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Businessplan. Unternehmensgründung eines Pflegedienstes sowie eines Reinigungsunternehmens

Bachelorarbeit 2017 54 Seiten

BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne

Leseprobe

Executive Summary

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Inhaltsverzeichnis

Executive Summary

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Management Summary

1. Dienstleistung und Kundennutzen

2. Markt- und Wettbewerbsanalyse
2.1. Marktanalyse der Pflegebranche
2.2. Wettbewerbsanalyse der Pflegebranche
2.3. Marktanalyse der Reinigungsbranche
2.4. Wettbewerbsanalyse der Reinigungsbranche

3. Marketing

4. SWOT Analyse
4.1. SWOT-Analyse Pflegebranche
4.2. SWOT-Analyse Reinigungsbranche

5. Standortanalyse

6. Rechtsform und Rechtliche Rahmenbedingungen
6.1. Rechtsform
6.2. Rechtliche Rahmenbedingungen der Pflegebranche
6.3. Rechtliche Rahmenbedingungen der Reinigungsbranche

7. Unternehmerteam

Fazit

Literaturverzeichnis

Finanzplanung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zuwachs pflegebedürftiger Menschen nach Altersgruppen

Abbildung 2: Anzahl zuhause versorgter Pflegebedürftigen

Abbildung 3: Anzahl der Pflegedienste in den 10 größten Städten Deutschlands

Abbildung 4: Wettbewerbsstrategien nach Porter

Abbildung 5: Umsatz im Gebäudereinigungshandwerk in Deutschland von 2008-2015

Abbildung 6: Anzahl der Unternehmen in der Gebäudereinigung in Deutschland von 2008-2015

Abbildung 7: Klima in der Dienstleistungswirtschaft in Hamburg

Abbildung 8: Anzahl der Bevölkerung über 65 Jahren nach Bezirken

Abbildung 9: Ausgewählte Einrichtungsanzahl zuzüglich Wohnungsbestand nach Bezirken

Abbildung 10: Hebesätze der Gewerbesteuer von fünf Gemeinden

Abbildung 11: Vergleich von den Standorten Hamburg und Oststeinbek im Bereich Pflege

Einleitung

Für jede erfolgreiche Unternehmensgründung steht neben den persönlichen Motiven und Kenntnissen, die Geschäftsidee im Vordergrund. Diese Idee muss dem zukünftigen Unternehmer, anhand eines Businessplans, den wirtschaftlichen Erfolg versprechen. Neben dem erarbeiteten Plan muss der Gründer an seine Idee glauben und mithilfe von betriebswirtschaftlichen Methoden den Markt einschätzen können.1 Die Geschäftsidee dieses Businessplans handelt von der Gründung eines Pflegedienstes und eines Reinigungsdienstes, zusammengefasst in einem Unternehmen. Der Name des Unternehmens wird „NANA- Mobiler Pflegedienst & Reinigungsservice GmbH“ lauten. Die Geschäftsidee entstand bewusst, unter der Annahme, dass beide Sparten des Unternehmens zu Wachstumsmärkten gehören. Vor allem der Pflegemarkt, der aufgrund des demografischen Wandels immer mehr an Bedeutung in Deutschland gewinnt.2 An diesem Wachstum möchte das Unternehmen mitwirken und an dem Erfolg teilhaben.

Der Businessplan wird im Folgenden zunächst in einer kurzen Zusammenfassung das geplante Angebot und die Gründe für die Entscheidung für ein solches Unternehmen aufzeigen. Im ersten Kapitel wird die Dienstleistung und der Kundennutzen für beide Sparten dargestellt. In den Kapiteln zwei und drei wird eine umfassende Markt- und Wettbewerbsanalyse für die Pflege- und die Reinigungsbranche analysiert, sowie Marketingstrategien, die für das Unternehmen für einen erfolgreichen Start nützlich sein werden, aufgezeigt. Ferner wird in den letzten vier Kapiteln eine Standortanalyse durchgeführt, die wichtigsten rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Wahl der Rechtsform beschrieben. Im siebten Kapitel wird die zukünftige Unternehmensleitung vorgestellt und schließlich wird die Arbeit mit einem Fazit und der Darstellung der zukünftigen Ertrags-, Liquiditäts- und Rentabilitätslage mithilfe von Finanzplänen abgeschlossen.

