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Deutsch als Fremdsprache in Integrationskursen. Eine Unterrichtseinheit für das Niveau A1.2 zum Thema Wohnungsanzeigen

Diplomarbeit 2019 31 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Unterrichtsentwurf

Beschreibung der Zielgruppe: Es handelt sich um einen heterogenen lntegrationskurs mit16 Teilnehmern, darunter 10 Frauen und 6 Manner auf dem Sprachniveau A1.2. Der Unterricht findet statt und hat einen Umfang von 20 Wochenstunden. Der Unterricht wird taglich von acht bis zwolf Uhr durchgeflihrt. Dazwischen wird eine fOnfzehn minutige Pause eingerechnet. Die Teilnehmer sind zwischen 19 und 40 Jahre alt und kommen aus sieben verschiedenen Uindern: Syrien, lndien, Neuguinea, Norwegen, Kamerun und Kroatien. Die Teilnehmer sind aus verschieden Grunden nach Deutschland gekommen (Fiuchtgrunde, Wirtschaftsgrunde, Asyl, Ehezusammenflihrung). Aile Teilnehmer haben in ihrem Heimatland eine Schule besucht, einige haben schon Berufserfahrungen gesammelt. Die drei jungen Manner aus Neuguinea haben gerade eine Berufsausbildung in deren Heimatland absolviert und sind somit fit fOr das Lernen. Die Frau aus lndien ist Musiklehrerin und will diesen Beruf auch in Deutschland ausuben. Der Teilnehmer aus Kamerun ist ein Reggae Sanger und gibt Konzerte in Raum Tubingen und Stuttgart. Er ist so wie der Maschinenbauingenieur aus Norwegen und die fOnffache Mutter aus Kroatien wegen Ehe ZusammenfOhrung nach Deutschland angereist. lnsgesamt sechs Teilnehmer geben an, ein Studium oder eine Hochschulreife in deren Heimatland abgeschlossen zu haben und wollen in Deutschland weitere Studiengange belegen. Tatsachlich ragen diese sechs Teilnehmer heraus und zeigen sich aktiv, interessiert und hilfsbereit gegenuber den schwacheren Teilnehmern. Dieser Kurs besteht also aus sechs lernstarken Teilnehmern, acht durchschnittlich lerngewohnten Teilnehmer und zwei auffallig schwache Teilnehmerinnen, die es einfach nicht mehr gewohnt sind etwas Neues zu lernen. Die Lernenden konnen sich in alltaglichen Situationen jedoch gut verstandigen, es bestehen aber Schwierigkeiten beim Ausdruck aufgrund des mangelnden Wortschatzes. Die Probleme bei der Grammatik (z.B. Perfekt) sowie bei unregelmar1igen Verben sind deutlich zu erkennen. Die Teilnehmer sind kooperativ, motiviert und leistungswillig. Aile Teilnehmer wollen sich dauerhaft in Deutschland niederlassen.

Begrundung des globalen Lernziels:

Wie lautet das globale Lernziel? lm Ergebnis dieser Unterrichtseinheit konnen die Teilnehmer die lnhalte und Fakten einer Wohnungsanzeige verstehen, sich im Gesprach uber deren lnformationen verstandigen und mit Hilfe des Rollenspieles in Form eines telefonischen Dialogs als Mieter bzw. Vermieter/lmmobilienmakler zielgerichtete Fragen zur Wohnungsanzeige bzw zur Wohnungssuche stellen.

Warum wurde es gewahlt? FOr acht Kursteilnehmer ergibt sich seit ihrem Aufenthalt in Deutschland eine schwierige Wohnsituation. Sie wohnen teils in FluchtlingsunterkOnften, teils in Wohngemeinschaften mit anderen Migranten. Diese Teilnehmer klagen daruber, dass es in ihrer Unterkunft sehr laut und unruhig ist, praktisch keine Privatsphare vorhanden ist oder eine Ruckzugsmoglichkeit besteht.

