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Auswirkungen von sportlicher Betätigung auf die Psyche

Facharbeit (Schule) 2018 20 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung
2.1 Sport
2.2 Psyche

3. Biochemische und neurologische Prozesse
3.1 Physiologische Hypothesen
3.2 Psychologische Hypothesen
3.3 Mischmodelle

4. Effekte von sportlicher Betätigung auf die Psyche
4.1 Kurzfristige Effekte auf die psychische Gesundheit
4.2 Langfristige Effekte auf die psychische Gesundheit
4.2.1 Stressreaktivität
4.2.2 Selbstkonzept und Selbstwertgefühl
4.2.3 Angst und Depressionen
4.2.4 Übertrainingssyndrom und sportliches Burnout

5. Schluss

Anhang

Bücher Quellen

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1. Einleitung

Die Auswirkungen von sportlicher Betätigung auf die Psyche finden heutzutage in Forschung und Praxis große Beachtung. Nicht umsonst hat etwa ein Weltkonzern wie die adidas AG diese Erkenntnisse in den Grundlagen ihrer Firmenphilosophie verankert: „Sport stärkt, baut das Selbstvertrauen auf und schafft lebenslange Freundschaften. Sport bekämpft Krankheiten und Depressionen“ (vgl. adidas- group.com, 2018). Laut der adidas AG hat Sport einen beachtlichen Einfluss auf die menschliche Psyche und kann sowohl das Selbstvertrauen stärken als auch Depressionen bekämpfen. Aussagen wie diese geben einen Anreiz diese Thematik näher zu untersuchen.

In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die beiden Schlüsselbegriffe Sport und Psyche erklärt und näher untersucht. Darauf folgt eine Erläuterung der verschiedenen Hypothesen zur Erklärung der biochemischen und neurologischen Prozesse und deren Auswirkungen auf die Psyche. Anschließend werden sowohl positive, als auch negative Effekte sportlicher Betätigung auf die menschliche Psyche aufgeführt. Zuletzt werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und eine Prognose für den Gebrauch des Themengebiets für die Zukunft getroffen.

2. Begriffserklärung

2.1 Sport

Der Begriff Sport stammt etymologisch vom lateinischen Verb „deportare“ = sich zerstreuen. Im Französischen bzw. im Englischen erfolgte dann eine Substantivierung zu „desport“ bzw. „disport“ = Vergnügen.1 Nach Bernett ist Sport eine “spontane motorische Aktivität aus spielerischem Antrieb, die nach meßbarer [sic] Leistung und geregeltem Wettkampf strebt“ (vgl.: H. Bernett, 1971, S.144). Die Komponente des Wettkampfs wird auch im Duden erwähnt. Dort wird Sport als eine körperliche Ertüchtigung, die nach bestimmten Regeln und aus Freude und Spaß zur Bewegung ausgeübt wird bezeichnet.2 Nach diesen Definitionen zählen, neben der Bewegung, Spiel und Wettkampf, auch der Faktor Spaß zu wichtigen Begrifflichkeiten des Sports. Zudem kann man nach Haag Sport in verschiedene Bereiche unterteilen. Die verschiedenen Formen des Sports reichen von der Ausprägungsform des Spiels (z.B. Kinderspiel) bis zum Ernstfall des Kampfes oder der Arbeit (z.B. Berufsfußball).3 Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen Breitensport und Leistungssport.4 Sportliche Betätigung kann in Form einer Mannschaftssportart oder in Form einer Individualsportart betrieben werden.5 Nach Röthig kann Sport auch “nicht-körperliche Aktivitäten (Kartenspiel) sowie körperliche Aktivitäten ohne Interaktion (z.B. Sportangeln) einschließen“ (vgl. P. Röthig, 2003, S.279). In dieser Arbeit wird der Begriff Sport allerdings nur im Sinne von tatsächlicher körperlicher Betätigung verwendet.

2.2 Psyche

Der Begriff Psyche stammt etymologisch aus dem Altgriechischen (ψυχή = Seele).6 In der Antike wurde er als Personifizierung des vitalen Prinzips, also im Gegensatz zum materiellen Körper oder Soma verwendet.7 Nach Möller kann die Übersetzung aus dem altgriechischen wörtlich genommen werden. Er setzt die Seele mit der Psyche gleich, welche alles beschreibt, “was sich auf seelische Vorgänge bezieht“ (vgl. H. J. Möller, 1996, S. 560). Im Duden umfasst der Begriff Psyche das menschliche Fühlen, Empfinden und Denken.8 Nach Meili steht der Begriff Psyche für die “Gesamtheit der geistigen Vorgänge, der psychischen Funktionen und der Beweggründe des Verhaltens“ (vgl. M. Reinhardt, 1972, Spalte 11). In der Psychoanalyse von Sigmund Freud ist die Psyche “Bewusstes – Unbewußtes [sic], die Subjektivität, im Ggs. Zu dem rein Organischen“ (vgl. M. Reinhardt, 1972, Spalte 11). Ähnlich ist auch die Definition nach Digel, der zudem insbesondere die emotionalen Vorgänge und Funktionen betont.9 In der Tiefenpsychologie wird der Begriff allerdings anders verwendet. Diese verwendet ihn dazu, um religiöse und spiritualistische Nebenbedeutungen der Ausdrücke Seele oder Geist zu vermeiden.10 Somit steuert die Psyche das gesamte seelische und innere Leben des Menschen.

