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Möglichkeiten und Grenzen der Schulung von Bewegungsabläufen durch Metaphern im Erfahrungs- und Lernfeld Turnen und Bewegungskünste

Dargestellt am Beispiel der Unterrichtseinheit 'Rolle vorwärts' in einer 6. Klasse der Förderschule Schwerpunkt Lernen

Examensarbeit 2005 80 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Instruktionsformen und deren unterschiedliche Ansätze

3. Die metaphorische Instruktion
3.1. Zum Verständnis der Bewegung im Mensch- Welt- Bezug
3.1.1 Bewegung als Selbstbewegung
3.1.2 Bewegung als Mensch- Welt- Beziehung
3.1.3 Bewegung als Gestalt

4. Zum Zusammenhang der virtuellen und der realen Bewegung
4.1 Grundsätze der realen Bewegung
4.2 Grundsätze der virtuellen Bewegung
4.3 Unterscheidung der virtuellen Bewegung in bewusste und unbewusste Bewegung
4.4 Trainieren von Bewegungsabläufen in eingebildeten Welten
4.5 Veränderung von Bewegungsabläufen durch die Beeinflussung der emotionalen Gefühlslage

5. Lernen des ausgewählten Bewegungsablaufes der Rolle vorwärts in realen und eingebildeten Welten
5.1. Üben der Rolle vorwärts in eingebildeten Welten
5.1.1 Beeinflussung der emotionalen Gefühlslage des Schülers beim Erlernen der Rolle vorwärts
5.2 Üben der Rolle vorwärts in realen Welten

6. Planung der Unterrichtseinheit
6.1 Thema und Inhalte der Unterrichtseinheit
6.2. Anmerkungen zur Lerngruppe
6.2.1 Allgemeines
6.2.2 Sozialverhalten
6.2.3 Lern- und Arbeitsverhalten
6.2.4 Lern- und Leistungsstand
6.3 Didaktische Überlegungen
6.4 Sachstrukturanalyse
6.5 Methodische Überlegungen
6.6 Struktur der Einheit und Ziele der Sequenz

7. Durchführung der Unterrichtseinheit
7.1 Darstellung und Reflexion der einzelnen Sequenzen
7.2 1. Sequenz: Seitwärtsrollbewegungen durch Metaphern und Emotionen gestalten
7.3 2. Sequenz: Die Rückenschaukel
7.4.3. Sequenz: Die Rückenschaukel mit anschließendem Aufstehen
7.4.1 Ziele
7.4.2 Didaktische Überlegungen
7.4.3 Sachstrukturanalyse
7.4.4 Individuelle Lernausgangslagen
7.4.5 Pädagogische Konsequenzen (PK)
7.4.6 Methodische Überlegungen
7.4.7 Verlaufsplanung
7.4.8 Reflexion der Sequenz
7.5 4. Sequenz: Abrollen aus der Bauch- und Knielage
7.6 5. Sequenz: Abrollen aus dem Knie- und Hockstand
7.7.6. Sequenz: Die Rolle vorwärts mit anschließendem Aufstehen
7.7.1 Ziel der Sequenz
7.7.2 Didaktische Überlegungen
7.7.3 Sachstrukturanalyse
7.7.4 Individuelle Lernausgangslage
7.7.5 Pädagogische Konsequenzen (PK)
7.7.6 Methodische Überlegungen
7.7.7 Verlaufsplanung
7.7.8 Reflexion der Sequenz
7.8 7. Sequenz: Verändern der Rolle vorwärts mit und an unterschiedlichen Geräten
7.9 8. Sequenz: Die Rolle vorwärts auf erhöhten Untergründen

8. Reflexion der Unterrichtseinheit

9. Literaturverzeichnis:

10. Anhang

1. Einleitung

„Es ist bei- leibe nicht egal, wie Bewegungen gelehrt werden, auch dann nicht, wenn sich schnell ein Lernerfolg eingestellt haben sollte. Denn es ist nicht so, dass es ausschließlich die Bewegungen sind, die gelehrt und gelernt werden. Wir lehren unsere Methoden mit. In den Methoden zeigt sich die Wertschätzung, die wir den Schülerinnen und Schülern entgegenbringen“(Volger 2003, S. 1).

Diese Aussage des Bewegungswissenschaftlers und Sportpädagogen Volger führt direkt ins Thema der vorliegenden Arbeit. Ausgangspunkt und Motivation der durchgeführten Unterrichtseinheit ist die Annahme, dass durch das metaphorische Instruieren den Schülern[1] ein Lehrverfahren geboten wird, das eine intensive und direkte Auseinandersetzung mit den Unterrichtsinhalten ermöglicht. Im Gegensatz zu anderen Lehrverfahren soll dies durch die Tatsache geschehen, dass dem Schüler ein gewisser Freiraum für die Entfaltung des Selbstbewusstseins gelassen wird. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Schüler der Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen, durch ihre eigene Schulbiographie und ihre erfahrenen Misserfolge, ein eher negativ geprägtes Selbstbewusstsein haben. Dies wirkt sich auf den Lernprozess aus. Somit besteht ein bedeutender Zusammenhang zwischen Lehrverfahren und dem Selbstkonzept der Schüler. Gerade in den Förderschulen könnten Lehrverfahren, die den Aspekt der Wertschätzung gleichermaßen wie das Lehren von Bewegungen beachten, angemessener als andere Lehrverfahren sein. Die Planung und Durchführung der vorliegenden Arbeit soll sich um diese Kernaussage drehen.

Im Hinblick auf das Thema der vorliegenden Arbeit, folgt ein kleiner Exkurs zum Thema Lerntheorien und deren Freiraum für ein positives Selbstbewusstsein der Schüler:

„Die wichtigste Grundlage schulischen Erfolges bilden Lernverfahren, die ein positives Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler zulassen“ (Lengert 1981, S. 35). Lengert behauptet, dass empirisch - analytische Lernverfahren nur wenig Raum für die Ausbildung eines positiven Selbstwertgefühls bei Schülern zulassen (vgl. ebd., S. 35 / vgl. Kap. 2.). Diese Verfahren sehen den Schüler als ein System, das ein von der Lehrkraft festgelegtes Lernangebot möglichst effektiv verarbeiten soll. Im Vordergrund steht die enge Beziehung der Eingabe, dem Lehrangebot und dem Lerneffekt (vgl. ebd., S. 35). Raum für die eigenständige Auseinandersetzung und die Annäherung an Unterrichtsinhalte, bleibt bei diesen Verfahren weitestgehend unbeachtet. Nur Lernverfahren die in der Unterrichtspraxis einen gewissen Spielraum für die Konzeption eines Selbstbewusstseins zulassen, können diesem Anspruch gerecht werden. Wenn Schüler selbstständig handeln, sind sie neben der direkten Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt in der Lage auch Freiheit zu empfinden.

In Bezug auf die vorliegende Einheit, kann ein Schüler den Bewegungsablauf der Rolle vorwärts als richtig oder falsch definieren, wenn er diesen durch die eigenständige und praktische Auseinandersetzung erfahren hat. Durch positive oder negative Rückmeldungen seitens der Lehrkraft, wird die „selbstständige Überprüfung von Handlungsentwürfen“ (Lengert 1981, S. 42) zur Nebensache. Gerade das Schülerklientel der Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen muss sich mit negativen Rückmeldungen besonders auseinandersetzten. In Bezug auf das Erlernen von Bewegungsabläufen, ist die selbstständige Überprüfung der eigenen Leistung durch den Übenden nicht mehr möglich, wenn bereits ein negatives Selbstwertgefühl vorliegt und von der Lehrkraft Rückmeldungen gegeben werden. Um das Selbstbewusstsein eines Schülers zu unterstützen, ist es jedoch notwendig, die eigene Leistung zu erfahren und selbst einschätzen zu lernen. Dies kann nur möglich werden, wenn durch die angewendete Instruktionsform ebenfalls ein Menschenbild vermittelt wird, das dem Lernenden diesen Freiraum zugesteht und die genannte Wertschätzung entgegenbringt.

