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Biografie- und Erinnerungsarbeit als Angebot für Menschen mit Demenz

Seminararbeit 2019 12 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Krankheitsbild Demenz
Definition Demenz
Symptome von Demenzen

2. Biografie- und Erinnerungsarbeit
Definition von Biografie- und Erinnerungsarbeit
Ziele von Biografie- und Erinnerungsarbeit

3. Eignung von Biografie- und Erinnerungsarbeit

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Zuge des demographischen Wandels in Deutschland, wird der Gerontologie eine immer größere Bedeutung zu teil. Die Menschen werden zunehmend älter, was dazu führt, dass während des Alterungsprozesses vermehrt Begleiterschei- nungen auftreten können. Eine dieser Begleiterscheinungen ist die Demenz. Die Organisation „Alzheimer’s Disease International“ hat im Jahr 2018 eine weltweite Prävalenz von ca. 50 Millionen Demenzfällen gemessen und prognostiziert für das Jahr 2050 ca. 152 Millionen Fälle (World Alzheimer Report, 2018, S. 33). Die Ver- dreifachung der Häufigkeit innerhalb von 32 Jahren verdeutlicht die Aktualität und Relevanz des Themas.

Um Demenz soll es somit im Zuge dieser Seminararbeit gehen. Zunächst soll das Krankheitsbild der Demenz definiert werden. Dabei ist zu bedenken, dass aufgrund der Kürze der Seminararbeit nur ein grober Abriss des Krankheitsbildes erfolgen und die Thematik nicht in Gänze ausbuchstabiert werden kann. Deshalb wird sich im Rahmen dieser Arbeit auf einige wesentliche Aspekte beschränkt.

Danach soll die Methode vorgestellt werden, die oftmals in der Arbeit mit demen- ziell erkrankten Menschen angewandt wird. Im Detail geht es hier um die Methode der Biografie- und Erinnerungsarbeit. Biografie- und Erinnerungsarbeit soll aber nicht nur dargestellt werden, sondern im nächsten Schritt soll primär eruiert wer- den, warum gerade diese Methode bei Menschen mit demenzieller Erkrankung sinnvoll und förderlich ist. Um aufzuzeigen warum die Biografie- und Erinnerungs- arbeit bei Demenz eine geeignete Methode ist, sollen die Punkte aus dem Ab- schnitt 1. „Krankheitsbild Demenz“ und dem Abschnitt 2. „Biografie- und Erinne- rungsarbeit“ verknüpft werden und für den Abschnitt 3. „Eignung von Biografie- und Erinnerungsarbeit bei Demenz“ als Argumentationsgrundlage dienen. Ab- schließend sollen im Fazit die Ergebnisse dieser Seminararbeit in Bezug auf die Ausgangsfrage zusammengefasst werden.

1. Krankheitsbild Demenz

1.1 Definition Demenz

Der Terminus „Demenz“ hat seinen Ursprung in der lateinischen Sprache und be- deutet übersetzt so viel wie „Fehlen des Verstandes“ (Schneider, 2012, S. 15). Im medizinischen Sinne ist der Demenzbegriff jedoch viel umfassender und soll nun im folgenden Teil dieses Kapitels ausdifferenzierter dargestellt werden. Im Allgemeinen geht Demenz vor allem einher mit dem Abbau der geistigen und kognitiven Leistungsfähigkeit. Es ist jedoch nicht ausschließlich eine Gedächtnis- störung. Es kommt also auf kognitiver Ebene unter anderem zur Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, der Sprache, der Merkfähigkeit, der Auffassungsgabe, des Denkvermögens und des Orientierungssinns. Auf nicht kognitiver Ebene kommt es ebenso zu Störungen des Sozialverhaltens, des Antriebs, der emotionalen Kon- trolle und des Wirklichkeitsbezugs. Insgesamt ist der Ausprägungsgrad bei jedem Menschen mit Demenz sehr unterschiedlich und reicht von kleineren Einschrän- kungen bis hin zum vollständigen Verlust der Autonomie (Kurz, Freter, Saxl & Ni- ckel, 2018, S. 6-7). Schneider ergänzt, dass das Bewusstsein der demenziell Er- krankten nicht beeinträchtigt ist. Die Betroffenen begreifen also ihre Situation und ihren schlechter werdenden Zustand (2012, S. 15).

