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Antisemitismus in Polen. Sind die Polen Antisemiten?

Hausarbeit 2015 26 Seiten

Kulturwissenschaften - Europa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Antisemitismus - Begriff

2 Siedelung der ersten Juden in Polen

3 XI - XVIII Jahrhundert

4 Die erste Teilung Polens bis 1918

5 Zweite Polnische Republik

6 Holocaust und der II Weltkrieg

7 1945 - 1989

8 Das moderne Polen und die Frage des Antisemitismus

Literaturverzeichnis

Weblinks

Vorwort

Mit Hilfe dieses Praktikumsbelegs zeige ich die Situation in Polen Heutzutage und in der Vergangenheit bez. der Einstellungen gegenüber Juden. Die Frage nach Antisemi-tismus ist begründet, da man in Europa historisch verpflichtet ist, solche Ideologien zu unterbinden und zu bekämpfen.

Inhaltlich wird sich die Arbeit mit fünf Hauptpunkten beschäftigen. Zunächst wird die Bedeutung des Wortes Antisemitismus geklärt und erläutert, des Weiteren soll ein Ein-blick in die Beginne der Siedlungen von Juden in Polen gewährt werden, den Umstän-den in denen sie lebten, die Zeit vor und während dem 2. Weltkrieg, die Zeit nach 1945 bis 1989 und speziell das Bild der Juden im heutigen Polen.

Die Zeit während meines Praktikums in Polen hat mir dir Möglichkeit gegeben, mich mit Menschen aus fast allen Schichten zu unterhalten, Verständnis für den Blickwinkel vieler Polen zu erlagen und mich in die Literatur dieser Thematik zu vertiefen.

Anhand dieser gesammelten Informationen, Eindrücke und Einblicke ist diese Arbeit entstanden. Mit Belegen, Beispielen, Statistiken und Zitaten wird in dieser Arbeit ein möglichst allgemeines und repräsentatives Bild dargestellt.

Diese Arbeit ist frei von jeglichen Kopien. Der Inhalt dieser Arbeit wurde von mir selbst erarbeitet.

1 Antisemitismus - Begriff

"Der Antisemitismus ... ist keine Doktrin, die kritisiert werden kann, son-dern eine Haltung, deren soziale Wurzeln so geartet sind, daß sie keine Begründung erfordert. Man kann ihm keine Argumente entgegensetzen, denn er ist mit einer Reaktionsart verbunden, der die Beweisführung als Denkart fremd und verhaßt ist. Er ist ein Mangel an Kultur und Mensch-lichkeit, etwas, was im Gegensatz zu Theorie und Wissenschaft steht. Da-von hat sich jeder überzeugt, der Gelegenheit hatte, mit einem Antisemi-ten eine jener hoffnungslosen Diskussionen zu führen, die immer dem Versuch ähneln, einem Tier das Sprechen beizubringen."

- Leszek Kołakowski

Mit dem Begriff des Antisemitismus beschreibt man heutzutage jegliche Formen von Abneigung, Ablehnung und Hass gegenüber Juden. Historisch gesehen ist der Begriff relativ jung, er entstand gegen Ende des 19.Jahrhunderts. An der Entstehung und Ver-breitung dieses Begriffes waren hauptsächlich deutsche Antisemiten im Umfeld des Journalisten Wilhelm Marr beteiligt. In der differenzierten Wahrnehmung der Juden im

19. Jahrhundert versuchte man, die Abneigung gegen Juden wissenschaftlich zu be-trachten und nicht nur auf der Grundlage der bis dahin rein menschlichen und religiösen Abneigung zu begründen. So versuchte man mit dieser Wortneubildung einen Begriff zu etablieren, der die neue Wahrnehmung der Juden als Volk, Nation und Rasse und nicht nur als religiöse Gemeinschaft bzw. Gruppe ansieht. Bei sprachwissenschaftlicher

Betrachtung sieht man, dass dieser Begriff aus zwei Wörtern besteht, zu einem aus dem Wort anti aus dem Griechischen ἀντί (gegen, gegenüber, entgegen) und dem Wort Semit (Nachfahre von Sem; Sem war der Sohn von Noah). Wobei es im Grunde genommen drei Bedeutungen des Wortes Semit gibt. Neben den Nachfahren von Sem und den Ju-den, ist jeder Semit, die eine semitische Sprache als Muttersprache spricht ein, schließ-lich also auch die Araber. Schon der Meyers Konversationslexikon von 1881 sprach, so wie der Brockhaus aus dem Jahre 1996, dass es sich bei dem Begriff um einen Fehler handle, da Semiten neben Juden auch Araber sind, die aber nie gemeint sind, wenn von diesem Begriff gebraucht wird.