Im Rahmen dieser Arbeit und in der dazu durchgeführten Unterrichtseinheit steht die Schulung des Bewegungsablaufs der Rolle vorwärts, durch das Instruieren anhand von Metaphern, im Zentrum der Betrachtung. Es soll dargestellt und diskutiert werden, in welcher Form Metaphern im Sportunterricht erarbeitet und umgesetzt werden können, um das sportfachliche Ziel des genannten Bewegungsablaufs zu erreichen und zu verbessern. Ob das metaphorische Instruieren eine alternative Instruktionsform im Schulalltag sein kann und ein Lehrverfahren darstellt, das durch die vermittelte Methodik im Hinblick auf die menschliche Wertschätzung ein angemessenes Lehrverfahren ist, soll ebenfalls thematisiert werden.

Dabei sind folgende Fragestellungen zentral:

- Welche Möglichkeiten bietet das Instruieren anhand von Metaphern beim Erlernen des Bewegungsablaufs der Rolle vorwärts? Ist es möglich die Bewegungsvorstellung der Schüler durch metaphorische Instruktionen zu verändern und dadurch zu einer verbesserten Bewegungsausführung zu gelangen?
- Wie können Metaphern im Unterricht wirksam eingesetzt werden und welche Bedeutung muss eine Metapher für den Schüler haben? Welcher situative Kontext ist für das Instruieren erforderlich?
- Wo liegen die Grenzen der Schulung von Bewegungsabläufen durch Metaphern? Wie machen sich diese im Unterricht bemerkbar?
- Worin liegt die besondere Förderung durch diese Instruktionsform für die Schüler?

Um Antworten auf die formulierten Fragen zu finden, ist der Verlauf der Arbeit folgendermaßen vorgesehen:

Darlegung der Theorie

- Im zweiten Kapitel werden vier unterschiedliche Instruktionsformen und deren Ansätze dargestellt, um von diesen grundlegenden Überlegungen ausgehend die metaphorische Instruktion einordnen und deren Theorie darlegen zu können.
- Im dritten Kapitel wird die mögliche Definition der metaphorischen Instruktion beschrieben. Von dieser Standortbestimmung ausgehend, wird die zugrunde liegende Theorie dieser Instruktionsform dargelegt. Im Zentrum diesen Abschnittes steht das Verständnis über den Begriff der Bewegung als „Selbstbewegung“, „Gestalt“ und „Mensch - Welt - Bezug“.
- Im vierten Kapitel wird auf der Grundlage des Verständnisses über die Bewegung, der Zusammenhang zwischen virtuellen und realen Bewegungen erläutert. Im Hinblick auf das metaphorische Instruieren im Rahmen der Unterrichtseinheit, wird die Unterscheidung der virtuellen Bewegung in bewusste und unbewusste Bewegungen dargestellt.

Praktische Umsetzung der Theorie in Bezug auf die Unterrichtseinheit

- Das fünfte Kapitel der Arbeit zeigt die praktische Umsetzung und Verknüpfung der dargelegten Theorie, in Bezug zur Unterrichtseinheit der Rolle vorwärts anhand von Beispielen. Es wird verdeutlicht, wie der Bewegungsablauf der Rolle vorwärts in realen und eingebildeten „Welten“ von den Schülern geübt wird. Darüber hinaus werden Variationen aufgezeigt, wie die emotionale Gefühlslage der Übenden beeinflusst werden kann, um zu veränderten Bewegungsformen der Rolle vorwärts zu gelangen.

Planung und Durchführung der Unterrichtseinheit

- Im sechsten, siebten und achten Kapitel der Arbeit wird die Unterrichtseinheit in ihrer Planung und Durchführung dargestellt und im Hinblick auf die theoretischen Erkenntnisse sowie die gesammelten praktischen Erfahrungen bezüglich der formulierten Fragestellungen reflektiert.

2. Instruktionsformen und deren unterschiedliche Ansätze

Die wesentliche Aufgabe des Sportunterrichts besteht nach Wiemeyer darin, Lernprozesse durch bestimmte Lehrstrategien zu gestalten und dadurch dem Schüler Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln (vgl. Wiemeyer 2002, S. 99). Lehrstrategien können als Orientierungspunkte für das Instruieren dienen, die sich auf das Bewegungslernen beziehen. Sie dienen dazu, planmäßig und systematisch bei der Vermittlung von Lerninhalten vorzugehen. Betont wird, dass Lehrstrategien und Lernmethoden nicht unabhängig voneinander gesehen werden können. Wie im ersten Kapitel bereits von Volger bekräftigt, spielen Lernmethoden eine zentrale Rolle beim Vermittlungsprozess. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die metaphorische Instruktion. Diese soll von anderen Instruktionsformen abgegrenzt und der ihr zugrunde liegende theoretische Ansatz dargestellt werden.

Zur genaueren Abgrenzung unterscheidet Gröben vier Instruktionsformen, deren Ansätze kurz aufgeführt jedoch nicht inhaltlich vertieft werden (vgl. Gröben 1996, S. 209):

2.1 Die erste Instruktionsform ist durch die genaue Beschreibung der Sollbewegung unter funktionalen Aspekten gekennzeichnet. Primäres Ziel ist das prinzipielle Verständnis der Zielbewegung in einem abstrakten Bezugsystem. Diese Instruktionsform ist zu dem Modell der Kybernetik und des Behaviorismus zu zuordnen. In Bezug auf den Bewegungsablauf der Rolle vorwärts könnte eine Instruktion wie folgt lauten: „Um die Rolle vorwärts turnen zu können, muss man einige physikalische Prinzipien beachten. Der Körper wird auf der Bodenmatte in die Rollbewegung versetzt, wenn es gelingt den Körperschwerpunkt über die aufstützenden Hände zu verlagern. Impulsgeber dafür sind die sich abdrückenden Füße…etc.“

2.2 Die zweite Instruktionsform besteht aus der präzisen Beschreibung der Sollbewegung unter Berücksichtigung des individuellen Bewegungskönnens. Begleitend zur Ausführung wird eine akustische oder visuelle Hilfe gegeben. Das Ziel dieser Lehrstrategie besteht darin, dass der Lernende möglichst schnell zum Lernziel gesteuert wird. Dieser Ansatz ist dem Informationsverarbeitungsansatz zuzuordnen. In Bezug auf den Bewegungsablauf der Rolle vorwärts könnte eine Instruktion wie folgt lauten: Da die Hände zum Abrollen über den Kopf nicht richtig aufgesetzt werden, soll der Übende durch zwei Markierungspunkte auf dem Boden eine visuelle Hilfe erhalten...etc.

2.3 Die dritte Form der Instruktion besteht aus der reinen Ziel-, Problem- und Aufgabenorientierung. Das vorrangige Ziel ist es, dass dem Übenden ein individueller Suchraum für Bewegungslösungen gelassen wird. Dieser Ansatz kann zu den Dynamischen- Systemansätzen gezählt werden. In Bezug auf den Bewegungsablauf der Rolle vorwärts könnte eine Instruktion wie folgt lauten: „Nach der Rolle vorwärts sollst du den Stand erreichen, ohne dabei die Hände als unterstützende Hilfe einzusetzen...etc.“

2.4 Die vierte Instruktionsform ist durch die metaphorisch - episodische Beschreibung der Sollbewegung gekennzeichnet. Diese lässt Raum für individuelle Suchstrategien. Diese Instruktionsform ist der Gestalttheorie zuzuordnen. In Bezug auf den Bewegungsablauf der Rolle vorwärts könnte eine Instruktion wie folgt lauten: „Stell dir vor, dass du eine Eisenkugel bist, die über den Boden rollt. Wenn die Kugel wirklich aus Eisen ist, gelingt es, dass die Füße den Kopf überholen…etc.“

Die aufgeführten Instruktionsformen lassen unterschiedlich viel Freiraum für die Selbststeuerung des Schülers beim Erlernen eines Bewegungsablaufs. Dass eine Instruktionsform effektiver ist als die Andere, bleibt bis lang theoretisch ungeklärt. Die in Punkt 2.1 bis 2.3 dargestellten Instruktionsformen, werden zu den empirisch - analytischen Lerntheorien gezählt. Das Bewegungslernen bzw. das Vermitteln der Bewegung innerhalb dieser Theorien ist durch die „objektivierbare Norm“ (Volger 1997, S. 1) gekennzeichnet.