Die Begrifflichkeit „Demenz“ ist dabei als Oberbegriff zu verstehen und kann in unterschiedliche Formen und Ausprägungen untergliedert werden. Zwei wesentli- che Unterscheidungsformen von Demenzen sind die primären und sekundären Demenzen. Die primären Demenzen decken dabei den größten Teil der Demen- zen mit etwa 90 % ab und beschreiben Demenzformen, bei denen der Krankheit hirnorganische Schäden zugrunde liegen. Die Alzheimer- Demenz gehört zur Gruppe der primären Demenzen und füllt mit ca. 50-60 % den größten Teil dieser Gruppe aus. Die vaskulären Demenzen, die auf Schädigungen der Blutgefäße im Gehirn zurückzuführen sind, machen mit 10-20 % den zweitgrößten Anteil aus. Die Gruppe der sekundären Demenzen hingegen machen vom gesamten Anteil nur einen Prozentsatz von ca. 10-20 % aus. Es handelt sich bei diesen Demenzen im Gegensatz zu den primären Demenzen um teilweise heilbare Formen, denen exo- gene Faktoren zugrunde liegen, wie beispielsweise ein Vitaminmangel oder an- dere Körperkrankheiten (Falk, 2015, S. 60). Die Entstehung und Schwere der ein- zelnen Demenzen korreliert mit dem steigenden Alter der Demenzkranken. Die über 95-jährigen machen somit einen Anteil von 42-68 % bei der Alzheimer- De- menz aus, wohingegen die Gruppe der 60-64 Jahre alten Menschen nur zu 0,1- 1,0 % betroffen ist. Der größte Wirkfaktor um an einer Demenz zu erkranken ist somit das steigende Alter eines Menschen, jedoch gibt es auch neben dem Alter weitere Risikofaktoren, die eine Demenz begünstigen können. Dazu zählen ein geringes schulisches Bildungsniveau, Depressionen, eine verringerte geistige und körperliche Aktivität im mittleren bis zum späten Alter, sowie Schädel-Hirn-Trau- mata aus der Vergangenheit. Bei speziell vaskulären Demenzen sind Risikofakto- ren wie Bluthochdruck, Diabetes Mellitus, Herzerkrankungen, sowie Übergewicht und Rauchen förderlich, um an einer Demenz zu erkranken (Dick, Häusler, Krause-Köhler, Nordheim & Rapp, 2017, S. 2-3).

Der Verlauf einer Demenz kann grundsätzlich in drei Phasen untergliedert werden. Dazu zählen die leichtgradige, die mittelschwere und die schwere Demenz. Eine eigenständige Lebensführung ist bei der leichtgradigen Demenz nur gering einge- schränkt und Unterstützungsbedarf ist nur bei anspruchsvollen Tätigkeiten nötig. Bei der mittelschweren Demenz ist die autonome Lebensführung stark einge- schränkt. Unterstützungsbedarf ist hier schon bei einfachen Tätigkeiten nötig. Bei der schweren Demenz sind beide Lebensbereiche ohne Unterstützung nicht be- wältigbar (Kurz et al., 2018, S. 19).

Nachdem nun ein Grundverständnis von Demenz vorliegt, soll im weiteren Teil dieser Arbeit noch einmal ein Augenmerkt auf einige Symptome von Demenzen gelegt werden. Die Auswahl der Symptome bezieht sich dabei auf diejenigen Symptome, die für die spätere Argumentation von Bedeutung sind. Es kann also nicht die volle Bandbreite der Symptome von Demenzen abgedeckt werden und somit wird sich hier auf einige wesentliche Erläuterungen beschränkt.