Management Summary

Die Grundidee dieses Businessplans ist die Gründung eines mobilen Pflegedienstes und einem anhängenden Dienstleistungsangebot des Reinigungsservice. Die Hauptaufgabe des Pflegedienstes besteht darin, den älteren und pflegebedürftigen, aber auch demenzkranken und schwerbehinderten Menschen ein gänzliches Hilfsangebot in Bezug zur Pflege, Betreuung und Beratung zu bieten. Der Reinigungsservice wird sich in den Bereichen der Unterhalts-, Treppenhaus-, Bau-, Grund- und Glasreinigung vertiefen. Darüber hinaus wird der Reinigungsservice auch den Patienten und deren Angehörigen angeboten.

In Folge des demografischen Wandels und der Altersentwicklung in Deutschland gewinnt der Pflegesektor immer mehr an Bedeutung. Es ist eine wachstumsstarke Branche, die eine beträchtliche Zukunftsperspektive verspricht.3 Aufgrund dessen war die Entscheidung, ein derartiges Unternehmen zu gründen, nicht schwer. Laut statistischem Bundesamt waren in Deutschland noch im Jahr 2015 ca. 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des SGB4 XI. Im Vergleich zum Jahr 2013 hat diese Zahl um 8,9 % zugenommen. Die Tendenz bleibt laut Prognosen steigend.5

Um jedoch auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben, wird neben dem Pflegeangebot ein breites Leistungsangebot an Reinigungsdiensten angeboten werden. Die Gebäudereinigungsbranche ist eine leistungsstarke Branche, die einen bedeutenden Betrag zur deutschen Wirtschaft beiträgt.6 In Zahlen betrachtet, hat die Branche, gemessen am Umsatz im Jahr 2016, 14.353 Mio. € verbuchen können. Zum Vergleich, im Jahr 2010 lag der Umsatz bei 11.426 Mio. €, dies entspricht einen Umsatzwachstum von ca. 25 %. Die Wachstumsprognosen bleiben steigend.7

Die Unternehmensgründung erfolgt mithilfe einer Fremdfinanzierung durch einen Bankkredit in Höhe von 100.000,00 € und einem Zinssatz von 6,70 % p.a.

1. Dienstleistung und Kundennutzen

„Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben"

Wilhelm von Humboldt

Durch die Pflegebedürftigkeit sind alte, hilfsbedürftige und behinderte Menschen in ihrer Eigenständigkeit sehr begrenzt. Die Würde und die Selbstbestimmung dieser Menschen sollte für jedes Pflegeunternehmen auf Platz Eins stehen.8 Durch das breite Leistungsangebot der Pflegesparte wird das Unternehmen sich diese Aufgabe zu Herzen nehmen.

Das operative Geschäft der Pflegesparte wird das Angebot der Pflege, Betreuung und Beratung in der häuslichen Krankenpflege, aber auch in der häuslichen Pflege sein. Die Leistungen der häuslichen Pflege sind Leistungen der Pflegeversicherung, die gesetzlich im SGB geregelt sind. Die Leistungen der häuslichen Krankenpflege sind wiederum Leistungen der Krankenversicherung und werden auch im SGB gesetzlich geregelt. Im Vergleich zu Pflegeheimen bzw. stationären Einrichtungen ist die mobile Pflege und Versorgung eine geschätzte Alternative. Die Leistungen der mobilen Pflege entsprechen mehr den Wünschen der Betreuten, aber auch den Werten wie Lebensqualität, Selbstbestimmung und dem Bedürfnisbezug, der den Patienten zusteht. Diese werden umfassend von den Pflegekräften des Pflegedienstes gestärkt.9 Obendrein soll der Einsatz eines mobilen Pflegedienstes dazu dienen, den Krankenhausaufenthalt der Patienten zu verkürzen oder gar zu vermeiden. Die Leistungen des Unternehmens sind außerdem an viele gesetzliche Regelungen gebunden. So muss z.B. für die häusliche Krankenpflege ein Vertrag mit den Krankenkassen abgeschlossen werden. Ähnliches gilt auch für die häusliche Pflege. Dort muss ein Vertrag mit der Pflegekasse gem. § 40 Abs. 1, Abs. 2 SGB XI geschlossen werden.