Im Vordergrund steht das genaue Beschreiben der Bewegungsvorschrift. Der Schüler wird an dem Idealbild eines Bewegungsablaufes gemessen. Weicht der Schüler von diesem Ideal ab, korrigiert die Lehrkraft den Bewegungsablauf durch Anweisungen. Darin spiegelt sich das Grundprinzip der empirisch – analytischen Lerntheorie wieder.

3. Die metaphorische Instruktion

In der Sportwissenschaft gibt es keine klare Definition des Metaphernbegriffes. Es wird in erster Linie empfohlen diesen mit der eigenen intuitiven Vorstellung über Metaphern zu beschreiben. Volger versteht unter dem Begriff der Metapher gleichermaßen „Gleichnisse, Analogien, Episoden oder Anspielungen“ (Volger 1999, S. 1). Metaphorisches Instruieren beschreibt er mit dem bewussten und gezielten Einsetzen von Metaphern beim Lehren. Zentraler Punkt für das metaphorische Instruieren ist, dass durch Metaphern Bedeutungen transportiert werden, die den Mensch - Welt - Bezug verändern. In den folgenden Punkten wird dies genauer erläutert. Kernpunkt der metaphorischen Instruktion ist das Herstellen von Bedeutungen, „die das gefühlsmäßige Erfassen der Ganz- oder Teilbewegung umschließen“ (Volger 1999, S. 8). Mit Hilfe der Phantasie des Menschen ist es möglich eingebildete Welten entstehen zu lassen. Metaphern stellen somit das Vehikel zur Schaffung eingebildeter Welten dar. Dies wird in Kapitel 4 erläutert.

3.1. Zum Verständnis der Bewegung im Mensch- Welt- Bezug

Volger beschreibt drei Merkmale der Bewegung (vgl. Volger 2003, S. 4):

3.1.1 Bewegung als Selbstbewegung

Mit dem Begriff der Bewegung ist das sich selbst Bewegen des Menschen gemeint und im Hinblick auf den Schulsport als Bewegungskunst definiert (vgl. Volger 2003, S. 2). Bewegungen im allgemeinem Sinne verstanden, zeigen generell die Einheit von Leib und Seele. Sie sind auf etwas ausgerichtet, zielen auf etwas ab, drücken etwas aus oder sollen etwas bewirken. Im Gegensatz zu Alltagsbewegungen grenzen sich Bewegungskünste dadurch ab, dass sie komplexere Gestalten sind und ihr Anfang und das Ende der Bewegung klar wahrzunehmen ist.

3.1.2 Bewegung als Mensch- Welt- Beziehung

Die folgenden Überlegungen zur Bewegung beziehen sich auf die Gestaltkreistheorie von von Weizsäcker, die im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter vertieft werden kann (vgl. Weizsäcker 1950 zit. in: Volger 2003, S. 3). Herauszustellen ist jedoch, dass der Mensch in seiner Wahrnehmung und Bewegung mit seiner Umwelt verbunden ist. Somit besteht eine Wechselwirkung zwischen der Wahrnehmung und der Bewegung des Menschen. Darauf aufbauend wird betont, dass die menschliche Bewegung mit einer bestimmten Intension in Bezug auf die Welt geschieht und darin eine bestimmte Bedeutung liegt.

Dadurch wird der Mensch als ein handelndes Wesen gesehen, der „Bedeutungsrelationen verschiedener Art erkennt und realisiert“ (Tamboer 1997, S. 29 zit. in Volger 2003, S. 3). Das bedeutet, dass sich der Mensch über die Bewegung mit der Welt auseinandersetzt und dies durch die Bewegung erkennbar wird. Diese Mensch - Welt - Beziehung formt sich durch den „Einfluss von Bedeutungen, die in der Welt zu finden sind“ (Volger 2003, S. 8). Die Welt - Mensch - Beziehung kann durch das Anknüpfen an Wünsche, Hoffnungen oder Motive wirkungsvoll verändert werden. So ist es möglich Metaphern als Vehikel zu nutzten, um bestimmte Bedeutungen zu vermitteln. Dadurch kann die Mensch - Welt - Beziehung verändert werden. Diese erhalten jedoch erst ihre Relevanz, wenn sie in Verbindung mit einem bestimmten Aufbau oder Gerät verbunden werden.

3.1.3 Bewegung als Gestalt

Ausgehend von der gestalttheoretischen Sichtweise, versteht Buytendijk Bewegungen als Zeitgestalten die dynamisch sind (vgl. Buytendijk 1956 zit. in Volger 2003, S. 4). Damit ist das gesamte Bewegungsgeschehen gemeint, das ihren Anfang im Erkunden des Lernfeldes (z.B. ein Gerät), ausprobieren und schrittweise Annäherung an eine Bewegung, das Durchführen einer Bewegung und letztlich das Beenden eines Bewegungsablaufes bzw. das Verlassen eines Gerätes umfasst. Als wesentlicher Teil dieses gesamten Bewegungsgeschehens, hebt sich die Bewegung der z.B. Rolle vorwärts als zentraler Punkt hervor. In Bezug auf die Unterrichtspraxis werden Schüler der Lehrkraft nur vom Ergebnis der Rolle vorwärts berichten, aber nicht vom gesamten Bewegungsgeschehen. Dieser Sichtweise liegt das Prägnanzgesetz zugrunde, welches besagt, „dass in allen Systemen, in denen ein freies Kräftespiel möglich ist, Tendenzen zur Entstehung, Aufrechterhaltung und Wiederherstellung ausgezeichneter Ordnungen besteht“ (Tholey 1984, S.25 zit. in Volger 1997, S. 2). In Bezug auf das Lernen von Bewegungen, gilt dieses Prinzip ebenfalls zur Herstellung einer guten oder harmonischen Gestalt von Bewegungsausführungen. Das heißt, dass während des gesamten Bewegungsgeschehens des Schülers, welches als System verstanden wird, generell das Zustandekommen des freien Kräftespiels ermöglicht werden muss. Daran ist die Instruktionsform maßgeblich beteiligt. In Anlehnung an Meinel beschreibt Volger als ein Merkmal der Qualität einer Bewegung, die Harmonie die der Bewegung innerhalb eines Bewegungsablaufes innewohnt (vgl. Meinel 1966, S. 231 f. zit. in Volger 2003, S. 4). Er beschreibt die Bewegung als unharmonisch, die in ihrer Gestalt unvollkommen ist. Um eine Bewegung neu zu erlernen oder zu optimieren, ist die Harmonisierung der Bewegung im freien Kräftespiel zentral. Im Lernprozess und der metaphorischen Instruktion wird es vorrangig darum gehen „über die Variation der Mensch – Welt - Bezüge Einfluss auf die Qualität der Bewegungsgestalt zunehmen“ (Volger 2003, S. 4). Ziel ist es durch die metaphorische Instruktion Raum für das beschriebene freie Kräftespiel zu geben.

Als Lehrkraft ist es möglich auf das Kräftespiel durch Veränderung der realen und der virtuellen Welt Einfluss zunehmen. Darüber hinaus ist es möglich über die Beeinflussung der inneren Haltung Bewegungsabläufe zu verändern (vgl. Kap. 4).