1.2 Symptome von Demenzen

Vergesslichkeit und Zerstreutheit sind eines der Hauptsymptome einer beginnen- den Demenz. Diese beiden Symptome beziehen sich vor allem auf aktuelle Ge- schehnisse. Beispielsweise werden oft Gegenstände von den Betroffenen an ei- nem Ort abgelegt und danach lange Zeit gesucht, da das Erinnern schwerfällt, wo der Gegenstand abgelegt wurde. Abgespeichertes Wissen aus der Vergangenheit, dass im Langzeitgedächtnis abgespeichert ist, kann hingegen besser erinnert wer- den (Payk, 2010, S. 21).

Demenziell erkrankte Personen leiden weiterhin oftmals unter Orientierungsstö- rungen. Um sich zeitlich und örtlich orientieren zu können wird die Fähigkeit des Erinnerns vorausgesetzt. Der Orientierungsverlust zeigt sich beispielsweise dadurch, dass sich die Betroffenen in der Vergangenheit wiederfinden und sich auch so verhalten. Ebenso sind Antriebsstörungen Folge der demenziellen Erkran- kung. Auf der einen Seite kann es sein, dass die Motivation stark vermindert ist und auf der anderen Seite kann sich die Antriebsstörung in einer Getriebenheit und ziellosem Wandern äußern. Damit einher geht oftmals auch eine Freudlosigkeit der Betroffenen Personen (Falk, 2015, S. 73-76).

Ein weiteres Anzeichen einer Demenz ist die Entwicklung von Ängsten. Betroffene zeigen beispielsweise Angst vor der Dunkelheit oder Angst vor dem Alleinsein . Ebenso sind Veränderungen des Sozialverhaltens typisch für Betroffene. Schreien, Aggressivität, sexuelle Enthemmung oder das Sammeln und verstecken von Gegenständen sind häufig auftretende Verhaltensänderungen bei Demenzpa- tienten (Kastner & Löbach, 2014, S. 14-16).

Falk erläutert zudem, dass mit dem Verlust der kognitiven Fähigkeiten, als Konse- quenz auch große Teile des Wissens über sich selbst und somit der Identität einer Person verloren gehen. Das seit der Kindheit entwickelte Selbstkonzept einer Per- son wird mit eintreten der Demenz also immer lückenhafter und die leidvolle Suche nach der eigenen Identität immer stärker (2015, S. 151). Resultierend aus den As- pekten, dass das Bewusstsein demenziell erkrankter Menschen nicht getrübt ist und die betroffenen Personen ihre meistens unaufhaltsam wachsenden psychi- schen und physischen Defizite mitbekommen, führt dies in den meisten Fällen zu einer Senkung des Selbstwertgefühls. Das Selbstwertgefühl kann dabei in situati- onsbedingt besonders niedrig sein (Messer, 2004, S. 144).

Im Gegensatz zum Abbau der Kognitionen bleibt die Gefühlswelt der demenziell Erkrankten für lange Zeit bestehen. Aufgrund der Reduktion der kognitiven Fähig- keiten werden Gefühle sogar zum primären Ausdrucksinstrument. Die kognitiven Einschränkungen werden also mit Emotionen kompensiert. Negative Gefühle kön- nen somit auch kognitiv nicht mehr in angemessener Form verarbeitet werden und so sind demenziell erkrankte Menschen auf eine externe Emotionsregulation durch Dritte angewiesen (Jahn, 2014, S. 19-21).

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Details

Seiten
12
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668913240
ISBN (Buch)
9783668913257
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v459591
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,0
Schlagworte
Gerontologie Demenz Altenhilfe Biografie Arbeit Definition Ziele Erinnerungsarbeit Relevanz

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Titel: Biografie- und Erinnerungsarbeit als Angebot für Menschen mit Demenz