Funf Teilnehmer haben bereits eine eigene Wohnung, sind meistens aber kinderlos. Die drei Kursteilnehmer, die auf Grund von FamilienzusammenfUhrung nach Deutschland eingereist sind, hatten hier ebenfalls bereits eine Wohnung. Mehr als die Halfte dieser Teilnehmer sind zumeist aus folgenden Grunden auf Wohnungssuche: zu kleine Wohnung, zu hohe Kosten, zu hellhorig, zu laute Nachbarschaft, unmoderne bzw. kostenintensive Heizungsart, kein Kindergarten oder keine Einkaufsmoglichkeiten in der Nahe.

Didaktischer Kommentar zu den angegebenen Schritten des Unterrichtsverlaufs

Wie die Lehrskizze verdeutlicht, folgt der Unterrichtsentwurf vor allem dem linearen Modell, indem ich in der Einstiegsphase nach der Begrur..ung und dem Erklaren des heutigen Unterrichtsziels ein Mindmap zum Thema ,.Wohnungsanzeige" an der Tafel erstelle und die Teilnehmer frage, ob sie wissen, was man alles uber eine Wohnungsanzeige wissen sollte.

Damit wird als erstes Teillernziel angestrebt, dass die TN die bereits erworbenen Grundbegriffe zum Thema ,.Wohnung" aktivieren und ihren Wortschatz zum Thema,Wohnungsanzeige" auffrischen und erweitern.

Als Arbeits- und Sozialform bewahrt sich in dieser Phase vor allem die Arbeit im Plenum und damit mein aktives Agieren. Beispielsweise an der Tafel eine Mindmap, oder ein Brainstorming um an den bereits bekannten Wortschatz an knupfen zu konnen, diesen zu speichern und durch Visualisierung an der Tafel bei den TN die Seh-Hor-Erwartungen zu wecken. Insbesondere fand ich in dieser Phase wichtig, den TN im Plenum eine hohe Sprechzeit zu gewahren, wobei ich als Lehrer datur sorgen muss, dass nicht nur sprachlich leistungsstarkere TN zum Wort kommen, sondern auch die schwacheren TN ihre Hemmungen ablegen, denn das bedeutet fUr mich Lerneraktivierung.

Dazu bewahrt sich die Methode des Mindmappings, mit der es mir als Lehrer gelingt, den Wortschatz Obersichtlich und effektiv auf zu arbeiten. Bisher habe ich wahrend dieser Vorentlastungsphase gute Erfahrungen mit der Lerneraktivierung gemacht, weil die lnteraktion mit den TN und unter den TN von allen als sehr angenehm erlebt wurde, was sich auf die Atmosphare in der Klasse und auf die Zeitplanung positiv auswirkte. Dabei enthalt diese Phase auch Elemente des zyklischen Phasenmodells, in dem ich die TN mit dieser Eingangsfrage zugleich auch motiviere, ihr Vorwissen zu diesem Thema an zu wenden und durch sprachliche Aktivitat im Plenum an zu wenden.

Der Einstiegsphase schlie11t sich die Erarbeitungsphase an, in der durch Zeigen eines Videos die neuen sprachlichen Mittel prasentiert werden und in der durch anschliel1endes Bearbeiten des Arbeitsblatts ,Auf Wohnungssuche" verbunden mit meinem dabei erfolgenden aktiven Unterstotzen und dem abschliel1enden gemeinsamen Kontrollieren und Besprechen der richtigen Losungen ein Systematisieren des neu zu erlernenden Wissens erfolgt.

Damit wird in dieser Phase, vor allem mit dem Zeigen eines Videos und dem zwischenzeitlichen Fragen nach dem Verstandnis des Videos als weiteres Teilziel angestrebt, dass die TN die wichtigsten lnformationen fOr die Wohnungssuche in der authentischen Zielsprache verstehen.