4. Zum Zusammenhang der virtuellen und der realen Bewegung

4.1 Grundsätze der realen Bewegung

Die reale Bewegung ist die individuelle Bewegungsausführung des Schülers, die ersichtlich wird. Auf der Grundlage der Mensch – Welt – Beziehung (vgl. Kap. 3.1.2) vollzieht sich die reale Bewegung immer in Abhängigkeit mit der Umwelt die ihn umgibt. Die reale Bewegung steht also im Zusammenhang mit der realen Welt. Das bedeutet, dass die Bewegungen des Schülers u.a. durch unterschiedliche Geräteaufbauten beeinflusst werden können. Kernpunkt ist es möglichst viele Lerngelegenheit anzubieten, um auf die reale Bewegung Einfluss nehmen zu können und möglichst viele Bewegungsversuche zu unterstützen.

4.2 Grundsätze der virtuellen Bewegung

Auf Instruktionsformen allgemein bezogen geht eine virtuelle Bewegungsvorstellung der realen Bewegung voraus. Dies gilt gleichermaßen für Formen der physikalischen Instruktion, wie sie in 2.1 bis 2.3 dargestellt worden sind. Das bedeutet, dass im Prinzip eine auf biomechanischen Grundsätzen aufbauende Instruktion, beim Lernenden genauso eine virtuelle Bewegungsvorstellung bewirkt, wie dies bei anderen Instruktionsformen der Fall ist. „Die virtuelle Bewegung ist die einzig gültige Möglichkeit für die wirkliche Bewegung, und somit ist die wirkliche Bewegung die Realisierung dieser Möglichkeiten“ (Volger 2003, S. 6). Dies bedeutet, dass der Schüler vor Ausführung seiner Bewegung bzw. der Rolle vorwärts, sich auf Grundlage seiner individuellen Bewegungserfahrung, virtuell an den Geräteaufbau begibt und die Bewegung mental vorwegnimmt.

4.3 Unterscheidung der virtuellen Bewegung in bewusste und unbewusste Bewegung

Die virtuelle Bewegung ist einerseits die grundlegende Bedingung für alle menschlichen Bewegungen. Alltagsbewegungen die in Routine ausgeführt werden laufen unbewusst ab. Dazu zählen z.B. Bewegungen der Schüler auf dem Pausenhof, wenn sie über den Hof laufen, um einen Freund zu treffen. Die Entscheidung loszulaufen und einen Fuß vor den anderen zu setzten, läuft unbewusst ab. Die virtuelle Bewegung kann aber auch zum „Akt des Bewusstseins“ (Volger 2003, S. 6) werden, wenn sich z.B. die Bewegung der Rolle vorwärts mental vorgestellt wird. Bewusste und unbewusste virtuelle Bewegung bedingen sich gegenseitig beim Lernen komplexerer Aufgabenstellungen wie z.B. der Rolle vorwärts. Somit besteht ein enger Zusammenhang zwischen bewusster und unbewusster virtueller Vorstellung. Beide bauen aufeinander auf. In dem geistigen sich Vorstellen der Bewegung der Rolle vorwärts besteht der Ansatzpunkt der vorliegenden Arbeit.

Da durch das metaphorische Instruieren das virtuelle sich bewusste Bewegen angesprochen werden kann. Virtuelle Bewegungen werden bewusst als auch unbewusste durchgeführt. Dies kann in der praktischen Ausführung der Rolle vorwärts an einem Gerätaufbau geschehen, durch das Zuschauen einer Demonstration, aber auch durch Vorstellungen oder in Träumen.

4.4 Trainieren von Bewegungsabläufen in eingebildeten Welten

In Bezug auf die Unterrichtseinheit werden die Schüler Bewegungen der Rolle vorwärts und dazugehörige Übungen an unterschiedlichen Aufbauten erproben und umsetzten. Die Aufbauten stellen einen „spezifischen Weltbezug“ (Volger 2003, S. 5) dar, „in dem die materialen und sozialen Umgebungsbedingungen das Geschehen bestimmen“ (ebd., S. 5). Die reale Welt besteht aus den unterschiedlichen Geräteaufbauten, die gestaltet und verändert werden können. Dies ist in eingebildeten Welten ebenfalls möglich, so dass in einer eingebildeten Welt auch eingebildete Effekte angestrebt werden können. Das heißt, dass sich die Schüler eingebildete Welten selbst schaffen und sich zu ihnen in Beziehung setzen können. Dadurch wird es möglich angestrebte Effekte umzusetzen und Bewegungsabläufe zu erlernen und zu verbessern. Das Lernen der Rolle vorwärts in mental vorgestellten Welten „geschieht durch die Gestaltung und Umgestaltung der Situation in der Phantasie des Lernenden“ (Volger 2003, S. 8).

4.5 Veränderung von Bewegungsabläufen durch die Beeinflussung der emotionalen Gefühlslage

Die emotionale Gefühlslage der übenden Schüler beeinflusst den Lernprozess von Bewegungen. Deshalb soll sie beim Bewegungslernen mit einbezogen werden (vgl. Volger 2003, S. 9). Es geht darum, die emotionale Gefühlslage der lernenden Schüler zu verändern, da diese dem Körper einen bestimmten Ausdruck verleiht. Dadurch wird es möglich Bewegungen zu verändern und eine ästhetische Qualität der Bewegung auszudrücken und zu erarbeiten. Darüber hinaus ist es möglich über Lernsituationen zu lachen, was einen unbeschwerteren und leichteren Zugang zum Lerninhalt ermöglicht. Im Rahmen dieser Arbeit soll es speziell Schülern mit einem negativen Selbstkonzept ermöglicht werden, einen angemessenen Zugang zum Lerninhalt zu finden. Das eigene subjektive Gefühl des Schülers wird wie Eingangs erwähnt erheblich durch das Selbstkonzept geprägt. Dies hat Auswirkung auf die Bewegungsausführung. Instruktionen können generell von Schülern nur geringfügig umgesetzt werden, wenn sie den Geräteaufbau oder die Bewegung als bedrohlich wahrnehmen und Ängste aufbauen. Durch Einflussnahme auf die emotionale Gefühlslage ist es möglich aufkommende Ängste, Befürchtungen oder Selbstskepsis seitens der Schüler zu überwinden.

5. Lernen des ausgewählten Bewegungsablaufes der Rolle vorwärts in realen und eingebildeten Welten

Die in Kapitel 3. und 4. dargelegte Theorie soll in Bezug auf die Unterrichtseinheit auf Einzelübungen, Geräteaufbauten und damit verbundenen Instruktionsformen bezogen werden. Im Hinblick auf die Beeinflussung der Mensch – Welt – Beziehung (vgl. Kapitel 3.1.2), soll der Bewegungsablauf der Rolle vorwärts gestaltet und verändert werden, um den Schülern vielfältige Bewegungserfahrungen zu ermöglichen. Durch folgende Schwerpunktsetzungen sollen die Schüler das sportfachliche Ziel der Rolle vorwärts erlernen und hinsichtlich der Qualität verbessern.

Es ist anzumerken, dass die folgenden drei einzeln aufgeführten Punkte in der Praxis nicht klar von einander zutrennen sind. Zum Ende der Einheit wird eher eine Kombination der drei aufgeführten Punkte im Mittelpunkt stehen.

