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Der Ägyptenzug Alexanders des Großen. Analyse des Ablaufes und der Ursachen

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

2. Ägypten
2.1. Gründe für den Zug nach Ägypten
2.2. Krönung zum Pharao
2.3. Die Gründung Alexandreias

3. Die Oase Siwa
3.1. Gründe für den Zug zum Ammon-Orakel
3.2. Das Orakel

4. Neuordnung Ägyptens

5. Ergebnisse

6. Literaturverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

Der Ägyptenzug war wahrscheinlich damals wie heute eine unerklärbare Entscheidung Alexanders. Es stellt sich somit die Frage, warum Alexander sein Heer nicht direkt von Tyros in die archaimenidischen Kernländer führte, sondern stattdessen nach Ägypten zog, was militärisch nicht nur unsinnig1 sondern auch völlig unverständlich war.

Bezüglich der Gründe für den Zug gibt es in der Forschung zahlreiche Theorien. Angesichts dieser Fülle liegt der Schluss nahe, dass wahrscheinlich kaum ein Abschnitt seines gesamten Zuges so häufig thematisiert wurde wie dieser.

Ob Alexander die Entscheidung für den Ägyptenzug aufgrund persönlicher Beweggründe, man denke an die Gründung Alexandreias sowie den Besuch der Oase Siwa, traf, oder aufgrund politischer, ist ungewiss. Geht man allerdings davon aus, dass Alexander den Zug nach Ägypten bereits lange zuvor geplant hatte2, erscheint eine Eroberung aufgrund eines Besuches des Ammon-Orakels in diesem Zusammenhang als wahrscheinlich. Welche Gründe Alexander letztendlich zu dieser Entscheidung bewegten, ist, auch wegen den unterschiedlichen Quellenaussagen, heute nicht mehr eindeutig zu klären.

Diese Arbeit stellt deshalb lediglich einen Versuch dar, mögliche Gründe sowohl für den Ägyptenzug als auch für den Besuch des Ammon-Orakels aufzuzeigen.

2. Ägypten

2.1. Gründe für Alexanders Zug nach Ägypten

Nach dem Fall der Städte Tyros und Gaza konnte Alexander seinen Zug nach Ägypten ohne große Probleme antreten. Die Gründe hierfür sind bis heute in der Forschung heftig umstritten. Es bleibt unklar, warum Alexander nicht direkt ins persische Kernland zog, um dort Dareios die finale Niederlage zu bescheren, drohte ihm doch von ägyptischer Seite keine nennenswerte Gefahr.

Die Forschung nennt, wie bereits erwähnt, unterschiedliche Motive für diesen Zug. Eine These ist der Wunsch Alexanders, alle westlichen Satrapien des Perserreiches zu erobern3, um seinen Zug abzuschließen und zu vollenden, um letztendlich sein Reich zu gründen, das vom östlichen Mittelmeer umgeben ist. Dies entspräche dem Charakter des Makedonen ebenso wie seinem Wunsch, auch die letzte Bastion des Perserkönigs4 sein Eigen nennen zu können. Schließlich hätte er ihn so vollends besiegt und damit des letzten Funkens Ehre beraubt. Strategisch betrachtet brachte diese Eroberung den Vorteil mit sich, als Durchgang nach Aithiopien und Indien genutzt werden zu können. Alexander hätte hierdurch unter anderem die Möglichkeit gehabt, in kurzer Zeit Truppen über das Rote Meer nach Indien zu schaffen. Des Weiteren gewann man durch die Einnahme Ägyptens die Kontrolle über dessen Getreideausfuhr, die wiederum als potentielles Druckmittel gegenüber Athen eingesetzt werden konnte.5 Es ist jedoch ungewiss, ob Athen tatsächlich von den Getreidelieferungen Ägyptens abhängig war oder nicht. Hinzu kommt noch die Gefahr der Ausrufung eines Nationalstaates durch die Pharaonen in Ägypten6, da die Ägypter seit jeher Gegner der Perser waren und bereits in früherer Zeit versucht hatten, sich von ihnen zu befreien.