Das Angebot der häuslichen Pflege und häuslichen Krankenpflege wird zudem noch in die Grund- und Behandlungspflege unterteilt. Die Grundpflege findet bei Patienten statt, die körperlich eingeschränkt in den täglichen Verrichtungen sind. Dazu gehören vor allem die Körperpflege sowie die Ernährung.10

Die Behandlungspflege fällt unter die Kategorie der häuslichen Krankenpflege und beinhaltet Leistungen, die nicht von behandelnden Ärzten verrichtet werden. Dies sind z.B. Verbandswechsel, Katheterisierungen, Injektionen u.a. Neben den genannten Leistungen werden Leistungen i.A. der hauswirtschaftlichen Versorgung angeboten, die der häuslichen Pflege unterteilt sind. Diese beinhalten im Wesentlichen die Einkaufshilfe oder die Essenszubereitung.11

Zusätzlich zu den ganzen genannten Leistungen, die in einer Art und Weise gesetzlich vorgeschrieben sind, plant das Unternehmen fernerhin sog. haushaltsnahe Dienstleistungen anzubieten. Die wichtigsten in kurzer Aufzählung mit Beispielen:

- Begleitungen: Arzt, Behörde
- Freizeitgestaltung: Theaterbesuche
- Hol- und Bringdienst usw.

Dieses zusätzliche Dienstleistungsangebot wird nicht nach gesetzlich vorgeschriebenen Regeln und Preisen abgerechnet, sondern wird individuell den Patienten/ Kunden in Rechnung gestellt.

Mithilfe der Reinigungssparte des Unternehmens werden Dienstleistungen bzw. Reinigungen im privaten und gewerblichen, sowie dem öffentlichen Sektor angeboten. Der private und gewerbliche Sektor umfasst private Haushalte, Firmenbüros, Lagerhallen und Verkaufsflächen. Dort werden folgende Reinigungsarten angeboten:

- Unterhalts- und Sonderreinigungen (Teppich- und Grundreinigungen)
- Treppenhaus- Fassaden- und Glasreinigungen
- Bau- und Industriereinigungen

Der öffentliche Sektor beinhaltet hingegen die Reinigung von Schulen, Universitäten, Behörden, Krankenhäusern u.a. Nach erfolgreicher Unternehmensgründung und der Etablierung auf dem Markt werden moderne Facility-Management Komponenten angeboten, wie z.B. die Betriebskostenoptimierung oder die Wartung und Instandsetzung der technischen Anlagen.

Langfristig gesehen muss das Unternehmen nach erfolgreichem Start und einem langanhaltenden Umsatzwachstum auch über den Tellerrand schauen können. Damit ist gemeint, dass im Zuge der Konkurrenzfähigkeit das Geschäft auch regional oder bundesweit aufgestellt sein muss. Natürlich erst nach ein paar erfolgreichen Jahren lokal. Mit dem Ansatz, das Unternehmen zweigleisig zu betreiben, d.h. Pflege und Gebäudereinigung unter einem Dach zu führen, sind die Gründer hinsichtlich des Unternehmenserfolges optimistisch. Dank der innovativen Idee des vielfältigen Angebotes wird sich das Unternehmen aus der Masse der Pflegedienste und Reinigungsbetriebe erheben.

Natürlich darf dabei die Qualität, aber auch die Zufriedenheit der Patienten/ Kunden nicht zweitrangig sein. Für „NANA Mobiler Pflegedienst und Reinigungsservice“ steht die Qualität der Arbeit, aber auch die Zufriedenheit der Patienten/ Kunden an erster Stelle. Um eine Vertrauensbasis zu der Klientel aufzubauen und eine starke langfristige Beziehung zu bewahren, wird die Unternehmensleitung rund um die Uhr erreichbar und einsatzbereit sein.