Qualitative Verbesserung des Bewegungsablaufes der Rolle vorwärts:

- Zum einen durch das Instruieren anhand von Metaphern, um eine veränderte Bewegungsvorstellung der lernenden Person zu erreichen. Damit verbunden ist auch die Möglichkeit der emotionalen Beeinflussung der Lernenden durch Metaphern. Wie beide Bereiche in Bezug auf die Unterrichtseinheit und die einzelnen Sequenzen umgesetzt werden, ist in den Punkten 5.1 und 5.1.1 verdeutlicht.
- Zum anderen durch die Veränderung der realen Welt. Die Rolle vorwärts soll an vielfältigen Geräteaufbauten thematisiert werden. Durch die Vielfalt der realen Lerngelegenheiten soll es den Schülern ermöglicht werden, viele Bewegungsversuche unternehmen zu können. Dies wird im folgenden Punkt 5.2 auf die Unterrichtseinheit und die einzelnen Sequenzen bezogen.

5.1. Üben der Rolle vorwärts in eingebildeten Welten

In Bezug auf die Unterrichtseinheit sollen Vorübungen und Übungen zur Rolle vorwärts anhand von Metaphern in eingebildeten Welten (vgl. Kapitel 4.4) umgesetzt werden. Die Metaphern werden in den einzelnen Sequenzdarstellungen und -reflexionen erläutert, da sich ihre Bedeutungen aus dem jeweiligen Geräteaufbau ergeben. Die folgenden Metaphern sind nur Vorschläge und können situativ an die Vorstellungen der Übenden angepasst bzw. umformuliert werden.

Metaphern

- „Stell dir vor, dass du auf einer Eisfläche stehst. Mit nur einem Schuh. Damit dein nackter Fuß nicht erfriert, darf er die Eisfläche nicht berühren.“
- „Stell dir vor, dass du einen Sonnenpunkt auf der Stirn kleben hast. Er sehnt sich nach der Mittagssonne und wird von ihr unheimlich stark angezogen.“
- „Stell dir vor, du bist ein Igel, der sich erst ganz lang ausstreckt aber plötzlich zu einer Kugel zusammenzieht.“
- „Stell dir vor, dass dein Körper ganz fest zusammengeschnürt ist, wie ein Paket.“
- „Stell dir vor, dass du einen Punkt auf deinen Versen kleben hast, der dich unbedingt überholen möchte.“

Metaphorische Anspielungen

- „Du hast deine Knie sehr lieb. Du möchtest sie unbedingt bei dir behalten. Also halte sie sehr, sehr gut fest, wenn du auf den Rücken rollst.“
- „Behandle den Kasten gut, wenn du über hin rollst, sonst wirft er dich runter.“
- „Mach die Seitwärtsrolle wie ein Baumstamm.“
- „ Für die Rückenschaukel brauchst du deine Knie nicht. Lass sie stehen oder liegen wo sie gerade sind.“
- „Bring den Ball zum Schaukeln! Mach, dass es ihm schwindelig wird.“
- „Pass auf, dass du dich nicht verbrennst, wenn du über die Feuerkugel rollst.“
- „Behandle den Ball gut und lass ihn nicht fallen, wenn du auf den Rücken rollst.“
- „Stell dir vor, dein ganzer Körper ist so weich und wackelig wie Wackelpudding.“

5.1.1 Beeinflussung der emotionalen Gefühlslage des Schülers beim Erlernen der Rolle vorwärts

In Bezug auf die Unterrichtseinheit soll die ästhetische Qualität der Übenden durch die emotionale Beeinflussung der Schüler (vgl. Kap. 4.5) folgendermaßen verändert werden:

Metaphorische Anspielungen

- „Turn die Rolle vorwärts gelangweilt, müde oder ganz verschlafen.“
- „Turn die Rolle vorwärts stolz, schön oder wie ein Angeber.“ Lehrer hält den Schülern einen Spiegel vor.
- Gelingt dir eine schöne Rolle vorwärts?
- „Turn die Rolle vorwärts in Zeitlupe.“

5.2 Üben der Rolle vorwärts in realen Welten

In Bezug auf die Unterrichtseinheit sollen die Schüler an unterschiedlichen Geräteaufbauten (vgl. Kap. 4.1) möglichst vielfältige Bewegungserfahrungen sammeln. Die Realisierung der einzelnen Geräteaufbauten wird in den einzelnen Sequenzdarstellungen- und reflexionen erläutert. Zusätzlich erläutern Bilder im Anhang die Gerätekombinationen. Es folgt eine Einzelauflistung der verwendeten Geräte:

Geräte aus denen die unterschiedlichen Aufbauten bestehen:

- Kleine und große Bodenmatten, Kästen, schiefe Ebenen.
- Bänke, Medizinbälle, Gymnastikbälle, Sprungbretter.

6. Planung der Unterrichtseinheit

6.1 Thema und Inhalte der Unterrichtseinheit

Thema:

Die turnerische Form des Bewegungsablaufes der Rolle vorwärts durch das Instruieren von Metaphern an unterschiedlichen Aufbauten.

Ziel der Unterrichtseinheit:

Die Schüler sollen durch die Umsetzung von Metaphern, die vielfältige Übungen und Formen des Rollens beinhalten, den Bewegungsablauf der Rolle vorwärts erlernen und qualitativ verbessern. Dies beinhaltet, dass sie…

- …unterschiedliche Rollbewegungen auf der Ebene erproben, indem sie anhand unterschiedlicher Aufgabenstellungen und damit verbundenen Metaphern Seitwärtsrollen, Rückenschaukeln und Rückenschaukel mit anschließendem Aufstehen durchführen.
- …überkopf Abrollen können, indem sie an unterschiedlichen Aufbauten und Aufgabenstellungen anhand von Metaphern aus der Bauch-, Knielage und dem Hockstand abrollen.
- …die Rolle vorwärts mit anschließendem Aufstehen turnen können, indem sie anhand von Metaphern den Bewegungsablauf an der schiefen Ebene und anderen Aufbauten umsetzen.
- …den Bewegungsablauf der Rolle vorwärts sicher turnen können, indem sie anhand von Metaphern auf erhöhten Untergründen die Rolle vorwärts turnen.

Prozessuale Zielsetzung:

Die Schüler sollen in ihrer Kooperationsfähigkeit (Aufgabenstellungen gemeinsam erarbeiten) gefördert werden, indem sie geleitet von einem abwechselnd eingesetzten Mannschaftskapitän geführt werden, der das Motto der Sequenz beobachtet:

- 1. …dem Anderen aus der Gruppe zuhören und Blickkontakt aufnehmen.
- 2. …dem Anderen aus der Gruppe zuhören und Blickkontakt aufnehmen.
- 3. …dem Anderen zuhören, Blickkontakt aufnehmen und ihn ausreden lassen.
- 4. …dem Anderen zuhören, Blickkontakt aufnehmen und ihn ausreden lassen.
- 5. …die eigene Meinung sagen.
- 6. …die eigene Meinung sagen und versuchen eine Sache abzusprechen.
- 7. …die eigene Meinung sagen und versuchen eine Sache abzusprechen
- 8. …jeder versucht sich an Absprachen zu halten.

6.2. Anmerkungen zur Lerngruppe

6.2.1 Allgemeines

Die Klasse 6 setzt sich aus 11 Mädchen und 6 Jungen im Alter von 12 -14 Jahren zusammen. Im August 2003 wurde diese neu gebildet. Der Anwärter unterrichtet die Klasse seit August 2004 wöchentlich je zwei Stunden in Deutsch und zwei Stunden in Sport. Eine der Sportstunden ist angeleitet.

