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Soziales Kapital nach James Coleman

Referat (Ausarbeitung) 2005 16 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Soziales System
1.1. Elemente: Akteure und Ressourcen, Interesse und Kontrolle
1.2. Sozialer Tausch
1.3. Soziales Gleichgewicht

2. Soziales Kapital
2.1. Begriff des sozialen Kapitals. Physisches Kapital, Humankapital, soziales Kapital
2.2. Formen des sozialen Kapitals
2.2.1. Verpflichtungen und Erwartungen. Vertrauen
2.2.2. Informationspotenzial
2.2.3. Normen und wirksame Sanktionen
2.2.4. Herrschaftsbeziehungen. Macht
2.3. Schaffung, Aufrechterhaltung und Zerstörung von sozialem Kapital

3. Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Anlage 1: Handout

Anlage 2: Folien

Einleitung

Der erstmalig 1916 verwendete[1] und erst seit den 60er Jahren letzten Jahrhunderts wieder an Aufmerksamkeit gewonnene Begriff des sozialen Kapitals findet neben Soziologie auch in den Wirtschaftswissenschaften immer breiteres Interesse.

Mit diesem Thema haben sich mehrere Autoren im Laufe der letzten 50 Jahre befasst und verschiedene Konzepte des sozialen Kapitals ausgearbeitet. Die bekannten Autoren sind Jane Jacobs, Glenn C. Loury, Pierre Bourdieu, Robert D. Putnam, James S. Coleman und andere.

In der handlungssystematischen Studie entwickelt Coleman sein Modell des sozialen Systems, anhand dessen die wichtigsten Elemente und Beziehungen zwischen ihnen erklärt werden. Im Vordergrund stehen Akteure als rational handelnde Individuen oder Gruppen von Individuen, die im Besitz bestimmter Ressourcen sind und deren alleiniges Interesse in der Kontrolle eigener und fremder, aber erwünschter Ressour-cen besteht. Die reziproken Beziehungen, die aus dem Wissen um das Vorhanden-sein interessanter Ressourcen bei anderen Akteuren möglich werden, bilden soziales Kapital in Gemeinschaften.

Das Phänomen des sozialen Tausches erklärt Coleman als Folge der Beziehungen, die zwischen den Akteuren entstehen. Das bedeutet, das soziales Kapital eine Grundlage für das Funktionieren des sozialen Tausches bildet.

In dieser Arbeit wird auf das Colmansche Modell des sozialen Systems näher einge-gangen. Dabei werden die Elemente dieses Systems besonders aufmerksam behan-delt, um das Phänomen des sozialen Kapitals erklären zu können.

1 Soziales System

1.1 Elemente: Akteure und Ressourcen, Interesse und Kontrolle

Das minimale soziale System nach Coleman umfasst zwei Arten von Elementen und zwei Arten von Beziehungen zwischen diesen Elementen. Die Elemente sind Akteure und Ressourcen. Dabei üben die Akteure die Kontrolle über die Ressourcen aus und haben an denen irgendein Interesse. Kontrolle über und Interesse an Ressourcen stellen somit die Beziehungen in diesem (minimalen) sozialen System dar.[2]

Akteure maximieren als rationale Egoisten ihr Interesse: „der Mensch der Theorie ist rational im Sinne des Maximierungsprinzips, er ist egoistisch, weil sein Nutzenkalkül nicht die Vermehrung oder Verminderung des Nutzens Anderer impliziert.“[3]

Das zweite Element in der Theorie von Coleman bilden Ressourcen. Dabei handelt es sich um Ressourcen verschiedener Art: es sind private Güter, Ereignisse, die für eine Anzahl anderer Akteure Konsequenzen nach sich ziehen, gewisse Attribute wie Fertigkeiten oder Schönheit sowie Resultat von Ereignissen.[4] Ressource können dabei verschiedene Merkmale aufweisen: sie sind erst in der Zukunft lieferbar, wogegen andere sofort geliefert werden können. Ressourcen können die Eigenschaft der Erhaltung aufweisen: nur eine festgesetzte Menge der Ressource ist vorhanden. Wird eine Menge der Ressource verbraucht, so verringert sich für andere der Gesamtanteil dieser Ressource um genau diese Menge. Information als Ressource weist z.B. im Normalfall keine Erhaltung auf. Eine Information, die an einen anderen weitergegeben wird, steht dem ursprünglichen Besitzer ebenfalls noch zur Ver-fügung. Somit gehören Teilbarkeit, Veräußerlichkeit, Erhaltung, Liefertermin und Fehlen von externen Effekten zu den wichtigen Eigenschaften von Ressourcen.[5]