Da ich bisher keine Erfahrungen in der Arbeit mit Videos im Unterricht hatte, war diese Prasentationphase fOr mich eine besondere Herausforderung. lch musste vorab genau Oberlegen, wieviel Zeit mir zu VerfOgung steht, welche technischen Moglichkeiten die Schute hat und wie aus der Erfahrungen des bisherigen Unterrichts das allgemeine Interesse, die BedOrfnisse, die moralischen Normen und Vorkenntnisse der TN zu dieser Thematik zu beurteilen sind. Dieses Teillernziel war fOr die TN ebenfalls sehr wichtig, weil sie damit nicht nur eine Art Seh-Hor-Strategie entwicketn und mehrere Sinneskanale aktivieren, sondern durch das Video mit der authentischen Sprache des Ziellandes konfrontiert werden. Damit fordert das Video nicht nur die interkulturellen Kompetenzen, die Sprachaufmerksamkeit und Motivation der Lernenden, sondern zugleich auch die landeskundlichen Potenziale. Ebenso war mein Ziel, den Unterricht mit dem Einsatz moderner Medlen praxisnah zu vermitteln und die TN zu motivieren, die YouTube Videos des Goethe-lnstituts mit den unterschiedlichen Schwerpunkten auch in ihrer Freizeit an zu schauen und dadurch die Sprache schneller und effektiver zu erlernen.

Die Motivation, sich wahrend des Zuschauens sprachliche Auffalligkeiten oder unbekannte Worter zu notieren, fOrdert ein globales Verstehen der Fremdsprache. Das Unterbrechen des Videos nach jeder Filmsequenz und die Frage, ob alles verstanden wurde, waren mir aus methodischer Sicht sehr wichtig, weil ich damit der Ermudung der TN vorbeugen und ihr Interesse aufrecht erhalten wollte. Diese Fragen waren auch fOr meine eigene Evaluation wichtig. lndem das Video durch eine angemessene Sprechgeschwindigkeit, durch Mimik und Gestik der Schauspieler, einen Bezug zum vorher erarbeiteten Wortschatz herstellt. Somit wurde eine gute Grundlage fOr die weiteren themenspezifischen Schritte erschaffen. Trotz des angenehmen Klimas in der Klasse und der positiven Ruckmeldungen der TN zum Einsatz des Videos wurde ich das nachste Mal dafOr mehr Zeit einplanen, um mehrere lnterpretationen zu zulassen.

Der Prasentationsphase schlier..t sich die Arbeitsphase an, in der sich die TN durch die Lehr­ und Lernmaterialien und durch meine Unterstotzung die erforderlichen lnformationen und Redemittel zum Erschlier..en einer Wohnungsanzeige erarbeiten. Dazu bekommen die TN ein Arbeitsblatt mit Verstandnisfragen, die sich auf die Videoprasentation beziehen. Dieses Teillernziel ist fOr die TN deshalb von Bedeutung, weil sie sich an die lnformationen aus dem Video erinnern mOssen, urn die Fragen beantworten zu konnen. Als Sozialform habe ich mich in dieser Phase zum gemeinsamen Bearbeiten der Aufgaben bewusst fOr die Partnerarbeit mit dem Banknachbarn entschieden, weil die Sitzordnung so unverandert bleibt, die TN voneinander lernen konnen und damit ein schneller Wissensaustausch zwischen starkeren und schwacheren TN erfolgt. Dabei war es fOr mich als Lehrer eine wichtige Erfahrung zu beobachten, wie die Lernenden sofort begannen, sich konzentriert und produktiv mit dem Arbeitsblatt zu beschaftigen. Damit waren aile Arbeitsgruppen relativ zugig fertig mit dem Bearbeiten der Aufgaben und konnten sich auch dank der umfangreichen Vorentlastungs-phase an der nachfolgenden Diskussion zur Kontrolle und zum Besprechen der richtigen Losungen im Plenum beteiligen. Trotz der KOrze der Zeit verlief diese Phase planmar..ig und hat ihr Teillernziel erreicht.

