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Berliner Moscheen als Erwachsenenbildungseinrichtungen

Über das Programm und Bildungsverständnis zweier muslimischer Gemeinden

Masterarbeit 2016 67 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsfrage

3 Forschungsstand
3.1 Zum Hintergrund der Muslimischen Bevölkerung in Deutschland 4
3.2 Muslime in Berlin
3.3 Warum Berliner Moscheen als Forschungsgegenstand

4 Untersuchungsgegenstand
4.1 Auswahl der Moscheen
4.2 Fallbeispiele
4.2.1 Şehitlik-Moschee
4.2.2 Deutscher Muslim Kreis (DMK) Berlin

5 Theorie und Empirie
5.1 Methodisches Vorgehen - Interviewverfahren
5.2 Programmerfassung und -analyse
5.2.1 Zur Theorie der Programmanalyse als Methodik der Masterarbeit 19
5.2.2 Unmittelbare Programmanalysen
5.3 Interpretationen
5.4 Probleme und Desiderata

6 Zur Geschichte und Theorie bzw. Definition der EB mit Bezugnahme auf die Moscheen
6.1 Zur Geschichte der Erwachsenenbildung
6.1.1 Emanzipation als Ziel der EB
6.1.2 Situation und Perspektiven der EB
6.2 Das System der EB in Deutschland
6.3 Institutionensystem der Weiterbildung
6.4 Konfessionelle EB
6.4.1 Katholische EB
6.4.2 Jüdische EB
6.4.3 Evangelische EB
6.5 Lernvermittlung als Tätigkeitskern
6.6 Lerntheorien und Lernen in Bedeutungszusammenhängen
6.7 Lernen in der EB
6.8 Lernchancen Erwachsener
6.9 Beispiele von Methodenstrategien der Erwachsenenbildung

7 Auswertung der Programmerfassung
7.1. Voraussetzunge
7.2. Auswertungen der Erhebungen

8 Fazit

9 Literatur

10 Anhang - Interviews

Dank

Ich möchte mich bei allen, die mich bei der Motivation und Fertigstellung der Arbeit unterstützt haben, bedanken. Ich möchte hier keine Namen nennen, damit sich keiner bevorzugt oder benachteiligt fühlt. In meinen Gebeten seid ihr alle enthalten.

1 Einleitung

Zu Beginn der Masterarbeit wird die Geschichte des Islams im deutschen Rechtssystem und der Gesellschaft kurz beleuchtet. Die Erwachsenenbildung (EB) in der pluralistischen Gesellschaft wie auch die Definition des EB-Begriffs nach klassischen Autoren der EB wie Zeuner und Faulstich, sollen das Fundament der späteren Definition des EB-Begriffs Berliner Moscheen legen. Der EB-Begriff wird mittels einer Programmanalyse zweier exemplarischer Moscheen definiert und anhand von Experteninterviews mit Leitern und Erwachsenenbildnern herausgearbeitet. Die DMK-Moschee wird hier nur skizziert, da sie als Programmuntersuchungsgegenstand aufgrund ihrer eher religiösen Ausrichtung nicht weiter in Frage kommt.

Die Religionsvielfalt in Deutschland ist vergleichsweise groß, die jeweiligen Kirchen haben verschiedenste religiöse und nicht-religiöse EB-Angebote. Die verschiedenen Gemeinden - buddhistische, jüdische und muslimische - arbeiten in Kooperation. So erweitert sich die Vielfalt und Zusammenarbeit der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften.

Hier soll das relativ unerforschte Feld der Erwachsenenbildung an Berliner Moscheen genauer untersucht werden. Es wird zu Beginn ein allgemeiner Überblick über Anzahl und Zugehörigkeiten von Berliner Moscheen gegeben und über das Angebotsspektrum der dortigen Erwachsenenbildung. Anschließend wird anhand von zwei Moscheen exemplarisch dargestellt, wie sich die Erwachsenenbildung im Einzelnen gestaltet und welcher Erwachsenenbildungs-Begriff sich, angelehnt an Definitionen des klassischen EB-Begriffs, aus den Angeboten der Moscheen heraus definiert. Das Thema der Masterarbeit „Berliner Moscheen als Erwachsenenbildungs-Einrichtungen“ soll einen überschaubaren Einblick in je eine verbandsunabhängige und eine verbandszugehörige Berliner Moschee geben. Darauf folgt eine detaillierte Programmanalyse der Şehitlik Camii (Moschee) Berlin am Columbiadamm 128, als repräsentativster Berliner Moschee des deutschlandweit größten muslimischen Dachverbandes DITIB. Als Äquivalent wird der Deutsche Muslimkreis (DMK) in der Bilal-Moschee in Berlin Wedding, Drontheimer Straße 16, skizziert. Die Sehitlik-Moschee wird auf ihr Erwachsenenbildungs-Programm hin untersucht. Der DMK, nutzt die Räumlichkeiten der Bilal-Moschee. Dieser Verein ist an keinen Dachverband angegliedert, zeigt jedoch seit den 1990er Jahren eine ausgeprägte Aktivität in seinen religiösen und interreligiösen Bildungsangeboten, weshalb er als Untersuchungsgegenstand einer religiös ausgerichteten Moschee von Interesse ist. Zur Verdeutlichung der Gegensätzlichkeit in ihrer Organisationsform, Größe, ihrer ethnisch-kulturellen und sprachlichen Anbindung wie Zusammensetzung der Mitglieder, werden die beiden genannten Moscheen in der vorliegenden Arbeit Gegenstand der Forschung sein.

2 Forschungsfrage

Die Leitfrage der Untersuchung für die Masterarbeit lautet: Gibt es eine Erwachsenenbildung in Berliner Moscheegemeinden, und wenn ja, wie gestaltet sich diese, welche religiösen und nicht-religiösen Angebote existieren an den Moscheen? Für die Programmanalyse wird die Entwicklung von 2012 bis 2015 festgehalten und wichtige Veränderungen und feste Grundstrukturen in Erfahrung gebracht. Die Forschungsfrage, die sich daraus ableiten lässt, lautet: „Wie ist das Erwachsenenbildungs-Angebot der Berliner Moscheen geprägt, und welches Erwachsenenbildungs-Verständnis lässt sich hieraus ableiten?“ Diese deskriptiven Teile leiten zum zweiten Frageblock über, in dem es sich um das Ableiten eines EB-Begriffs vor dem Hintergrund des theoretischen Bezugsrahmens handelt und der Frage, ob der Erwachsenenbildungs-Begriff kompatibel mit dem der Moderne ist.

Der Zeitrahmen ist ursprünglich insbesondere aufgrund der veränderten Wahrnehmung des Islam und der Muslime in Deutschland (aber auch weltweit) seit dem Terroranschlag am 11. September 2001 auf das World Trade Center gewählt worden, kann aber aufgrund fehlender Programmarchivierung innerhalb der Gemeinden nur seit 2012 festgehalten werden. 2001 mussten sich Muslime und damit auch die Gemeinden zunehmend mit der Fremdzuschreibung von Stereotypen wie z.B. des gewalttätigen Muslim oder der unterdrückten Muslima auseinandersetzen. Dadurch wurden identitätssuchende Prozesse bei Muslim_innen ausgelöst, die weitreichende Folgen hatten und immer noch haben, wie Stigmatisierungen und Ausgrenzung aus der Mehrheitsgesellschaft. Aspekte wie Integrationswilligkeit und Integrationsdrängen bei gleichzeitiger Ablehnung seitens der Mehrheitsgesellschaft, die seit einigen Jahren beispielsweise vom Türkischen Bund Berlin (TBB) und dem Antidiskriminierungsbund Berlin (ADNB) statistisch belegt sind, lös(t)en bei vielen Muslim_innen innere Gespaltenheits-Gefühle aus. Aus diesen Gründen und aufgrund sich häufender Diskriminierungen in den Bereichen Schule (ufuq.de, Jugendkultur, Medien und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft - nach Brettfeld/Wetzels 2007, S. 242-242), Arbeitsplatz, Ausbildung und Universität, Wohnungsmarkt und Alltag, haben sich Moscheen vermehrt um Antidiskriminierungsarbeit und Aufklärungs-/Öffentlichkeitsarbeit bemüht. Mit einem Beispiel geht die Şehitlik-Moschee voran. Sie hat ihre öffentlich wirksame Arbeit seit dem 11.9.2001, aber auch vermehrt nach der Sarrazin-Debatte und auch aktuell seit den Kriegen in Syrien und den arabischen Ländern gesteigert, um Aufklärung und Friedensarbeit zu leisten. So fand beispielsweise vor einiger Zeit (November 2014) eine Tagung zur Extremismusprävention in den Räumlichkeiten der Moschee statt, dies unter anderem in Kooperation mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

3 Forschungsstand

3.1 Zum Hintergrund der Muslimischen Bevölkerung in Deutschland

In Deutschland steigt mit wachsender muslimischer Bevölkerung auch der Bedarf an Erwachsenenbildungs-Angeboten für Migrant_innen und Menschen mit Migrationsgeschichte, insbesondere an für diese Zielgruppe vertrauten Orten. Moscheen bieten vielen Muslim_innen mit Migrationshintergrund diese Art von Örtlichkeit und verbinden dabei religiöse und nicht-religiöse Bildung unter einem Dach. Aufgrund der vergleichsweise kurzen Geschichte der Muslime und Moscheen in Deutschland, die zumeist auf die Gastarbeiteranwerbung aus der Türkei, Marokko und Tunesien in den 1961er Jahren und auf die späteren Flüchtlingsströme aus Palästina, Afghanistan und Jugoslawien in den 1990er Jahren zurückgeht (vgl. Muslime in Berlin, 2010, S. 43), ist die Entwicklung eines erwachsenenpädagogischen Angebots in Moscheen vergleichsweise jung.

Nach Beendigung des Anwerbens von Arbeitskräften 1973 bestand die weitere Einwanderung hauptsächlich aus der Familienzusammenführung (ebd. S. 43). Etwa ein Drittel der gesamten muslimischen Bevölkerung Deutschlands hat einen türkischen Migrationshintergrund. Die afghanische Diaspora ist in Deutschland die größte in Europa, darauf folgen Pakistaner, Indonesier und ehemals Flüchtlinge aus dem Balkan. 2002 lag die deutsch-arabische Bevölkerung bei ca. 290.000, davon schätzungsweise 60.000 Palästinenser. Aus Marokko und Tunesien kamen meist Arbeitsmigranten. Jüngst kommen ca. 1,5 Mio Einwanderer aus Syrien und dem Irak hinzu (2015/2016). Allgemein waren die Mehrheit der arabischen Einwanderer in Deutschland Flüchtlinge und Asylsuchende (vgl. ebd. S. 41). In Deutschland leben somit Muslime mit sogenanntem deutschem und nicht-deutschem Hintergrund. In der statistischen Angabe der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ (MLD 2009) wird die Zahl der Muslime nicht-deutscher Herkunft auf etwa 2,1-2,3 Millionen geschätzt (MLD, 2009, S. 68). Dabei kommt die herausragende Mehrheit der Muslime aus der Türkei und dem Nahen Osten, die drittgrößte Gruppe sind Muslime aus Südosteuropa. Zwischen 1,7 und 2,0 Millionen deutsche Muslime mit Migrationshintergrund der entsprechenden Länder kommen zu dieser Rechnung hinzu. Demnach leben in Deutschland derzeit zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime (plus 1,5 Mio. neue Flüchtlinge unter anderem aus Syrien und dem Irak) mit einer deutschen oder ausländischen Nationalität, die aus einem der knapp 50 muslimisch geprägten Herkunftsländer stammen. Zusammengefasst kann man sagen,

„… dass in Deutschland insgesamt rund 82 Millionen Menschen leben (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung; Statistisches Bundesamt 2008: 12), [d.h. es] beträgt der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung zwischen 4,6 und 5,2 Prozent. Rund 45 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime sind deutsche Staatsangehörige, rund 55 Prozent haben eine ausländische Staatsangehörigkeit“ (Muslimisches Leben in Deutschland, 2009, S. 80).

Die Zahl der Muslime in Deutschland wird von der Zahl der in Deutschland lebenden Personen aus muslimisch geprägten Ländern hochgerechnet. Der größte Teil der innermuslimischen Glaubensströmungen sind die Sunniten mit rund 74%, danach die Aleviten mit 13% und die Schiiten mit 7% (ebd., S. 85). Männer und Frauen liegen prozentual ca. auf einer Höhe, wobei die Männer den größeren Teil ausmachen. Dies unterscheidet sich nicht von den Gruppenangehörigen sonstiger Religionsgemeinschaften oder Haushaltsmitglieder ohne Religion (ebd. S. 101). Nach Angaben des Mikrozensus lebten 2007 in Berlin etwa 24 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (Pressemitteilung 297 des Amtes für Statistik Berlin Brandenburg 15. September 2009, online einsehbar unter http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/pms/2009/09-09-15c.pdf). Die Studie des Open Society Instituts von 2010 stellt fest, dass 2007 14% der 3,3 Mio. Berliner Einwohner keine deutschen Staatsangehörigen waren. Erst seit 2005 beinhaltet der Mikrozensus die Kategorie Migrationshintergrund. Viele der hier lebenden Muslime mit deutscher Staatsangehörigkeit haben einen Migrationshintergrund, der sich, bezogen auf die ansässigen Muslime und auf die Anbindung zu einer muslimischen Gemeinde, in Form der sprachlichen und ethnischen Identität auswirkt. Nach Schätzungen des statistischen Landesamtes Berlin lag die Zahl der Muslime in Berlin im Januar 2005 bei 212.713. (Muslime in Berlin, 2010 S. 41). Offizielle Erhebungen zur islamischen Religionszugehörigkeit wurden und werden nicht erfasst, daher gibt es keine statistischen Angaben zur Anzahl der Muslime in Berlin. Zahlen entstehen aus Schätzungen auf der Grundlage der Zahl der Einwanderer aus Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit (vgl. ebd. S. 40). Das Einwohnermelderegister verzeichnet dazu die Aufteilung in folgende ethnische Gruppen: Etwa 170.000 und damit die größte Gruppe vertretend, bilden Personen mit türkischem Migrationshintergrund. Von denen haben nach den Angaben des Amtes für Statistik etwa 120.000 keine deutsche Staatsbürgerschaft. 34.000 Menschen haben einen arabischen Hintergrund, etwa 1.200 stammen aus anderen Ländern muslimischer Bevölkerungsmehrheit. Über 70.000 Muslime haben schätzungsweise eine deutsche Staatsbürgerschaft, die Mehrheit davon sind eingebürgerte Einwanderer (ebd. S. 41). Nicht erfasst sind eingewanderte Muslime aus Ländern ohne muslimische Bevölkerungsmehrheit wie Indien. Unter den erfassten Menschen aus mehrheitlich muslimischen Bevölkerungen sind teilweise Christen mitgezählt, die beispielsweise aus dem Libanon und Indonesien kommen, ebenso Buddhisten und Hindus.

3.2 Muslime in Berlin

Aufgrund von Bevölkerungsrückgang in Berlin war die Bevölkerungsstabilisierung durch die Einwanderung nicht-deutscher Staatsangehöriger nötig. In West-Berlin kam es durch stadtplanerische Maßnahmen, wachsende Strukturen ethnischer Ökonomien wie etwa Nahrungsmittelhandel, aber auch religiöse und kulturelle Infrastrukturen und günstigere Mieten zu Ballungen der Immigranten in Innenstadtbezirken (Kreuzberg, Wedding, Neukölln) (ebd., S. 44). Im Ostteil der Stadt immigrierten Menschen aus eher sozialistisch geprägten Staaten wie Algerien, Ungarn oder Vietnam. Im Vergleich zum Westteil der Stadt verhielt sich die Immigration eher gering. Bis heute lebt die Mehrheit der muslimischen Migrant_innen in den ehemaligen West- und Ballungsbezirken. Es sind aus diesen Bezirken wenig Wegzugsbewegungen zu verzeichnen (vgl. ebd. S 44, 114). Dies hat Gründe wie beispielsweise eine starke Identifizierung mit dem Heimatkiez sowie Diskriminierungserfahrungen in wohlhabenderen Bezirken wie auch bei der Wohnungspolitik selbst (ebd. S. 114). Gleichzeitig werden Muslime verstärkt seit dem 11. September 2001 polizeilich überwacht, bei gleichzeitig höherem Grad an Hassverbrechen und Gewalt, der sie ausgesetzt sind. So sind nach Angaben der jährlichen Studie „Deutsche Zustände“ die islamfeindlichen Einstellungen deutscher Bürger drastisch gestiegen (Mediendienst Integration, Stand: 22.11.2014). Zeitungsberichten und TV sowie Internet-Medien nach zu urteilen, stiegen in jüngster Zeit die Anschläge gegen Moschee in ganz Deutschland. Die Zahl der Angriffe auf Moscheen stieg laut Statistik der Bundesregierung zitiert in „Die Welt“ zwischen 2001 und 2011 im Schnitt von 22 Übergriffen pro Jahr in 2012 und 2013 auf 35 bzw. 36 pro Jahr. Von Anfang 2012 bis März 2014 wurden 78 Attacken registriert (Die Welt online, 26. November 2014). Gleichzeitig werden Muslime seit dem 11. September und anderen internationalen terroristischen Anschlägen als Sicherheitsrisiko wahrgenommen (vgl. Muslime in Berlin, S. 128). Dies wirkt sich wiederum auf die Einstufung von Muslimen und Moscheen als islamistisch ein, wobei der Begriff „islamistisch“ sehr weit gefasst wird.[1] Diese Trennlinien erschweren es Muslim_innen, in verschiedenste Bereiche des alltäglichen Lebens zu gelangen, da die autoritative Position des Verfassungsschutzes eine imaginäre Linie zwischen „echten“ und „fehlgeleiteten“ Muslimen zieht. Dadurch komme es in Einzelfällen zu ernsthaften persönlichen Konsequenzen durch die Mitgliedschaft in einer Organisation, die unter Beobachtung steht (vgl. ebd. S. 129). Inzwischen hat sich diese Linie zugunsten der „normalen“ muslimischen Vereine verändert. Beispielsweise sind Mili Görüs und die muslimische Jugend aus der Liste des Verfassungsschutzes gestrichen worden und es werden eher „Hardliner“ überwacht. Diese Art Frühwarnsystem, wie Prof. Schiffauer die Überwachungsmechanismen des Verfassungsschutzes einstuft, sollte optimalerweise in Folge des zweiten Weltkrieges problematische Entwicklungen innerhalb einer Gemeinschaft aufdecken und nicht als Aussagen gegen eine Zusammenarbeit mit bestimmten Gemeinden oder Organisationen gelesen werden, sondern vielmehr als Indikator für Klärungsbedarf einer Situation herangezogen werden (Schiffauer, In: Muslime in Berlin S. 129). Daher ist die Kooperation mit politischen und gesellschaftlichen Akteuren teilweise stark behindert durch das generelle Misstrauen Muslimen und bestimmten Organisationen gegenüber. Schiffauer vermutet zudem, dass die Beobachtung einer Organisation nicht immer öffentlich kommuniziert wird, da bestimmte Organisationen große Schwierigkeiten haben, offizielle Kooperationen und Förderungen zu erlangen, auch wenn sie nicht in den Berichten des Verfassungsschutzes auftauchen (ebd. S. 129/130). Diese Umstände erschweren es Moscheegemeinden, innerhalb ihrer rechtlichen Gegebenheiten zu agieren und mit staatlichen, öffentlichen Trägern und weiteren Gemeinden zu kooperieren. Der rechtliche Rahmen der Moscheen in Deutschland ist durch die Frage der Anerkennung als Glaubensgemeinschaft, also durch die Frage nach der Körperschaft des öffentlichen Rechts, eingegrenzt. Somit sind auch die Möglichkeiten, in Kooperation Erwachsenenbildung aufzubauen und zu etablieren, begrenzt.

3.3 Warum Berliner Moscheen als Forschungsgegenstand

Unter den zugewanderten Erwachsenen kommt es nicht selten vor, dass aufgrund bestehender Verständigungsmöglichkeiten ein Gefühl des Fremdseins in der Gesellschaft auftritt und die Erwachsenen sich dadurch in ihre Privatsphäre zurückziehen (vgl. Handlungsfelder d. Zusammenarbeit mit islamischen Vereinen im Stadtteil, 2007, S. 11). Dies gilt allerdings eher für die erste Generation von Zuwanderern. Moscheen füllen diese Angebotslücke, indem sie oft niedrigschwellige Sprachkurse für Erwachsene mit muslimischem Background in vertrauten Räumlichkeiten anbieten. Die Nachfrage nach diesen Angeboten ist dementsprechend hoch. Die Mischung von Teilnehmenden verschiedener Herkunft gestaltet sich allerdings schwierig angesichts der zielgruppenspezifischen Ansprache (vgl ebd ., S. 12). Laut der Studie „Handlungsfelder der Zusammenarbeit mit islamischen Vereinen im Stadtteil“ von Riem Spielhaus sind die meisten Berliner, aber auch bundesweiten Moscheen in Dachverbänden organisiert, wie etwa im Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), dem Islamrat (IR), der Türkisch Islamischen Organisation der Anstalt für Religion (DITIB), die unter Verwaltung und Aufsicht des türkischen Staates steht und dem Verband Islamischer Kulturzentren. Diese bildeten 2007 den Koordinierungsrat der Muslime, um einen einheitlichen, sunnitischen und schiitischen, Ansprechpartner für den deutschen Staat zu gewährleisten (OSI, 2010, S. 42).

Der Großteil der muslimischen Gemeinden in Berlin, die an eine Dachorganisation angebunden sind, sind entsprechend nach ethnischer und/oder nationaler Herkunft organisiert. Wenige Vereine, wie der Dachverband Initiative Berliner Muslime (IBMUS) und andere individuelle Organisationen wie beispielsweise der Deutschsprachige Muslimkreis (DMK), der interkulturelle Verein Inssan e.V. und die Muslimische Jugend in Deutschland (MJD) (vgl. ebd. S. 42) sind unabhängig organisiert. Die übrigen kleineren Vereine machen ca. die Hälfte der muslimischen Gemeinden in Berlin aus. Die Hauptströmungen der muslimischen Vereine unterteilt Riem Spielhaus in a) Sunnitische Vereine (größte innermuslimische Strömung weltweit) mit Mitgliedern türkischer, arabischer, bosnischer oder pakistanischer Herkunft, b) Sunnitische deutschsprachige Gläubige, darunter Konvertit_innenen sowie Jugendliche der zweiten und dritten Generation, c) Schiitische Vereine (zweitgrößte innermuslimische Glaubensströmung weltweit) wie z.B. aserbaidschanische Schiiten, Iraner und libanesische Schiiten, d) Die Ahmadiyya-Lahore und die Quadiani Gruppe und e) die Aleviten. Auch der Schiitische Rat ist durch seine Zugehörigkeit zum Islamischen Rat der Ahl-ul-Bait Gemeinschaft Deutschland (IRAB), der wiederum zur Dachorganisation des Islamrats gehört, zentral vertreten (vgl. ebd., S. 42).