6.2.2 Sozialverhalten

Im Sportunterricht ist das Sozialverhalten der Klasse sehr unterschiedlich. Das liegt u. a. daran, dass einige Schüler den Sportunterricht nur unregelmäßig besuchen und es dadurch häufiger zu Veränderungen innerhalb des Sozialgefüges kommt. C., P. und P. fehlen häufig und fast immer im Sportunterricht. Sie haben deshalb kaum Anschluss an das Unterrichtsgeschehen. Wenn sie am Unterricht teilnehmen, wirkt sich das auf die Lerngruppe meist negativ aus. T. ist in seinem Verhalten auffällig, da er während des freien Unterrichtsbeginns häufig anderen den Ball wegnimmt und dies zu Streit führt. Es fällt ihm schwer ruhig sitzen zu bleiben und zuzuhören. Mehrere Aufforderungen seitens der Lehrkraft sind fast immer notwendig, damit er auf Anweisungen reagiert. Kommt es zu größeren Problemen, soll Taha sein Verhalten nach dem Unterricht im persönlichen Gespräch reflektieren. J. provoziert u. a. Taha und Denise häufig, was in aggressiven Auseinandersetzungen endet. In der Klassengemeinschaft hat sie eine Außenseiterrolle, das ihr Verhalten maßgeblich beeinflusst. P. und K. machen meist einen „verträumten“ Eindruck und wenden sich häufiger vom Unterrichtsgeschehen ab. Darüber hinaus kommt es durch Gespräche von D. und P. häufig zu Unterrichtsstörungen in Gesprächssituationen. D. benötigt viel Aufmerksamkeit und Bestätigung. Ihr fällt es schwer allgemeine Verhaltens- und Gesprächsregeln einzuhalten. Deshalb kommt es häufiger zu aggressiven Auseinandersetzungen oder Unterrichtsverweigerungen.

6.2.3 Lern- und Arbeitsverhalten

In unstrukturierten Situationen des offenen Unterrichtsbeginns, kommt es häufiger zu Streitereien zwischen einzelnen Schülern. Dazu zählt das freie Ballspiel zur Einstimmung auf die Sportstunde. Die meisten Kinder lassen sich im Unterricht motivieren und arbeiten an den Unterrichtsinhalten mit. Häufiger sind Ermahnungen notwendig, um diese Phasen leise und konzentriert zu gestalten. Die Schüler zeigen ein Gemeinschaftsgefühl, das Erarbeitungsphasen in unterschiedlichen Sozialformen zulässt. Inhalte können im Sitzkreis oder in Kleingruppenarbeit erarbeitet werden. In Bezug auf das unterrichtliche Vorgehen sind die Schüler in der Lage, anhand einer schriftlichen Anleitung einen Bewegungsablauf oder eine Übung eigenständig zu erarbeiten. D. verweigert gelegentlich die Mitarbeit auf Grund ihrer motorischen Unfertigkeiten und Bewegungsängsten. K. und P. wenden sich häufiger von Aufgabenstellungen ab und führen „Privatgespräche“, was Erarbeitungsphasen im Plenum oder in Kleingruppenarbeit erschwert.

6.2.4 Lern- und Leistungsstand

In Bezug auf den Bewegungsablauf der Rolle vorwärts ist davon auszugehen, dass die gesamte Klasse bereits Vorerfahrungen im bisherigen Sportunterricht der verschiedenen Klassenstufen gesammelt hat. Jedoch ist den Schülern der Bewegungsablauf der Rolle vorwärts als differenzierte und turnerische Form unbekannt.

Große Schwierigkeiten werden bei der Überkopfabrollbewegung und dem Aufstehen ohne Hände nach der Rolle auftreten (vgl. Kap. 6.4). Große Schwierigkeiten beim Überkopfabrollen haben C., C., J., D. und P. auf Grund ihrer körperlichen Konstitution. Für D. ist die Rolle vorwärts ein negativ besetzter Unterrichtsinhalt, da sie große Ängste vor der Bewegung hat. T., T., D., M., R., P., M. und C. können sich mit der Rolle vorwärts in Bezug auf das Überkopfabrollen auseinandersetzen. Sie haben Schwierigkeiten mit dem Aufstehen ohne Hände. D. und K. sind in der Lage die Rolle vorwärts umzusetzen und die dazugehörige turnerische Technik zu erlernen und deren Qualität zu verbessern.

6.3 Didaktische Überlegungen

Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung

Sportfachlicher Aspekt: In der heutigen Alltagswelt der Schüler bieten sich immer weniger Gelegenheiten motorische Grunderfahrungen zu sammeln. Dadurch wird das Erarbeiten sportartspezifischer Fertigkeiten erschwert. Zusätzlich treten Defizite im Haltungs- und Stützapparat der Kinder auf. Stark ausgeprägt sind diese bei P., D., J., C. und P.. Im Bereich des Turnens werden vielseitige sportmotorische Grundeigenschaften (Schnell- und Maximalkraft, Beweglichkeit und spezielle Ausdauer) und koordinative Fähigkeiten (Gleichgewicht, Gewandtheit, Orientierungssinn und insbesondere das koordinative Verbinden von Bewegungsabläufen) geschult. Turnerische Aktivitäten können zu einer Verbesserung der genannten Defizite führen und grundlegende Bewegungskompetenzen aufbauen. Die Unterrichtseinheit zur Rolle vorwärts gewährleistet, dass sich die Kinder intensiv bewegen und Erfolgserlebnisse durch das Erfahren persönlicher Lernfortschritte erleben. Die Rolle vorwärts ist besonders geeignet, um das Bewegungsrepertoire der Kinder zu erweitern und grundlegende Bewegungskompetenzen zu erarbeiten. Rollbewegungen stellen die Grundlage für vielfältig darauf aufbauende Bewegungsabläufe dar, wie sie im Stammbaum der Rolle vorwärts von Meusel (vgl. 1976, S. 20 / Anhang S. 79) beschrieben werden.

Bezug zu den Rahmenrichtlinien: Entsprechend der Rahmenrichtlinien der Schule für Lernbehinderte -Sport- sollen die bis zur vierten Klasse erworbenen Grundfertigkeiten des Gerätturnens in ihrer Qualität verbessert und gefestigt werden (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 1987, S. 61). Turnspezifische Bewegungen sollen gefördert werden. Dazu gehört die Grobform der Rolle vorwärts an einem Gerät (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 1987, S. 61), die bis zur sechsten Klasse erworben werden soll. Die Unterrichtseinheit ist in vier Abschnitte gegliedert, denen vier übergeordnete Ziele zugeteilt sind (vgl. Kap. 6.6). Um Rollbewegungen im Hinblick auf die Rolle vorwärts vielseitig und umfassend entwickeln zu können, werden den Schülern Zugänge an unterschiedlichsten Aufbauten (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 1987, S. 63) angeboten.

Im Rahmen dieser Unterrichtseinheit sollen Metaphern verwendet werden, um die Bewegungsvorstellungen der Übenden zu schulen. Anhand der veränderten Bewegungsvorstellungen sollen die Schüler ihre Bewegungsausführung qualitativ verbessern (vgl. Kap. 3.1.3). Durch die Erweiterung möglicher Übungsformen, anhand von veränderten Mensch – Welt – Beziehungen durch Metaphern, sammeln die Schüler Bewegungserfahrungen an den unterschiedlichen Aufbauten (vgl. Kap. 4.4).

Zugänglichkeit : Rollbewegungen haben einen hohen Aufforderungscharakter und motivieren auch uninteressierte Kinder. Leistungsschwache und ungeübte Kinder können sich mit dem Bewegungsablauf der Rollbewegung von Beginn an auseinandersetzen. Dadurch sollen Ängste vor Überkopfbewegungen genommen und ihnen ein angemessener Zugang zur turnerischen Form der Rolle vorwärts ermöglicht werden. Darüber hinaus entstehen neue Bewegungsvariationen durch die eigenständige und kreative Einbindung der Schüler in den Unterrichtsverlauf. Dies wird durch das selbständige Erarbeiten vorgegebener Metaphern besonders gefördert. Durch die metaphorischen Instruktionen (vgl. Kap. 5.1 / 5.1.1) soll das Selbstwertgefühl der Schüler unterstützt werden (vgl. Kap. 1). Durch das Umsetzen, Gestalten und Umgestalten von Metaphern, während des Übens an den Aufbauten, soll den Schülern ein individueller Zugang zum jeweiligen Bewegungsablauf als auch eine Unterstützung des Selbstwertgefühls ermöglicht werden. Dadurch können die Schüler eigenständig Bewegungserfahrungen sammeln und diese alleine, anhand der metaphorischen Instruktion, erproben.

