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Die afghanische Bevölkerung und ihre Wirtschaftsgeschichte

Ausarbeitung 2017 12 Seiten

BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Leseprobe

Einleitung

Die Bevölkerung Afghanistans ist schon aufgrund historischer Gegebenheiten keine homogene, sondern besteht aus verschiedenen ethnischen Gruppierungen. Die Inhomogenität wirft natürlich auch Probleme aud in einem Land, das ohnehin wirtschaftlich eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt ist. Die Paschtunen bilden dabei die ethnisch größte Gruppe und sehen sich auch daher als staatstragende Gruppe. Zweiundvierzig Prozent der Bevölkerung bestehen aus Paschtuni, die im Übrigen auch sich in mehrere unterschiedliche Teile gruppiert. Die persischsprachige Gruppierung Afghanistans sind die Tadschiken, die zwar ethnisch keine eigene Gruppierung darstellen, aber unter dem Begriff „Tadschiken“ zusammengefasst werden. Politischer Verfolgung unterliegen die Hazara, ebenfalls persischsprachig, jedoch in der Glaubenseinstellung Schiiten, im Gegensatz zu den Tadschiken. Aufgrund ihrer Zuordnung zu der schiitischen Richtung des Islam und ihrer Minderheit werden sie im Land auch oft gejagt und getötet.

Auch die Geschichte und die damit verbundene Bevölkerungsgeschichte ist äußerst wechselhaft. Im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert war Afghanistan Schmelztiegel im Konflikt zwischen Russland und Großbritannien. Es fanden drei Kriege statt, bevor Afghanistan als unabhängiger Staat anerkannt werden konnte. Aber erst 1973 wurde Afghanistan zur Republik.1994 nahmen schließlich die Taliban Kandahar ein und lähmten das Land über ein Jahrzehnt beziehungsweise länger. Afghanistan wurde nicht zuletzt durch die Anwesenheit Osama bin Ladens und seine Anschläge auf US Botschaften und schließlich auf das World Trade Center zum isolierten Land. Der Krieg gegen die USA brachten für die Bevölkerung Tod und Leid ins Land zusätzlich nach der isolierenden Herrschaft der Taliban. Der Wiederaufbau des Landes ist umso schwieriger, als dass die Taliban Teile des Landes wieder in Beschlag genommen haben. Auch die Unterdrückung der Frau, die es schon immer gegeben hat und die unter den Taliban extrem wurde ist ein Faktor, der den Fortschritt dieses Landes sehr hemmt. Das äußert sich besonders in der Fertilität und im Bildungswesen, auf das ich später noch zu sprechen kommen werde.

Geburtenrate/Sterberate

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Quelle: https://www.indexmundi.com, 01.06.2018

Die Geburtenrate und die Sterberate sind Indikatoren für die demografische Entwicklung eines Landes. Die Geburtenrate gibt an, wieviele Geburten es pro 1000 Einwohnern in einem Jahr gab. Die Sterberate gibt die Zahl der Todesfälle in derselben Größenordnung und in demselben Jahr an. Für Afghanistan gilt, dass die Geburtenrate im Vergleich zu europäischen Ländern sehr hoch ist. In Österreich werden beispielsweise nur 10 (Stand 2016) Lebendgeburten pro 1000 Einwohnern verzeichnet. Das hat sehr viele Gründe.1 Die Gründe sind teilweise religiös motiviert, so verbietet der Islam die Kontrazeption, teilweise liegen sie auch in der allgemeinen Vorstellung, dass Kinder Versorgungsinstitutionen sind, für die spätere Altersvorsorge. An der Abbildung 1 sieht man, dass die Geburtenrate Afghanistans seit den 2000er Jahren nicht wesentlich abgenommen hat. Auch die Kriegssituation seit 2001 hat nicht bewirkt, dass weniger Kinder geboren werden, was man eigentlich annehmen könnte. Eng zusammen mit der Geburtenrate hängt die Sterberate. Sie gibt an, wieviele Todesfälle es in einem Jahr pro 1000 Einwohnern gegeben hat. Die Sterberate in Afghanistan liegt 2017 bei 13,4. Österreich lag 2016 bei 9,2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung zwei: Quelle: https://www.indexmundi.com, 01.06.2018