Aufgrund der bestehenden Rechtslage des Religionsrechts in der BRD ergibt sich, dass die Kirchen und auch der Zentralrat der Juden die Rechtsform der Körperschaft des öffentlichen Rechts innehaben. Diese anerkannte Körperschaftform ermöglicht es, die Angelegenheiten der Kirchen nach innen durch Kirchengesetze zu regeln. Die Möglichkeit des Kirchensteuereinzugs gegen eine Aufwandsentschädigung von staatlichen Finanzämtern, ohne dass von staatlicher Seite Kontrolle über deren Verwendung ausgeübt wird, ist gewährleistet. Diese Form der Anerkennung muslimischer Religionsgemeinschaften bleibt bislang, bis auf einzelne Ausnahmen in Hamburg, Bremen und Verhandlungen darüber in Berlin, aus (vgl. C. Möllers, 2008, S. 5). Es ergeben sich somit grundverschiedene Voraussetzungen, was die Frage der Finanzierung von Bildungsarbeit anbelangt sowie die Kooperationsbereitschaft mit dem Staat in Bezug auf diverse Handlungsfelder. Um dem Staat einen solchen Ansprechpartner zu bieten, haben sich die großen Dachverbände der Moscheen zum Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) zusammengeschlossen. Dieser entstand, um den Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) zu erlangen und um unter anderem bundesweit islamischen Religionsunterricht an Schulen anbieten zu können. Auch die Kirchen betonten 2006 in einer Arbeitsgruppe der EKD, dass Christen und Muslime für gute Nachbarschaft im Interesse der Kirchen, Muslimen der Status der Religionsgemeinschaften nicht versagt werden sollte (ebd., S. 10), welche die Dauerhaftigkeit der Organisation und eine angemessene Mitgliederzahl gewährleitstet. Diese wird nach Artikel 140 des Grundgesetzes, das ist Art. 137 Abs. 5 der Weimarer Verfassung, gegeben. Mit dem Status des KdöR gehen weitere Privilegien einher, die für die Religionsgemeinschaften von Wichtigkeit sind, wie beispielsweise in staatlichen Gremien mitzuwirken, wie etwa dem Rundfunkrat, dem Landesschulbeirat oder dem Jugendhilfeausschuss, oder eine Sonderstellung im Baurecht für Sakralbauten, die nicht dem Arbeits- und Sozialversicherungsrecht unterliegen (vgl. Eibensteiner, 1994, S. 184). An den Körperschaftsstatus sind zudem Vergünstigungen und Befreiungen im Steuer-, Kosten- und Gebührenrecht gebunden, die mit einem hohen Grad an organisatorischer Unabhängigkeit seitens staatlicher Mitwirkung verknüpft sind (vgl. Oebbecke, 2008, S. 55). Diese Faktoren spielen in unterschiedlicher Weise direkt und indirekt in die Möglichkeit, eine auf Augenhöhe mit den Kirchen gestaltete Erwachsenenbildung an Berliner Moscheen zu implementieren, hinein. In der Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge heißt es (Muslimisches Leben in Deutschland, 2010, S. 21):

„(2) Integration ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess, dessen Gelingen von der Mitwirkung aller Bürgerinnen und Bürger abhängt. Erfolgreiche Integration setzt sowohl das Angebot an die Bevölkerung mit Migrationshintergrund zur Beteiligung als auch den Willen und das Engagement der Menschen mit Migrationshintergrund zur Integration voraus. Art und Umfang der Partizipationsmöglichkeiten und der Integrationsförderung richten sich nach dem rechtlichen Status und dem Bedarf der Menschen mit Migrationshintergrund!“ (Gesetz zur Regelung von Partizipation und Integration in Berlin, S. 2, 2010 Artikel I Partizipations- und Integrationsgesetz des Landes Berlin (PartIntG) §1 Ziele und Grundsätze des Gesetzes.).

Für den Berliner Kontext sind vor allem die repräsentativen Studien zum islamischen Gemeindeleben und die Statistiken zu Muslimen in Europa vom Open Society Institut veröffentlichten Studien „At home in Europe“ - Muslime in Berlin, Muslime in Hamburg, Muslime in Europa 2010 und von Alexa Färber und Riem Spielhaus von 2006 zu nennen. Diese Untersuchungen geben einen recht vollständigen Überblick über die Aktivitäten islamischer Gemeinden und Gebetsräume und ihrer Alltagserfahrungen, sowie Identitäten Berliner Muslime. Sie spiegeln das Innenleben muslimischer Organisationen und Erlebniswelten von Muslimen unter unterschiedlichen Sichtpunkten. Die Erhebung von Riem Spielhaus aus dem Jahre 2006 und dem Jahre 2012 zu Moscheen und Angeboten von Moscheegemeinden, lässt zudem einen Einblick in die Vielfalt und Erwachsenenbildungs-Angeboten Berliner Moscheen zu. Im Laufe der Jahre haben sich zunehmend auch Kooperationen zwischen Moscheegemeinden und weiteren Trägern des Senats, der Kirchen und sogenannten freien Trägern insbesondere auf Bezirksebene entwickelt. Islamische Vereine, auf deren Basis die Moscheegemeinden organisiert sind, nicht organisierte Muslim_innen, die Zivilgesellschaft und staatliche Einrichtungen organisieren in losen Zusammenschlüssen mit Initiativen und Projekten ein vielfältiges Handlungsspektrum, um gesamtgesellschaftliche Fragestellungen zu bearbeiten und sich politisch wie sozial zu engagieren (Handlungsfelder der Zusammenarbeit mit islamischen Vereinen im Stadtteil, 2007 S. 7). Bei Projektkooperationen in Bereichen wie Kultur, Bildung und Soziales zur Förderung der Integration steht die Frage nach dem öffentlichen Interesse des islamischen Vereins im Mittelpunkt. Wird die Förderung von Kursen oder kulturellem Angebot aus öffentlichen Mitteln angestrebt, darf eine Förderung aufgrund der Neutralitätsverpflichtung des Staates nicht für die reine religiöse Kulturausübung verwendet werden (ebd. S. 9f). Die meisten Moscheegemeinden bestreiten ihre Finanzierung aus Mitgliedsbeiträgen, die nicht die Anzahl der tatsächlichen Vereinsnutzer_innen widerspiegelt. Daraus entstehende Einnahmen sind zu gering, um tatsächliche Ausgaben zu decken[2]. In der genannten Studie zu Vereinsarbeit und Kooperationen in Moscheegemeinden sind für 2007 32 exemplarische EB-Angebote aufgeführt, die von Deutschkursen, Computerkursen, Nähwerkstätten und Elternarbeit über Berufsvorbereitung insbesondere für Frauen und Informationen über die Ausbildung bei der Polizei und für die Polizei, angebotene Fortbildungen in interkultureller Kompetenz, Wahlvorbereitungen, Runde Tische, Umweltschutzaktionen etc. bis hin zu einem breiten Angebot an Jugendarbeit reichen. Eine enge Zusammenarbeit hat sich hier zwischen den Moscheegemeinden und den Quartiersmanagements herausgebildet (ebd. S. 12 ff).

4 Untersuchungsgegenstand

4.1 Auswahl der Moscheen

In Berlin gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Moscheen, die entweder wie oben erwähnt zu Dachverbänden zugehörig oder unabhängig organisiert sind. Nur ein vergleichsweise geringer Prozentsatz der Muslime fühlt sich von den großen Vereinen auch tatsächlich vertreten:

„Laut seiner Erhebung organisieren die verbandsunabhängigen Gemeinden die meisten Muslime nach DİTİB. Nach der oben bereits erwähnten BAMF-Befragung fühlen sich demgegenüber nur 23% der Interviewten von mindestens einem der in der ersten Auflage der DIK berücksichtigten Verbände DİTİB, Islamrat, VIKZ, ZMD und AABF vertreten, weitere 19% fühlen sich von einem dieser Verbände „teilweise“ vertreten (Stichs/Haug/Müssig 2010, S. 132, In: Islamisches Gemeindeleben in Deutschland 2012, S. 39).

Im Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung, einer weltweiten, religionswissenschaftlich orientierten Repräsentativstudie, so heißt es weiter, wurden 2008 auch 2.000 deutsche Muslime befragt und einer Sonderauswertung unterzogen. Diese ergab, dass nur 42% der als hochreligiös eingestuften Befragten (41% der Stichprobe) regelmäßig eine Moschee besuchen (vgl. Thielmann, 2008, S. 6-7, In Islam. Gemeindeleben in D. 2012, S. 39). Andererseits ist die Erfahrung vorhanden, dass auch Muslime, die weniger religiös sind, die Moschee zu bestimmten Anlässen wie Beschneidungsfeiern, Hochzeiten, Beerdigungen, oder als Ort der Gemeinschaft aufsuchen. Aufgrund der nicht erforderlichen Mitgliedschaft in vielen Gemeinden sind die Zahlen der tatsächlich zugehörigen Mitglieder einer Gemeinde nur schätzbar. Häufig ist nur ein Familienmitglied im Verein registriert und die ganze Familie ist aktiv in der Gemeinde beteiligt.[3]

Gemeinden und ihre Verbände stehen häufig unter dem Druck, ihre Tätigkeit nicht nur gegenüber ihren Mitgliedern und Nutzern, sondern auch gegenüber weiteren sozialen Akteuren zu rechtfertigen, z. B. gegenüber staatlichen Stellen oder anderen Akteuren im Herkunfts-, Aufnahmeland oder anderswo (vgl. ebd. S. 41). In der heutigen Zeit passen Gemeinden in Deutschland ihre Strukturen und Angebote, auch bedingt durch die generationalen Veränderungen, oftmals wechselnden Erwartungen ihres Umfeldes und der Klientel sowie den sich stetig wandelnden Gegebenheiten der Gesellschaft an. Betroffen ist davon zum Beispiel die Ausbildung der Imame, die aufgrund von Vergleichen mit Kompetenzen und Zuständigkeiten der Pfarrer in Deutschland komplexer geworden ist, da diese hier beispielsweise auch als Seelsorger und Sozialberater fungieren.[4] Je nach Zugehörigkeit der Verbände entstehen dadurch auch teilweise Loyalitätskonflikte mit den Herkunftsländern, beispielsweise im Falle der DITIB. Allerdings ergeben sich aktuell Neuerungen dahingehend, dass sich die DITIB unabhängiger von ihrer Ursprungsorganisation, der Diyanet in der Türkei, erklärt. Auch sind die DITIB-angebundenen Moscheen in Deutschland voneinander unabhängiger als in der Türkei. In der Şehitlik-Moschee in Berlin Neukölln beispielsweise fanden jüngst Wahlen eines Frauenvorstands statt, in denen die Unabhängigkeit der Gemeinde betont wurde.

Über die Zahl der Moscheen in Deutschland gibt es kaum statistische Erhebungen. Eine Schätzung von 2009 von Statista gibt eine Zahl von ca. 3.000 an. Darunter fallen Gebetsräume und sichtbare Moscheebauten (Statista online 26.11.2014). In Berlin gehen die Schätzungen auseinander. Da aufgrund der Gastarbeitergeschichte die meisten Moscheen der Einfachheit halber als Wohnräume umfunktionierte Gebets- und Gemeinderäumlichkeiten waren und immer noch sind, ist nicht durchgehend eindeutig, wie hoch die tatsächliche Anzahl ist. Aus verschiedenen Internetquellen, in denen Moscheen in Berlin auffindbar sind, liegt eine variierende Anzahl von ca. 90-106 Moscheen vor.[5]

Der Erforschung der Bedeutung der islamischen Gemeinden und ihrer Angebote hat sich erstmals intensiv eine Studie vom 19.4.2012 angenommen - gefördert von der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung, initiiert von der Deutschen Islam Konferenz und getragen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit dem Titel „Islamisches Gemeindeleben in Deutschland“ (2009).

4.2 Fallbeispiele

Nach Sichtung der nach Bezirken aufgelisteten Moscheen und den in Berlin vertretenen Dachverbänden auf der Website des interkulturellen Vereins Inssan e.V. ergibt sich folgende Aufzählung und Auswahl:

64 Moscheen, 6 in Berlin vertretene Dachverbände, 16 weitere Gebetsräume/muslimische Selbstorganisationen. Insgesamt sind ca. 86 muslimische Vereine, Orden, Gemeinden und Verbände in Berlin ansässig.

Nach eingehender Recherche der Internetpräsenzen und Gesprächen mit einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin von Inssan e.V., einem Verein, der die ungefähre Anzahl mit Internetseiten der Moscheen in Berlin erforscht hat, ergab sich eine engere Auswahl von vorerst zwölf Moscheen. Die Auswahl erfolgte anhand der Begutachtung von Internetpräsenzen der jeweiligen Moscheen. Auswahlkriterien waren deutschsprachige Internetseiten und Ansprechpartner, damit das Verständnis der Sprache gewährleitstet ist und ein ausreichendes Angebot an nicht-religiösen Bildungsangeboten für Erwachsene neben den gängigen religiösen Bildungsangeboten vorhanden ist. In die engere Vorauswahl fielen folgende Moscheen:

-Şehitlik-Moschee in Berlin Neukölln (Zugehöriger Dachverband: DITIB)
-Deutscher Muslim Kreis (DMK) in der Bilal-Moschee in Berlin Wedding
-Haus der Weisheit in Berlin Mitte
-Haci Bayram Moschee e.V. in Berlin Mitte
-Islamisches Kulturzentrum Berlin e.V. Al Markaz in Neukölln
-Neuköllner Begegnungsstätte-Moschee und Kulturzentrum in Berlin Neukölln
-Yunus Emre Camii in Berlin Mitte
-Islamisches Kulturzentrum der Bosniaken in Berlin
-Aksemsettin Camii
-Ayasofya Moschee
-NBS Neuköllner Begegnungsstätte

Als besonders geeignet und offen für Auskunft und Gespräche haben sich, wie eingangs erwähnt, die Şehitlik-Moschee in Berlin Neukölln und der Deutsche Muslim Kreis (DMK) in Berlin Wedding gezeigt. Im weiteren Vorgehen wurden mit Vertretern der Şehitlik-Moschee Interviews zu den von ihnen angebotenen Erwachsenenbildungsveranstaltungen geführt und Programme erfasst.

4.2.1 Şehitlik-Moschee

Die Geschichte der Moscheegemeinde der Şehitlik-Moschee geht auf die diplomatischen Beziehungen der Osmanen und Preußen im 18. Jahrhundert zurück und ist aufgrund einer Schenkung des damaligen Königs Friedrich Wilhelm III. heute Eigentum des türkischen Verteidigungsministeriums. In den 1960er Jahren gründete sich auf dem alten Friedhof die erste Moscheegemeinde, zur DITIB zugehörig. Erst 1999 wurde der Grundstein für den aktuellen Moscheebaukomplex gelegt. Dieser setzt sich zusammen aus einem Moscheebau, der der osmanischen Architektur des 16./17. Jahrhunderts nachempfunden ist. Zum Gebäudekomplex gehören aktuell eine Teestube, ein Reisebüro mit Bestattungsinstitut und Buchhandel, Büroräumlichkeiten und Kellerräume, die als Veranstaltungsort genutzt werden. Im Jahr 2015 wurde ein weiterer Anbau fertig gestellt, in dem eine Bibliothek, Tagungsräume, Büroräume, eine Teestube und Sporträumlichkeiten eingerichtet worden sind.[6] Die Moschee bietet mit etwa 2.800 qm Platz für 1.500 Gläubige. Zur Gemeinde gehören offiziell, nach Aussagen des Vorstandes, etwa 250 Mitglieder. Die Erhebungen der Bildungsangebote sind nur im begrenzten Rahmen möglich, da Aufzeichnungen hierzu erst seit etwa fünf bis sechs Jahren und über einen langen Zeitraum nur handschriftlich festgehalten wurden. Seit etwa drei Jahren existiert eine in deutscher Sprache repräsentative Homepage. Daten werden folglich durch Interviews mit dem Vorstand der Moschee und den archivierten Veranstaltungen der Homepage sowie der Facebook-Seite erhoben.

4.2.2 Deutscher Muslim Kreis (DMK) Berlin

Der DMK in der Bilal-Moschee in Wedding ist seit den 90er Jahren existent.

Nach Angaben der Homepage widmet sich der Verein hauptsächlich der Unterstützung des innermuslimischen Dialogs und der Bildung, ist aber seit einigen Jahren vermehrt in der Öffentlichkeitsarbeit zum interreligiösen Dialog (z.B. Tag der offenen Moschee) und weiteren Bildungsangeboten wie Vorträgen und sozialen Aktivitäten zur Förderung des Miteinanders in der Gesellschaft aktiv.[7] Hervorzuheben ist, dass das gesamte Bildungsangebot in deutscher Sprache stattfindet. Bis heute ist das eher die Ausnahme an Berliner Moscheen. Der DMK führt eine interne Gemeindezeitung, die über Aktivitäten und Aktuelles des Vereins informiert.

5 Theorie und Empirie

5.1 Methodisches Vorgehen - Interviewverfahren

- : Als Interview wird eine verabredete Zusammenkunft bezeichnet, die sich in der Regel als direkte Interaktion zwischen zwei Personen gestaltet, welche sich auf Basis vorab getroffener Vereinbarungen und damit festgelegter Rollenvorgaben als Interviewender und Befragter begegnen (vgl. In: Frieberts-häuser, Barbara; Langer, Antje; Prengel, Annedore (Hrsg.) Barbara Frieberthäuser, 2010).

Die Untersuchung für die Masterarbeit basiert auf zwei leitfadengestützten Experten_innen-Interviews mit Vorstandsvorsitzenden und Konstruktinterviews mit Erwachsenenbildner_innen der Şehitlik-Moschee geführt werden. Die weitere Untersuchung basiert auf einer Programmerhebung und -analyse der EB-Programme der Şehitlik-Moschee. Mit Hilfe der Interviews wird zusätzlich zur Programmerfassung ein Erwachsenenbildungs-Begriff definiert, für dessen Vergleich die klassische Definition der Erwachsenenbildung nach Faulstich und Zeuner herangezogen wird. Gedächtnisprotokolle unterstützen die Leitfadeninterviews.

Um den richtigen Zugang zum Forschungsfeld zu erhalten, ist das Experteninterview als Interviewform gewählt.

- eignen sich in der Untersuchung, um Daten, Fakten und interne Abläufe innerhalb einer Institution zu erheben. Das Interview ist leitfadengestützt mit offenen Fragen. Die Befragten können so frei antworten. Die Experteninterviews eignen sich hier, da sie in Kombination mit der Programmerfassung ausgewertet werden und nicht einziges Mittel der Datenerhebung sind. Interviewmaterial, das anhand spezieller Interviewmethoden erhoben wurde, ermöglicht auch entsprechend zugeschnittene Auswertungsverfahren und schließt wiederum andere Interpretationsverfahren aus.

Durch die Technik des Leitfadeninterviews wird durch bestimmte Fragen das Thema erarbeitet. So werden einzelne Themenkomplexe vorgegeben und die Interviewthematik eingegrenzt. Eine gewisse Vergleichbarkeit der Interviews ist somit gegeben. Leitfadeninterviews können schlicht der Sammlung von Daten und Informationen zu einem Themenkomplex dienen, darüber hinaus können sie aber auch der Hypothesen- oder Theorieprüfung oder der Entdeckung gegenstandsbezogener Theorien dienen. Da bei der Autorin durch die Eruierung der Daten via Webseiten und Archiven und durch die eigene langjährige Erfahrung in diesem Feld ausreichend Wissen theoretischer und empirischer Kenntnisse bestehen, lassen sich Leitfragen hierauf erleichtert formulieren.

Zum Leitfadeninterview sind vier Grundgedanken aufgezählt, die den Einsatz der Methode rechtfertigen:

1) Problemzentrierung - Bezug zum Thema (in diesem Falle Erwachsenenbildung in Moscheen), Betonung der Sichtweise der Befragten, deren Relevanzkriterien es zu rekonstruieren gilt,
2) Gegenstandsorientierung – Methodische Verfahren werden gegebenenfalls am Gegenstand entwickelt und modifiziert,
3) Prozessorientierung – Schrittweise und wechselseitige Gewinnung und Prüfung von Daten und
4) Erkenntnisgewinn als ein induktives-deduktives Wechselverhältnis

Für die Vorbereitung wird ein Kurzfragebogen angefertigt. Er enthält demographische Daten der Befragten, um das eigentliche Interview von diesen Frage-Antwort-Schemata zu entlasten. Nachfragen, Spiegeln des Gesagten, Verständnisfragen, Interpretationen oder Konfrontationen mit Widersprüchen und Ungereimtheiten sind bei der Leitfadeninterview-Form (Witzel 1982) explizit erlaubt und werden für die Zielführung als geeignet eingestuft und daher als Interviewtechnik miteinbezogen (In: Interviewformen und Interviewpraxis, Barbara Frieberthäuser, Antje Langer, 2010, S. 442f). Für die Auswertung fließen verschiedene methodische Zugänge zusammen, wobei sich das Auswertungs- und Analyseverfahren hauptsächlich auf die Programme bezieht. Die Auswahl der Personen erfolgt anhand von Zuständigkeiten, die der Autorin bekannt sind. Angesprochen werden die Interviewten über informelle Wege, da die Autorin mit beiden Vorstandsvorsitzenden langjährigen Kontakt pflegt und teils in Aktivitäten der Moscheen mit eingebunden ist. Hier stellt der informelle Kontakt einen Vorteil für die Interviewführung dar.

Die Konstruktion von Bildungswirklichkeit soll hier ebenfalls reflektiert und verglichen werden. Die Interviews werden in den Räumlichkeiten der Moscheen und bei der Theologin Emine Erol zu Hause geführt, um eine für die Interviewten vertraute Atmosphäre zu schaffen. Die Interviews dienen einerseits der Unterstreichung herausgefilterter Erkenntnisse der Programmerfassung und –analyse, gleichzeitig dem besseren Verständnis der Konstruktion von Bildungswirklichkeit.

5.2 Programmerfassung und -analyse

Aufgrund der Sichtung der Internetpräsenzen der verschiedenen Moscheen ist ein eher geringes Angebot an Bildungskursen sichtbar geworden. Gleichzeitig ist nach Sichtung der Bildungsangebote der Şehitlik-Moschee erkennbar geworden, dass ein qualitativ und quantitativ hochwertiges Angebot an Erwachsenenbildungs-Veranstaltungen an dieser Moschee existiert.

Angewandt wird eine Programmerfassung mit anschließender Analyse, wobei es sich bei dieser um eine Kombination aus quantitativer und qualitativer Analyse handelt, um möglichst umfassend bei gleichzeitig begrenztem Datenmaterial auswerten zu können.

