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Merkmale romantischer Kinder- und Jugendliteratur anhand ausgewählter Beispiele

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 17 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Bild der romantischen Epoche
1.2 Kinder- und Jugendliteratur in der Romantik
1.2.1 Das romantische Kindheitsbild

2 Hauptteil
2.1 1. Beispiel: Brüder Grimm: Die Sterntaler
2.2 2. Beispiel: Reinick: Das übergelehrte Kind
2.3 3. Beispiel: Hoffmann: Nussknacker und Mausekönig

3 Schluss

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Epoche der Romantik. Dabei möchte ich zunächst eine Charakterisierung der Romantik, des Denkens und der Vorstellungen dieser Zeit vornehmen. Dabei wird die Epoche in einen zeitlichen Zusammenhang zur vorhergehenden aufklärerischen Epoche gesetzt. Anhand von konkreten Textbeispielen aus der Kinder- und Jugendliteratur (KJL) sollen romantischen Merkmale aufgezeigt und verdeutlicht werden.

1.1 Bild der romantischen Epoche

Als Einstieg in das Thema bietet es sich an, kurz über den Begriff ´Romantik´ im heutigen Alltagsgebrauch nachzudenken. Dabei könnten einem Dinge wie Hochzeit, Kerzenschein, Mond, Sonnenuntergang oder Rosen in den Kopf kommen. Allerdings können solche Dinge, die in den Augen des einen als romantisch gelten, in den Augen eines anderes kitschig erscheinen. Man kann also zum einen feststellen, dass der Romantikbegriff sehr unterschiedlich gefüllt werden kann und es keine allgemeinverbindlichen Kriterien für den Romantikbegriff im Alltagsgebrauch gibt. Zum anderen unterscheidet sich der heutige Begriff Romantik deutlich von dem Epochenbegriff.

Zeitlich ist die Epoche der Romantik in die Jahre von 1795 bis 1830 (vgl. Wucherpfennig 1996, S. 132) einzuordnen, wobei die Grenzen wie bei fast jeder Epoche unterschiedlich definiert werden können und daher nicht als starr anzusehen sind. Die Romantik lässt sich nicht nur durch einen bestimmten Stil oder bestimmte literarische Formen beschreiben, sondern steht für eine ganze Weltanschauung, die auch heute noch vertreten werden und damit aktuell sein kann.

Vorausgehend herrschte die Aufklärung, die sich in Europa ausbreitete. Sie setzte das neuzeitliche Menschenbild durch, nach dem der Mensch nicht mehr standesbestimmt war, sondern jeder der Anlage nach gleich befähigt sei und in der Lage selbstständig zu urteilen und zu handeln (vgl. Wucherpfennig 1996, S. 75). Im Zentrum stand die Vernunft, die sich in allen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen zeigen sollte. So fand eine Säkularisierung statt, Kirche und Staat sollen getrennt werden, die Bildung wird zu einer Aufgabe weltlicher Einrichtungen. Die Vernunft galt als Maß aller Dinge, mit deren Hilfe vernünftige Regeln und Maßstäbe gefunden werden sollten. Deutlich wurde das besonders in der Modernisierung. Technik und Wissenschaft, aber auch das Familien- und Arbeitsleben wurden völlig neu gestaltet. Es fand eine Trennung von Wohnen und Arbeit statt, die Rolle der Ehefrau ändert sich, indem sie emanzipierter wurde und die sog. vernünftige Liebe trat an die Stelle der arrangierten Ehe. Bei einer Eheschließung galt es nun nicht mehr als verpönt, wenn die Ehepartner sich liebten. Allerdings durfte dies nicht der einzige Grund zur Heirat sein. Stattdessen mussten vernünftige Gründe hinzutreten, etwa der gesellschaftliche Aufstieg für den Ehepartner oder finanzielle Absicherung.