In der nachfolgenden Prasentations- /Vorentlastungsphase ging es vor allem darum, dass die TN in der Lage sind, sich lnformationen und AbkOrzungen aus einer Wohnungsanzeige zu erschlier..en. Zur Erreichung dieses Teillernziels sollen die TN zunachst in Einzelarbeit eigene Vermutungen zu den Abkurzungen in Wohnungsanzeigen aufstellen und damit durch

selbst-entdeckendes Lernen eigene Hypothesen aufstellen. Mit dem Notieren dieser ldeen in der anschlieP.,enden Arbeits- und Prasentationsphase im Plenum erfolgt das Auspragen dieser Gedachtnisstrategien. Zudem fand ich es wichtig zu betonen, dass die AbkOrzungen haupt-sachlich in Zeitungen erfolgen, weil sie kostenpflichtig sind, wahrend die Wohnungsinserate im Internet hingegen kostenlos sind (landeskundliche lnformationen). lm Ergebnis dieser Prasentationsphase rate ich den TN, die von mir an die Tafel geschriebenen Begriffe in ihr Heft zu Obertragen. Normalerweise gilt diese Lernmethode als ..schematisch und altmodisch" unter den jungen Lernenden und ich biete somit auch die Moglichkeit an, diese Ergebnisse mit dem Handy ab zu fotografieren. Diese Phase dient zugleich als Vorbereitung zur Bearbeitung des nachsten Arbeitsblattes.

Um sicher zu stellen, dass die TN die erarbeiteten AbkOrzungen einer Wohnungsanzeige verstanden haben, bereitete ich ein Arbeitsblatt mit geschlossenen Aufgaben vor, das ich durch gezielte Recherche nach bewahrten Aufgaben und Erfahrungen anderer DaF-Lehrer im Internet (daf-werkstatt.blogspot.com) zum Thema Wohnungsanzeige gefunden habe, wobei ich vor der Arbeitsphase den im Arbeitsblatt enthaltenen unbekannten WS erklarte, um eventuellen Missverstandnissen und Schwierigkeiten vor zu beugen.

Dabei ist es mir sehr wichtig, mit meinem Sprachunterricht auch den sprachlichen Anforderungen und BedOrfnissen meiner TN zu entsprechen. Deshalb wiederholte ich in dieser Phase am Beispiel der Wohnungsanzeige gerne die Hoflichkeits- und lmperativregeln an der Tafel. Damit sich jeder konzentriert mit dieser Thematik beschaftigen kann, wahlte ich als Sozialform zunachst die Einzelarbeit und danach das gemeinsame Diskutieren der richtigen Losungen.

Die Obung zum Leseverstehen (Lehrbuch ,.Berliner Platz 1" Neu) trainiert, vertieft und erweitert die rezeptive Ferligkeit (Lesen) der TN, wobei als weiteres Teillernziel fOr diese Unterrichtsphase angestrebt wird, dass die TN die lnformationen zu einer Wohnungsanzeige in der dabei zumeist verwendeten Zeitform Perfekt erfragen konnen. In diesem Zusammenhang fand ich es wichtig, die TN darauf hinzuweisen, dass man in der alltaglichen Sprache Oblicherweise auch die Form Gibtes + Akkusativ sowie die Perfektform benutzt.

Die Perfektform wiederholte ich an der Tafel, weil unter BerOcksichtigung meiner bisherigen Erfahrung in dieser Gruppe zu erwarten war, dass die TN Schwierigkeiten haben, die Perfektform mit ,.haben und sein" richtig an zu wenden. Um die Redemittel zur Wohnungs-suche zu diesem Thema deutlicher und einfacher dar zu stellen, helfe ich zielgerichtet durch Vorsprechen und gemeinsames Nachsprechen. Diese Obung ist zugleich als Vorentlastung fOr den darauffolgenden Horauftrag gedacht, wobei sich als Sozialform das Plenum als positiv erwiesen hat, denn somit hatten aile TN Gelegenheit sich selbst zu melden.