In der Theorie von Coleman spielt „Interesse“ eine zentrale Rolle. Im Idealfall sind die Handlungen von Akteuren folgendermaßen zu beschreiben: Akteure kontrollieren alle diejenigen Ressourcen, an denen sie interessiert sind. Sie üben die Kontrolle so aus, dass ihre Interessen wahrgenommen werden. Innerhalb einer Struktur stoßt man aber darauf, „dass man es nicht nur mit einer Menge von Individuen zu tun hat, die zur Wahrung ihrer Interessen unabhängig voneinander Kontrolle über bestimmte Aktivitäten ausüben“[6] Es entsteht ein soziales System. Grund dafür ist, dass Akteure nicht alle Aktivitäten kontrollieren, die ihre Interessen befriedigen können. Einige dieser Aktivitäten werden teilweise oder vollständig von anderen Akteuren kontrolliert. Somit erfordert das Verfolgen von Interessen in einer solchen Struktur, dass man Transaktionen irgendeiner Art mit anderen Akteuren eingeht. Zu solchen Transaktionen gehören nicht nur Handlungen, die man normalerweise als Tausch-geschäfte bezeichnet. Die minimale Grundlage für ein soziales Handlungssystem sind somit zwei Akteure, die jeweils Ressourcen kontrollieren, an denen der andere interessiert ist.[7]

Den Zusammenhang zwischen den Interessen der Akteure und der Kontrolle kann man am besten durch die Handlungen beschreiben, die die Akteure eingehen. Im (minimalen) Sozialsystem von Coleman sind die Handlungsarten, die sich jedem Akteur bieten, ernsthaft eingeschränkt: „Alle Handlungen werden zu dem einzigen Zweck ausgeführt, die Interessen des Akteurs besser zu verwirklichen.“[8] Es werden nur 3 Handlungsarten unterschieden.

Bei der ersten Handlungsart geht es einfach darum, Kontrolle über diejenigen Ressourcen auszuüben, an denen man interessiert ist und die man bereits kontrolliert, um ein Interesse zu befriedigen. Diese Art von Handlung ist jedoch sozial, da keine anderen Akteure einbezogen sind.[9]

Bei der zweiten Handlung geht es um die zentrale Handlung: das Erlangen von Kontrolle über die Dinge, die für einen Akteur von größtem Interesse sind. Dies geschieht üblicherweise mit Hilfe von Ressourcen, die ihm zur Verfügung stehen, indem er die Kontrolle über Ressourcen, die für ihn weniger interessant sind, gegen die Kontrolle über Ressourcen eintauscht, die ihn mehr interessieren. Dieser Vorgang richtet sich nach dem übergeordneten Ziel, die Verwirklichung von Interessen zu verbessern.[10]

Die dritte Handlungsart ist die einseitige Übertragung von Kontrolle über Ressourcen, an denen man interessiert ist. Eine solche Übertragung findet statt, wenn die Grundannahme der zweiten Handlungsart nicht länger hält. Das heißt, dass ein Akteur eine einseitige Übertragung von Kontrolle über Ressourcen vornimmt, wenn er glaubt, dass die Ausübung von Kontrolle über dieselben Ressourcen durch einen anderen Akteur eher der Verwirklichung seiner eigenen Interessen dient, als wenn er sie selbst kontrolliert.[11]

[...]


[1] Vgl. Wikipedia. Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturelle_Ressource

Wikipedia

[2] Vgl.: Coleman, James S. (1995): Grundlagen der Sozialtheorie. Handlungen und Handlungssysteme. Band 1. München: Oldenbourg, S. 34.

[3] Mtiaske, W. (1999): Soziales Kapital in Organisationen: eine tauschtheoretische Studie. München: Mehring Hampp, S. 165.

[4] Vgl. Coleman, James S. (1995) a.a.O., S. 44 ff.

[5] Vgl. Coleman, James S. (1995) a.a.O., S. 44.

[6] Coleman, James S. (1995) a.a.O., S. 35.

[7] Vgl. Coleman, James S. (1995) a.a.O., S. 36.

[8] Coleman, James S. (1995) a.a.O., S. 39.

[9] Vgl. Coleman, James S. (1995) a.a.O., S. 39 f.

[10] Vgl. Coleman, James S. (1995) a.a.O., S. 40.

[11] Vgl. Coleman, James S. (1995) a.a.O., S. 40.

Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638428651
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v45466
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Soziales Kapital James Coleman Personal Verhalten Organisationen

Autor

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