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Akzeptierende Drogenarbeit und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Drogenabhängigen

Ein Lernbericht

Seminararbeit 2019 12 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Erkenntnisinteresse

3 Paradigmenwechsel infolge von Verelendung Drogenabhängiger

4 Statistische Betrachtung der Drogentoten

5 Maßnahmen und Nutzung der akzeptierenden Drogenarbeit

6 Möglichkeiten und Grenzen der akzeptierenden Drogenarbeit

7 Gesellschaftliche Akzeptanz

8 Selbstreflexion

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Anzahl der Drogentoten in Deutschland ab der Jahrtausendwendeo

1. Einleitung

Seit mehr als einem Jahrzehnt wird in der bundesweiten Drogenarbeit ein akzeptierender Ansatz praktiziert. Von Sozialarbeiter_innen umgesetzt, werden zahlreiche Maßnahmen der akzeptierenden Drogenarbeit in sogenannten Konsumräumen angeboten und können entgeltlos und autonom in Anspruch genommen werden. Wie hoch der Nutzungsgrad und die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Angebote sind, war mir anfänglich nicht bekannt und generierte in mir sehr hohe intrinsische Motivation diesbezüglich folgende Ausgangsfragestellung zu beantworten: Wie wird akzeptierende Drogenarbeit in Berlin angenommen und welche bundesweiten gesellschaftlichen Auswirkungen hat dieser drogenarbeitspezifische Ansatz? Das Anschauungsobjekt Berlin wurde festgelegt, da ich in Berlin lebe, an diversen Lokalitäten vor Ort das Elend einzelner Drogenabhängiger selbst beobachten konnte und zuletzt um dem Lernbericht einen adäquaten Rahmen zu geben.

In den folgenden Kapiteln wird zunächst das persönliche Erkenntnisinteresse an der behandelnden Thematik dargestellt. Anschließend wird der Paradigmenwechsel von traditioneller bis zur akzeptierenden Drogenarbeit skizziert. Im Zuge statistischer Betrachtungen der akzeptierenden Drogenarbeit und Drogentoten wird versucht ein Fazit über die Wirkung der akzeptierenden Drogenarbeit ableiten zu können. Möglichkeiten und Grenzen werden explizit in der abschließenden Diskussion behandelt. Vor der Diskussion erfolgt noch eine Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Akzeptanz des Drogenkonsums, da sich im Laufe der Recherche herauskristallisierte, wie verpönt der Konsum gegenwärtig immer noch ist.

2. Erkenntnisinteresse

Zahlen zur Nutzung von Maßnahmen der akzeptierenden Drogenarbeit sind mir eingangs nicht bekannt. Ausgehend von einem zufällig gefundenen Artikel in einem populär- wissenschaftlichem Medium fand ich Begeisterung darin mehr über diese Thematik zu erfahren. Die starke Involvierung von Sozialarbeiter_innen in die Maßnahmen der akzeptierenden Drogenarbeit begeistern mich und stellen ein potentielles Aufgabenfeld in meiner zukünftigen Berufsausübung dar. Basierend auf mehrjähriger Erfahrung im Umgang und der Betreuung Drogenabhängiger protokolliert dieser Lernbericht eine Erweiterung meines Wissenshorizonts zur Thematik Nutzungshäufigkeit öffentlicher Drogenarbeit und dessen Wirkung mit dem Ziel mehr Verständnis für diese sensible Thematik zu erlangen.

Auf persönlicher Ebene zielt dieser Lernbericht darauf ab, das eigene Handeln zu reflektieren. Hinsichtlich der festgelegten Thematik soll eine vertiefte Bearbeitung mittels eigens ausgearbeiteter Fragestellung erfolgen. Unbekannte Informationen sollen kritisch hinterfragt und in einem Transfer auf die eigenen Lernprozesse übertragen werden. Zusam- menfassend wird eine persönliche Weiterentwicklung auf thematischer und lernpraxis- bezogener Ebene angestrebt.