Diese Obung zum globalem Horverstehen war fOr die TN von groBer Bedeutung, denn aus der Sicht meiner frOheren Erfahrung mit dieser Gruppe musste ich festzustellen, dass die TN Probleme haben, sich auf das Hormaterialzu konzentrieren und etliche TN sich nebenbei mit anderen Dingen beschaftigten. Auf meine Frage nach den Ursachen dafOr klagten viele Ober zu hohe Geschwindigkeit des Hormaterials, behaupteten andere, dass sich die deutsche Sprache ,streitlustig" anhort, so dass ich in diesem Unterricht den Track mehrmals anhoren lieB und nach Bedarf eine Pause machte. Das mehrmalige Anhoren des Tracks und die getrennten Fragen helfen den TN, selegierendes Horen zu Oben. Dieses Teillernziel ist fOr die TN wichtig, weil sie selbststandig eigene Vermutungen aufstellen, sich Vermerke machen und die richtigen Antworten ankreuzen. Die Arbeit im Plenum hat das gemeinsame Horen ermoglicht und damit zu einem angenehmen Klima im Unterricht gefOhrt.

Die Anwendungs- und Transferphase und das damit verbundene Teillernziel, eine Wohnungsanzeige zu entschiOsseln, halte ich fOr besonders wichtig und vor allem nOtzlich fOr die TN, denn diese Aufgabe dient dem Erfahrungsaustausch zwischen den TN, bietet ihnen durch das Vermitteln eigener Erfahrungen in der Wohnungssuche konkrete Sprechanlasse und ist motivationsweckend, weil diese Aufgabe sehr lebensnah ist. Die produktive Fertigkeit Sprechen wird gefordert und die Gruppenarbeit verstarkt die mOndliche Aktivitat der TN. Wahrend dieser Aufgabe bleibe ich als Lehrerin zumeist zurOckhaltend und biete mich lediglich als ,sprachliche Helferin" an.

Auch die nachste Aufgabe, die Arbeit mit dem Arbeitsblatt .,Eine Wohnungsanzeige" diente dem Teillernzie,l eine Wohnungsanzeige Schritt fOr Schritt zu entschiOsseln und typische AbkOrzungen verstehen zu konnen. Als ich mich entschieden habe, dieses Arbeitsblatt, das ich aus der lnternetseite 4teachers.de heruntergeladen habe, in dieser Klasse ein zu setzen, war mir klar, dass die typischsten AbkOrzungen zwar schon bekannt sind und damit von den TN kaum vermieden werden, aber darOber hinaus lernen sie, diese lnserate zu verstehen, so dass dieses Arbeitsblatt das schon erworbene Wissen festigen soli. Dabei war es fOr mich wichtig, die TN weder zu Oberfordern noch zu unterfordern, so dass ich Wohnungsanzeigen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad rausgesucht habe. FOr mich als Lehrkraft war dieses Arbeitsblatt eine weitere Bereicherung meiner Erfahrungen und hat mir den Ansporn gegeben, die bewahrten Aufgaben anderer DaF-Lehrer in den Unterrichtsalltag ein zu bauen. Dieses Arbeitsblatt sowie das nachste dazugehorige Arbeitsblatt wurden vom Autor bereits im EA vorgestellt.