Doch schon vor dem Wandel in der Denk- und Ansichtsweise der Menschen gegen En-de des 19. Jahrhunderts, gab es Antisemitismus

Es gibt bereits Schriftrollen aus der Antike, in denen von Judenphobie die Rede ist. Doch gibt es eine ungefähre gleiche Anzahl von negativen als auch positiven Nieder-schriften über Juden; somit kann von einem generellen Hass gegen die Nachfahren von Sem nicht die Rede sein. Zu dem haben Ägypter andere Eigenschaften der Juden als negativ oder bedrohlich angesehen als die Römer oder Griechen. Man kann erst von einem richtigen Antisemitismus mit der Vergrößerung der christlichen Gemeinde reden. Die Christen, die ihre Wurzeln in dem Judentum haben, klagten die Juden derer Verfol-gung und Tötung von Gottes Sohn an, der ihr eigener Prophet war. Das Christentum sah sich als einen besseren Gottesbund an. Der Judenhass wurde im 4.-5. Jahrhundert, als das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich wurde noch verbreiteter. Syna-gogen wurden zerstört, Juden angegriffen und verfolgt. Es wurden sogar Gesetzte erlas-sen, die es nicht erlaubten vom Christentum zum Judentum zu konvertieren. Der An-tijudaismus war damals jedoch nur von religiösen Hintergründen hervorgerufen.

Im Laufe der Zeit nahm der Hass gegen Juden an Umfang zu. Mehr und mehr wurde den Juden das Leben erschwert; sie durften nicht alle Berufe ausüben und durften zum Teil auch nicht überall wohnen. Diese Abneigung hatte ihren Höhepunkt im 11. und 13. Jahrhundert mit den Kreuzzügen.

Zum religiös begründeten Judenhass kam im 12. Jahrhundert, ein ökonomischer Hass dazu, als es den Christen mit dem Zweiten Laterankonzil von 1137, dem Zinsnahme-verbot durch Papst Innozenz III und dem Konzil von Vienne 1311, verboten wurde Zin-sen auf verliehenes Geld zu erheben.

Spätestens im 19. Jahrhundert, als der Begriff des Antisemitismus geprägt wurde, kam es zur einer Vermischung des Hasses und Phobien gegen Juden; deshalb benutzt man heutzutage Antisemitismus als Überbegriff gegen den Hass der Juden.

Diese Verschmelzung wurde besonders im Dritten Reich erkennbar, als gegen die Juden egal ob aus ökonomischen, politischen, religiösen oder nationalistischen Gründen ge-hetzt wurde.

2 Siedelung der ersten Juden in Polen

Die erste Niederschrift, die von Juden auf polnischem Boden stammt vom Rabbi Yehu-da ben Meir aus Mainz. In seiner Chronik Sefer ha-Dinim aus dem 11. Jahrhundert er-wähnt erstmals jemand die Siedlung von Juden in Polen. Er schrieb von Juden, die in Przemysl wohnten, die von unbekannten verschleppt sein sollten. Der Chronist Cosmas von Prag schrieb von der ersten Migration von Juden nach Polen und Ungarn im Zu-sammenhang mit den Kreuzzügen aus Tschechien im Jahre 1098.

Nach einer Reihe von Pogromen 1187, gelang es einer kleinen Gruppe von Juden nach Schlesien zu gelangen und dort sich dauerhaft anzusiedeln. Die ersten Siedlungen in Schlesien waren Breslau, Bunzlau und Klein Tinz.

Die Rechte und Pflichten der Juden wurden von den Herrschern bestimmt. Eines der wichtigsten Erlasse war der Statut von Kalisch. Dieses Statut wurde im Jahre 1264 durch Herzog Boleslaw den Frommen von Großpolen erlassen. Dieses Statut war ein Dokument, das rund 40 Artikel beinhaltete, die den rechtlichen Status der jüdischen Bevölkerung regelten. Dabei war die wichtigste Regelung, dass den Juden Sicherheit und Schutz gewährt wurde; für den Mord an einem Juden drohten die Todesstrafe und die Konfiszierung des gesamten familiären Vermögens. Unter dem Schutz standen auch Synagogen und jüdische Friedhöfe, auch hier galten für die Zerstörung harte Strafen. Der vom Herzog ernannte Fürst erlaubte den Juden die Gründung von sog. kahał ( jüdi-sche Gemeinde). In diesen Gemeinden gab es eigene Gerichte. Berufung konnte man an den fürstlichen Gerichten einlegen.