3. Paradigmenwechsel infolge von Verelendung Drogenabhängiger

Eine initiale Internetrecherche mit den Schlüsselwörtern „akzeptierende Drogen- arbeit“ führte zu diversen Suchergebnissen und auch Leitlinien akzeptierender Drogenarbeit von akzept – Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik e.V. Dieses Dokument erschien als essentiell, um die Rahmenbedingungen akzeptierender Drogenarbeit eruieren zu können. Bereits in der Einleitung der Publikation ist die Rede von einem Paradigmenwechsel hin zur akzeptierenden Drogenarbeit, jedoch wird an dieser Stelle nicht erwähnt, welcher drogenarbeitsspezifischer Ansatz hierdurch abgelöst wurde. Eine Textpassage eines folgenden Kapitels des Dokuments bringt Klarheit und benennt diesbezüglich die traditionelle Drogenarbeit, die einen auf Leidensdruck Drogenabhängiger basierenden Ansatz verfolgt. Da keine exaktere Definition der abgelösten traditionellen Drogenarbeit erläutert wird und somit Unklarheit herrscht wird explizit nach dieser veralteten Form der Arbeit mit Drogenabhängigen gesucht.

Der Suchbegriff „traditionelle Drogenarbeit“ erzeugt weit über 100.000 Ergebnisse, wobei „Die Notwendigkeit akzeptierender Drogenarbeit“ von Stöver und Herwig-Lempp als sehr relevant erscheint und tatsächlich Aufschluss bringt. Aus Drogenkonsum wird nach traditioneller Auffassung Behandlungs- sowie Beratungsbedürftigkeit abgeleitet und fordert eine Änderung des problematischen Verhaltens, womit Leidensdruck gemeint ist. Abgrenzend dazu versteht man unter akzeptierender Auffassung Drogenkonsum als bewusste eigenständige Entscheidung für eine Droge respektive den damit verbundenen Lebensstil. Aus der Verelendung von Drogenkonsument_innen und zunehmender HIV- Infektionsraten in den 1980er Jahren, entstand dieses Novum der Drogenauffassung. Verstanden als integrative Vorgehensweise mit pragmatischem und niedrigschwelligem Zugang wird ein Safer Use und somit sicherer Drogenkonsum gewährleistet und schützt die Konsument_innen, statt ihnen Interventionen zur Unterlassung der Suchtmittel- einnahme aufzuzwingen. Das Individuum und dessen individuellen Bedürfnisse stehen im Vordergrund und sollen im Zuge einer sozialen Integration zur gesellschaftlichen Partizipation der Betroffenen führen.

Die bereits erwähnte Verelendung der Drogenkonsument_innen in den 1980er Jahren erweckt großes Interesse an statistischen Entwicklungen der Konsument_innen und der Anzahl Drogentoter, da der Tod durch die toxischen Substanzen das grausame Ende der Verelendung darstellt. Hat die akzeptierende Drogenarbeit tatsächlich positive Auswirkungen auf die Todeszahl der Konsument_innen. Diese Fragestellung wurde induktiv gebildet und erweitert den Untersuchungsrahmen, denn anfänglich sollte lediglich der Nutzungsgrad von Interventionen der akzeptierenden Drogenarbeit beleuchtet werden.

4. Statistische Betrachtung der Drogentoten

Statistiken des Bundesamtes für Statistik gelten als sehr reliabel und wurden als Quelle für die Anzahl Drogentoter in der Bundesrepublik Deutschland festgelegt. Betrachtet man die Entwicklung Drogentoter ab der Jahrtausendwende, so ist ein Rückgang zwischen den Jahren 2000 und 2017 von ausgehend 2030 Todesfällen um kumulierte 37,3% auf 1272 Drogentote zu verzeichnen, wie folgende Tabelle illustriert:

Tabelle 1: Anzahl der Drogentoten in Deutschland ab der Jahrtausendwende (vgl. Bundesamt für Statistik 2018)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei erster Betrachtung der Statistik wurde die nicht stetige, jedoch immense Reduzierung von Drogenkonsument_innen, die ihr Leben konsumbedingt verloren haben, rein hypothetisch der akzeptierenden Drogenarbeit zumindest partiell zugeschrieben. Nach reiflichen Überlegungen, welche Informationen aus dieser Grafik gezogen werden können, fiel auf, dass eine Darstellung der bundeslandspezifischen Daten von Nöten ist, um aufzeigen zu können welche Entwicklungstrends explizit die Bundeshauptstadt als Anschauungsobjekt dieses Lernberichts abbildet. Hierzu wurde erneut das Bundesamt für Statistik mittels Fernzugriff der hochschuleigenen Bibliothek als Recherchequelle benutzt und zeigt im Drogenbericht 2017 auf, dass entgegen der letztjährigen Verminderung Drogentoter in insgesamt 6 Bundesländern Steigerungen zu verzeichnen waren – unter anderem auch in Berlin. Zusammenfassend lässt sich ableiten, dass trotz akzeptierender Drogenarbeit seit 2011 die Zahl der Drogentoten in Berlin stetig steigt und somit auch im Jahr 2017, was in diesem Jahr konträr zur deutschlandweiten Entwicklung steht. Numerisch ist in diesem Zeitraum eine Erhöhung von 114 auf 168 konsumbedingte Tote zu verzeichnen.

Es bleibt zu erörtern, welche Reichweite und welchen Nutzen die Interventionen der akzeptierenden Drogenarbeit haben. Sollte der Nutzungsgrad dieser Maßnahmen stetig steigen, dann müsste die steigende Anzahl Drogentoter in Berlin anderweitig erklärbar sein. Dieses Vorhaben wurde induktiv festgelegt anhand der gefundenen Statistiken. Zunächst erfolgt eine Beleuchtung der Maßnahmen der akzeptierenden Drogenarbeit und anschließend wird der Nutzungsgrad ermittelt.

5. Maßnahmen und Nutzung der akzeptierenden Drogenarbeit

Nachdem der Paradigmenwechsel von der traditionellen bis hin zur akzeptierenden Drogenarbeit verinnerlicht und die in Berlin steigende Zahl der Drogentoten eruiert wurde, rückte das Interventionsspektrum beziehungsweise die Methoden des letztgenannten Ansatzes der Drogenarbeit und zugleich Anschauungsobjekt des Lernberichts in den Fokus. Als angehende Sozialarbeiterin und potentielles Arbeitsfeld für meine berufliche Zukunft rückt explizit das Aufgabensprektrum der Sozialarbeiter_innen hierbei in den Vordergrund. Das Aufgabenfeld der Sozialarbeiter_innen, die an der Umsetzung partizipieren, umfasst insgesamt drei Hauptkategorien. Neben der Gesundheitsförderung der Drogen- konsument_innen steht sowohl die Sicherung des Überlebens durch Bereitstellen von Hilfen zur medizinischen, materiellen und psychosozialen Grundversorgung im Fokus der sozialarbeiterischen Tätigkeit als auch die gesundheitliche und emanzipatorische Information/Aufklärung/Bildung, Stabilität und Problembewältigung. Als Informationsquelle fungierte hierbei erneut die Leitlinien der akzeptierenden Drogenarbeit – publiziert von akzept e.V., sowie der Aidshilfe.

Interventionen der Drogenarbeit obliegen einem Spannungsfeld zwischen Angebot und Nachfrage. Beide Determinanten sollen im folgenden Text beleuchtet werden. Mit den Suchbegriffen „Drogenkonsumräume Berlin“ erschien ein Dokument, das Überblick über deren Evaluation schafft – eine Publikation der Aidshilfe. Als rechtliche Grundlage der Einrichtung dieser Räume fungiert eine am 28. März 2000 stattgefundene Gesetzes- änderung des Betäubungsmittelgesetzes im Zuge des Dritten Gesetzes §10a BtMG. Weiter hinten im Text heißt es, dass gegen Ende des Jahres 2003 die ersten beiden Konsum- raumangebote in Berlin entstanden durch ein Konsummobil in der Frobenstraße und am Bahnhof Zoo. Ein Jahr später kamen zwei weitere Standorte in Kreuzberg und Tiergarten dazu. Folglich existieren aktuell 4 Drogenkonsumräume in Berlin.

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Details

Seiten
12
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668909243
ISBN (Buch)
9783668909250
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v459703
Institution / Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Soziale Arbeit Akzeptierende Drogenarbeit Lernbericht

Autor

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Titel: Akzeptierende Drogenarbeit und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Drogenabhängigen