In der nachfolgenden reproduzierenden Obungsphase sollten die TN mit Hilfe des entsprechenden Arbeitsblattes ,Schreibe selbst eine Wohnungsanzeige" nachweisen, dass sie selbst eine solche Anzeige schreiben konnen. Dieser Schreibauftrag ist fOr die TN besonders wichtig, weil er nicht nur die produktive Fertigkeit,Schreiben" erfordert, sondern weil die TN eine Wohnungsanzeige erfahrungsgemal1 erst dann besser verstehen, wenn sie selbst ein lnserat geschrieben haben. FOr mich war die Bearbeitung von zwei Arbeitsblattern eines fremden Lehrers (www.4teachers.de) sehr wichtig, weil ich genau beobachten konnte, wie die einzelnen TN mit dem Thema ,Wohnungsanzeige", insbesondere mit den AbkOrzungen, zurechtkommen. Oabei konnte ich feststellen, dass die VerstandnishOrden fOr die schwacheren TN immer noch hoch liegen. Die EA mit dem Arbeitsblatt ,Eine Wohnungsanzeige" hat sich bewahrt, denn die TN haben somit einen Oberblick Ober die typischen AbkOrzungen erhalten, durften selbst Entscheidungen treffen, wurden individuell gefOrdert und konnten sich bei Schwierigkeiten an den Lehrer wenden. Die Betreuung der Gruppen bezog sich in dieser Phase zumeist auf Hilfestellung bezOglich des Wortschatzes. Weil mir vorab unklar war, wie diese Obungsphasen mit zwei Arbeitsblattern enden sollte, entschied ich mich in dieser Phase spontan aus der Unterrichtssituation selbst fOr entsprechendes methodisches Handeln.

Die darauffolgende Ergebnissicherungsphase und damit die Verstehenskontrolle habe ich selbst erdacht und in Form eines Spieles vorgenommen. Das Spielen in Unterricht halte ich fOr sehr wichtig, weil der Spielzweck im Oben und Wiederholen und damit im Automatisieren der vorhandenen Kenntnisse liegt. Dabei lernen die TN durch Zusammenarbeit mit anderen TN in der Gruppe viel Neues und wiederholen gleichzeitig das bereits erlernte Wissen. Durch die Gruppenfindung werden die gerade erarbeiteten Arbeitsblatter mit AbkOrzungen gesichert. Weil ich verhindern wollte, dass nur die leistungsstarken TN zu Wort kommen, bildete ich bewusst Gruppen mit TN unterschiedlicher Leistung. FOr mich ist die GA deshalb so effektiv und sprachwirksam, weil die TN selbst agieren und miteinander reden mOssen, wahrend ich als Lehrer nur fOr AuskOnfte zur VerfOgung stehe und individuelle UnterstOtzung gebe. Ein Wurfel mit sechs Zahlen (1-6) sowie die Kartchen unter dem Tisch begunstigen in diesem Fall auch die spielerischen Aktivitaten, denn es wird eine gewisse Spannung unter den TN aufgebaut, wer als nachstes drankommt und wann sie selbst dran sind. lm Ergebnis dieser Unterrichtsphase musste ich feststellen, dass die dafOr eingeplante Zeit zu knapp war. Weil dieses Spiel den TN offensichtlich viel Spar.. bereitete, und ich das GefOhl hatte, dass sich aile mit dieser Arbeit produktiv beschaftigten, hielt ich es fOr wenig sinnvoll, diese Phase abzubrechen. nur um der zeitgerechten Unterrichtsumsetzung zu entsprechen. lch werde kOnftig aber fOr solche lebensnahen und sprachlich wirksamen Unterrichtsaktivitaten mehr Zeit einplanen.

In der abschlier..enden Transfer- bzw. freien Anwendungsphase in Form eines Rollenspiels wares fOr mich besonders wichtig, die Rolle des Zuschauers Obernehmen zu dOrfen. Nur an wenigen Stellen erschien es mir erforderlich, durch Nachfragen auf weitere bedeutsame Rede-mittel hin zu weisen oder die TN zu bitten, das bereits Gesagte noch weiter zu prazisieren. FOr die TN ist so ein Lernziel besonders wichtig, denn wenn die Lernersprechzeit sehr hoch ist, kommen die TN auch in reale Sprechsituationen, die aur..erhalb des Klassenzimmers typisch wird. Dieses Rollenspiel soli auch dabei helfen, die Hemmungen gegenOber dem kOnftigen Vermieter oder Makler zu Oberwinden und angstfrei in ein solches Gesprach zu gehen. Auch die zwei eingeschalteten Handys sollten dazu beitragen, eine reale Situation zu erzeugen. Die DurchfOhrung des Dialoges habe ich als positiv erlebt, wobei das sprachliche Niveau hoher war als von mir erwartet. Genauso mOssen die TN durch so eine Partnerarbeit aufeinander Bezug nehmen und somit entsprechende Verhaltensmuster entwickeln sowie die auf die Wohnungssuche gerichteten und an der Tafel wiederholten Redemittel einuben und automatisieren. Bei der Bildung von Paaren achte ich darauf, dass jede Gruppe sowohl aus leistungsstarkeren als auch aus leistungsschwacheren TN besteht. Dieses globale Lernziel hat die Aufgabe, die Handlungsfahigkeit der TN zu erhohen und sie fOr die reale Handlung sowie die Wohnungssuche im Zielland vor zu bereiten. Am Ende dieses Lernziels stellte ich erneut fest, dass die TN die Dialoge auch gut und gerne fOnf Minuten Ianger fOhren konnten.

