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Zukunftsperspektiven von offenen Massen-Online-Kursen (MOOCs)

Hausarbeit 2016 14 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehung und Definition
2.1 Entstehungsgeschichte von MOOCs
2.2 Eigenschaften von xMOOCs und cMOOCs

3 Erwartungen an MOOCs

4 Nutzung von MOOCs
4.1 Wer nutzt MOOCs?
4.2 MOOCs als Geschäftsmodell
4.3 Mögliche Anwendungsszenarien im Hochschulkontext

5 Debatte
5.1 Abbruchquoten
5.2 Debatte im Hochschulkontext
5.3 Blick in die Zukunft der MOOCs

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

E-Learning Angebote sind schon fast alltäglich in den Hochschulen, doch durch das Thema „MOOCs“ erfährt der Diskurs neue Aufmerksamkeit. Bereits in der Vorlesung „Einführung in die Mediendidaktik“ wurde das Thema MOOCs angesprochen, sodass ich durch die erneute Begegnung im Seminar „Lernen mit digitalen Medien“ zur weiteren Recherche angeregt wurde. Besonders die Darstellung der Medien weckten mein Interesse für das Zustandekommen der enormen Abbruchquoten und somit auch die Frage nach der „Daseinsberechtigung“ von MOOCs. Auch die Frage danach, ob MOOCs tatsachlich eine Innovation seien und das Hochschulsystem reformieren könnten, beschäftigte mich. Wird es also in Zukunft gleiche, offene, kostenlose Bildung für Alle geben?

Zur Beantwortung dieser Fragen befasst sich diese Arbeit mit dem Zukunftspotential der MOOCs. Zu Beginn soll die Entstehung der MOOCs thematisiert werden und eine Definition des Begriffes folgen. Der Erste dieser Kurse, welcher die Bewegung anstieß wird beschrieben und die Formate xMOOC und cMOOC mit ihren Eigenschaften werden definiert. Um die aktuelle Situation zu begründen, sollen die gesetzten Erwartungen geschildert werden. Im Anschluss werden sowohl die Nutzung durch die Teilnehmer, als auch die Nutzung von MOOCs als Geschäftsmodell, sowie die Nutzung in anderen (Hochschul-) Kontexten untersucht. Bevor ein Fazit gezogen werden kann, müssen sowohl die verschiedenen Kritikpunkte, wie beispielsweise die Abbruchraten und Probleme im Bezug auf den Hochschulkontext, sowie auch eine Einschätzung der Zukunftsperspektiven von verschiedenen Beobachtern diskutiert werden.

2 Entstehung und Definition

Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Lehre ist seit Jahren Schauplatz innovativer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Besonders wurde der Einsatz von Web-2.0-Technologien wie Blogs, Wikis und Video-Podcasts, sowie die Integration mit sozialen Netzwerken im E-Learning untersucht. Das Konzept der MOOCs stellt eine Verbindung dieser Entwicklungen dar und kombiniert das Angebot von Lehr- und Lerninhalten mit der virtuellen Gemeinschaft einer Social-Media-Plattform (vgl. Meinel 2013).

Die Abkürzung MOOC steht hierbei für einen „Massive Open Online Course“, wobei sich das „massiv“ auf die Teilnehmerzahl bezieht, denn für einen klassischen MOOC gibt es keine Teilnehmerbeschränkung. Das Wort „open“ bezieht sich auf die freie Zugänglichkeit, da keine Zugangsvoraussetzungen bestehen. Die Kurse selbst sollen gebührenfrei angeboten werden und auch bei Lehrtexten sollen kostenlose und frei zugängliche Versionen verwendet werden (Schulmeister 2013).

Porter (2015) geht hierbei auch noch auf die Zugänglichkeit für jeden Bildungshintergrund ein. Mit der Etablierung der Geschäftsmodelle werden jedoch vermehrt Gebühren für unter anderem Lernmaterialien, Zusatzleistungen oder Zertifikate erhoben (Schultz 2014). Die Kurse werden vollständig online durchgeführt, sodass kein persönlicher Kontakt zur Kommunikation notwendig ist. Mit der Bezeichnung „Course“ lassen sich MOOCs vom Begriff OER (Open Educational Resources) differenzieren, bei welchem die freie Verfügbarkeit von Lernmaterial im Mittelpunkt steht, denn es lassen sich Charakteristika eines traditionellen Kurses, wie etwa die zeitliche Terminierung und die Bewertung, feststellen (vgl. Porter 2015). Schultz (2014) fügt außerdem noch hinzu, dass die Inhaber der Kursinhalte von MOOCs die Betreiber der MOOC-Plattformen sind, also der Inhalt nicht frei verfügbar ist.

