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Die Sachsen und das Reich der Franken. Kirchliche Organisierung. Die Bistümer Paderborn Halberstadt

Akademische Arbeit 2003 25 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Zeittafel

1. Einleitung

2. Die Auswahl der Bischofssitze
Frühe Missionsversuche

3. Die Quellen über die Sachsenkriege und die Missionierung
a.) Zeitgenössische Quellen
1. Die Briefliteratur
2. Karolingische Annalen
b.) Quellen bis zum 10. Jahrhundert
1.) Abhängige Werke
2.) Selbständige Darstellungen

4. Synoden im Zusammenhang mit der Missionierung der Sachsen

5. Die fränkische Kirche und die heidnische Religion
a.) Der Weg der Christianisierung
b.) Veränderung im Recht der Sachsen
c.) Die dänische Rolle beim sächsischen Widerstand

6. PADERBORN
a.) Die Wahl des Ortes
b.) Die Dombauten in Sachsen
c.) Die Pfalz und die Bischofsstadt
d.) Zum Begriff der Grundherrschaft
e.) Der Papstbesuch 799
f.) Die kirchliche Organisierung

7. HALBERSTADT
a.) Die Vorbesiedlung des Halberstädter Raums
b.) Die Gründung des Bistums Halberstadt
c.) Die Bauten dse Bischofssitzes in der Frühphase
d.) Die Ausbauten zur Domkirche
e.) Der Dom von 859
f.) Die Stadtanlage
g.) Die ersten Bischöfe des Bistums Halberstadt
h.) Die Grenzen des Bistums Halberstadt

8. LITERATURVERZEICHNIS

Zeittafel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Ziel dieser Arbeit soll es sein, an den Beispielen der Bistumsgründungen von Paderborn und Halberstadt die Rolle des Bistums bei der Festigung der fränkischen Herrschaft im sächsischen Stammesgebiet zu klären.

Die gesellschaftliche Ordnung der Franken ruhte in der Karolingerzeit auf den Säulen Königtum, Grafschaft und Bistum.

An die Stelle der sächsischen Gaue waren von der fränkischen Verwaltung im Zuge der Eroberung neue raumpolitische Organisationen gesetzt worden: im kirchlichen Bereich das Bistum und das Kirchspiel der Taufkirche (Urpfarr- bzw. Mutterkirche) und der daraus entwickelte Dekanat bzw. Archdiakonat, im Bereich der Rechtsprechung und der fiskalischen Verwaltung der Komitat, die Grafschaft, die auch für das militärische Aufgebot zuständig war. Darüber stand, zunächst als rein militärische Institution, das Herzogtum.1

Das Bistum war der Gerichts- und Verwaltungsbezirk des Bischofs, gleichbedeutend mit der Diözese. Mehrere Bistümer sind in der Regel zusammengefaßt zu einer Kirchenprovinz unter der Oberleitung eines Metropoliten, des Vorstehers des Erzbistums.2

Diese Herrschaftsgebiete sind im Zuge der Institutionalisierung der katholischen Kirche bereits im 4. Jahrhundert genauer abgegrenzt. Zentrum war eine civitas (römische Stadt).

„Die bischöfliche Gewalt umfaßte Priesterweihe, kirchliche Aufsicht über die Pfarreien, Visitationspflicht in allen Klöstern und Rechtsprechung. Zumal sie (die Bischöfe, der Verfasser) aus den mächtigsten Familien eines Reiches kamen, waren sie keineswegs nur geistliche Instanzen, sondern Feudalherren, die auch weltliche Macht ausübten, über ihre Bischofsstadt, ihre Territorien (Hochstifte), ihre königlichen Lehen, als Reichsverweser, als Mitglied des Kronrates, als Kurfürsten usw.“3

Die fränkischen Eroberer hatten bei der Eingliederung des sächsischen Stammesverbandes viele Probleme zu bewältigen. Der langanhaltende Widerstand der Sachsen gegen Unterwerfung und Christianisierung erschwerte die Implementierung der fränkischen Ordnung mit Bistum und Grafschaft. Deshalb war der Aufbau von Bistümern von hoher Bedeutung für eine dauerhafte Beherrschung der neu hinzugekommenen Gebiete. Dafür spielte auch die Auswahl der Bischofspersönlichkeiten eine große Rolle. Diese Auswahl und Erhebung traf im Gegensatz zum Hochmittelalter der fränkische König, der dies als ein ihm von Gott gegebenes Recht betrachtete.4

