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Screening. Übersicht aktueller klassischer und agiler Projektmanagement-Methoden

Hausarbeit 2018 20 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einführung

2 Grundlagen

3 Methode

4 Übersicht der Projektmanagement-Methoden
4.1 Unterscheidung von klassischen und agilen Projektmanagement-Methoden
4.2 Klassische Projektmanagement-Methoden
4.2.1 Wasserfallmodell
4.2.2 V-Modell
4.2.3 Simultaneous Engineering
4.2.4 Spiralmodell / Prototyping
4.3 Agile Projektmanagement-Methoden
4.3.1 Scrum
4.3.2 Kanban
4.3.3 Extreme Programming (XP)
4.4 Auswahlkriterien und Einordnung

5 Fazit und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vorgehensmodell nach Winston Royce

Abbildung 2: V-Modell

Abbildung 3: Spiralmodell nach Boehm

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Auswahlkriterien für Projektmanagement-Methoden

Tabelle 2: Einordnung Vorgehensmodelle nach Eignung

1 Einführung

Projekte sind nichts Neues: Bereits der Bau der Pyramiden im Alten Ägypten ein Projekt mit hohem koordinatorischem Aufwand.

Projektmanagement hingegen ist neu: während man damals Aufgaben nach gesundem Menschenverstand und selbstentworfenen Methoden erledigte, stellt Projektmanagement seit einigen Jahrzehnten ein umfangreiches Repertoire an Methoden und Instrumenten zur Verfügung. (vgl. Zell 2017, S. 2 f.)

Dennoch werden laut dem Chaos Report der Standish Group nur 29% Projekte erfolgreich abgeschlossen. Dabei spielt die Wahl der richtigen Methode, die Stakeholder angemessen einbindet und einen effizienten Projektablauf ermöglicht, neben der Unterstützung durch das Top-Management eine bedeutende Rolle. (vgl. Hastie & Wojewoda 2015)

Diese Arbeit soll eine Übersicht darüber geben, welche klassischen und agilen Projektmanagement-Methoden aktuell in der Praxis Anwendung finden und welche Auswahlkriterien vor dem Einsatz im Projekt zu beachten sind.

Dazu werden zunächst die allgemeinen Unterschiede von klassischen und agilen Projektmanagement-Methoden dargestellt, bevor etwas ausführlicher auf die beiden Methoden eingegangen und die jeweils wichtigsten Vorgehensmodelle beschrieben werden. Abschließend werden Auswahlkriterien erläutert und die Eignung der Methoden und Vorgehensmodelle anhand jener bewertet.

2 Grundlagen

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) definiert ein Projekt als „ein Vorhaben, das im Wesentlichen durch Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist, wie z. B.: Zielvorgabe, zeitliche, finanzielle, personelle oder andere Bedingungen, Abgrenzungen gegenüber anderen Vorhaben und projektspezifische Organisation.“ (DIN69901) (Zell 2017, S.3 f.) Projektarbeit gewinnt in der Praxis durch verkürzte Produktlebenszyklen und das Bedürfnis zur konstanten Innovation stark an Bedeutung. 2013 wurden 34,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Deutschlands durch Projekte erwirtschaftet. (vgl. Wald 2015) Mit der zunehmenden Wichtigkeit von Projekten, nimmt auch die Bedeutung von deren Management zu. Projektmanagement wird von DIN69901 als „die Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -techniken und –mittel für die Abwicklung eines Projekts“ definiert. (vgl. Zell 2017; S.8)

„Unter Screening versteht man ein systematisches Testverfahren, das eingesetzt wird, um innerhalb eines definierten Prüfbereichs Elemente herauszufiltern, die bestimmte Eigenschaften aufweisen. (…) Die Herausforderung von Screeningtests besteht darin, „die Nadel im Heuhaufen zu finden“. (Wikipedia 2018) In diesem Sinne sollen in dieser Arbeit das, für das jeweilige Projekt geeignete, Vorgehensmodell gefunden werden. „Ein Vorgehensmodell fasst Methoden, Elemente, Prozesse und Phasen für einen standardisierten Projektablauf zusammen“ (Timinger 2017, S. 153)

3 Methode

Um ein grundlegendes Verständnis zu den bestehenden Projektmanagement-Methoden und Auswahlkriterien aufzubauen, wurde eine Literaturrecherche durchgeführt. Dabei wurde in Hochschulbibliotheken (Provadis Fachhochschule, Goethe Universität) und online (vor allem scholar.google.com) mit einer Art Schnellballsystem nach geeigneten Quellen gesucht. Die Suche startete mit allgemeinen Schlagwörtern wie „Projektmanagement-Methode“ oder „agiles Vorgehensmodell“ und führte hin zu spezifischeren wie „V-Modell“ oder „Stacey-Matrix“, um eine Basis für diese Arbeit zu schaffen. Ausgehend von den so erhaltenen Quellen konnten über die jeweiligen Literaturverzeichnisse weitere gefunden werden.