5.2.1 Zur Theorie der Programmanalyse als Methodik der Masterarbeit

Begriffserklärung: Programme sind in der Erwachsenenbildung öffentliche Ankündigungen von Lehr-/Lernangeboten und anderen Leistungen, die vornehmlich der Information über aktuelle Angebote, Kundenwerbung, aber auch der Selbstdarstellung der Anbieter und Legitimation ihrer Arbeit dienen. Auch über die unterschiedlichen Bildungsbedürfnisse potenzieller Teilnehmer_innen aufgrund von Erfahrungen, Erkundungen und eigenen Bildungsvorstellungen sind Programme Auskunft gebend. Dabei sind Inhalte, Umfang, Präsentationsformen und Zugänglichkeiten forschungsrelevant (vgl. Nolda, 2010, S. 293). Die Archivierung von Programmen hilft dabei, die sich stetig verändernde und flexible Weiterbildungslandschaft festzuhalten. Die Analyse von Programmen ermöglicht es, Einblicke in die Bildungspraxis zu erhalten. Sie sind aus analytischer Sicht Einblicke in zeitgeschichtliche materialistische Ausdrucke gesellschaftlicher Auslegung von Bildung (Gieseke und Oppelt 2003, S. 46, in Käpplinger 2008, S. 3). Jedes Programm ist eine dokumentierte Momentaufnahme eines langfristigen Prozesses, in dem sich Angebot und Bildungsinteressierte wechselseitig beeinflussen (Henze 1981 in Käpplinger, S. 36-37, S. 3). Programmanalysen sind Scharnierstellen zwischen Profession und Institution, Angebot und Nachfrage (Käpplinger 2008, S. 4).

Interessant für die Forschung der Masterarbeit sind hier auch Diskrepanzen zwischen Ausschreibungen und tatsächlich durchgeführten Angeboten, die eventuelle idealisierte Bildungsvorstellungen beschreiben. Bezogen auf die Programmerfassung und Analyse der Moscheen ist insbesondere die eigene Konstruktion von Bildung von Interesse. Diese Definition ist hier lokal und zeitlich begrenzt. Gefragt wird nach der Bildungsintention, die eventuell religiös begründet wird. Die Bildung ist im Kontext und in Kooperation der Akteure der Gesamtgesellschaft Gegenstand des Interesses. Da Programme keine Beurteilung der abgelaufenen Bildungsveranstaltungen erbringen, sind Interviews als Unterstützung wichtig, um dem Bildungsverständnis der Moscheen näher zu kommen. Dieses Verständnis könnte ein anderes sein als das der Einrichtungen selbst und deren Vorstellungen zu Bedürfnissen und der Ansprechbarkeit ihrer Zielgruppen (vgl. Nolda 2010, S. 293). Programme geben lediglich den Bereich der non-formalen und formalen, nach Angebotsmodell arbeitenden Erwachsenenbildung wieder. Den Bereich der informellen Bildung deckt dieser nicht ab. Selbstorganisierte Angebote und die auf Nachfrage entwickelten selbstorganisierten Initiativen und Angebote (der Moschee) fallen somit normalerweise weg (vgl. ebd., S. 193). Gerade in Moscheen werden jedoch auch Bildungsangebote nonformal organisiert und durchgeführt. Sie werden in der Analyse berücksichtigt.

Die Programmanalyse ist ein Verfahren, das in ihrer Entwicklung und Nutzung als Methode der Erwachsenenbildung hauptsächlich auf entsprechende Arbeiten der 1957 gegründeten Pädagogischen Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschul-Verbands, jetzt Deutsches Institut für Erwachsenenbildung, zurückgeht (vgl. Nolda. S. 294). Archive böten hier die Möglichkeit, den aktuellen Stand des Angebots und Angebotssegments von Institutionen zu bestimmen, sie zu lokalisieren und Entwicklungen zu belegen respektive zu analysieren. Dies gilt für die Şehitlik-Moschee nur peripher, da hier kaum Programmerfassungen vorliegen. Die mittelbare Programmanalyse untersucht über die Sekundäranalyse, also über die Auswertung schon vorhandener statistischer Erhebungen oder Befragung von Programmverantwortlichen. Sie kommt für die Untersuchung aufgrund fehlender vorhandener Auswertungen nur peripher in Form von Interviews von Programmverantwortlichen in Frage.

5.2.2 Unmittelbare Programmanalysen

Hier liegt das Augenmerk auf der Analyse gedruckter Programme und im Internet veröffentlichter Programme. Es können nicht nur Angaben in den einzelnen Ankündigungstexten ausgewertet werden, sondern auch die graphische und visuelle Gestaltung, allgemeine Erläuterungstexte, Grußworte und/oder Werbung. Dies kann im Falle der Moschee genutzt werden, da die Veranstaltungen im Netz auf der Webseite und auf Facebook veröffentlicht werden. Fokus der unmittelbaren Programmanalyse sind Texte zu den geplanten Veranstaltungen. Zur Analyse der Texte können Varianten der Inhaltsanalyse angewendet werden, und zwar sowohl quantitativ als auch qualitativ (ebd. S. 298). Die quantitative Inhaltsanalyse wertet dabei Bedeutungsträger aus, wie beispielsweise schriftliche Texte, die als Indikatoren für externe Sachverhalte angesehen werden, und zieht Schlüsse, die über die Analyse hinaus verallgemeinerbar sein sollen. Es geht hierbei „um die systematische Identifizierung von Aussage-Elementen und deren Zuordnung zu vorher festgelegten Kategorien“ (ebd. S. 299). Dies wird ebenfalls in Bezug auf die Ausschreibungstexte der Veranstaltungen der Moschee angewandt.

Die Kategorienbildung ist zentraler Bestandteil jeder Analyse und wird meist in Ober- und Unterkategorien gegliedert, die die problemrelevanten Aspekte aufgreifen. In thematisch eingegrenzten Studien wie der vorliegenden lohnt es sich eher, mehr Unterkategorien und weniger Oberkategorien zu bilden. Dies wird auch in der Forschung zur Masterarbeit angewandt. Der Vorgang verläuft wie folgt: Kategorien werden aufgrund der Fragestellung und der theoretischen Vorannahmen entwickelt, exemplarisch getestet und gegebenenfalls modifiziert. Kategorienbildung ist entweder deduktiv oder induktiv. Induktiv bedeutet von innen heraus, also anhand exemplarischer Pretests. Deduktiv meint von Vorarbeiten wie Fragestellungen und theoretischen Vorannahmen abgeleitet. Kategorien werden so formuliert, dass sie einander ausschließen. Klassische Inhaltsanalysen geben Auskunft über Häufigkeiten, Bewertungsausprägungen wie pro-contra-neutral bzw. Bewertungsintensitäten oder über den Textzusammenhang. Aus diesem werden spezifische sprachliche Elemente über quantitative Programmanalysen, meist Häufigkeiten und Verteilungen ermittelt. Für die vorliegende Forschungsarbeit ist der deduktive Ansatz gewählt.

5.3 Interpretationen

Die induktiven und deduktiven Programmraster können durch wortwörtlich wiedergegebene und interpretierte Zitate aus Ankündigungen, die jeweils wieder zur Kategorienentwicklung anregen können, ergänzt werden. Die Texte können mehrdeutig interpretiert werden, quantitative und qualitative Methoden können also kombiniert werden und sich ergänzen.

Die qualitative Analyse bezieht sich auf die Hypothesenfindung in der Einzelfallforschung. In der vorliegenden Untersuchung wird der quantitative Ansatz in Form von Klassifikationen der Programme angewandt. Es werden die Programmauswertung und die Aussagen ergänzt. Zusätzlich ist es von Interesse, auch eine qualitative Untersuchung von Einzelfallstudien in der vorliegenden Arbeit vorzunehmen. Hier könnten auch Bildelemente berücksichtigende semiotisch-textanalytische und struktural-hermeneutische Zugänge berücksichtigt werden, um auch kleine Datenmengen auszuwerten, die eher auf untergründige, nicht intentionale indirekte Aussagen oder Haltungen abzielen - dies könnte eine interessante Anschlusstätigkeit sein. Es ist zu fragen, ob aus den Flyern weitere Erkenntnisse formuliert werden könnten. Dies wäre im Anschluss an die vorliegende Arbeit möglich.

5.4 Probleme und Desiderata

Es muss klar sein, dass die Untersuchung eine Einzelfalluntersuchung ist, die nicht übertragbar ist auf andere Moscheen oder andere Regionen bzw. nur bedingt, da die Beispielmoschee jeweils spezifisches Untersuchungsobjekt im Gesamtfeld der Moscheenlandschaft Berlins und Deutschlands darstellt. Um keine eigenen Interessen miteinwirken zu lassen, wird die Offenlegung und Reflexion von Abhängigkeiten miteinbezogen.

Programmforschung geht aus der Beobachterperspektive an bestehende Programme heran und wertet diese aus. Dabei können Faktoren wie Themen, Ziele, Zielgruppen, Organisationsbedingungen, didaktische Arrangements u.a. Auswertungsparameter sein. Je nach Forschungsfrage werden unterschiedliche Parameter gesetzt bzw. gesucht und daraufhin, je nach Auswertungsmethode, geclustert. Hieraus soll das Bildungsverständnis der Einrichtungen für die Masterarbeit exzerpiert und definiert werden (Inhaltsanalyse webbasierter Informationsangebote aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht-Luzar, 2004).

6 Zur Geschichte und Theorie bzw. Definition der EB mit Bezugnahme auf die Moscheen

6.1 Zur Geschichte der Erwachsenenbildung

Im Kontext der Moderne scheint es, als lägen die Anfänge der Erwachsenenbildung in der Aufklärung. Allerdings, so Lash (1996), kann man an der Tradition der Aufklärung nur festhalten, wenn man aus der Position der „Metamoderne“ argumentiert, welche die Kritik am naiven Fortschrittsglauben aufnimmt und dennoch reflexiv nach den Bedingungen von Mündigkeit fragt (vgl. ebd. S218). Demnach wird man auch die EB mit ihrer Historie interpretieren und sie und ihre Entwicklung in den Kontext der Entfaltung des Kapitalismus und der bürgerlichen Demokratie stellen. Daher werden auch die bürgerlichen Lesegesellschaften oft als erste intentionale Form von EB genannt. Im Vormärz (1815) kam die Arbeiterbildung dazu, welche, bezogen auf die gesellschaftlichen Verhältnisse des Kaiserreichs, die Interessen der Arbeiterschaft im Spannungsfeld von Integration und Kritik aufnahm. Nach 1918 dominierte eher eine zivilisationskritische Haltung, die individuelle und nationale Probleme aufwarf.

Die Institutionen der „freien Volksbildung“ wurden dann, unter dem Erstarken des Nationalsozialismus, schnell der Deutschen Arbeitsfront einverleibt. Nach 1945 wird die EB in sechs Phasen eingeteilt.

1. Erziehung zur Demokratie als Lebensform - Re-education nach 1945
2. Brauchbarkeit, Partnerschaft und Mitbürgerlichkeit
3. „Realistische Wende“, Qualifikation und Integration
4. Kritik und Emanzipation
5. Pragmatismus und Konsens
6. Arbeitsorientierte politikbezogene Erwachsenenbildung

Die Re-education-Politik bestand vor allem aus den Zielen Entmilitarisierung, Entnazifizierung und weitgehende Umgestaltung des deutschen politischen Lebens auf demokratischer Grundlage. Dieses Re-education-Konzept mit dem Ziel des Transfers politischer Kultur wurde nicht realisiert (Zeuner 2000, in Zeuner Faulstich, 2008, S. 220). Der Beginn des kalten Krieges bewirkte eine Neubestimmung der Strategien der Besatzungsmächte. An die Stelle der Umerziehung trat eine Politik des Zusammenwirkens mit wiedererstarkten Machtgruppen in Deutschland. Es erfolgte eine Restauration des Bildungsbegriffs und eine Zurücknahme umfassender Demokratiekonzepte. Es entwickelte sich ein Demokratiekonzept, das mehr von Sicherheit und Ordnung ausging als von den Vorstellungen individueller Rechte und Freiheiten. Die pragmatische Philosophie fragt später nach den Konsequenzen eines Handelns und entwickelt eine „Verantwortungsethik, die neben den Motiven und Zielen des Handelns auch die Folgen dessen, was wir tun, in die Verantwortung einbezie[hen]“ (Oetinger 1956, S.129; in Zeuner, Faulstich, S. 221). Das Jahr 1960 markiert einen Wendepunkt der Diskussion. Hier wird „Zur Situation und Aufgabe der deutschen EB“ des Deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen ein viel zitierter Bildungsbegriff verwendet:

„Gebildet im Sinne der Erwachsenenbildung wird jeder, der in der ständigen Bemühung lebt, sich selbst, die Gesellschaft und die Welt zu verstehen und diesem Verständnis gemäß zu handeln“ (Deutscher Ausschuss 1960, S. 20; in Z.F. S. 223).

Durch die Umstrukturierung der Wirtschaft in den 50er Jahren mit dem Ausbau des Dienstleistungssektors kamen Anstiege von Arbeitslosenzahlen bei gleichzeitig erhöhtem Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften auf. Es kam zu einer deutschen „Bildungskatastrophe“. So lösten sozialpolitische Diskussionen Mitte der 60er Jahre einen Schub kultureller Modernisierung aus (Zeuner, Faulstich, S. 224). Die EB wurde von nun an bildungsökonomisch und arbeitsmarktpolitisch begründet. Es entstanden abschlussbezogen der „Dritte Bildungsweg“, die Volkshochschulen mit Baukastensystem und der Strukturplan des Deutschen Bildungsrates als ein aufeinander bezogenes Gesamtsystem. „Weiterbildung wird hier als Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase bestimmt“ (Siebert 1968, S 197, in Z.,F. S. 224).

Es wird von beruflicher und nicht beruflicher Bildung gesprochen. In den 60er Jahren fand bezogen auf die Konzepte der politischen Bildung eine verstärkte Rezeption der Sozialwissenschaften statt. Es ging darum, Einsichten zu politischen Prozessen zu vermitteln und zu politischer Beteiligung zu befähigen.

6.1.1 Emanzipation als Ziel der EB

Das Thema Emanzipation wurde natürlich auch in der EB diskutiert und wirksam. Ein Forum dafür waren die Gewerkschaften, die Volkshochschulen und ihre Verbände. Es wurden Ziele formuliert wie: Chancengleichheit abzubauen, Partizipationsmöglichkeiten zu erweitern, die wachsende Komplexität und Informationsfülle zu bewältigen, Abhängigkeiten und Manipulationen durchschaubar zu machen und zu reduzieren, überflüssige Herrschaft und Auftragsautorität zu verringern, das Veränderungspotenzial zu stärken sowie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten zu verbessern. Klein (1970) sagt hierzu, EB sei zur Parteinahme für alle verpflichtet, deren Emanzipation durch die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse verhindert wurde (ebd. S 343). Titgens (1963, S. 6) sagt hierzu, politische Bildung müsse parteiisch sein zugunsten derer, die im bestehenden System benachteiligt sind.

Ende der 70er Jahre bildete sich der „deutsche Herbst“ als kritische Theorie. Der instrumentelle Charakter von Bildung wurde weiterhin betont. Er verstärkte sich in seinen Bemühungen um berufsbezogene Weiterbildung und die Zertifizierung von EB-Maßnahmen für die persönliche und ökonomische Verwendbarkeit. Die Lebenswelt des Einzelnen sollte weiter im Lehr-Lernprozess berücksichtigt werden, indem Selbsterlebtes und Selbsterfahrenes integriert wurden (Faulstich, Zeucner, S 228). Der Begriff Lebenswelt, der hier eine Rolle spielte, verweist auf die Relation zwischen den objektiven gesellschaftlichen Strukturen und subjektiven Erfahrungen und Handlungen. Diese Bewegung, die sich auch verstärkt der Berücksichtigung der Lernsituation der Erwachsenen annahm, wurde auch als „reflexive Wende“ bezeichnet (Schlutz 1992, in Faulstich,Zeuner S. 228). Es erfolgte ein zweigleisiger Weg zwischen sozialen Bewegungen und Qualifikationsanpassung. Zum einen ist eine Auswanderung aus den Bildungsstätten erfolgt. In Friedens-, Ökologie-, Frauen- und anderen Bewegungen wurden Defizite der institutionalisierten politischen EB aufgezeigt. Die Trennung von Lernen und Leben, die politischen Abhängigkeiten von Machtgruppen, die Verschulung, die Neutralitätsfiktion, die soziale Selektivität, die Überbetonung des Kognitiven und Vernachlässigung des Affektiv-emotionalen wurden thematisiert. Der Kontext der politischen Aktionen und Kampagnen erschwerte allerdings die notwendige Reflexion durch permanenten Handlungsdruck. Zum anderen wurde aber die herkömmliche Trennung zwischen beruflicher und politischer Bildung aufgebrochen.

Gegen Ende der 1980er Jahre stockte die groß angelegte Initiative für „Fortbildung, Umschulung, betriebliche Weiterbildung“ der Bundesagentur für Arbeit, die Arbeitslose in den Arbeitsmarkt integrieren sollte. Sie hat die Weiterbildungsszene in Richtung der beruflichen Bildung verschoben. Mitbestimmung in allen gesellschaftlichen Feldern wurde zum Gegenstand der politischen EB. Arbeitsorientierte politikbezogene EB versuchte sich in einer Verbindung von technischen, ökonomischen und politischen Ansätzen. In der Arbeitswelt gab es ein Hervorbringen des Politischen, das dem Prozess der Entgrenzung des Politischen aus dem öffentlichen Raum entsprach. Die Frage nach dem Verhältnis beruflicher zu politischer Bildung wurde neu aufgeworfen. Richteten sich die Konzepte von „Arbeiterbildung“ auf kollektive, solidarische Gegenwehr ging es in den Konflikten immer mehr um die Gestaltung von Arbeit unter dem Gesichtspunkt persönlicher, betrieblicher und gesellschaftlich sinnvoller Kriterien. Identifikationsansprüche gegenüber der eigenen Arbeit wurden immer wichtiger. An die Stelle kollektiver Kämpfe treten nun egoistische Karrierestrategien. Es geht weithin um Interessenvielfalt und darum, ihr gerecht zu werden, so Faulstich/Zeuner (vgl ebd., S. 230).

6.1.2 Situation und Perspektiven der EB

Nahezu alle Menschheitsfragen werden der EB zugewiesen. Nach wie vor liegt eine Expansion der Weiterbildungsteilnahme vor. Bis 2008 hat ein erhebliches Umfangswachstum stattgefunden, was die Teilnahme und die Angebote anbelangt. Gleichzeitig ist ein qualitativer Bedeutungszuwachs zu vermerken. Kaum eine gesellschaftliche Frage wird nicht an die Weiterbildung herangetragen (vgl. Faulstich, Zeuner, S. 232). Darin liegt gleichzeitig eine Überlastung, denn das Weiterbildungssystem ist kein Reparaturbetrieb für alle Defizite der Gesellschaft, so Faulstich/Zeuner. Fragen der Arbeitslosigkeit sind z.B. nicht allein über Weiterbildung zu lösen. Der Anteil traditioneller politischer Bildung ist weiter rückläufig. Mit dem Umfangswachstum von Weiterbildung differenziert und destabilisiert sich das Institutionensystem. Es verändern sich etablierte Träger und es entstehen neue. Es ist ein Transformationsprozess der Systemstrukturen und des Institutionenspektrums entstanden. Der Begriff „mittlere Systematisierung“ hat Anklang als Bezeichnung für die Situation gefunden. Hier geht es darum, nicht zu verharren in entweder einer völligen Regulation über den Markt oder einer extrem starken staatlichen Steuerung andererseits. Faulstich/Zeuner beschreiben es mit den Worten:

„Das System der Weitebildung befindet sich in einem permanenten, flexiblen Prozess von Kristallisation und Verschwinden“(Faulstich, Zeuner, S 223).

Auch die europäische Integration nimmt seit Jahren Einfluss auf die bundesdeutsche Bildungspolitik. Hier geht es beispielsweise um die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen und Vereinheitlichungstendenzen.

Neue Tendenzen zu Netzwerken kooperativer Akteure mit Konstellationen von Interessen und Macht widerlegen das stereotype Bild einer klaren Trennung von Staat und Gesellschaft und Staat als höchstem Kontrollzentrum, so Zeuner und Faulstich. Die Problemlösungskapazität wächst hier durch eine dezentrale Form der Entscheidungsselektion und Handlungskoordination. Gebündelt werden können Gestaltungsansätze in einer profilorientierten Modularisierungsstrategie, die die Optionen für zentrale Reformimpulse in Richtung auf ein neues System lebenslangen Lernens aufnimmt (vgl. Faulstich, Zeuner, S. 242). Ausgehend von der profilorientierten Modularisierungsstrategie und den resultierenden Interventionschancen ergeben sich Entwicklungslinien eines zukünftigen Systems lebenslangen Lernens (vgl. Faulstich 1990, in Faulstich, Zeuner 2008. , S. 244). Zusammenhänge ganzheitlich zu begreifen, global zu denken und Solidarität mit der Weltbevölkerung zu entwickeln angesichts der Bedrohung durch Krieg und Zerstörung; Verantwortung gegenüber der Natur zu entwickeln, Gestaltbarkeit von Technik zu verstehen und entsprechende technische Kompetenzen für die Entwicklung von Alternativen zu erwerben; die Entwicklung von Persönlichkeit in der Arbeit zu ermöglichen und daraus die Identität für ein gelungenes Leben zu entfalten; den Umgang mit Zeit zu organisieren und sie sinnhaft einzusetzen - all das seien aktuelle Ziele in der EB. Weitere sind, Gewichte von Wertfragen zu durchschauen und aus gesellschaftlichen Interessen und Ideen den eigenen Sinn zu finden sowie Chancen von Partizipation zu ergreifen und daraus Engagement zu entwickeln, auch Konflikte demokratisch zu lösen. Das zentrale Bildungsproblem sei die Perspektive der Entfaltung von Persönlichkeit und seine Herausforderungen damit (vgl. ebd. S. 245). Dies betrifft in diesem Kontext auch die Moscheen, die Wertfragen abwägen, Demokratisierungsprozesse mitgestalten und am gesellschaftlichen Leben partizipieren. Die Punkte 7. und 8. der Arbeit gehen weiter darauf ein.

6.2 Das System der EB in Deutschland

Das System der Erwachsenenbildung in Deutschland ist nicht systematisch gestaltet wie z.B. das Schulsystem, sondern historisch bedingt durch eine Vielzahl von Interessen und Akteuren (Vgl. Zeuner, Faulstich, 2008, S. 181). Versuche zur Systematisierung der Institutionen müssen diese berücksichtigen. Dies erst ermöglicht einen Überblick über die gegenwärtige „Erwachsenenbildungs-Landschaft“ sowie einzelne Leitinstitutionen(-gruppen) und ihre Perspektiven. Erwachsenenbildungsentwicklung läuft unter langfristigen Tendenzen, die unter den Wörtern Professionalisierung, Curricularisierung und Institutionalisierung diskutiert werden, und andererseits unter internen Differenzierungen und Strukturierungen, die sich als spezifische Institutionen ausprägen. Der Begriff Institution wird meist gebraucht, um Ordnungen von Handlungszusammenhängen zu gebrauchen. Institutionen sind demnach ein Typ sozialer Systeme, der durch eine relative Stabilität geprägt ist. Sie weisen eine Regelmäßigkeit und gewisse Gleichheit auf, die durch verschiedene Faktoren stabilisiert wird. Diese sind rechtliche Regelungen, organisatorische Strukturen, wertbegründete Normen und Kommunikationsstrukturen.