2. Die Auswahl der Bischofssitze

Frühe Missionsversuche

Schon unter Bonifatius kam es bei der Gründung von Bistümern im hessisch-thüringischen Teil des Frankenreiches zu Kompromissen bei der Auswahl der Bischofssitze. Der niemals römisch beherrschte Osten des Reiches wies keine alten Städte wie Köln oder Mainz auf, die als Sitz eines Bistums nach kanonischen Recht in Frage kamen. Weder Büraburg noch Erfurt erfüllten die Kriterien, die sich nach kirchlichen Recht mit dem Platz für einen Bischofssitz verbanden. Bei der Christianisierung der germanischen Völker östlich des Rheins fiel die Wahl auf Orte, die sich vor anderen durch geographische oder fortifikatorische Besonderheiten auszeichneten.5 6 So war es auf der Büraburg und auch die Gründung aller Bistümer im sächsischen Stammesgebiet hat hierin ihre Ursache.

„Die christliche Mission bei den Sachsen und Friesen reicht in ihren Anfängen etwa 100 Jahre vor die Zeit der Sachsenkriege Karls des Großen zurück. Interessanterweise waren es angelsächsische Missionare von der britischen Insel, die kurze Zeit zuvor selbst erst von irischen und schottischen Mönchen bekehrt worden waren, die diese Mission in Norddeutschland durchführten. In der 731 aufgezeichneten angelsächsischen Kirchengeschichte des Beda Venerabils wird über das umfangreiche Missionsprogramm berichtet, das außer den Friesen und Sachsen auch die Dänen und Bruktuarier ( Stamm im südlichen Westfalen), ja sogar Slawen und Awaren, bekehren sollte. Am dringlichsten war den angelsächsischen Missionaren aber die Bekehrung der Kontinentalsachsen, mit denen sie sich wegen ihrer gemeinsamen Abstammung immer noch stark verbunden fühlten.“7 Es gab ein steiges Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Angelsachsen und Sachsen.8 Daher auch die Idee, den Sachsen das Christentum zu bringen. Vor allem Bonifatius unternahm Versuche zur Missionierung in den südlichen Gauen Sachsens.9

Sogar die ganze Kirchenorganisation Hessens scheint er unter dem Gesichtspunkt der Sachsenmission organisiert zu haben.10 Auch viele andere Angelsachsen versuchten, in Sachsen zu predigen.11 Viele davon wurden vertrieben oder erschlagen.12 Trotzdem bereiteten sie die Missionierung vor allem des Adels der Sachsen vor13, der später ausnehmend viele Klöster gründen sollte.14 Dieser sympathisierte mehrheitlich mit dem Christentum und duldete die Predigten. So auch die Predigten der beiden Ewalde, die zwar von Sachsen erschlagen werden, deren Tod aber auch von Sachsen gerächt wird.15 Das ist ein sicherer Hinweis auf Christen auch schon vor der fränkischen Eroberung. Die südlichen Gaue Sachsens werden später dem Erzbistum Köln zugeteilt, wohl wegen der Missionserfolge von Bonifatius.16 Das Christentum wurde hier bei den Sachsen, wie auch schon vorher bei Franken und Angelsachsen, von oben her eingeführt. In den Händen des Adels war die Kirche ein Organismus, der jedem germanischen Staatsgebilde überlegen war17 und als „Staatskirche“18 fungierte.

Die angelsächsische Mission war den Franken nicht gleichgültig. Zum einen waren die Karolinger im Schutz der Kirche emporgestiegen und mit ihr eng verbunden.19 Mit Pippins Sachsenfeldzügen beginnen dann auch die Missionsversuche.20 Zum anderen stand die friedliche angelsächsische Mission im Gegensatz zur Politik des fränkischen Staates, legitimierte dieser sein Vorgehen gegen die Sachsen doch mit deren Heidentum. Ein christliches Sachsen würde für andere christliche Mächte bündnisfähig. Ähnliches hatten die Franken bereits in der Mitte des 8. Jahrhunderts in Bayern erlebt.21 Diese Gefahr endete 772 mit der Aufnahme der Kämpfe.22 Damit trafen die Franken sowohl die nationalen, wie auch christlich-missionarischen Empfindungen der Angelsachsen schwer.