Während die Aufklärer also die Vernunft in den Mittelpunkt allen Denkens stellten, empfanden die Romantiker dies als Überbetonung des Verstandes. Ihrer Ansicht nach wurde der Mensch zu einseitig gesehen, indem das Gefühl, die emotionale Seite des Menschen im Grunde unberücksichtigt blieb. Die Romantik setzte daher einen starken Kontrast zur aufklärerischen Auffassung des Lebens. Jedoch ist zu beachten, dass die Romantik nicht einfach als das Gegenteil der Aufklärung zu verstehen ist. So wurden der Verstand und die Vernunft nicht bestritten, erhielten jedoch eine zu große Gewichtung zu Lasten der emotionalen Seite des Menschen (vgl. Ewers 1994, S. 7).

Das große Ziel der Romantiker war wie bereits in der Klassik die Harmonie. Diese konnte nach romantischer Auffassung nur erreicht werden, wenn man die Gesellschaft zum Ausdruck der All-Einheit macht, welche die Natur regiert (vgl. Wucherpfennig 1996, S. 132). Dazu ist es notwendig, dass jedes Individuum die All-Einheit erfährt. Das geschieht in Träumen und Fantasien, in denen er in ein umfassendes Ganzes aufgenommen wird und dort Schutz und Geborgenheit erfährt. Dieses Streben kann auf dem Hintergrund des technischen Fortschritts und der Modernisierung des Lebens in allen Bereichen (s.o.) als Bedürfnis nach Sicherheit verstanden werden. Durch den Umbruch der äußeren Umstände und Lebensbedingungen wünschten sich die Menschen einen Ort der Ruhe und des ungefährdeten Glücks. Das Ziel war eine Ganzheit, die alle Gegensätze aufheben konnte. Es sollte nicht mehr Kontraste wie arm und reich, schön und hässlich, klug und dumm vorherrschen. Romantiker nehmen eine Perspektive der Vermittlung und Idealisierung ein, sie streben nach einer Verbindung mit der Unendlichkeit.

Diese Einheit zeigt sich z.B. in der natürlichen Mutter-Kindbeziehung. Die innige Liebe und Verbundenheit sollte zum Prinzip der Familie und des Staates werden (vgl. Wucherpfennig 1996, S. 133). Die Religion (genauer der Katholizismus) erfuhr eine neue Popularität, da man sich von ihr die Erfahrung der göttlichen Liebe und einen höheren Wirklichkeitsgrad erhoffte. Alte Riten, die Musik und das bunte Treiben übte auf die Romantiker eine große Faszination aus. Das zeigt sich außerdem in der Orientierung in die Vergangenheit, mit der die Romantiker der Modernisierung begegneten. Das Mittelalter wurde von ihnen idealisiert und kopiert, was ebenfalls das Bedürfnis nach festen, sicheren Regeln spiegelt wie der Wunsch nach All-Einheit (vgl. Brunken/Hurrelmann/Pech 1998 2003, S. 326).

1.2 Kinder- und Jugendliteratur in der Romantik

Die Kinder- und Jugendliteratur (KJL) erfährt bereits in der Aufklärung eine tiefgreifende Umstrukturierung, so dass man sogar von einer „Literaturrevolution“ (Ewers 1994, S. 7) sprechen kann. Sie hatte sich zu einem eigenständigen Zweig innerhalb der Literatur entwickelt. Für die Aufklärer war Literatur ein Mittel, mit dem ihre Ideale von Bildung und Wissenserwerb verbreitet werden konnten. Daher wählten sie entsprechende Gattungen, die es erlaubten, den Leser direkt oder indirekt zu belehren. Beliebte Formen waren die Fabeln wegen ihrer Morallehre, gebundene und ungebundene Formen der Lehrdichtung sowie Dialoge, die als Leitbild aufklärerischer Kommunikation überhaupt verstanden werden können. In ihnen werden nach sokratischem Vorbild Sachthemen erläutert und tugendhaftes Verhalten vermittelt. Eine weitere verbreitete Gattung stellte das Drama dar. Hierbei konnten die Kinder zumeist selbst mitspielen, was der Übung von korrektem Sprechen und Auftreten diente. Solche Vorführungen fanden sowohl in der Schule als auch zu Hause statt. Die Literatur kann also als sehr didaktisch bezeichnet werden (vgl. Brunken/Hurrelmann/Pech 1998, S. 163).