6.3 Institutionensystem der Weiterbildung

Auf der Grundlage unterschiedlicher Konzepte und Traditionen ist in der EB ein breites Spektrum von Institutionen entstanden, die jeweils Partialfunktionen übernehmen. Sie konkurrieren oder kooperieren miteinander. Dieses Institutionenspektrum kann verschieden kategorisiert werden: nach Funktionsbereichen (allgemeine, politische, berufliche); nach inhaltlichen Programmschwerpunkten (sprachlich, technisch, kulturell usw.); nach Adressaten (Gewerkschafter, Ingenieure, Manager usw.); nach Zugangsform (offene, geschlossene) oder nach Rechtsform (Verein, Anstalt, GmbH usw.). Diese Klassifizierungsaspekte werden meist vermischt und vielfältig kombiniert, was dann zu einer Unübersichtlichkeit des Weiterbildungssystems beiträgt (Zeuner, Faulstich, 2008, S. 183).

Die Moschee ist als konfessionsgebundene Einrichtung unter den Bereich Interessenorganisation zu zählen und stellt damit einen partikularen und „freien“ Erwachsenenbildungsträger dar, da sie als Verein organisiert ist. Zwischen den Teilbereichen partikulare EB-Träger, betriebliche Bildungsabteilungen, Weiterbildungsunternehmen und öffentliche Erwachsenenbildungsträger bestehen Überschneidungsbereiche. Öffentliche und partikulare Träger kommerzialisieren sich, betriebliche Weiterbildungsabteilungen werden selbstständige Rechtsträger. Weiterbildungsunternehmen gehen gleichzeitig vielfältige Geschäftsbeziehungen mit den anderen Bereichen ein. Oft sind die Institutionen zu Legitimationsdiskussionen gezwungen, bei denen sie ihre Funktionalität für spezifische Interessen nachweisen müssen. Auch zum Lobbyismus werden sie gezwungen, um ihre eigenen Rahmenbedingungen zu sichern (vgl. ebd., S. 185). Dies gilt auch für die Moschee, da sie auf Gelder vom Staat und auf Kooperationen mit anderen EB-Einrichtungen angewiesen ist. Dies kann, muss aber nicht destabilisierende Konsequenzen haben. Das trifft nur in dem Fall zu, wenn der thematische Rahmen, der durch staatliche Gelder gesetzt ist, zu eng gefasst wird, was meist nicht der Fall ist, da Themen der Veranstaltungen häufig mit der Moschee abgesprochen und angepasst werden. Das Aktivitätsspektrum kann umgekehrt durch Förderung öffentlicher Mittel erweitert werden. Zu fragen ist auch, ob die Moschee eine klassische EB-Einrichtung ist oder, wie viele kirchliche Einrichtungen, eine Einrichtung, die EB anbietet also ein Bedingungsgefüge, das das organisierte Lernen von Erwachsenen nicht nur hin und wieder, sondern stetig anbietet (vgl. Weinberg 1985, 90; In Faulstich, Zeuner 2008, S. 186). Dies ist seit etwa drei Jahren aufgrund der kontinuierlichen Angebote zu bejahen (siehe Punkt 7. und 8.).

6.4 Konfessionelle EB

6.4.1 Katholische EB

Die katholische EB Mitte des 19. Jahrhunderts sah seine Arbeit als Antwort sozial engagierter Personen und Repräsentanten auf die verstärkt einsetzende Industrialisierung und ihre gesellschaftlichen Folgen (vgl. Faulstich, Zeuner, S. 196). Der Volksvereins für das katholische Deutschland war eine Institutionalisierung, die daraufhin gegründet wurde.

„Er war der erste katholische Verein, der sich explizit der extensiven Volksbildung zuordnete und gleichzeitig den Katholiken eine konfessionelle Identität bieten wollte, die aufgrund des Kulturkampfes unter Bismarck gefährdet war“ (Uphofff 1991, in Faulstich, Zeuner, 2008 S. 196).

Ähnlich ist es mit der Şehitlik-Moschee, die zwar nicht der erste muslimische Verein ist, aber dennoch Volksbildung und gleichzeitig den Muslimen eine konfessionelle Identität anbietet.

Ziel war es, so Uphoff, die katholische Soziallehre zu verbreiten und sich mit ihrer praktischen Verwirklichung auseinanderzusetzen. Vergleicht man die Moschee mit ihren sozialen Aktivitäten, kann man eine Parallele dahingehend ziehen, dass auch sie sich als Verein institutionalisiert hat, um eigene muslimische Interessen in der Gesamtgesellschaft zu vertreten. Zielgruppen sind sowohl Muslime als auch Nicht-Muslime. Antrieb der EB-Angebote sind tatsächlich auch Fragestellungen nach der Identität der Muslime in der heutigen Zeit mit ihren differenzierten Herausforderungen in der Gesamtgesellschaft. Gleichzeitig wird auch konfessionelle Bildung angeboten. Dies war ebenfalls beim katholischen „Volksverein für das katholische Deutschland“ der Fall. Auch der Begriff des Kulturkampfes wird von Uphoff verwendet. Die Verfasserin weist auf die negative Konnotation des Begriffs hin und verwendet den Begriff interkulturellen Dialog für die Intention der Moschee, EB anzubieten. Später wurde der „Zentralisierungsausschuss der katholischen Verbände Deutschlands“ als Zusammenschluss und Interessenvertretung aller an Volksbildung und Jugendpflege beteiligten Verbände gegründet. So gehört auch die Şehitlik-Moschee zu unterschiedlichen Interessenzusammenschlüssen, wie oben bereits erwähnt.

Nach 1945 wurden aufgrund der Einstufung der Kirchen als unverdächtig sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen EB pluralistische Angebotsformen entwickelt. Überregional sind vor allem die Akademien sowie Heimvolkshochschulen zu nennen. Regional spielen vor allem Vereine, Bildungswerke und Verbände eine Rolle. Als Tages- und Abendeinrichtungen der EB kommen auf regionaler und lokaler Ebene die Familienbildungsstätten dazu. Man kann daher vom Selbstverständnis kirchlicher EB sprechen. Es ist hier nur möglich, grundlegende Überzeugungen wiederzugeben, auf die sich ihr Selbstverständnis gegründet und weiterentwickelt hat. Für die evangelische EB bedeutete dies, die Aufgabe weniger in der Verkündigung denn im Verständnis menschlicher Realität und Bildung zu sehen:

„nur in religiöser Sinngebung einen Schlüssel [...] für die Erkenntnis und Bewältigung des menschlichen Lebens und der sozialen Umwelt“ (Ahlheim 1982, in Zeuner, Faulstich, S. 198).

Zu Mitte der 60er Jahre stellt Scherer (1967) eine inhaltliche Verlagerung zugunsten theologischer Fragestellungen fest. Begründet wird dies mit den Veränderungen in der modernen Gesellschaft und dem Bedürfnis der Menschen, diese zu verstehen und einen eigenen Standpunkt zu finden. Katholische EB möchte dahingehend den Suchenden Orientierungs- und Handlungshilfe bieten und gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen sowie wissenschaftliche Erkenntnisse entsprechend dem „Dekret über das Laienapostat“ des zweiten vatikanischen Konzils theologisch diskutieren und interpretieren.

Auch hier gibt es Parallelen zur Moschee, denn die Şehitlik-Moschee bietet zumeist mit ihren EB-Angeboten Antworten auf Fragen der postmodernen Gesellschaft. Wie geht man mit Extremismus um, wie mit Fremdenfeindlichkeit, mit Ängsten, Drogenproblemen, sich mehrenden psychischen Krankheiten und sozialen Herausforderungen? Erwachsenenbildung ist für die Şehitlik-Moschee ein wichtiger Faktor für gesamtgesellschaftliche Fragen und Kommunikation. Gleichzeitig stellt dies aber auch nur einen Teilbereich des Angebotes dar, neben dem religiösen Bildungsangeboten für Kinder, den Gebeten, Freitagspredigten, und dem karitativen Engagement beispielsweise.

6.4.2 Jüdische EB

Die jüdische EB, so Müller-Comichau (2009), ist vor allem Identitätslernen. Es geht neben dem jeweils zu behandelnden Thema religiöser bzw. säkularer Natur um Fragen der Selbstwahrnehmung, Selbstbestimmung, Selbstdefinition“ (S. 18). So geht der Autor der Frage nach, was es heißt, ein Jude/eine Jüdin zu sein - als das Kernthema jüdischer Erwachsenenbildung. Jüdische Erwachsenenbildung im 20. Jahrhundert hat durch die politisch-sozialen Umbrüche in Deutschland ihre jeweiligen Prägungen erfahren, darüber hinaus aber auch ihr ganz Spezifisches zu bewahren verstanden, was sie von nichtjüdischer Erwachsenenbildung unterscheidet (S. 6).Themen sind hier vor allem „Aufbruch im Kaiserreich“, „Von der Peripherie zum Kern: Weimar“, „Aufbau im Untergang: Jüdische Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus“, „Lernen für einen Neuanfang – wo auch immer: Die Nachkriegszeit“ sowie „Die russische Herausforderung: Jüdische Erwachsenenbildung nach dem Zustrom osteuropäischer Migranten“. Es gehe immer um die Frage der Zugehörigkeit der jüdischen Identität wobei Müller-Comichau schließlich resümiert, es gäbe nicht die jüdische Identität. So kann hier der Vergleich gezogen werden mit den Muslimen, die auch in der Gesamtgesellschaft nach Zugehörigkeit suchen, wobei auch hier die Autorin feststellt: Es gibt nicht die eine muslimische Identität. Ähnlich sind ansatzweise eine zeitweise Diasporasituation und das Engagement für die Anerkennung als Religionsgemeinschaft in der Gesellschaft.

6.4.3 Evangelische EB

Mit der aufklärerischen Idee von der Wiederherstellung der Vernunft und seiner Vorstellung vom „Leben als Schule“ hat bereits Amos Comenius (1592-1670) das Konzept des „Lebenslangen Lernens“ gelegt. Es käme auf jedes Lebensalter an, jedes sei zum Lernen bestimmt (H.J. Heinz, In: Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung Herg: R. Tippelt, A. von Hippel, S. 492). Ziel sei es, Menschen zu mehr Mitmenschlichkeit emporzuführen, was zur Besserung der ganzen Gesellschaft beitrage. Auch Eugen Rosenstock-Huessy hat 1925 die Notwendigkeit einer breiten Volksbildung gefordert. Dafür ist die theologische Prämisse leitend, dass der Mensch Ebenbild Gottes sei und sich von jeder modernen Form der Ketzerei zu distanzieren habe. Er hatte die Einstellung Vorträge seien zu prüfen, ob sie nicht durch Kurse ersetzbar seien. Ernst Lange (1927-74) akzentueiert die emanzipatorisch kritische Funktion der EB in der evangelischen Kirche. Er beschreibt Bildung als „Sprachschule für die Freiheit“ Das Lernen an Konflikten im Spiel sei Freiheitsraumeröffnend das es ermöglicht Fremdbestimmung und gesellschaftliche Unterdrückungen zu überwinden. Erst die religiösen Sozialisten gaben der evangelischen EB in der Weimarer Republik ein deutliches Profil. Sie sahen die EB als Teil der allgemeinen Volksbildung, daher war ihnen der Gedanke der institutionellen Verankerung fremd. In der Zeit des Nationalsozialismus kam es fast zum Erliegen der kirchlichen EB. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es dann viele Akademien, soziale Seminare, Familienbildungsstätten etc. 1961 entstand die Deutsche Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung e.V. 1983 hat die evangelische Kirche deutlich gemacht, dass sie für Erwachsenenbildung als Aufgabe der evangelischen Kirche zuständig ist. Das bedeutet, dass die evangelische Kirche sich als Teil des öffentlichen Bildungssystems versteht.

6.5 Lernvermittlung als Tätigkeitskern

Nach Faulstich und Zeuner geht es beim Lernen Erwachsener um deren jeweilige Intentionen und Themen. Lernvermittelnde brauchen dafür Wissen über die Frage, wie sich Lernen vollzieht, welche Besonderheiten bei Erwachsenen berücksichtigt werden müssen und welche Faktoren dies beeinflusst. Handeln, so beschreiben sie, ist immer auch ein Eingriff in psychische und soziale Prozesse, die sich sonst anders vollziehen würden. Zudem kommt das Lernen ohne eigene Lernaktivität nicht zustande. Lernen ist somit nicht allein von außen steuerbar. Es ist abhängig von der Bedeutsamkeit der Gegenstände für die Lernenden. Auf neue, sich verändernde Lebensumstände muss sich das Erwachsenenlernen anpassen (vgl. Faulstich, Zeuner, S.). Anders als in Firmen, in denen Lernen als „Zwang“ durch Weiterbildungen auferlegt werden kann, sind Bildungsangebote für Erwachsene an Moscheen zum allergrößten Teil freiwillig und entstehen oft aus der Mitte der Gemeinde. Qualifizierte Menschen, sei es aus Erfahrung oder durch Lehre, nehmen sich eines aktuellen oder für sie interessanten Themas an und bieten mit Absprache vom Vorstand Workshops, Ausbildungen, Fortbildungen, Themenabende, Exkursionen etc. an. Diese Angebote werden meist, da sie von bekannten Gesichtern angeboten werden, willkommen geheißen und gut besucht.

6.6 Lerntheorien und Lernen in Bedeutungszusammenhängen

Anders als in der Behavioristischen Theorie sehen Zeuner und Faulstich das Erwachsenenlernen nicht als nur von außen gesteuertes Reaktionsmuster. Lernen hat nicht schon stattgefunden, wenn erfahrungsbedingte Veränderungen erfolgen, sondern erst, wenn diese über die speziellen Situationen hinaus erhalten bleiben (vgl. Zeuner, Faulstich 2008, S. 26).

Menschliches Lernen erfolgt auf der Ebene von Bedeutungszuweisungen. Das Lernen umfasst unterschiedliche Lernformen, so z.B. das selbstbestimmte Lernen, das intentionale, separierte oder informelle Lernen. Das wissenschaftsbezogene, fremdbestimmte, institutionelle, integrierte oder inzidente Lernen. Lernen wird nach den Konzepten unterkomplex und perspektivenverschoben modelliert (vgl. ebd. S. 29).

Lernen erfolgt immer auch intentionell im Kontext sozialer Aktivitäten. Gelernt wird veränderte Partizipation in den vielfältigen Kontexten des Alltags und findet in Bedeutungszusammenhängen statt. Das Erlernte löst sich nicht in unmittelbares Handeln auf, sondern wenn es zu Diskrepanzen zwischen Individuen und ihren Handlungsvollzügen kommt, bei denen sie auf Hindernisse stoßen. Erst wenn es gelingt, Lernthematiken mit den Lebensinteressen der Individuen zu verbinden, findet auch expansives Lernen statt. Dabei bestimmen Entscheidungsmöglichkeiten der Lernenden über Ziele und Aktionsprogramme den Grad der Selbstbestimmung am Lernen.

Expansives Lernen erfordert Kontrolle über Intentionalität, Thematik und Methodik des Lernens. Lernen ist hierbei die Grundaktivität, nicht das Lehren. Es geht um eine aktive Aneignungsperspektive, die lerntheoretisch gravierende Konsequenzen hat, so Faulstich und Zeuner (vgl. S. 31). Das Individuum stellt selbst Bedeutungszusammenhänge her. Menschliches Lernen ist somit gekennzeichnet durch seine Offenheit und Situativität, ist abhängig von der eigenen Biographie und dem jeweilig gegebenen Kontext. Faulstich meint, dass Personen einem Problem einen Sinn geben und damit ein Thema des Lernens konstruieren. Gleichzeitig findet Lernen aber in einem historischen und kulturellen Kontext statt, dessen Bedeutungen sich die Person als vorgegebene „Fremdwirkung“ aneignet (Holzkamp, auch Mandl u.a. 1992, zur Diskussion vgl. Faulstich/Ludwig 2004), so auch Teilnehmende der Veranstaltungen in der Moschee, die durch aufgeworfene Fragen und Probleme Sinn und Lösungen suchen und diese historisch einbetten.

6.7 Lernen in der EB

Bildung, so darf nicht vergessen werden, ist eher eine Lebensform als der Umgang mit Wissensbeständen. Nach Heydorn intendiert der Begriff der Bildung die Überwindung aller Verhältnisse, die den Menschen unterdrücken, entmündigen und verstümmeln.

Heydorns Nachdenken dreht sich um die Möglichkeiten des Menschen, sein Denken erstreckt sich von Sokrates und der Entdeckung des Menschen über die jüdisch-christliche Verheißungsgewissheit. Eine spannende Frage ist, wie sich die islamische Verheißungsgewissheit auf die EB auswirkt. Dies ist jedoch ein weiteres Thema, das aufgrund der Kürze der Arbeit nicht erfasst werden kann.

Heydorn spricht über Comenius, der alle alles lernen lassen wollte, und die Aufklärung, über den deutschen Idealismus von Kant bis Hegel, bis Marx, der reale Prämissen von individueller Entfaltung und kollektiver Befreiung aufdeckte. Eine zentrale Frage lautet also, wie sich Menschen in einer eingeschränkten Wirklichkeit entfalten können. Zielsetzung und zentrale Kategorie ist Mündigkeit als Fähigkeit sich selbst zu bestimmen. In diesem Zusammenhang ist Bildung die individuelle Voraussetzung der Befreiung. Sie intendiere laut Zeuner und Faulstich die Überwindung aller Verhältnisse, die die Entfaltung des Menschen verhindern. Im Falle der Şehitlik-Moschee ist diese Frage aktueller denn je, denn die Angebote spiegeln die Situativität, die politischen und gesellschaftlichen Umstände, in denen sich Muslime teils infrage gestellt sehen, teils Unterstützung erfahren, wider.

Bildung diene laut Heydorn der Abschaffung der Herrschaft, der Herrschaft über die Natur und der Herrschaft über den Menschen. Es gehe nach ihm um die Auflösung des „Widerspruchs von Bildung und Herrschaft“ (1970). Sonst wird Bildung von vielen als übermächtig, erniedrigend, entfremdet und undurchschaubar erfahren. Bei Bildung muss daher auch die Vergangenheit, die gegenwärtige Situation und die Zukunft perspektivisch gesehen werden, um nicht als abstrakte Idee im Raum zu schweben, sondern um sich verwirklichen zu können. Es gilt herauszufinden, inwiefern die Ideen der Anbietenden/Lehrenden mit der Wirklichkeit der Teilnehmenden kompatibel sind.

Es wird immer auch versucht, Identität herzustellen. Menschen eignen sich Kultur an und entfalten dabei ihre Persönlichkeit, woraufhin im Prozess die persönliche Biographie entsteht. Die Kultur, die in der Moschee gelebt wird, ist keine abgeschlossene Kultur, die man als türkisch oder muslimisch bezeichnen kann, sondern eine Mischform des kulturellen Erbes der Einwanderer und der Kultur der zweiten und dritten Generation derer, die eingewandert sind. Wir gehen hier von einem sich stetig wandelbaren Gebilde von Kultur als Kulturbegriff bzw. einem bedeutungsorientierten Kulturbegriff aus, der sich wandelt, da Kultur als „Doing Culture“ (Hörning, Reuter, 2004) und als ein relational-situatives Gebilde verstanden wird. Es wird vorausgesetzt, dass Bildung somit nur in modernen Gesellschaften, in denen der Ort, die Stellung und der Lebenslauf der Einzelnen nicht festgelegt ist, stattfinden kann. Die Definition der Moderne wird, wie oben beschrieben, als Erbe einer christlich-jüdischen Gesellschaft und Geschichte betrachtet. Die Verfasserin stellt die These auf, dass die islamische Kultur in all ihren Facetten zur Geschichte der Moderne bzw. Postmoderne dazugehört und sie seit den 60er JahrenDeutschland und insbesondere Berlin mit geprägt hat. Die Einwandererkinder und Kindeskinder sind hier zur Schule gegangen und haben hier ihre Religion mit hineingebracht. Diese religiösen Vorstellungen und Bindungen verweben sich mit einer heutzutage vor allem in Berlin eher säkularen Weltvorstellung und schlagen neue Brücken. Fragen der Moderne werden anders beantwortet, aber integrativ gelebt. Es gilt hier für die Teilnehmenden der Bildungsangebote immer wieder aufs Neue, Identität zu bilden, vor allem nicht nur für sich, sondern auch sub- sowie gesamtgesellschaftlich. Traditionen werden in diesen Identitäten sowohl gepflegt als auch hinterfragt.

Nach Klafki heißt es (in Zeuner, 1985, S. 17) :

„Bildung muss in diesem Sinn zentral als Selbstbestimmungs- und Mitbestimmungsfähigkeit des Einzelnen und als Solidaritätsfähigkeit verstanden werden“. Diese Möglichkeit nehmen die Lehrenden und Teilnehmenden der Moscheegemeinde intensiv wahr.

Bildung heißt demnach auch, Kompetenzen zu erwerben, um Probleme zu verstehen, die eigene Position dazu zu finden, entsprechende Entscheidungen zu treffen und handelnd einwirken zu können. Die Entfaltung der Persönlichkeit ist also auch bestimmt von Lernchancen.

6.8 Lernchancen Erwachsener

Die Selbstentfaltung anhand von Bildung entwirft einen unabschließbaren, offenen Prozess, wie er angesichts der Auflösung traditioneller Gesellschaften zur Daueraufgabe geworden ist, so Zeuner und Faulstich (2008, S. 35ff) Dies sei mit dem Begriff des lebenslangen Lernens belegt worden. Da Erwachsene als entwicklungsfähig und lernbedürftig gesehen werden, verschwindet ihr Status, der sie scheinbar gegenüber Kindern und Jugendlichen abgrenzt. Das bedeutet, dass weder die körperliche noch die geistige Reifung im Erwachsenenalter abgeschlossen ist. Da die Rolle des Erwachsenen ein zugewiesenes historisches Konstrukt ist, stellt sich die Frage danach, was ein Erwachsener in der modernen oder postmodernen Gesellschaft ist (vgl. ebd., S. 35ff). Berücksichtigt werden müssen unter diesen Umständen die Erwachsenen der Moschee, die in ihrem spezifischen Netz sozialer und gesellschaftlicher wie politischer und historischer Einbettung agieren. Da vorangehend erwähnt wurde, dass es um die Befreiung und Reifung des Individuums geht und die EB dafür Chancen bieten muss, die nur eine moderne Gesellschaft anbieten kann, stellt sich zudem die Frage nach struktureller Diskriminierung und gesellschaftlicher Benachteiligung der Moscheegemeinden, da sie beispielsweise, wie zuvor erwähnt, keine anerkannten Religionsgemeinschaften sind und ihnen dadurch erhebliche Nachteile im Vergleich zu christlichen und jüdischen Gemeinden anlasten. Gleichzeitig bringt gerade das Thema der Benachteiligung und des Seins des „Muslim in der Gesamtgesellschaft“ neue Angebote der Erwachsenenbildung und vor allem Jugendaktivitäten zu Identitätssuche und Partizipation mit sich. Dies wird auch im wachsenden Angebot der Veranstaltungen der Şehitlik-Moschee in den letzten vier Jahren deutlich.