Der Beschluß zur Missionierung ist laut den Annales qui dicuntur Einhardi bei Karl im Winter 774/775 gefallen.23 776 versprechen die Sachsen die Annahme des Christentums, doch ist aus dieser Zeit noch keine kirchliche Organisation in Form von Bistümern anzunehmen. Diese erfolgte erst ab 787.24 Noch viele Jahrzehnte später hatten viele sächsische Bezirke noch keine Kirche.25

780 wurden die Bardengauer und Nordalbinger Sachsen getauft, deutlich nach den Ost- und Westfalen und den Engern.Im Hasegau waren Sachsen und Nordschwaben bereits 748 Christen geworden.26 Schon vorher bringt 777 die Ernennung der ersten sächsischen Grafen die formelle Eingliderung in den fränkischen Staat.27 Dieses Jahr bringt auch die Errichtung der ersten fränkischen Missionssprengel.28 Das Verhältnis des sächsischen Adels zum Christentum war auffällig gut.29 Dagegen verharrte das Volk in breiter Abwehr.30

3. Die Quellen über die Sachsenkriege und die Missionierung

a.) Zeitgenössische Quellen

1. Die Briefliteratur

In der Brieflieteratur treten die Sachsenkriege auffällig wenig hervor.31 Es sind nur 3 Zeitgenossen Karls des Großen bekannt, die sich in Briefen zu Kriegsverlauf und Missionierung äußerten, der Franke Angilbert, Dichter an Karls Hofschule, der Leiter der Hofschule, der Angelsachse Alkuin und Papst Hadrian I..32

Alle Genannten gehören der Geistlichkeit an und äußerten sich vornehmlich zu diesem Aspekt.33

Angilbert wird das bald nach dem Paderborner Reichstag 777 entstandene CARMEN DE CONVERSIONE SAXONUM zugeschrieben.34 Darin wird der siegreiche Krieg verherrlicht und die Kämpfe werden zu Missionszügen. Interessant ist, daß bereits der nothhumbrische Abt Eanwulf 773 in einem Brief die Aufgabe Karls als Glaubenskämpfer betont.35

Die 13 erhaltenen Briefe ALKUINS beziehen sich völlig auf die Bekehrung. Die historischen und politischen Ereignisse treten dahinter zurück.36 ALKUIN trennt deutlich zwischen den beiden Aufgaben Karls, einmal die Errichtung einer starken Herrschaft über die Völker, zum anderen die Mission bei den Heiden.37 Die politische Unterwerfung wird hier notwendige Voraussetzung für die Mission. Doch die Methoden der Mission stoßen auf scharfe Kritik, besonders die Erhebung des Zehnten.38 Durch gewaltsames Vorgehen sieht er die Mission gefährdet und in Frage gestellt.39 In 2 Briefen bezieht Papst Hadrian I. Stellung zur Mission, allerdings sehr kühl und distanziert. Die Unterwerfung der Sachsen stärkte mehr die fränkische Kirche und den fränkischen König als das römische Papsttum. So erteilte er lediglich den Rat, den Sachsen Priester zu entsenden und ordnet ein dreitägiges Dankfest anläßlich der Taufe Widukinds an, allerdings erst auf Bitten Karls.40

2. Karolingische Annalen

A) Kleine Annalen

Die kleinen Annalen sind in Klöstern entstanden und meist von mehreren Verfassern bearbeitet.

Die ältesten sind die Annales St. Amandi und Laubacenses.41

Umfangreicher berichten die im Kloster Murbach entstandenen Annales Nazariani, Alamannici und Guelferbytani.42

Die an der Mosel entstandenen Annales Laureshamenses und Annales Mosellani bilden eine dritte Gruppe. Diese berichten erstmals ausführlich von der Missionierung Sachsens. Die Berichterstattung über die militärischen und politischen Ereignisse tritt dahinter deutlich zurück. Darin wird auch die Leistung des Abtes STURMI erwähnt, ebenso wie die ersten Kirchenbauten in Sachsen. Für 792 werden erste Details der Kirchenorganisation im Missionsgebiet überliefert.

Eine sehr detaillierte Überlieferung liegt mit den Annales Petaviani vor. Für 776 überliefern diese Annalen auch jene civitas „ quae vocatur urbs caroli“43, die die herrschende Forschungsmeinung mit Paderborn identifiziert.