Bezug zu den DLL-Einheiten

In Kapitel 3 der DLL 5 zur,Arbeit mit Texten" wird verdeutlicht, dass ich als Lehrkraft im Unterricht nicht nur mit einem Lehrwerk arbeiten sollte, sondern auf verschiedene Textsorten zugreifen muss, urn meinen Lemenden die deutsche Sprache effektiv und authentisch zu vermitteln. Als Beispiel dafOr verweist Kapitel 3.3 auf die Forderung rezeptiver Fertigkeiten im Sprachunterricht und behandelt ausfOhrlich die Frage, welche Anforderungen diese Fertigkeit an mich als kunftiger DaF-Lehrer stellt. Fur mich ergab sich daraus die Erkenntnis, dass ich das Hor-Seh-Verstehen und auch die Medienkompetenz der Lernenden durch das Anschauen eines Videos im Unterricht tordern kann und ihnen damit zugleich reale Lebenssituationen visualisiere und vorspiele. Dabei dachte ich nicht zuletzt auch an meine eigene Schulzeit und ich erinnere mich noch gut daran, wie ich die Video- und Radioinformationen unbewusst benutzt habe, um die Fremdsprache zu erlernen. Auch in meinem eigenen Unterricht erziele ich durch eine interessante Unterrichtsgestaltung die Aufmerksamkeit der Lernenden, denn laut Assmann hat nur das, "was wir mit den Augen fixieren oder mit den Ohren fokussieren. [...) eine Chance konzeptuell und bewusst zu Wissen verarbeitet zu werden. Mit dem Aufmerken beginnt das Merken" (Assmann in: Ballstaedt, S.4).

In Kapitel 1.1 der DLL 4 haben wir die grundlegendsten didaktisch-methodischen Prinzipien kennengelernt und beim Studium und Bearbeiten dieses Kapitels erkannt, dass Misserfolge der TN den Unterricht negativ beeinflussen konnen. Die schwacheren TN verlieren die Motivation, leiden unter Leistungsdruck, vergleichen sich oft mit dem daneben sitzenden TN und beteiligen sich somit ungerne an der Unterrichtsaktivitat. Weil ich dieses Problem auch in meiner Klasse erkannt habe und dieses bekampfen will, nehme ich mir vor, verstarkt nach den Prinzipien der Handlungsorientierung und Lerneraktivierung (DLL4,1.1.2 Didaktisch­ methodische Prinzipien) zu arbeiten. Ziel des handlungsorientierten Unterrichts ist es, die Lernenden aktiv in die Bewaltigung der Handlungen ein zu binden und sie somit zu einer mundigen Handlungsfahigkeit zu fOhren. Damit wird zugleich eine aktive Beteiligung am Unterrichtsthema ermoglicht. Genauso wichtig ist es mir, solche Situationen und Themen an zu bieten, die fOr die Lebenswelt der TN von Bedeutung sind und die auch aur..erhalb des Unterrichts vorkommen konnen (vgl. DLL 4, 1.1.2 Didaktisch-Methodische Prinzipien). Von diesem Grundgedanken ausgehend habe ich in meinem Unterrichtsentwurf folgende handlungsorientierte Aktivitaten, Aufgaben und Obungen eingeplant: wechselhafte Sozialformen, Meinungsaustausch am Gruppentisch, prasentieren eigener Wohnungsanzeigen, Dialoge in Form eines Telefongesprachs bzw. eines Rollenspiels zwischen Mieter und Vermieter, spontanes/ freies Sprechen sowie Schreibanlasse.

