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Filmanalyse "Winchester ’73". Normen und Werte im Film

Akademische Arbeit 2010 31 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Thema: Filmanalyse Winchester ’73 - Normen und Werte im Film

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Theoretische Grundlagen: Gegenstand und Ziele der Filmanalyse

2. Film und Genre
2.1 Das Westerngenre
2.2 Der Film „Winchester 73“
2.2.1 Handlungsverlauf
2.2.2 Filmische Mittel
2.3 Charakterisierung der Hauptfiguren
2.3.1 Lin Mc Adam (James Stewart)
2.3.2 Dutch Henry Brown (Stephen McNally)
2.3.3 Lola Manners (Shelley Winters)
2.3.4 Waco Johny Dean (Dan Duryea)

3. Analyse
3.1 Vorgehensweise und Begründung der Methodenauswahl
3.2 Ausgewählte Werte und Normen
3.2.1 Rache
3.2.2 Macht, Stärke und Gerechtigkeit
3.2.3 Familie und Freundschaft
3.2.4 Sonstiges

4. Schluss

Literaturverzeichnis 30

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird der FilmWinchester 73von Regisseur Anthony Mann auf filmwissenschaftlicher Basis untersucht. Dabei wird insbesondere anhand der Hauptfiguren des Films untersucht werden, welche Werte und Normen im Film präsentiert und vertreten werden und ob Regisseur Mann eine gesellschaftliche und psychologische ‚Nabelschau’ seiner Protagonisten verwirklichte, die insbesondere seine Werke aus den 40er und frühen 50er Jahre auszeichnete. Im ersten Kapitel dieser Arbeit soll zunächst in aller Kürze die filmwissenschaftliche Methodik dargestellt werden. Dabei wird zu klären sein, welche Bestandteile eines Films analysiert werden und in Verbindung zueinander gebracht werden können. Im zweiten Kapitel werden zunächst die Geschichte und die Konventionen des Westerngenres beschrieben. Es wird zu klären sein, inwieweit das Vorhandensein des Genres der Filmproduktion ein enges Korsett bereitstellt oder ob es sich um einen Orientierungsrahmen handelt, der durchaus Variationen und individuelle Klasse zulässt. Im 2. Kapitel werden zunächst die Rahmenhandlung und wichtigsten Rollen des Films vorgestellt. Bereits an dieser Stelle ist darauf zu achten, inwieweit Normen und Werte in Geschichte und Personen reflektiert werden. Im letzten Teil des 2. Kapitels werden die filmtechnischen Mittel Manns inWinchester ’73analysiert. Wichtige Bestandteile sind hier das Setting, die Ausleuchtung und die Bildkomposition und wie diese Elemente die Rahmenhandlung unterstützen. Das dritte Kapitel widmet sich exklusiv den inWinchester ’73diskutierten Normen und Werten. Im ersten Unterkapitel soll zunächst geklärt werden wie Soziologen Werte und Normen definieren und was ihre gesellschaftliche Funktion ist. Zudem wird dargestellt, welche Funktion Medien bei der Übertragung und Rezeption von Werten und Normen haben.

Im dritten Kapitel der Arbeit wird die Methodik der Inhaltsanalyse dargestellt, mithilfe derer die bereits im 2. Kapitel hervorgehobenen und in den Protagonisten manifestierten Werte und Normen näher analysiert werden sollen. Im letzten Teil der Arbeit werden die Ergebnisse der Inhaltsanalyse nochmals der Frage aus der Einleitung gegenübergestellt.