Zusammengefasst geht es um den Entwurf eines selbstverantwortlichen, selbstbestimmten Menschen. Diese Idee sei vor allem abendländisch geprägt und stehe deshalb als Fragestellung eventuell im Gegensatz oder zum Gegenentwurf eines morgenländisch geprägten Bildes von Erwachsenen, wie es gerade eher die erste Einwanderergeneration innehat, so Zeuner und Faulstich. Dem widerspricht die Autorin dahingehend, als dass es in den Herkunftsländern der Einwanderer und nach dem morgenländischen Verständnis.[8] die Vorstellung einer selbstbestimmten Lebenshaltung gibt. Diese gibt es zwar in bestimmten gesellschaftlichen Grenzen; diese existieren aber auf andere Weise ebenso im Abendland. Ebenfalls existiert Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen auch in islamisch geprägten Ländern. Erwachsensein definiert sich auch innerhalb einer Kultur unterschiedlich, da diese nicht homogen ist. Wir betrachten also für diese Arbeit eine Subkultur, die dennoch in sich nicht homogen ist, da sie sich ebenfalls durch Generationen und die Situation in der Gesamtgesellschaft stetig wandelt. Nichts desto trotz ist dieses Verständnis von Erwachsensein auch modern, da es in der Moderne gelebt wird.

6.9 Beispiele von Methodenstrategien der Erwachsenenbildung

Erwachsenenbildung wurde traditionell nach der Definition des Deutschen Bildungsrates gefasst als Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase (Deutscher Bildungsrat 1970, 197 in Faulstich, Zeuner, 2008, S 143ff). Dies galt, solange die Diskussionen sich auf Institutionen beschränke und „Normalbiographien“ unterstellte. Es wurde sichtbar, dass Erwachsenenlernen sich im Sinne des intentionalen Lernens entgrenzt, aus den Institutionen auswandert und andere Formen annimmt. Damit werden die Legitimation und das Fortbestehen der Institutionen in Frage gestellt. Darum ist es wichtig, das Problem zu diskutieren, welches Gewicht andere Lernkontexte haben und welche Bedeutung den Organisationen bleibt. Fälschlicherweise wird dabei selbstbestimmtes Lernen als Gegensatz zu institutionellem Lernen gesehen. Selbstorganisiertes Lernen war schon lange eine Form der Bildung bei Erwachsen, sei es das eigenständige Nachschlagen der Enzyklopädie oder Bürger- und Selbsthilfeorganisationen. Heue kommt das Internet dazu. In der Studentenbewegung wurde Selbstorganisation zu einem Kampfslogan des Antiautoritären im Kontext von Demokratisierung und Selbstbestimmung. Reischmann 1997 und A. Tough (1971) werden zitiert mit der Aussage, über 70% des Lernens Erwachsener wird selbstinitiiert. Die Selbstinitiierung trifft in hohem Maße auch für die Moschee zu, da Angebote teils aus der Gemeinde selbst entspringen.

Die Selbstorganisation hat immer auch eine politische Dimension. Sie vollzieht sich vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Prozesse, die die Rahmenbedingungen des Lernens in der Erwachsenenbildung insgesamt verändern.

Es droht auch durch die Erweiterung der Lernperspektive ergänzt durch das Lernen am Arbeitsplatz, im sozialen Umfeld, in Medien usw. aus der Institution auszuwandern. Die Moschee hingegen stellt einen Rahmen bzw. Ort für selbstorganisiertes Lernen, damit es stattfinden kann.

Nach Zeuner und Faulstich wird die Deregulierung beschleunigt durch den vor allem finanzpolitisch motivierten Rückzug der Politik aus der Steuerung gesellschaftlicher Prozesse. Der Staat entledigt sich so gestaltender und gewährleistender Ansprüche und zieht sich auf die Sicherstellung von Rahmenbedingungen zurück. Dies gilt ebenfalls für die Moschee, da sie zum Teil staatliche Finanzierung für beispielsweise Antiislamismus-Programme erhält. Die Rahmenbedingungen sind hier gesetzt, die Ausgestaltung darin obliegt den pädagogischen Verantwortlichen. Lernen ist grundsätzlich selbstorganisiert, indem die Lernenden immer ihre eigenen biographischen Erfahrungen und Kontexte einbringen und Lernsituationen und -themen für sich interpretieren und definieren.

Auch in Institutionen kann selbstorganisiertes Lernen stattfinden. Sie stellen Lernorte dar, die organisierte Handlungszusammenhänge ermöglichen, um intentionales lernen zu unterstützen (Zeuner, Faulstich 2008, S. 151ff).

Lernen geschah Jahrtausende lang natürlich, also das alltägliche Leben begleitend. Erst mit der diversifizierten Funktion gesellschaftlicher Arbeitsteilung geschah Institutionalisierung von gesonderten Lernzusammenhängen. In der Erwachsenenbildung wird nur ein Teil der Lernaufgaben gesondert organisiert. Die „moderne“ Gesellschaft hat eine Vielzahl an spezialisierten Institutionen für alle Abschnitte und Anforderungen des Lebenslaufs geschaffen. Sie wirken als Instanzen zur Bewältigung von Situationen und der Einhaltung von Normen für jeweils spezifische Tätigkeitsformen. Lernen ist eine davon, und es ergibt sich ein Spannungsfeld von Separation und Integration mit dementsprechenden Vor- und Nachteilen. Lernen in institutionellen Kontexten sei eher intentional, geordnet und umfassend, während Lernen in Handlungszusammenhängen oft zufällig, unsystematisch und situationsverengt sein kann. Wichtig ist in den Institutionen, Lebensnähe herzustellen und zu sichern, um Nachteile des institutionellen Lernens auszugleichen. Wichtig ist, die Institution, in dem vorliegenden Fall die Moschee, nicht nur als Unterrichtsanbieter, sondern auch als Arrangement zur Lernvermittlung zu begreifen. Bislang ist die Şehitlik-Moschee aber keine Institution, die sich als Lernzentrum im umfassenden Sinne mit Bedarfsanalysen, Personalberatung, Forschungsrecherchen usw. begreift; dafür stellt sie Programmplanung, Qualitätssicherung, Dozentenvermittlung, Kursangebote, Kontaktherstellung, Lernberatung, und Medienbereitstellung bereit. Sie befindet sich mit ihren derzeitigen Angeboten im Aufbau zu einem Lernzentrum nach der Definition Zeuners/Faulstich (vgl. 2008, S. 37). Die Moschee kann unter die Kategorie „Lernen im Lebenszusammenhang“ eingeordnet werden. Hier liegt Gemeinwesenarbeit vor. Ehrenamtliche Vertreter_innen der Moschee engagieren sich im sozialpädagogischen Raum. Moscheen orientieren sich hier stark an Kirchen, die eine lange Tradition vorweisen (z.B. Ende des 19. Jahrhunderts Engagement für sozial Benachteiligte). Gleichzeitig greifen die Mitglieder auf eine eigene Tradition der Gemeinwohlunterstützung zurück, die im Islam ihre Wurzeln hat. Es finden sich kulturelle Projekte und politische, wie der Tag der offenen Moschee am 3. Oktober jährlich oder der bereits genannte Gebärdensprachunterricht, Flötenunterricht, Themenabende zu gesundheitlichen Themen usw.

Gemeinwesen-Lernen ist soziales Lernen und politisches Engagement. Hauptzielsetzung sind die Fragen der Betroffenen, insofern ist ein Gruppenbezug immer impliziert. Es gehören zur Übereinstimmung in den Problem- und Interessenlagen der Teilnehmenden die Motivation, diese Probleme gemeinsam zu lösen und die Herstellung von Artikulationschancen. Es hängt von der Beteiligung der Mitverantwortlichen und deren Motivation ab, inwiefern die Probleme gemeinsam gelöst werden. Davon hängen wiederum die Beständigkeit politischer Initiativen und das gemeinsame Lernen ab.

Ansatzpunkte sind konkrete Probleme, im Falle der Moschee zum Beispiel Extremismus oder Islamfeindlichkeit, die gelöst werden sollen. Dabei geht es um die gemeinsame Organisation, Öffentlichkeitsarbeit, Planung und Durchführung der Projekte und dabei personelle, finanzielle und thematische Unterstützung. Probleme sind die Auflösung der Initiativen beispielsweise durch einen Wechsel der Aktivisten. Es besteht also stets die Grundfrage der Beziehung von Initiative und Institution. Auch in der Şehitlik-Moschee existieren unterschiedliche Interessengruppen, die Veranstaltungsangebote entweder bejahen oder ihnen entgegentreten. Entscheidendes Wort hat hier meist der Vorstandsvorsitzende. Dieser wird demokratisch gewählt. Die unmittelbare politische Aktion, so Zeuner/Faulstich, muss einbezogen werden in eine offene Reflexion, die dann erst wieder in gezielten Strategien resultieren kann (ebd. S. 164). Es geht im politischen Lernen nicht mehr um Unterricht in politischen Themen, sondern um gesellschaftliches Handeln. Reflexion und Aktion sollen miteinander verbunden werden.

7 Auswertung der Programmerfassung

7.1 Voraussetzungen

Die Programmerfassung der Şehitlik-Moschee und die Interviews wurden nach folgenden Fragestellungen ausgewertet:

1. Gibt es eine Erwachsenenbildung in der Moschee, bzw. kann man die Moschee als Erwachsenenbildungseinrichtung bezeichnen?
2. Wenn ja, wie gestaltet sich das EB-Angebot?
3. Inwiefern hat sich das Angebot in den letzten vier Jahren entwickelt?
4. Ist der EB-Begriff der hier geprägt wird kompatibel mit dem der Moderne?

Hierzu wurden die Veranstaltungen in folgende Kategorien erfasst, soweit dies möglich war:

-Jahre
-Veranstaltungstypen
-Zeitumfang
-Themen
-Zielgruppen

Zudem wurden der Vorsitzende der Moschee, Ender Cetin (39), Erziehungswissenschaftler, und die Religionsbeauftragte der Şehitlik-Moschee, Emine Erol (27), Theologin, interviewt. Die Fragen des Interviews bezogen sich auf die bereits genannten Parameter sowie Fragen zur Existenz verdeckter Gruppen, zum türkischsprachigen Angebot und zum EB-Verständnis. Ender Cetin ist Erziehungswissenschaftler und seit seiner Kindheit in der Moschee beheimatet. Emine Erol ist Religionswissenschaftlerin und ist seit Ende ihres Studiums vor eineinhalb Jahren aktiv an der Şehitlik-Moschee. Beide sind in Berlin aufgewachsen. Die Interviews wurden einzeln geführt. Im Interview wurden zudem Fragen zum Selbstverständnis der Moschee, zur Programmplanung, zur Finanzierung der Veranstaltung, zu Zielgruppen, zum Angebotsspektrum, zur Zertifizierung und zur Zeitdauer der Veranstaltungen gestellt. Die Interviews gaben vor allem zur Selbstdefinition und zu den Zielgruppen Aufschluss.

Es folgen die Auflistung und Diagramme mit Erläuterungen:

-Quantitative Analyse:
-Anzahl der Veranstaltungen pro Jahr
-Analyse der Angebote nach Häufigkeit
-Analyse der Angebote nach Themenbereich
-Analyse der Angebote nach Veranstaltungsart
-Analyse der Angebote nach Zielgruppe

7.2 Auswertungen der Erhebungen

Generell ist aufgrund der Fülle der Themenangebote festzuhalten, dass die Şehitlik-Moschee als ein religiöser Träger ein breites Spektrum an gesellschaftsrelevanten Themen anbietet und bespricht. Interessant ist hierbei, dass die Moschee mit vielen Kooperationsträgern zusammenarbeitet (Interview 1, S. 2) und die Veranstaltungen entweder selbst finanziert, die Räumlichkeiten dafür bietet, oder die Angebote werden von den Kooperationspartnern wie VPN (Violence Prevention Network), dem Senat oder dem Verein für Psychiatrie und seelische Gesundheit beispielsweise finanziert (Interview 1, S. 2). Das Leitbild der Moschee beschreibt der Vorstandsvorsitzende Ender Cetin wie folgt:

„Das Leitbild der Moschee ist, dass sie eine Moschee ist, das ein offenes Haus für alle sein soll, also nicht nur für Muslime, sondern eben auch für Nicht-Muslime“ (Interview 1, S. 1).

Sie solle Vorbildfunktion sein und eine Brückenfunktion für die Mehrheitsgesellschaft darstellen, um auch Vorbehalte und Vorurteile abzubauen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Religionsbeauftragte Emine Erol, die gleichzeitig als Theologin an der Moschee fungiert, beschreibt das Leitbild so:

„Das Leitbild ist ein gesundes Bild des Islams [zu zeigen ]…also man ist sozusagen auch nur ein Fenster, ein Spiegel von dem Islam. Da würde ich auch nicht liberal oder orthodox oder ein Mischmasch draus machen... also man sieht auch viele Nationen kommen wegen der Moschee, Also das Leitbild könnt ich so deuten, dass sie [nicht] behinderungsfrei ist oder grün ist, sondern, dass sie Kapazität aufweist, indem sie das Richtige zeigt.“ (Interview 1, S.1)

Zur Programmplanung sagt Emine Erol, es gebe seit einem Monat ein System, in das sich alle eintragen müssen, die Veranstaltungen stattfinden lassen möchten (Interview 2, S. 1). Der Vorstand und die Theologen müssen sich gegenseitig genehmigen. Teilweise gebe es Kommunikationsschwierigkeiten. Zum Selbstverständnis der Moschee sagt sie, der Weg zur Religion beschränke kein Alter und die Entwicklung der Menschen habe spezielle Gruppen (Interview 2, S. 1). Diese seien auch sehr individualisiert. Auch Rentnergruppen an der Moschee möchten sich noch spirituell weiterentwickeln. Fehlen würden Gruppen zwischen 30 und 45 Jahren. Diese seien beruflich und privat zu sehr eingebunden (Interview 2, S. 2). Sie engagierten sich zwar an der Moschee, allerdings bilden sie keine eigenen Gruppen. Zur Frage nach den Zielgruppen erläutert E. Erol es gebe diejenigen, die gezielt kommen, um zu lernen, und diejenigen, die eher ihre Freizeit an der Moschee verbringen und dann nebenbei diskutierten, auch über religiöse Gruppen (Interview 2, S. 3). In letzter Zeit hätten sich die Frauengruppen stetiger entwickelt, was die Regelmäßigkeit dieser Gruppen meint. Auch eine Koch-AG der Frauen gebe es (Interview 2, S. 2). Zielgruppen seien bei den Vorträgen meist Erwachsene zwischen 25 und 30 Jahren. Bei Demenzveranstaltungen oder auch anderen kämen berufstätige oder spezielle Gruppen wie Altenpfleger zum Beispiel (Interview 2, S. 3). Diejenigen, die „nur kommen, um ihre Freizeit an der Moschee zu verbringen“, „bringen der Moschee nicht so viel“, so Erol (Interview 2, S. 3). Es scheint, dass Erol eher auf Effizienz ausgerichtet ist und dies auch, so beschreibt sie es von ihren Ney-Workshopschüler_innen, verlangt. Sie meint die zu den Vorträgen Kommenden seien hauptsächlich Muslime, da interne Verteiler greifen (Interview 2, S. 3). Sie selbst würde sich wünschen, den Verteiler noch zu erweitern und zum Beispiel kooperierende Kirchen auch mit hineinzunehmen. Momentan seien darin haupstächlich Moscheeführende, Ehrenamtliche, Freunde, Leute aus der Gemeinde und der Vorstand enthalten. Allerdings seien diejenigen, die Interesse zeigen und dazu stoßen, nicht immer von der Moschee oder aus Neukölln. Schwierigkeiten gebe es bei manchen kulturellen Themen wie Musik, da einige aus der Gemeinde das Musizieren in der Nähe des Friedhofes nicht gestatten möchten (Interview 2, S. 5). Dies habe laut Erol keine theologische Grundlage, sondern sei kulturell bedingt, aber es gebe eben verschiedene Meinungen, die man auch respektieren müsse. Sie betont, dass das Lernen im spirituellen und religiösen Sinne nie aufhört, egal in welchem Alter man ist (Interview 2, S. 5). Es täten sich immer wieder neue Türen und Verantwortungen auf und man strebe nach Vollendung. Erol hat im Studium auch Pädagogik studiert. Sie meint, die Lücke der Erwachsenenpädagogik, die sie hat, schließe sich nach und nach mit den Erfahrungen, die sie mache.

Die Ideen für Veranstaltungen entwickelt meist der Vorstand, so Cetin (Interview 1, S. 1), gleichzeitig werden von außen, etwa von Kooperationspartnern, Themen herangetragen, die dann mit dem Vorstand besprochen werden. Ebenfalls geschieht dies mit Titeln und Texten. Sie werden meist vom Vorstand herausgegeben und kurzgehalten, so Ender Cetin, da die Leserschaft wohl eher auf kurze Texte anspringe (Interview 1, S. 2). Dies gelte zumindest für Facebook-Ankündigungen. Facebook wird als ein Medium genutzt, Veranstaltungen anzukündigen. Als besonders einschneidende Veränderung beschreibt der Vorstandsvorsitzende das Flüchtlingsthema im letzten Jahr, und dass sich seit 2012 in Berlin und Umland Netzwerkpartnerschaften entwickelt haben (Interview 1, S. 2). Finanziert werden die Projekte und Veranstaltungen über die Vereinskasse (Mitgliederbeiträge), Projektträger oder Stiftungen (beispielsweise Lotteriestiftung) oder den Senat (Interview 1, S. 2). Ziel der Gemeinde bzw. des Vorstands ist es, alle Menschen jeglichen Alters, ob männlich oder weiblich, zu erreichen (Interview 1, S. 2). Türkischsprachige Angebote seien vor allem, so Ender Cetin, auch eine Aufklärung über islamische Themen und eine Rückbindung zur Muttersprache Türkisch. Es werden allerdings auch auf Deutsch teilweise Unterrichte angeboten (Interview 1, S. 3). Man kann festhalten, dass die türkischsprachigen Angebote eher religiöse Angebote sind, zum Beispiel Koranlesen für Frauen (Interview 2, S. 2) oder Geschichtsunterricht für Jugendliche mit Rückbezug auf islamische Geschichte. Dauergruppen sind die eben genannten Angebote, dazu kommt der für alle Menschen offene Mittwochsunterricht über islamische Themen auf deutscher Sprache. Tatsächlich kommen eher jüngere Menschen zwischen zwölf und 30 Jahren. Auch der Moscheeführungs-Unterricht ist seit drei Jahren dauerhaft eingerichtet. Dieser bildet Moscheeführer_innen für die Moscheeführungen aus. Verteiler der Moschee sind Facebook und Emailverteiler. Diese unterscheiden sich in interne wie beispielsweise Interessierte, Muslime der Gemeinde, MHG (Muslimische Hochschulgemeinde), Vorstand, Theologen und Frauenverbände der Gemeinden. Andererseits gibt es einen Verteiler, die öffentliche Personen der Mehrheitsgesellschaft und Kirchen sowie Veranstaltungspartner und Interessierte weitere Personen einladen. Auch der Radiosender Metropol FM verbreitet teilweise Werbung zu Veranstaltungen (Interview 1, S. 4). Evaluationen oder Zertifizierungen gab es nur punktuell. Der Tag der offenen Moschee wurde einmalig evaluiert, und es besteht das Vorhaben, den Moscheeführungs-Kurs zu zertifizieren (Interview 1, S. 4). Bislang ist das noch nicht geschehen. Themen mit Kooperationspartnern werden so festgelegt, dass beide Seiten damit einverstanden sind. Ein Newsletter ist eingerichtet, aber wird bislang nicht versandt (Interview 1, S. 6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Interpretation :

Unter die Oberthemen Religion fallen Unterthemen wie z.B. jährliche religiöse Feste, aber auch die lange Nacht der Moscheen, Ramadan-Abende mit bekannten Gästen und Moscheeführungs-Ausbildungen, Workshops zum Thema Religionen als Quelle der Kraft-Muslimisch-Christliches Training zur Konflikttransformation.

Zum Themenbereich Kultur zählen Veranstaltungen wie der Tag der offenen Moschee, da hier auch auf Kulturelles schwerpunktmäßig Wert gelegt wird, dieses zu vermitteln, außerdem die Eröffnung des neuen Kulturzentrums, Ney-Workshops, Filmvorträge, Sommerfeste, Lesungen, Arabischkurse u.ä. Zum Themenbereich Gesundheit zählen Veranstaltungen wie die Veranstaltungsreihe zu Psychiatrie in der Moschee mit Vorträgen zu Themen wie Demenz, Alkohol und Drogensucht, Angstkrankheiten und Depressionen und psychische Erkrankungen im Kindesalter. Diese standen unter der Schirmherrschaft von Frau Emine Demirbüken-Wegner, Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales. Die Vorträge werden von Doktoren und Professoren des jeweiligen Fachbereiches in Kooperation mit dem Verein für Psychiatrie und Seelische Gesundheit e.V. gehalten.

Zum Themenbereich Politik gehören Veranstaltungen wie etwa Teilnahmen an Demonstrationen (hier gegen Gewalt gegen Nigerianische Frauen, gegen Pegida, gegen Hass und Unrecht), Treffen und Besuche sowie Versammlungen mit Konsulen und Vertretern der Politik wie Thomas de Mazière, dem Bundespräsidenten Gauck, Auslandsministern und Vertretern der Politik wie Renate Künast und weitere bekannte Persönlichkeiten. Die Beratungsstelle Bahira gegen gefährliche islamistische und salafistische Strömungen könnte auch zum Thema Politik gezählt werden, wird hier aber unter das Thema Soziales eingeordnet, da sie vor allem gefährdete Jugendliche vor Extremismus bewahren sollen und das innerhalb des sozialen Bereichs liegt. Zum Themenbereich Soziales gehören vor allem Spendenaktionen für Flüchtlinge, die insbesondere 2015 ins Gewicht fielen.

Natürlich gibt es immer auch Überschneidungsbereiche zwischen den Themenfeldern. So ist die Veranstaltung Behinderung und Religion zum Bereich Gesundheit, aber auch zum Bereich Religion zuordenbar. Hier ist sie zum Bereich Religion zugeordnet worden; ebenso in vielen anderen Fällen, in denen die Autorin eine Entscheidung treffen musste. Die Themenbereiche, sind häufig rückgekoppelt zu den Themen Islam, Muslime, Religion. Sie haben also eine religiöse Komponente. Trotzdem, das zeigt die zweite Abbildung, überwiegen die nicht-religiösen Angebote an der Şehitlik-Moschee.