Der Autor zeigt starkes Interesse an der Mission, erwähnt die Kirchenbauten und schildert die Sachsen in objektiver Weise. Auch das Chronicon Lauriasense breve, die kleine Lorscher Frankenchronik, berichtet über die Sachsenchronik.

B) Reichsannalen

Wesentlich umfangreicher berichten allerdings sowohl die Annales regni francorum als auch die als Überarbeitung der Reichsannalen entstandenen Annales qui dicuntur Einhardi. Trotz Unterschieden in der Haltung zu den Sachsen44 ist ihnen gemeinsam, daß sie über die militärischen, politischen und auch missionarischen Ereignisse im Zusammenhang mit den Sachsenkriegen berichten.

Allerdings gilt, daß abgesehen von den Lorscher Annalen, und dort auch nur spärlich, so gut wie nichts über die Entstehung der sächsischen Bistümer berichtet wird.45

C) Zusammenfassende Darstellungen

Die Vita Sturmi von Eigil und die Vita Caroli Magni von Einhard geben einen Überblick über den Gesamtverlauf der Kämpfe. Eigils Werk hat seinen Schwerpunkt im missionarischen Bereich, berichtet über die Mittel Karls und die kirchliche Organisation.46

Die Vita Caroli Magni hat ihren Schwerpunkt dagegen im weltlich-politischen Bereich.47

b.) Quellen bis zum 10. Jahrhundert

Auch in späteren Werken finden Mission und Sachsenkriege ihren Niederschlag.

1.) Abhängige Werke

Ein Teil der überlieferten Werke ist stark von den oben genannten, besonders den Reichsannalen und den Einhardsannalen abhängig. Dies sind die Annales Tilliani, Chronicon Moissiacense, die Annales Maximiniani, die Annales Xantenses und die Chronik Reginos von Prüm. Spärliche Nachrichten über die Kriege finden sich in den Annales Juvavenses maiores, Annales Juvavnses minores, den Annales St. Emmeranni maiores und den Annales Sithienses.

Ausführliche Nachrichten enthalten dagegen die Annales Mettenses priores, die Annales Fuldenses und die Weltchronik Reginos von Prüm. Kurze Erwähnung finden die Sachsenkriege in der Weltchronik Ados von Vienne, ähnliches gilt die Annalres Lobienses und die Jahrbücher von Einsiedeln, sowie die Annales Hersfeldenses. Diese sind noch dazu nur über die Annalen von Hildesheim, Quedlinburg, Weißenburg, Niederaltaich, Ottenbeuern und das Annalenwerk Lamperts von Hersfeld rekonstruiert.48

2. ) Selbständige Darstellungen

Aus der Zeit nach den Sachsenkriegen ist uns eine Reihe von Heiligenviten und Translationsgeschichten überliefert. Diese werden von der Forschung in sachsenfeindliche und sachsenfreundliche Darstellungen geschieden.

A) Sachsenfeindliche Darstellungen

Als solche gelten die Vita Wigberti von Lupus von Ferrieres, die Vita St. Liudgeri von Altfrid, die zweite Vita St. Liudgeri und die Vita St. Willehadi.

Zur Klärung des Problems der Bistumsgründungen in Sachsen tragen sie nichts neues bei.49

B) Sachsenfreundliche Darstellungen

Schon in der ersten Hälfte 9. Jahrhunderts tauchen fränkische Darstellungen auf, die als sachsenfreundlich gelten. Diese kritisieren zumeist die Gewalt, mit der Karl die Mission vorantrieb.50

In der Vita Lebuini antiqua werden zum Teil die Verhältnisse vor der Mission geschildert und auch die Tatsache erhärtet, daß es vor den Sachsenkriegen Karls Missionsversuche gab. Im 10. Jahrhundert fand diese Vita eine Überarbeitung durch Huchald von St. Amand.51

Ein Enkel Karls, Nithard, berichtet ebenfalls über die Kriege.

Rudolf, ein Fuldaer Mönch, berichtet in der Trasnslatio St. Alexandrini von der Annahme der Bischöfe durch die Sachsen. Gleichzeitig setzen auch Überlieferungen aus sächsischen Klöstern ein.

