetzlichen Bestimmungen eingegangen. Im Anschluss wird erörtert, wie sich das Tragen einheitlicher Schulkleidung in verschiedenen Bereichen auf Mobbing auswirken kann. Dazu werden die Vor- und Nachteile abgewogen. Abschließend wird im Fazit die Eingangsfrage der Arbeit auf- gegriffen und als Ergebnis zusammengefasst, ob das Tragen einheitlicher Schulkleidung überhaupt eine Auswirkung auf Mobbing hat bzw. ob dadurch Mobbing reduziert oder be- günstigt wird.

In dieser Arbeit wird der Fokus weder auf das weibliche noch das männliche Geschlecht ge- richtet. Auch wird kein Unterschied zwischen einheimischen Kindern und Jugendlichen und derer mit Migrationserfahrung gemacht. Auf die Vorbehalte gegen einheitliche Schulbeklei- dung bezüglich der deutschen Historie wird nicht eingegangen. Auch logistische Überlegun- gen, wie einheitliche Schulkleidung am besten in den Schulalltag integriert werden könnte, werden nicht thematisiert.

In der Arbeit wird allgemein auf Schülerinnen und Schüler aller Altersklassen und Schulfor- men und ihre Lehrer und Familien eingegangen und geklärt, ob einheitliche Schulkleidung dem Mobbing an Schulen präventiv entgegenwirken kann und somit den Schulalltag aller Be- teiligten erleichtern kann.

2 Einheitliche Schulkleidung

Häufig werden einheitliche Schulkleidung und Schuluniform synonym verwendet und kein Unterschied zwischen diesen beiden Schulbekleidungsformen gemacht. Warum es aber wichtig ist, den Unterschied zu kennen, soll im Folgenden erläutert werden.

2.1 Einheitliche Schulkleidung vs. Schuluniform vs. Dress-Code

Im Vergleich zur klassischen Schuluniform, bei der „die Bekleidungsstücke exakt nach Trage- weise, Schnitt, Farbe, Textilie, Art und Marke vorgeschrieben und Abweichungen nicht er- laubt sind“ (Theuer 2006, S.3), wird Schülerinnen und Schülern bei einheitlicher Schulklei- dung die Möglichkeit geboten, sich aus einer „Kollektion von gleichwertigen Kleidungsstü- cken typgerecht und nach seiner Gewohnheit“ (Brose 2005, S.12) zu kleiden.

„Die Regeln bei einheitlicher Schulkleidung - im Sinne der aktuellen Debatte sind weniger strikt als bei Schuluniformen oder Dress-Codes. Festgelegt ist im Allgemeinen eine be - stimmte Farbe für eine Reihe von Oberteilen, die üblicherweise mit dem Schullogo verse- hen sind.“ (Theuer 2006, S.3)

Bei der Oberbekleidung haben die Schülerinnen und Schüler somit die freie Auswahl zwi- schen Poloshirt, T-Shirt oder Sweatshirt und haben trotz einer vorgegebenen Kollektion im- mer noch die Möglichkeit, sich individuell zu kleiden.

Eine wiederum andere Form der Schulbekleidung ist der vorgegebene Dress-Code.

„In den Dress-Codes wird die zu tragende Kleidung exakt beschrieben; beispielsweise wird festgelegt, dass Mädchen Röcke mit einer bestimmten Länge tragen müssen. Be - kleidung mit Herstellernamen oder Zugehörigkeitshinweisen zu Cliquen oder Gangs kön- nen verboten werden.“ (ebd.).

Somit ist der Entscheidungsspielraum bei einheitlicher Schulkleidung am größten. Und auch wenn es von den Schülerinnen und Schülern Disziplin verlangt, sich täglich daran zu halten, die Schulkleidung zu tragen, so kann das Einhalten eines Dress-Codes schnell für allgemei- nen Unmut sorgen und zu Diskussionen zwischen der Schüler- und Lehrerschaft beitragen.

„Schließlich erweist sich Schulkleidung auch aus schulpraktischen Erwägungen gegen- über Kleiderordnungen als vorteilhaft: Eine Verhaltensregel in Sachen Kleidung macht in der Schule nur dann Sinn, wenn sicher ist, dass diese Regel im Schulalltag effektiv kon - trolliert und durchgesetzt werden kann. Genau das ist aber bei den hier diskutierten Klei - derordnungen aufgrund der Schwierigkeit, sicher festzustellen, ob eine Bekleidung unter ein Verbot fällt oder nicht, kaum oder nur sehr schwer der Fall. Hingegen lässt sich ohne weiteres kontrollieren, ob ein Schüler die vorgesehene Schulkleidung trägt oder nicht.“ (Bosse 2010, S.150)

In Deutschland ist es Schülerinnen und Schülern selbst überlassen, ob sie einheitliche Schulkleidung tragen möchten oder nicht. Das geben die gesetzlichen Bestimmungen vor. Aufgrund dessen wurde in den wenigen Schulen in Deutschland, an denen einheitliche Schulkleidung getragen wird, vorab darüber abgestimmt, ob diese auf freiwilliger Basis ein- geführt werden soll oder nicht (vgl. Brose 2005, S. 39).

2.2 Gesetzliche Bestimmungen

In Großbritannien zum Beispiel bestimmen die Schulen über das Outfit, das die Heranwach- senden tragen sollen. Schülerinnen und Schüler haben diesbezüglich kein Mitspracherecht. Auch in den USA kann die Schulkleidung verpflichtend sein.