Des Weiteren ist im Rahmen des Unternehmens eine Abteilung unter dem Namen Beschwerde- und Qualitätsmanagement geplant. Das Unternehmen verspricht sich dadurch das Vertrauen der Patienten/ Kunden zu gewinnen und zu halten. Die Arbeit dieser Abteilung bringt dem Unternehmen nur positive Effekte. Somit kann man in der Leistungserbringung Fehler ausmerzen und Optimierungen vornehmen. Es stärkt aber auch allgemein das Image des Unternehmens und kann unter Umständen durch Empfehlungen der Patienten/ Kunden zur indirekten Neukundengewinnung führen. Ein weiteres Modell, dass zu solchen Effekten führen kann, ist die Idee des Unternehmens, den Patienten/ Kunden einen Rahmen der Mitbestimmung und -gestaltung anzubieten. Die Entscheidungen der Unternehmensleitung werden lediglich darauf begrenzt sein, den Patienten/ Kunden qualitative und motivierte Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen.

2. Markt- und Wettbewerbsanalyse

2.1. Marktanalyse der Pflegebranche

„Zurzeit sind bei uns rund 2,7 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen. In den kommenden eineinhalb Jahrzehnten wird sich die Zahl, Schätzungen zufolge, um knapp eine Million Menschen vergrößern, sodass im Jahr 2030 rund 3,5 Millionen Menschen auf pflegerische Hilfe angewiesen sein werden. “[12]

Hermann Gröhe - Bundesminister für Gesundheit

Die Pflegebranche agiert im Markt der Sozialwirtschaft. Betrachtet man die Sozialwirtschaft und deren ökonomische Entwicklung in Deutschland, kann man mit gutem Gewissen sagen, dass die Sozialwirtschaft aus volkswirtschaftlicher Sicht ein Megamarkt ist.13 Durch die Zunahme der Lebenserwartung und der immer stärker ausgeprägten Alterung der Gesellschaft in Deutschland kommt es zu einem starken Wachstum des Pflegemarktes. Um diesen Effekt der Alterung näher darzustellen, folgt eine Betrachtung mithilfe von statistischen Zahlen.

Im Jahr 2012 lebten in Deutschland ca. 20,5 Mio. Menschen, die älter als 60 Jahre sind. Schätzungen zufolge soll diese Zahl bis zum Jahr 2050 um fünf bis sechs Mio. zunehmen. Damit die Lage konkreter dargestellt werden kann, kann man die Betrachtung auch über einen längeren Zeitraum verfolgen. So wuchs die Gruppe der Menschen, die über 60 Jahre sind, im Zeitraum von 1952 bis 2008 um ca. 130%. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Gruppe von Menschen pflegebedürftig werden, ist jedoch gering. Viel wahrscheinlicher trifft die Pflegebedürftigkeit die sog. hochbetagten Menschen. Das sind vor allem die Menschen, die zwischen 85-90 und über 90 Jahre alt sind. Bei der Gruppe der 85-90-Jährigen wuchs die Zahl im oben genannten Zeitraum um 795 % und bei den Menschen, die älter als 90 Jahre sind, ist ein Zuwachs von 1860 % zu verzeichnen. Diese zwei zuletzt genannten Gruppen sind mit einer sehr großen Häufigkeit von der Pflegebedürftigkeit betroffen.14

Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen könnten bis 2030 um ca. 35% ansteigen. Waren es im Jahr 2013 noch 2,6 Mio. pflegebedürftige Menschen, werden es bis 2030 ca. 3,5 Mio. sein. Mithilfe der folgenden Abbildung soll dies nochmal detailliert dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zuwachs Pflegebedürftiger Menschen nach Altersgruppen[15]

Die Abbildung zeigt die genannten Risiken der Wahrscheinlichkeit des Eintreffens der Pflegebedürftigkeit, vor allem bei der Gruppe der sog. Hochbetagten. So ist genau zu betrachten, dass die Zahl der Hochbetagten der 80 bis 90-Jährigen um ca. 28 % zunehmen wird. Bei den Hochbetagten über 90 Jahre wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen sogar um stolze 113 % erhöhen. Dagegen ist die Zahl der Pflegebedürftigen, die unter 65 Jahren sind, um ca. 3 % gesunken.