Die beiden Projektmanagement-Methoden klassisch und agil werden vorgestellt und anhand ihrer bekanntesten Vorgehensmodelle beschrieben. In einem weiteren Schritt werden Auswahlkriterien für diese festgelegt und die Modelle werden anhand ihrer Eignung bewertet, um zu einer übersichtlichen Darstellung zu gelangen.

4 Übersicht der Projektmanagement-Methoden

4.1 Unterscheidung von klassischen und agilen Projektmanagement-Methoden

Eine erste Unterteilung der verschiedenen Projektmanagement-Methoden kann in klassisch (auch plangetrieben oder traditionell genannt) und agil erfolgen.

Tiemeyer vergleicht die Unterschiede dieser beiden Ansätze mit einer Flug- und einer Motorradreise. Die Flugreise ist vom Anfang bis zum Ende genau durchgeplant, alle Bedingungen, wie Start- und Landezeitraum, Wetterbedingungen, Flughöhe und Geschwindigkeit, sind bereits bekannt oder werden durch Anweisungen vom Tower mitgeteilt.

Genauso ist bei einer sequenziellen Vorgehensweise das Projekt von Anfang bis zum Ende exakt und bis auf die Ebene der Arbeitspakete und deren Abfolge durchgeplant.

Bei der Motorradreise hingegen herrscht eine viel größere Flexibilität, der Fahrer kennt zwar das Reiseziel, kann sich die Strecke, die Art der Straße, Pausenzeiten, usw. individuell aussuchen. Dabei muss er aber sein Fahrverhalten an die äußeren Gegebenheiten wie Umleitungen und unwirtliche Wetterbedingungen anpassen.

In gleicher Weise, hat der Einzelne bei einem agilen Projektvorgehen, bei dem das Ziel aber nicht der Weg vorgegeben ist, einen höheren Einfluss auf den Projekterfolg. (vgl. Tiemeyer 2010 S.79 ff.)

Folgend werden die beiden Projektmanagement-Ansätze und ihre bedeutendsten Verfahrensmodelle genauer beschrieben.

4.2 Klassische Projektmanagement-Methoden

Bei allen klassischen Projektmanagement-Methoden werden zu Beginn umfangs-, zeit- und kostenbezogene Ziele definiert und geplant, wie diese erreicht werden können. Die Hauptannahme lautet also, dass das Projekt erfolgreich sein wird, wenn man den Plan befolgt. Dementsprechend werden hohe Ansprüche an Vollständigkeit und Richtigkeit der Planung gestellt. ( vgl. Timinger 2017, S.32)

Die meisten traditionellen Vorgehensmodelle teilen das Projekt in eine Initialisierungs-, eine Definitions-, eine Planungs-, eine Steuerungs- und eine Abschlussphase. (vgl. Timinger 2017, S. 46)

Klassische Projektmanagement-Modelle sind nach wie vor weit verbreitet und in vielen Bereichen etablierter Standard. Sie bilden außerdem die Basis für die Zertifizierungen der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) und des Project Management Instituts (PMI). (vgl. Timinger 2017; S. 29 f.)

Zum klassischen Projektmanagement gehören sequenzielle Vorgehensmodelle wie das Wasserfallmodell und das V-Modell, nebenläufige Vorgehensmodelle wie das Simultaneous Engineering und wiederholende Vorgehensmodelle wie das Spiralmodell. Sie werden im Folgenden beschrieben.

4.2.1 Wasserfallmodell

Beim Wasserfallmodell ist das erste und bekannteste sequenzielle Vorgehensmodell. Sequenziell bedeutet, dass die Projektphasen aufeinander aufbauen. Für jede dieser Phase ist genau definiert, was darin erreicht werden soll und welche Dokumente zu erstellen sind. Einzelne Phasen können nicht übersprungen werden oder zeitlich überlappend erfolgen. Erst wenn eine Phase komplett abgeschlossen ist kann demzufolge der Übergang zur nächsten erfolgen. Sollte eine Phase nicht erfolgreich abgeschlossen werden können, erfolgt ein Rücksprung in die vorhergegangene Phase. (vgl. Timinger 2017, S. 38 ff.)

Seinen Namen hat das Wasserfallmodell von eben diesem sequenziellen und kaskadenförmigen Aufbau (s. Abbildung 1), der an die Stufen eines Wasserfalls erinnert.

Das erste Wasserfallmodell wurde 1956 von Herbert Benington unter dem Namen „Nine Phase Stage-Wise Model“ mit den Phasen Analyse, Entwurf, Codierung und Test vorgestellt. Da er davon ausging, dass sich Software wie ein physisches Produkt fertigen ließe, passte dabei den Softwareentwicklungsprozess an den der industriellen Produktionsfertigung an. (vgl. Grimm 2017) 1970 erweiterte Winston Royce dieses Modell um die Rückkopplungsschleife zwischen den Phasen, welche den Rücksprung in die vorhergehende Phase darstellt. Er reduzierte auch die Anzahl der Phasen von neun auf die folgenden sieben: Systemanforderungen, Softwareanforderungen, Anforderungsanalyse, Design, Implementierung, Testen und Einführung. (vgl. Royce 1970)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vorgehensmodell nach Winston Royce (Quelle: Royce 1970)