Die quantitative Auswertung nach Themenbereichen ergab folgendes Ergebnis:

Die vertikale Achse zeigt die Anzahl der Veranstaltungen an. Das Thema Kultur beginnt 2012 bei sechs Veranstaltungen, steigt 2013 auf sieben Veranstaltungen, sinkt 2014 wieder auf sechs Veranstaltungen und steigt 2015 auf sieben Veranstaltungen. Somit wird das Thema Kultur in der Şehitlik-Moschee gleichbleibend aufgegriffen und zeigt eine gewisse Stetigkeit. Unter den Begriff Kultur fallen etwa Lesungen, Feste, Ausstellungen. Das Thema Religion beginnt bei sechs Veranstaltungen, sinkt 2013 auf fünf Veranstaltungen, steigt 2014 wieder auf sieben Veranstaltungen und 2015 auf zehn Veranstaltungen. Zum Thema Religion ist generell ein großer Anstieg von 2012 bis 2015 zu verzeichnen. Dies liegt, so vermutet die Autorin, an der Identitätswahrnehmung als Muslim in der Gesellschaft, die dazu drängt, sich intensiver mit dem Thema Religion zu beschäftigen. Auch treten von außen Gruppen wie meet to respekt hinzu, die religiöse Themen mit anderen Themen, hier Homosexualität, verknüpfen. Das Thema Gesundheit spielt erstmals 2013 eine Rolle. Hier beginnt das Thema mit zwei Veranstaltungen und weckt scheinbar allgemeines Interesse, da 2014 und 2015 das Thema weiterhin angeboten wird, 2014 sogar mit sechs Veranstaltungen pro Jahr. 2015 sinkt die Zahl auf vier Veranstaltungen. Inzwischen ist eine regelmäßige Psychosozialberatung in der Moschee eingerichtet, da das Thema so großen Anklang findet (Interview 1, S. 2). Das Thema Politik zeigt seit 2012 eine hohe Anzahl an Veranstaltungen. Hier beginnt das Thema mit acht Angeboten pro Jahr und geht 2013 weiter mit sieben Angeboten pro Jahr, sinkt dann 2014 auf vier Angebote und stiegt 2015 wieder auf sieben Angebote. Es ist möglich, dass der Fokus inzwischen eher auf Vorträgen liegt und die Besuche von Politikern seltener geworden sind als am Anfang. Gleichzeitig ist es möglich, dass diese 2015 nicht archiviert worden sind bzw. der Autorin nicht vorliegen. Auf Facebook werden solche Besuche nicht allgemein angekündigt.

Seit Eröffnung des neuen Kulturzentrums finden wesentlich mehr Veranstaltungen vor allem Vorträge statt, da der Raum und die Medien dafür vorhanden sind. Es ist zu erwähnen, dass die Veranstaltungen zumeist kostenlos sind und entweder aus der Vereinskasse finanziert werden oder so-finanziert sind durch Kooperationspartner wie VPN (Violence Prevention Network) oder die Polizei bzw. den Senat (Interview 1, S. 2). Zudem gibt es verdeckte Gruppen und türkischsprachige Gruppen, die nicht allgemein, sondern nur in der Gemeinde angekündigt werden. Veranstaltungen werden unter dem Vorstand und den Religionsbeauftragten sowie den Theolog_innen vereinbart. Eine Absprache untereinander ist unerlässlich (Interview 2, S. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Interpretatio n:

Die Abbildung 2 zeigt die Entwicklung der Veranstaltungen aufgeteilt in religiöse und nicht-religiöse Thematiken. Die vertikale Achse zeigt die Anzahl der Veranstaltungen an. Es ist grundsätzlich erkennbar, dass die religiösen Angebote von Anfang an vertreten sind und sich bis 2015 durchziehen. Gleichzeitig steigt das Angebot der nicht-religiösen Veranstaltungen von 2013 an stetig. Nicht-religiöse Themen sind solche, die nicht im engeren Sinne religiös sind, auch wenn sie eventuell auf religiöse Aspekte eingehen. Insbesondere 2013 und 2014 erreichen die nicht-religiösen Angebote 16 bis 19 Veranstaltungen pro Jahr. Hier sind alle Angebote inklusive religiöse Feste einbezogen. Interessanterweise überragen die nicht-religiösen Veranstaltungen die religiösen Angebote von Beginn (2012) an, und zwar bei weitem. Es ist seit 2014 und 2015 ein deutlicher Anstieg der religiösen Angebote zu erkennen. Zu nicht-religiösen Angeboten zählen Veranstaltungen wie politische, kulturelle und künstlerische Veranstaltungen, soweit sie keinen religiösen Inhalt transportieren. Auch Themen, die die Gesundheit betreffen, zählen dazu. Ein Beispiel ist die psychiatrische Vortragsreihe zu Themen wie Angst, Depressionen, Drogen und Sucht wie auch Psychische Krankheiten in der Kindheit. Auch der Besuch des Justizministers Heiko Maaß zählt zu den nicht-religiösen Veranstaltungen. Ebenso fallen Spendenaktionen, Vorträge, Lesungen, Sommerfeste, Besuche von Bundestagsabgeordneten, Ney-Workshops, Diabetestests und Demonstrationen mit nicht-religiösem Inhalt darunter. Auffällig ist, dass das religiöse Angebot 2012 und 2013 in etwa gleich groß ist. Hingegen verdoppelt sich das Angebot der nicht-religiösen Veranstaltungen von 2014 bis 2015. Dies kann, so vermutet, mit wachsender nicht-muslimischer Zuhörerschaft und wachsenden Netzwerken zu tun haben, wie Cetin erwähnt (Interview 1, S. 2). Es entstand also seit 2014 eine größere Öffnung nach außen. Eine These für den Anstieg der religiösen Angebote könnte sein, dass die jüngere Generation sich wieder mehr auf den eigenen Glauben besinnt als Anker der Identität in der Gesellschaft. Sie werden als Muslime wahrgenommen und angesprochen; so ist es möglich, dass sie sich selbst mit dieser Teilidentität mehr identifizieren und dieses Thema intensiver pflegen. Gleichwohl interessieren sich Netzwerkpartner und die Mehrheitsgesellschaft auch vermehrt für religiöse Themen, wie in der Moschee gespiegelt wird.

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Interpretation :

Die vertikale Achse zeigt die Anzahl der Veranstaltungen an. An Abbildung 3 ist vor allem sichtbar geworden, dass sich die Zahl der Vorträge von 2013 bis 2015 um das Fünffache vervielfacht hat. Die Workshops hingegen steigen von 2012 mit null Veranstaltungen 2013 und 2014 auf zwei, 2015 auf drei. Die Diskussionen beginnen 2014 bei drei Veranstaltungen und steigen 2015 auf vier Veranstaltungen. Die Unterrichte starten 2012 bei einem Unterricht, bleiben 2013 gleich und steigen 2014 und 2015 auf zwei Unterrichte (regelmäßige Treffen). Die Demonstrationen liegen 2012 und 2013 bei null, 2014 bei drei und 2015 bei zweien. Die feste liegen 2012 bei drei, 2013 bei fünf, 2014 bei drei und 2015 bei vier Veranstaltungen. Spendenaktionen beginnen 2015 mit fünf Veranstaltungen einer Veranstaltung. Besuche wie zum Beispiel von Politikern beginnen bei 2012 mit sieben Besuchen, steigen 2013 auf acht Besuche, fallen 2014 auf einen Besuch und fallen 2015 auf null. Versammlungen verschiedenster Art beginnen bei 2012 mit fünf, fallen 2013 auf drei, steigen 2014 auf sechs und fallen 2015 auf null. Weitere Veranstaltungen, die nicht unter die anderen Kategorien fallen wie Lesungen, Ausstellungen, Ausflüge uvm., beginnen 2012 bei null, steigen 2013 auf drei, fallen 2014 auf null und steigen 2015 auf 10 Veranstaltungen.

Der Anstieg der Spendenaktionen kann daran liegen, dass 2015 eine große Einwandererzahl (1,5 Mio. Flüchtlinge) nach Deutschland kam und die Spendenbereitschaft enorm groß war (Interview 1, S. 2 ). Auch 2012 gab es eine große Spendenaktion, die damals in diesem Ausmaß eher eine Ausnahme war. Auch vor allem Veranstaltungen, die nicht unter die genannten Kategorien, sondern unter „Weiteres“ fallen, sind angestiegen. Darunter zählen Veranstaltungen wie beispielsweise Filmvorstellungen, Gespräche mit bekannten Persönlichkeiten in kleiner Runde, Eröffnungen, Fahrradtouren für Demonstrationen, Diabetes Tests am Freitagsgebet, Teilnahmen an Filmproduktionen, Lesungen, Ausflüge usw. Zusammengefasst ergeben diese Veranstaltungsformen eine Fülle an Möglichkeiten der Teilnahme an EB in der Moschee und zeigt auch die große Vielfalt der Veranstaltungsformen an der Şehitlik-Moschee.

Mehr oder weniger konstant ist das Begehen der Festlichkeiten seit Beginn der Erhebung 2012. Diese variieren bis 2015 kaum, lediglich um zwei Varianzpunkte (Veranstaltungen). Dies liegt, so vermutet, daran, dass die religiösen Feste jedes Jahr die gleiche Anzahl aufweisen und auf ähnliche Weise gefeiert werden. Zusätzliche Feste gibt es eher wenige. Zahlenmäßig erhöhen sich die Angebote nur, wenn extra Iftarabende (Abendessen im Ramadan) mit Politikern und geladenen Gästen veranstaltet werden. Ansonsten zählen zu den Festlichkeiten, die regelmäßig begangen werden, das Fest am Ende des Ramadan (Aid ul fitr oder Bayram Seker=Zuckerfest), das Opferfest (Aid ul adha, aid kabir, Kurban Bayram), der Geburtstag des Propheten Mohammed, die Nacht der Macht im Ramadan, die Himmelfahrt und das Aschura-Fasten. Nicht alle Feste werden als Feste gefeiert, sondern werden teilweise im Fasten oder in Gebeten verbracht. Festlichkeiten wie Geburtsfeiern, Verlobungen, Hochzeitsfeiern oder Trauerfeiern sind unregelmäßig, werden nicht statistisch oder auf der Website oder der Facebook-Seite festgehalten und sind daher nicht extra erfasst. Bekannt ist, dass die Şehitlik-Moschee in Berlin die meisten Trauerfeiern durchführt. Es kommen hierzu auch Imame nicht-türkischer Herkunft und halten Reden oder lesen Koran für die Gemeinde.

2014 bis 2015 ist ein plötzliches Auftreten von Diskussionsrunden oder -podien zu vermerken, die bis 2015 ansteigen. Diskussionsrunden finden im Vergleich zu Vorträgen weniger häufig statt. Sie sind aufwändiger zu organisieren, da meist bekannte Persönlichkeiten aus der Politik eingeladen werden. Dies ist vermutlich der Grund dafür, dass sie nicht so häufig stattfinden. Auch Workshops steigen von 2014 bis 2015 an. Hier ist beispielsweise die Workshopreihe zum Schutz vor Radikalisierung der Beratungsstelle Bahira in der Moschee zu nennen, daneben die Workshopreihe Religion als Quelle der Kraft und der Workshop mit Amina Rubin, Kommunikationsmanagerin des US-amerikanischen Council on American-Islamic relations. Dieser fand auch bereits 2013 statt.

Unterrichte finden regelmäßig mittwochs auf deutscher Sprache von 19 bis 21 Uhr statt. Dieser ist für alle offen und bespricht Themen rund um den Islam. Er findet seit etwa Jahren regelmäßig statt. Vorträge steigen 2014 und 2015 in die Höhe. Dies mag einerseits an der Eröffnung des Kulturzentrums in 2015 liegen, aber auch daran, dass die Jugendlichen, wie Cetin sagt, in den letzten Jahren sehr viel aktiver geworden sind und beispielsweise die MHG (Muslimische Hochschulgruppe Berlin) eigens regelmäßig Vorträge im Kulturhaus hält (Interview 1, S. 5). Interessant ist, dass die Besuche von 2012 bis 2013 mit einer Anzahl von sieben pro Jahr sehr groß ist, diese im Jahr 2014 aber drastisch fallen und 2015 gar nicht vermerkt wurden. Dies mag daran liegen, dass sie nicht öffentlich kommuniziert werden oder der Autorin nicht vorgelegt wurden. Verdeckte Gruppen, die nicht öffentlich angekündigt werden, sind Veranstaltungen, die nur Moscheemitglieder betreffen, zum Beispiel Predigt-Wettbewerbe oder Gebetsruf-Wettbewerbe, zu denen beispielsweise nur die DITIB-Moscheen eingeladen werden (Interview 1, S. 4).

Nicht erfasst sind die Moscheeführungen, da sie zu zahlreich sind, um mit den anderen Veranstaltungen gemeinsam aufgezählt zu werden. Sie finden seit etwa zwölf Jahren auf deutscher, englischer, türkischer und teils anderen Sprachen kostenlos statt. Pro Tag werden etwa zwei bis drei Führungen angeboten. Eine Führung dauert zwischen eineinhalb und zwei Stunden. Die führenden Personen sind meist Student_innen, die sich an der Şehitlik-Moschee beheimatet fühlen. Sie werden seit 2013 in einem Moscheeführungs-Unterricht, der ein Jahr dauert, ausgebildet. Dieser soll bei regelmäßiger Teilnahme zertifiziert werden (Interview 1, S. 4). Die Führungen sind die weitreichendste Öffentlichkeitsarbeit der Moschee, da hier pro Jahr ca. 20.000 Personen erreicht werden. Ziel der Führungen ist es, den Menschen einen Einblick in Religion und Tradition der Muslime in Berlin zu geben und Vorurteile aufzubrechen. Auch sind die Geschichte des Friedhofes und die Architektur der Moschee Teil der Moscheeführung. Die Resonanz der Führungen ist zu ca. 98% positiv.[9] Teilnehmende bedanken sich, haben viele Fragen, und die meisten Gruppen wie etwa Schul- oder Kitagruppen, Pfleger_innen-Ausbildungsgruppen, Kirchengruppen, Polizei sowie Privatpersonen oder universitäre Gruppen kommen erneut und regelmäßig. Hauptbesucher sind Schulen, Kitagruppen, Pflegerausbildungsgruppen, Kirchengruppen, Polizei sowie Privatpersonen, universitäre Gruppen. Die Moscheeführungsgruppe besteht aus ca. 13 aktiven Personen. Koordiniert wird diese über einen Verteiler und eine Tabelle, in die sich die Aktiven für die Führungen eintragen können.

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Interpretati on:

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Veranstaltungsfülle an der Şehitlik-Moschee von 2012 bis 2015 zugenommen hat, von ca. 30 Veranstaltungen 2012 bis ca. 40 Veranstaltungen im Jahr 2015. Über das Jahr gerechnet sind also 2015 ca. drei bis vier Veranstaltungen pro Monat zu verzeichnen. Hier sind die regelmäßigen jeweils einmalig gezählt. Hinzu kommen der Moscheeführungs-Unterricht, der wöchentlich stattfindet, der Arabischsprach-Unterricht, der seit 2015 wöchentlich zweimal stattfindet, die täglichen Moscheeführungen und Jugendgruppen, die an den Wochenenden Koranunterricht erhalten. Dazu gibt es den wöchentlichen Islamunterricht auf Deutsch und den türkischsprachigen Geschichtsunterricht für Jugendliche. Sie sind nicht mit einberechnet worden, da sie Dauergruppen sind und eine Extrakategorie darstellen. Wie bereits erwähnt kommen lebenszyklische Festlichkeiten wie Geburts- und Trauerfeiern hinzu; sie sind aber nicht archiviert Eine These der Steigerung der Veranstaltungen ist, dass dies durch den Wechsel des Vorstands vor fünf Jahren erfolgte. Diese These bestätigte sich nach dem Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden. So hat er sich mit weiteren Gleichaltrigen des Vorstands sehr für ein umfangreiches Bildungsangebot eingesetzt. Auch die Fertigstellung des Kulturhauses neben der Moschee bietet viele Möglichkeiten, Vorträgen und Diskussionsrunden Platz zu geben, den es vorher nur bedingt gab (Interview 1 S. 5). Die Autorin hat bemerkt, dass die Öffentlichkeitsarbeit und das Engagement in der Moschee maßgeblich vom Willen des Vorstands abhängt, da dieser über die Zustimmung zu einzelnen Bildungsangeboten bestimmt. Die Şehitlik-Moschee gilt vor allem seit dem Vorstandswechsel als besonders offen und kooperativ. Es bleibt zu wünschen, dass sich dieser Kurs weiter hält.

Die Veranstaltungen dauern meist eineinhalb bis zwei Stunden. Vor allem bezieht sich dies auf Vorträge. Es gibt auch häufiger die Kombination aus Tagungen und einzelnen Veranstaltungen wie Vorträgen, die sich aufeinander beziehen und ein Konglomerat aus unterschiedlichen Veranstaltungsarten bilden. Tagungen gehen meist ganztätig über zwei Tage, wie die Extremismustagung und die Demenztagung. Ausflüge, Ausstellungen, Demonstrationen usw. können natürlich auch länger andauern.

Leider existiert kein wirklicher Bildungstransfer, indem z.B. Veranstaltungen archiviert werden. So ist die vorliegende Arbeit ein erster Versuch dessen. Die Autorin hat bereits die Religionsbeauftragte der Şehitlik-Moschee dazu angehalten, dies weiter zu verfolgen und zu pflegen. Es bleibt zu hoffen, dass dem nachgegangen wird. Da die Autorin der vorliegenden Arbeit seit zehn Jahren in der Moschee beheimatet ist, kann sie aus teilnehmender Beobachtung und eigener Aktivität bestätigen, dass vor der letzten Vorstandswahl zwar bereits eine Offenheit und auch Moscheeführungen existierten, diese aber von der Generation des heutigen Vorstands angestoßen wurde und vor dem Vorstandswechsel häufig mit Veranstaltungswünschen vor verschlossenen Türen stand. Seit dem Vorstandswechsel hat sich die Moschee in den letzten fünf Jahren tatsächlich zu mehr Offenheit und weitaus größeren Aktivität entwickelt.

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Auswertung und Interpretation:

2012, 2013 und 2015 ist auffällig, dass insbesondere Muslime angesprochen werden. Hier hat die Autorin Veranstaltungen gezählt, die sich hauptsächlich an Gemeindemitglieder oder speziell an Muslime richten, wobei die Gruppe der Gemeindemitglieder am häufigsten vertreten ist. Die Gruppe derjenigen, die „Alle“ betrifft, wächst von 2012 bis 2014 stetig auf 16 Veranstaltungen und sinkt dann 2015 wieder auf acht Veranstaltungen. Hier werden Veranstaltungen angeboten wie Demenztagungen oder Vorträge, in denen explizit auch Nicht-Muslime oder nicht-muslimische Kooperationspartner vertreten und eingeladen sind. Spezielle Gruppen tauchen 2012 auf, sind 3013 nicht vertreten und 2014 auf sechs und 2015 auf acht Veranstaltungen. Hier zeigt sich ein genereller Anstieg. Unter spezielle Gruppen fallen zum Beispiel Frauenverbände, da diese explizit eingeladen und aktiv sind, Besuche der Bundesakademie für Sicherheit, die homosexuelle Gruppe meet to respekt, Iftarabend mit Thomas de Mazière, Berlin Cycling Unites (Fahhraddemonstration gläubiger Muslime, Christen und Juden), die Salaam-Shalom Initiative, der Ausflug mit Flüchtlingskindern der Gruppe Glauben und Leben in Berlin, der Besuch von Justizminister Heiko Maaß uvw.

Was die Zielgruppen betrifft, so ist vor allem zu vermerken, dass interessierte Personen, die sich in einen Verteiler aufnehmen lassen oder die Veranstaltungen auf Facebook verfolgen, fast immer die Möglichkeit haben an den Veranstaltungen teilzunehmen. Auch zu religiösen Festanlässen sind alle interessierten Menschen eingeladen teilzunehmen. Dies wird nicht immer, aber häufig, auch in Fernseh- oder Radiointerviews kundgegeben. Allerdings kommen meist Muslime oder weiter eingeschränkt, Mitglieder der DITIB-Moscheen oder der Şehitlik-Gemeinde zu den Veranstaltungen. Muslime sind zudem hauptsächlich Teilnehmende der Veranstaltungen, außer es geht um brisante Themen wie Kopftuch oder Extremismus. Dann kommen Polizei, Senat, Schulen und viele weitere zu den Veranstaltungen. Auch bei gesundheitlichen Themen und Tagungen kommen Berufsgruppen wie Altenpfleger, und diejenigen für die es beruflich relevant ist, so Erol. Ein Beispiel für die Teilnahme fast nur muslimischer Personen ist die Moscheeführer_innen-Ausbildung. Diese findet seit 2013 statt und wird in einem jährlichen Turnus abgeschlossen und zertifiziert. Hier gibt es nach Angaben von Erol nur eine Nicht-Muslimin (Interview 2, S. 3). Ein weiteres Projekt war das Filmprojekt „Film und Gespräch“, an dem die Şehitlik-Jugend mit einem Kurzfilm zum Thema „Vielfalt muslimischen Lebens in Berlin“ teilnahm. Ein zusätzlicher Anlass war der Besuch der Avicenna-Studenten_innen, die nur als Muslime vom Avicenna-Studienwerk, das begabte Muslim_innen mit Stipendien unterstützt, gefördert werden können können. Ebenso war die Teilnahme „Muslime stehen auf gegen Hass“ insbesondere an Muslime gerichtet, wie der Titel besagt.

Ein Beispiel für spezielle Gruppen war die Workshop-Reihe Religion als Quelle der Kraft vorgesehen. Es sollten christliche und muslimische Gläubige, die Erfahrung im Dialog haben, zusammen kommen. Gleichwohl bei der Salaam-Shalom Inititaitve, in der Jüd_innen und Muslim_innen zusammenkommen, um z.B. ethische Prinzipien aus dem Koran und dem Tanah zu vergleichen. Ebenso war es der Fall bei der Aktion Berlin Cycling Unites, als Gläubige verschiedener Gemeinden aufgerufen wurden, gemeinsam Rad zu fahren. Juden und Muslime fanden hier vor allem zusammen, um radfahrend ein Zeichen für Gemeinsamkeit zu setzen. Hinzu kommen Abende und Essen, sowie Dialogrunden zwischen Vertreter_innen der Şehitlik-Moschee und Politiker_innen. Dies findet meist im kleineren Kreis statt und nur mit geladenen Gästen. Auch werden in die Verteiler nur sehr interessierte Menschen aufgenommen und auch über andere Verteiler wie die der MHG, so Cetin, eingeladen. Hier beteht die Zielgruppe aus Gemeindemitgliedern und Interessierten.

Generell ist also festzustellen, dass die meisten Veranstaltungen zwar für die Öffentlichkeit zugänglich sind, aber häufig ein begrenzter Kreis an Interessierten eingeladen wird und erscheint. Dies ist vergleichbar mit anderen Religiösen EB-Einrichtungen, da diese mit ihren Themenbereichen und als Ansprechpartner für religiöse Menschen und Interessierte fungieren. Zugleich bemüht sich die Moschee auch, weitere Menschen zu interessieren und einzuladen, indem Religionsbeauftragte eingestellt werden (Erol) und Netzwerkpartner hinzukommen. Diese bringen ebenfalls ihre eigenen Interessenmitglieder mit. So erweitert sich der Kreis der Interessenten stetig.