Aufgrund der Tatsache, dass die „NANA Mobiler Pflegedienst & Reinigungsservice GmbH“ in der Pflegesparte in den Bereichen der häuslichen (-Krankenpflege) Pflege ihre Dienstleistungen anbieten wird, ist für die Marktanalyse die Gruppe der Patienten wichtig, die zuhause versorgt wird. Aktuelle Zahlen zu diesem Geschehen datieren aus dem Jahr 2013. Demnach waren laut Statistischem Bundesamt ca. 2,6 Mio. Menschen zu der Zeit, gemäß dem SGB XI, pflegebedürftig. Davon waren rund 71 % der Betroffenen, die zuhause versorgt wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 2: Anzahl zuhause versorgter Pflegebedürftigen16

2.2. Wettbewerbsanalyse der Pflegebranche

Da die Gründung des Unternehmens in Hamburg stattfindet, gilt es aufzuzeigen, wie die aktuelle Marktlage, aber auch wie der Wettbewerb hinsichtlich der Pflegedienste aktuell in Hamburg ist. Des Weiteren wird der Wettbewerb mithilfe eines Vergleichs, wie die Lage in den zehn größten Städten in Deutschland ist, dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Anzahl der Pflegedienste in den 10 größten Städten Deutschlands

Die Abbildung zeigt die Situation des Wettbewerbs hinsichtlich der Anzahl der neugegründeten Pflegedienste und der Versorgung der Patienten je 10.000 Einwohner. Der Tabelle ist zu entnehmen, dass in Hamburg aktuell 375 Pflegedienste tätig sind. Im Vergleich zum Jahr 2013 wurden 16 neue Pflegedienste in Hamburg gegründet. Im Verhältnis zu anderen in der Tabelle aufgeführten Städten fällt diese Zahl noch gering aus, wenn man betrachtet, dass in Berlin 44 und in München 32 neue Pflegedienste gegründet wurden.17

Der Pflegemarkt wird auch in Zukunft vom Wachstum profitieren können. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird in Deutschland weiterhin steigen. Der einzige, vielleicht auch der wichtigste Faktor dabei, ist der Personalfachkräftemangel. Dieser wird laut Prognosen kontinuierlich mit dem Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen steigen, was den Pflegemarkt vor große Herausforderungen bringen wird. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, wird derzeit in großem Maße versucht, die Tätigkeit als Krankenpfleger attraktiver zu machen. Auch wurde schon in den letzten Jahren die Freizügigkeitsgrenze für ausländische Fachkräfte in dem Bereich gelockert, um die Situation zu stabilisieren.18

Um die Lage auf dem Markt und den Wettbewerb treffender darzustellen, bietet sich da vor allem eine Wettbewerbsanalyse nach Porter durchzuführen. Laut Porter hat das Ausmaß des Wettbewerbs in einem Geschäftszweig nichts mit günstigen Umständen oder Misserfolgen zu tun. Vielmehr werden die potentiellen zu erzielbaren Erträge in einer Branche von fünf Wettbewerbsstärken beeinflusst.19 Diese sind in der nachfolgenden Abbildung dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 4: Wettbewerbsstrategien nach Porter20

Die fünf Wettbewerbsstärken werden im folgendem, zunächst für die Pflegebranche aufgezählt:

Verhandlungsstärke von Lieferanten

Die gewissen Störungen, die Lieferanten in der Pflegebranche verursachen können, beziehen sich auf die für die Ausführung der Tätigkeit notwendigen Werkstoffe (Handschuhe, Bluttdruckmessgeräte) und Betriebsmittel (Fuhrpark). Da die Kosten für deren Anschaffung gering sind, verfügen die Lieferanten der Werkstoffe über keine Verhandlungsstärke. Bei den Lieferanten der Betriebsmittel, insbesondere dem Fuhrpark, kommen Autohäuser als Lieferanten in Betracht. Aufgrund dessen, dass Pflegedienste meistens hohe Rabattprozentsätze von den Autohäusern bei der Anschaffung des Fuhrparks gewährt bekommen, haben auch diese Lieferanten keine Verhandlungsstärke.