Didaktische Reduktion : Um leistungsstarke und leistungsschwache Schüler gleichermaßen in den Einzelsequenzen einzubinden und zu fordern, werden die einzelnen Aufbauten differenziert. In Bezug auf die gesamte Einheit ist eine angemessene Leistungsdifferenzierung, entsprechend jeden Leistungsstandes, durch das Variieren von Geräteaufbauten und der schrittweise Heranführung an den Bewegungsablauf der Rolle vorwärts möglich (vgl. Kap. 6.6). Innerhalb der vorliegenden Unterrichtseinheit werden Bewegungserfahrungen von unterschiedlichen Rollbewegungen bis hin zur turnerischen Form der Rolle vorwärts thematisiert und bei Bedarf Individualziele formuliert (vgl. Leguet 1985, S. 45 / Anhang S. 78).

6.4 Sachstrukturanalyse

Um Rollbewegungen im Bereich des Turnens als mechanischen Prozess beschreiben zu können, wird das „Modell eines Segments“ (Leirich 1975, S. 88) verwendet. Dieses beschreibt den Vorgang der Rollbewegung als einen geometrischen Verlauf[2].

Der Verlauf ist eine „mit Translation verbundene Rotation, so dass Rollbewegungen mechanisch als überlagerte Bewegungen zu definieren sind“ (Döring 1975, S. 88).

Quelle: Adatte, M., Günthard, J.: Kunstturnen – Technik – Methodik. Turnverein, Eigenöss 1976

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle (Segment – Modell): Timmermann, H.: Gerätturnen: Lehrern und Lenen. Limpert Verlag, Wiebelsheim 2000

Der Bewegungsablauf der Rolle vorwärts gehört zu den wichtigsten Elementen des Bodenturnens und ist Grundlage für viele darauf aufbauende Bewegungen (vgl. Kap. 6.3). Der Bewegungsablauf der Rolle vorwärts kann trotz seines ganzheitlichen Bewegungsablaufs in zwei Phasen unterteilt werden. Bei der Rolle vorwärts dreht sich der Körper um 360° um seine eigene Querachse. Die gesamte Bewegung verläuft von der Kniehockstellung über den Rücken wieder zur Kniehockstellung. Mit der Ausgangsposition des Turners beginnt die erste Phase des Bewegungsablaufs. Die Bewegung der Rolle vorwärts kann aus unterschiedlichsten Positionen heraus begonnen werden. Dazu zählen unterschiedliche Stand- oder Überkopfpositionen. Aus der Kniehockbewegung (Bild 2) werden die Hände dicht bei den Füßen aufgesetzt. Dabei zeigen die Fingerspitzen vom Körper weg. Der Hinterkopf (Bild 3) wird dann zwischen die aufgestützten Hände auf den Boden aufgesetzt. Durch die Verlagerung des Körperschwerpunktes, wird die Körpermasse über den Punkt der aufstützenden Hände gebracht. Dies geschieht durch, dass der Körper durch das entstehende Schwerkraftmoment in Bewegung gesetzt wird. Mit einem möglichst runden Rücken folgt das Abrollen, währenddessen die Unterschenkel mit den Händen festgehalten und die Knie zur Brust gezogen werden (Bild 4). Die Körperrückseite ist konvex gekrümmt und rollt auf der Bodenfläche nach vorne. Die Körperteile, die die Bodenfläche berühren, bilden die Achsen um die sich der Körper in diesem Moment dreht (vgl. Döring 1975, S.89). Dazu zählen die Hände, der Nacken und der obere Rückenbereich (Bild 4). Der Körperschwerpunkt durchläuft die Senkrechte in Relation zur Bodenfläche. In der zweiten Phase der Rolle vorwärts, bleibt der Oberkörper den Beinen durch das Beugen der Hüfte angenähert. Der Hüftbeugewinkel zwischen Oberkörper und Beinen ist sehr gering (Bild 4 / 5). Dadurch wird es möglich die negativ wirkende Schwerkraft zu überwinden. Um in den Kniehockstand zu gelangen, dürfen die Hände nicht auf den Boden aufgesetzt werden. Wenn die Füße den Boden wieder berühren, dürfen sich die Hände von den Knien lösen. Um das anschließende Aufstehen zu erleichtern, werden die Arme nach vorne gestreckt (Bild 5).

Das in dieser Einheit eingesetzte Instruktionsverfahren wird durch Metaphern vermittelt. Der Begriff Metapher kommt aus dem Griechischen und wird von metapherein abgeleitet.

Dieser kann mit dem Wort übertragen übersetzt werden. Der Begriff Metapher steht für den „bildhaften Ausdruck für einen Gegenstand oder einen abstrakten Begriff, der eigentlich einen verkürzten Vergleich beinhaltet und von den Eigenschaften dieses Gegenstands ausgeht“ (Microsoft ® Encarta ® Enzyklopädie 2005 ©). In Bezug auf die Unterrichtseinheit übertragen Metaphern sportfachliche Ziele im Hinblick auf das Ziel der Rolle vorwärts. Dadurch werden sportfachliche Ziele thematisiert und vermittelt. Die verwendeten Metaphern zielen prinzipiell auf eine veränderte Mensch – Welt – Beziehung. Dies kann ebenfalls durch das Übertragen von Emotionen durch Metaphern geschehen (vgl. Kap. 4.5).

In Bezug auf die Mensch – Welt – Beziehung (vgl. Kap. 3.1.2) erhalten Metaphern erst ihre Relevanz, wenn sie in Verbindung mit bestimmten Geräteaufbauten (vgl. Kap. 3.1.3 / 4.4) gebracht werden. Daraus ergeben sich die unterschiedlichen Aufbauten innerhalb der Einheit, um vielfältige Bewegungsanlässe zu schaffen. Das metaphorische Instruieren wird im Rahmen dieser Einheit durch drei prinzipielle Ansatzpunkte realisiert, die in den einzelnen Sequenzen konkretisiert werden:

- Durch vielfältige Aufbauten, die als „reale Welt“ beschrieben werden können, setzen sich die Schülern mit unterschiedlichsten Mensch - Welt - Bezügen auseinander (vgl. Kap. 4.4).
- Zu diesen Aufbauten werden passende Metaphern von der Lehrkraft vorgegeben, um zu Beginn der Sequenz grundlegende und zum Ende hin spezifischere Bewegungsanweisung zu geben (vgl. Kap. 4.4). Durch die metaphorischen Instruktionen werden Variationen und Veränderungen der Mensch – Welt – Beziehung erreicht (vgl. Kap. 3.1.3). Mit Hilfe der Metaphern sollen die Schüler zu veränderten Bewegungsvorstellungen gelangen und somit ihre Bewegungsabläufe verändern. In den Unterrichtssequenzen werden Gegensatzerfahrungen thematisiert (vgl. Kap. 6.6), um den Schülern die Möglichkeit zu geben, harmonische von unharmonischen Bewegungen zu unterscheiden (vgl. Kap. 3.1.3).
- Mit dem metaphorischen Instruieren ist das Gestalten von Bewegungsabläufen durch Emotionen verbunden (vgl. Kap. 5.1.1). Dadurch werden auch Gegensatzerfahrungen ermöglicht. Kernpunkt ist es, für ängstliche Schüler Lernsituationen zu schaffen, die ein unbeschwertes Üben ermöglichen (vgl. Kap. 4.5).

Lernzirkelarbeit: Die Lernzirkelarbeit ist durch ein wechselhaftes Üben an unterschiedlichen Aufbauten charakterisiert. Alle Schüler durchlaufen diese Aufbauten und damit verbundenen Vorgaben, die zuvor durch eine Probehandlung demonstriert und besprochen wurden.