Für die Juden war es eine der besten Zeiten. Polen wurde schnell zu einem beliebten Ort für Juden. So frei wie die Gesetze hier waren, waren sie zur damaligen Zeit nirgendwo in Europa. Sogar Handel durften sie betreiben. Die meisten Juden lebten genau von die-sem Handel. Leinen, Schmuck, Waffen und Werkzeuge importierten sie aus dem Aus-land; Holz, Vieh und Nahrung exportierten sie. Es gab aber auch Juden die von der Landwirtschaft lebten und Land und Höfe besetzten.

3 XI - XVIII Jahrhundert

Die erste Reaktion auf die Freiheiten der Juden in Polen ließ nicht lange auf sich warten. Bereits 1267 auf der Synode zu Breslau sagte der Kardinal Gwidon, der von Papst Kle-mens dem IV geschickt war, dass Polen als christliches Land noch eine Sprosse sei. Damit war gemeint, dass Polen erst seit 300 Jahren christlich sei und noch am Anfang stehe. Die geistlichen beschlossen, dass die Juden in gesonderten Siedlungen wohnen sollten, die von Mauern umgeben sein sollten und spezielle Kleidung tragen sollten. Es gab noch einige Einschränkungen, die das Leben der Juden auf ähnliche Weise schika-nieren sollte.

Der Synod zu Buda (1274) und der Synod zu Lentschitza (1285) wiederholten diese Einschränkungen und verbieten Juden die Möglichkeit öffentliche Posten zu besetzten. Doch wurden diese Regelungen nicht so restriktiv durchgesetzt wie in anderen Ländern. Dies ist damit verbunden, dass zum damaligen Zeitpunkt Polen nicht völlig bzw. nur zum Teil christianisiert war. Außerdem waren sich die Herzoge und Fürsten im Klaren, dass die Entwicklung ihrer Gebiet ohne den Handel der Juden nicht so schnell voran gehen würde. Heinrich IV, der Herzog von Breslau, gab den in seinem Herzogtum woh-nenden Juden im Jahre 1973 Sonderrechte. Auch Herzog Bolko I in Schweidnitz und Heinrich III in Glogau folgten Heinrich IV und gaben den in ihren Herzogtümern woh-nenden Juden Sonderrechte. So konnten sich die Juden bis 1301 in Leignitz, Glogau, Löwenberg in Schlesien und Glatz ansiedeln.

Die Kirche drängte jedoch die Herrscher die von Ihnen getroffenen Regelungen durch-zusetzen. Im Jahre 1334 wurden durch König Kasimir „der żroße“ mit dem Statut von Wiślica , der Statut von Kalisch bekräftigt und erweiterte die Rechte und Freiheiten der Juden. Diese Zeit galt für die Juden als goldenes Zeitalter. Diese Rechte wurden bis Ende des 18. Jahrhunderts immer wieder erneuert und bekräftigt.

Nach den Pogromen und dem Verantwortlichen der Juden für die Pest im 14. Jahrhun-dert kam eine Immigrationswelle von Juden aus Spanien, Deutschland, Frankreich und Ungarn nach Polen.

Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts kam es unter der Herrschaft der Jagellonen zu Ein-schränkungen der Rechten von Juden und Pogromen. 1399 kam es in Posen zum ersten Prozess in Polen, in dem Juden der Schädigung der Hostie angeklagt wurden. Während dieses Prozesses kam es auch zu einem Pogrom. Ungefähr zehn Jahre später (1407) kam es in Krakau zu einem erneuten Pogrom während eines Prozesses, wegen Ritualmord von Juden. Laut dem Chronisten Jan Dlugosz standen hinter dem Pogrom, in dem jüdi-sche Kinder Zwangsgetauft wurden, christliche Kaufläute und die katholische Kirche, die probierten so die jüdische Konkurrenz zu eliminieren. Diese Ereignisse führten da- zu, dass die Juden in weniger urbanisierte Orte zogen. Nachdem der Jagellonen König Kazimir im Jahre 1453 die generellen Privilegien der Juden erneuerte, zog er einige dieser Sonderrechte nach nur einem Jahr wieder zurück.

