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Spieltheorie: Gefangenen-Dilemma

Seminararbeit 2005 15 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Gliederung Seite:

I. Einleitung

II. Allgemeines zur Spieltheorie

III. Das Gefangenen-Dilemma aus (klassischer) ökonomischer Sicht
1. Spielsituation:
2. Spielresultate

IV. Psychologischer Ansatz
1. Kooperation fördernde Faktoren
a) Anreize von außen
b) Kommunikation
c) Eingehen von Bindungen
d) Soziale Normen / Vertrauen
e) Persönliche Orientierung der Spieler
f) Mehrmaliges Spiel
2. Kooperation hindernde Faktoren

V. Anwendungen
1. Beispiel: Kartellabsprachen in einem Dyopol
2. Beispiel: Bereitstellung öffentlicher Güter durch Private
3. Beispiel: Krieg

VI. Fazit

Literaturverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I. Einleitung

Konflikte1 und Konfliktverhalten sind Forschungsgegenstand der verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen. Entsprechend gibt es viele unterschiedliche Definitionen und Ansätze um Konflikte zu beschreiben2. Die vorliegende Arbeit setzt sich mit sozialen Konflikten auseinander. Der Begriff „sozial“ meint in diesem Zusammenhang alle zwischenmenschlichen Konflikte, in die wenigstens zwei Personen verwickelt sind, d.h. Konflikte in Paaren, Gruppen oder zwischen Gruppen, in größeren Gemeinschaften und großen sozialen Gebilden3. Der Begriff des sozialen Konfliktes meint also interpersonelle Konflikte. Eine gängige Definition des sozialen Konfliktes stammt von Friedrich Glasl4. Ein sozialer Konflikt ist demnach „eine Interaktion zwischen zwei Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.), wobei wenigstens ein Aktor den Umgang mit einer Differenz so erlebt, dass er durch das Handeln eines anderen Aktors dabei beeinträchtigt wird die eigenen Vorstellungen, Gefühle oder Absichten zu leben oder zu verwirklichen.“

Auch hinsichtlich der sozialen Konflikte existieren mannigfaltige Untersuchungsansätze. So wurde in den frühen Ansetzen zur Erforschung vor allem die Bedeutung von subjektiven Einstellungen zum Gegenüber (z.B. Stereotypen) und das Aggressionsverhalten untersucht5. Der Aufmerksamkeitsfokus lag also auf den an der Konfliktsituation beteiligten Personen. Ein anderer Ansatz liegt darin, das Hauptaugenmerk auf die dem Konflikt zugrunde liegende Situation der Abhängigkeit der Konfliktparteien voneinander zu lenken. Derartige Situationen sind Grundlage spieltheoretischer Untersuchungen6, die Gegenstand der folgenden Darstellung sind.

II. Allgemeines zur Spieltheorie

Die Spieltheorie ist ein Zweig der Mathematik und Ökonomie7, der sich mit der Analyse von strategischen Entscheidungssituationen befasst8. Dabei handelt es sich um Situationen, in denen eine Abhängigkeit, bzw. Interpendenz von Personen zentrales Merkmal ist. Interpendenz bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Entscheidung eines Einzelnen in wechselseitiger Abhängigkeit zu der Entscheidung von (wenigstens) einem anderen steht9. Das Verhalten des einen führt für sich genommen also noch zu keinem bestimmten Ergebnis. Dieses ergibt sich vielmehr erst aus dem Zusammenwirken des Verhaltens aller Beteiligten. Weiteres Merkmal von strategischen Entscheidungssituationen ist, dass sich jeder Entscheidungsträger dieser Interpendenz bewusst ist und außerdem davon ausgeht, dass dies auch auf alle anderen Entscheidungsträger zutrifft. Darüber hinaus treffen die Beteiligten ihre Entscheidung auch unter Berücksichtigung dieser Tatsachen10.