2.1 Entstehungsgeschichte von MOOCs

Der erste Kurs, der als MOOC bezeichnet wurde, war der von Stephen Downes und George Siemens 2008 durchgeführte Kurs „Connectivism and Connective Knowledge“ (CCK08). Downes und Siemens gelten als E-Learning-Experten und dem Titel des Kurses entsprechend, war das Format des Kurses konnektivistisch. Der Kurs wurde ursprünglich nur für 25 Studenten geführt, er wurde allerdings online für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Die Intention dabei war, das Konzept des Konnektivismus mit einer deutlich größeren und vielfältigeren Gruppe in der Praxis auszuüben. Dieses Angebot nutzten etwa 2200 Studenten. Der Begriff „MOOC“ wurde von dem Kanadier David Cormier geprägt, während er die Begründer des zuvor genannten Kurses 2008 in seinem wöchentlichen Webcast „EdTechTalk“ interviewte (vgl. Porter 2015).

Ende 2011 wurden dann drei instruktional konzipierte Informatik-Kurse der Stanford Universität als Online-Kurse angeboten , an welchem bis zu 90.000 Personen teilnahmen. Daraufhin wurden die For-Profit-Unternehmen „Udacity“ und „Coursea“ gegründet und auch das Non-Profit-Unternehmen „edX“ startete (Schultz 2014). In Deutschland findet man zum Beispiel die Hochschuleinrichtungen „openHPI“ der Universität Potsdam und die „Leuphana Digital School“ der Leuphana Universität Lüneburg. Firmenableger für MOOCs in Deutschland sind „OpenSAP“ und „iversity“ (vgl. Schulmeister 2013).

2.2 Eigenschaften von xMOOCs und cMOOCs

Nachdem die ersten MOOCs starteten, wurden verschiedene Modelle entwickelt. Die xMOOCs werden meist von einer akademisch anerkannten Institution durchgeführt und ähneln konventionellen Vorlesungen, da sie vor allem aus Video-Sequenzen bestehen, die durch anschließende Fragebögen vertieft werden. Dadurch gibt es klare Erwartungen zur Partizipation des Teilnehmenden. Das individuelle Lernen findet auf der Plattform des jeweiligen MOOC-Betreibers statt, außerdem folgt es einem festgelegten Lehrplan (Porter 2015). Da sie eine enorme Teilnehmeranzahl vorweisen, werden diese MOOCs „xMOOCs“, also „extended MOOCs“, genannt (Schultz 2014).

Sogenannte „cMOOCs“, oder auch „connectivistic MOOCs“, folgen dem bildungswissenschaftlichen Ansatz des Konnektivismus. Es wird offenes Lernen mit zur Verfügung gestelltem Material verbunden, sodass die Teilnehmenden sich autonom mit dem Kursinhalt auseinandersetzen und frei über den Grad der Interaktion mit dem Kurs und anderen Teilnehmenden entscheiden können. Die Teilnehmenden nutzen selbstorganisiert verschiedene Plattformen zur Kommunikation und sollen so Praktiken, Wissen und Verständnis entwickeln (Porter 2015). Dazu finden in cMOOCs zumeist Kollaborationstools wie Wikis, Blogs oder Foren Verwendung (Schultz 2014).

3 Erwartungen an MOOCs

Schulmeister (2013) formuliert die Erwartungen und Visionen, die in der Bildungsdebatte geäußert wurden. Er stellt dar, dass der Begriff „Open“ beinhaltet, dass Bildung zugänglich für jeden Interessierten, sowohl bezüglich der Kosten, als auch bezüglich der formalen Zugangsvoraussetzungen, sein sollte. Desweiteren zitiert er den Gründer der MOOC-Plattform „Udacity“, Sebastian Thrun, der für die Demokratisierung von Bildung plädiert und Bildung als öffentliches Gut sieht. Außerdem sieht er die Begrenzung der Ausbildung auf einen Lebensabschnitt nicht mehr als zeitgemäß an, daher haben MOOCs ein hohes Potential auf eine bedeutendere Rolle im lebenslangen Bildungsprozess. Potentielle Chancen, im Hinblick auf MOOCs, formuliert Alfred Funk, Kanzler der Universität Luxemburg, anlässlich der 5. Internationalen Tagung der Hochschulkanzler im Mai 2013, vor dem Hintergrund des Einflusses der neuen Medien auf die Hochschule. Funk spricht hier von einer Einsparung von Personal, Räumen und Infrastrukturen der Hochschulen, Chancen durch die Vielfalt der Studierenden in den aktiv-moderierten Foren, erreichbare und bezahlbare Angebote für Arbeitende, Alleinerziehende und Studenten mit Handicap und weitere Gruppen, deren Zugang zur Hochschule erschwert ist. Gleichzeitig stellt er aber auch die Realisierbarkeit der Erreichbarkeit all dieser Gruppen durch ein Modul infrage (vgl. Schulmeister 2013). Laut Haber (2014) wurden MOOCs von Entwicklern, Administratoren und Politikern als Lösung für die Überfüllung von Kursräumen, finanzielle Erreichbarkeit von Universitätsabschlüssen und zur Abschaffung globaler Unterentwicklung gesehen.