1. Theoretische Grundlagen: Gegenstand und Ziele der Filmanalyse

In seiner Publikation Grundkurs Filmanalyse hat Werner Faulstich darauf hingewiesen, dass die Filmwissenschaft zunächst bemüht ist, ein Instrumentarium bereitzustellen, mithilfe dessen sich das Medium Film im Hinblick auf inhaltliche Bestandteile hin untersuchen lässt. Da dieses Instrumentarium jedoch im Wesentlichen aus der Definition und Unterteilung in Kategorien bestehe, sei darauf zu achten, dass nicht jeder Film hinsichtlich jeder filmwissenschaftlichen Kategorie untersucht werden könne. Zudem sei darauf zu achten, dass Filme oftmals kategorieübergreifend sind (z.B. Tragödie-Horror Johnny Darko) und ihr Inhalt daher nicht stringent im Rahmen einer einzelnen Kategorie beurteilt werden könne. Zudem unterscheidet Faulstich vier verschiedene Herangehensweisen an die inhaltliche Analyse eines Films, welche er nach der lernpsychologischen Abfolge „vom Leichteren zum Schwereren“ logisch aufeinanderfolgend anordnet. Im ersten Schritt der Analyse wird zunächst die Handlung des Films betrachtet, d.h. welche Handlungen und Begebenheiten wie aufeinander folgen. Im zweiten Teil der Analyse stehen die handelnden Figuren des Films im Vordergrund. Im dritten Schritt wird die Frage nach dem „Wie“ gestellt, das heißt, dass Erzähl-, sowie Bild- und Effekttechniken betrachtet werden.[1]Im letzten Teil der Analyse wird die Frage nach dem „wozu“ gestellt, d.h. welche Normen und Werte finden sich in ihm wieder und was ist die „Message“ des Films. Dabei müsse, so Faulstich, darauf geachtet werden, dass es sich bei den vier Fragestellungen nicht um Teile des Films, sondern um Blickweisen auf „ein und dasselbe Objekt“ handele. Dabei sei es jedoch nicht zulässig eine dieser Sichtweisen oder Teile des Films auszuklammern. Besondere Aufmerksamkeit bei der Analyse eines Films muss nach Faulstich der Frage nach dem „Genre als Betrachtungshorizont“ gewidmet werden. Genres wurden erstmals mit dem griechischen Theater eingeführt, in dem die Stücke nach Tragödien, Komödien oder Epen eingeteilt wurden. Wie bezüglich der Kategorien lassen sich jedoch auch Filme selbst nicht immer eindeutig einem Genre zuordnen und bestehen zum Teil aus einem kalkulierten Genremix. Faulstich weist dabei auf drei Grundprobleme des Genrebegriffs hin: seiner Zirkularität, seiner Kategorienvermischung und seiner Subjektverhaftetheit. Zirkularität bedeutet an dieser Stelle, dass eine Kategorisierung das vorherige Wissen von Kategorien voraussetzt. So kann z.B. ein Western nur dann dem Genre Western zugeordnet werden, wenn der Betrachter weiß, was mit dem Genrebegriff Western umschrieben wird. Der Betrachter muss also bevor er den Begriff Western verwenden kann über seine Zuordnungskriterien informiert sein. Diese Zuordnungskriterien können jedoch nur aus den Filmen selbst gewonnen werden, weshalb sie als zirkulär bezeichnet werden können. Genres werden zudem aufgrund unterschiedlicher Kriterien wie z.B. geografischen oder historischen Merkmalen des Settings begründet, wie z.B. der Begriff Western im Allgemeinen für Filme verwendet wird, die im amerikanischen Westen in der Zeit um 1860 bis 1900 spielen. Analog dazu könnte beim Kriegs- oder Liebesfilm thematisch, beim epischen Film dramaturgisch, beim Ausstattungsfilm produktionstechnisch und beim Horror, Science-Fiction oder Thriller nach seiner Wirkung definiert werden. Dass eine solche Kategorisierung der Betrachtung jedoch zu kurz greifen würde zeigen die Filme in denen Genres sich mischen. Trotz der geäußerten Einschränkungen bezeichnet Faulstich die Genreeinteilung als nützliches Arbeitsinventar der Filmanalyse:

„Dennoch lässt sich ein Diskussionsstand verlässlich konstatieren: Ein Genre ist ein spezifisches Erzählmuster mit stofflich-motivlichen, dramaturgischen, formal-strategischen, stilistischen, ideologischen Konventionen und einem festgelegten Figureninventar. Es handelt sich bei Genres um kulturell ausgebildete Rahmensysteme oder Schemata, die zwar relativ stabil sind, aber nicht unveränderbar festliegen, sondern sich ihrerseits historisch wandeln können.“[2]

Strukturell ähnliche Filme erscheinen häufig in bestimmten zeitlichen Phasen, es könnte auch von Modeerscheinungen gesprochen werden, wie etwa Gangsterfilme in den USA der 30er Jahre, Science-Fiction in den 50er und 90er Jahren und der Western in den 50er und 60er Jahren. Die strukturellen Muster oder Genreanforderungen werden dabei einerseits von Filmproduzenten als Raster und vom Publikum als Orientierungsmöglichkeit bei der Filmwahl genutzt. Somit sind Genres nicht nur für Individuen, sondern als kulturelle Codes relevant. Insbesondere im cinematografischem Mainstream spielt die Orientierung an Genres eine bedeutende Rolle.

2. Film und Genre

2.1 Das Westerngenre

Faulstich bezeichnet den Western als amerikanischen Heimatfilm, der örtlich und temporär auf den amerikanischen Western in der Zeitspanne zwischen 1860 und 1900 angelegt ist. Konstituierend für den Western sind seine Hauptfiguren bestehend aus Farmern, Sheriffs, Revolverhelden, Goldgräbern, Trappern, Cowboys usw. Philipp French betonte in seiner Publikation „Westerns – Aspects of a Movie Genre“, dass es zwei Dinge gäbe, die jedes Kind über das Westerngenre wisse: dass er ein kommerzielles Rezept mit unabänderlichen Regeln ist und dass die im Western dargestellten Ereignisse mit denen in der Realität nichts gemein haben. French betont aber ausdrücklich, dass keines dieser Klischees der Realität entspricht und dass sich das Westerngenre insbesondere seit dem II. Weltkrieg maßgeblich verändert hat, indem es selbstbewusster und seine Themen komplexer und abwechslungsreicher wurden. Die Frühzeit des Westerngenres, wenn wir esper definitionemals Abenteuergeschichte im amerikanischen Westen bis zur Wende zum 20. Jahrhundert bezeichnen, ist in den schriftlichen Abenteuergeschichten und denn Theatervorführungen z.B. Bill Codys zu suchen. Die erste Geschichtenreihe waren James Fennimore CoopersLeather Stockings, ein später vielfach verfilmter Stoff. Die ersten Western-Filme erschienen um die Jahrhundertwende und bereits 1908 beschwerte sich das Publikum über die ständige Wiederholung von Geschichten. Diese beinhalteten meist historische Stoffe, die nur wenige Jahre zuvor passiert waren. So handelteThe Great Train Robbery(1903) von Edwin S. Porter, von einem Eisenbahnraub der „Hole-in-the-Wall“ - Gang, der nur 3 Jahre zuvor stattgefunden hatte.[3]Zu Beginn der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts produzierte Paramount zahlreiche Western, bis durch die Folgen der Wirtschaftskrise ab 1929 die Produktion für kurze Zeit ins Stocken geriet. 1935 erschien dann, unter dem Einfluss des Tonfilms, erstmals ein Protagonist, den man als den „singenden Cowboy“ bezeichnen kann, ein Subgenre, das insbesondere mit Elvis Presley in den 50er Jahren nochmals viele Anhänger fand. Als mit John Wayne inStagecoach(1939) erstmals ein Western-Schauspieler zum Star avancierte und Regisseur John Ford große Anerkennung zu Teil wurde, war der Western längst als Genre bekannt.[4]Einen weiteren Aufschwung erlebte die Westernindustrie ab Mitte der 40er Jahre. Die Gründe dafür sind unter anderem in der Tätigkeit des „Komitees für unamerikanische Umtriebe“ (McCarthy-Ära, ca. 1947-1956) zu suchen, während der die amerikanische Filmindustrie verzweifelt nach Inhalten suchte, in denen kontroverse Themen sicher vor den Ermittlungen des Komitees behandelt werden konnten. Zudem unterstützten technische Neuerungen wie die Entwicklung des Fernsehens oder der Breitbildleinwand und des Farbfilms den Siegeszug des Genres. French betont, dass die Transformation des Westerns in einer relativ kurzen Zeit vonstatten ging.