Betrachtet man den Kraftakt, der mit der Einnahme Tyros verbunden war, so kann man davon ausgehen, dass eine Eroberung Ägyptens, im Fall einer bereits erfolgten Ausrufung eines Nationalstaates, eine wesentlich schwierigere Aufgabe geworden wäre als bereits in Tyros.7

Ob der Zug nach Ägypten tatsächlich eine Art Notlösung war, um einen kaum kalkulierbaren Winterfeldzug nach Kleinasien zu vermeiden8, ist fraglich. Es ist durchaus anzunehmen, dass das Heer nach der siebenmonatigen Belagerung der Stadt Tyros einem derartigen Kraftakt womöglich nicht standgehalten hätte. Folglich wäre die Entscheidung Alexanders aus einer gewissen Notsituation erwachsen, wogegen jedoch Arrian widerspricht. Laut diesem wollte Alexander von Anfang an nach Ägypten9, so dass die These einer Improvisation Alexanders unwahrscheinlich wird.

Ein weiterer Beweggrund Alexanders könnte der Wunsch nach der Gründung eines Reiches gewesen sein, das seine bisherigen bruchstückhaften Eroberungen zu einem großen Ganzen zusammengefasst hätte.10 Das östliche Mittelmeer wäre mit der Einnahme Ägyptens, das bei den Griechen ohnehin hohes Ansehen genoss, vollends in seinen Besitz gelangt und Alexander hätte gleichzeitig den seit jeher bestehenden Wunsch der Griechen, die Ägäis und das östliche Mittelmeer ihrem Gebiet einzugliedern, erfüllt.11 So hatte er mit der Eroberung Ägyptens die Möglichkeit, sowohl Griechenland, Kilikien als auch Syrien mit dem Meer als ‚Zentrum’ zu einem Reich zu formen, dessen Herr er selbst gewesen wäre.

folglich an, die ägyptischen Reichtümer auszubeuten, um den eigenen finanziellen Sorgen Abhilfe zu schaffen.12

Trotz aller möglichen persönlichen Gründe ist der wirtschaftliche Aspekt des Ägyptenzugs nicht außer Acht zu lassen. Denn es ist anzunehmen, dass die Kriegskasse des Makedonen um das Jahr 332 nahezu geplündert war. Es bot sich

2.2. Krönung zum Pharao

Alexander zog 332 von Tyros über Gaza weiter zur Grenzfestung Pelusion, die den Zugang nach Ägypten kontrollierte und im selben Jahr ohne große Schwierigkeiten eingenommen wurde. Sein nächstes Ziel war die Stadt Memphis, das religiöse Zentrum der Ägypter, das von Statthalter Mazakes kampflos übergeben wurde. Dort angekommen, brachte Alexander dem Gott Apis Opfer dar und veranlasste zugleich, die Apis-Stiere vor frevlerischer Verunreinigung zu schützen, womit er sich von den Archaimeniden abhob, die einst die heiligen Stiere getötet haben sollen.13 Die dortigen Priester erkannten ihn als Pharao an, indem sie ihm die volle Titulatur verliehen.14 Alexander war folglich nicht nur König von Ober- und Unterägypten, sondern auch „Sohn des Sonnengottes Ra“ und „geliebter Sohn Amuns“.15 Ob er sich wirklich, wie behauptet wird, zum Pharao krönen ließ, ist nicht sicher, jedoch durchaus anzunehmen. So hegt indes Gehrke Zweifel an dieser Krönung16, wohingegen Lauffer diese Skepsis für nicht begründet hält.17

2.3. Die Gründung Alexandreias

Der Makedone fuhr 331, nachdem er für seine Soldaten athletische und musische Feste veranstaltet hatte18, auf dem Nil zur Küste, um dort „zwischen dem mareotischen Binnensee und der Insel Pharos“19 den Grundstein für die nach ihm benannten Stadt Alexandreia zu legen. Sie sollte sich später nicht nur zu einem der größten Handelsplätze, sondern auch zum „kulturellen Mittelpunkt der hellenistischen Welt“20 entwickeln.