Die Stadt Long Beach in Kalifornien entschied 1994, in allen öffentlichen Schulen Schuluni- formen einzuführen, da die Kriminalitätsraten immer mehr zugenommen hatten. Infolgedes- sen nahmen die Anzahl der geschwänzten Unterrichtsstunden und der Vandalismus-Fälle enorm ab. Mobbing unter Schülern nahm dadurch sogar um 85 Prozent ab und auch Schul- verweise wurde deutlich weniger ausgesprochen (vgl. Günther 2017, S. 2).

In Deutschland sieht die Gesetzeslage anders aus. „Falls eine Schule oder Behörde einheitli- che Schulkleidung anordnete, wäre das ein Grundrechtseingriff in die Persönlichkeitsrechte.“ (Brose 2005, S.38)

Da auch ein Kind trotz seiner Minderjährigkeit ein Grundrecht auf „die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“ (Grundgesetz Art. 2.1) hat, ist der einzige Weg, einheitliche Schulkleidung in Deutschland einzuführen, die freiwillige Zustimmung der Eltern. Diese dürfen als die Erzie- hungsberechtigten ihres Kindes und zu deren Schutz darüber entscheiden, welche Kleidung sie tragen sollten und somit auch darüber abstimmen, ob einheitliche Schulkleidung zu deren Schulalltag gehören soll.

Allerdings dürfen Schulen hierzulande die Verpflichtung des Tragens von einheitlicher Schul- kleidung nicht in ihr Schulprogramm aufnehmen. Als die Haupt- und Realschule Hamburg- Sinstorf im Jahr 2000 einheitliche Schulkleidung an ihrer Schule eingeführt hat, konnte dies nur realisiert werden, weil eine Klassenelternschaft sich dafür entschieden hat.

Zwar steht die einheitliche Schulkleidung auch im Schulprogramm der Schule, was aber rein rechtlich anfechtbar ist. Da aber alle Eltern, die ihr Kind an der Schule anmelden, das Tragen einheitlicher Schulkleidung befürworten, gab es bisher keine Probleme (vgl. Brose 2005, S. 39).

Jedoch würde es sich aufgrund gesetzlicher Grundlagen insgesamt schwierig gestalten, das Tragen einheitliche Schulkleidung verpflichtend in Deutschland einzuführen und somit kann dieses den Schülern und ihren Eltern nur als Empfehlung mit auf den Weg gegeben werden.

3 Mobbing in der Schule

Mobbing betrifft jede Schule und kommt in allen Altersklassen und jeder Schulform auf viel- fältige Weise vor. Die Folgen des Mobbings sind für Opfer, aber auch Täter verheerend. Zwar gibt es an Schulen schon viele Aktionen und Maßnahmen zur Mobbing-Prävention, dennoch muss noch viel getan und alle Beteiligten noch mehr für das Thema sensibilisiert werden, um Mobbing zu stoppen.

3.1 Allgemeine Definitionen

Dan Olweus beschreibt den Zustand des Mobbings in der Schule folgendermaßen: „Schüler und Schülerinnen werden zu Mobbing-Opfern, wenn sie wiederholt und über einen längeren Zeitraum negativen Handlungen seitens eines oder mehrerer Schüler ausgesetzt sind.“ (Ol- weus 1986,1993, zit. nach Olweus 2008, S.2)

Bei einer weiteren Definition setzt sich Mobbing aus vier gleichzeitig auftretenden Merkmalen in Verbindung mit Schikanen und Beleidigungen zusammen. Das erste Merkmal ist durch ein Kräfteungleichgewicht gekennzeichnet, bei dem das Mobbing-Opfer allein dem Mobber oder Mobbern und seinen Mitläufern ausgesetzt ist. Beim zweiten Merkmal, der Häufigkeit, wird das Mobbing-Opfer mindestens einmal in der Woche gemobbt. Das dritte Merkmal ist durch die Dauer definiert, die einen Zeitraum von Wochen oder Monaten umfasst. Unter der Kon- fliktlösung, dem vierten Merkmal, ist zu verstehen, dass das Mobbing-Opfer es nicht von al- leine schafft, das Mobbing zu stoppen und sich Unterstützung suchen muss (vgl. Jannan 2009).

Mobbing darf also nicht mit einem Konflikt oder Streitigkeiten verwechselt werden, die nur von kurzer Dauer und in der Regel lösungsorientiert sind. Trotzdem kann Mobbing aus Kon- flikten heraus entstehen.

3.2 Folgen von Mobbing

Wird eine Schülerin oder ein Schüler über einen längeren Zeitraum gemobbt, sind die ge- sundheitlichen Folgen immens.

Schon viele Studien haben gezeigt, dass Mobbing-Opfer sowohl unter psychischen als auch körperlichen Beeinträchtigungen leiden. Gewaltausbrüche, Selbstverstümmelungen, Depres- sionen, Übergewicht und viele weitere gesundheitliche Schädigungen sind keine Seltenheit (vgl. Bilz et al. 2016).

Zudem zeigen Untersuchungen, „dass 70% der Mobbing-Opfer unter Schlafstörungen leiden, weitere 40% Magenschmerzen sowie 38% Kopfschmerzen berichten. (Bilz et al. 2016, S. 224)

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Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668920323
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v462648
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Schlagworte
welche auswirkung schulkleidung mobbing schule

Autor

  • Stephanie Walter (Autor)

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