6.5 Methodische Überlegungen

Neben den allgemeinen Überlegungen zum Sportunterricht sollen in dieser Einheit folgende Aspekte schwerpunktmäßig berücksichtigt werden:

Lernzirkelarbeit: Die Organisation des Sportunterrichts wird in Anlehnung an den offenen Unterricht durch die Lernzirkelarbeit gestaltet (vgl. Hegele 1999, S. 7).

Da diese Unterrichtsform eine individuelle Charakterisierung und Ausprägung zulässt, werden zwei Grundprinzipien des Reformpädagogen Freinet auf den Unterricht bezogen. Grundlegend ist die „ individuelle und selbstständige Auseinandersetzung mit der Umwelt“ (Peschel 2003, S. 21). Dieser Zugang wird durch die unterschiedlichen Geräteaufbauten und die damit verbundenen Metaphern ermöglicht. Durch das freie Ausdrücken und Gestalten von Rollbewegungen, sollen sich die Schüler den Unterrichtsinhalten individuell nähern können (vgl. Hegel 1999, S. 19). Ein weiteres Grundprinzip ist, dass die Geräteaufbauten und die dazugehörigen Arbeitsanleitungen vorbereitet sind. Die Schüler setzen sich innerhalb des Lernzirkels mit unterschiedlichen Aufbauten und Aufgabenstellungen auseinander. Dies ermöglicht eine innere Differenzierung in zwei Punkten: Zum einen können für leistungsstarke und leistungsschwächere Schüler individuell Metaphern formuliert werden. Zum anderen ist es möglich jeden Geräteaufbau in sich zu differenzieren, um verschiedenen Leistungsniveaus gerecht zu werden. Die Schüler sammeln im Lernzirkel unterschiedlichste Bewegungserfahrungen. Dies gewährleistet, dass sich alle Schüler mit verschiedenen Rollbewegungen auseinandersetzten können und anhand der Metaphern und der Aufgabenstellung ihre eigenen Bewegungen einschätzen lernen (vgl. Kap. 1). Auf Ansage der Lehrkraft wird der Geräteaufbau gewechselt. Darüber hinaus kann die Lehrkraft mit einzelnen Schülern Metaphern situativ verändern, um den Bewegungsablauf im Hinblick auf das jeweilige Ziel der Sequenz zu schulen (vgl. Kap. 4.4).

Wechsel der Sozialformen: Um unterschiedliche Lernsituationen zu schaffen, gibt es während der Sportstunde häufigere Sozialformwechsel zwischen Kleingruppenarbeit und Besprechungen im Plenum . Dies soll der Auflockerung währen der Sequenz dienen. Durch die Anbahnung mehrerer Sozialformen und das damit verbundene Eigenengagement, soll das Selbstwertgefühl unterstützt werden. Der Sitzkreis ermöglicht es, dass alle Schüler Blickkontakt zur Lehrperson, aber auch zu allen anderen Schülern haben.

Rituale / bekannter Sequenzverlauf: Zur Einstimmung auf die Sportstunde, beginnt diese immer mit einem freien Spiel zur Musik. Ebenfalls sind die Schüler daran gewöhnt, sich in der Hallenmitte auf dem roten Kreis zu treffen. Damit sich die Schüler auf metaphorische Instruktionen leichter einlassen und ihre Bewegungsvorstellungen in Bezug auf virtuelle Welten schulen können (vgl.4.4), wird vor der inhaltlichen Erarbeitung des jeweiligen Themas der Sequenz, immer ein spezielles Aufwärmtraining durchgeführt. Dies besteht darin, Laufbewegungen, Fangspiele oder Gymnastikübungen durch Metaphern zu gestalten und zu verändern (vgl. Anhang S. 57). Am Ende der Sequenz reflektiert jeder Mannschaftskapitän gemeinsam mit seinen Gruppenmitgliedern, wie das Erarbeiten der Metaphern und das anschließende Üben mit Hilfe der Metaphern umgesetzt werden konnte. Der Schwerpunkt liegt auf dem Erproben von Gegensatzerfahrungen. Dabei werden Metaphern unterschieden, die den Bewegungsablauf erschweren oder unmöglich machen bzw. leicht und gut gelingen lassen. Durch dieses Vorgehen lernen die Schüler harmonische und gute Bewegungen von unharmonischen zu unterscheiden (vgl. Kap. 3.1.3 / 1.).

Mannschaftskapitän / Gruppenarbeit: In jeder Sequenz werden Kleingruppen mit drei bis vier Schülern eingeteilt. Ein Mannschaftskapitän führt diese an. Die Funktion des Mannschaftskapitäns besteht darin, den Erarbeitungsprozess eines Bewegungsablaufes anzuleiten und darauf zu achten, dass alle Beteiligten mitwirken. Hauptaufgabe des Kapitäns ist es, gemeinsam mit seinen Gruppenmitgliedern vorgegebene Metaphern in Bewegungen umzusetzen. Die Funktion des Kapitäns wird in jeder Sequenz von einem andern Schüler übernommen. Im vergangenen Schuljahr wurden für die Gruppenarbeit notwendige Arbeitstechniken und soziale Fähigkeiten erarbeitet (vgl. Hegele 1999, S. 9). Inhaltlich bezog sich dies auf folgende Punkte: Geräte gemeinsam tragen, nach Plan auf- und abbauen, Prüfen, ob die Geräteaufbauten an der richtigen Stelle stehen, Bewegungsaufgaben anhand von Bildern und schriftlichen Anweisungen umsetzen und Gesprächsregeln einhalten. Im Rahmen dieser Unterrichtseinheit wird davon ausgegangen, dass die Schüler auf diese Arbeitstechniken zurückgreifen. Damit die Schüler innerhalb der Gruppenarbeit schriftliche Anweisungen und die damit verbundenen Metaphern zunehmend effektiver umsetzen können, soll durch die prozessuale Zielsetzung die Kooperationsfähigkeit gefördert werden (vgl. Kap. 6.1). Die dafür operationalisierten Punkte bauen aufeinander auf und sollen das kooperative Verhalten zunehmend steigern. Die Gruppenarbeit ermöglicht es, dass die Schüler selbstständig Unterrichtsinhalte erarbeiten, ohne auf die Lehrkraft angewiesen zu sein. Durch diese Arbeitsform erproben und verändern die Schüler den vorgegebenen Bewegungsablauf selbstständig (vgl. Kap. 1.). Nach einer Erarbeitungsphase von zehn Minuten demonstriert jeweils der Kapitän der Mannschaft, welcher Bewegungsablauf und die dazugehörige Metapher an dem Geräteaufbau umgesetzt werden soll.

[...]


[1] In der vorliegenden Arbeit steht das Wort „Schüler“ gleichermaßen für Schülerinnen und Schüler.

[2] „Wegen des außerhalb der Senkrechten zur Unterstützungsfläche befindlichen Massenmittelpunkts wird ein Segment durch Schwerkraftwirkung in rollende Bewegung versetzt; ein im Nackenstand befindlicher Turner ist diesem Bewegungsablauf vergleichbar“ (Timmermann 2000, S. 88).

Details

Seiten
80
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638430395
ISBN (Buch)
9783640669011
Dateigröße
4.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v45682
Institution / Hochschule
Studienseminar Wolfenbüttel – Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen
Note
2
Schlagworte
Möglichkeiten Grenzen Schulung Bewegungsabläufen Metaphern Erfahrungs- Lernfeld Turnen Bewegungskünste Beispiel Unterrichtseinheit Rolle Klasse Förderschule Schwerpunkt Examensarbeit Rahmen Staatsexamens Lernen
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Titel: Möglichkeiten und Grenzen der Schulung von Bewegungsabläufen durch Metaphern im Erfahrungs- und Lernfeld Turnen und Bewegungskünste