Die Romantiker setzten mit ihrer Literatur einen entschiedenen Gegenpol. Um ihre Intentionen besser verstehen zu können, werde ich nun auf das romantische Kind- und Kindheitsbild eingehen.

1.2.1 Das romantische Kindheitsbild

Der grundlegende Unterschied zur aufklärerischen Auffassung von Kindern und ihrem Wesen liegt in der Anerkennung des Kindes als eigenständigen, wertvollen Menschen. Während die Aufklärer Kinder als unvollkommene und weniger gute Erwachsene ansahen, erhielten die Kinder in den Augen der Romantiker einen eigenen Stellenwert. Die Phase der Kindheit galt als rein und vollkommen getrennt von jeder erwachsenen Rationalität. Kinder besaßen die Fähigkeit zu träumen, hatten Fantasie und einen Hang zum Wunderbaren. Damit waren sie in den Augen der Romantiker dem Zugriff durch den Verstand entzogen. Die Fähigkeit zur Vernunft entwickelte sich ihrer Ansicht nach erst im Laufe des Älterwerdens. Kinder gewannen durch die Romantiker also einen autonomen Status, der nicht durch das Eingreifen der Erwachsenen beeinträchtigt werden durfte, da er einen Idealzustand darstellte (vgl. Ewers 1994, S. 7 – 9). Nach Ewers (1994) ist die romantische Kindheit eine „…vollendete Idylle …; zu ihr gehören Harmonie mit der umgebenden Welt, Vertrauen in die Zukunft, moralische Unschuld, ursprüngliche Reinheit, Freiheit von hässlichen Leidenschaften und von allem Egoismus, Einfältigkeit und naives Zutrauen, schließlich Einheit mit sich selbst“ (S. 21).

Die neue Auffassung von Kindheit bringt grundlegende Veränderungen der KJL mit sich. Der Erwachsene ist dem Kind nicht mehr übergeordnet und kann belehrend auf es hinabblicken. Das Verhältnis hat sich umgekehrt, indem nun der Erwachsene zu dem Kind als ein höheres, heiliges Wesen aufblickt. Die Konsequenz daraus hieß, jegliche Form von Belehrung aus der KJL zu entfernen, da Erwachsene Kinder prinzipiell nicht belehren können. Stattdessen sind sie selbst es, die im Umgang mit Kindern hinzugewinnen. Literatur sollte absichtslos sein, da dies dem Wesen der Kindheit entsprach. Einziges Ziel von KJL war die Unterhaltung. Literatur sollte ein Mittel der Selbstanschauung sein, in dem Kinder sich gespiegelt erlebten. Kindheit ist nach romantischer Sicht die „Heimat des Wunderbaren“ (Ewers 1994, S. 39), Sinnliches und Übersinnliches existieren nebeneinander, Grenzen werden verwischt, Realität und Phantasie überlagern sich. Der Kindheit gemäß können den Romantikern deshalb nur Literaturformen sein, die selbst die Grenzen zum Übersinnlichen und Wunderbaren überschreiten und in ihre Darstellung einschließen (vgl. Ewers 1994, S. 39). Aus diesem Grund bevorzugten romantische Autoren Volkslieder, Märchen, Legenden, Sagen und Volksbücher. Gattungen, in denen es um Phantastisches, um Imagination und Wunderbares geht.

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Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638433457
ISBN (Buch)
9783638791168
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46069
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Erziehungswissenschaftliche Fakultät Köln
Note
1,0
Schlagworte
Merkmale Kinder- Jugendliteratur Beispiele

Autor

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