Diese Konstellation führt zu Koordinationsproblemen und Interessenkonflikten unter den Beteiligten. Es entstehen soziale Konflikte (s.o.) Das Entwickeln von Verhaltensstrategien wird somit für die Beteiligten möglich und sinnvoll. Eine Analyse des Verhaltens und der Strategiefindung der Beteiligten erfordert dementsprechend eine Gesamtbetrachtung der Situation. Diese Erkenntnis führte im Verlauf des 20. Jahrhunderts zu der Entwicklung der Spieltheorie11, die eine Möglichkeit bietet derartige Situationen zu analysieren. Sie lassen sich nämlich als Spielsituationen beschreiben, bei denen jeder Spieler nach gewissen Regeln strategische Entscheidungen trifft12. Diesem Umstand verdankt die Spieltheorie auch ihren Namen. Ziel der durchgeführten „Spiele“ ist es, für soziale Konfliktsituationen mehr oder minder eindeutig das individuell rationale Entscheidungsverhalten zu definieren. Dies ist jedenfalls das Interesse der Ökonomie an der Spieltheorie. Im Gegensatz zu dieser normativen Ausrichtung der Spieltheorie geht es in der psychologischen Forschung nicht darum zu analysieren, welches Verhalten in einer gegebenen Interpendenzsituation als rational und damit als Handlungsnorm zu betrachten ist. Vielmehr besteht hier ein Interesse an dem deskriptiven Aspekt und es wird dementsprechend versucht zu ermitteln, was die situativen und/ oder personalen Bedingungen für kooperatives oder nicht-kooperatives Verhalten in einer Situation wechselseitiger Abhängigkeit sind13. Auf diese Art und Weise sollten die in spieltheoretischen Paradigmen relativ häufig zu beobachtenden Abweichungen des realen Verhaltens von dem rational-ökonomisch zu erwartenden erklärbar sein.

Im Folgenden soll nun zunächst die klassische ökonomische Darstellung der Spielsituation des Gefangenen-Dilemmas dargestellt werden, bevor im Anschluss daran eine dem psychologischen Ansatz entsprechende Darstellung folgt.

III. Das Gefangenen-Dilemma aus (klassischer) ökonomischer Sicht

Eine Vielzahl der Situationen, mit denen sich die Spieltheorie beschäftigt, stellt soziale Dilemmata dar. Der Begriff „Dilemma“ bezeichnet eine Zwangslage, in der zwischen zwei unangenehmen Dingen gewählt werden muss. Als soziale Dilemmata werden derartige Situationen verstanden, in denen die Beteiligten eine Wahl treffen müssen zwischen einer Entscheidung, die das Eigeninteresse begünstigt und dabei gleichzeitig das Wohlergehen anderer beeinträchtigt oder einer Entscheidung, die das gemeinsame Interesse begünstigt und dabei gleichzeitig das eigene Wohlergehen gegenüber einer rein egoistischen Entscheidung reduziert14. Das Dilemma resultiert dabei aus zwei Eigenschaften:

- 1. Jedes Individuum erzielt ein für sich besseres Ergebnis für eine nicht kooperative
Handlung bzw. Entscheidung als für eine kooperative - und zwar unabhängig davon welche Entscheidung durch den oder die Mietspieler getroffen wird.
- 2. Wenn alle Individuen ihr eigenes Ergebnis zu maximieren versuchen und nicht kooperieren, erzielen alle ein schlechteres Ergebnis, als wenn alle kooperiert hätten.

Aus den Bedingungen der Situation ergibt sich, dass jedes Individuum sich besser stellt, wenn es nicht kooperativ handelt. In einem kollektiven Sinne ist es hingegen rational, wenn sich alle für Kooperation entscheiden15.

Die Konstellation lässt sich anhand der Spielsituation des wohl bekanntesten Spiels16, dem 2- Personen-Gefangenen-Dilemmas verdeutlichen:

1. Spielsituation:

A und B sind einer schweren Straftat verdächtig und werden in Einzelhaft genommen. Der Staatsanwalt ist sich sicher, dass beide eines gemeinsam begangenen schweren Verbrechens schuldig sind, verfügt jedoch über keine ausreichenden Beweise, um sie vor Gericht zu überführen.

[...]


1 Das Wort „Konflikt“ stammt vom lateinischen Wort „confligere“, was soviel bedeutet wie aneinandergeraten, kämpfen.

2 Beck, R../Schwarz, G. (1995), S.: 21; Glasl, F. (1997), S. 12.

3 Glasl, F. (1998), S. 22.

4 Glasl, F. (1997), S. 15.

5 Frank, E./Frey, D (2002), S. 122.

6 Ebenda.

7 Frank, E./Frey, D (2002), S. 121; Holler, M.J./Illing, G. (2002), S. 1.

8 Vgl. nur: Holler, M.J./Illing, G. (2002), S. 1; Frank, E./Frey, D (2002), S. 122.

9 Frank, E./Frey, D (2002), S. 122.

10 Holler, M.J./Illing, G. (2002), S. 1.

11 Vgl. Amann (1999), S. 1.

12 Holler, M.J./Illing, G. (2002), S. 1.

13 Frank, E./Frey, D (2002), S. 122.

14 Frank, E./Frey, D (2002), S. 123 m.w.N.

15 Frank, E./Frey, D (2002), S. 123.

16 Holler, M.J./Illing, G. (2002), S. 2.

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638430623
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v45706
Institution / Hochschule
Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer (ehem. Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer)
Note
13 Punkte (Gut)
Schlagworte
Spieltheorie Gefangenen-Dilemma Verhandlungsmanagement Sicht

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Titel: Spieltheorie: Gefangenen-Dilemma