In der ersten Phase werden die nicht-funktionalen Anforderungen an das System (z.B. Dokumentation, Preis, Sicherheit, Verfügbarkeit) festgelegt, in der zweiten die funktionalen Anforderungen an die Software festgelegt. Artefakt dieser beiden Phasen ist oft das Lastenheft. Dieses gilt als Basis für die dritte Phase, die Anforderungsanalyse. In dieser werden die Funktionalitäten nach Abhängigkeit und Zusammengehörigkeit strukturiert und auf Vollständigkeit, Machbarkeit, Notwendigkeit und Priorität hin überprüft. Das Resultat dieser Phase ist das Pflichtenheft, das beschreibt, wie die Anforderungen aus dem Lastenheft konkret umgesetzt werden.

In der vierten Phase wird das technische Design durchgeführt und häufig ein Klassen- oder Ablaufdiagramm erstellt. Danach wird mit der Implementierung, also der eigentlichen Software-Programmierung begonnen. Die Software wird daraufhin getestet und bei Korrektheit und Abnahme durch den Auftraggeber eingeführt. (vgl. Harwardt 2011, S. 13 ff.)

Vorteile des Wasserfallmodells sind seine klare und leicht verständliche Struktur und die einfache Formulierung des Projektfortschritts von Phase zu Phase, welche auch die Planung und Kontrolle der anfallenden Kosten vereinfachen. (vgl. Timinger 2017, S. 39). Eine weitere Stärke ist die Qualitätskontrolle am Ende jeder Phase, was besonders bei Projekten mit höherem Gefährdungsgrad für mehr Sicherheit sorgt.

Nachteile sind, dass die Anforderungen besonders bei komplexeren Projekten selten ausreichend formuliert sind und Änderungen im Laufe des Projekts und Korrekturen spät erkannter Fehler zu einem signifikanten Kostenanstieg führen. Das Wasserfallmodell ist daher eher für weniger komplexe und kurz- bis mittelfristige Projekte geeignet, bei denen ein geringes Risiko besteht, dass Anforderungen im Laufe des Projekts abgeändert werden. Royce empfiehlt zur Beseitigung dieses Problems schon früh einen Prototyp zu entwickeln, um den Auftraggeber bereits im Laufe der Umsetzung in die Entwicklung einzubeziehen und ihm die Möglichkeit geben zu überprüfen, ob die gewünschten Funktionen umgesetzt wurden. (Harwardt 2011, S. 13 ff.) Ein weiterer Nachteil ist, dass das System erst spät nach Entwicklungsbeginn eingesetzt wird, was zu einem zeitlich verzögerten Return on Investments führt. (Abplanalp & Wüst 2013, S.43)

4.2.2 V-Modell

Ein weiteres sequenzielles Vorgehensmodell ist das V-Modell. Wie beim Wasserfallmodell ist auch bei diesem Modell ist die Anordnung der Phasen namensgebend (s. Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: V-Modell (Quelle:http://www.datenbanken-verstehen.de/datenbankentwicklung/vorgehensmodelle/v-modell/)

Auf dem linken Ast des V-Modells erfolgt die Spezifizierung des Projektgegenstands vom Grob- zum Feinentwurf. Nach der Programmierung des spezifizierten Projektgegenstands wird der rechte Ast von unten nach oben durchlaufen: zuerst werden alle Komponenten getestet, danach in das jeweilige System integriert und schließlich in diesem neuen Kontext getestet. Zu guter Letzt erfolgt die Validierung der Kundenanforderungen und die Abnahme durch den Kunden. (Timinger 2017, S. 40 ff.)

Das V-Modell ist daher auch unter dem Namen Verifizierungs- und Validierungsmodell bekannt. Unter Verifizierung versteht man den eindeutigen Nachweis, dass eine bestimmte Anforderung des Pflichtenhefts erfüllt wurde. Es wird also überprüft, ob richtig implementiert wurde. Unter Validierung versteht man den Nachweis, ob der Kundenwunsch aus dem Lastenheft erfüllt wurde. Man vergewissert sich also, ob das Richtige für den Kunden entwickelt wurde. (vgl. Timinger 2017, S. 40 ff.) Wie auch das Wasserfallmodell ist das V-Modell in der Zeit der ersten Raumfahrtprogramme entstanden, daher wird bei beiden ein besonderer Augenmerk auf da Thema Sicherheit gelegt. Während beim Wasserfallmodell nach jeder Phase eine Qualitätssicherung in der Form der Reviews stattfindet, setzt das V-Modell auf Verifizierungs-und Validierungsphasen, die jeweils einer Anforderungs-oder Spezifikationsphase entsprechen.

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Details

Seiten
20
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668900707
ISBN (Buch)
9783668900714
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v458110
Institution / Hochschule
Provadis School of International Management and Technology AG
Note
1,7
Schlagworte
screening übersicht projektmanagement-methoden

Autor

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Titel: Screening. Übersicht aktueller klassischer und agiler Projektmanagement-Methoden