Verhandlungsstärke der Abnehmer

Hier spielen vor allem die Pflege- und Krankenkassen, hinsichtlich der Verhandlungsstärke als Abnehmer, eine wesentliche Rolle. Angesichts dessen, dass die Kassen hohe Anforderungen an die Pflegedienste stellen und als Kostenträger am Markt tätig sind, genießen sie eine hohe Position im Markt. Somit stellen die Kassen als Abnehmer eine Verhandlungsstärke dar, denn sie können die Umsätze der Branche beeinflussen.

Bedrohung durch Ersatzprodukte- und dienste

Die größte Bedrohung stellen Ersatzdienste, in diesem Fall die stationären Pflegeeinrichtungen sowie die Pflege durch die Angehörigen, dar.21

Bedrohung durch neue Konkurrenten

Eine Bedrohung durch neue Konkurrenten ist nicht ersichtlich. Mit dem Markteintritt mit einer Zusatzsparte in Bezug des Reinigungsservice macht sich das Unternehmen durchaus konkurrenzfähig.

Wettbewerber in der Branche

Ohnehin wird das Unternehmen mit dem Pflegeangebot auf viele Konkurrenten treffen, denn es ist ein Wachstumsmarkt mit viel Potential. Dennoch gilt es, sich durch qualitative Arbeit und einer einzigartigen Marketing- und Vertriebspolitik, einen Namen auf dem Markt zu machen und langfristig gut zu wirtschaften.

2.3. Marktanalyse der Reinigungsbranche

Die Gebäudereinigungsbranche ist eine moderne und innovative Dienstleistungsbranche. Besonders kleinen Unternehmen bietet der Markt, ohne große Investitionskosten, eine Unternehmensgründung vorzunehmen.22

Es ist vor allem eine Branche mit einer hohen Wachstumsdynamik. Die größte Nachfrage im Markt besteht seitens der gewerblichen Kunden. Im Markt der Gebäudereinigungsbranche selbst, herrscht ein hart umkämpfter Wettbewerb. Dieser wurde jedoch zusätzlich durch die Aufhebung der Meisterpflicht, sowie der EU- Osterweiterung im Jahr 2004, verschärft. Seit diesem Jahr haben inländische Bürger, aber auch Bürger der damaligen Beitrittsländer, die Möglichkeit, ohne besondere Vorkenntnisse und hoher Investitionen, einen Reinigungsbetrieb zu gründen. Die damalige Welle der Neugründungen an Reinigungsbetrieben seitens der, vor allem aus Osteuropa kommenden Gründern und der damit verbundenen Angst, sie würden den Wettbewerb in der Branche noch weiter verschärfen, haben sich nicht bewährt. Denn die meisten der Gründer haben keine bedeutende Rolle im Markt gespielt. Sie waren sog. „Solo-Selbstständige“, also „Ein-Mann-Unternehmen“ und wiesen keine bemerkbaren Umsätze auf.23

Dennoch haben viele der Gründer aus den neuen EU-Ländern dem Image der Gebäudereinigungsbranche kurzfristig geschadet. Zahlreiche agierten in den Grauzonen der Gesetze und nutzten dadurch viele Vorteile. Eines dieser Taten waren z.B. die Scheinselbstständigkeit, d.h. sie waren in einem beschäftigten Verhältnis und nicht als selbständiger Unternehmer. Jedoch hielt die Zahl dieser Fälle sich in Grenzen und hat langfristig nicht dem allgemeinen Bild der Branche geschadet.24

Die Gebäudereinigungsbranche hat sich jedoch darüber hinaus zu einem der beschäftigungsstärksten Handwerksbranchen entwickelt. Laut des Bundesinnungsverbandes der Gebäudedienstleiter ist jeder 100. Arbeitnehmer in Deutschland im Gebäudereinigungshandwerk beschäftigt. Am Markt selbst finden sich die Akteure der verschiedensten Größenordnungen. Vorwiegend ist dabei die Präsenz der kleinen und mittelständischen Unternehmen, aber es sind auch Unternehmen am Markt zu finden, die schätzungsweise bis zu 40.000 Arbeitnehmer beschäftigen.25

Hinsichtlich des Umsatzes ist die Branche auch stetig am Wachsen. Dies zeigt ferner die nachfolgende Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Umsatz im Gebäudereinigungshandwerk in Deutschland von 2008-201526