Alexander, von dem behauptet wird, er habe den Stadtplan in Umrissen mit entworfen und gewisse Plätze für die Neugründung festgelegt21, beauftragte den Architekten Deinokrates von Rhodos mit dem Bau ‚seiner’ Stadt, die zukünftig zum einen ein großer Handelsplatz in der Nachfolge Tyros` als wichtige Stadt22 werden sollte und zum anderen dem Seeverkehr nach Makedonien und Griechenland diente.23

Tatsächlich nimmt die o.g. wirtschaftliche Bedeutung Alexandreias in der Literatur einen hohen Stellenwert ein, wobei auch immer wieder die geographisch günstige Lage der Stadt betont wird. Auch Strabon hob dies knapp 350 Jahre später hervor und betonte, dass Alexandreia von zwei Meeren umspült wird und der Nil eine gute Möglichkeit bietet, Waren zu importieren.24

Alexandreia war eine überwiegend griechisch geprägte Stadt, was sich sowohl in der Ordnung der Administration als auch im Kult widerspiegelte.25 So kam es zur vorherrschenden Verehrung hellenistischer Götter, jedoch veranlasste der neue Pharao auch den Bau eines Isis-Tempels,26 der für die Einheimischen die Möglichkeit bot, ihren eigenen Kult weiterzuführen.

[...]


1 Vgl. Wartenburg, Maximilian Graf Yorck von: Weltgeschichte in Umrissen. Federzeichnungen eines Deutschen, Berlin 1917, S. 115.

2 Vgl. Arrian, Flavius: Der Alexanderzug. Indische Geschichte, Hrsg: Hinüber/O. von, Wirth/G., München/Zürich 1985, 3,3,1.

3 Vgl. Lauffer, Siegfried: Alexander der Große3, München 1993, S. 85 f.

4 Vgl. Droysen, Johann Gustav: Geschichte Alexanders des Großen, Hrsg: Berve/H., Leipzig 1931, S. 196.

5 Schachermeyr, Fritz: Alexander der Grosse, Wien 1973, S. 233.

6 Vgl. Ebda., S. 234.

7 Vgl. Schachermeyr, S. 234.

8 Vgl. Will, Wolfgang: Alexander der Große – Geschichte Makedoniens, Band 2, Stuttgart 1986, S. 79.

9 Vgl. Arrian An. 3,1,1.

10 Vgl. Ehrenberg, Viktor: Polis und Imperium – Beiträge zur alten Geschichte, Hrsg: Graham/A. J., Stroheker/K. F., Zürich/Stuttgart 1965, S. 405.

11 Vgl. Ebda.

12 Vgl. Barceló, Pedro: Alexander der Große, Darmstadt 2007, S. 132.

13 Vgl. Schachermeyr, S. 236.

14 Vgl. Fox, Robin Lane: Alexander der Grosse. Eroberer der Welt, Düsseldorf 1989, S. 258.

15 Vgl. Ebda., S. 259.

16 Vgl. Gehrke, Hans-Joachim: Geschichte des Hellenismus4, Hrsg: Gall/L., Hölkeskamp/H-J, Jakobs/H., in: Oldenburg Grundriss der Geschichte München, 2008, S. 152.

17 Vgl. Lauffer, S. 87.

18 Vgl. Arrian An. 3,1,4.

19 Wilcken, Ulrich: Alexander der Grosse, Leipzig 1931, S. 108.

20 Lauffer, S. 87.

21 Vgl. Arrian An. 3,1,5.

22 Vgl. Tarn, William W.: Alexander der Grosse. Erster und zweiter Band. Darmstadt 1968, S. 45.

23 Vgl. Kornemann, Ernst: Weltgeschichte des Mittelmeer-Raumes. Von Philipp II. von Makedonien bis Muhammed, 1. Band, Hrsg.: Bengtson/H., München 1926, S.113.

24 Vgl. Strabon: Geographika Band 4, Hrsg: Radt/St., Göttingen 2005, XVII 1, 6, 7.

25 Vgl. Schachermeyr, S. 241.

26 Vgl. Arrian An. 3,1,5.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668893481
ISBN (Buch)
9783668893498
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v458032
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Department Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
ägyptenzug alexanders großen analyse ablaufes ursachen

Autor

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Titel: Der Ägyptenzug Alexanders des Großen. Analyse des Ablaufes und der Ursachen