8 Fazit

Es ist nach den Erhebungen festgestellt worden, dass die Şehitlik-Moschee ein sehr breites Feld an EB-Veranstaltungen anbietet. Diese weisen eine thematische Bandbreite von Kultur über Politik, Religion und Soziales sowie Gesundheit auf. Nach Aussagen der beiden interviewten Personen ist die Moschee bemüht sich weiterhin zu öffnen und ihre Politik der Offenheit und der Brückenfunktion weiterzuverfolgen. Es hat nach 2011 einen Kurs zu mehr Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit gegeben, nachdem der Vorstand gewechselt hatte. Auch dass eine Frau als Theologin eingestellt ist, beschreibt eine gewisse Moderne nach vorangehender Definition. Ebenfalls zeigt das Angebot eine große Aktivität in Sachen Interreligiosität und auch eine rege Teilnahme an politischen Netzwerkkontakten. Sie ist bemüht für unterschiedliche Zielgruppen wie altersverschiedene, geschlechterspezifische und weitere Gruppen wie Altenpfleger, psychisch Kranke und Angehörige, Muslime sowie Nicht-Muslime Angebote zu unterbreiten.

Das Archivieren von Veranstaltungen in der Moschee ist noch ausbaufähig. Auch gibt es noch Dämpfer in Themen Kultur, wenn es beispielsweise um musikalische Ausübung neben dem Friedhof geht. Hier stellt sich die Frage nach der Vereinbarkeit mit der Moderne. Gleichzeitig möchte die Autorin darauf hinweisen, dass es auch an anderen religiösen Einrichtungen ähnliche Diskussionen gibt. Dies zeigt auch eine Debattenkultur an der Moschee und eine Respektkultur, auch den weniger offenen Menschen gegenüber. Generell ist die Gemeinde sehr offen gegenüber gesundheitlichen und sozialen Themen. Sie steht im ständigen Austausch mit nicht-religiösen, aber auch religiösen Netzwerkpartnern und weist ein weitaus größeres Angebot an nicht-religiösen Veranstaltungen auf. Dies bekräftigt eine Vereinbarkeit mit der Moderne, da sich die Moschee als religiöse Einrichtung einer Vielzahl an Kooperationspartnern öffnet und im stetigen Dialog mit der Mehrheitsgesellschaft steht. Sie ist weder verschlossen noch radikal. Es fällt jedoch auf, dass die Hauptzielgruppe der Veranstaltungen Muslime sind, auch wenn prinzipiell alle Menschen kommen können. Der Verteiler beschränkt sich eher auf Muslime. Dies ist, auch von Seiten der Theologin, ein Manko, das es zu beheben gilt.

Die Şehitlik-Moschee bewegt sich mit ihrem Vorstand und Angeboten auch relativ unabhängig von ihrem Dachverband und riskiert, so weiß das aus eigener Erfahrung die Autorin, auch Ärger mit den Dachverbandsvorsitzenden, wenn es darum geht, ihre Offenheit und Aufgeklärtheit zu verteidigen, etwa als es darum ging, dass eine Gruppe evangelischer Kinder Moscheeführungen in der Şehitlik-Moschee übernommen hatten. Die Moschee verteidigte die Aktion vehement gegenüber dem damaligen Attaché. Generell ist der EB-Begriff, der hier auch von den Interviewten definiert wird, der einer aufgeklärten und gleichzeitig religiösen Einstellung. Es wird die Offenheit einerseits und die Brückenfunktion für die Gesellschaft betont. Andererseits betont die Theologin Erol auch das islamische Moment, das ihr am Herzen liegt. So werden zwei Komponenten einer Einrichtung widergespiegelt, die beide ihre Berechtigung haben. Das ist einerseits, wie gesagt, das religiöse Moment und andererseits das säkulare, weltliche und auch politische Moment, wobei sich die Trennlinien nicht scharf ziehen lassen, sondern beide Aspekte auch ineinanderlaufen. Die Moschee ist bemüht, Identitätslernen in Form religiöser und gleichzeitig in Form politischer, gesundheitlicher und sozialer EB anzubieten. Weder Frauen noch Männer werden genötigt, an Veranstaltungen teilzunehmen oder dies nicht zu tun. Die Gemeindemitgleider können sich nach Erfahrung der Autorin eigenständig in die Bildungsarbeit einbringen und diese mitgestalten. Bis hierhin kann behauptet werden, dass der EB Begriff, wie er durch die vorliegende Programmerfassung und die Experteninterviews definiert wird, kompatibel mit dem der Moderne ist. Es wäre eine interessante Frage sich weiterhin mit den Formen und Inhalten der EB an der Şehitlik-Moschee zu beschäftigen und die Lernformen genauer unter die Lupe zu nehmen. Dies wäre eine Möglichkeit für anschließende Forschung.

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https://www.facebook.com/pages/%C5%9Eehitlik-Moschee/165868706761802?fref=ts&rf=155598441139991

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10 Anhang - Interviews

Interview 1

Mit Ender Cetin, Vorstandsvorsitzender der Sehitlik Moschee seit 2011. 9 Februar im Kulturhaus der Sehitlik Moschee, 15 Uhr.

LKA: Ok, heute ist der 9 Februar, Sehitlik Moschee, aufnehmende Person ist Linnéa Keilonat-Abdelrahman und interviewt wird Ender Cetin.

Dein Alter, 39 Jahre. Seit wann bist du Vorstandsmitglied?

EC: 2011

LKA: Welche Tätigkeiten hast du hier?

EC: Ähm, also eigentlich alles organisatorisches, also verwaltungstechnisch, Mitgliedsstrukturen, die Tage organisieren, also wo es Feste, Veranstaltungen gibt und so weiter. Alles irgendwie koordinieren. Vorstandssitzungen und so weiter. Genau.

LKA: Ok, dann fangen wir mit der ersten Frage an. Wie beschreibst du das Leitbild der Moschee?

EC: Das Leitbild der Moschee ist, dass sie (lacht), eine Moschee ist, das ein offenes Haus für alle sein soll, also nicht nur für Muslime, sondern auch eben für Nicht-Muslime. Und eben Vorbildfunktion auch für viele Moscheevereine sein soll oder ist, was die Öffentlichkeitsarbeit angeht. Das heißt, dass dass sie auch eine Brückenfunktion hat für die Mehrheitsgesellschaft und eben stark äh Vorbehalte, Vorurteile versucht abzubauen und dabei Aufklärungsarbeit macht.

LKA: Ok, ich untersuche ja die Programm, also die Programme hier, also die Veranstaltungen, wie verläuft denn die Programmplanung, also wie werden Veranstaltungen organisiert, ist das so, dass sich Jemand aus der Gemeinde meldet und sagt, ich hab ne Idee, oder wird das von außen, von der Politik herangetragen, von Kooperationsträgern, wie funktioniert das?

EC: Also seltener von Gemeindemitgliedern, meistens ist es dann vom Vorstand, dass wir selber auch die Ideen entwickeln und sagen in diesem Jahr wollen wir zum Beispiel zu Ramadan diese und jeden Veranstaltung machen, Tag der offenen Tür, Sommerfest oder bestimmte heilige Nächte die es halt gibt. Aber sehr oft wird es auch von außen an uns herangetragen. Das sind dann Projekte, die hier in der Moschee stattfinden, die halt hier in der Moschee stattfinden wollen und mit denen wir kooperieren. Sei es zum Beispiel, dass ähm, hm, VPN is n Trägerverein, mit dem wir hier auch in Zukunft mehr Veranstaltungen machen werden. Manchmal sind es auch eben von außen Organisationen, Vereine, die Sozialthemen ansprechen wollen…

LKA: Darf ich kurz mal fragen, was ist VPN?

EC: VPN ist Violence Prevention Network und die werden durch das Familienministerium eben unterstützt und wir haben hier in der Sehitlik Moschee eben die Beratungsstelle. Wo es um Deradikalisierung geht und wo es eben auch Aufklärungsarbeiten stattfinden und so weiter.

LKA: Die besteht seit?

EC: Seit letztem Jahr erst, also seit 2015 September.

LKA: Ok, wie werden denn die Titel und die Texte der Veranstaltungen festgelegt?

EC: Die Titel und die Texte, das kommt darauf an, wenn das von unserer Seite ist, dann legen wir sie fest mit als Vorstand, zum Beispiel Sommerfest heißt dann zum Beispiel Willkommen Ramadan (lacht) und wenn es eben von außen ist, dass ist es eben zum Beispiel am 26. Februar gibt es jetzt zum Beispiel eine Veranstaltung über Demenz. Das macht, ähm, das macht auch eine Hilfsmedizinische Organisation, die selber dann auch den Titel, das ganze macht und wo wir nur Kooperationspartner sind und wo wir nur die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.

LKA: Ich hab mir die Texte son bisschen durchgeguckt auch von den Ausschreibungen, die sind, meistens relativ kurz. Warum sind die so kurz? (Pause) Also, son kleiner Abschnitt zum Beispiel. Bei Demenz war dann gar nichts, stand gar nichts drunter. Zum Beispiel mit dem letzten Flyer, der auf Facebook gepostet wurde.

EC: Ja. Weiß ich nicht (lacht). Also man gibt, man sagt uns auch sehr oft, dass die Leser eigentlich gar nicht so viel lesen wollen auf Facebook (lacht) und dann eben nur kurze Texte, ähm eher besser sind um die Leute zu erreichen.

LKA: Ok. Ähm, ich hab jetzt eine Frage, die passt jetzt nicht so ganz rein aber was würdest du sagen, welche bedeutsamen Veränderungen ergeben sich in den letzten Jahren oder haben sich in den letzten Jahren ergeben? Sagen wir so von 2012 bis jetzt. Also die letzten vier Jahre.

EC: Also in dem letzten Jahr ist ganz klar, das Flüchtlingsthema sehr hoch also sehr wichtig geworden für uns alle. Wo wir auch sehr aktiv geworden sind und ähm und ansonsten hat sich seit 2012 die Netzwerkpartnerschaft stark entwickelt. Also wir hatten schon Netzwerkpartner im Umfeld aber das hat, das ist mehr und mehr und stärker geworden eigentlich so in ganz Berlin und auch außerhalb mittlerweile von Berlin. Aber, ansonsten so von den Vorurteilen, Vorbehalten so von unserem Bauchgefühl hat sich da nicht viel verändert (lacht). Dieselben Fragen, dieselben, also Meinungen sind immer noch vorhanden aber die Themen haben sich bei der Flüchtlingsthematik eben sehr stark verändert.

LKA: Und wie werden die Veranstaltungen finanziert?

EC: Hm, naja, wenn´s unsere Veranstaltung ist, dann wird’s aus unserer Vereinskasse finanziert. Und wenn´s von außen ist, dann sind das wenn´s Projekte sind eben isses dann eben in dem Fall zum Beispiel VPN Familienministerium. Oder wir haben Mittwochs jetzt diese Psychosozialberatung psychotherapeutisch oder psychosoziologische Beratung das auch über ein, ein Projekt finanziert wird, über die (lacht) Lotteriestiftung wird das finanziert. Und äh ansonsten, bei der Demenzveranstaltung ist es, dass die Organisation von außen sozusagen die Räumlichkeiten mietet und das Essen und dann wird’s so finanziert.

LKA: Ähm, jetzt nochmal zum Selbstverständnis der Moschee, also wie erklärst sich das Selbstverständnis der Moschee, da hast du ja schon was dazu gesagt, und ihrer EB, also warum EB, es sind ja, viele Veranstaltungen die jetzt hier stattfinden, sind ja an Erwachsene gerichtet, also warum und aus welchem Selbstverständnis erwächst das Bestreben dazu?

EC: (lacht) Weiß nicht, weil wir selber erwachsen sind wahrscheinlich. Weiß nicht. Also das hat sich halt so ergeben, das ist ein Selbstläufer geworden oder eine es hat sich halt durch die Eigendynamik entwickelt. Ansonsten wollen wir natürlich alle Altersbereiche erreichen. Wir wollen Männer, Frauen erreichen, wir wollen eigentlich alle erreichen aber ähm, die Angebote die wir machen richten sich schon ähm, wenn´s eine öffentliche Sache ist eher an Erwachsene, ansonsten haben wir auch intern so, was eben rund um Koranlernen und rund um Lernen über Islamthemen geht, haben wir auch eben sehr viele Angebote für Kinder. Es bleibt aber eher dann so unter den Mietgliedern intern, bei den, in der Moscheegemeinde.

LKA: Hm, warum gibt es spezielle türkischsprachige Angebote und an wen richten sich die?

EC: Ja, die türkischsprachigen Angebote sind eigentlich (pause) ähm (Pause) ja auch ne Aufklärung über islamische Themen, die eher einmal für Ältere, Senioren also gerichtet ist, zum Beispiel dass man eben Dienstags, Dienstag Abends türkisch, türkischen Unterricht macht über islamische Themen. Und an Wochenenden eben für Kinder, wobei dann die Kinder eben ja auch hier irgendwie das ist auch eines unserer Aufgaben, dass wir die Muttersprache versuchen zu pflegen. Deswegen gehen die Kinder in Kurse über Koran und über Islam eben äh, in Türkisch. Sind mehrheitlich aber manche Schüler eben auch in Deutsch, dass sie das lernen wollen und dass manche Lehrer auch in Deutsch das unterrichten wollen. Aber gerade in dieser Moschee eben ist es mittlerweile, zur Hälfte deutsch zur Hälfte türkisch würd ich sagen.

LKA: Wie lange dauern die Veranstaltungen ungefähr? Und warum dauern die solange?

EC: (lacht) Naja, das kommt immer auch auf die Themen an, also Sommerfest dauert zwei Tage, durchgehend, fast. Aber sone Demenzveranstaltung ist ne Tagesveranstaltung das dauert fünf sechs Stunden zum Beispiel.

LKA: Ah ja, ok.

EC: Und aber die sonstigen Veranstaltungen wo es um Vorträge geht oder Ausbildung, Moscheeführerausbildung sind 90 Minuten, zwei Stunden.

LKA: Warum ist die Demenzveranstaltung so lange?

EC: Weil das eher ne Fachtagung sein wird, wo Experten, auch aus der Türkei auch aus Deutschland extra eingeladen worden sind um über das Thema dann eher wissenschaftlich zu reden aber gleichzeitig wollen die das auch praxisorientiert machen. Das heißt ich glaub die wollen auch n bisschen was, aus dem Leben zeigen, präsentieren oder Bilder zeigen oder so, deswegen wollen sie eben auch die Moscheebesucher auch mit ins Boot holen, deshalb wollen sie das auch in der, in den Räumlichkeiten der Moschee machen zum Beispiel.

LKA: Gibt es äh, Dauergruppen? Und wenn ja welche? Also, die ständig stattfinden?

EC: Also Dauergruppen

LKA. Jetzt für Erwachsene, also ab dem jugendlichen Alter?

EC: Ich würd sagen das sind die Mittwochsunterrichte, schon für die jungen Erwachsenen sind, die jeden Mittwoch stattfinden. Aufklärung über Islam. Moscheeführerausbildung ahm, dauert an. Aber, es gibt dann immer wieder Pausen und dann geht es wieder von vorne los. Das ist dann auch eher für die jungen Erwachsenen. Dann haben wir halt dienstags die Unterrichtskreise auf türkischer Sprache, das ist dauerhaft. Und dann eben diese Wochenendkurse für die Kinder. Und dann haben wir hier auch eben in dem Kulturhaus, wobei manches zurzeit in Pause ist zum Beispiel diese Musikinstrumente Kurse über hm, Oudinstrument oder Gebärdensprachkurse wollen wir wieder beginnen damit zum Beispiel ähm, das sind so andauernde.

LKA: Seit wann gibt es den Gebärdensprachenkurs nicht mehr?

EC: Den gibt es seit den Sommerferien nicht mehr (2015).

LKA: Also 2015. Ähm, gibt es sowas wie verdeckte Gruppen, die nicht angekündigt werden?

EC: Verdeckte Gruppen (Pause).

LKA: Also die zum Beispiel in der Ankündigung nicht vorkommen sondern die eher intern laufen aber ich glaube das hattest du schon gesagt, ne?

EC: Hm, naja es sind so manchmal Veranstaltungen die zum Beispiel nicht, wo keine Werbung nach außen so intensiv gemacht wird sondern vielleicht nur die Moscheemitglieder oder nur die Moscheen, die DITIB Moscheen zum Beispiel. Beispiel ist, dass jedes Jahr hier Koranwettbewerbe, Koranlesewettbewerbe, Predigtwettbewerbe, Gebetsrufwettbewerbe (lacht) stattfinden, und das ist eher sone Sache, das ist, da kann zwar jeder auch hin und zugucken aber da werden eher die DITIB Moscheen, die 13 Moschen DITIB Moscheen in Berlin angeschrieben und das wird dann hier in der Moschee gemacht.

12:57

LKA: Wie ist eigentlich der Verteiler, also für Vorträge zum Beispiel, wie werden die Leute erreicht über welche Mittel.

EC: Also meist über Facebook zum Beispiel und wenn´s eben dann auch Veranstaltungen sind wo die Öffentlichkeit sehr stark davon mitbekommt dann eben über Emailverteiler wo eben Ab- ähm Politiker, Geschäftsleute, Presse, oder auch Vereinsleute drin sind, die werden dann alle eingeladen ähm oder eben über Freitagspredigten. Dass man das freitags vielleicht nicht nur in unserer Moschee sondern wenn´s ne größere Veranstaltung ist dann in allen 13 Moscheen von Berlin, von der DITIB. (Pause) Achso noch was, fällt mir ein, wenn das ne große Veranstaltung ist arbeiten wir auch oder die helfen uns da auch- Metropol FM, dieses türkische Radiosender, die machen das, die helfen uns da auch zum Beispiel bei der Demenz Veranstaltung werden die das dann auch ankündigen.

LKA: Gibt es sowas wie Evaluation oder Zertifizierungen für die Veranstaltungen?

EC: Wir hatten das mal beim Sommerfest und beim Tag der offenen Tür.

LKA: Stimmt, das hab ich eingeführt. (lacht)

EC: Stimmt, das hast du eingeführt(lacht). Und das war es aber auch schon, also.

LKA: Obwohl ich habe gehört es gibt eine Zertifizierung nach der Moscheeführerausbildung, wenn man die regelmäßig besucht.

EC: Das wollen wir ja.

LKA: Achso ok, das ist noch nicht durchgeführt worden.

EC: Nee, ist noch nicht durchgeführt worden. Wollen wir jetzt aber.

LKA: Die Vorträge, was ich so herausgefunden habe, haben sich die Vorträge an der Sehitlik Moschee insbesondere seit 2015 sehr erhöht. Womit hat das zu tun?

EC: Die Vorträge haben sich erhöht.

LKA: Es sind viel mehr Vorträge als davor, gut ich glaube dass das Problem bei meiner Erfassung auch ist, dass ich nur nach Facebook und Website gegangen bin und die existieren nun mal erst seit einem bestimmten Zeitraum und 2012 hab ich kaum Veranstaltungen einfach weil da nichts steht.

EC: Ja, nee aber es ist schon so, dass sehr viele, also mehr Vorträge hab ich auch das Gefühl, dass mehr Vorträge jetzt stattfinden als früher.

LKA: Hängt das vielleicht mit dem Kulturzentrum zusammen?

EC: Ja, auch, das wirkt sehr anziehend. Also, das hab ich vergessen zu sagen, Zum Beispiel wir haben die MHG hier, die Muslimische Hochschulgruppe, die macht einmal im Monat eine Veranstaltung hier, da kommen ganz ganz viele Studenten zum Beispiel.

LKA: Seit welchem Jahr?

EC: Seit einem Jahr.

LKA: 2015

EC: Ja. Und das ist sehr interessant auch von den Themen her und…

LKA: Was, was machen die?

EC: Die machen meistens über Kunst Kultur also (unverständlich)

LKA: ähm und sind die Vorträge, weil ich hab die nicht gefunden auf Facebook. Ich glaube nein.

EC: (lacht), Nein. Also die MHG hat ne eigene Facebookseite, das weiß ich. Weil die will, die will ja so für alle muslimischen Studenten da sein. Aber im Prinzip sind alle, die dort Führungskräfte sind, im Vorstand, sind alle von der Moschee. Die üblichen, Amir, und Kauthar und so , Yunus Emre. Und eigentlich dacht ich, die sind und eigentlich dacht ich auch immer, dass sie über unsere Faceebookseite die Werbung gemacht haben.

LKA: Und ähm, sind die Themen zurückgekoppelt an religiöse Oberthemen?

EC: Die letzte Veranstaltung war zum Beispiel über Bosnien und die war auf unserer Facebookseite.

LKA: Achso, ja stimmt, ok.

EC: Das war von der MHG zum Beispiel.

LKA: Ok, dann steht das da einfach nicht explizit. Also, nach dem was ich ausgewertet hab haben die Veranstaltung generell vor allem in den letzten Jahren sehr zugenommen. Woran liegt das?

EC: Also einmal an dem Kulturhaus, einmal weil auch viel viel mehr junge Leute sich engagieren jetzt, also ehrenamtlich engagieren und ja hab ich das Gefühl viel mehr junge Leute, die jetzt was selber auf die Beine stemmen möchten.

LKA: ok, noch mehr als wir früher.

EC: Ja, (lacht). Genau, das eigentlich.

LKA: Liegt das vielleicht auch am Vorstandswechsel, der vor ein paar Jahren stattgefunden hat (lacht)?

EC: Seit 2011 meist du? Ja auf jeden Fall.

LKA: Auch zu tun, ok. Wie ist es mit den Themen, Zum Beispiel mit Kooperationspartnern, zum Beispiel wenn der Staat zum Beispiel Kooperationspartner ist, ich glaube das hatten wir vorhin schon. Werden die Themen vorgegeben oder?

EC: Das hatten wir schon, ja, also im Prinzip machen wir ja Themen, was uns beide interessiert. Also Deradikalisierungsthema zum Beispiel. Und dann, machen wir das eigentlich gemeinsam mit dem VPN in dem Fall. Und VPN, wenn die Themen parat haben, ist s klar, wenn’s unseren Prinzipien entspricht, dass wir das dann machen natürlich.

LKA: Und wer gestaltet das dann inhaltlich?

EC: Das machen, wir gemeinsam eigentlich mit VPN.

LKA: Wie viele Leute werden mit den Moscheeführungen pro Jahr erreicht?

EC: Pff, ziemlich viele. Also 30000 waren mal sone Zahl die wir hatten, aber das war, als wir noch drei Führungen am Tag gemacht haben. Mittlerweile, machen wir manchmal auch noch drei Führungen aber meistens sind´s zwei Führungen am Tag. Wobei immer wieder mal, also heute zum Beispiel war ne Gruppe auch da, die gar nicht in der Tabelle registriert wurde. Also es sind schon mit Sommerfest und Moscheeführungen sind es immer noch um die 20000 Menschen.