Dies sind die Translatio St. Viti, die über die Errichtung von Kirchen, Klöstern und Bischofssitzen berichtet, die Vita St. Liutbirgae, die Translatio St. Liborii, eine wesentliche Quelle für die Anfänge des Paderborner Bistums, aus der wir auch viel über die kirchliche Organisation Sachsens erfahren,52 die Gesta Caroli Magni des Poeta Saxo, die Vita St. Liudgeri II und III, die Translatio Pusinnae und die Gesta Caroli Magni von Monachus Sangallensis.

Auch noch im 10. Jahrhundert erregten die Ereignisse um die Sachsenkriege die Aufmerksamkeit. Dies ist besonders darauf zurückzuführen, daß die Dynastie der Karolinger im Ostfrankenreich ausgestorben war „und das Reich an die Sachsen übergegangen (war)“.53

Widukind von Corvey beschäftigten die Kriege in seiner Res gestae Saxonicae. Für ihn ist die Bekehrung der Sachsen der einzige Erfolg des Krieges.54

Am Ende des 10. Jahrhunderts entstehen die Annales Quedlinburgenses, eine Ableitung der Hersfelder Annalen. Sie sind besonders in Bezug auf die Entstehung des Bistums Halberstadt von Interesse, in dessen Sprengel Quedlinburg lag.55 In den Quedlinburger Annalen finden sich auch Nachrichten darüber, daß Karl schon 781 die Aufteilung Sachsens in Diözesen vornahm, Karl in Seligenstadt einen später nach Halberstadt verlegten Stift gegründet habe und dort zum Bistum erhob, sowie genaue Grenzfestlegungen.56

Diese sind in der Forschung heftig umstritten (Jäschke).57 Auch in den beiden Fassungen der Vita Mathildis finden die Kriege Erwähnung.

Liutprand von Cremona wird in seiner um die Mitte des 10. Jahrhunderts entstandenen Antapodosis ebenfalls kurz ein Ereignis der Kriege schildern, die angebliche Flucht Karls vor den Sachsen. Auf das gleiche Ereignis bezieht sich auch eine Nachricht im Chronicon Thietmar von Merseburgs.58

4. Synoden im Zusammenhang mit der Missionierung der Sachsen

Von den Synoden, die in die Regierungszeit Karls fallen, beschäftigen sich einige speziell mit dem Problemen der Sachsenmission. Es sind dies die Synoden von Paderborn 777, Lippspringe 779/80 und 782, sowie die Paderborner Synode 799. Außerdem wird die Bischofsversammlung, die 796 am Ufer der Donau, während des Feldzugs gegen die Awaren stattfand, in Zusammenhang gebracht mit den Erfahrungen aus Fehlern mit der Sachsenmission.59

777 nahmen Erzbischof Wilchar von Sens, Bischof Angilram von Metz und Abt Fuldrad von St. Denis gesichert an der Synode teil. Wilchar war seit 766 „der geistliche Leiter der fränkischen Kirche“.60

Von Bedeutung für die fränkische Herrschaft und die christliche Mission war besonders die Synode 782 vermutlich in Lippspringe. Dort erließ Karl die Capitulatio de partibus Saxoniae, die heidnische Handlungen unter harte Strafen stellte.61

Über den Charakter des Zusammentreffens zwischen Karl und Papst Leo II: 799 in Paderborn besteht keine Klarheit. Es wird vermutet, daß über die Sachsenmission Beratungen stattfanden, als auch, wie die volle Amtsgewalt des Papstes wiederhergestellt werden sollte.62

5. Die fränkische Kirche und die heidnische Religion

a.) Der Weg der Christianisierung

Es ist ohne Zweifel so, daß alle Germanen religiöse Menschen waren. Ihr Leben als Individuen und als Mitglied von Gemeinschaften war bestimmt von einem Gefühl, daß es Gut und Böse gibt, Leben und Tod, Götter und Dämonen.63 Offensichtlich waren sie dabei unwillig, die menschliche Gestalt abzubilden.64

[...]