3. Biochemische und neurologische Prozesse

Die Wirkweise von körperlicher Aktivität auf die körperliche Gesundheit zu erklären ist Aufgabe sportmedizinischer und epidemiologischer Forschung. Um die Wirkmechanismen für günstige Effekte körperlicher Aktivität auf die psychische Gesundheit zu erklären gibt es in der sportpsychologischen Literatur verschiedene Hypothesen.11 In den vorliegenden Ansätzen werden physiologische und psychologische Wirkmechanismen oder Kombinationen aus diesen, so genannte Mischmodelle berücksichtigt. Zudem werden allgemeine und sportspezifische Modelle unterschieden.12

3.1 Physiologische Hypothesen

Die Thermo-Regulations-Hypothese geht davon aus, dass die Durchblutung peripherer Organe, die Stoffwechselintensität, die Sauerstoffversorgung des zentralen Nervensystems, die Körpertemperatur und auch die Empfindlichkeit der Sinnesrezeptionen durch sportliche Aktivität zunimmt. Durch die genannten Faktoren wird das Wohlbefinden eines Individuums in positiver Weise gesteigert. Nach Schlicht steigt die Körpertemperatur nach 15 bis 20 Minuten extensivem Laufen auf etwa 38,5 Grad Celsius, wodurch die Stoffwechselintensität mit jedem Grad an Temperaturerhöhung um 13 % steigt.13

In der Katecholaminhypothese geht man davon aus, dass biogene Amine zu einer Verbesserung negativer Stimmungszustände führen. Man hat beobachtet, dass depressive Stimmungszustände im Zusammenhang mit einem Mangel an Katecholaminen oder ihren Stoffwechselendprodukten Norepinephrin, Dopamin und Serotonin stehen.14 Das Zentralnervensystem, welches vor allem für die Auslösung und Steuerung von Emotionen verantwortlich ist, produziert die Katecholamine und biogene Amine. Nach Schrode hängt die Ausschüttung der Katecholamine von Art und Intensität der körperlichen Belastung ab. Aufgrund des festgestellten Anstiegs von Noradrenalin und Serotonin bei aerober Belastung lässt sich darauf schließen, dass ein negativer emotionaler Zustand in Richtung Wohlbefinden beeinflusst wird.15

Die vermutlich bekannteste physiologische Hypothese, die sogenannte Endorphinhypothese besagt, dass sowohl während, als auch nach einer aeroben sportlichen Aktivität vermehrt körpereigene Substanzen, die in ihrer Wirkung den endogenen Opioiden zugeordnet sind, freigesetzt werden. Opioide wie Endorphine, Enkephaline und Dynorphine sind körpereigene Neurotransmitter, welche zur Informationsübertragung zwischen den Nervenzellen dienen. Die Opioidrezeptoren sind hautsächlich in Hirnarealen wie dem limbischen Teil des Zentralnervensystems lokalisiert und verlaufen durch die Schmerzbahnen. In diesen erfolgt die Bindung von Endorphinen. Die höhere Konzentration von Beta-Endorphin während der Ausübung einer sportlichen Aktivität führt zu einer Reduzierung der Schmerzempfindung unter Belastung und löst positive Befindensveränderungen aus. Allerdings muss man berücksichtigen, dass es erst ab einer Belastungszeit von etwa 30 bis 60 Minuten oder einer höheren Intensität (> als 4 mmol/Lactat) zu einer bedeutsamen Erhöhung der Beta-Endorphinkonzentration kommt. Im Breiten- und Gesundheitssport werden die genannten Belastungsparameter selten erreicht, wodurch die Endorphinhypothese für diese nicht gelten kann. Schlicht zieht das Fazit, dass die bislang vorliegenden Befunde nicht nahelegen, dass Endorphin der Grund für Stimmungssteigerungen im Breiten- und Gesundheitssport ist.16

Ein anderer psychophysiologischer Ansatz ist die Immunsystemmodulations- hypothese, welche etwa seit dem Jahr 1990 stärkere Aufmerksamkeit erfährt. Nach dieser treten nach sportlicher Betätigung hormonale Adaptionen auf, die eine Immunmodulation zur Folge haben können.17 Moderat ausgeführte sportliche Aktivität soll den Belegen zufolge zu einer Stärkung des Immunsystems führen, während dauerhafte und hochintensive sportliche Aktivität zu einer Immunsuppression führen kann.18