[5]Bereits seit 1946 stieg die Anzahl der Westernproduktionen, das Jahr 1950 war jedoch ein Wendepunkt für das Genre. Ein französischer Filmkritiker bezeichnete 1950 als „1789 für die Genregeschichte“. Innerhalb von vier Monaten veröffentlichte Hollywood Delmer DavesBroken Arrow, Anthony Manns erste WesternDevil’s DoorwayundWinchester 73, FordsWagonmasterund Henry KingsThe Gunfighter. Bis 1949 hatte nur John Ford erfolgreich Western gedreht und es gab auch nur einen Schauspieler, der als Westernheld berühmt geworden war: John Wayne. Noch bis Mitte der 50er Jahre wurde die Wahl der besten Schauspieler, die ‚Top Ten Box Office Stars’ getrennt von der Liste der ‚Top Ten Western Stars’, als handele es sich um unterschiedliche Berufe.[6]Nach dem Boom zu Beginn der 50er Jahre änderte sich die Situation jedoch grundlegend. Die besten Drehbuchautoren, Schauspieler und Regisseure begannen, sich für das Genre zu interessieren. Die Filmkritiker beachteten dabei jedoch nur selten den jeweiligen Film von seiner Geschichte her, sondern beurteilten vielmehr, inwieweit er sich in das Genre einfügte. In einem Interview gab Marlon Brando 1957 zu, dass seine Produktionsfirma nur deshalb einen Western gedreht habe, weil man zunächst einen Kassenerfolg gebraucht hätte, um der Firma eine Anschubfinanzierung für zukünftige Projekte zu ermöglichen. So beschränkte sich das Genrebild auf Szenen von Prügeleien und Pokerspielen in Saloons, Schusswechsel in einsamen Straßen, Showdowns in den Bergen mit umherfliegenden Kugeln, fremden Rittern, die in die Stadt kommen, um für das Gute und die Unterdrückten zu kämpfen. Dieses simplifizierte Muster gab Filmproduzenten die Möglichkeit aus dem Rezeptbuch ihren Film zusammenzustellen und Zuschauern einen Leitfaden, um sich im Dschungel der Neuerscheinungen zu orientieren. So fanden Manns Filme hinsichtlich ihres inhaltlichen Gehalts erst in den 60er Jahren Beachtung als dieser sich schon dem Epos-Genre verschrieben hatte. Frank Gruber, einer der wichtigsten Drehbuchautoren zeichnet sich verantwortlich für eine viel zitierte Maxime, nach der es nur sieben Kategorien von Western gibt: der Eisenbahngeschichte, der Farm-Geschichte, der Geschichte um einen Viehmillionär (eine epische Fassung der Farm-Geschichte), der Rache-Geschichte, die Kavalerie-gegen-Indianer - Geschichte, der Schurken-Geschichte sowie der ‚Gesetz und Ordnung“ - Geschichte. French weist darauf hin, dass obgleich Western sich zumeist in diese Schubladen einordnen lassen, sie den individuellen ‚Touch’ der Filme vernachlässigen. Er listet zudem weitere Kategorien auf wie den Comedy-Western, den Italo-Western, den realistischen Western, den ‚pre-Western’ (in der Zeit vor der Kolonialisierung des Westens) und den ‚post-Western’, in dem moderne Cowboys die Ideale des Westens hochleben lassen oder auch umkehren (vgl.Brokeback Mountain, Anm. d. Verf.).[7]In den 50er Jahren befasste sich die Filmindustrie auch intensiv und durchaus kontrovers mit der Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs. French hat darauf hingewiesen, dass der Western nicht nur eine filmische Form darstellt, sondern auf eine gesellschaftliche Geisteshaltung hinweist, die mit dem symbolischen Status des amerikanischen Westens verbunden ist. In einer viel zitierten Rede vor der American Historical Association im Jahre 1893 beschrieb der Historiker Frederick Jackson Turner, was die Grenzerfahrung für das amerikanische Leben bedeutet:

„The result is that to the frontier the American intellect owes its striking characteristics. The coarseness and strength combined with acuteness and inquisitiveness; that practical, inventive turn of mind, quick to find expedients; that masterful grasp of material things, lacking in the artistic but powerful to effect great ends; that restless nervous energy; that dominant individualism, working for good and for evil, and withal that buoyancy and exuberance which comes from freedom – these are the traits of the frontier or traits that are called out elsewhere because of the existence of the frontier.”[8]

Die Menge der Attribute lässt erahnen, dass in der Folgezeit nahezu jedes Thema und Genre an das Westerngenre adaptiert wurde. Bereits Ende der 50er Jahre orientierten sich einige Titel an klassischen griechischen Heldensagen oder an Shakespeares Theaterstücken. Schließlich wurde der Western auch benutzt, um die eigene Geschichte neu zu schreiben oder anders zu interpretieren. Im Jahre 1943 schrieben Sinclair Lewis und Dore Schary eine Westerninterpretation (Storm in the West) zu den Ereignissen vor dem II Weltkrieg. Stalin tritt dabei als Joel Slavin, einem Bürgerkriegsveteran aus Georgien, auf der den Ort „the old Nicholas place“ übernimmt und sich später Ulysses Saunders (USA) und Walter Chancel (Churchill) anschließt um gegen die Schurken Hygatt, Gribble Gerrett, und Mullison vorzugehen, deren Taten die Ermordung von Chuck Slattery (Tschechoslowakei) zur Folge hatten.[9]MitWinchester ’73,Colt 45,Springfield RifleundThe Battle at Apache Passetablierte sich zu Beginn der 50er Jahre ein Subgenre, welches French als Waffen-Western bezeichnet. In ihnen hat der Erwerb besonders hochwertiger oder technisch innovativer Waffen einen großen Stellenwert innerhalb der Rahmenhandlung. Der Sozialhistoriker Lawrance Alloway hat auf politische Implikationen hinsichtlich der Behandlung dieser Thematik hingewiesen. So geht er davon aus, dass nicht nur die Frage behandelt wurde, welche Macht neue Waffen ihrem Besitzer geben, sondern auch welche sozialen Auswirkungen neue Waffen auf eine Gesellschaft haben. Diese Western reflektieren die politischen Fragestellungen der vor- und frühen Eisenhower Ära, in der es der Politik darum ging die militärtechnische Lücke zwischen den Supermächten zu schließen und im Rüstungswettlauf gegen Ende der 50er Jahre zumindest zu einer militärischen Pattsituation zu kommen. In der Kennedy-Ära verlagerte sich das Interesse der Filmemacher auf Fragen vernunftorientierter und weiser Handlungsweisen und Verantwortung, heute würde man dies als ‚good governance’ bezeichnen, wie dies in den FilmenGunman’s Walk,The Tin Star,The Young GunsundSaddle in the Winderkennbar ist.[10]Ab Ende der 60er Jahre beschäftigten sich einige Western wie Peckinpah’sWild Bunch(1969) oder Don Medford’sThe Hunting Party(1971) mit der Situation in Vietnam und reflektieren dabei Sorgen und Ängste der amerikanischen Bevölkerung.[11]French identifiziert aufgrund seiner Untersuchung des Genres drei wichtige Aspekte. Zum einen sind Western zunächst schlecht geeignet, um komplexe politische Ideen direkt und konkret zu thematisieren. Der Western kann nicht zu pragmatischen Fragen der Tagespolitik und den dafür nötigen Kompromissen Stellung beziehen. Zweitens bietet der Western Möglichkeiten für die Präsentation individueller Virtuosität. Es muss jedoch angemerkt werden, dass hinsichtlich dieser Virtuosität zumeist die pittoreske Darstellung des amerikanischen Westens reflektiert wurde. Ausstattung und Bildgewalt durch Außenaufnahmen stießen auf größeres Interesse als politisch-gesellschaftliche aufgeworfene Fragen. Schließlich stellt French die Frage, warum der Western häufig anachronistisch ist und trotz der umfassenden Kenntnis von der dargestellten Periode der amerikanischen Geschichte nur selten die realen Verhältnisse schildert. French bezeichnet den Western dabei als einen Sonderfall, der einen „charmanten Anachronismus“ kultiviere, in dem die Gesetze der historischen Wahrscheinlichkeit nicht beachtet werden.[12]Edward Buscombe hat vorgeschlagen Western analog zur Literaturtheorie von Wellek und Warren bezüglich seiner äußeren und seiner inneren Form zu untersuchen mit der inneren Form die das Setting, die Bildsprache, die Kostüme und nicht zuletzt die genrespezifischen Zutaten beinhaltet und der äußeren in der Rahmenhandlung evtl. historischer Hintergrund oder die Message enthalten sind.[13]