LKA: Dann hab ich gesehen auf der Internetseite gibt es einen Newsletter. Seit wann gibt’s den und wie regelmäßig geht der raus?

EC: (lacht). Gibt’s den? Wirklich?

LKA: Also man kann ihn bestellen, das hab ich gemacht.

EC: Äh, echt, der ist aber dann nicht von uns.

LKA: Also auf der, auf der Moschee, Sehtilik Website, da kann man sich eintragen, da steht Newsletter, dass man den bekommt.

EC: Kann es sein, dass der von einem anderen Verein ist.

LKA: Nee. Also wie es da steht nicht.

EC: Ich wollt n Newsletter machen. Aber den gibt’s noch nicht, (lacht).

LKA: Ok, also gibt’s noch keinen.

EC: Soweit ich weiß gibt’s denn noch nicht aber, interessant.

LKA: Ok, gut, Dankeschön für das Interview.

Interview 2

11 Februar, Berlin, in der Wohnung von Emine Erol, 27 Jahre alt, Religionsbeauftragte der Sehitlik Moschee und islamische Theologin.

Tätigkeiten: Moscheeführungen, Präventionsarbeit, Seelsorge aus der Gemeinde und nicht aus der Gemeinde, Jugendleitung der Jugendgruppen der DITIB. Dort werden auch Seminare gegeben. Öffentlichkeitsarbeit, z.B. Einsatz für muslimische Friedhöfe, Zusammenarbeit mit Krankenhäusern

LKA: Es geht ja um die Bildungsarbeit Erwachsenenbildung an der Sehitlik Moschee, wie würdest du das Leitbild der Moschee beschreiben?

EE: Das Leitbild ist, das man, äh, ein gesundes Bild des Islams zeigt also man ist sozusagen auch nur ein Fenster ein Spiegel von dem Islam. Da würd ich auch nicht liberal und orthodox und MischMasch draus machen sondern einfach bei der Sache. Also man kann z.B. Beispielhafte Sachen sehen, oder man sieht auch dass so viele Nationen kommen wegen dieser Moschee zu sagen. Also Leitbild könnt ich so deuten. Nicht irgendwie dass sie behinderungsfrei oder grün ist, sondern dass sie Kapazität aufweist indem sie das Richtige zeigt.

LKA: Wie würdest du sagen verläuft die Programmplanung, hast du da Einblicke, also wie, wie werden die Programme zusammengestellt?

EE: Das ist ein bisschen schwierig manchmal, wir haben jetzt neuerdings, was ich schon seit längerem sage halt ein System, an unseren Computern indem man sich eintragen kann, der Vorstand kann sich eintragen ich kann es eintragen und die anderen zwei Imame können es uns sagen und dann können wir da äh Veranstaltungen, Programme, Seminare eintragen und somit weiß dann jeder voneinander Bescheid. Natürlich muss alles genehmigt werden, das heißt man hat auch indirekt einen Kontrollmechanismus, also was ich zum Beispiel unter ähm verwirklichen will, muss der Vorstand auch genehmigen. Oder umgekehrt. Was der Vorstand will, muss ich auch genehmigen.

LKA: Ach so, ihr müsst euch gegenseitig genehmigen.

EE: Auf jeden Fall, natürlich.

LKA: Und war das schon mal so, dass du etwas anbieten wolltest selbst und es wurde nicht genehmigt?

EE: Ähm, eigentlich nicht direkt aber indirekt als dann das praktiziert worden ist , meinte der Vorstand dann, wir erinnern uns nicht, dass wir das bejaht haben, obwohl das bejaht wurde.

LKA (lacht) Ok, also interne Kommunikationsschwierigkeiten.

EE: Ja. Es gibt auch nicht ein bestimmtes Mechanismus wo man sagt das musst du unterschreiben. Das haben wir seit einem Monat oder so, ich weiß nicht ob´s klappt.

LKA: Ok, wie würdest du sagen erklärt sich nochmal das Selbstverständnis der Moschee und der Erwachsenenbildung also warum Erwachsenenbildung an der Moschee?

EE: Hm, ja, weil der Weg zur Religion ja kein Alter beeinschränkt also es ist für jeden. Und die Entwicklung des Menschen hat spezielle Gruppen. Es ist auch sehr individualisiert, ne, also jeder kanns auch im anderen Stadium sehen aber wir haben zum Beispiel auch Ältere, also Rentnergruppen, die dann nochmal weiter sich entwickeln wollen und nicht einfach in der Leere (Lehre?) stehen wollen, dieses Spirituelle wollen sie vollenden. Kommen sie zusammen, wollen zusammen Koranlesen, wollen gerade praktische Antworten haben zu äh, zu der Praktizität der Religion. Dann haben wir aber auch unterschied- wir haben Jugendgruppen. Was uns öfters fehlt sind halt sind Jahres also Gruppen die, die halt von 30 ab bis 45 oder so sind, ne. Die sind dann einfach in der Gemeinde aktiv oder so, aber bilden nicht wirklich Gruppen.

LKA: Aha also 30 40 also mein Alter.

EE: Ja so bis 45 würd ich sagen weil danach beginnt schon, man ist dann halt ne andere Gruppe als Ältere.

LKA: Und die Älteren sind dann wieder vertreten?

EE: Genau, die Älteren sind vertreten.

LKA: Und woran würdest du sagen liegt das, dass die von 35 oder 30-45 nicht so vertreten sind?

EE: Ja öfters weil sie vielleicht zu sehr in weltliche Dinge, der Arbeitswelt, Familienplanung auf jeden Fall, beiderseits der Geschlechter. Wenn man Kinder aufzieht ne, in den Jahren ist alles ähm, führt dazu dass man dann doch, nur individuell, ne, wenn man dann Zeit hat, wenn man Lust und Laune hat dann etwas macht, machen will.

LKA: Ok, was würdest du sagen welche bedeutsamen Veränderungen haben sich in den letzten Jahren ergeben? Seit wann bist du da?

EE: Ich bin jetzt, im August Werdens zwei Jahre.

LKA: Zwei Jahre, also 1,5 Jahre sind es jetzt dann. Was, hast du irgendwelche Veränderungen in der Zeit beobachten können?

EE: Ähm, du meinst jetzt generell oder in Hinsicht von der (unverständlich)?

LKA: Von der EB die Angeboten wird. Also von den Veranstaltungen.

EE: Ja, die älteren Gruppen sind bisschen standhafter geworden, gerade die Frauengruppen.

LKA: Also Regelmäßiger oder?

EE: Ja, regelmäßiger, wir haben dazu beigetragen, dass sie jetzt zusammen Koranlesen können, dreimal in der Woche, Vormittags, sodass sie auch das Mittagsgebet später zusammen praktizieren und dann gehen. Das gab es nicht, das gab es nur chaotisch an den Wochenenden einmal, manchmal zweimal, da mussten, wo dann auch Kinder dabei waren. Wo halt wo man meistens als Eltern da war und wo man nebenbei Koran rezitiert hat. Aber jetzt kommen wirklich Personen, die das haben wollen und das ist dann wirklich jede Woche dreimal, das ist schon. Ja, was macht man noch, nebensächlich trifft man sich und macht irgendwie ne Koch AG, tut etwas Gutes für die Moschee. Die Männer haben jetzt in der Cafeteria auch mehr Möglichkeiten, dass sie dort halt mehr Zeitschriften und so haben. Joa.

LKA: Ok, ähm, was würdest du sagen welche Zielgruppen werden mit den EB-Angeboten angesprochen?

EE: Welche Zielgruppen?

LKA: Wenn du sie jetzt unterteilen müsstest in Zielgruppen

EE: Ja, also einmal ist dieses educational also dieses eine Lehre ziehen können, also die die etwas erlernen wollen, auf der anderen Seite sind es die die wirklich Freizeit haben (lacht) und einfach sich treffen wollen und in der Cafeteria und in der Moschee ihre eigene Runde machen. Auch die gibt es, auch Frauen, auch Männer, manchmal auch als Familie, durchmischt, Freunde. Und dann gibt es beides kombiniert zusammen öfters. Im, in der ersten Gruppe geht es wirklich um Menschen, die dann nach Wissen streben. Die kommen und sagen was gibt es für Veranstaltungen, was gibt es für Seminare, was gibt es für Unterrichtskreise. Und manchmal entwickelt sich das auch so heraus, dass dann Unterrichtskreise ähm äh, sich entstehen weil der Wille der Gemeinde da ist. Oder man sieht selbst das haben wir jetzt nötig und wir beginnen jetzt damit und der Rest soll kommen (lacht).

LKA: Ok.

EE: Die zweite Gruppe ist son bisschen, also sie ist nicht problematisch aber sie bringt der Gemeinde nicht sehr viel, ne. Das sind Personen die kommen, womöglich spenden sie auch nicht so viel, man weiß es nicht.

LKA: Welche zweite Gruppe?

EE: Die die zu viel Freizeit hat. Ist sozusagen, dass die Cafeteria, die Moschee halt, eine Ecke davon genutzt wird um sich zu treffen und zu plaudern. Das heißt nicht, dass da nicht auch Wissen mit drin ist, öfters kommt es auch zu religiösen Debatten, ne, das bekomm ich öfters mit und dann werden wir auch öfters gefragt. Ich werde dann auch gefragt, was ist ihre Meinung dazu. Also da merkt man dann auch, dass schon eine tiefe Debatte geherrscht hat (lacht) und dann kommen sie.

Und die Zweite Gruppe ist wie zum Beispiel wir haben ne Moscheeführerausbildung, immer donnerstags heute, und da gibt es sehr viele Jugendliche die dann aus Langeweile mit machen und es gibt auch viele die eine Ausbildung haben wollen um zu führen später. Und es gibt den Ausklang indem sie sich zuvor schon mal treffen. Also um später dann Führungen anzubieten machen sie das, ne. Und es gibt den Ausklang indem sie sich zuvor erstmal schon mal treffen vor der Moschee, im Garten der Moschee und danach wieder draußen lange bleiben also das ist so dieses Kombi zwischen Freundschaftskreis ne, kombiniert mit diesem Wissensstreben.

LKA: Und was würdest du würdest du bei den Moscheeführern sind das Muslime oder Nicht-Muslime, jüngere oder Ältere?

EE: Es sind eher Jugendliche, Neustudenten Abiturienten, oder Studenten oder auch schon arbeitsfähige Menschen, sagen wir so zwischen 17 und 35 zirka. Und es sind alles Muslime. Soweit ich weiß, haben wir nur eine Nicht-Muslimin.

LKA: Bei den Moscheeführerausbildungen. Und wie ist es bei den anderen Veranstaltungen es gibt ja so diese Demenzveranstaltung, dann gibt es äh, Vorträge die im Kulturhaus stattfinden, was würdest du sagen wie ist da die Zielgruppe? Sind das Muslime, nicht-Muslime, jüngere oder Ältere?

EE: Es ist ja durch mischt es ist meistens, es ist die Zielgruppe, ähm, die die wir schon genannt hatten also über 30 ne, oder sagen wir über 25. Es kommt auf das Fachseminar an Sachen die wir anbieten also wo ich mit drin bin, ist meistens über 25, also 27 plus, sagen wir Erwachsene, ne. Es ist immer unterschiedlich bei Demenz haben sie meistens auch Altenpfleger und dies und das ne, die berufstätig sind in den Fällen.

LKA: Ähm, du hattest ja selber einen Kurs angeboten, diesen neykurs (orientalische Flöte) ne? Also jetzt mal so für Erwachsene und was so unter kulturelle Bildung fallen würde. Ähm, welche Intention hattest du die Veranstaltung stattfinden zu lassen?

EE: Aham. Die Intention war das sehr gewollte musikinteressierte Menschen kommen und wirklich als Unterricht, ich hab das Workshop genannt, also es war keine Unterrichtsreihe die für immer, also einmal beginnt und dann für immer stattfindet, sondern, es sollten zwei Workshops sein, erstmal die erste Stufe, dann die zweite Stufe. In der ersten Stufe sollten sie wirklich, bis sie ein Lied können und das ist sehr schwierig. Also, das voller Ehre zu erlernen ist nicht so einfach und die Zielgruppe es war, also sehr positiv, ich hätte es nicht gedacht, ich hatte mich auch erkundigt, wie man mit Workshops umgehen muss, hab denen auch vier große Regel am ersten Tag mitgegeben. Dass man wirklich nur zweimal also nicht ein Wochenende das ist Samstag und Sonntag gewesen, zweimal, sagen wir ein Wochenende nur fehlen darf, sonst ist man raus. Man darf nicht zu spät kommen und man muss wirklich die Übungen jede Woche machen, ne, das war, das war ne Phase für die. Also die mussten sich entscheiden und einige meinten auch das geht oder das geht nicht. Die Zahl war so sechs bis sieben Leute waren das, es gab auch noch Leute die dazukommen wollten aber ähm, und so ja, sowas.

LKA: Wie lange, ach so, also du hast gesagt es waren zwei Wochenenden. Ne? A wieviel Stunden?

EE: Ja also nee, zwei Wochenenden zwei Stunden. Das ging aber nicht nur für zwei Wochen, sondern das war sozusagen für eineinhalb Monate geplant und das zwei war auch wieder eineinhalb Monate also dazwischen war auch n break.

LKA: Ok, eineinhalb Monate wie oft die Woche, einmal

EE: Am Wochenende, genau, Samstag und Sonntag um neun. Früh um neun äh, bis elf Uhr.

LKA: Wie würdest du sagen ist der Verteiler, wie werden die Zielgruppen erreicht? Wenn jetzt zum Beispiel eine Vorstellung, äh, ein Vortrag über Bosnien oder so im Kulturhaus stattfindet, wer wird da eingeladen?

EE: Hm. Ähm, das ist immer unterschiedlich, nicht immer, also nicht jeder wird eingeladen im Verteiler, das ist, ja wir müssen uns da noch weiter entwickeln. Wir haben z.B: Kooperationskirchen, die sind nicht drin, sondern eher die muslimische Community. Die Jugendlichen, die ehrenamtlich tätig sind, wenn öfters eine Veranstaltung ist, dass sie da mithelfen und so , ne? Dann sind halt Moscheeführer mit drin, dann sind halt Ehrenamtliche, Freunde nochmal dabei, Leute aus der Gemeinde, wir, der Vorstand.

LKA: Hm, also es ist schon eher intern.

EE: Es ist intern wobei halt diese Menschen die Interesse zeigen nicht immer von der Gemeinde oder so sind. Also es ist schon exklusiv also ne, in außerhalb Neukölln viele Menschen, die dann noch dazu stoßen. Und viele Seminare geben wir schon. Also, wir sind dann pro Monat also ich selbst bin pro Monat mindestens in zwei Seminaren aber dabei, weil ich da entweder in der Organisation bin oder halt dort als Moderation oder als, wenn jemand kommt, dass Jemand von uns dabei ist, dass sie willkommen geheißen werden und so.

LKA: Hast du zu deiner Veranstaltung ein Feedback bekommen?

EE: Zu welcher Veranstaltung, zum Neykurs?

LKA: Zu deinem Neykurs?

EE: Unser Neykurs hat nicht so lange gedauert, das muss ich vorab sagen. Das hat andere Gründe.

LKA: Was für Gründe, wenn ich fragen darf?

EE: Das hat damit zu tun, dass Leute aus der Gemeinde Musik dort nicht akzeptieren können weil dort ein Friedhof ist. Was kulturell geprägt ist. Es gibt kein Verbot an so etwas und das ist auch ganz üblich, dass man musiziert neben so etwas. Feedback war sehr gut, meine Schüler waren auch sehr eingenommen als ich gesagt hab sie machen das nicht mehr weiter. Sie waren nämlich genau in einem Lehr Bild angekommen wo sie das jetzt wirklich in Erkenntnis genommen haben, dass das was sie machen, ne, ich hatte viele Schüler also vier stück, die halt seit Jahren so einem Kurs gesucht haben und das nicht gefunden haben. Wo es wirklich nur um Lehre geht wo es auch etwas mehr mit islamischer Kultur ne aus der Literatur, was Ney bedeutet, was es symbolisiert und so weiter. Sowas hab ich viel als Feedback bekommen und auch gerade, dass ich etwas streng am Anfang war mit den Regeln, das fanden sie auch gut.

LKA: Nochmal zur Erwachsenenbildung, könntest du, weil du hast ja Theologie studiert hast islamische Theologie, könntest du aus der islamischen Theologie eine Begründung für EB an der Moschee geben?

EE: Ja natürlich, es ist ein Muss, denn wenn man sich die Geschichte des Propheten Mohammed (s.) anschaut, merkt man ganz genau, dass diese Entwicklungsstufe immer immer weiter voran geht. Es ist so wie wenn man sich ein Beispiel nimmt, wie zum Beispiel das Fasten. Wenn man schon erlernt mit 14, mit 13, mit 16 ist individuell ne, erlernt zu fasten und man entwickelt sich weiter, dann ähm, kommt man irgendwann an einem Stadium an wo man bewusst, sehr bewusst fastet. Also man ist in Besinnung. Und man strebt zu einer Vollendung. An eine Vollendung das sieht man gerade bei sehr älteren Menschen, wenn neben ihnen die Welt untergehen würde und sie fasten dann sind sie total bei der Sache und machen die besten Entscheidungen die man in dieser Situation machen müsste, ne. Und bei Erwachsenenbildung, der Weg geht gerade in der Religion weiter. Man kann zum Beispiel, wenn man sich das weltliche anschaut dann kann man sagen ok vor so viel Jahren hab ich das erreicht, did reicht mir ich mache de- auf dem Weg weiter. Aber im Spirituellen und im Religiösen hört das nie auf. Das kann man sich so vorstellen wenn man sich eine Familie sich jetzt als Beispiel nimmt Man wird Vater Mutter irgendwann vielleicht, zum Beispiel, die Kinder sind irgendwann erwachsen, was kommt immer dazu, es kommen neue Faktoren dazu die man früher nicht hatte. Als Kleinkind hatten sie früher andere Probleme und Verantwortungen. Als Jugendliche hatten sie andere Verantwortung dann als Eltern. Wenn sie erwachsen sind, auch wenn sie verheiratet sind, man ist Eltern ne, und andere Verantwortungen kommen dann auch.

LAK: Enkelkinder.

EE: Deswegen (lacht) genau. Irgendwann dann die Enkelkinder und was passiert, die Schranke schließt nie, sie ist immer offen. Tür für Tür geht auf. Und gerade in der Spiritualität wird das nochmal wichtiger Sozusagen dieses erwachsenen, dieses sehen können, zur Erkenntnis kommen das ist sehr sehr wichtig gerade in der Theologie, weil du das ansprichst. Zum Beispiel auch die Namen Gottes, ne die 99 Namen und der Vollendetste Name Allah. Wann versteht man das genau. Wann will man das genau verstehen oder wann will man wirklich nach Kaaba (Makka, heilige Pilgerstadt) ne? Das sind dann Sachen, wo man eine ja bewusstere Seele braucht und die Braucht Entwicklung und das braucht man (unverständlich). Zum Beispiel kommen dann ältere Menschen und fragen mit Almosen und mit der Hajj (Pilgerfahrt) sehr oft. Sie sagen ich hab das schon wieder organisiert letztes Jahr, hab schon mein Urlaub vom Chef, die Kinder werden eigentlich dort abgegeben und dies und das und dann kommen sie und sagen, irgendwas kleines ist dazwischen gekommen und dann wissen sie, ok, der Wille von mir muss noch stärker sein, also Gottes Wille ist noch nicht da, ne. Oder auch mit den Almosen. Wir kontrollieren ja nicht, Niemand kontrolliert, das ist zwischen der Person und Gott. Da wird auch wegen, dann gefragt und dann merkt man, der Mensch hat Stufen in der Pädagogik, die weiterführend sind. Ja.

LKA: Hast du das in deinem Studium gelernt?

EE: Wir haben das, also ich hab auch, ich hab auch Pädagogik noch als Parallelfach noch gehabt und kann auch als Lehrerin Tätig sein, als Ethik und Religionslehrerin und da hab ich das gelernt ja.

LKA: Also auch mit Erwachsenen son bisschen, also auch das Erwachsene zum Beispiel..

EE: Nicht so ganz genau, mit Erwachsenen nicht so wirklich. Nein. Das ist etw. schon es ist eigentlich so von der Information her sone Lücke, aber die entwickelt sich automatisch, weil wir halt sehr viel Hermeneutik in Bezug auf Pädagogik hatten. Also Tafsir (Koranauslegung) Hermeneutik Unterricht in Bezug auf Pädagogik, was sagt der Koran, wie soll der Mensch sich entwickeln. Was sind die Stufen, sind sie sehr individuell. Meistens sind sie sehr sehr individuell. Manchmal hat man Zwanzigjährige, die sind schon auf ner Stufe wo man meistens nur Vierzigjährige sind, also wenn man generell so typisiert ne. Sowas. Ja.

LKA: Ok gut, danke schön.

[1] Neben den gewalttätigen Gruppen und solchen, die in ihrer Heimat Gewalt unterstützen fällt noch folgende Gruppe unter die Definition „islamistisch“: Organisationen, die unter Ausnutzung der rechtsstaatlichen Instrumentarien (=legalistisch) islamistische Positionen auch im gesellschaftlichen Leben Deutschlands durchsetzen, mindestens aber Freiräume für organisierte islamistische Bestätigung in Deutschland erlangen wollen und so – desintegrativ- zur Bildung einer islamistischen Binnengesellschaft beitrage ( Bundesamt für Verfassungsschutz, „Islamismus und islamistischer Terrorismus“).

[2] (Angabe der Autorin, die in der Moschee zeitweise Bürotätigkeiten erledigte und damit einen

Einblick in strukturelle und finanzielle Angelegenheiten der Moschee erhielt)

[3] Erfahrung der Autorin an der Şehitlik-Moschee

[4] Beobachtung der Verfasserin, die den Wahlen beiwohnte

[5] Nach verschiedenenen Quellen: http://soglaubtberlin.de/moscheebau-in-berlin/,

http://inssan.de/index.php?id=89

[6] http://www.sehitlik-camii.de/?page_id=7&lang_id=0

[7] http://alt.dmk.df-kunde.de/

[8] Im Islam ist jeder Mensch vor Gott nur für sich selbst verantwortlich. Wenn er sündigt tut er

das nur gegen sich selbst. Es bleibt also in großen Teilen ihm überlassen, ob und wie er seine

Religion und sein Leben lebt

[9] Dies bestätigen alle Moscheeführer_innen in Gesprächen und es gibt häufig telefonische

Rückmeldungen an den Vorsitzenden

Details

Seiten
67
Jahr
2016
ISBN (Buch)
9783668923690
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v457810
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
2,7
Schlagworte
Islam Muslime Moschee Bildungsverständnis Gemeinden Berlin Deutschland Programm Erwachsenenbildungseinrichtungen Jüdische Erwachsenenbildung evangelische Erwachsenenbildung Katholische Erwachsenenbildung

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Titel: Berliner Moscheen als Erwachsenenbildungseinrichtungen