Ein wichtiger Punkt ist die Total Fertility Rate (TFR) in Afghanistan. Sie zeigt den Durchschnitt der Kinder, die eine Frau in ihrem gebärfähigen Leben auf die Welt bringt. Dieser Durchscnitt ist in Afghanistan mit 4,6 Kindern (Stand 2017, worldbank) sehr hoch, wenn man bedenkt, dass eine Österreicherin im Schnitt 1,5 (Stand 2016 worldbank) hat. Frauen hatten in der Talibanregierung so gut wie keine Rechte, es wurde ihnen die Arbeit verboten, es herrschte Ausgehverbot ohne männliche Begleitung und viele Mädchenschulen wurden schlichtweg geschlossen. Auch die Kinderehen wurden und werden, obwohl offiziell verboten, forciert. 2 Frauen werden sehr oft Opfer von Gewalt und arrangierte Ehen sind an der Tagesordnung. Verhütung ist natürlich auch kein Thema für islamische Frauen, deswegen auch die hohe Anzahl an Kindern.

Lebenserwartung und Säuglingssterblichkeit

Lebenserwartung ist die Zeit, die Individuen einer bestimmten Gesellschaft verbleibt, gerechnet ab einem bestimmten Zeitpunkt. Zumeist wird dieser Zeitpunkt mit der Geburt eingeleitet. Die Säuglingsund Kindersterblichkeit kann diesen Mittelwert insofern beeinflussen, als dass alle Altersgruppen in diese Durchschnittsberechnung einfließen. Wenn eine Gesellschaft eine sehr niedrige Lebenserwartung hat, dann schließt dies durchaus aber nicht aus, dass gewisse Gruppen oder Individuen ein sehr hohes Alter erreichen können. In Afghanistan haben Frauen, wie überall, eine höhere Lebenserwartung als Männer. Diese liegt bei den Afghaninnen bei 63,5 Jahren im Jahr 2017 und bei den männlichen Bewohnern bei 61 Jahren. Dieser Lebenserwartung ist aber noch immer weit niedriger als der europäische Standard. So hat eine Österreicherin eine Lebenserwartung von 84, ein Österreicher von 79,1 Jahren.

Auch bei der Säuglingssterblichkeit liegt Afghanistan mit 36 Säuglingen von 1000 (UNICEF 2016) im Vergleich sehr weit oben. In Österreich sind es 2 von 1000 Säuglingen, die bei der Geburt sterben. Die Mortility rate under five years liegt mit männlich 95, weiblich 87 pro 1000 Geburten auch eher im oberen Bereich weltweit.

Die Gründe für diese hohen Zahlen sind vermutlich mannigfach: junge Mütter, schlechte medizinische Versorgung vor allem in den ländlichen Regionen, um nur einige wenige zu nennen. Ein massives Problem stellen nach wie vor die arrangierten und erzwungenen Kinderehen in Afghanistan dar. Mädchen werden im „gebärfähigen“ Alter von 14 Jahren mit teilweise wesentlich älteren Männern verheiratet.3

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1 Ed ith Broszinsky-Schwabe, Interkulturelle Kommunikation. Missverständnisse und Verständigung, 2. Auflage, Wiesbaden 2017: Als Gründe für den Kinderreichtum der Entwicklungsländer sei die religiöse Vorstellung vieler Glaubensrichtungen, dass Kinder ein Segen Gottes seien, deswegen sei die Geburtenrate in derartigen Ländern eher hoch.

2 Zur aktuellen Situation der Frauen vgl. ausführlicher: Martina Meienberg, Nation-Building in Afghanistan. Legitimitätsdefizite innerhalb des politischen Wiederaufbaus, Wiesbaden 2012, 273 ff.

3 Vgl. ebd.

Details

Seiten
12
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668931220
ISBN (Buch)
9783668931237
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v458848
Note
1
Schlagworte
bevölkerung wirtschaftsgeschichte

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Titel: Die afghanische Bevölkerung und ihre Wirtschaftsgeschichte