2.2 Der Film „Winchester 73“

In seinen ersten Thrillern wie z.B.T-Manentwarf Mann eine Welt in der sich die gute und die schlechte Seite unverrückbar gegenüberstanden.[14]Erst mit seiner Arbeit im Westerngenre gelang es Mann jedoch, diese Konflikte auf sehr persönliche Art zu präsentieren. Es scheint, als dass erst die raue Landschaft des amerikanischen Westens und der Zeitsprung in die existenzialistische Phase der amerikanischen Landnahme Mann ein Setting boten, in welchem er seinen Figuren mehr Tiefe verleihen konnte. Seine ersten Western,Devil’s Doorway(1950) undThe Furies, beide Remakes des RomansDer Idiotvon Dostojewski, waren zwar keine Kassenerfolge, verdienen jedoch aufgrund ihres Umgangs mit der Geschichte Beachtung. Im selben Jahr wieDevil’s Doorwayerschien auchBroken Arrowvon Delmer Daves, der erstmalig nicht dem Weißen, sondern dem Indianer die Rolle des Protagonisten zudachte. Die liberale Art und Weise, mit der Daves Fragen nach rassischer Abstammung oder der kompromisslosen Landnahme der ersten Siedler nachging, erntete von den Medien viel Kritik. ObgleichDevil’s Doorwaynoch vor der Fertigstellung vonBroken Arrowabgedreht war, wurde er von der Produktionsfirma zurückgehalten. Da das Thema in den Medien im Rahmen vonBroken Arrowjedoch hinlänglich diskutiert worden war, stießDevil’s Doorwayauf wenig Medien- und somit auf wenig Publikumsinteresse. In der Retrospektive erscheint dies überraschend, da Mann in seinem Film ein wesentlich realistischeres Bild des amerikanischen Westens während der Landnahme zeichnete und die Indianer weniger glorifizierte. Bemerkenswert ist auch das Drehbuch vonDevil’s Doorway,in dem den Protagonisten kein Trost durch eine Liebesgeschichte und auch kein Happy End zugedacht wird. Das Schicksal der Shoshonen ist am Ende des Films der Genozid und der Abtransport der Überlebenden in ein Reservat durch das Militär. Beachtung fand der Film erst innerhalb der Filmwissenschaft und in der Betrachtung von Manns Karriere.[15]Die 50er Jahre sicherten Mann einen festen Status im Filmgeschäft und waren zugleich seine kreativste Schaffenszeit. Allein in diesem Jahrzehnt drehte er 18 Filme, 11 davon Western.Winchester ’73war jedoch der größte Erfolg aus dieser Zeit und er ebnete Mann den Weg zum wirtschaftlichen Erfolg und zur eigenen Handschrift. Winchester ’73 war zudem der erste von zahlreichen Western, bei denen Mann die Arbeit am Drehbuch Borden Chase anvertraute. In der ersten Hälfte des Jahrzehnts dominierte zudem die Zusammenarbeit mit James Stewart in insgesamt 8 Hauptrollen. Mann schätzte und achtete die Arbeit von Stewart, weil dieser sich äußerst intensiv auf seine Rollen vorbereitete. FürWinchester ’73trainierte er z.B. stundenlang Schießen. Später äußerte Mann, dass Stewart bereit war, nahezu jede Szene zu drehen, sei es eine Rangelei unter Pferdehufen oder ein Sprung durch Feuer. Die weitere Zusammenarbeit von Mann und Stewart inThunder Bay,The Glenn Miller Story, oderStrategic Air Commandwar äußerst erfolgreich and bedeutete für ihre Kreativität eine Bereicherung. Stewart, der zuvor im Wesentlichen mit leichten Rollen in Komödien bedacht worden war, erreichte in Manns Filmen eine von ihm noch nie zuvor gesehene charakterliche Tiefe und Ausdrucksstärke. Die komödiantische Stärke Stewarts diente Mann als Basis für den Zynismus Lins inWinchester ’73und der Hauptdarsteller erlernte zudem eine Rolle als verbissener und letztlich scheiternder Held.[16]In seinen zahlreichen Western verfeinerte Mann seine konzeptuellen Pläne, indem er die dynamische Dialektik zwischen Leidenschaft und Pflicht sowie zwischen individueller und gesellschaftlicher Verantwortung aufgriff. Mann wollte diese Spannung nicht auflösen, vielmehr diente sie ihm als Übergang in das Transzendente und letztlich ins Epische. Das Westerngenre diente Mann als geeignete Basis für solche Themen, wodurch er eine Kunst entwickeln konnte, die sowohl integriert als auch persönlich war. Von entscheidender Bedeutung war für Mann auch das Setting, erlaubte der amerikanische Westen dem Regisseur doch die Schaffung eines bestimmten Stils, indem er den oben beschriebenen Konflikt auf die Landschaft übertrug und so sein Konzept metaphysisch ausdehnte.