13 Jahre später kam es zu Plünderungen in der jüdischen Siedlung in Krakau, durch die christlichen Bewohner Krakaus. Im Jahre 1468 kam es zu ähnlichen Unruhen in Posen. Doch auch hier, war wieder die katholische Kirche in die Unruhen involviert. Der Bi-schof Jan Kapistran rief die polnischen Einwohner Posens gegen die Juden auf. In de Jahren 1492 und 1495 kam es durch Befehl von König Johann Albrecht und dem litaui-schen Herzog Litauens Alexander der Jagellone zur Vertreibung der Juden aus Krakau und Litauen. Doch war die Vertreibung aus Litauen nur ein politisches Spiel, da Ale-xander der Jagellone ihnen die Rückkehr nach Litauen erlaubte, unter der Bedingung, dass sie im 1000 Krieger im Falle eines Krieges zur Verfügung stellen.

Nach einer erneuten Welle von Immigration der Juden zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus Spanien, Portugal, Deutschland und Österreich, wohnten knapp 80% aller Juden weltweit in Polen. Der Zar Ivan IV befahl alle Juden in Polozk in den Fluss zu werfen, nachdem er im litauisch-russischem Krieg die Stadt einnahm. Sigismund II August war einer der tolerantesten Herrscher für die Juden. Seine Nachfolger Stephan Báthory setz-te den toleranten Umgang fort und verbesserte die Situation der Juden in Polen. So hieß es gegen Ende des 16. Jahrhunderts über Polen: Ein Himmel für die Adligen, Fegefeuer für die Stadt-Bewohner, Hölle für die Bauern, Paradies für die Juden (niebo dla szlachty, czyściec dla mieszczan, piekło dla chłopów i raj dla Żydów ).

Erst unter der Herrschaft Sigismund III Wasa und Wladyslaw IV Wasa verschlechterte sich die Situation für die Juden. Als Chmelnyzkyj nach dem Aufstand der Kosaken ge-gen die Republik Polen-Litauen sagte, dass die Polen sich als Sklaven in die Hände der verfluchten Juden verkauften, kam es zum Umbruch des bis dahin toleranten Umgangs mit Juden in Polen. Die Juden selbst bezeichnen dieses Ereignis als Geziroth Tach veTat.

Das ohnehin schon geschwächte Polen wurde Mitte des 17. Jahrhunderts von den Schweden überfallen. Dabei unterwarfen die Polen den Juden oft die Zusammenarbeit mit den Schweden vor. Diese, falls sie sich ergeben haben wurden von den Schweden verschont, deswegen sie oft nicht kämpften sondern kapitulierten. Dieses Verhalten wurde von den nationalistischen polnischen Partisanen als Verrat angesehen und wur-den genauso wie die Schweden behandelt. Der polnische General, behandelte auf der Flucht vor den Schweden jeden Juden wie einen Feind, was zu zahlreichen Toten führte. Zudem forderte die Pest viele Tote. Die Kombination aus Belagerung von Städten und der Pest führten zu einem schnellen Massensterben der Städte Kalisch, Krakau, Posen und Lublin.

Mit Beginn des 18. Jahrhunderts unter der Herrschaft sächsischen Dynastie in Polen verloren die Juden den Schutz und die Unterstützung der Herrschaft. Die Einstellungen der Adligen und Bauern gegenüber Juden verschlechterte sich zunehmend. Das Paradies war vorbei. Immer mehr gewaltvolle Konflikte gab es gegen die Juden. Schüler-Geläufe, bei denen Schüler und Studenten Juden attackierten, wurden von der Polizei und der Regierung nicht wirklich berücksichtigt oder bestraft. Durch den Versuch des Sejms die Steuern für Juden um das Vierfache anzuheben, verleitete die Juden zur er-folgreichen Auflösung des Sejms. Trotz der verschlechternden Lebensumstände wuchs die Zahl der Juden zum Ende des 18. Jahrhundert im Vergleich zur Mitte des 17.Jahrhunderts um fast das doppelte auf 800.000 Tausend an.

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Details

Seiten
26
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668886339
ISBN (Buch)
9783668886346
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456692
Institution / Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz
Note
1,0
Schlagworte
Juden Antisemitismus Europa Polen Holocaust

Autor

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Titel: Antisemitismus in Polen. Sind die Polen Antisemiten?