1 Prinz, Joseph „Die geschichtliche Entwicklung des oberen Weserraums im Mittelalter“ in : „Kunst und Kultur im Weserraum 800-1600“, Münster 1966, S. 82

2 Rösser, E. „Bistum“ in : Höfer, Josef; Rahner, Karl (Hrsg.) „Lexikon für Theologie und Kirche“, Freiburg 1958, S. 511

3 Dinzelbacher, Peter „Bischof“ in: Dinzelbacher, Peter (Hrsg.) „Sachwörterbuch der Mediävistik“, Stuttgart 1992, S. 105-106

4 Mörsdorf, K. „Bischof“ in : Höfer, Josef; Rahner, Karl (Hrsg.) „Lexikon für Theologie und Kirche“, Freiburg 1958, S. 491-505

5 Hauck, Albert „Kirchengeschichte Deutschlands“ Bd. 1, 8. Auflage Berlin 1954, S. 477

6 Prinz, S. 88

7 Wulf, Friedrich W. „Karolingische und ottonische Zeit“ in: Häßler, Hans-Jürgen (Hrsg.) „Ur- und Frühgeschichte in Niedersachsen“, Stuttgart 1991, S. 359-360

8 Lintzel, Martin „Der sächsische Stammesstaat“ Berlin 1933, S. 28

9 Lintzel 1933, S. 29

10 Lintzel, 1933, S. 29, Anm. 66

11 Lintzel 1933,. S. 29, Anm. 71

12 Lintzel 1933, S. 30

13 Lintzel 1933, S. 30

14 Lintzel 1933, S. 30, Anm. 72

15 Lintzel 1933, S. 31, Anm. 75

16 Lintzel 1933, S. 31, Anm. 75

17 Lintzel 1933, S. 32

18 Lintzel 1933, S. 32

19 Lintzel 1933, S. 33

20 Lintzel 1933, S. 34

21 Lintzel 1933, S. 36

22 Lintzel 1933, S. 40

23 Lintzel, Martin „Ausgewählte Schriften“ Bd. 2 zur Karolinger-und Ottonenzeit, zum hohen und späten Mittelalter, zur Literaturgeschichte 1961, S. 99

24 Lintzel 1961, S. 101 und Anm. 32

25 Lintzel 1961, S. 386

26 Lintzel 1961, S. 267

27 Lintzel 1961, S. 104 und S. 385

28 Lintzel 1961, S. 105

29 Lintzel 1961, S. 116

30 Lintzel 1961, S. 117 und S. 388

31 Mühlner, Dr. Hilde „Die Sachsenkriege Karls des Großen“, Berlin 1937, S. 9

32 Mühlner, S. 9

33 Mühlner, S. 9

34 Mühlner, S. 10

35 Mühlner, S. 10, Anmerkung 1

36 Mühlner, Dr. Hilde, S. 11

37 Mühlner, S. 12

38 Mühlner, S. 13

39 Mühlner, S. 14

40 Mühlner, S. 16

41 Mühlner, S. 18

42 Mühlner, S. 19

43 Mühlner, S. 25, Anmerkung 39

44 Mühlner, S. 31

45 Mühlner, S. 42, Anmerkung 67

46 Mühlner, S 45

47 Mühlner, S. 47

48 Mühlner, S. 53

49 Mühlner, S. 58

50 Mühlner, S. 59/60

51 Mühlner, S. 62

52 Mühlner, S. 68

53 Mühlner, S.79

54 Mühlner, S. 81

55 Mühlner, S. 81

56 Mühlner, S. 83

57 Jäschke, Kurt-Ulrich „Die älteste Halberstädter Bischofschronik“ (Mitteldeutsche Forschungen 62/1), 1962

58 Mühlner, S. 88

59 Hartmann, Wilfried „Die Synoden der Karolingerzeit im Frankenreich und in Italien“ in Brandmüller, Walter (Hrsg.) „Konziliengeschichte Reihe A: Darstellungen“, Paderborn, München 1989, S. 116

60 Hartmann, S. 99

61 Hartmann, S. 102

62 Hartmann, S. 121

63 Wallace-Hadrill, J. M. „The frankish Church“ in : Chadwick, Henry und Owen (Hrsg.) „Oxford History of the Christian Church“, Oxford 1983, S. 17

64 Wallace-Hadrill, 1983 S. 21

Details

Seiten
25
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783668906761
ISBN (Buch)
9783668906778
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v459100
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Karolinger Sachsen Bistumsgründung Franken
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Titel: Die Sachsen und das Reich der Franken. Kirchliche Organisierung. Die Bistümer Paderborn Halberstadt