2.4. Wettbewerbsanalyse der Reinigungsbranche

Die größte Zahl der Gebäudereinigungsunternehmen stellen Kleinbetriebe dar, nämlich 80 %. Diese wirken jedoch nur mit einem Anteil von ca. 15 % am Gesamtumsatz mit. Anders sieht es bei den größeren Unternehmen aus. Dies sind Unternehmen, die Umsätze zwischen 500.000,00 € und fünf Mio. €, sowie Unternehmen, die einen Umsatz ab fünf Mio. € haben. Sie besitzen folglich auch einen größeren Anteil am Gesamtumsatz.27

Bei der Anzahl der Unternehmen in Deutschland in der Gebäudereinigungsbranche sehen die Zahlen ein wenig anders als bei den Umsatzzahlen aus. Hier ist ein Trend der Stetigkeit zu betrachten. Seit einigen Jahren ist die Zahl der Unternehmen in der Branche mehr oder weniger konstant. Dies verdeutlicht die nachfolgende Abbildung, die jedoch nur Unternehmen aufzeigt, die einen höheren Umsatz als 17.500 € haben. Des Weiteren sind in dieser Statistik keine sog. „Ein-Mann-Betriebe“ enthalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 6: Anzahl der Unternehmen in der Gebäudereinigung in Deutschland von 2008-201528

Im Folgenden werden die fünf Wettbewerbsstärken nach Porter für die Gebäudereinigungsbranche behandelt:

Verhandlungsstärke von Lieferanten

Wie bei der Pflegebranche spielen die Lieferanten für Werkstoffe (Reinigungsmittel- und Utensilien) und Betriebsmittel (Staubsauger, Reinigungsanlagen) eine wesentliche Rolle für den reibungslosen Arbeitsablauf. Jedoch sind die Anschaffungskosten für solche verhältnismäßig gering, sodass die Lieferanten keine Verhandlungsstärke verinnerlichen.

[...]


1 Vgl. Tanski (2014), S. 6 f.

2 Vgl. Schreck (2017), S. 8 f.

3 Vgl. Zängl (2015), S.25.

4 Sozialgesetzbuch (SGB).

5 Vgl. Statistisches Bundesamt.

6 Vgl. Bundesinnungsverband der Gebäudedienstleister (2016), Abgerufen am 05. Februar 2017.

7 Vgl. Statista (2016), Abgerufen am 05. Februar 2017.

8 Vgl. Coors et al. (2015), S.7 f.

9 Vgl. Twenhöfel (2011), S.22.

10 Vgl. Schmidt (2016), S.81 f.

11 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit, Abgerufen am 07. Februar 2017.

12 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit.

13 Vgl. Aufderheide /Dabrowski (2007), S. 11.

14 Vgl. Günster (2012), S. 177 f.

15 Vgl. Bundesministerium für Bevölkerungsforschung (2015), Abgerufen am 09. Februar 2017.

16 Vgl. Statista (2015), Abgerufen am 09. Februar 2017.

17 Vgl. Pflegemarkt (2016), Abgerufen am 10. Februar 2017.

18 Vgl. DIW Wochenbericht (2012), Abgerufen am 12. Februar 2017.

19 Vgl. Porter (2013), S. 37.

20 Vgl. Porter (2013), S. 38.

21 Vgl. Jürgens (2009), S. 51 f.

22 Vgl. Handwerk Magazin (2014), Abgerufen am 12. Februar 2017.

23 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2012).

24 Vgl. DGB (2013).

25 Vgl. Bundesinnungsverband der Gebäudedienstleister (2016), Abgerufen am 14. Februar 2017.

26 Vgl. Statista (2016), Abgerufen am 14. Februar 2017.

27 Vgl. Bundesinnungsverband der Gebäudedienstleister (2016), Abgerufen am 15. Februar 2017.

28 Vgl. Statista (2016), Abgerufen am 15. Februar 2017.

Details

Seiten
54
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668900288
ISBN (Buch)
9783668900295
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456230
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Businessplan Standortanalyse Finanzplanung marketing swot

Autor

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Titel: Businessplan. Unternehmensgründung eines Pflegedienstes sowie eines Reinigungsunternehmens