4 Nutzung von MOOCs

Die Nutzung von MOOCs ist aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Es stellt sich zunächst die Frage nach der Zielklientel der MOOCs. Wer nimmt an MOOCs teil? Wie sehen die Teilnahmeverläufe der MOOC-Nutzer aus? Eine andere Perspektive ist die der MOOC-Anbieter. Dabei ist besonders die Art des Geschäftsmodells interessant, da die Online-Kurse mit ihrer Gebührenfreiheit locken. Ist es überhaupt möglich, kostenfreie Bildung für Alle anzubieten? Zuletzt interessiert die Nutzung in anderen Kontexten, wie die Anwendungsmöglichkeiten im Hochschulkontext.

4.1 Wer nutzt MOOCs?

Vor allem bei offenen Lernangeboten ist es nur bedingt möglich, die Nutzergruppe zu definieren. Die Teilnehmenden bestehen sowohl aus Studierenden und Studienabsolventen, als auch aus Nicht-Studierenden. Diese Diversität bringt auch Vorteile, denn neben den üblichen Kriterien, wie Alter und Kultur, können die verschiedenen Bildungsabschlüsse und Berufserfahrungen die Bildung im Austausch durch neue Perspektiven bereichern (vgl. Schultz (2014). Die enorme Diversität bezüglich des persönlichen Hintergrunds zeigt sich im Verhalten der Kursteilnehmer. Nach Hill (2013) lassen sich vier idealtypische Teilnehmertypen klassifizieren: Die Mehrheit der xMOOC-Teilnehmer lassen sich als Lurker bezeichnen. Sie sind eingeschrieben, allerdings beschränkt sich ihre Partizipation auf das Beobachten oder das Bearbeiten von nur sehr wenigen Aufgaben. Viele Lurker verlieren auch schon nach der Einschreibung das Interesse. Mengenmäßig ist diese Gruppe bei den Teilnehmerzahlen zu Beginn eines Kurses am stärksten vertreten.

Die Drop-Ins sind partiell bis vollständig aktive Teilnehmende, die den Kurs allerdings nicht beenden. Sie nutzen MOOCs als Informationsquelle für beispielsweise andere Kurse.

Die dritte Gruppe sind die Passive Participants. Die passiven Teilnehmer konsumieren den Inhalt und erwarten „gebildet zu werden“, daher schauen sie die Lehrvideos an und machen in manchen Fällen auch die anschließenden Tests, allerdings nehmen sie nicht an Aktivitäten oder Diskussionen teil.

Die Active Participants sind jene Teilnehmer, welche ohne Einschränkungen am Kurs teilnehmen. Aktive Teilnehmer konsumieren den Inhalt, nehmen an Tests und Aktivitäten, wie zum Beispiel schriftlichen Aufgaben, teil und zeigen aktive Teilnahme an Diskussionen.

Allerdings können Teilnehmer auch zwischen den Typen variieren und ihre Partizipation während des Kurses verändern.

4.2 MOOCs als Geschäftsmodell

Da es abzusehen war, dass ohne Generierung von Einkommen und Umsatz das zur Verfügung stehende Kapital der MOOC-Plattformen zu einem gewissen Zeitpunkt aufgebraucht sein wird, war eine Entwicklung zum Geschäftsmodell wenig überraschend. Selbst wenn Professoren, welche die Kurse abhalten und die Inhalte liefern, nicht entlohnt werden müssten, wären die Kosten für das technische und administrative Personal der „MOOC-Fabriken“, die Entwicklung der Technologie, das Marketing und die Verhandlungen mit den Hochschulen noch vorhanden (vgl. Schulmeister 2013). Nach Schulmeister (2013) war „der Beginn der Geschäftsmodelle für Udacity, Coursea und edX [...] deshalb zugleich der Anfang vom Ende des OPEN“.

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Details

Seiten
14
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668901841
ISBN (Buch)
9783668901858
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v457921
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Schlagworte
zukunftsperspektiven massen-online-kursen moocs

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