Ein weiteres, im DLL 4 beschriebenes und fOr meinen Unterricht wichtiges didaktisch­methodisches Prinzip ist die Lerneraktivei rung, die laut Funk u. a. davon ausgeht, dass,Lernende, die aktiv am Unterrichtsgeschehen teilnehmen und dieses mitgestalten, [...) bessere Ergebnisse [erzielen]" (Funk u.a. 2014, S.21). Nach diesem Grundprinzip arbeitete ich auch in meiner Unterrichtseinheit. lch forderte die Lerner dazu aktiv auf, sich zu melden, ohne dabei aufgrund ihrer Vorkenntnisse (Mindmap) zu zogern und entsprechende Fragen zu stellen, urn sich aktiv mit der Sprache auseinander zu setzen. Dabei Obernahmen sie die Lehrerrolle bzw. fungierten als CO-Lehrer.

Ein weiterer fOr mich wichtiger Aspekt sind die in DLL 2, Kapitel 3.4.1 erlauterten Lernstrategien und damit die von den Lernenden zum Zweck des Wissenserwerbs aktiv eingesetzten Verhaltensweisen und Kognitionen. lndem sie den Lernenden nicht nur die Aufnahme und Speicherung, sondern auch den Einsatz neuer lnformationen im Unterricht (vgl. daf.zum.de/wiki/Lernstrategien) erleichtern, sind sie im Grunde genommen wichtige Werkzeuge zur Steuerung und Optimierung des Erwerbs und des Gebrauchs einer Fremdsprache. Deshalb rate ich den Lernenden in meinem Unterricht stets dazu, beim Erwerb und Gebrauch der deutschen Sprache verschiedene Arten von Kommunikationsstrategien zu benutzen, beispielsweise immer wieder nach zu fragen und bei moglichen Unsicherheiten auch Mimik und Gestik als Kompensationsstrategien zu benutzen. Meines Erachtens ist es dabei wichtig, sich als Sprachlehrer entsprechende Notizen zu machen, in den Texten SchiOsselworter zu notieren, Radio- und Fernsehsendungen auf deutscher Sprache zu horen, darOber hinaus auch selbst Texte zusammenzufassen (kognitive Strategien), urn sich auch auf diesem Weg das Sprachlehren zu erleichtern.

Vor 30 Jahren, als ich die Grundschule besuchte, war es unvorstellbar, den Unterricht methodisch zu verandern oder gar mit einem Spiel zu bereichern. Doch in DLL 1, Kapitel 2,Spielraume gestalten", haben wir gelernt, wie die spielerischen Aktivitaten den Unterrichtsalltag erweitern, urn Kommunikationsfahigkeit, Motivation und Kreativitat bei den Lernenden zu fordern. Aus diesem Grund setzte ich nicht nur das,WOrfelspiel", sondern am Ende meiner Unterrichtseinheit auch das Rollenspiel ein.

Weil ich beabsichtigte, am Ende dieser Unterrichtseinheit eine gezielte Kombination von motivierendem Rollenspiel in Verbindung mit effektiven Lerninhalten ein zu setzen, entschied ich mich eindeutig fOr die DurchfOhrung dieser unterhaltsamen und effektiven Form des Unterrichts, denn die Lernenden simulieren damit reale Situationen des Lebens in Deutschland.

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Details

Seiten
31
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668904156
ISBN (Buch)
9783668904163
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v457961
Note
gut
Schlagworte
deutsch fremdsprache integrationskursen eine unterrichtseinheit niveau thema wohnungsanzeigen
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