2.2.1 Handlungsverlauf

Die Anfangssequenz stellt die Waffe vor, der als Symbol der Begierde im Film eine wichtige Rolle zukommt. Es wird klar, dass die Waffe, eine äußerst seltene und qualitativ hervorragende Winchester aus dem Baujahr 1873, dem Gewinner eines Schießwettbewerbs übereignet wird. Zwei Reiter kommen nach Dodge City und beobachten den Trubel in der Stadt. Offensichtlich sind beide auf der Suche nach einer Person, dessen Ankunft sie aufgrund des Schießwettbewerbs erwarten. Auf ihrer Suche nach Unterkunft kommen sie am Saloon vorbei, wo sie beobachten, dass eine junge Frau mit Namen Lola offenbar gegen ihren Willen

[...]


[1]Faulstich, S. 26

[2]Faulstich, S. 29

[3]Saunders, S. 5

[4]Saunders, S. 3f

[5]French, S. 13

[6]French, S. 14

[7]French, S. 18

[8]In: French, S. 22

[9]French, S. 37

[10]French, S. 42

[11]French, S. 42f

[12]French, S. 45f

[13]Saunders, S. 10

[14]Kitses, S. 30

[15]http://www.tcm.com/thismonth/article.jsp?cid=135957&mainArticleId=135951

[16]Kitses, S. 31

Details

Seiten
31
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668869912
ISBN (Buch)
9783668869929
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v455231
Note
Schlagworte
Filmanalyse Winchester 73 Western Analyse Film Genre Anthony Mann Kritik Normen Werte Rache Inhaltsanalyse Inhalt Macht Gerechtigkeit

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Titel: Filmanalyse "Winchester ’73". Normen und Werte im Film