3.2 Psychologische Hypothesen

Die Hypothese von der allgemeinen und sportspezifischen Wirksamkeit mediativer Bewusstseinszustände besagt, dass Personen bei einem Gleichgewicht von Leistungsanforderung und Fähigkeiten in einen Bewusstseinszustand geraten, der lustvoll und stimmungssteigernd erlebt wird. Dieser Zustand wird auch als „Flow“- Erlebnis bezeichnet und tritt vor allem auf, wenn die Anforderungen über der persönlichen Kapazität liegen, die Aufgabe aber trotzdem bewältigt wird.19 Somit verschmelzen Handlung und Bewusstsein, ohne dass der Handelnde die Kontrolle verliert. Der beschriebene Bewusstseinszustand ist mit einem hohen Maß an Selbstwirksamkeits- und Kontrollerleben verknüpft. Wenn eine Sportart „ihrer Sache“ wegen ausgeübt wird kommt es zu der Passung zwischen Anforderung und Können, wodurch Voraussetzungen für ein Gefühl der Tätigkeitsfreude und einem erhöhten Lebensgefühl gegeben sind. Zudem sind Rhythmisierung und die vollständige Konzentration auf eine Aufgabe günstige Voraussetzungen für das Erleben von „Flow“.20

Die Ablenkungshypothese bezieht sich auf eine potenzielle Reduktion stressbezogener Zustände wie zum Beispiel Spannungszustände oder negative Emotionen. Durch die Ausübung sportlicher Aktivitäten wird ein gewisser Anteil an Informationsaufnahme- und Verarbeitungskapazität beansprucht, wodurch die Wahrnehmung von Stressoren gar nicht oder nur eingeschränkt erfolgen kann. Die Person wird somit von den eigentlichen Stressepisoden abgelenkt und es kommt zu einer Reduktion der Stressreaktionen. Allerdings zeigt Schlicht in mehreren Synopsen wissenschaftlicher Arbeiten, dass in diesem Modell die empirische Bewährung fehlt.21

Eine andere Hypothese, der die Annahme von Bandura als Ausgangspunkt dient, besagt, dass das Wissen um die eigenen Leistungsmöglichkeiten, die Bewusstheit schwierige Situationen selbst bewältigen zu können, der Glaube an die eigene Stärke und die Fähigkeit zur Situationskontrolle wichtige Merkmale für Wohlbefinden, seelische Gesundheit und Stressresistenz darstellen. Diese Fähigkeiten werden mit dem Begriff der Selbstwirksamkeit zusammengefasst. Man vermutet, dass Selbstwirksamkeitserwartung, Stressresistenz, Wohlbefinden und insgesamt die seelische Gesundheit durch sportliche Aktivität gesteigert wird. Allerdings fehlen auch für dieses Modell noch die empirischen Belege.22

[...]


1 vgl.: Koch, Karl – Sportkunde für den Kursunterricht in der Sekundarstufe II, 1976, S.83-84

2 vgl.: https://www.duden.de/rechtschreibung/Sport, 31.10.2018

3 vgl.: Koch, Karl – Sportkunde für den Kursunterricht in der Sekundarstufe II, 1976, S.83-84

4 vgl.: G. Kirschling – Begriffe und Begriffserläuterungen zur Sportanalyse, 2010, S.3

5 vgl.: F. Seeger – Coaching im Wettkampfsport, 2008, S.6

6 vgl.: https://www.wortbedeutung.info/Psyche/, 02.11.2018

7 vgl.: M. Reinhardt – Lexikon der Psychologie, 1972, Spalte 11

8 vgl.: https://www.duden.de/rechtschreibung/Psyche_Seele_Gemuet_Innenleben, 02.11.2018

9 vgl.: W. Digel – Meyers großes Taschenlexikon, 1987, S. 337

10 vgl.: M. Reinhardt – Lexikon der Psychologie, 1972, Spalte 11

11 vgl.: R. Brand – Sportpsychologie, 2010, S. 54-55

12 vgl.: P. Wagner, W. Brehm – Enzyklopädie der Psychologie, 2008, S. 573

13 vgl.: P. Wagner, W. Brehm – Enzyklopädie der Psychologie, 2008, S. 573

14 vgl.: P. Schwenkmezger – Einführung in die Sportpsychologie, 2001, S. 257

15 vgl.: P. Wagner, W. Brehm – Enzyklopädie der Psychologie, 2008, S. 573

16 vgl.: P. Wagner, W. Brehm – Enzyklopädie der Psychologie, 2008, S. 573-574

17 vgl.: P. Wagner, W. Brehm – Enzyklopädie der Psychologie, 2008, S. 574

18 vgl.: P. Schwenkmezger – Einführung in die Sportpsychologie, 2001, S. 259

19 vgl.: P. Schwenkmezger – Einführung in die Sportpsychologie, 2001, S. 259

20 vgl.: P. Wagner, W. Brehm – Enzyklopädie der Psychologie, 2008, S. 574-575

21 vgl.: P. Wagner, W. Brehm – Enzyklopädie der Psychologie, 2008, S. 575

22 vgl.: P. Schwenkmezger – Einführung in die Sportpsychologie, 2001, S. 259

Details

Seiten
20
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668916791
ISBN (Buch)
9783668916807
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v461823
Note
12,7
Schlagworte
auswirkungen betätigung psyche

Autor

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Titel: Auswirkungen von sportlicher Betätigung auf die Psyche